Heidelberg (Galerie)

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Schönes, menschfreundliches Deutschland, genau wie in Halle, Erfurt, Görlitz, Schwerin, Wiesbaden und Freiburg heute noch. Leider in alle andere 150 grosse Städten verschwunden......Das Geheimniss der Charme der einstige Stadtmitten von Berlin, Chemnitz, Dresden, Magdeburg war gerade die menschliche masstab der Gebäuden und Häuser, die unzählig vielen Details, runde und farbige Formensprache, Strassen mit Kurven, Turmspitzen, Steil, Mansarde und Walmdächer, wuchtige Giebel, Sand und Backstein, Sprossenfenster.

  • Sehr schön. In der Gasse auf dem letzten Bild des Beitrags vom 7. November war meine allererste Studentenbude ... lang ist's her.

  • Vielen Dank für diese tollen Bilder! Man sieht, daß solche Altstädte auch im Herbst warm und romantisch wirken können, während der Modernismus bei dieser Witterung besonders übel ausschaut. Heidelberg ist einfach eine Perle, die Altsadt ist so voller organischem, selbstverständlichem Leben!

  • So ihr Lieben, da ich momentan die nötige Zeit habe, möchte ich nachfolgend einige Bilder aus Heidelberg einstellen. Ich werde mich größtenteils auf Bilder von Sanierungen und Neubauten der letzten 2-5 Jahre konzentrieren. Die Bilder stammen allesamt aus der Altstadt bzw. der Stadterweiterung von 1392 (heute spricht man ja beim gesamten Gebiet zwischen Karlstor und Bismarckplatz von der Altstadt). Ich werde einige Bilder kommentieren, andere einfach nur einstellen, weil sie einen ästhetischen Wert haben könnten. Ich hoffe, damit die momentane Lage in der Altstadt darstellen zu können.


    Ich beginne mit einem Bild aus der Floringasse, Blick Richtung Ingrimstraße. Die Gebäude rechts vor wenigen Jahren saniert.


    Weiter geht es mit einigen Bildern des Schlosses und den im Schlossgarten aufgestellten Plastiken und Figuren von Jürgen Goertz. Diese sind natürlich Geschmackssache, mein Geschmack ist es nicht so ganz, auch wenn einige Arbeiten durchaus beeindruckend sind:







    Und zum Abschluss noch die altbekannten Ausblicke auf die Stadt von der Scheffelterrasse (im Moment ist Heidelberg extrem belebt, die Touristen überrennen die Stadt so, wie man es gewohnt ist. Auffällig: viele Niederländer):




    Und noch ein Blick auf den wunderbaren Ottheinrichsbau (1556-1565) sowie die vorgelagerten Kasematten aus dem 17. Jahrhundert. Die Kasematten sowie die weiteren Befestigungsanlagen, die zu den jüngsten Schlossanbauten gehören, wurden und werden mit Mitteln des Landes aufwendig gesichert und saniert. U.a. hat man zur Sicherung der Anlagen unter dem Ottheinrichsbau bis zum Zeughaus und der Karlschanze Stahlanker eingezogen, um das Mauerwerk, das sich teils ausbeulte, zu stabilisieren:



    Als nächstes folgt der Weg hinunter in die Altstadt mit einigen Ansichten der wunderschönen ehemaligen oder noch genutzten Verbindungshäuser.

  • den im Schlossgarten aufgestellten Plastiken und Figuren von Jürgen Goertz

    Mir gefallen die Plastiken ganz gut. Ich habe es aber so verstanden, dass das nur eine temporäre Ausstellung ist, sie also dort wieder verschwinden.

  • Gibt es eigentlich Gründe, warum Heidelberg im 2. WK nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde? Der Fokus lag ja auf Kulturstädten?

  • Gibt es eigentlich Gründe, warum Heidelberg im 2. WK nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde? Der Fokus lag ja auf Kulturstädten?

    Es wird gelegentlich kolportiert, die Amerikaner hätten Heidelberg als künftiges Hauptquartier ihrer Bestzungstruppen ausersehen und daher bei den Briten interveniert, die Stadt nicht zu bombardieren. Dasselbe wird aber praktisch von jeder anderen unzerstörten westdeutschen Stadt auch kolportiert.


    Plausibler scheint mir daher eine These, die ich in Heidelberg auch öfter gehört habe: nämlich, dass viele hochrangige Militärs in Großbritannien und den USA noch vor dem 1. Weltkrieg die Stadt als Studenten oder während ihrer "Kavalierstour" durch Kontinentaleuropa (bei der Heidelberg, anders als z.B. Dresden oder Frankfurt, praktisch immer auf dem Programm stand) kennengelernt hätten.

    Heidelberg war dementsprechend ein Ort, mit dem sie schöne Jugenderinnerungen verbanden. Deshalb hätten sie bei ihren "Kollegen" darauf hin gewirkt, dass es nicht zerstört wird.

  • Wie schon angekündigt, geht es weiter mit Häusern unterhab des Schlosses. Ich lief durch das Tor zum Stückgarten und von dort den Schlossberg hinunter. Der Schloßberg sowie die Neue Schloßstraße gehören zu meinen Lieblingsecken in der Stadt. Die hier im ausgehenden 19. sowie beginnenden 20. Jahrhundert errichteten Häuser strahlen eine ungeheure Mondänität aus und jedes einzelne ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit. In Heidelberg gibt es heute noch 29 Studentenverbindungen. Man kann zu diesen stehen, wie man will, die Häuser sind eine absolute Wucht.


    Direkt am Eingang zum Stückgarten und neben der Treppe zur Altstadt (Neuer Buckel) findet sich das Haus der Verbindung Afrania, das mir immer ganz besonders gefällt und eine gewisse südwuropäische Leichtigkeit versprüht. Leider habe ich schlicht vergessen, das Haus zu fotografieren, daher anbei ein Link, der die herrliche Fassade hin zur Stadt mit Balkonen, Loggien und Garten zeigt:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…ickr_-_cspannagel_(3).jpg


    Ein erstes schönes Sanierungsobjekt ist das Haus Neue Schloßstraße 52:



    Sowie direkt daneben das Haus Schloßberg 41:



    Anschließend eines meiner absoluten Lieblingshäuser, das ich fast schon als kleines Schloss bezeichnen möchte, das Anwesen Neue Schloßstraße 38, die neugotische Villa Remler aus dem Jahre 1899. Erbauer und Eigentümer war Johann Remler, Bauunternehmer aus Heidelberg, der unter anderem das gegenüberliegende Gebäude Schloßberg 45 (existiert nicht mehr) bzw. den Gartenpavillon dessen errichtete.


    Villa Remler, rechts der Gartenpavillon Schloßberg 45:






    Hier zu sehen das Anwesen Neue Schloßstraße 15, ebenfalls Historismus und privat bewohnt:



    Das nachfolgende Gebäude ist Neue Schloßstraße 7, ebenfalls Privathaus:


  • Gibt es eigentlich Gründe, warum Heidelberg im 2. WK nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde? Der Fokus lag ja auf Kulturstädten?

    Lieber Solinger,


    hierfür gibt es gleich mehrere Gründe. Philon hat ja schon eine Geschichte hierüber gepostet. Diese wird ebenfalls immer gerne erzählt. Genau wie die von Philon auch schon angemerkte angebliche Liebe vieler Amerikaner und Briten zu Heidelberg. In der Stadt gab und gibt es bis heute weitere wilde Geschichten, beispielsweise soll eine Tante/Oma eines hohen Generals der Amerikaner hier gewohnt haben. Natürlich Quatsch. Und es gibt die immer wieder aufkeimende Geschichte, die Amerikaner häten Flugblätter abgeworfen, auf denen der Spruch "Heidelberg wollen wir schonen, denn dort wollen wir wohnen" abgedruckt gewesen sei. Ebenfalls ein Mythos, der sich vor allen Dingen bei den Alten hartnäckig hält. Bis heute ist kein einziges Flugblatt mit diesem Wortlaut aufgetaucht. Auch Verwandtschaft hochrangiger Amerikaner oder Beriten ist nicht ausfindig zu machen, eventuell hatten ja einige Soldaten hier Verwandte, ist natürlich möglich.


    Nein, die Gründe waren völlig andere. Der Logik und den Eigenarten des Krieges folgend hat sich natürlich niemand Gedanken über irgendwelche Schönheit gemacht oder sich wehmütig an Heidelbergbesuche erinnert. Es gibt drei bis vier gute Gründe, warum Heidelberg am Ende des Krieges (noch) nicht zerstört war:


    Der wohl gewichtigste Grund dürfte sein, dass Heidelberg seit 1693 quasi durchweg eine Stadt aus Stein ist. Seit der Zerstörung durch die Franzosen wurde der Wiederaufbau der Stadt in Stein ausgeführt, Fachwerk war in der Stadt durch Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz ( besser bekannt als Jan Wellem) als Baustoff untersagt worden. Die Brennbarkeit der Stadt aus Stein war daher nicht so gut, wie die anderer Städte, wie beispielsweise Pforzheim, Heilbronn, Nürnberg oder Braunschweig. Die Zerstörung der Stadt unter General Melac trug eventuell dazu bei, dass die Stadt im Zweiten Weltkrieg aufgrund geringerer Brennbarkeit auf den Listen nicht ganz vorne stand. Ironie der Geschichte.

    Ein weiterer Grund ist die tatsächliche relative Bedetungslosigkeit der Stadt für die Kriegsproduktion. Größere Betriebe waren in Heidelberg, dessen Wirtschaft vor allem durch die Universität bestimmt war, nicht ansässig. Der Heidelberger Bahnhof befand sich damals noch am heutigen Adenauerplatz und war ebenfalls unbedeutend für etwaige größere Truppenbewegungen. Der Heidelberger Güternahnhof befand sich weit außerhalb der Stadt.

    Ein dritter Grund war die Lage Heidelbergs, da die Städte im Süden vergleichsweise spät ins Visier der Amerikaner und Briten gerieten.


    Eines steht jedoch fest, wäre der Krieg weitergegangen, wäre aiuch Heidelberg stärker bombardiert worden. Stärker schreibe ich deshalb, da Heidelberg ebenfalls Luftangriffe über sich ergehen lassen musste. DIe hierdurch entstandenen Schäden waren jedoch im Vergleich zu anderen Städten gering. Vor allem in Bergheim sowie rund um den Güterbahnhof gab es Bombentreffer, die einige Häuser zerstörten und wenige Todesopfer forderten. Ich bin momentan leider nicht zuhause, sonst könnte ich hier einige Bilder aus einem sehr lesenswerten Buch zeigen, dessen Titel mir leider ebenfalls entfallen ist. Auf die Schnelle kann ich es auch nicht im Internet finden. Wird nachgereicht.


    Die größten Zerstörungen in der Altstadt, namentlich Alte Brücke und Fenster der Heiliggeist-Kirche, wurden durch die Sprengung der beiden mittleren Pfeiler der Alten Brücke durch die Wehrmacht am 29. März 1945 verursacht. Anbei ein Link, der die zerstörte Brücke sowie ein Bild des Wiederaufbaus zeigt, der 1947 abgeschlossen war:


    https://www.grobe-architekten.…te-br%C3%BCcke-heidelberg

  • Es wird gelegentlich kolportiert, die Amerikaner hätten Heidelberg als künftiges Hauptquartier ihrer Bestzungstruppen ausersehen und daher bei den Briten interveniert, die Stadt nicht zu bombardieren. Dasselbe wird aber praktisch von jeder anderen unzerstörten westdeutschen Stadt auch kolportiert.


    Plausibler scheint mir daher eine These, die ich in Heidelberg auch öfter gehört habe: nämlich, dass viele hochrangige Militärs in Großbritannien und den USA noch vor dem 1. Weltkrieg die Stadt als Studenten oder während ihrer "Kavalierstour" durch Kontinentaleuropa (bei der Heidelberg, anders als z.B. Dresden oder Frankfurt, praktisch immer auf dem Programm stand) kennengelernt hätten.

    Heidelberg war dementsprechend ein Ort, mit dem sie schöne Jugenderinnerungen verbanden. Deshalb hätten sie bei ihren "Kollegen" darauf hin gewirkt, dass es nicht zerstört wird.

    Die vorherigen Thesen habe ich auch schon oft gehört. Ich vermute, in jeder steckt ein Tupfen Wahrheit.


    Bzgl. der Hauptquartierthese

    Nach dem Krieg wurde ja auch aus der ehemaligen Großdeutschland-Kaserne die "Campbell Barracks" mit dem Hauptquartier der "USFET" und anschließend weiteren US-Streitkräften. Außerdem liegt Heidelberg geostrategisch gut gelegen mit Zugang zum Neckar und somit auch zum Rhein und der ganzen Rheinebene. Im Umkreis wurden weitere Kasernen hochgezogen wie bspw. in Mannheim oder bei Kaiserslautern (Ramstein Air Base), die ja auch heute noch in Betrieb ist. Ich würde das ganze Rhein-Neckar-Gebiet als Hauptquartier der US-Streitkräfte betrachten.

    => Hauptquartier (check)


    Bzgl. "Heidelberg wollen wir schonen, denn dort wollen wir wohnen"

    Nach dem Krieg bezogen einige Generäle die Villen auf dem Schloß-Wolfsbrunnenweg, oberhalb des Heidelberger Schlosses.
    "Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Gebäude am Schloß-Wolfsbrunnenweg für mehrere Jahre von der US-Armee besetzt, die dort höhere Offiziere einquartierte. Auch nach der Rückgabe der Gebäude an die Eigentümer blieben einige US-Militärs als Mieter dort wohnen. Darunter der US-General Frederick J. Kroesen, der am Karlstor unterhalb des Schloß-Wolfsbrunnenwegs im Jahr 1981 zum Anschlagsziel der RAF wurde."

    Sogar Albert-Speer wohnte nach dem Krieg in einer der Villen.

    "Speer lebte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Spandau 1966 überwiegend in der Heidelberger Villa, Schloss-Wolfsbrunnenweg 50, die sein Vater im Jahre 1905 erbaut hatte und die sich auch heute noch im Familienbesitz befindet."

    Außerhalb Heidelbergs wurde das PHV für US-amerikanische Militärangehörige und deren Familien gebaut.

    Ob es die Flyer gab oder nicht, kann ich nicht sagen, aber gewohnt haben sie letztendlich dort.

    => In Heidelberg wohnen (check)


    Bzgl. "Liebe/Bezug" zu Heidelberg

    Betrachtet man die Liste der bekannten Persönlichkeiten, die in Heidelberg studiert haben, ist dieser Aspekt gar nicht so weit hergeholt.

    Wer weiß schon, welche Familienlinien und Beziehungen eine Rolle gespielt haben könnten. Hierfür bedarf es einer tieferen Recherche, bezogen auf die Zeit vor und nach des Krieges und der Persönlichkeiten.
    Vor allem der Bezug zu den vielen traditionellen Studentenverbindungen, in denen man damals üblicherweise war, hätte sogar eine Rolle spielen können. Verbindungshäuser in den USA haben höchstwahrscheinlich Ihren Ursprung in den europäischen Studentenverbindungen.

    "Ihren vermuteten geschichtlichen Ursprung haben die Fraternities und Sororities – ebenso wie die europäischen Studentenkorporationen – in den Studentenorden der Aufklärung des 18. Jahrhunderts."


    Es wurde sogar ein Film über Heidelberg gedreht "Alt-Heidelberg". Sogar vor dem Krieg gab es mehrere Verfilmungen davon.
    "Dieser Film stellt die fünfte Verfilmung von Alt-Heidelberg dar. Erstmals wurde der Stoff 1915 in den USA mit Wallace Reid und Dorothy Gish in den Hauptrollen verfilmt. In der 1923 erschienenen Verfilmung von Hans Behrendt spielten Paul Hartmann und Eva May das Liebespaar und Werner Krauß die Rolle des Dr. Jüttner. In Ernst Lubitschs Hollywood-Verfilmung von 1927 waren Ramón Novarro und Norma Shearer als Liebespaar und Jean Hersholt als Privatlehrer besetzt. 1954 wurde der Stoff zum vierten Mal verfilmt, diesmal von Richard Thorpe für MGM unter dem Originaltitel The Student Prince. In Deutschland lief der Film ebenfalls unter dem Titel Alt-Heidelberg. Kathie und Karl wurden hier von Ann Blyth und Edmund Purdom verkörpert, Professor Jüttner von Edmund Gwenn."

    Marlene Dietrich ließ sich auch auf dem Heidelberger Schloss fotografieren.

    Anscheinend hatte die damalige Film-Branche ein großes Interesse an Heidelberg.

    General S. Patton ist in Heidelberg gestorben. (Hier ein altes Video der Beerdigung)

    Auch interessant: Hier findet man Bilder des alten Heidelberger Bahnhofs und weitere Bilder aus der Heidelberger Nachkriegszeit)

    => "Liebe/Bezug" zu Heidelberg (etwas, benötigt weitere Recherche)


    Es haben bestimmt noch viele weitere Faktoren eine Rolle gespielt, weshalb Heidelberg mehr oder weniger verschont wurde. Ich denke aber schon, dass Heidelberg im Vergleich zu anderen bombardierten Städten eine "besondere" Ausnahme war. Ludwigshafen und Mannheim hat es da schon aufgrund der Industrieanlagen schlimmer erwischt. Interessantes Thema :)

  • Naja, dass Heidelberg nach dem Krieg als Hauptquartier der amerikanischen Landstreitkräfte in Europa auserkoren wurde und dadurch natürlich eine Menge Amerikaner hier wohnten, die sicher durchaus Beziehungen zu Heidelberg hatten oder The Student Prince kannten, erklärt nicht, warum die Stadt nicht in großem Stile bombardiert wurde. Was die Speersche Villa damit zu tun hat, verstehe ich auch nicht. General Patton starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls in Mannheim, Marlene Dietrich war zur Truppenbetreuung in Heidelberg. Alles nette Informationen, sie haben jedoch herzlich wenig mit der Frage nach der nicht erfolgten oder nicht geplanten Bombardierung der Stadt zu tun. Diese Frage lässt sich nicht mit Erzählungen und Wunschdenken klären, die Realität des Krieges verbietet das ohnehin.


    Es soll hier auch nicht um die Zerstörung Heidelbergs gehen, sondern um Bilder aus der Stadt.


    Es sei noch der folgende Artikel aus der RNZ ans Herz gelegt:


    https://www.rnz.de/meine-stadt…-und-Tod-_arid,29530.html


    Zitat:

    "Dabei steht für Kleine das angeblich über dem Heidelberger Stadtgebiet abgeworfene Flugblatt mit dem Text "Heidelberg wollen wir verschonen, denn nach dem Krieg wollen wir da wohnen" solange in Frage, bis ein Original des Flugblatts auftaucht."


    Morgen gibt es weitere Bilder aus der Altstadt. :smile:

  • Bonn, Wiesbaden und Heidelberg wurden bewusst nicht schwer bombardiert, weil die Briten, Amerikaner und Franzosen irgendwo ihr Hauptquartier haben müssten und das bedeuted heile Wohnungen (Villen).


    Berlin und Frankfurt (und Nürnberg) waren auch sehr beliebt und bekannt unter Amerikaner und Hamburg unter Briten (die Hamburger waren sehr auf Briten orientiert), doch wurden die schwerstens bombardiert.


    Am Ende des Krieges wurden die weniger grosse Kunststädte schwerstens bombardiert weil es keine andere Zielen mehr gab: Würzburg, Mainz, Koblenz, Worms, Rothenburg, Bruchsal, Pforzheim, Heilbronn, Freiburg, Paderborn, Soest, Münster, Potsdam, Halberstadt, Plauen usw...... Heidelberg gehörte auch zu dieser Reihe von leider bombardierte kleinere Städte....

  • Es soll hier auch nicht um die Zerstörung Heidelbergs gehen, sondern um Bilder aus der Stadt.

    Vorweg, ich wollte hier nur kurz auf die folgende Frage eingehen. Vielleicht sollten wir einfach die Amerikaner fragen, sie sind ja noch hier. Ich schreibe später der US Army Europe eine Mail, vielleicht kommt etwas zurück.^^

    Gibt es eigentlich Gründe, warum Heidelberg im 2. WK nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde? Der Fokus lag ja auf Kulturstädten?

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    Naja, dass Heidelberg nach dem Krieg als Hauptquartier der amerikanischen Landstreitkräfte in Europa auserkoren wurde und dadurch natürlich eine Menge Amerikaner hier wohnten, die sicher durchaus Beziehungen zu Heidelberg hatten oder The Student Prince kannten, erklärt nicht, warum die Stadt nicht in großem Stile bombardiert wurde. Was die Speersche Villa damit zu tun hat, verstehe ich auch nicht. General Patton starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls in Mannheim, Marlene Dietrich war zur Truppenbetreuung in Heidelberg. Alles nette Informationen, sie haben jedoch herzlich wenig mit der Frage nach der nicht erfolgten oder nicht geplanten Bombardierung der Stadt zu tun. Diese Frage lässt sich nicht mit Erzählungen und Wunschdenken klären, die Realität des Krieges verbietet das ohnehin.

    Dass in Heidelberg ein Hauptquartier war und das Generäle als auch Militärs dort gewohnt haben, war ja eine Tatsache und kein Wunschdenken. Nun fehlt nur noch die Erörterung, warum gerade Heidelberg und weshalb wurde Heidelberg nicht im großen Stil zerbombt. Vermutlich gerade deswegen UND aus eventuell weiteren Gründen / Faktoren, die man tiefer recherchieren muss. Ich wollte mit meinen Anmerkungen einfach nur zeigen, dass sehr bedeutende Persönlichkeiten vor und nach dem Krieg in Heidelberg ein und aus gingen. Ich könnte hier noch viele weitere Hinweise geben, wie bspw. das Zitat von Mark Twain:

    "Ich sah Heidelberg an einem völlig klaren Morgen, der durch eine angenehme Luft zugleich kühl und erquicklich war. Die Stadt in ihrer Lage und mit ihrer ganzen Umgebung hat, man darf sagen, etwas Ideales.”

    Außerdem könnte man noch die besonderen Persönlichkeiten auf dem Heidelberger Bergfriedhof betrachten und deren Beziehungen zu den USA. Man wird bestimmt fündig. Nun bin ich kein Historiker und habe hier auch nicht wissenschaftlich gearbeitet, dazu sind meine Quellen von Wikipedia auch nicht ausreichend. Ich vermute aber tatsächlich, dass eher mehrere Faktoren eine Rolle gespielt haben könnten, als nur rein militärische. Ich vermute, es gibt hier auch eine kulturelle Bedeutung von Heidelberg für die Amerikaner.

    Von mir werden demnächst auch ein paar Bilder der Stadt folgen.

  • Lieber VaterRhein,


    solche Betrachtungen sind natürlich ungemein interessant und ja, Heidelberg hat viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Alleine die historische Bedeutung der Kurpfalz für das HRR und die damit einhergehende Stellung Heidelbergs sind ja eigene Beiträge wert. Trotz allem möchte ich den Fokus in meinen Beiträgen auf die Altstadt und die Sanierungen der letzten Jahre legen. Nach einigem Vorgeplänkel komme ich in meinem übernächsten Beitrag hierzu.


    Weiter geht es, die Neue Schloßstraße hinunter. Nachfolgend das Verbindungshaus der Verbindung "Rupertia", Schloßberg 27, errichtet 1894-1896. Die hier zu sehende Rückfassade zur Stadt, aufgenommen von der Neuen Schloßstraße:



    Das nächste Gebäude ist Neue Schloßstraße 3:



    Nebst zugehörigem Portal:



    Etwas weiter Neue Schloßstraße 7:



    Ein Blick aus der neuen Schloßstraße gen Dicker Turm des Schlosses. Dieser der mächtigste Turm des Schlosses mit bis zu 7 Metern dicken Mauern. Durch seine exponierte Lage zur Stadt war er naturgemäß Angriffen am ehesten ausgesetzt. Gemeinsam mit der Mauer, auf der sich der Stückgarten befindet, wurde er unter Kurfürst Ludwig V. 1533 errichtet und im Jahre 1693 von den Franzosen gesprengt. DIe nördliche Hälfte stürzte in die verwüstete Stadt, später erhielten die Bewohner Heidelbergs die Erlaubnis, Steine des Dicken Turms zum Hausbau zu verwenden. Das Haus zum Riesen sowie die Akademie der Wissenschaften enthalten Steine aus dem Dicken Turm.



    Weiter geht es mit einem weiteren sehr markanten neugotischen Haus, dem Haus des Corps Vandalo-Guestphalia (1882/Anbau mit Turm 1892), errichtet von dem uns schon bekannten Johan Remler:





    Auf unserem Weg zum Marktplatz, bei dem ich direkt eine der neuesten Sanierungen vorstellen möchten, gehen wir durch die herrliche Oberbadgasse. Wie alle der Gassen rund um die Ingrimstraße bzw. in der Altstadt von 1200/1220 ausgesprochen pittoresk, heimelich und sehenswert. Heidelberg einfach:


  • Zur großen Bekanntheit Heidelberg gegen Ende des 19. Jh. und die ersten Jahzehnte des 20. Jh. trug maßgeblich ein Theaterstück bei, das auch in Deutschland äußerst beliebt war. Es trug den deutschen Titel "Alt Heidelberg", in den USA hieß es "The student prince". Es wurde jahrzehntelang vor ausverkauften Häusern gespielt. Es geht dabei um die Liebe eines thüringischen Prinzen (vgl. Palais Weimar in Heidelberg), der als Student nach Heidelberg kam, zu einer schönen Bürgerstochter. Durch dieses sehr beliebte Theaterstück kannten sehr viele Amerikaner Heidelberg und hegten von daher Sympathien für diese schöne deutsche Stadt. Es könnte durchaus sein, dass dies einen Einfluss darauf hatte, diese Stadt möglichst zu verschonen.