Munderkingen

  • Wieder einmal typisch, die Bürger ohne Phantasie können nicht erkennen, dass aus einem heruntergekommenem Haus wieder ein Schmuckstück werden kann. Ist es aber soweit, sind alle Stolz darauf. Weswegen Baudenkmäler verfallen reflektiert schon gar keiner.


    Man fragt sich manchmal ob hier seit 1975 überhaupt ein Bewusstseinswandel in weiten Teilen der Bevölkerung eingetreten ist. Sonst wäre so etwas kaum denkbar:


    „Immer wieder sind Leute auf mich zugekommen, die gesagt haben, der Schandfleck Löwen gehört abgerissen“, berichtete (Bürgermeister)Lohner.


    aber immerhin:


    "Gerade wegen der hohen Investitionen, die für einen Erhalt nötig seien, könne ein Abriss nicht ausgeschlossen werden", sagte Lohner. „Aber diesen Weg sollten wir nicht freiwillig gehen“, fügte er hinzu. "Zwar könne man in anderen alten Städten sehen, dass sich auch Neubauten toll einfügen können, aber für Munderkingen könne das nur zweite Wahl sein. Schließlich macht uns unsere historische Altstadt aus“

  • "Die Sanierung koennte eine siebenstellige Summe werden."


    Ein Neubau der selben Groesse waere auch so teuer.
    Abgesehen davon: Ein 700 Jahre altes Haus mit einen mindestens 650 Jaehrigen Wirtschaft?
    Das aelteste Haus der Stadt? Das koennte man doch vermarkten!

  • Eine Erklärung für diese in meinen Augen so widersprüchlichen Verhaltensweisen (einerseits extrem materiell eingestellt sein, andererseits die Häuser völlig kaputtgehen lassen) ist möglicherweise der Pietismus, was auch immer das genau ist.

    Munderkingen war aber die längste Zeit seiner Geschichte habsburgisch und damit katholisch. Das ist es übrigens bis heute geblieben: 73% sind katholisch. Das gilt aber nicht nur für Munderkingen, sondern praktisch für das gesamte schwäbische Oberland. Im Zuge der Gegenreformation ist hier eine der schönsten Barocklandschaften entstanden, die man sich denken kann. In unmittelbarer Nähe zu Munderkingen liegen zum Beispiel die Klöster Marchtal und Zwiefalten, siehe "SchortschiBährs" Galerie.
    Inwiefern seit dem Fall an Württemberg 1805 ein "pietistischer Geist" eingezogen ist, wage ich nicht zu beurteilen. Bei meinen Besuchen in der Region ist mir aber nie ein überzeugter Württemberger begegnet, die Menschen verstehen sich als Oberschwaben und sind stolz auf ihre katholische Tradition. Auch empfand ich die Gegend oft als besonders schön. Viele Fachwerkbauten wurden vorbildlich renoviert, manchmal vielleicht sogar etwas zu sehr. Schattenseiten gibt es aber natürlich auch hier genug. Ich empfehle dazu die Lektüre von Peter Renz' "Heimat".
    Zu geschichtlich-geografischen Fragen siehe im Historischen Atlas von Baden-Württemberg:
    Herrschaftsgebiete und Ämtergliederung in Südwestdeutschland 1790
    Die konfessionelle Gliederung im Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg um 1820 und 1961
    Oder das Ganze hochauflösend über die Kartenauswahl.

  • Hm wenn man nur nach der Religion geht, dann müsste Schwäbisch Hall (mehrheitlich evangelisch) sehr vernachlässigt sein , jedoch Schwäbisch Gmünd und Aalen blitzblank, weil dort die Bevölkerung mehrheitlich katholisch ist! Alles leider nicht so einfach...

  • Der Munderkinger Steigerturm wird abgerissen. Ein Stadtrat regte an, den Turm den Freilichtmuseen der Region anzubieten, aber er steht nicht unter Denkmalschutz und sei laut Landratsamt nichts Besonderes. Nun geht es aus dem Artikel nicht hervor, ob nur der eigentliche Turm oder auch die Gebäudeteile drum herum abgerissen werden sollen, aber ich sehe hier schon etwas Erhaltenswertes: https://www.schwaebische.de/la…geben-_arid,10940340.html