Steckborn - Brand in der Altstadt

  • Im schweizerischen Steckborn wurden in der Nacht auf Montag, den 21.12.2015 sechs Liegenschaften an der Seestrasse in der Altstadt teilweise durch einen Brand zerstört.
    Über 100 Personen mussten evakuiert werden, 30 Bewohner verloren ihr Hab und Gut. Drei Personen wurden leicht verletzt.
    Bei den Liegenschaften handelt es sich um ältere Gebäude, die teilweise unter Denkmalschutz stehen.
    Die Brandursache ist bisher unklar.
    Fast auf den Tag vor fünf Jahren brannte im nahen Konstanz am 23.12.2010 ebenfalls ein Altstadthaus.


    Quote

    Häuser standen unter Schutz
    Das große Feuer schockiert aber nicht nur die Steckborner. Auch bei der kantonalen Denkmalpflege ist man bestürzt: «Der Brand ist verheerend. Die Steckborner Altstadt ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und steht unter Denkmalschutz», sagte der kantonale Denkmalpfleger und Amtsleiter Ruedi Elser.


    «Wir werden uns den Schaden am Dienstag oder Mittwoch vor Ort ansehen». Das Amt stehe bereits in Kontakt mit der Gebäudeversicherung und der Gemeinde Steckborn. «Über Details des Wiederaufbaus können wir noch nicht viel sagen. Sicher ist aber schon, dass es keine Baulücke geben wird», so Elser.


    Quelle: http://www.suedkurier.de/regio…odensee;art372446,8397099

  • Im Allgemeinen ist es in der Schweiz so, dass in historischen Ortskernen nach grösseren Brandkatastrophen rekonstruiert wird. Anders ist es, wenn ein Einzelbau abbrennt. Da wird dann schon eher dem Motto "Neues Bauen in alter Umgebung" stattgegeben. Es gibt ja genug Architekten, die gerade danach lechzen... ("Endlich können wir uns wieder mal profilieren...!")


    In Steckborn sieht es sehr positiv aus:
    https://www.bluewin.ch/de/news…kborn-tg-beim-wieder.html

  • Äusserst erfreuliche Nachrichten. Das heißt akademisch überfrachtete Grundsatzdiskussionen wie im benachbarten Konstanz sind im schweizerischen Steckborn nicht zu erwarten?

  • So optimistisch kann ich die Entwicklung hin zu einer Rekonstruktion momentan nicht erkennen, wenn ich die Aussagen der kantonalen Denkmalpflege lese: "Eine Kopie der historischen Gebäude fordere die Denkmalpflege nicht."



    Mit einem Architekturwettbewerb als Instrument wurde in der Kirchgasse (http://retro.seals.ch/cntmng?pid=hoc-001:2011:24::1743) bereits vor einigen Jahren die von Riegel angesprochene Einzelgebäudelösung modernistisch umgesetzt.



    Der Wunsch nach einem Architekturwettbewerb seitens der Denkmalpflege und Sprechern der Stadtgemeinde für die Gesamtplanung der aktuellen Brandstätte in Betracht zu ziehen, lässt aufhorchen.



    Bleibt die Hoffnung, dass die Stiftung Ortsbild und vor allen die Grundstücksbesitzer als entscheidende Souveräne den Wiederaufbau ohne Brüche favorisieren.


    Quelle: http://www.tagblatt.ch/ostschw…raufbau;art347651,4487531

  • Quote

    Nun haben sich 102 Architekturbüros für die Teilnahme eingeschrieben. Das zeigt, wie wichtig dieser Wettbewerb ist. Nur selten ist es möglich, ein Projekt dieses Ausmasses in einem geschützten Ortsbild zu planen. Es ist vorgesehen, dass die Resultate kurz vor Weihnachten bekanntgegeben werden...


    ...Mitte Januar 2017 werden sämtliche eingereichten Projekte samt Modellen und Plänen ausgestellt. (red.)

    Quelle: http://www.thurgauerzeitung.ch…tbewerb;art346854,4744345

  • Heute wurden die Ergebnisse der Neubauten vorgestellt. Es gibt also keine Rekonstruktionen, sondern wieder lauter Einzelhäuser mit unterschiedlichen Geschoss- und Gebäudehöhen. Bilder habe ich noch keine gefunden, aber in einem Videobeitrag sieht man von 00:40 bis 00:55 die Fassadenansichten.
    (natürlich in der Sprache, wie mir der Schnabel gewachsen ist)


    Brandursache war übrigens ein brennender Akku in einem Modellfahrzeug.

  • @Riegel


    Danke für die Benachrichtigung, wenngleich auch die bedauerliche Entscheidung, welche sich auf folgendes Zitat stützt:
    "Rekonstruktion ist in der modernen Denkmalpflege kein Thema mehr..."
    Die Fassaden scheinen der Strichzeichnung nach in das Ensemble zu passen. Problematisch ist vor allem die neue (fehlende) Dachlandschaft.

  • ... s' isch Disneyländ hätt e au no g'sait!


    Das durfte freilich nicht fehlen!


    Finde aber, daß es ganz passabel aussieht, was sie vorhaben. Kenne Steckborn. Schade ist es trotzdem um die alte Straßenflucht!

  • Der Abdeckung entsprechend ließe sich vermuten, dass die Fassade bis zum ersten Stockwerk erhalten bleiben sollte, was auch vom Grad der inneren Zerstörung durch Brand und Löschwasser abhängig ist. Allerdings sehen die Pläne vielmehr nach einer kompletten Erneuerung und einer Beseitigung folgender Reste aus.


    http://thumbs.tele.net/?maxh=1…erie-bild/84695/84746.jpg
    http://thumbs.tele.net/?maxh=1…erie-bild/84695/84740.jpg


    In diesem Fall wäre wohl auch eine Lösung wie seinerzeit nach dem Altstadtbrand in Konstanz (Eckgebäude Schuh Haug) erstrebenswert. Andererseits bleibt Steckborn ein Brutalismus wie jener von Brillen Müller erspart: http://www.suedkurier.de/stora…nd.jpg?version=1420476051

  • Nein, sofern das Wettbewerbsergebnis ausgeführt wird, sollen es moderne, altstadtverträgliche Neubauten werden, aber nicht mit modernistischen Einschlüssen. Der Torso des Eckgebäudes wurde wohl abgebrochen, aber die kleinteilige Parzellierung wurde beibehalten. So soll es offenbar werden:

    Bilder habe ich noch keine gefunden, aber in einem Videobeitrag sieht man von 00:40 bis 00:55 die Fassadenansichten.