Posts by Mündener

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    Es ist überhaupt an der Zeit, den Münsteranischen "gemäßigt traditionalistischen" Wiederaufbau für obsolet zu erklären und den alten Prinzipalmarkt wissenschaftlich zu rekonstruieren.

    Tut mir leid, das so direkt sagen zu müssen, aber das ist vollkommen unrealistisch, allein schon, weil die gesamte Bebauung dieser Zeile unter Denkmalschutz steht, als Wiederaufbauleistung der Nachkriegszeit. Allenfalls bei den schwächeren Bauten (hier vor allem der klägliche Dreiecksgiebel des ehemaligen Knipperdolling-Hauses) wäre evtl. ein Punkt, wo man eine Diskussion beginnen könnte - ich fürchte allerdings, sie würde ähnlich zermürbend und langatmig werden wie diejenige beim Pellerhaus.


    Ich denke, abgesehen von den wenigen Einzelfällen wie dem von mir oben Geschilderten sollte man den Fokus vom Prinzipalmarkt wegnehmen und stattdessen bemerkenswerte Einzelbauten in der restlichen Altstadt heraussuchen - beispielsweise dieses gotische Giebelhaus im Katthagen (würde sich anbieten, weil die Fläche unbebaut ist). Im Idealfall kann man so in der einen oder anderen Nachkriegswüste an den Rändern der Altstadt Ankerpunkte für eine Stadtreparatur setzen.

    Für mich gibt es in Münster mit dem Haus Drubbel 3 einen heißen Rekonstruktionskandidaten. Man mag es vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen, aber die Fassade ist noch bis zum 2. Stock diejenige des späten 15. Jahrhunderts - erkennbar ist dies an der dünnen Steinlage auf Höhe der Mitte der Fenster des 1. Obergeschosses, in die ursprünglich die Querbalken der Kreuzstockfenster eingespannt war. Lediglich das 3. Obergeschoss wurde verändert, und anstelle des einstmals prächtigen spätgotischen Treppengiebels (links im Bild) krönt die Fassade heute ein schnödes Zwerghaus.

    Ich habe vor knapp 6 Jahren einmal Neustadt und Pößneck besucht. Dieses Haus habe ich immer noch in Erinnerung; es machte trotz seines bemitleidenswerten Zustands einen sehr würdevollen Eindruck. Schön zu sehen, dass es gerettet wurde - nicht auszudenken, was für eine Wunde ein Abriss in diese komplett erhaltene Häuserzeile der Renaissance gerissen hätte.


    Mein Bild von damals:


    Pößneck1

    Als reine Portfolio-Arbeit habe ich in den letzten Tagen den Münsteraner Dom im Zustand zur Mitte des 16. Jahrhunderts gezeichnet, im Maßstab 1:300 - den Plänen der Bauaufnahme Max Geisbergs folgend. Für Details, die mit späteren Anbauten verloren gingen (etwa die Fenster des Chorumgangs mit dem Anbau der Galen'schen Kapellen), habe ich mich auf andere Quellen gestützt, etwa den Alerdinck-Plan oder eine Zeichnung des Doms von 1609. Auch der Renaissanceschmuck im Giebel des Ostquerhauses und die Kreuzkapelle, beide erst im späten 16. Jahrhundert hinzugefügt, kommen hier noch nicht vor. Den damals sicher vorhandenen Dachreiter über dem Ostquerhaus habe ich aus Mangel an guten Bildquellen weggelassen.


    Münster Dom 1550

    Ziemlich sicher ja - das Fachwerk wurde zwar zur Straße hin verändert, also größere Fenster eingesetzt, aber die ursprüngliche (?) Aufteilung in drei Fenster pro Feld ist noch nachvollziehbar, und da auch die Positionen und Größen der Giebel- und Kellerfenster übereinstimmen, wäre es schon sehr erstaunlich, wenn es sich um unterschiedliche Bauten handelt.

    Nach diversen Jahren mal ein paar neue Bilder vom ehemaligen Zisterzienserkloster Raitenhaslach. Mittlerweile ist der sogenannte Prälatenstock - die ehemalige Abtsresidenz - komplett mit viel Liebe fürs Detail restauriert worden. Einige Bauten der Klosteranlage sind noch unsaniert, es wird aber an diversen Stellen noch gebaut (so finden sich am letzten unsanierten Teil des Südflügels bereits einige Anstrichproben, und der Flügel nördlich der Klosterkirche ist momentan teils eingerüstet).


    Fangen wir an mit dem Durchgang zur ehemaligen Klostermühle - Dieser führt durch besagten unsanierten Teil des Südflügels.




    In einem östlich an den Prälatenstock angebauten Flügel befindet sich der sogenannte Steinerne Saal, der ehemalige Festsaal des Klosters. Dieser wird heute vom Akademiezentrum Raitenhaslach der TU München als Seminarraum genutzt (und ich hatte das Glück, dass das Seminar an dem ich teilnahm, in genau diesem Saal stattfand).




    Noch eine weitere Ansicht des Festsaaltrakts aus dem Abtsgarten.




    Vom Festsaal selbst konnte ich leider nur eine kleine Ecke gut aufnehmen, da der Saal durch die Utensilien der Seminarteilnehmer reichlich zugestellt und dementsprechend unansehnlich war. Als Ersatz dafür gibt es hier ein Bild aus dem Netz.




    Auf dem letzten Bild konnte man bereits eine der vier Statuen erkennen, die in Wandnischen stehend die Schmalseiten des Saals zieren. Hier nun eine Nahansicht einer Weiteren.




    Der Prälatenstock wird durch zwei Treppenhäuser erschlossen - im Kleineren der Beiden gab es am Abend ein wunderbares Lichtspiel mit den Butzenscheiben der vorbildlich restaurierten Barockfenster.




    Der Festsaal des Klosters besitzt die einzigen Fenster mit großen Flachglasscheiben; in allen anderen Räumen sind die Fenster mit sechseckig zugeschnittenen Butzenscheiben verglast. Flachglas in großen Formaten war im 18. Jahrhundert eine ausgesprochene Kostbarkeit, und so konnte und wollte man es sich nicht leisten, gebrochene Scheiben zu ersetzen. Folglich wurden Bruchstellen mit Bleistegen, wie man sie aus Kirchenfenstern kennt, wieder repariert. Auch diese reparierten Scheiben hat man nach der Restaurierung der Rahmen wieder mit eingesetzt und nicht etwa ausgetauscht.


    Wie man an den unregelmäßigen Lichtbrechungen der Scheiben sieht, sind diese zu 100% original - ich konnte bisher im gesamten Saal nicht eine einzige neue Scheibe entdecken.


    Ich habe letztens im Rahmen eines Projekts an der Uni eine Rekonstruktionszeichnung der Düsseldorfer Gemäldegalerie im Zustand 1763-1795 angefertigt und dachte mir, dass sie hier vllt auch jmd. interessiert.



    Da die eingebundenen Bilder scheinbar automatisch extrem komprimiert werden, hier nur ein Vorschaubild und der Link zu einer Version mit akzeptabler Auflösung.

    Ein wunderbarer Garten, ein sehr elegantes Schloss - und vor allem ein gutes Beispiel dafür, wie enorm gute Fenster ein Bauwerk aufwerten, oder - wie in diesem Fall - überhaupt erst wirken lassen.


    Vielen Dank für die schönen Bilder!

    Im Umfeld von Soest gäbe es auch noch den Dachstuhl der Ostönner Kirche, der übrigens noch etwas älter ist, als es Derjenige von Notre-Dame war - er stammt aus der Erbauungszeit der Kirche, aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.



    Eigene Aufnahme


    Die Besichtigung war mir möglich zum Tag des Offenen Denkmals letztes Jahr - selbstverständlich auf eigene Gefahr. Der Zustand dürfte etwa im Normalbereich bei kleineren Stadtkirchen und Dorfkirchen hierzulande sein - Zutritt nur bei unbedingter Notwendigkeit. In diesem Fall musste man durch eine schmale Lücke zwischen dem originalen Kehlbalken und einem rostigen Zuganker darunter kriechen. Der Brandschutz ist mit "nicht vorhanden" noch freundlich umschrieben.


    Kurz gesagt - wenn hier mal ein Feuer ausbrechen sollte, könnte die Feuerwehr sehr wahrscheinlich nur noch beim Abbrennen dieses 850 Jahre alten Stücks Zimmermannskunst zuschauen.

    Ich habe noch ein weiteres Beispiel gefunden, ein Haus aus Kürnbach, ebenfalls im Kraichgau, laut (offensichtlich moderner) aufgemalter Datierung ins Jahr 1539. Ich denke, man kann dem aber durchaus Glauben schenken, solch eine Datierung zieht man sich nicht mal eben aus der Nase. Interessant ist hier, dass das Fachwerkbild noch weitestgehend den Mustern des alemannischen Fachwerks entspricht und die Kehlbalken sogar noch angeblattet sind. Mit diesem Vergleich wird es wahrscheinlicher, dass es auch im Elsass einige derartige Spätdatierungen geben dürfte.

    Habe soeben noch ein Vergleichsbeispiel für die überkreuzten Streben gefunden, das Haus Zabergäustraße Nr. 16 in Kleingartach (Stadtteil von Eppingen). Das Haus ist inschriftlich (laut Text, kein Bild der Inschrift) ins Jahr 1507 datiert, passt insofern zu unserer zeitlichen Einordnung des Stils.


    Desweiteren gibt es im gleichen Ort mit der alten Kelter von 1475(d) ein Bauwerk im reinen alemannischen Stil. Wie auch in Riquewihr existierten beide Stile im gleichen Ort, sodass man davon ausgehen kann, dass dies in Baden, dem Elsass und evtl. der Pfalz keine Seltenheit war.


    Zu guter Letzt beweist der Fachwerkaufbau des Kirchturms in Eibensbach, wie fließend der Übergang von der Überkreuzstrebe zur K-Strebe in dieser Region teils war.

    Die überkreuzten Kopf- und Fußstreben ohne Anblattungen würde ich sehr wohl als mittelalterlich werten. Zum einen gibt es vergleichbare Befunde von rechtsrheinischer Seite, aus dem Kraichgau (Eppingen) und dem unteren Neckartal (Hirschhorn und Neckargemünd). In Eppingen und Hirschhorn finden sich überkreuzte Streben ohne jegliche Anblattungen (Eppingen Bild 1, Bild 2; Hirschhorn) in Kombination mit teils angeblatteten Steigbändern , desweiteren eine reduzierte Form in Neckargemünd, hier ebenfalls mit angeblatteten Steigbändern und einem Freigespärre (Bild), außerdem ein Beispiel aus Hirschhorn mit derselben Reduktionsform. Letztere reduzierte Form findet sich an gleicher Weise mit angeblatteten Steigbändern an einem Haus in Hunawihr (Link). Auffällig ist hier außerdem, dass in allen drei Fällen die Steigbänder nur oben angeblattet sind.


    Diese Kombination spricht in meinen Augen dafür, dass diese Strebenformen den letzten Jahren des spätmittelalterlichen Fachwerkbaus in der Region (wohl um 1500 und kurz danach) zuzuordnen sind. Ein weiteres Beispiel aus Hirschhorn legt desweiteren nahe, dass es sich dabei um Übergangsformen zwischen dem südhessischen und dem alemannischen Fachwerk handelt.


    Wenn man nun bedenkt, dass die entsprechenden Fachwerkformen gerade im südhessischen Raum bis weit ins 16. Jahrhundert in Gebrauch blieben, und andererseits die erstaunlich späte Datierung des archaisch anmutenden Bauernhauses aus Artolsheim (Bild) ins Jahr 1561 betrachtet, so könnte man annehmen, dass im Elsass manche mittelalterlichen Fachwerkformen auch später im 16. Jahrhundert noch Anwendung fanden. Dies könnte etwa auf das oben genannte Haus in Hunawihr zutreffen. Auch ein Gebäude in Weißenburg (Bild) mit einem Datierungsstein mit der Jahreszahl 1582 am Kamin (Bild) könnte demnach evtl erst zu diesem Zeitpunkt gebaut worden sein. Zur Klärung bräuchte man nun allerdings dendrochrononlogische Datierungen.