Posts by Mündener

    Der Emir hat ja auch im Jahr seines Amtsantritts 1911 ein erstklassiges Farbphoto von sich im Prachtgewand durch Sergei Prokudin-Gorski anfertigen lassen; eine Rarität in dieser Qualität und heutzutage sogar gemeinfrei:


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    Abgesehen davon, dass die Architektur etwa dem Niveau eines durchschnittlichen Gewerbegebiets entspricht, verstehe ich auch das Konzept hinter den Erweiterungsplänen nicht. Den Aufzug kann man ja noch nachvollziehen, um das Gebäude barrierefrei zu bekommen. Aber wozu bitte will man das bestehende Standesamt mit Trauungsraum mit einem Konferenzraum erweitern. Und, für mich die absolute Krönung, wieso soll dieser Konferenzraum eine direkte Verbindung mit dem Trauungszimmer bekommen?


    Ich denke sogar, dass man - unabhängig von den inhaltlichen Zweifeln am Konzept - den Anbau recht ansprechend und nicht störend umsetzen kann. In Lübeck wurde ja unlängst bewiesen, dass man mit qualitätvollen (und in der Regel traditionellen) Bau- und Fassadenmaterialien hochwertige moderne Architektur hinbekommen kann. Dort ist es in der Regel Ziegel, hier wären Mauerwerk (Sandstein, notfalls auch Kalksandstein oder Beton, dann aber geschlämmt oder mit Kalkputz) und Holz die Materialien der Wahl. Der Aufzug hätte dann die Optik eines Treppenturms (wie es sie ja an Renaissanceschlössern des Öfteren gab), und den Rest könnte man schön dezent dahinter platzieren, vielleicht mit etwa mehr Abstand zum Schloss, verbunden über einen überdeckten offenen Gang oder dergleichen.


    Es braucht halt nur ein wenig Vorstellungskraft.

    Die Dorfkirche im brandenburgischen Bardenitz (seit 2002 Stadtteil von Treuenbrietzen) verfügt in der Sakristei aus dem frühen 16. Jahrhundert über ein Zellengewölbe - hier das einzige Bild, das ich vom Gewölbe finden konnte.

    Rauchstuben, Rauchöffnungen und Fenstergruppen im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wohnbau Europas

    Verbreitung, Gestalt und Datierung


    Mit diesem Strang schneide ich ein Thema an, das mich nun seit ein paar Jahren beschäftigt und dessen Dimensionen mir erst im Laufe der Zeit durch immer wieder neue kleine Entdeckungen klar geworden sind. Auch scheint mir, dass sich mit dem Thema immer zwar wieder und bereits seit langer Zeit in der Wissenschaft befasst wurde, dabei jedoch stets nur Teilbereiche und nie das gesamte Phänomen betrachtet wurden.



    Einordnung des Themas


    Die Stube als primärer beheizter Wohnraum ist seit dem Hochmittelalter ein zentraler Bestandteil der Wohnkultur in Mittel- und Osteuropa. Ihre Entwicklung ging mit dem Aufkommen kleinformatiger Öfen, die neben der Beheizung häufig auch zum Kochen dienten, einher. Archivalische Nachweise für Stuben gibt es seit dem 13. Jahrhundert, anzunehmen ist ein Aufkommen wohl etwas früher, ab dem 12. Jahrhundert, und zuerst im Burgenbau und im Raumprogramm der Klöster. Zunächst waren diese Stuben in aller Regel mit frontbefeuerten Lehmöfen ausgestattet, deren Rauchgase in die Stube entlüfteten und mittels unterschiedlicher Methoden wieder hinausgeleitet wurden; diese Entwicklungsstufe bezeichnet man als Rauchstube. Ebenfalls seit dem 13. Jahrhundert kam die Verkleidung der Stubenöfen mit Keramikkacheln auf; eine Entwicklung, die in mehreren Stufen in die heute noch verbreiteten Formen des Kachelofens mündete. Während jedoch Kacheln als besserer Wärmeleiter sich vergleichsweise schnell verbreiteten, zog sich die Ausbreitung von der Rückseite befeuerter Öfen, sogenannter Hinterladeröfen, vielerorts über Jahrhunderte hin, sodass Rauchstuben mancherorts noch bis ins 18. Jahrhundert weit verbreitet waren und sich eine Vielzahl verschiedener Bauformen bildete.


    An dieser Stelle setzt mein Thema an. Behandelt werden sollen insbesondere Bauformen und Beispiele des 13. bis 17. Jahrhunderts; in der darauffolgenden Spätphase beschränkt sich das Vorkommen im Wesentlichen auf den Raum Kärnten und ist bereits durch die ältere Forschung gut abgedeckt.


    Begriffserklärungen


    Da das Thema eine größere Anzahl ähnlich klingender Fachbegriffe erfordert, werde ich die Wichtigsten hier definieren, damit die darauffolgenden Erläuterungen eindeutig und klar verständlich bleiben:


    Rauchstube

    Eine Stube, deren Ofen die entstehenden Rauchgase in den Innenraum der Stube abgibt, von dem aus sie durch Öffnungen meist in den Wänden abgeleitet werden.


    Rauchöffnung

    Öffnungen im oberen Bereich der Stubenwände, deren primärer Zweck die Ableitung der Rauchgase aus der Stube ist. Vereinzelt wird zu klären sein, ob die Öffnungen tatsächlich dem Ableiten der Ofenabgase dienten, oder ob sie lediglich den Rauch von Beleuchtungsmitteln, insbesondere Kienspänen, ausleiteten.


    Fenstergruppe

    Eine besondere Gestaltungsform, die Stubenfenster und Rauchöffnungen zu einem gemeinsamen architektonischen Element zusammenfasst. Ob dies jeweils der Fall ist, muss im Einzelfall erörtert werden.


    Verbreitung


    Das Verbreitungsgebiet von Rauchstuben und Rauchöffnungen umfasst einen großen Teil Mittel- und Osteuropas. Zweifelsfrei nachgewiesene Beispiele sind mir bisher bekannt aus Württemberg, Mittel- und Oberfranken, der Oberpfalz, Niederbayern, ganz Böhmen, Niederösterreich, Wien, Kärnten, der Steiermark, Südtirol, der Zentralslowakei, West- und Zentralungarn sowie aus Siebenbürgen. Auffällige Lücken stellen bisher Nordtirol, Oberbayern und Oberösterreich dar, wobei sich diese vermutlich bei genauerer Recherche noch schließen lassen. Das westlichste mir bekannte Beispiel findet sich in Esslingen am Neckar, das östlichste und gleichzeitig südlichste in Hermannstadt (Sibiu) und das nördlichste auf der Burg Bösig / Bezděz in Nordböhmen.


    Liste der bekannten Beispiele


    Nachfolgend werde ich eine Liste aller mir bekannten Beispiele für Rauchstuben und / oder Rauchöffnungen führen. Diese Liste wird fortlaufend ergänzt werden.

    Das Schema der Einträge wird stets wie folgt lauten: [Ort], [Anschrift und/oder Objektname], [erhaltene Bauteile], [Datierung, dendrochronologische Datierung markiert mit (d)] - [evtl. Bildlink]


    Baden-Württemberg (keine genauere Aufteilung bisher, da nur wenige Beispiele zu erwarten sind)


    Esslingen am Neckar, Hafenmarkt 8, zweitverbaute Bohlenwand mit zwei Rauchöffnungen mit Rundbogenabschlüssen, vermutlich 2. Hälfte 13. Jahrhunderts.


    Ingelfingen, Schmiedgasse 15, vollständig erhaltene Bohlenstube mit zwei runden Rauchfenstern, 1293-95 (d) - Außenansicht, Innenansicht Stube

    Ein respektabler Entwurf; wäre auch interessant zu sehen, die die Grundrisse über der kleinen Bodenfläche funktionierten. Allerdings muss ich auch sagen, dass das Haus mit seinen Erkern, dem Ecktürmchen und der Pseudomansarde ungefähr genauso wenig in die Lübecker Altstadt passt wie so mancher der in den letzten Jahren beseitigten Nachkriegsbauten im Gründerviertel.

    Hat zufällig jemand Informationen dazu, ob für dieses Haus (Sattlertorstraße 9) in absehbarer Zeit eine Sanierung in Aussicht steht - ich habe auch nach einer Weile der Recherche nichts finden können. Wenn man sich die Bilder der letzten Jahre anschaut, schreitet der Verfall schnell voran, und der Verlust des Gebäudes wäre ein herber Verlust, da es sich hier, anders als der Eintrag in der Denkmalliste...

    Quote

    Dreigeschossiges Giebelhaus, Giebel mit Nachbarhaus Nr. 7 zusammengefasst, nach Westen Pultdach, verputztes Fachwerk, wohl 16. Jahrhundert, 1899 rückwärtig erweitert

    ... definitiv um ein Gebäude des 15. Jahrhunderts handelt, wie man mittlerweile dank des abblätternden Putzes an einigen Stellen klar erkennen kann.


    Gesamtansicht:


    Forchheim, Sattlertorstr. 9, Gesamtansicht



    Eckdetail mit angeblattetem Fußband:


    Forchheim, Sattlertorstr. 9, Detail angeblattetes Fußband



    Durchzeichnung aller erkennbaren Balken nach starker Erhöhung des Kontrasts beim Gesamtbild:


    Forchheim, Sattlertorstr. 9, Durchzeichnung des Fachwerks

    Der Eintrag in der Denkmalliste wurde zwischenzeitlich angepasst - angesichts der doch recht eindeutigen Beweise für das Alter recht vorsichtig formuliert, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

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    Gasthaus Zur Linde, zweigeschossiger und traufständiger Walmdachbau, nach Süden mit Halbwalm, nach Westen als Frackdach, Fachwerkobergeschoss, im Kern mittelalterlich, Umbau im 17./18. Jh.

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    Der hat natürlich ein ureigenes Interesse, dass vom Hausschwamm befallene Haus so schnell wie möglich zu sanieren.

    Schön wär's, wenn das immer so natürlich wäre - andernorts hab das schon anders erlebt. In diesem Falle wird aber wohl der einzige Gegner der Sanierung die Birke sein, die so keck aus dem Erker hinauswächst.


    Darüber hinaus vielen Dank für die tolle Nachricht! :thumbsup:

    Nun zum zweiten Teil. Man wird merken, dass ich die Kirche vor allem ihrer gotischen Ausstattung wegen besucht habe. Alles Andere wird eher am Rande auftauchen.


    So ging es auch dem Retabel des Hauptaltars, einem neugotischen Werk des späten 19. Jahrhunderts, qualitativ weder besonders gut noch besonders schlecht. Von ihm habe ich keine Detailaufnahme. Der eigentliche Altar hingegen, also der Altarblock, stammt noch aus dem 15. Jahrhundert und ist mit schlichten Rankenmalereien verziert. Die ungewöhnliche Gestaltung ist vermutlich ein verstümmelter Zustand nach dem Abschlagen des hervorstehenden Dekors im Barock, wie auch beim Sakramentshaus, das uns noch begegnen wird.


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    Vom gotischen Retabel hat sich nur wenig erhalten. Immerhin einige Holzskulpturen existieren noch und wurden im Langhaus aufgestellt. Die Qualität der Schnitzereien ist gut, aber nicht überragend.


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    Ebenfalls keine eigenen Aufnahmen habe ich von den spätbarocken Seitenaltären; in diesem Fall werde ich auf die Wikipedia zurückgreifen müssen, siehe Hier und Hier.


    Nun aber zum eigentlichen Höhepunkt der Kirche - ihrer Freskenausstattung.

    Den Anfang macht eine Christophorusdarstellung aus dem späten 15. Jahrhundert am Chorbogen. Zu Füßen des Heiligen ist, entsprechend den damaligen Gepflogenheiten, wahrscheinlich ein Stifter des Kirchenbaus dargestellt.


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    Nun geht es einmal in der Runde im Chor herum. Zunächst die recht einfach gehaltene Sakristeitür.


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    Auch die Gewölbevorlagen waren bemalt - erhalten hat sich davon wenig. Das Fenster in der Südwand des Chorjochs führte vermutlich schon immer in den Dachraum der Sakristei.


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    Das nächste Fresko ist hinter dem Hauptaltar gelegen. Im unteren Teil ist die Kreuztragung dargestellt, beim oberen Teil muss ich passen. Zum Glück gab es keine Alarmanlage, sonst wäre mir der Anblick von alldem hier wohl verwehrt geblieben. Interessant ist hier auch der obere Abschluss der Malereien, der vermuten lässt, dass das Gewölbe ursprünglich ein ganzes Stück tiefer ansetzte.


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    Außerdem in diesem Wandfeld gelegen ist eine kleine Nische mit oberem Abschluss in Segmentbogenform. Der Zweck dieser Nische erschließt sich mir nicht - die Malereien belegen, dass wohl kein Holzschrank eingebaut war, und eine Piscina würde ich an dieser Stelle auch nicht vermuten.


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    An der Nordwand des Chors angekommen sehen wir im nächsten Wandfeld die kläglichen Reste des einst prachtvollen Sakramentshauses, dass man wohl im Barock beseitigte. Trotz aller Verstümmelungen denke ich, dass man mit der Aufstellung der barocken Skulptur (Christkind?) den Überresten ein wenig Würde zurückgegeben hat.


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    Nun zum - wie ich finde - Höhepunkt der Ausstattung, den Fresken am Turmportal. Selbiges ist erstaunlicherweise wesentlich aufwändiger bemalt als sein südliches Gegenstück, obwohl es "nur" in den Turm führt. Die Fresken zeigen oben vier Apostel (wo die restlichen 8 sich befanden, will ich nicht mutmaßen), unten die Ölbergszene und die Gefangennahme Christi.


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    Und weils so schön war, noch einmal in größer.


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    Als letztes Bild gibt es noch das Turmportal in voller Größe mit der ganzen Pracht der es umgebenden Rankenmalereien.


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    Damit endet mein Bilderzyklus zu Lappach.


    Abschließend kann ich sagen, dass die Kirche durchaus einen Ausflug wert ist - wenn man halbwegs in der Nähe wohnt oder vorbeikommt und außerdem die Schlosskapelle Blutenburg und die Kirche in Pipping schon gesehen hat, wobei insbesondere Letztere allerdings sehr restriktive Öffnungszeiten hat (verständlicherweise, bei der Ausstattung).

    Genau dieses Problem hat allerdings auch die Lappacher Kirche - sie ist wie die meisten Filialkirchen in Oberbayern in aller Regel zu. Einen Schlüssel wird man wohl vermutlich im Ort bekommen können, aber wer will schon unter den momentanen Umständen bei fremden Leuten klingeln und nach einem Schlüssel fragen. Ich für meinen Teil hatte das große Glück, dass gerade zufällig ein Handwerker vor Ort war, der einen Schlüssel dabeihatte und mich auch noch hineinließ.

    Lappach ist, trotz des nicht gerade klischeehaft bayerisch klingenden Namens, ein typisch oberbayerischer Ort. Politisch wie auch kirchlich seit Jahrhunderten untrennbar mit dem nahen Pfarrsitz und bekannten Wallfahrtsort St. Wolfgang verbunden, ist Lappach wohl immer schon ein kleiner Weiler mit Kirche gewesen, im bayerischen Urkataster des frühen 19. Jahrhunderts bestehend aus 2 Höfen und der Kirche sowie dem dazugehörigen Mesnerhof.

    Eben jene Kirche allerdings, korrekt betitelt als Filialkirche St. Remigius, sticht in ihrer Region aus der Vielzahl an Gotteshäusern weit hervor und soll daher das Thema dieses Beitrags werden.

    Errichtet wurde sie vermutlich ab dem dritten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts nach wohl recht vollständiger Zerstörung ihres Vorgängers in einer mit Waffengewalt ausgetragenen Auseinandersetzung zwischen den Landshuter Wittelsbachern und den Grafen von Haag in den Jahren 1421-22, die unter dem Namen Ochsenkrieg in die Geschichte eingegangen ist. Die Gewölbe sind mit 1467 datiert (vermutlich am Schlussstein; ich konnte die Inschrift nicht ausfindig machen); letztendlich wird die endgültige Fertigstellung wohl irgendwann in den 1480er Jahren gewesen sein.

    Der Bau ist in vielerlei Hinsicht typisch oberbayerisch, beginnend schon mit dem nahezu universal angewendeten Grundrissschema mit kurzem Langhaus, Chorflankenturm und leicht eingezogenem Chor mit dreiseitig geschlossenem Chorhaupt. Auch das verwendete Baumaterial - Backstein - ist in Oberbayern der Standard im Spätmittelalter. Genauso typisch ist darüber hinaus auch, dass man ebenjenen Backstein an nicht einer einzigen Stelle am Außenbau sehen kann - einzig die flachen Lisenen und insbesondere die Friese nach Art des deutschen Bandes am Turm verraten, was unter dem Putz liegt.

    Eher unüblich hingegen ist der gute Erhaltungszustand der spätgotischen Architektur bis ins Detail. Denn wiewohl die Mehrzahl der bayerischen Dorfkirchen (irgendwo las ich einmal die Zahl 60-70%) zumindest im Kern aus gotischer Bausubstanz besteht, sind am Außenbau in aller Regel die Maßwerke und Portalgewände, im Innenraum die Gewölberippen und die Ausstattung den allgegenwärtigen barocken Umbaumaßnahmen zum Opfer gefallen und sind dann allenfalls sporadisch als meist eher qualitativ minderwertige neugotische Rekonstruktionen wieder angebracht worden. In Lappach ist die komplette gotische Architektur hingegen noch im Original vorhanden. Und auch von der Ausstattung haben sich bedeutende Teile erhalten - doch dazu später mehr.


    Wir beginnen selbstverständlich außen - der Lage südlich der Hauptstraße geschuldet ist der Haupteingang nebst bauzeitlicher Vorhalle an der Nordseite zu suchen. Die ungewöhnlich steile Proportionierung der Kirche, insbesondere aber ihres Turms, fällt direkt ins Auge.


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    Wenn man sich dem Turm dann nähert fällt auf, dass der Backstein erfreulicherweise nur recht dünn verputzt wurde. Hier und da scheint die Struktur des Mauerwerks leicht durch. Aber auch die Gestaltung der recht willkürlich platzierten kleinen Öffnungen am Turmunterbau gibt das Baumaterial doch recht deutlich preis. Die Gestaltung des Turmhelms mit den vier über Eck gestellten Spitzgiebeln ist übrigens eine lokale Eigenheit, die sich beispielsweise auch an der Kirche in St. Wolfgang und darüber hinaus noch an einigen anderen Kirchtürmen im Dorfener Raum und auf dem Gebiet der alten Grafschaft Haag wiederfindet.


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    Am Chorhaupt angekommen lässt die vollständige Erhaltung der gotischen Gestaltung einige Rückschlüsse auf ihre Erbauer zu. So verweist das Profil etwas unter der Dachkante auf einen ehemaligen gemalten Maßwerkfries und damit auf die Landshuter Bauschule, wohingegen die spitz zulaufenden Strebepfeiler eher in den Münchener Raum verweisen (Salmdorf, Dornach). Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen.


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    Abschließend zum Außenbau noch ein Bild eines Maßwerkfensters der Nordseite. Wie bereits erwähnt handelt es sich hier um ein Original der Erbauungszeit. Vermutlich wird hier, wie üblich in Oberbayern, nur das eigentliche Maßwerk aus Naturstein bestehen, das Stabwerk hingegen aus Backstein-Formsteinen (so von mir beobachtet u.a. an der Schlosskapelle Blutenburg).


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    Betreten wir nun die Kirche. Von der Vorhalle hab ich törichterweise keine Außenaufnahme gemacht, dafür allerdings ein Bild vom Gewölbe, dessen Schlussstein ein Wappen ziert - vermutlich dasjenige eines adeligen Stifters. Identifizieren konnte ich es bislang nicht.


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    Durch eine weitere Tür geht es in den Kirchenraum. Das Türgewände ist in spätmittelalterlicher Manier als Segmentbogenportal ausgeführt, der darin eingefügte Spitzbogen allenfalls Zierde. Das Türblatt samt Beschlägen ist wohl neuzeitlich.


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    Schaut man nun Richtung Hauptaltar, fällt sofort auf, dass wir es hier nicht mit irgendeiner stinknormalen bayerischen Dorfkirche zu tun haben. Alles weitere dazu gibt es dann aber im zweiten Teil der Galerie.


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    Ich habe mal die zuständigen Stelle des BLfD zum Gasthaus zur Linde zur Thematik mit der Datierung kontaktiert. Dort hieß es, dass evtl. die Daten, die bei der letzten Sanierung 2018 erhoben wurden, es wohl noch nicht bis in die Denkmalliste geschafft haben. Da diese Sanierung (die nach einem Brand nötig wurde) recht umfangreich war (neue Fenster und Gauben, neie Dachdeckung, Anstrich, Umbau des Schornsteins), könnte mit etwa Glück sogar eine dendrologische Datierung dabei sein. Falls es wider Erwarten doch keine neue Begutachtung gab, soll bei Gelegenheit einmal das Gebäude besichtigt und auf die Angaben, die ich zur zeitlichen und stilistischen Einordnung gemacht habe, überprüft werden.

    Ich vermute, dass die Malereien irgendwann während der letzten Jahrzehnte aufgedeckt, freigelegt und die Fehlstellen rekonstruiert wurden, wie in so vielen anderen Fällen. Dass dabei der Großteil der Bemalung überlebt hat, wundert mich nicht sonderlich, da man in der Vergangenheit altes Mauerwerk in aller Regel bei Umbauten soweit wie eben möglich erhalten hat. So wurden solide gemauerte Zinnen nicht zugunsten eines sauberen Ansatzes abgetragen, sondern - trotz der zwangsläufig entstehenden durchlaufenden Fugen - erhalten. Das entlang der Zinnen verlaufende Profil im ersten Beispiel wird hingegen wahrscheinlich eine Rekonstruktion sein.

    Quote from VonSalza

    Wie kann es eigentlich sein, dass in der Denkmalliste falsche Angaben stehen?

    In diesem Fall kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Fachwerk zum Zeitpunkt der Begehung (der durchaus ein paar Jahrzehnte zurückliegen kann) noch vollständig verputzt war. Der Eintrag in der Denkmalliste...

    Quote

    Gasthaus Zur Linde, zweigeschossiger und traufständiger Halbwalmdachbau mit Fußwalm und Fachwerkobergeschoss, 17./18. Jh.

    ...jedenfalls lässt die Vermutung zu, dass das Fachwerk zwar anhand der baulichen Struktur des Gebäudes anzunehmen war, aber dennoch unter Putz verborgen lag. Dennoch ist selbst bei verputztem Fachwerk der Giebel mit Fußwalm und insbesondere mit sichtbarem Rauchloch ein klares Indiz für eine Datierung deutlich vor dem 17./18. Jahrhundert.

    Ein ähnliches Beispiel ist das Heilig-Geist-Spital im nahen Berching, mit einem vergleichbaren Giebel, dessen Fachwerk noch heute komplett unter Putz liegt. Auch hier ist die Datierung in der Denkmalliste...

    Quote

    Spitalbau, zweigeschossiger und traufständiger Halbwalmdachbau, 16. Jh., mit ehem. Spitalkapelle Hl. Geist, heute Lesesaal, rechteckiger Saalbau, wohl 2. Hälfte 16. Jh.

    ...unwahrscheinlich spät angesetzt. Auch hierbei handelt es sich mit großer Sicherheit zumindest um ein Gebäude des 15. Jahrhunderts, wenn es nicht sogar noch älter ist (Gründung des Spitals 1354).

    Um mich kurz zu fassen: Ich habe keine Erklärung dafür, wie trotz der doch recht eindeutigen Datierungsmerkmale die Denkmalbehörden beide Bauten derart spät datieren und damit einen Teil ihres historischen Werts verkennen.

    Ein sehr schöner Ort auf bemerkenswertem Grundriss, der mir überhaupt nicht geläufig war, obwohl ich dort sehr regelmäßig in der Nähe vorbeikomme.

    Dieses Gebäude (das Gasthaus zur Linde) ist zwar auch in der Denkmalliste als ein Bauwerk des 17./18. Jahrhunderts vermerkt; die angeblatteten X-Streben des Giebels und rechten Gebäudeteils sowie der Fußwalm und das Rauchloch am First weisen das Fachwerkhaus aber definitiv als einen Bau des Spätmittelalters, vermutlich des späten 15. Jahrhunderts, aus.

    Klar, wenn man einen Ort schafft, der sich zum Feiern eignet, dann wird er dafür auch wohl genutzt werden - aber ich würde die Situation im bayerischen Städtchen Berching nicht unbedingt mit der Studentenstadt Marburg vergleichen, wo man eine Vielzahl an Leuten findet, die solche Partys veranstalten würden.


    Darüber hinaus erschien mir die Neugestaltung im Fluss und auch das Kulturhaus durchaus gelungen. Klar, die Gestaltung ist nicht gerade traditionell, dennoch durchaus hochwertig. Und dadurch, dass das Kulturhaus in einer Hinterhofsituation steht und außerdem in etwa die Kubatur einer Scheune hat, stört es meines Erachtens das Stadtbild nicht.


    Ein Paar Bilder vom Oktober letzten Jahres:


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    Die Südseite zeigt in etwa das gleiche Bild, mit dem romanischen Chorjoch, dessen Mauerkrone wohl wiederhergestellt wurde (jedenfalls fehlen jegliche Spuren einer Verankerung des Gewölbeschildbogens oberhalb des erhaltenen Rests). Das Korbbogenportal im hinteren Joch entstammt der Verkleinerungsphase.


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    Noch einmal das romanische Nordfenster des Chors. Laut Infotafel soll der Chorraum frühromanisch sein, was ich aufgrund stilistischer Erwägungen zumindest für den oberen Teil des aufgehenden Mauerwerks aber bezweifle. Was ich sehe, sieht eher nach der Zeit um 1200 aus und wäre mit anderen Kirchen der Region vergleichbar (Brilon-Thülen, Wormbach bei Schmallenberg). Unterhalb des Fensters befindet sich die älteste Grabplatte, die ich finden konnte, mit einer fragmentarisch erhaltenen Inschrift aus dem frühen 16. Jahrhundert ( m ° ccccc ° [...] ).


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    Die übrigen Begräbnisse sind allesamt nach der Reformation entstanden und deren Grabplatten weisen meist Renaissance- oder barocke Dekorationen auf. Dabei wurden die älteren und wertvolleren Platten zum Schutz vor Verwitterung größtenteils entlang der Innenwände der Kirchenruine aufgestellt.


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    In den mittleren nördlichen Gewölbepfeiler ist eine recht große Nische eingelassen, deren Funktion mir nicht bekannt ist. Sakramentsnischen sind eher in der Nordwand des Chors angesiedelt, und eine Nische für einen Seitenaltar würde man auch eher im Seitenschiff unterbringen. Die Balkenlöcher in der barocken Nordwand des Westjochs sind vermutlich Überreste einer Empore - die geringe Höhe deutet darauf hin, dass das damalige Bodenniveau erheblich tiefer lag, was auch die sehr gedrungenen Proportionen der mittelalterlichen Bauteile erklären würde.


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    Die Kämpfer der romanischen Gewölbe weisen als einzige Elemente des Innenraums Verzierungen auf. Der recht einfache Flechtbandfries passt gut ins Bild einer spätromanischen Landkirche.


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    Im großen und ganzen wird die Kirche recht schlicht gewesen sein, innen wie außen. Einzig ein romanisches Tympanon, dass man im barocken Südportal wiederverwendet hat, weicht ab von der gestalterischen Strenge und ist aufgrund seiner archaisch anmutenden Gestaltung vermutlich Hauptursache für die erstaunlich frühe Datierung der Kirche in den Quellen. Vergleichsbeispiele für derartige Tympana sind mir leider nicht bekannt.


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    Noch einmal die gesamt Südseite der Kirche mit dem barocken Korbbogenfenster links, dem romanischen Chorfenster sowie dem barocken Portal mit dem zweitverwendeten Tympanon. Zwischen den beiden Jochen sieht man noch den Ansatz des ehemaligen Seitenschiffs. Die vordere Ecke wurde beim barocken Umbau mit einer mächtigen Verstärkung versehen, um den Gewölbeschub der verbleibenden Joche abzufangen.


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    Parallel dazu die Nordseite - man sieht den vermauerten Arkadenbogen. Außerdem fällt die Baunaht zwischen Chorjoch und verleibendem Langhausjoch auf, die aber durch die Ausbesserung des Mauerwerks im Bereich der ehemaligen Seitenschiffwand durch Steinaustausch stark überbetont ist.


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    Zuletzt noch die schlecht erhaltene Westfassade mit einem vermauerten Rundbogenportal, das entweder romanisch ist und versetzt wurde oder erst im Barock so geschaffen wurde. Dass die Kirche ehemals länger war, wird hier durch den an der Außenseite liegenden Gewölbekämpfer an der rechten Ecke deutlich.


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    Damit wäre der der baugeschichtliche Teil der Galerie fertig. Da aber die Atmosphäre vor Ort sehr schön war und ich noch eine ganze Reihe weiterer Bilder hab, werde ich diese einfach unkommentiert anhängen.


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    Als letztes Bild habe ich noch den Blick auf die neue Stadt Rhoden mit Schloss und Pfarrkirche.


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