Posts by Mündener

    Was denkt ihr über das Haus schräg gegenüber?


    3, Rue du Général Braun: (noch nicht verifiziert)

    https://goo.gl/maps/uKYW37fggp3Lc6kr9

    Gestern hab ichs noch als neuzeitlich betrachtet. Bei näherer Betrachtung gerade eben fiel mir auf, dass sich am rechten Ständer ein leerer Blattsitz für einen aufgeblatteten Riegel befindet. Kann also für meine Begriffe durchaus auf die Liste. Vermutlich ist es auch ein recht später Bau, Anfang 16. Jahrhundert.


    Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass dir da wohl der mit bedeutendste Fund der Liste bisher geglückt ist. Denn dieses Haus stellt genau die Brücke dar zwischen den sehr einfachen und spät datierten Bauernhäusern der Rheinebene (Muttersholtz etc. ) und dem alemannischen Fachwerk der Städte und Weinbaudörfer. Aufgrund der konstruktiven Details wird es wohl aus dem 15. Jahrhundert stammen, und die Firstsäulenkonstruktion und vor allem das Pfettendach fallen in der Region komplett aus dem (bekannten Rahmen).


    Korrektur: Wie mir bei eingehenderer Betrachtung auffiel, sind die Dächer sowohl in Gertwiller als auch in Muttersholtz &Artolsheim keine Pfetten-, sondern Sparrendächer. Dennoch gleichen sich deren Konstruktionen.

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    Ich frage mich allerdings, ob diese Holzsichtigkeit tatsächlich so ursprünglich gewollt war.


    Eine sehr interessante Frage, die ich mir selbst bislang auch nicht wirklich gestellt hatte und auf die ich auch keine auf verlässlichen Quellen basierende Antwort geben kann.

    Aufgrund von Indizien würde ich sagen: Jein.


    Dass die Gebäude von Anfang an für den Verputz vorgesehen waren, würde ich ausschließen. Dafür hat man an viel zu vielen Stellen die Techniken des Holzbaus bewusst betont, etwa bei der genannten Abfasung, die sonst eher bei Deckenbalken der Zeit zu finden ist, oder bei den vorstehenden Eckverkämmungen der obersten Bohlenlagen der Erdgeschosse beider Bauten, und beim Haus Am Graben 23 zusätzlich bei der untersten Bohlenlage. All dies kann man beim Blockbau wunderbar weglassen und eine makellos glatte und für den Verputz ideale Fassade errichten.


    Hat man aber nicht.


    Dennoch würde es mich erstaunen, wenn die Fassaden - angesichts vielfältiger Bemalungsreste am Außenbau spätgotischer Backsteinbauten in Landshut - komplett unbehandelt holzsichtig gedacht waren. Für wahrscheinlicher halte ich (ohne dafür Beweise vorlegen zu können) eine dünne Kälkung/Schlämmung in weiß oder grau, dazu die farbliche Absetzung der wenigen Gestaltungselemente (Abfasung, etvl Fensterfaschen). So käme man dem Steinbau näher, würde aber gleichzeitig der damaligen Mode der Holzgestaltung folgen (dass die Erbauer durchaus dem Stil der Zeit folgten, zeigt sich an einem erhaltenen Türpfosten im Inneren, auf dem noch die Vertiefungen für die Türbeschläge vorhanden sind. Türbeschläge dieser Art sind im 15. Jahrhundert im ganzen Altbaiern verbreitet. Beispiele finden sich vielerorts an Kirchtüren, außerdem kommt ein solcher Beschlag im Fundmaterial der Ausgrabung der 1469/70 zerstörten Burg Altnußberg im Bayerischen Wald vor, und noch in situ erhalten im Schlierseer Heimatmuseum, einem Blockbau von 1447.)

    Ob für meine These bei den Restaurierungen irgendwelche Belege gefunden wurden, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht wird sich ja in der diesjährigen Broschüre zur bayerischen Denkmalschutzmedaille etwa dazu finden.

    Ich übernehme heute einmal die dankbare Rolle des Überbringers froher Kunde aus Landshut - ja, man mag es kaum glauben, dass es nach all den Abrissen et cetera auch mal was Gutes zu berichten gibt.


    Wie wahrscheinlich den meisten nicht bekannt ist, gibt es in Landshut neben einer Vielzahl prominenter Sakral- und Profanbauten des Spätmittelalters aus Backstein auch eine überschaubare, aber für altbairische Verhältnisse sehr bedeutende Gruppe Blockbauten des ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts. Besondere Beachtung verdient dabei der Umstand, dass es sich bei den vier bisher bekannten Bauwerken ausschließlich um Nebengebäude und Vorstadthäuser handelt.


    Und nun zur frohen Kunde:


    Zwei dieser Bauten wurden vor Kurzem bzw werden im Moment vorbildlich saniert und damit zumindest in einem Fall buchstäblich in letzter Sekunde gerettet.


    Fangen wir mit dem Haus am Graben Nr. 23, gelegen oberhalb der Burg Trausnitz im Stadtteil Landshut-Berg in einer Gruppe sehr bedeutender Vorstadthäuser des 15.-18- Jahrhunderts. Der eingeschossige Vollblockbau mit steilem Dach ist dendrochronologisch datiert in die Jahre 1494/1495 und wurde damit aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahr 1496 errichtet. Bis ins 19. Jahrhundert blieb der Bau wohl weitgehend unverändert, dann mauerte man bis auf Höhe der Fensterbrüstungen im Erdgeschoss eine dünne Backsteinwand vor den Blockbau, darüber wurde nur eine dünne Holzlattung als Träger für den Verputz angebracht. Die Fenster wurden zum größten Teil im 18. oder 19. Jahrhundert vergrößert. Im späten 19. Jahrhundert wurden die Fenster der Straßenfassade erneut ausgetauscht, und die letzten Erneuerungen waren wohl um 1960 der Schornstein und die Dachantenne. Danach passierte erstmal nichts mehr. Wohl seit den 80er oder 90er Jahren stand das Haus leer und faulte vor sich hin. Zuletzt war es in einem erbärmlichen Zustand und stark einsturzgefährdet, mit einem Abriss war jederzeit zu rechnen.


    Bilder des Zustands vor der Sanierung, die ich 2013 aufgenommen habe.


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    Landshut am Graben 23 Vorzustand 3


    Landshut am Graben 23 Vorzustand 2



    Wie man erkennen kann, war der Abrissbagger nicht mehr weit weg. Wohl in den Jahren 2016/2017 jedoch erwarb das Architekturbüro Wager Gärtner Knoch aus Landshut das Haus und restaurierte es bis 2018 mit großem Aufwand, um es danach als Sitz des Büros zu nutzen.


    (Bilder der Sanierung auf der Website des Büros)


    Letztes Wochenende nun bin ich selbst hingefahren, um mir das Resultat in natura anzuschauen.


    Landshut am Graben 23 heutiger Zustand 1


    Landshut am Graben 23 heutiger Zustand 3


    Landshut am Graben 23 heutiger Zustand 4


    Landshut am Graben 23 heutiger Zustand 2



    Für meine Begriffe eine vollumfänglich gelungene Sanierung; es wurde so viel wie möglich Substanz innen und außen bewahrt. Als Auszeichnung dafür gab es in diesem Jahr dann die Bayerische Denkmalschutzmedaille.



    Nun zum zweiten Haus - mein Beitrag dazu wird wesentlich kürzer ausfallen, da ich es erst vor wenigen Wochen zum ersten Mal gesehen habe. Es handelt sich um das Haus Pfettrachgasse 7 in der alten nördlichen Vorstadt um das Kloster Seligenthal. Die dendrochronologische Untersuchung ergab hier das Jahr 1482, auch in diesem Fall wird das Haus wohl im Folgejahr erbaut worden sein. Über die weitere Baugeschichte weiß ich nicht allzu viel; irgendwann wird man auch hier die Fenster erneuert haben, zudem wurde die rechte Traufwand in Backstein neu errichtet. Zuletzt gab es wohl in den 80er Jahren eine sehr umfangreiche Sanierung, bei der man aber erstaunlicherweise nicht im Geringsten erkannte, was man da vor sich hatte.


    Vom Zustand nach dieser Sanierung und bis zum letzten Jahr gibt es dieses Bild aus der Wikipedia.


    Auch dort bin ich am letzten Wochenende vorbeigekommen; es sieht dort natürlich noch etwas anders aus als beim letzten Haus, da die Sanierung noch in vollem Gange ist. Was aber schon zu erkennen ist, ist die hohe Qualität der ausgeführten Arbeiten, die sich insbesondere bei den schon ersetzten Fenstern zeigt.


    Im Gegensatz zum Haus Am Graben 23 bestand hier keine Einsturzgefahr, sodass man das Haus problemlos in seiner historischen Schieflage belassen konnte. Das Obergeschoss ist in diesem Fall nur teilweise aus Blockbau ausgeführt, die Seitenbereiche waren wohl ursprünglich verbrettert und werden es nach der Sanierung wohl auch wieder sein.


    Landshut Pfettrachgasse 7 1



    Die Fenster wurden auf die anzunehmende Ursprungsgröße zurückgebaut. Das neue Holz drumherum sticht momentan sehr stark hervor, wird sich aber wohl in den nächsten Jahren durch die einsetzende Verwitterung gräulich verfärben und sich dem historischen Bestand angleichen.


    Landshut Pfettrachgasse 7 3



    Über die gesamte Breite der Giebelseite hat sich hier an der Oberkante des Erdgeschosses eine spätgotische Abfasung erhalten, die für die Landshuter Holzhäuser der Zeit charakteristisch zu sein scheint.


    Landshut Pfettrachgasse 7 2


    Zuletzt noch ein Fenster der linken Traufseite, das neben dem linken EG-Fenster das Einzige ist, dessen Größe nie verändert wurde. Vermutlich gehörten beide Fenster ursprünglich zur Stube.


    Landshut Pfettrachgasse 7 4



    Damit beende ich die guten Nachrichten aus Landshut und hoffe auf baldigen Anlass für eine Fortsetzung.

    Meine wohl schönste Überraschung war bislang Passau - wie so oft den Umständen des ersten "Besuchs" geschuldet. Es war abends, ich kam gerade aus Tschechien von Bergreichenstein und Winterberg zurück nach Bayern, hatte weder Mobilfunkempfang noch Karte und musste daher nach Schildern fahren. Irgendwie habe ich es geschafft, den schnellen Weg zurück zur A3 zu verpassen, sodass ich schlussendlich bei schönstem Abendrot an der Ilzstadt, den Burgen und der gesamten Altstadt vorbeifuhr.


    Auch wenn ich bei einigen späteren Besuchen einige nicht so schöne Seiten der Stadt kennen lernen musste (etwa, dass östlich des Doms fast sämtlicher Einzelhandel am Boden liegt), aber dieser erste Eindruck hat mein Bild von Passau nachhaltig geprägt.

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    Es ist überhaupt an der Zeit, den Münsteranischen "gemäßigt traditionalistischen" Wiederaufbau für obsolet zu erklären und den alten Prinzipalmarkt wissenschaftlich zu rekonstruieren.

    Tut mir leid, das so direkt sagen zu müssen, aber das ist vollkommen unrealistisch, allein schon, weil die gesamte Bebauung dieser Zeile unter Denkmalschutz steht, als Wiederaufbauleistung der Nachkriegszeit. Allenfalls bei den schwächeren Bauten (hier vor allem der klägliche Dreiecksgiebel des ehemaligen Knipperdolling-Hauses) wäre evtl. ein Punkt, wo man eine Diskussion beginnen könnte - ich fürchte allerdings, sie würde ähnlich zermürbend und langatmig werden wie diejenige beim Pellerhaus.


    Ich denke, abgesehen von den wenigen Einzelfällen wie dem von mir oben Geschilderten sollte man den Fokus vom Prinzipalmarkt wegnehmen und stattdessen bemerkenswerte Einzelbauten in der restlichen Altstadt heraussuchen - beispielsweise dieses gotische Giebelhaus im Katthagen (würde sich anbieten, weil die Fläche unbebaut ist). Im Idealfall kann man so in der einen oder anderen Nachkriegswüste an den Rändern der Altstadt Ankerpunkte für eine Stadtreparatur setzen.

    Für mich gibt es in Münster mit dem Haus Drubbel 3 einen heißen Rekonstruktionskandidaten. Man mag es vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen, aber die Fassade ist noch bis zum 2. Stock diejenige des späten 15. Jahrhunderts - erkennbar ist dies an der dünnen Steinlage auf Höhe der Mitte der Fenster des 1. Obergeschosses, in die ursprünglich die Querbalken der Kreuzstockfenster eingespannt war. Lediglich das 3. Obergeschoss wurde verändert, und anstelle des einstmals prächtigen spätgotischen Treppengiebels (links im Bild) krönt die Fassade heute ein schnödes Zwerghaus.

    Ich habe vor knapp 6 Jahren einmal Neustadt und Pößneck besucht. Dieses Haus habe ich immer noch in Erinnerung; es machte trotz seines bemitleidenswerten Zustands einen sehr würdevollen Eindruck. Schön zu sehen, dass es gerettet wurde - nicht auszudenken, was für eine Wunde ein Abriss in diese komplett erhaltene Häuserzeile der Renaissance gerissen hätte.


    Mein Bild von damals:


    Pößneck1

    Als reine Portfolio-Arbeit habe ich in den letzten Tagen den Münsteraner Dom im Zustand zur Mitte des 16. Jahrhunderts gezeichnet, im Maßstab 1:300 - den Plänen der Bauaufnahme Max Geisbergs folgend. Für Details, die mit späteren Anbauten verloren gingen (etwa die Fenster des Chorumgangs mit dem Anbau der Galen'schen Kapellen), habe ich mich auf andere Quellen gestützt, etwa den Alerdinck-Plan oder eine Zeichnung des Doms von 1609. Auch der Renaissanceschmuck im Giebel des Ostquerhauses und die Kreuzkapelle, beide erst im späten 16. Jahrhundert hinzugefügt, kommen hier noch nicht vor. Den damals sicher vorhandenen Dachreiter über dem Ostquerhaus habe ich aus Mangel an guten Bildquellen weggelassen.


    Münster Dom 1550

    Ziemlich sicher ja - das Fachwerk wurde zwar zur Straße hin verändert, also größere Fenster eingesetzt, aber die ursprüngliche (?) Aufteilung in drei Fenster pro Feld ist noch nachvollziehbar, und da auch die Positionen und Größen der Giebel- und Kellerfenster übereinstimmen, wäre es schon sehr erstaunlich, wenn es sich um unterschiedliche Bauten handelt.

    Nach diversen Jahren mal ein paar neue Bilder vom ehemaligen Zisterzienserkloster Raitenhaslach. Mittlerweile ist der sogenannte Prälatenstock - die ehemalige Abtsresidenz - komplett mit viel Liebe fürs Detail restauriert worden. Einige Bauten der Klosteranlage sind noch unsaniert, es wird aber an diversen Stellen noch gebaut (so finden sich am letzten unsanierten Teil des Südflügels bereits einige Anstrichproben, und der Flügel nördlich der Klosterkirche ist momentan teils eingerüstet).


    Fangen wir an mit dem Durchgang zur ehemaligen Klostermühle - Dieser führt durch besagten unsanierten Teil des Südflügels.




    In einem östlich an den Prälatenstock angebauten Flügel befindet sich der sogenannte Steinerne Saal, der ehemalige Festsaal des Klosters. Dieser wird heute vom Akademiezentrum Raitenhaslach der TU München als Seminarraum genutzt (und ich hatte das Glück, dass das Seminar an dem ich teilnahm, in genau diesem Saal stattfand).




    Noch eine weitere Ansicht des Festsaaltrakts aus dem Abtsgarten.




    Vom Festsaal selbst konnte ich leider nur eine kleine Ecke gut aufnehmen, da der Saal durch die Utensilien der Seminarteilnehmer reichlich zugestellt und dementsprechend unansehnlich war. Als Ersatz dafür gibt es hier ein Bild aus dem Netz.




    Auf dem letzten Bild konnte man bereits eine der vier Statuen erkennen, die in Wandnischen stehend die Schmalseiten des Saals zieren. Hier nun eine Nahansicht einer Weiteren.




    Der Prälatenstock wird durch zwei Treppenhäuser erschlossen - im Kleineren der Beiden gab es am Abend ein wunderbares Lichtspiel mit den Butzenscheiben der vorbildlich restaurierten Barockfenster.




    Der Festsaal des Klosters besitzt die einzigen Fenster mit großen Flachglasscheiben; in allen anderen Räumen sind die Fenster mit sechseckig zugeschnittenen Butzenscheiben verglast. Flachglas in großen Formaten war im 18. Jahrhundert eine ausgesprochene Kostbarkeit, und so konnte und wollte man es sich nicht leisten, gebrochene Scheiben zu ersetzen. Folglich wurden Bruchstellen mit Bleistegen, wie man sie aus Kirchenfenstern kennt, wieder repariert. Auch diese reparierten Scheiben hat man nach der Restaurierung der Rahmen wieder mit eingesetzt und nicht etwa ausgetauscht.


    Wie man an den unregelmäßigen Lichtbrechungen der Scheiben sieht, sind diese zu 100% original - ich konnte bisher im gesamten Saal nicht eine einzige neue Scheibe entdecken.