Posts by Eduard

    Exilwiener: Ich denke, Heidelberg und Tübingen lassen sich nur sehr schwierig vergleichen. Erstere ist urban-lebendiger und in eine moderne Großstadtagglomeration eingebunden. Heidelberg ist insgesamt toll, manch ein Gebäude des 08/15-Arme-Leute-Barocks sieht allerdings auch nur ein bis zwei Stufen besser als angepaßter Wiederaufbau der späten 40er und 50er Jahre aus. Die Zerstörung Ende des 17. Jahrhunderts ist natürlich nicht zu übersehen.

    Tübingen besitzt hingegen viel mehr historische Tiefe, ist allerdings - nicht negativ gemeint - deutlich provinzieller. Gerade für das süddeutsche Geistesleben spielt diese Stadt mit Schwerpunkt spätes 18. und frühes 19. Jahrhundert eine sehr gewichtige Rolle, wie auch ich als Katholik zugeben muß.


    @Johan: Auch Dresden und Nürnberg sind trotz ähnlicher Einwohnerzahl grundverschieden. Dresden, eine ehemalige Residenzstadt, besitzt heute ein historisch sehr schön, allerdings flächenmäßig recht kleines und dazu museal-inselartiges Innenstadtviertel. Dieses ist recht geschlossen. Drumherum beginnt jedoch recht bald ein ziemlich suburbanes Einerlei.

    Nürnberg, ehemals freie Reichsstadt, ist viel dichter und enger bebaut, viel bürgerlich-urbaner. Die Stadtmauer markiert heute noch die relativ sehr große Fläche der (ehemaligen) Altstadt, deren Licht und Schatten hier schon oft genannt wurden. Nürnberg ist für mich auf einer großen Fläche eine sehr lebendige Stadt, bezeichnenderweise gibt es im Forum kaum Bilder und Beiträge über die Vorstadtviertel und historische Eingemeindungen (z. B. Mögeldorf).

    Köln ist bundesweit gesehen eine beliebte Stadt, sowohl zum Wohnen als auch zum Besuchen. Ein Altstadtpurist findet natürlich genug zum Meckern, Flair hat Köln nichtsdestotrotz.

    Ja, ich. Die Lage überm Taubertal und die Stadtmauern sind großartig, aber die allermeisten Gassen empfand ich als eher flau. Mein subjektiver Maßstab waren die mir altvertrauten schwäbischen Altstädte wie Esslingen und Tübingen und da sind die Häuser im Durchschnitt um ein Stockwerk höher und die Gassen enger und verwinkelter. Rothenburg ist zwar der Fläche nach größer, aber die Bebauung wirkt kleinstädtischer. Und die äußeren, nach dem Krieg wieder aufgebauten Bereiche kamen wir ziemlich öde vor. Kurz gesagt: Rothenburg ist eine große Kleinstadt.

    Rothenburg ist eine Kleinstadt, ich kenne niemanden, der etwas anderes behauptet. Die aktuelle Größe entspricht nicht immer der historischen Bedeutung, das ist klar. Nur mal zum Vergleich die aktuellen Zahlen: Rothenburg 10.000, die von dir genannten Tübingen und Esslingen gut 90.000 Einwohner.


    Tübingen hält das Große, was es verspricht, Esslingen meiner Meinung nach nicht. Während Rothenburg ernsthaft kriegsversehrt wurde und man das Zerstörte maßvoll wiederaufgebaut hat, hat man aus Esslingen, das im Krieg nichts ernsthaft abbekam, 1/3 bis 1/2 der Altstadt ohne Not herausgerissen. Das Verbliebene bietet immer noch Hübsches, kein Zweifel, aber zu groß ist für mich der Verlust, zu brutal die Umgebung um die Altstadt herum.

    Ein wunderbares Thema, bei dem die Emotionen wieder emporschnellen können. "Enttäuschung" impliziert, daß der Eindruck nicht per se schlecht war, sondern schlechter als erwartet:


    - in der BRD an erster Stelle Berlin: Keine wirkliche Innenstadt, das wenige Hergerichtete erscheint musealisch und für Touristen, die gründerzeitlichen Vorstadtbezirke wie der Prenzlauer Berg oder Friedrichshain gentrifiziert und langweilig. Um 2000 hatte die Stadt wenigstens noch Punk (nicht im musikalischen, sondern im Sinne des Außergewöhnlichen gemeint).


    - Heilbronn: Es mag komisch klingen. Als junger Mensch, der nur oberflächliche Begriffe von Architektur besaß, kam ich beruflich dorthin und hätte nicht gedacht, daß so etwas in Bezug auf Städtebau und Urbaniät in einer Stadt von über 100.000 Einwohnern (in Süddeutschland) möglich wäre.


    - Salzburg: Es hat durchaus Stärken, seinem Ruf wird es meiner Meinung nach nicht gerecht. Natürlich die Burg und der Dom; weite Teile der Altstadt wirken langweilig und ausschließlich touristisch. Möge manch einer mich steinigen: Zum Leben zöge ich das topographisch ähnliche Würzburg Salzburg zehnmal vor.


    - Wien: Auch hier ist vieles noch sehr schön. Dennoch geht der Weg in vielerlei Hinsicht in die falsche Richtung. Die im besten Sinne dekadente Einwohnerschaft der `90er Jahre à la Falco verschwindet, dafür rücken Hipster, Bonzen und Touristen nach. Das letzte Mal dort wohnte ich in Nähe der Aspernbrücke. Von dort der Weg zum Stephansdom ist kein Ruhmesgang. Für mich steht Wien heute architektonisch näher an München (nach unten) als an Budapest oder gar Prag (nach oben).


    - Budweis: Natürlich gut erhalten, aber der Altstadt fehlt etwas Großes. Es erscheint eher wie eine große Mittelstadt.


    - Paris: Natürlich, die Ile de la Cite. Darum herum hat Haussmann ganze Arbeit geleistet. Das touristische Viertel samt Einzelapartments für Bonzen grenzt an historistische Viertel, in denen es kaum Menschen gibt, deren Vorfahren schon "länger" in Frankreich leben. Ein vollkommen ungesunder Bevölkerungsmix.

    Ich mag Köln sehr: Das Rheinsich-Katholische, das Fröhliche-Bierselige, die prinzipiell positive Lebenseinstellung. Städtisch-urban hat es auch manche Stärken, z. B. das bei entsprechendem Wetter sehr belebte Rheinufer, die Kneipen und natürlich den alles überragenden Dom.

    Leider ist abseits dieser Pfade wirklich vieles Schrott und große Teile der (ehemaligen) Altstadt überhaupt nicht mehr zu erkennen.


    Ich muss sagen, dass ich die genannten Städte (noch) nicht im Detail kenne. Was Nürnberg betrifft, habe ich aber nicht den Eindruck, dass es wirklich viel besser als Köln wiederaufgebaut wurde, da hat man an vielen Ecken einfach die typische Wiederaufbauarchitektur, die man in jeder deutschen Großstadt antrifft.


    Zu folgendem Zitat (s. o.), das mir als Süddeutschen auffiel:

    Ich bin seit fünf Jahren, meine ich, Mitglied hier im Forum. Dein Eindruck bzgl. Nürnberg, wenn man noch nicht dort war, wären auch München und Würzburg aufzuführen, liegt vielleicht auch daran, daß eine Person hier im Forum immer und immer wieder und seit vielen Jahren in jedem Beitrag gegen diese drei Städte, allen voran Nürnberg, schießt. Wissen der liebe Gott und sein Psychologe warum!

    Mittlerweile gibt es zu Nürnberg noch eine weitere Person, die an einer roten Ampel stehend Fotos von Außenstadtteilen macht und diese dann "Nürnberg realistisch" nennt. Naja ...


    Schau dir diese drei Städte (nach Corona) ruhig einmal an: Nürnberg, München, Würzburg. Die meisten sind sehr angetan, der positive Unterschied zu Köln und vielen anderen bundesrepublikanischen Städten ist offensichtlich.

    Mal eine ganz naive Frage: Die Rekonstruktion der Außenfassade ist Pflicht. Das "Projekt" genießt hohe mediale Aufmerksamkeit. Glaubt ihr, daß die Firma von den Vorgaben abweichen kann?

    Die Frage der Größe des Gebäudes ist wirklich interessant. Nimmt man die Fensterreihen als Gradmesser, ist das Gebäude der Visualisierung deutlich kleiner als das, was aktuell auf den Fotos des Baus zu sehen ist. Sehr nett wäre, wenn einer der Nürnberger aus diesem Forum in den nächsten Wochen Informationen über die weitere Entwicklung geben könnte. Danke sehr!


    Architektonisch schwanke ich noch in der Bewertung: Relativ klar war, daß am Hauptbahnhof leider nicht historisierend gebaut wird. Gemessen an dem, was sonst in den letzten Jahren für ein Müll in anderen Städten an ähnlicher Stelle gebaut worden ist (z. B. Münchener Hbf), und dem sonstigen Bild Nürnbergs (lieb, brav, klein, zurückhaltend etc.) stellt dieses Gebäude, sofern die Visualisierung nicht komplett täuschen sollte, zumindest den Versuch einer konsequent modernen großstädtischen Bebauung dar. Immerhin.

    Dresden wird so schön :thumbsup:

    Ich finde es auch sehr gut, was in Dresden alles möglich ist; vor allem im Vergleich zu anderen Städten, was dort bei "Verdichtungen" für modernistische Ungetüme in die Nähe der Innenstadt gesetzt werden.

    Interessant ist die Frage: Wie hoch sind die Kosten für historisierende Gebäude in der Art, wie sie aktuell in Dresden gebaut werden? Sind diese viel höher als bei der heute leider üblichen Klötzchenbauweise?

    Ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen, da heutzutage der Grund und Boden alleine ja schon einen wesentlichen Teil der Kosten ausmachen.

    Dennoch bleibe ich im Ergebnis dabei: Dresden ist für mich (architektonisch-urban) eher eine Stadt, die ich als Tourist 1-3 Tage lange besuche, als eine, in der ich dauerhaft leben wollte (wobei es da freilich auch schlimmere gibt): Zu inselhaft, zu touristisch, zu museal ist die Innenstadt, zu zerstreut, zersiedelt und unurban weite Teile der an die Innenstadt angrenzenden Areale.

    Danke für diese Bilder, die das ganze Malheur neuer "Quartiere" zeigen. Neben der einfallslosen Schuhschachtel-"Architektur" findet ich besonders trist, daß die Flächen zwischen den Bauten nicht für schöne grüne Gärten mit Bäumen und Sträuchern genutzt werden, wie es bei Reihenhaussiedlungen der 60er bis 90er noch der Fall war, sondern meistens nur aus geschotterten Flächen und Rasen bestehen. So viel Flächenfraß für so häßliche Gebäude! Warum?

    Das Rheinufer mit diesen modernen Gebäuden, die für mich ein bißchen wie überdimensionale Kräne aussehen, steht heutzutage z. B. bei Fernsehserien und Filmen ikonographisch für Köln, und das im positiven Sinne gemeint. Irgendwie schon traurig, wie könnte man das eigentlich reizvolle Rheinufer schön-urban herrichten, man vergleiche es mal mit der Heidelberger Neckarwiese!

    Ich denke, Werbesprüche sollte man nicht so furchtbat ernst nehmen. Die Texter sollten nur aufpassen, daß die Kluft zwischen Aussage und Realität nicht allzu weit auseinanderklafft und als Ironie verstanden werden kann.
    Genauso gibt es über jede Stadt irgendwelche historischen Zitate. Auf jeden Fall sah Stuttgart 1944 deutlich besser aus als heute; wie das bei fast allen bundesdeutschen Städten der Fall ist.


    Klotzenstein: In einer Sache muß ich dir widersprechen. Wer einige Stuttgarter zu seinem Freundeskreis zählt, wie ich das tue, weiß, daß diese keinesfalls sehr "selbstbewußt" im Hinblick auf ihre Stadt sind. Vielmehr versuchen manche nach außen auch hier sich mit München zu messen, die in der Tat sich für die Größten halten. Tatsächlich leiden viele Stuttgarter an ihrer Stadt und der bundesdeutschen Wahrnehmung dergleichen und ihrer Bewohner.
    Die S21-Proteste scheinem mir neben dem konkreten Bauvorhaben und dem pietistischen Echauffieren auch mit der Unzufriedenheit bezüglich "der Gesamtsituation" zu tun zu haben.

    Vielen Dank für diese tollen Bilder! Man sieht, daß solche Altstädte auch im Herbst warm und romantisch wirken können, während der Modernismus bei dieser Witterung besonders übel ausschaut. Heidelberg ist einfach eine Perle, die Altsadt ist so voller organischem, selbstverständlichem Leben!