Dresden - Frauenkirche

  • Zitat

    Der berühmte Bau bedeutet für die Stadt auch neue Gefahr: Terroristen könnten die Kirche zum Ort ihrer Aktivitäten machen. Dass diese Vermutung kein reines Hirngespinst ist, belegen die Vorbereitungen zur Weihe.

    Journalisten sollte man echt mal zu einem Grundkurs in Logik schicken. DIe Vorbereitungen belegen also das Nicht-Hirngespinst? Gut, gut, dann fange ich jetzt mal an, meine Fenster zu vernageln, weil in den nächsten Tagen die Außerirdischen kommen...

    Ich halte das für völligen Quatsch, aber gut, wenn die Leute (welche?) beruhigt sind, soll es mir gleich sein.

    PS: Warum Quatsch? Weil a) keinerlei reale Bedrohung besteht, und b) dieses Flugverbot keinen einzigen auch nur ansatzweise abhalten könnte.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Ich habe mir jetzt mal fast alle Bilder in Ruhe angesehen und bin wirklich begeistert. Die FK ist sehr schön geworden. Und auf den Bildern dort ist sie mir, glaube ich, auch nicht mehr zu bunt. V.a. das Emporengeflecht war mir bislang nicht aufgefallen. Sieht sehr gut aus mit den vielen mäandrierenden Horizontalbändern. Aber auch Altar, Orgel und der Rundlauf sehen klasse aus. Ein Meisterstück! :)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Im aktuellen SPIEGEL (43/2005) gibt es ab Seite 140 ff. einen schönen Artikel zum Wiederaufbau und Geschichte der FK und Dresden. Darin wird auch eine Reko des Neumarktes nicht negativ betrachtet sondern eher als Folge des erfolgreichen Wiederaufbaus der Kirche. Bei einem Absatz musste ich aber laut lachen: "der Architekt Günter Behnisch, der Erfinder des Münchner Olympiastadions, nennt die Städtelandschaft am Barockufer als prägenden Einfluss auf seine Ästhetik"!! Ich glaube eher, er verwechselt Terrassenufer mit den Plattenbausiedlungen Prohlis und Gorbitz.


    Fast noch interessanter ist ein Interview mit dem Historiker Prof. Baring, der sich offen für Rekonstruktionen ausspricht: "Ich halte Rekonstruktionen für zeitgemäß. Schlechte Zeiten müssen sich an gute frühere Zeiten halten, in dieser Phase sind wir. Ich glaube auch, dass es gut ist, wenn die Deutschen ihre alten Städte im Maße des Möglichen zurückgewinnen, damit uns wieder klar wird, dass wir von irgendwoher kommen.! Weiterhin spricht er davon, dass wir unsere Geschichte nicht auf die NS-Zeit reduzieren sollen, dass viele gar nicht wissen, wie schön Deutschland trotz der Zerstörung noch ist (Görlitz, Bautzen) und dass speziell die Zerstörung Dresdens ungerechtfertigt ist und war. Ein wirklich gutes Interview, das wir für unsere Aktivitäten im Auge behalten sollten.

  • @ Harmonica:

    Der Behnisch gibt mir wirklich Rätstel auf...

    Das Interview mit Baring ist in der Tat sehr lesenswert. Ich will jetzt nicht detailliert auf seine - zweifellos interessanten - politischen Äußerungen eingehen, da eine daraus entstehende Diskussion in einem Architekturforum immer leicht fehl am Platze wirkt. Nur so viel: Baring nennt die "Entbürgerlicherung der DDR" ein Problem, das bis heute noch nicht bewältigt wurde - und dieses Problem sei in Berlin eben größer als in Dresden, wo sich ein bürgerliches Selbstverständnis bewahrt habe. Daher sei in Dresden der Wiederaufbau der Frauenkirche gelungen, während man sich in Berlin mit dem Schloss schwer täte. Laut Baring sind aber auch einfach Unterschiede geographisch bedingt, wie er mit einer Gegenüberstellung einer alten Kulturlandschaft ((Sachsen) und "des Heiligen Römischen Reichs Streusandbüchse" (Brandenburg) verdeutlichen will.

  • @ Aenos:

    Danke.

    Neben dem Interview mit Baring ist aber auch der eigentliche Artikel, der von diversen SPIEGEL-Journalisten verfasst wurde, hochinteressant. Wie aus Harmonicas Beitrag schon hervorging, ist der Artikel im Hinblick auf Rekonstruktionen sehr positiv. Ich muss auch zugeben, dass mich der SPIEGEL-Artikel mit einer Passage wie dieser hier überrascht hat:

    Zitat

    Am 13. Februar 1945 zahlte Dresden den Preis für die Hitler-Gefolgschaft. Möglicherweise einen viel zu hohen, denn Bomber-Harris' Schlag war mehr als eine Vorwegnahme des Morgenthau-Plans. An was sollte ein Deutschland nach Hitler kulturell anknüpfen, wenn seine Kunstdenkmäler, die mit ihrer Schönheit zum Erbe der gesamten Menschheit gehörten, sinnlos zerstört wurden?

    Der letzte Satz enthält einen Gedanken, mit dem ich viel anfangen kann: Wer immer ein Kunstwerk vernichtet - z. B. im Krieg - sollte sich darüber klar sein, dass er damit nicht nur den Feinden etwas weggenommen hat, sondern auch sich selbst und der ganzen Welt.

    Lesenwert ist auch diese Passage aus dem SPIEGEL-Artikel:

    Zitat

    Nur, was tun mit der Frauenkirche? Noch im Tode hatte sie zwei Tage den Bombensturm überlebt, ehe sie durch die Hitze des brennenden Interieurs zusammensackte. Die 30 Meter hohe Ruine, der klägliche Rest eines einst 91,23 Meter hohen Bauwerks, blieb unangetastet, zum Schutz vor Vandalen verschwand sie hinter einer Pflanzenwand.
    Dornröschen ersparte man, wie bekannt, den Todesschlaf eines Mahnmals. Barock gibt es nicht zum halben Preis, nicht als Modern-Alt-Kombi wie den Berliner Reichstag oder als Verweisungsdenkmal, wie es die Stelen des Holocaust-Mahnmals darstellen. Auch zum ewigen Zeichen für ewige Diskussionen wie beim [lexicon='Berliner Schloss'][/lexicon] war den Dresdnern ihre Kirche zu schade."

    Schön, dass es hier mal zum Ausdruck kommt: Wenn schon Reko, dann richtig!

  • Ich war von diesem Artikel auch überaus positiv überrascht, nachdem der Spiegel sonst doch immer überkritisch ist. Stattdessen praktisch nur Lob...

  • Zitat von "Restitutor Orbis"

    Baring nennt die "Entbürgerlicherung der DDR" ein Problem, das bis heute noch nicht bewältigt wurde - und dieses Problem sei in Berlin eben größer als in Dresden, wo sich ein bürgerliches Selbstverständnis bewahrt habe. Daher sei in Dresden der Wiederaufbau der Frauenkirche gelungen, während man sich in Berlin mit dem Schloss schwer täte. Laut Baring sind aber auch einfach Unterschiede geographisch bedingt, wie er mit einer Gegenüberstellung einer alten Kulturlandschaft ((Sachsen) und "des Heiligen Römischen Reichs Streusandbüchse" (Brandenburg) verdeutlichen will.

    Das klingt für mich alles sehr plausibel, auch wenn ich nicht sicher weiß, ob es stimmt.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Ich habe vor ca. 7 Jahren mal Barings Buch "Scheitert Deutschland?" gelesen. Auch wenn ich im Gegensatz zu Baring kein Wähler der FDP bin, muß ich sagen, dass ich ihn für einen äußerst klugen und vernünftigen Menschen halte. Das Interview bestätigt das.

  • Zitat von "Restitutor Orbis"


    Nur so viel: Baring nennt die "Entbürgerlicherung der DDR" ein Problem, das bis heute noch nicht bewältigt wurde - und dieses Problem sei in Berlin eben größer als in Dresden, wo sich ein bürgerliches Selbstverständnis bewahrt habe. Daher sei in Dresden der Wiederaufbau der Frauenkirche gelungen, während man sich in Berlin mit dem Schloss schwer täte. Laut Baring sind aber auch einfach Unterschiede geographisch bedingt, wie er mit einer Gegenüberstellung einer alten Kulturlandschaft ((Sachsen) und "des Heiligen Römischen Reichs Streusandbüchse" (Brandenburg) verdeutlichen will.

    Nun ja, ich halte die Schwierigkeiten in Berlin eher für eine Folge der Verteufelung Preussens, sowohl in der deutschen Gesellschaft als auch international.
    Die Dresdner Frauenkirche war, neben der herausgehobenen Stellung als Symbol für die Zerstörung aller deutscher Städte für uns selbst, auch immer das Symbol der eigenen Schuld für die internationale Gemeinschaft. Für die Wiedererichtung dieses Symbols Sympathien zu erwecken war sicherlich einfacher als Gelder für die Garnisonkirche in Potsdam aufzutreiben.
    Und zudem stimmt das Bild was Baring zeichnet ja auch nicht so ganz. Potsdam, als Kulminationspunkt Preussens, braucht sicher nicht hinter Dresden zurückzustehen was den Umgang mit der eigenen Vergangenheit angeht. Und das Hohelied auf den sächsischen Bürgersinn wird etwas leiser wenn wir uns daran erinnern das man auch in [lexicon='Leipzig'][/lexicon] eine Kirche hätte welche rekonstruiert werden... tja, müßte.

  • Ich kannte sie nicht. ;)
    Schöne Ansicht, aber ansonsten eine etwas gruselige Seite. ;)

    Was ist denn das für ein "verschwommenes, kariertes Gebäude" im Vordergrund?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Zitat von "Antiquitus"


    Was ist denn das für ein "verschwommenes, kariertes Gebäude" im Vordergrund?

    Das ist das alte Centrum/Hertie/Karstadt-Haus, welches dem Neubau auf der Prager weichen soll. Für den Erhalt des Gebäudes mit seinen Aluminium-Waben sind aber viele Dresdner (laut Leserbriefen), da das Gebäude "typisch DDR" sein soll und man doch nicht die "DDR aus dem Stadtbild" raustilgen solle. Nun gut, die Meinungen gehen hier auseinander, aber das Thema hatten wir im Dresden-Thread angesprochen und soll hier nicht weiter erörtert werden.

  • Zitat


    ZDFonline: Virtueller Rundgang durch die [lexicon='Frauenkirche Dresden'][/lexicon]

    Das Kernstück des ZDFonline-Spezials, das in Zusammenarbeit mit der Stiftung [lexicon='Frauenkirche Dresden'][/lexicon] entsteht und ab 30. Oktober 2005 unter http://www.Frauenkirche.ZDF.de">http://www.Frauenkirche.ZDF.de erreichbar ist, bildet ein virtueller Rundgang durch das Gotteshaus. Dabei öffnet das ZDF alle Türen in dem berühmten Gebäude: Der PC-Nutzer kann virtuell die gesamte Kirche besichtigen und dringt dabei auch in Räume vor, die dem realen Kirchengast verschlossen bleiben. In großformatigen Originalaufnahmen im 360-Grad-Format können die Besucher jeden Raum der Kirche aus verschiedensten Foto-Perspektiven betrachten, so, als ob sie selbst vor Ort seien. Bei dem virtuellen Rundgang suchen die Nutzer sich ihren Weg durch die Kirche – hinter die Kanzel, zum Platz des Organisten, auf die Emporen, vom Keller bis hinauf zur Aussichtsplattform. An jedem dieser Punkte können sich die Nutzer nach Wunsch umschauen und die Blicke schweifen lassen. Per Zoom lassen sich Details aus der Nähe betrachten, zum Beispiel die Gemälde in der inneren Kirchkuppel, die Orgelpfeifen oder die Gruft in der Unterkirche. Wie bei einer echten Führung gibt ein Sprecher bei jedem Bild Informationen zur Geschichte und Bedeutung der Räume in der Frauenkirche.


    http://www.infosat.lu/Meldungen/?srID=5&msgID=18012

  • Schöner Bezug zur ersten und ursprünglichen deutschen Einheit:
    Kirchen der Einheit

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.