Detroit (Galerie)

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    • Detroit (Galerie)

      In Detroit waren wir nur für ein paar Stunden, rückblickend war das sicher ein Fehler. Die unsichere Sicherheitslage hat uns abgeschreckt, zudem gibt es in Detroit aktuell kaum vernünftigen Hotels und nach Einkaufsmöglichkeiten für meine Frau hörte sich das im Vorfeld auch alles partout nicht an. So wurden aus geplanten zwei Nächten in Cleveland und zwei Nächten in Detroit dann drei Nächte in Cleveland und keine in Detroit.

      1 Über Detroit wurde ja nun hier im Forum einiges geschrieben und so beginne ich gleich mit unserem ersten Ziel, das hier allerdings auch schon diskutiert wurde, der Michigan Central Station. Geplant haben das Objekt per 1914 die Architekten Warren & Wetmore aus New York sowie Reed & Stem aus St. Paul, beide Architekten-Teams hatten gleichfalls im Beaux-Arts-Stil kurz zuvor das Grand Central Terminal in New York gebaut, Warren & Wetmore hatten zudem schon Hotels gebaut, so bekam der Bahnhof in Detroit ein hotelartiges Aussehen. Die Problematik ist genau die gleiche wie beim Buffalo Central Terminal: wrong place, wrong time. Die Strecke in die Innenstadt wäre kaum zu Fuß zu laufen, immerhin liegt in unmittelbarer Nähe die Michigan Avenue, die Richtung Downtown führt

      Bemerkenswert finde ich noch, dass die Fahrgastzahlen konkret nach dem zweiten Weltkrieg völlig eingebrochen sind und von 4.000 am Tag 1945 auf 1.000 am Tag in den späten 50ern sanken. In Summe führte das natürlich zu einem Niedergang der Anlage, die schließlich 1988 geschlossen wurde. Nach verschiedenen Zwischennutzungen und zeitweiser Plünderung des Bahnhofes wurde um 2003 eine Umnutzung zum Hauptquartier der Detroiter Polizei angedacht, was dann allerdings bei Umbaukosten in dreistelliger Millionenhöhe verworfen wurde. Heute gehört das Gebäude einem Manuel „Matty“ Mouron, einem der reichsten Männer der Welt, der das Gebäude (ich weiß nicht, wann) als Zukunftsinvestition gekauft hat. Mittlerweile wird er erkannt haben, dass es sich ökonomisch nicht lohnt, irgendein Geld in die Anlage zu stecken, selbst ein Abbruch, wenn er rechtlich möglich wäre, wäre irre teuer. So rottet die Anlage vor sich hin, als trauriges Symbol für den Niedergang der ganzen Stadt.




      2 Wir sehen sofort, dass sich die Anlage, anders als der Buffalo Central Terminal, in einem katastrophalen Zustand befindet. Hier wird seit Jahrzehnten kein Fenster mehr heil sein. Ich bin kein Bauingenieur, weiß aber mittlerweile, dass eine Kombination aus eindringendem Wasser und Frost für jedes Bauwerk mittelfristig tödlich ist.




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      4 Aus dieser Perspektive sieht man das hoffnungslose Umfeld des Bahnhofes. Dass hier irgendjemand Geld in die Hand nimmt und sagt, ich baue das Objekt in ein Hotel, eine Seniorenwohnanlage oder sonstetwas um, scheint unmöglich. Immerhin fühlte ich mich direkt vor dem Bahnhof zumindest nicht konkret unsicher, weil außer dem einen oder anderen homeless hier niemand herumlief. In meinem Rücken bei dieser Aufnahme wurde es dann allerdings deutlich finsterer, der Abzweig zur Michigan Avenue ist bemerkenswert verwahrlost. An der Ecke grinste uns eine Farbige undefinierbaren Alters mit einer blonden Perücke an, während sie offensichtlich am Sonntag Mittag undefinierbare Dienste anbot. Ich bin eigentlich keine Bangbüx, aber hier würde ich im Dunkeln nicht rumlaufen.




      5 Unser nächsten Ziel war das Leland Hotel direkt am westlichen Rand der Innenstadt, ein (pardon my french) geiler Hotelklotz a.d. 1927 von den von mir schon genannten Architekten Rapp & Rapp aus Chicago. Wikipedia weist als Baustil abwechselnd Beaux-Arts, Neo-Renaissance und Historismus aus.




      6 Laut dem deutschen Wikipedia werden zur Zeit nur 10 von 800 (!?) Zimmern vermietet, das Hotel wird angeblich derzeit renoviert, wovon ich aber nichts gesehen habe, in der Lobby habe ich exakt eine einzige Hotelangestellte gesehen, sonst niemanden. Ohne eine Renovierung wird das Leland wohl der nächste Leerstand in Downtown Detroit sein.




      Die aktuellen Hotelkritiken schwanken zwischen „Spukhotel“, „widerlich“ und „Ratten, Mäuse, Kakerlaken“ und sind bemerkenswert schlecht.

      The Leland - Detroit - Hotelbewertungen - TripAdvisor

      7 Wir haben uns im vergangenen Herbst ja nun verschiedene Ziele angesehen, es war unmöglich, sich für alles top vorzubereiten. So habe ich über Detroit manches erst im Nachgang gelesen, z.B. die Geschichte der beiden Gebäude im Bild links, die ich vis-avis zum Leland mehr zufällig photographiert habe, das United Artists Theatre Building rechts (1928, Charles Crane) und das ehemalige Michigan Theatre (1926, Rapp und Rapp), heute das Michigan Building, wie über dem bogenförmigen ehemaligen Eingang zu lesen ist. Beide Gebäude bilden/bildeten eine Kombination aus Kino/Theater und Bürogebäude, die wir auch schon im Keith-Building in Cleveland gesehen haben. Der Bereich westlich der Downtown mit dem Leland und den beiden Theatern wurde in den 20ern gezielt entwickelt, was wohl nur mittelfristig funktioniert hat, die Gegend besteht heute zum größten Teil aus Parkplätzen, wirkt halbfertig und war ziemlich menschenleer.




      8 Das United Artists Theatre Building steht heute komplett leer und sieht von innen so aus, wie ich mir ein zerschossenes Theater in einem ehemals umkämpften Beirut oder Kabul vorstelle.

      United Artists Photos


      9 Wenn das überhaupt möglich ist, traf es das Michigan Theatre noch ärger. Hier sind bei wenigen Konzerten in den 1950ern Louis Armstrong oder Frank Sinatra aufgetreten, im wesentlich lief aber Kino. Nach der Schließung des Kinos im Jahr 1967 gab es verschiedene Zwischenlösungen, am Ende erfolgte 1976 der Umbau zu einem Parkhaus (!!), als das das Gebäude nach wie vor genutzt wird, vermutlich als einziges Parkhaus weltweit mit einer Neo-Barock-Decke. Und ich Idiot wusste vor Ort von nichts und bin nicht hineingelaufen. Die folgenden Bilder tun richtig weh.

      File:MichiganTheaterlobbyDetroit.jpg - Wikipedia, the free encyclopedia

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      de.wikipedia.org/w/index.php?t…etimestamp=20110125085520


      11 Auch das nächste Gebäude in Sichtweite steht leer, das „Grand Army of the Republic Nuilding“ von 1899, ein ehemaliger Treff für Veteranen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg.




      12 Jetzt schauen wir den Washington Boulevard hinunter Richtung zum Grand Circus Park. Auch hier wäre eine nähere Betrachtung der kompletten Straße sicher lohnend gewesen. Das große Gebäude links ist der 145 m hohe Book Tower (1916, Louis Camper), heute ein kompletter Leerstand.




      13 Das Book Cadillac Hotel ist eines der wenigen Gebäude im Umfeld, das die Kurve bekommen hat. Gebaut von Louis Kamper 1924 in Neo-Renaissance (106 m) stand es ab 1986 für 20 Jahre leer, wurde aber bis 2008 saniert und ist heute das erste Haus am Platz und vermutlich heute überhaupt das einzige wirklich schöne Hotel in Detroit. Ich hätte dort gerne übernachtet, Preise ab $ 200 pro Zimmer und Nacht (ohne Frühstück) hielten mich aber ab.




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      15 Jetzt sehen wir in der Fort Street erstmalig zum Penobscot Building von Wirt C. Rowland (1928, 172m), ...




      16 ... davor steht das Savoyard Centre (1900), das einzige Haus am Platz von McKim, Meat und White aus New York.




      17 Das ist die Spitze des Union Guardian Building von Wirt C. Rowland (1928, 149m) in spektakulärem Art Deco.




      18 Hier sehen wir in der Mitte das Buhl Building wieder von Wirt C. Rohland (1925, 111m).




      19 Hier haben wir noch einmal den Book Tower.




      20 Jetzt haben wir endlich eine Karte von Downtown Detroit. Unten ist der Detroit River, dahinter ist Kanada. Links oben habe ich das Leland Hotel markiert, darunter geht die Michigan Avenue in Richtung Michigan Central Station. In der unteren Bildmitte habe ich die Kombination aus Campus Martius und Cadillac Square markiert, rechts davon das Wayne County Building, darüber habe ich die Woodward Avenue eingekreist, darüber sehen wie den Halbrund des Grand Circus Park mit dem markierten Fox Theatre wieder darüber.




      21 Der Pfeil im Bild oben links weist den Weg zum Masonic Temple, einem spektakulären Freimaurer-Bau in Form eine neo-gothischen Kathedrale, den ich aber nicht besucht habe, weil er zu weit abseits lag.

      Detroit Masonic Temple - Wikipedia, the free encyclopedia


      22 Der Pfeil ganz links zeigt zur Cass Tech High School, einer in Detroit wohl äußerst bekannten Schule aus 1922 in Art Deco, die im Verlauf des Jahres 2011 abgerissen wurde.

      upload.wikimedia.org/wikipedia…1917_building_in_2010.jpg


      23 Wieder zurück in Downtown Detroit sind wir jetzt am Renaissance Center am Detroit River, 1977 auch oder gerade zur Wiederbelebung des Areals und als größtes Hotel der Welt gebaut, beherbergt das Gebäude heute immer noch ein Marriot-Hotel (das aber nicht besonders gut sein soll), vor allem aber kaufte General Motors das Gebäude 1996 für $ 500 Millionen, um es für weiter $ 100 Millionen zu seinem heute krisengeschüttelten Hauptquartier umzubauen.




      24 Vom Detroit River in Richtung Campus Martius bekommen wir hier einen Eindruck, wie die Stadt vor 100 Jahren und davor ausgesehen hat. Rechts das Vinton Building von Albert Kahn (1916).




      25 Der Campus Martius hat sich seit dieser Aufnahme deutlich verändert, vor allem wurden wurde die Old City Hall (1861, links) und das Majestic Building (1896!) von Daniel Burnham (Mitte) 1961/1962 abgerissen. In dem Bereich, wo auf dem Bild rechts das weiße Haus steht, befindet sich heute ein Hardrock Cafe. (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      26 Noch einmal das Majestic Building (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      27 Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei.




      28 Hier sehen wir eine ähnliche Perspektive wie im Bild zuvor, das Ernest&Young-Gebäude steht also auf dem Areal der Old City Hall. Leider habe ich von dem Platz keine weitere Perspektive abgelichtet, aber man kann erahnen, dass der Platz viel von seinem Charme verloren hat.




      29 Aber viele Gebäude haben eine überragende Qualität, wie hier das Dime Building (hinter dem Ernest&Young-Gebäude) von Daniel Burnham (1912, 99m)




      30 Auf den nächsten beiden Bilder (dieses aus 1899 vom Cadillac Square in Richtung Westen zum Campus Martius) erkennt man wieder den Charme, den dieser Platz leider verloren hat. Detroit galt um 1900 laut Wikipedia gerade aufgrund seiner großzügig angelegten Plätze als „Paris of the west“ und überhaupt als schönste Stadt Amerikas, diesen inoffiziellen Titel wird Detroit um 1910 an Chicago verloren haben, bis der Titel dann um 1925 endgültig in New York landete (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      31 Hier wurde das Bild 30 links um das Hotel Ponchartrain ergänzt, das sich auf diesem Platz nur von 1907-1920 befunden hat (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      32 Im Osten wurde und wird der Cadillac Square wunderbar vom Wayne County Building (1897) abgeschlossen, so etwas wie dem Zwilling der Old City Hall auf der anderen Seite des Platzes. Laut Wikipedia ist das Wayne County Building „America’s finest surviving example of Roman Baroque achitecture with a blend of Beaux-Arts”.




      33 An der gleichen Ecke des Platzes stehen weitere schöne Gebäude, wie diese hier, links der Cadillac Tower (133m, 1927).




      34 Andere Gebäude habe ich wieder nicht gesehen, wie das Metropolitan Building, das heute leer steht und das sich direkt hinter der Gruppe aus Bild 33 befinden muss.


      upload.wikimedia.org/wikipedia…Building_Detroit_2010.jpg



      35 Schließen möchte ich zunächst mit dem National Theatre aus 1911 von Albert Kahn, einem weiteren Leerstand am Cadillac Square. Ich mache irgendwann mit Bildern aus der nördlichen Downtown weiter, das wird aber etwas dauern.


    • Vielen lieben Dank für die Galerie!

      Welch unwirtlich-faszinierende Stadt du da eingefangen hast! Zumindest auf deinen Bildern scheint sich die Zivilisation beinahe vollständig aus den undefinierbaren Stadträumen zurückgezogen zu haben. Dennoch spürt man den ehedem vorhandenen Wunsch nach Repräsentanz, der, wohl typisch für den amerikanischen Städtebau, weniger dem Stadtorganismus, als vielmehr individuellen Bauprojekten galt. So erscheinen die perforierten Räume logisch und letztlich auch traurig, sind sie doch gleichsam ein Menetekel auch für unsere sich immer mehr individualisierende Gesellschaft. Wohin diese führen kann, verdeutlichen die Bilder Detroits meiner Meinung nach recht gut!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • --> Chadow21: Wie waren am Sonntag, dem 25.09.2011 in Detroit, übernachtet haben wir dort (leider) nicht. Windsor sagt mir aktuell nichts.


      36 Den zweiten Teil meiner Detroit Tour beginnen wir mit einem Blick auf den Plan von August Woodward zur Entwicklung der Stadt nach dem Stadtbrand von 1805. Die Straßen laufen im Wesentlichen auf das Rund des Grand Circus Park zu, mit dessen Bebauung ich mich im Folgenden beschäftige. Woodward’s Plan wurde im folgender Zeit größtenteils umgesetzt, das Rund des Grand Circus Parks allerdings nur zur Hälfte. Eine Vielzahl von Aufnahmen, die ich mittlerweile gesehen habe, endet in der Perspektive mit einzelnen Gebäuden des Grand Circus Park (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      37 Jetzt sehen wir eine Vorkriegsluftaufnahme der Stadt aus Westen. Von unten führt die breite Michigan Avenue in die Mitte der Stadt zum Campus Martius mit dem markierten Penobscot Building rechts davon. Ganz links außen habe ich das „Grand Army of the Republic Building“ eingekreist, rechts davon das Leland Hotel, das ich übrigens in der Karte in Bild 20 falsch lokalisiert hatte. Rechts über dem Leland habe ich den Book Tower markiert, links oben außen den Broderick Tower am Grand Circus Park. (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).

      Unheimlich auffällig finde ich an dieser Perspektive, das im Vordergrund des Bildes, also unmittelbar westlich der Innenstadt, überhaupt keine gewachsene Stadtstruktur existiert. So war es auch vor Ort: Direkt um das Leland gab es vor allen Dingen viele Parkplätze. Als hätte man irgendwann irre Geld gehabt und tolle Gebäude in der Downtown gebaut, aber eine „richtige“ Stadt mit Wohnhäusern, Geschäften und so etwas drumherum ist nie entstanden. Das Wachstum der Stadt, das es zumindest bis 1950 zweifellos gab, fand dann in den Außenbezirken statt, die ein enormes Ausmaß haben. Detroit hat „nur“ 900.000 Einwohner, beim Herausfahren nach Norden kam es mir gigantisch vor.




      38 Jetzt sehen wir das Halbrund des Grand Circus Parks vor dem 2. Weltkrieg von Norden mit der Central United Methodist Church von 1866 links, dem Broderick Tower darüber, dem Statler Hotel rechts und wieder dem Book Tower rechts (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      39 Das ist der Blick vom Campus Martius die Woodward Avenue hoch zum Grand Circus Park mit dem Broderick Tower. Ich hatte schon geschrieben, dass Detroit um 1900 ganz vorne war, die Woodward Avenue war die erste geteerte Straße der Welt.




      40 Diese gemeinfreie Postkarte zeigt den Grand Circus Park um 1920. Man beachte das Statler Hotel (gebaut 1915) und das Tuller Hotel (1906), die beide 2005 und 1992 abgerissen wurden.




      41a+b Hier sehen wir die gleiche Perspektive vielleicht in den 50er Jahren. Man beachte hinter dem Tuller Hotel exakt in der Bildmitte die zwischenzeitlich entstandenen United Artists Theatre Building und Michigan Theatre, die wir in Bild 7 schon aus der Perspektive vom Leland aus gesehen haben. Ein herausragend schöner Platz (gemeinfreie Postkarten).







      42 Der Broderick Tower ist ein weiteres exemplarisches Beispiel für den Verlauf der letzten 80 Jahre in der Stadt. Gebaut als Eaton Tower 1927 waren hier diverse Ärzte, Anwälte und sonstige Dienstleister untergebracht. Nach einigen Eigentümerwechseln gab es im Gebäude mit einer Vermietungsqoute von nur 70% schon 1969 viele Leerstände, wobei sich hier besonders ein Umzug von Dienstleistern in Richtung der in den Vororten gewachsenen Wohnquartiere zeigte.

      Absolut bemerkenswert ist hier die Aussage des den Broderick Tower im Jahr 1969 erwerbenden George Fleischer, der mit der Aussage „we don’t subscribe the theory that downrown Detroit is dying“ eine bemerkenswerte Fehleinschätzung traf (hier kommen wir in den Bereich von Kaiser Wilhelm’s „das Auto hat keine Zukunft, ich setze auf das Pferd“). In jedem Fall ging es mit dem Broderick Tower immer weiter bergab, bis dann 1985 endgültig Schluss war, seit über 25 Jahren sehen wir eines der größten leer stehenden Gebäude der USA und nach dem Verlust der meisten Fenster eine der größten Taubengemeinschaften der Welt.

      Allerdings ist aktuell Besserung in Sicht, mir war vor Ort Bautätigkeit aufgefallen, auch im weltweiten Netz fand ich den aktuellen Umbau zu Appartements bestätigt, der schon 2012 abgeschlossen werden soll.




      Bei Google images gibt es eine Vielzahl sehenswerter Aufnahmen, die auch den Innenzustand des Gebäudes dokumentieren. Mit auf dem Stand der frühen 80er plötzlich verlassenen Büros oder Arztpraxen hat das Ganze etwas von Tschernobyl.

      broderick Tower images - Google-Suche


      43 Hier sehen wir eine ähnliche Perspektive wie in Bild 42 noch mit dem Statler Hotel im Vordergrund.

      euroartmagazine.com/artUps/1190063692.jpg


      44 Besonders gut gefällt mir dieses Bild „a beauty by day, a jewel by night“ schrieb die Detroit Free Press nach der Eröffnung.

      stateofred.com/wordpress/wp-co…0/12/broderick-tower1.jpg




      45 Auf dieser (gemeinfreien) Postkarte sehen wir den Grand Circus Park vielleicht um 1930 mit dem Statler Hotel ganz links, dem Tuller Hotel direkt hinter der Fontäne, links davon dass United Artists Theatre Building mit dem markierten Theater-Schild. Offenbar war das hier wirklich um 1930 ein außergewöhnlich schöner Platz und nach August Woodward’s Plan das Herz der Stadt.




      46 Noch eine Postkarte aus ähnlicher Perspektive wie im Bild zuvor, wieder aus den 50er Jahren.




      47 Die heutige Lage in der westlichen Ecke des Platzes erkennt man auf diesem Bild (Um 2008? Die Gebäude rechts sehen besser aus als heute) links im Knick des People Mover (der Hochbahn, die um Downtown Detroit führt) stand das Statler Hotel, vor dem United Artists Theatre Building (mit der blau-roten Werbung) das Tuller Hotel. Dafür gibt es jetzt mehr Parkplätze.

      4.bp.blogspot.com/_7DFVG3FadsU…600/grand_circus_park.jpg

      Im folgenden Youtube-Clip fahrt Ihr ein kurzes Stück mit dem People Mover durch Downtown Detroit, am Ende haltet Ihr an der Station auf Bild 42 und schauen auf zwei leere Flächen, auf denen die beiden abgerissenen Hotels standen.


      Detroit People Mover: Broadway to Grand Circus Park
      - YouTube
      !


      48-53 Die folgenden eigenen Bilder von der Nordseite des Platzes lassen wohl keine Fragen offen. Die Gebäude scheinen komplett leer zu stehen, von einem steht nur noch die Fassade. Noch einmal: Wir befinden und im Herz einer Metropole, nicht im einer verlassenen Industrie-Brache in einem Vorort von Nirgendwo. Von hier bis zum Leland Hotel gab es offensichtlich mal eine Vielzahl großer Hotels, die jetzt allesamt bereits abgerissen sind oder so gut wie unbewohnbar sind. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz: Weil kein Leben mehr in der Stadt ist, schließen die Hotels und wir haben dann schließlich nicht mehr in Detroit übernachtet, weil es keine vernünftigen Hotels gab.

      Im Vergleich zu dem hier schon vorgestellten Cleveland fällt mir auf, dass es in beiden Städten nach einer prosperierenden Phase um 1910 einen starken Einbruch ab ca. 1970 gab. In Cleveland ging es irgendwann bergauf, wäre dies nicht geschehen, sähen beide Städte jetzt vermutlich ähnlich aus. Einige noch deutlich angeschlagene Häuser hatte ich ja auch noch in Cleveland gesehen. In jedem Fall haben beide Städte den Aufschwung, der in anderen US-Städten um 1970 stattgefunden hat, definitiv nicht mitgenommen, somit gab es um diese Zeit keine oder kaum Bauprojekte, was beiden Städten niveaulose Neubauten aus der Periode um 1970 ersparte. In besserem Zustand und ohne die Abrisse aus dem vergangenen Jahrzehnt wäre Detroit heute eine absolute Schönheit.














      54 Kaum zu glauben, dass die Häuserecke aus den Bildern 45-53 mal so aussah. Der Aufbau des Hauses rechts wurde irgendwann völlig verschandelt (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).




      55 Im Anschluss haben wir Downtown Richtung Norden verlassenen, unmittelbar des Grand Circus Park konnte ich vom Auto aus noch das offenbar noch nicht geschlossene Fox Theatre ablichten (1928, Howard Crane).



      Die größten Substanzverluste im Bereich Architektur gab es in Detroit neben Hotelbauten sicher im Bereich von Kultur, was logisch ist, wenn kaum jemand mehr da ist, geht sicher niemand mehr ins Kino oder zum Tanzen. Das Schicksal der beiden Theater neben dem Leland hatte ich geschildert, das Fox Theatre gibt es noch, andere Kulturstätten sind schon lange geschlossen, exemplarisch möchte ich hier den Grande Ballroom nennen, einen legendäre Musikhalle nordwestlich der Downtown mit einer hervorragenden Akustik, in der gerade Detroiter Bands wie die Stooges oder MC5 (= Motor City 5) Pionierarbeit in Sachen donnernder Rockmusik leisteten. In dieser Halle haben alle Größen gespielt, seien es Chuck Berry oder The Who, Led Zeppelin oder Cream. In jedem Fall wurde der Musikbetrieb bereits 1972 eingestellt, der Laden steht seit geraumer Zeit leer und sieht leider von innen und außen dementsprechend aus.


      detroit Grande Ballroom images - Google-Suche


      56 Weiter ging es mit einer kurzen Runde durch den Brush Park Historic District, ein Wohnviertel knapp nördlich der Downtown, das in den 20ern sicher einmal sehr schick war, dann aber aufgrund der hier genannten Gründe verlassen wurde und aktuell zusammenfällt, natürlich beflügelt durch eine relativ unstabile Holzbauweise. War die Lage am Grand Circus Park schon desaströs, ist hier das Ende der Welt eingetreten. Das Viertel ist weitgehend verlassenen, bestimmt 3/4 der Häuser wurden bereits planiert.




      57 Leider hatte ich nicht die Nerven, hier anzuhalten und die verbliebenen Häuser abzulichten, so reichte es nur für zwei Bilder aus dem Auto. Dabei hatte ich weniger Angst in diesem bizarren Umfeld als so etwas wie Respekt vor den restlichen Leuten, die hier tatsächlich noch wohnen.

      Dabei ist das Thema Sicherheit in den USA immer ein aktuelles. Vielleicht hat der eine oder andere die großartige HBO-Serie „The Wire“ gesehen. Durch die (belebten!) bad neighborhoods von Detroit würde ich sicher nicht fahren (geschweige denn, laufen), ebenso wenig wie durch die Westside von Baltimore (wo „The Wire“ spielt).





      58 Jetzt sehen wir, wie nah dieses verlassene Viertel an der Downtown liegt ...

      euroartmagazine.com/artUps/1190063467.jpg

      59 ... und haben das Ganze noch einmal aus der Luft. Unfassbar. Wie in einem Nachkriegsgebiet.




      Zudem haben wir noch zwei Youtube-Clips, in denen wir durch den Brush Park District fahren.


      Detroit: A Walking Tour of Brush Park - Urban Prairies and New Housing Developments
      - YouTube



      Detroit Drive---Brush Park
      - YouTube



      60 Abschließend haben wir noch im „New Center“ etwas weiter Richtung Norden gehalten, ca. 8 km nördlich der Downtown. Hier wurden um 1930 verschiedene Gebäude gebaut, letztlich unter der Fahne von General Motors. Offenbar begann schon hier der Niedergang der Downtown, in der (bzw. nahe der) keine geeigneten Grundstücke zu bekommen (oder zu bezahlen) waren. Neubauten etwa zwischen Leland Hotel und Michigan Central Station (wo heute genug Platz ist), wären aus heutiger städtebaulicher Sicht wesentlich sinnvoller gewesen. Im Einzelnen sehen wir das Fisher Building (Alber Kahn 130m, 1929) in offensichtlichem Art Deco ...



      61



      62 ... und den heutigen Cadillac Place, das ehemalige Hauptquartier von General Motors (ebenfalls Albert Kahn),...



      63




      64 ... dass trotz zeitweiser Umbenennung in Durant-Building nach wie vor aussieht wie auf dieser Postkarte.



      Im Umfeld hätten uns noch das noch das Lee Plaza Appartement-Gebäude anschauen können, heute ein weitere spektakulärer Art-Deco-Leerstand.

      lee plaza detroit images - Google-Suche


      Im Anschluss haben wir die Stadt Richtung Norden verlassen, vorbei an den heutigen Problemgebieten (in einer Problemstadt) entlang der 8mile-, 9mile-, 10mile-Abfahrten, die ja nun der Rapper Eminem besungen hat und die schon von der Autobahn aus wenig vielversprechend aussahen, dies auf der Interstate 95, die ich mit riesigen Schlaglöchern und gesäumt von zahllosen toten Tieren und Unmengen zerfetzter Reifen am Straßenrand in schlechtester Erinnerung behalten habe. In Deutschland würde diese Straße sofort gesperrt und so etwas eine Autobahnmeisterei scheint es in Michigan schon gar nicht zu geben.

      Noch etwas weiter nördlich konnte ich in Flint/Michigan noch meinem persönlichem Idol, dem „The Who“-Drummer Keith Moon huldigen (ich schweife ab), der im direkt an der Interstate gelegenen ehemaligen Holiday Inn (das aktuell abgerissen wurde) 1967 seinen 21. Geburtstag gefeiert hatte. Im Verlauf des Abends wurde in Rock’n’Roll-Manier das Hotel verwüstet und ein Cadillac (oder war es ein Lincoln Continental?) im Hotel-Pool versenkt. Moon rutschte bei seiner anschließenden Flucht vor der Polizei auf einer Torte aus und verlor einen Zahn, aber das ist hier vielleicht alles gar nicht wichtig.

      Keith Moon Flint, MI 1967 | Tom Wright


      Abschließend möchte ich noch sagen, dass mich Detroit absolut beeindruckt hat, was sich anhand der Länge des Beitrages eventuell erahnen lässt, ich hoffe, ich langweile nicht. Ich weiß nicht, wann, aber Detroit werde ich mir sicher nochmal genauer anschauen.
    • @Erpel: vielen Dank für den ausführlichen Bericht deiner Reise nach Detroit. An dem architektonischen Erbe der USA fasziniert mich- wen wundert´s- vor allem der Hochhausbau. Und wie mir auch wieder deine Bilder zeigen, sind selbst in diesem für das 20. Jahrhundert typischen Baugenre die ältesten Beispiele zumeist die ästhetisch ansehnlichsten. Vor allem die Art Deco- Bauten sind äußerst beeindruckend.
    • Hallo Erpel,
      danke für die umfangreiche aktuelle & historische Darstellung von Detroit und die weiterführenden Hinweise. Langeweile oder gar Genervtheit ist dabei sicher nicht angesagt.

      Siehe im Übrigen auch hier im Forum:
      Detroit, Michigan

      Das Thema des (wahnwitzigen) Abrisses der alten City Hall ließ mich auf folgende weitere Informationen stoßen:
      historicdetroit.org/galleries/old-city-hall-old-photos
      Secondat: Detroit's gilded age

      Ziemlich starke Bilder:
      printcollection.com/sites/defa…roit-donwtonw.SH_.sm_.jpg
      printcollection.com/sites/defa…/4a10103u.pana_.sm__0.jpg
      Shorpy Historical Photo Archive :: The Shape of Things to Come: 1912
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Ich glaube, in der Zeit als der Abriss stattfand was es den Leuten noch ziemlich egal, was abgerissen wurde. Das hat in meinen Augen weniger mit Nichtachtung von Historismus-Gebaeuden zu tun als damit, dass das nun mal das Bau-Genre war, das in grossen Mengen herum- und neuen Projekten im Wege stand. Inzwischen gibt es in den USA ueberall ruehrige Vereine, die Abrisse alter Bausubstanz zu verhindern suchen.
    • Ich möchte hier mal sagen, dass ich in diesem Forum vor einem Jahr bereits einen Beitrag über Detroit („Detroit 2011“) eingestellt habe, bei dem ich mir viel Mühe gegeben habe. Jetzt gibt es offenbar eine neue Galerie mit fast gleichem Titel („Detroit, Michigan“), die vermutlich ein gewaltiges Ausmaß annehmen wird. In Sachen Cleveland ist das gleiche passiert, auf „Cleveland“ folgte „Cleveland, Ohio“ mit ausgesprochen ähnlichen Bildern. Besonders sinnvoll finde ich das nicht. Meine Beiträge werden an den Rand gedrängt und in den USA gibt es eigentlich noch genug andere Städte darzustellen.
    • Erpel, Entschuldigen Sie? Ich verstehe nicht. Sagst du dass, ich nicht mein eigenes Foto Thread posten kann, weil du eine Cleveland Thread gepostet hast??? Ich wohne in Ohio and ich habe in Cleveland gewohnt. Ich besuche doch oft. Meine Arbeit hat nichts mit dir zu tun.

      The post was edited 2 times, last by chadoh21 ().

    • @ chadoh21: Ich finde es einfach nicht sinnvoll, einen thread aufzumachen, der den gleichen Titel enthält, wie ein bestehender thread und teilweise die gleichen Bilder enthält. Du fängst mit dem gleichen Motiv (Michigan Central Station) aus Detroit an, mit dem ich begonnen hatte. Wenn ich ein bestehendes Thema ergänzen will, erweitere ich den bestehenden thread und hänge Bilder an. Oder ich mache einen neuen thread mit einem neuen Titel auf, meinetwegen über einen Außenbezirk von Detroit.

      Johann hat hier mal einen thread über Quebec-City aufgemacht, ich war dann auch dort und habe Bilder an den bestehenden thread angehängt, größtenteils ohne die gleichen Bilder zu zeigen, die Johann gezeigt hat. Johann hat das dann noch mal ergänzt und es ist ein wohl gelungener Beitrag herausgekommen. Hätte ich einen neuen Beitrag mit meinen eigenen Bildern aufgemacht, wäre ein Nebeneinander und Durcheinander herausgekommen, das niemandem geholfen hätte.

      Darüber hinaus hoffe ich, dass ich den Ansatz dieses Forum korrekt wiedergebe, ganz lange bin ich selbst noch nicht dabei.

      Moderationshinweis (Palantir): Erpel hat grundsätzlich recht, ich habe die entsprechenden Stränge vereinigt. Die etwaige Dopplung von Motiven sollte man m. E. aber nicht anprangern.
    • Erpel, Was ist dein Problem? Sie müssen erwachsen werden. Sie scheinen auch wirklich unsicher. Ich sehe nicht, was das Problem ist. Ich bin auf anderen Seiten, und ich habe noch nie gesehen, andere Leute solch eine große Sache aus der mit einem oder mehreren Fäden auf der gleichen Stadt. Außerdem haben Sie nicht Ihr Thread seit 2012 aktualisiert. Und ja, ich habe Titel ein paar Fotos "Michigan Central Station", weil das ist, was das Gebäude genannt wird. Was sonst würde ich es nennen. Wie ich schon sagte, hat meine Arbeit nichts mit dir zu tun. Du solltest wirklich erwachsen zu werden.

      Und an die Moderatoren, wenn dies ist, wie es sein wird, dann entfernen Sie bitte meine anderen Threads hier. danke

      The post was edited 1 time, last by chadoh21 ().

    • huh:) Was soll das denn hier? Verlieren wir jetzt jemanden aufgrund von Eitelkeiten beiderseits? so kann man doch nicht miteinander umgehen! Wenn man mit einem User ein Problem hat, warum auch immer, kann man doch auch mal eine persönliche Mail schreiben und muss das nicht hier in aller Öffentlichkeit austragen, zudem das "Problem" eher marginal zu nennen ist. Und keiner angegriffen wurde.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Na super, alle Bilder gelöscht. Wie Pfälzer Bub bereits geschrieben hat, verstehe ich das Ganze auch nicht wirklich. Chadoh21, damit hast du nicht nur Erpel vor den Kopf gestoßen, sondern allen Betrachtern deiner interessanten Bilder. Schade.

      Grüße
      "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

      "Why not reinventing something from the past, something combining, nature and art." Lebanon Hanover - Fall Industrial Wall