Cleveland (Galerie)

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    • Cleveland (Galerie)

      Cleveland ist mit 445.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat Ohio (nach Columbus) und wir beginnen mit einem Blick auf einen Stadtplan, der zumindest die geographische Situation verdeutlicht.

      1 Als erstes sehen wir die prima Lage der Stadt, am Cuyahoga River und direkt am Erie-See, das „you are here“ ist nicht relevant. Beide Gewässer wurden, außer zu wirtschaftlichen Zwecken, während der Stadtplanung völlig vergessen, erst in den vergangenen Jahren wurde verstärkt versucht, die Stadt zumindest an den See anzubinden. Im Weiteren sehen wir die markierten Terminal Tower (Quadrat in der Mitte), Rock’n’roll-Hall-of-Fame (oben), Veterans Memorial Bridge (links) und den Playhouse Square (rechts) am Ende der Euclid Avenue.



      2. Die Stadt wird vom Terminal Tower dominiert, der 1929/30 von den Architekten Graham, Anderson, Probst & White an Stelle eines alten Bahnhofes gebaut wurde. Der Hauptturm ist 216 m hoch und war damit bis 1964 (Bau des Prudential Towers in Boston) das höchste Gebäude in Nordamerika außerhalb von New York City. Das Gebäude hat eine gewaltige Grundfläche und beinhaltet u.a. ein Hotel und eine Shopping Mall.



      3 Direktes Vorbild der Terminal Towers soll das Municipal Building in New York gewesen sein, während sich beide Gebäude definitiv deutlich an der Giralda der heutigen Kathedrale in Sevilla orientieren.



      4 Als erstes sind wir im Observation Deck im 42. Stock des Gebäudes und schauen am Key Tower (1991, 289 m) vorbei Richtung Norden zum Lake Erie und sehen wieder das Rock’n’Roll-Museum eingekreist hinter dem Highway 2, der die Innenstadt deutlich vom See trennt.



      5 Jetzt bewegen wir und im Uhrzeigersinn und sehen auf den Public Square mit einem Monument für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Man beachte die von oben relativ unscheinbaren Behördengebäude mit den grünen Dächern.



      6 Jetzt sehen wir neben dem Key Tower das imposante Gebäude „200 Public Square“ (1987, 201 m).



      7 Jetzt sehen wir beginnend links unten in die Euclid Avenue, hier habe ich am Ende des hier relevanten Bereiches den Playground Square mit dem Keith-Building markiert. Rechts steht mit dem grünen Dach eines der wenigen Art Deco Gebäude der Stadt, das AT&T-Building (1927, 111 m).



      8 Das ist der Blick auf den rückwärtigen Ausgang des Terminal Tower Komplexes. Cleveland hat, nachdem die ortsansässige Industrie um 1980 zusammengebrochen war, ab Mitte der 1990er die Kurve bekommen, das Ortsbild weitgehend saniert und zunehmend auf die Karten Kultur, Museen und Sport gesetzt. Hierbei wurde gerade durch die Lage relevanter Museen versucht, die Stadt an den Lake Erie anzubinden, den Cuyahoga-River hat man jedoch völlig vergessen auch, wie wir hier sehen. Während der industriellen Blüte der Stadt war der Fluss (wie die Stadt) extrem verdreckt, was dazu führte, dass der Fluss aufgrund seines hohen Ölgehaltes 1969 sogar einmal in Flammen stand. Hinten habe ich die Westside Market Hall markiert, die wir später sehen.



      9 Jetzt haben wir fast eine komplette Runde gedreht und schauen Richtung Westen zur Veterans Memorial Bridge. Das auffällige Gebäude links ist das „Carl B. Strokes Federal Court House“, rechts das „John D. Rockefeller House“, von „dem“ Rockefeller, der 1870 Standard Oil gründete. Da der Firmenname Exxon in Europa nicht ins Klangbild passte, wurde hier übrigens die gesprochene Abkürzung von Standard Oil eingeführt, „Es-Oh“ = Esso.




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      11 Jetzt sind wir in dem zwischen Turm und Fluss gelegenen Shopping-Bereich des Komplexes.



      12 Das ist die überaus pompöse Vorhalle zum Public Square hin (man beachte die Portale), ...



      13 ... die für mich viel von der Vorhalle mancher Kirche hat, hier die Lateran-Basilika in Rom.



      14 Jetzt sind wir auf dem Public Square und schauen über das genannte Monument betreffend den amerikanischen Bürgerkrieg zum May Company Building, ...



      15 ... einem amerikanischen Kaufhaus-Klassiker, 1914 von Daniel Burnham gebaut, mit Erweiterungen von Graham, Anderson, Probst & White. Ich könnte nicht sagen, was sich heute in dem Gebäude befindet, ein Kaufhaus in jedem Fall nicht mehr. Im weiteren Verlauf der Euclid Avenue (so etwas wie der Hauptstraße der Stadt) gibt es überhaupt keine nennenswerten Geschäfte, Cleveland ist wie Buffalo eine der amerikanischen Städte, die irgendwann ihre Infrastruktur in die Peripherie verlagert haben.



      16 Das ist „The Aracade“ ein schöner Guss-Eisenbau von 1890.



      17 Hier finde ich die vor das Gebäude geradezu vorgeklebte Fassade bemerkenswert, wo etwas habe ich gerade in Cleveland mehrfach gesehen.



      18 Das ist das Rotunda-Building (1905-1908), das Pantheon wurde hunderte Male nachgebaut, diese Version ist vermutlich einmalig, mit der klassischen Ansicht zu zwei Straßenseiten.



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      20 Im weiteren Verlauf der Euclid Avenue ist allerdings zu erkennen, dass die Sanierung der Stadt noch nicht vollendet ist. Hätte Sie hier nicht irgendwann noch die Kurve bekommen, sähe es jetzt hier aus wie in Detroit.




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      22 Jetzt nähern wir uns dem Ende des relevanten Bereiches des Euclid Av., rechts eine der wenigen Bausünden.



      23 Jetzt sind wir am Playhouse Square angekommen, dem immerhin zweitgrößten Theater-Komplex der USA. Wie die ganze Stadt erlebte der Bereich um 1970 einen dramatischen Niedergang, der in der Schließung fast sämtlicher Theater endete. Das größte Haus am Platz ist das Palace Theater mit 2.700 Plätzen.

      „… and the rise of television led to the decline of the theaters.[3] Fire broke out in the Ohio (theatre) in 1964, and the other Playhouse theaters were struck by vandalism.[4] Between May 1968 and July 1969, all the theaters closed except the Hanna (theatre)”. Quelle wikipedia.[

      Das hohe Gebäude rechts ist das Keith Building (“my friends call me Keith, you can call me John”, das hatten wir schon mal), von den deutschstämmigen Architekten Rapp & Rapp, die um 1920 im Nordwesten der USA jede Menge Theater gebaut haben, irgendwo zwischen French Renaissance und Art Deco. In Buffalo stand auch eines, das ich aber nicht gesehen habe.



      24 Das bekannteste Theater von Rapp & Rapp wird das gewaltige Paramount Theater am New Yorker Times Square sein (1927).



      25 Leider konnte ich keine Führung durch die Theater am Playhouse Square bekommen, immerhin für dieses Bild in einer Theater-Lobby hat es gereicht.



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      28 Nachdem wir zwei der weinigen Art-Deco-Bauten in Cleveland gesehen haben, sind wir jetzt am Superior Building (81 m, 1920), etwas mehr in Richtung Lake Erie.



      29 In diesem Umfeld stehen diverse öffentliche Gebäude von der Public Library bis zum County Court House, die deutlich erkennen lassen das Cleveland vor 100 Jahren eine absolut reiche Stadt war. Ebenso wie in Buffalo wurden wir in den Gebäude freundlich begrüßt, wenn wir vorsichtig unsere Nasen hineinsteckten. Pictures? Of course!



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      35 Jetzt sind wir an der Rock’n’roll-Hall-of-Fame, das 1995 der (amerikanische) Architekt I. M. Pei gebaut hat, der sich auch für die Glaspyramide vor dem Louvre verantwortlich zeigte. Angeblich hat in Cleveland der DJ Alan Freed den Begriffe Rock’n’Roll erfunden, aber letztlich ist das Museum ein (gelungener) Versuch, die Innenstadt zu beleben und die Stadt an den See anzubinden. Die Stadtentwicklung in Cleveland viel von der in dem mir relativ vertrauten Bremerhaven gemein. Hier wie da wird versucht, die Trennung eines Gewässers von der Innenstadt zu überwinden, dies durch Brücken und die Ansiedlung von Museen direkt am Gewässer. In beiden Städten wird zudem versucht, die vorhandene Bausubstanz (die in der Innenstadt von Bremerhaven sehr überschaubar ist) möglichst aufzupolieren und überhaupt durch die Belebung von Tourismus die Innenstadt wiederzubeleben. Zumindest in Bremerhaven wirkt das etwas wie Einsatz der letzten Kugel im Revolver.

      Für Fans donnernder Rockmusik ist das Museum natürlich Pflicht. Natürlich wird der Einfluss der USA auf den Rock’n‘Roll überbetont, dafür wird der m.E. überschaubare Einfluss von Frauen auf die Rockmusik politically correct in einer eigenen Abteilung überdokumentiert. Ich stand ergriffen vor dem maßgeblichen Instrument des Ramones-Gitarristen Johnny Ramone, falls der hier jemandem etwas sagt.



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      37 Leider waren nur im Eingangsbereich Fotos zugelassen. Aber vielleicht kennt der eine oder andere den originalen Standort dieser Markise, ...



      38 ... den ehemaligen CBGB-Club in der New Yorker Bowery, dessen Umfeld sich zwischen 2001 und 2010 dramatisch geändert hat (heute die Boutique „John Varvatos“, immerhin eine Toilette wurde drinnen original erhalten, würde man die Toilette versetzen, würde sie als eine Art Spolie taugen).



      39 Jetzt sind wir an der Free-Stamp von Claes Oldenburg mit Blick auf Downtown vom Erie-See aus.



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      41 Das „Historic Society for Savings Building“ a.d. 1890 (das rote Gebäude) von Burnham & Root wurde 1991 in den Neubau des Key Centers (Cesar Pirelli, 1991) integriert.



      42 Auch bei Dunkelheit bildet das Dreigestirn aus Key Center, 200 Public Square und dem Terminal Tower einen positiven Anblick.



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      45 An unserem letzten Tag in Cleveland sind wir durch die südwestliche Vorstand gelaufen, ein normales, eher etwas besseres, Wohngebiet mit den in den USA üblichen Holzhäusern. Das bekannteste Bauwerk der Gegend ist der West Side Market a.d. 1912. An dem Straßenschild (Gehring Street) fällt mir wieder auf, wie unheimlich oft uns in den Nord-Ost-USA und gegenüber in Kanada deutsche Namen über den Weg gelaufen sind (was nicht überrascht hat). Ich habe immer gesagt, dass man in den USA natürlich nach jedem Geschmack aus den entferntesten Ländern essen gehen kann, aber ein Tablett Mettbrötchen zu organisieren, wird schwierig. Im West Side Market wurde ich eines Besseren belehrt, es gab mehrere Bäcker und Fleischer mit deutschen Namen, bei denen wir genug Brötchen und Mett bekommen hätten.




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      47 Abschließend sehen wir noch die Skyline der Stadt von Westen mit der Veterans Memorial Bridge und den bereits gesehenen Gebäuden, von hier macht das Ganze einen überraschend harmonischen Eindruck. Die geschwungene Front des „Carl B. Strokes Federal Court House“ ist der Beweis, dass man auch im Jahr 2002 noch sehenswert bauen konnte. Das Gebäude könnte ich mir gut in Frankfurt vorstellen.

    • In unserem Hotel fragte uns auch eine Angestellte „why Cleveland?“, für Einheimische war es wohl auch schwer nachzuvollziehen, warum jemand über den großen Teich in die USA fliegt und sich dann Cleveland anschaut. Grund war natürlich, dass wir im Vorfeld gelesen hatten, dass Cleveland sehenswert sein soll und auf bemerkenswerte Weise aus der Spirale abwärts den Weg nach oben gefunden hat. Wir hätten uns auch noch gerne das nahe Pittsburgh angesehen, das über eine ähnlich beachtliche Bausubstanz wie Cleveland verfügen soll, aber das haben wir dann doch ebenso wenig geschafft, wie einen Blick in die Amish-Bereiche im nahen Umfeld. Zudem haben wir in Cleveland für drei Nächte ein gutes Hotel bekommen (anders als etwa in Detroit) und so sind wir auf dem Weg von Quebec in Richtung Chicago unterhalb vom Lake Erie langgefahren und nicht oberhalb.

      Vom University Circle hatte ich gelesen, wir waren aber nicht da. Detroit Shoreway sagt mir nichts.
    • Cleveland assoziiere ich in erster Linie mit seinem berühmten Orchester. Dass sich dahinter auch so etwas wie eine Stadt verbirgt - und wie man sieht gar keine so üble - war mir bisher nicht bewusst. Das letzte Bild gefällt mir sehr gut - bei diesen Wolkenkratzern ist oft weniger mehr.
      Auf einem deiner Luftbilder wirkt die Stadt flächenmäßig eher klein - täuscht das oder bewirkt die Höhe der Gebäude tatsächlich eine Einsparung an Raum?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Dass ich für Bilder aus Cleveland verhaltenen Applaus von uc bekomme, hätte ich ja nun nicht gedacht. Du lagst übrigens richtig, die Innenstadt ist nicht besonders groß, vom Terminal Tower bis zum Keith Building sind es fünf Minuten zu Fuß, zum Rock’n’Roll-Museum kaum mehr.

      Eine so relativ harmonische Downtown wie in Cleveland habe ich bisher in den USA noch nicht gesehen, allenfalls in San Francisco. Cleveland hatte sozusagen Glück, dass sich die Region in den späten 60ern in einer Krise befand, es gab in dieser Phase kaum Neubauten, Cleveland blieben diese hässlichen Würfelbauten erspart, die wir in Montreal und auch in Buffalo gesehen haben und die z.B. die Brooklyn-seitige Südspitze von Manhattan dominieren.
    • Wieso, hast du dir schallenden Applaus erwartet? biggrin:)
      Im Ernst, ich hab nichts gegen den US-Städtebau an sich. Ich finde es schade, dass man in D nichts davon angenommen hat (FF vielleicht ausgenommen). New York gefällt mir halt nicht so besonders, wobei da viel Antipathie dahinterstecken könnte. Gegen Cleveland weiß ich nichts einzuwenden. Wie hätte man eine moderne Stadt viel schöner bauen sollen?
      Aber ich könnte mir zB ein Braunschweig mit Wolkenkratzern zwischen seinen erhaltenen Inseln sehr gut vorstellen. Dese Vision hatte ich sogar vor der Katharinenkirche gehabt.Hinter den absurd hohen Türmen hätte ich mir eine abermalige Übersteigerung gewünscht.
      So wurde der dt. Wiederaufbau nur fad und hässlich. Hier wäre ein gewaltiges Potential gelegen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Erst eine grosse Dank an die tolle Fotos und auch die exkurs zu Cleveland.

      Normalerweise finde ich die Beiziehung zwischen Hochhauser und Strasse sehr problematisch. Wenn man steht auf eine engere Strasse mit mehren Hochhauser spurt man gar nicht die Wirkung. Entweder muss man weit weg stehen oder es muss eine grosse offene platz vor die Hochauser stehen. Strassenbilder mit hochhauser und Autos hat da eher eine schlechte Wirkung. Als mensch fuhlt man sich auf eine seite klein aber es gibt keine richtige Wirkung von beindruckende grosse auf die andere seit. Die viele offene platzen in Cleveland beheben teilweis das problem, aber wurde ich strasse hoch und strasse runter rennen? Irgendwan kam die Hochhaus in Quebec city besser zu geltung als ein ahnliche Hochaus im eine Strasse voll mit ahnliche Gebauden.

      Aber Ich kann mich persohnlich schwer mit die amerikansiche Stadtebau in die 20Jahrhundert anfangen. Das liegt auf jedenfall nicht nur mit die abhangigkeit von Autos, die schnurgerade Strassen, die Beziehung zwischen hohe von Gebauden und die Strassenraum und die eher kuhle Atmosphar. Wahrscheinlicht liegt es auch dass die Innenstadte defacto keine Innenstadte mehr sind. Die meiste ist in die Vororte verlagert. Schone kuschlige Fussgangerzonen fehlt hier ganzlich. Die Funktion eine europaische Innenstadt ist in diese(nord-amerikansische protoyp Stadten nicht mehr vorhanden. Ich schwimme wahrscheinlich eher rum zwischen Altstadtinseln in Braunschweig als eine beliebige Hochhaussee in Asien oder Amerika.

      Im Gegensatz zu Ursus kann ich mich schon bessere Stadtebau vorstellen. New Urbanism in Amerika finde ich deutlich attraktiver. Intressant ware auch Gallerien von Stadten wie Annapolis
      pulsarmedia.eu/data/media/862/…01_annapolis-maryland.jpg , Fredricksburg, Georgetown in Washington
      oder Alexandria, Virginia die auch anders aussieht.

      The post was edited 1 time, last by Johan ().

    • Ganz ehrlich gesagt, mir ist die Architektur von Cleveland einfach zu brutal und klobig. Wo bleibt da das menschliche Maß? Auch die stilistischen Dekorationen an den Fassaden ändern nichts an der Tatsache, dass wir es hier mit seelenlosen Zweckbauten zu tun haben. Ein solches Stadtbild erschlägt einen Menschen förmlich. Und überdies: wo bleiben die Baustile der Einwanderer? Ich sehe überall auf den Bildern nur anglo-amerikanisch geprägte Fassaden. Ist es den Einwanderern im 19. Jahrhundert etwa verboten worden, anders als nur anglo-amerikanisch zu bauen? Dieses Stadtbild von Cleveland (und anderen US-amerikanischen Städten) wirkt auf mich wie eine diktatorische Manipulation, eine "durch Bilder erziehende Umwelt" (Hermann Hesse), aber im negativen Sinn, in Richtung Abstumpfung, Naturfeindlichkeit und Desensibilisierung des menschlichen Geistes. Tut mir leid, aber ich kann diesen Bildern nichts Positives abgewinnen.
    • Was findest du denn beispielsweise an diesen Gebäuden seelenlos, brutal oder klobig? Die amerikanische großstädtische Architektur ist nunmal ähnlich aber doch andersartig als europäische, oft voluminöser, Raum füllender, weniger kleinteilig (Ausnahmen siehe Bild 3), vor allem deutlich mehr in die Höhe strebend, aber das finde ich auch charakteristisch und beeindruckend. Mir ist auch nicht bekannt, daß der Geist der Amerikaner dadurch desensibilisiert wurde.





      In dubio pro reko
    • Timber wrote:

      Schöne Fotos aus Cleveland, danke!
      Mir gefällt besonders das Eckgebäude der Cleveland Trust Company. Auch wenn das Gebäude ein bisschen verlassen aussieht, wird das noch irgendwie genutzt?


      Vielen Dank! Euclid Alle ist meine liebling straße in der stadt. Es gibt viel schöne Bauen dort wie Cleveland Trust und die arkade zwischen Ost 9te Straße und Public Square. Es tut mir leid, aber weiß ich nicht. Ich glaube daß, die bau nun nicht genutzt wird. :(
    • artagastas wrote:

      Ganz ehrlich gesagt, mir ist die Architektur von Cleveland einfach zu brutal und klobig. Wo bleibt da das menschliche Maß? Auch die stilistischen Dekorationen an den Fassaden ändern nichts an der Tatsache, dass wir es hier mit seelenlosen Zweckbauten zu tun haben. Ein solches Stadtbild erschlägt einen Menschen förmlich. Und überdies: wo bleiben die Baustile der Einwanderer? Ich sehe überall auf den Bildern nur anglo-amerikanisch geprägte Fassaden. Ist es den Einwanderern im 19. Jahrhundert etwa verboten worden, anders als nur anglo-amerikanisch zu bauen? Dieses Stadtbild von Cleveland (und anderen US-amerikanischen Städten) wirkt auf mich wie eine diktatorische Manipulation, eine "durch Bilder erziehende Umwelt" (Hermann Hesse), aber im negativen Sinn, in Richtung Abstumpfung, Naturfeindlichkeit und Desensibilisierung des menschlichen Geistes. Tut mir leid, aber ich kann diesen Bildern nichts Positives abgewinnen.


      Es tut mir leid. Kannst du mehr genaue sein? Welche gebäude findest du “zu brutal und klobig” Auch hat die leute nicht im Stadtzentrum gewohnt. Der Einwanderer wohnten in der gegend um Tremont (Die Duetschen, Russen, und Polen), Ohio City, Klein Italien. Man hat nur Wirtschaft I’m Stadtzentrum gefunden.

      The post was edited 1 time, last by chadoh21 ().

    • Zugegeben, die Parks sind beeindruckend. Erinnert mich ein wenig an Hamburg. Die Gründerzeitbauten auf dem letzten Bild wirken äußerlich kleinteilig, aber anheimelnd ist das nicht. Gibt es denn nicht auch von deutschen Einwanderern geprägte Städte in den Vereinigten Staaten, auch mit deutscher (Fachwerk)Architektur? In Swakopmund in Namibia z.B. fühlt man sich fast wie im Deutschland der Kaiserzeit, wären da nicht Palmen statt Kastanien als Alleebäume. Gibt es so etwas auch in den USA? Darauf wäre ich gespannt. Bisher sehe ich nur Bilder mit viktorianisch gestalteten Fassaden oder Zentren mit Hochhäusern. Zeige mir die anderen Seiten der USA, und ich bin bereit, mein Urteil über die "synthetische En-Bloc-Kultur" (Peter Schilling,1980 "Major Tom", Titel "USA") differenzierter zu formulieren.
    • Millionenstädte in den USA mit Nestern in Namibia zu vergleichen ist aber sehr gewagt. Bis in das 19. Jahrhundert haben sich die schon länger in den USA lebenden Deutschen nicht viel aus den vorherrschenden Baustilen in der Heimat gemacht, sondern ihren eigenen entwickelt der mit dem aufkommenden Hochhausbau einherging.

      Nicht umsonst sprechen wir von "der amerikanischen Stadt" das ist etwas ureigenes.
    • @ artagastas: Ich fuerchte, Deine Erwartungen an Chadoh, dem ich in diesem Zusammenhang ganz herzlich fuer diese immense Bilderserie seiner schoenen Heimatstadt danken moechte :applaus: , sind unrealistisch. Grossflaechig von deutschen Einwanderern gepraegte Staedte gibt es in den USA nicht. Bedenke, die meisten Einwanderer kamen in den Staaten mit nichts oder wenig an und mussten sich erstmal eine Existenz aufbauen bevor es manchen von ihnen vielleicht moeglich wurde, gestalterisch auf das Stadtbild Einfluss zu nehmen. Die finanzielle Entwicklung mag eine oder mehrere Generationen gedauert haben, und bis dahin war der Drang nach dem heimatlichen Baustil verflogen. Auch waren die Deutschen ja keineswegs die einzigen Einwanderer. Die unzaehligen Italiener, Portugiesen, Schotten und Iren sowie die Osteuropaeer waeren von einer Vielzahl an Fachwerkbauten und anderen deutschtuemelnden Bauelementen ausserordentlich befremdet gewesen. :kopfschuetteln: Mit Deiner Annahme, dass in den USA eine nur den "anglo-amerikanischen" Stil erlaubende Architekturdiktatur geherrscht habe in der Immigranten ihre aus dem Heimatland mitgebrachte Baukultur nicht umsetzen konnten, liegst Du verkehrt. Auf Deine Brutalo- und Seelenlosigkeitsvorwuerfe werde ich vielleicht bei Gelegenheit eingehen, halte aber auch diese ich fuer unbegruendet.

      Weiterhin, und wie von Saxonia bereits angedeutet, hinkt Dein Vergleich mit Namibia. Deutschland war die herrschende Kolonialmacht, also kein Wunder, dass man sich in Swakopmund "wie im Deutschland der Kaiserzeit" vorkommen kann.
    • Nun bin ich doch erstaunt! In dem deutschen Park meine ich neben den Statuen berühmter deutscher Persönlichkeiten auch einheimische Baumarten zu erkennen (Linden, Stieleichen). Der Lemko-Bau erinnert mich ein wenig an unsere alte Post in Stade am Pferdemarkt. Auch den Runderker der "Pulaski-Post" könnte man eher in Mitteleuropa vermuten als in den USA. Das "Alte Badehaus" wirkt auch irgendwie deutsch. Besonders beeindrucken mich die Zwiebelturmhauben der ukrainischen Kirche. Das es so etwas in den USA gibt! Also doch keine Diktatur in der Baugestaltung! Das ändert aber nichts ander Tatsache, dass ich die Metropole Cleveland dennoch unwirtlich finde. Aber eine Reise in die kleineren Städtchen der USA könnte doch noch architektonische Überraschungen bereit halten. Zugegeben: Frankfurt am Main in Deutschland ist auch kein Kreuze besser als Cleveland!