Posts by Jojojetz

    In der Tat haben die späteren Bauten den Postplatz etwas aufgewertet. Insbesonsere das Zwingerforum und das Haus Postplatz sind durch den Schriftzug, die Klinkerfassade, Sandsteinoptik, Hochrechteckfenster, etc. um Gestaltung bemüht. Die größten Bausünden waren die ersten: Kubus und Altmarkt Galerie. Ein gewisser Fortschritt in Richtung moderne großstädtische Eleganz ist seit den Zeiten eines Feßenmayer doch erfolgt.

    Mir gefällt der Neubau fast besser als der Vorgänger. Der Austritt im 4 OG und die dortige Öffnung der Fenster, alles vor dem Krieg nicht mehr da, gefallen mir. Die kräftige Note von Simsen und Ornamenten sagt mir tatsächlich sehr zu, da empfinde ich den Vorgänger im direkten Vergleich eher als blass.


    Überhaupt sind in meinen Augen sämtliche wiedererstandenen Rekonstruktionen NEUBAUTEN. Eine starke Orientierung am Original ist für mich zwar wünschenswert, aber keineswegs ein K.O. Kriterium, lediglich ein "Nice to have", wie man heute so sagt. Etwa so, wie eingebaute Spolien oder Originalsubstanz zwar schön ist, aber keineswegs unbedingt erforderlich.

    Eigentlich möchte ich gar nicht mehr vom Focus des Neustädter Marktes ablenken.
    Und dennoch weise ich noch auf einen Kandidaten hin, der immer in allen Listen vergessen zu werden scheint:


    VILLA ROSA, VILLA ROSA, VILLA ROSA


    Nach Löffler die schönste Villa Dresdens in der Vorkriegszeit, später nie mehr erreicht. Vor Frosch, Salzburg, San Remo...
    Eine der schönsten Europas. Die Ruine war gut erhalten. Von den Proportionen ähnlich überlegen wie das Dinglingerhaus aus den Bürgerhäusern hervorstach.
    Auch von Gottfried Semper. Warum wurde sie noch nicht genannt? Die leicht periphäre Lage?

    Gewiss, typisch dresdnerisch ist die Fassade nicht, aber welcher Füllbau ist das. Es handelt sich hier um eine von weit über 100 Parzellen im Neumarktgebiet. Geschwungene Linien, Ornamente. Wie lange hat man darauf gewartet!!!


    Was hätte die GHND davon, hier zu opponieren? Bitte bedenkt: Es gab in diesem Quartier nur einen EINZIGEN festgeschriebenen Leitbau! Dazu kommen nun immerhin 2 weitere Rekos. Und ein historisierender Entwurf. Und weitere Fassaden mit traditionellen Anleihen. WEH tut höchstens Landhausgasse 15, eine einzige Fassade. Für mich ist das Quartier im großen und ganzen gerettet. Ich freu mich drauf!


    Gibt's jetzt nicht wichtigere Baustellen? Dass das Narrenhäusl bald kommt. Dass Q VI ordentlich wird...

    @ ursus, auch wenns of topic ist


    Ja, ich denk über Wien sind wir uns einig. Grau weiss wirkte die Stadt erstmal und auch der Zuckerguss (Historismus) kennt ein zuviel des Guten.
    Trotzdem bleibt's eine der ganz großen Metropolen Europas, ich wurde in Summe garantiert nicht enttäuscht. Ich kannte halt bisher aus vielen Galerien nur die Stärken, die imperiale Ringstraße, dass die Stadt mit blauem Auge durch den Krieg kam. Durchaus vorhandene Schwächen waren mir nicht bewusst.
    Das Belvedere hab ich - natürlich - gesehen, samt dem fantastischen Blick. Traumhaft. Auch die vielen Grünanlagen haben mir sehr gefallen. :cool:

    So, hab grad festgestellt, dass ich leider Steyerdorf auch a bissl vernachlässigt hab, der Stadtplatz, das Schloss, die Gassen sind einfach beeindruckender. Trotzdem einige Fotos aus Steyerdorf zur Ergänzung:




    Mein Lieblingsmotiv: Das kleinste Haus Mitteleuropas???



    Weiterer großartiger Innenhof:




    Fortsetzung folgt

    Ich war diese Woche - ebenfalls aufgrund dieser Galerie - in Steyr und bin total begeistert.
    Evtl. finde ich die Zeit, irgendwann mal noch nicht gezeigte Fotos von Steyerdorf einzustellen.
    Zwei Dinge haben mich zutiefst beeindruckt: Die Stilvielfalt und der plastische Reichtum der Fassaden, sowie die verwinkelten Gässchen den Berghang hinauf. Ich muss sagen, dass ich vorher in Wien war und - man höre und staune - eher enttäuscht. Das lag sicher nicht an der Stadt, sondern an meiner übertriebenen Erwartungshaltung. Es lag auch weniger an der Architektur. Städte wie Prag, Passau oder Salzburg, selbst das schwer geprüfte Dresden liegen einfach schöner. Prag kommuniziert viel besser mit der Moldau als Wien mit der Donau. Auf diesen Eindruck hin hat mich das schön gelegene und zudem architektonisch so eindrucksvolle Steyr wirklich umgehauen. Für mich zählt es nach Salzburg, Graz und Wien, auf einer Stufe mit Linz zu den 5 sehenswertesten österreichischen Städten. Vor der winzigen Innsbrucker Altstadt oder Klagenfurt.
    Ich hatte einen etwas betagten ADAC Österreich Reiseführer, in dem Steyr im Gegensatz zu Hallein, Bad Ischl, etc. ausgeklammert war. Unglaublich. :augenrollen:

    Natürlich waren die Bürgerhausfassaden bedeutend. Landhausstraße 3 von Hauptwachenbaumeister Fäsch ist sehr einzigartig, keine andere sieht ihr ähnlich. Am schönsten war aber wohl die alte Post, Landhausstraße 13, die ja auch Löffler erwähnt. Die Fassaden der Rampischen schätze ich als Eingangstor in die Gasse, vor allem die Fassade mit den schönen Rocaillen.


    Wenn also immer befürchtet wird, man müsse für das Palais Riesch auf die Fassaden der Bürgerhäuser verzichten, dann möchte ich das ganze mal umdrehen: Sind 4 Bürgerhausfassaden nicht wertvoller und bereichernder, gliedern sie die Straßenzüge nicht besser als eine einzige Palaisfassade, die zudem wegen der Stockwerkshöhen problematisch ist. Ich würde da lieber die 4 Bürgerhäuser nehmen.

    @ Manometer


    Dir ist klar, dass es 2 Dinglingerhäuser gibt? Das jetzt im Bau befindliche große Dinglingerhaus hatte soviel ich weiß nie einen Hofbrunnen. Das kleine Dinglingerhaus in der Frauenstraße (Quartier 6) soll den jetzt am Gewandhaus angebrachten Brunnen soweit ich weiß zurückerhalten.

    Die alte Prager Straße war meines Erachtens durchaus herausragend. Sie hatte auf jeden Fall mehr als ein halbes Dutzend wirklich stattliche Gründerzeithäuser: Victoriahaus, Residenzkaufhaus, Europäischer Hof, Esders, Deutscher Hof, Centralpassage, Kaisercafe. Man nenne mir bitte eine weitere Gründerzeitstraße der Stadt, die das in den Schatten stelt. Kleinreden würde ich hier nicht. Freilich hatte die Straße ihren Ruf in erster Linie durch die Geschäfte. Eine alte Dresdnerin erzählte mir mal: "Wenn du irgendwas gesucht hast, in der Prager konntest du es kaufen." Alt war sie natürlich nicht, wertvoller war die Stadt innerhalb des Rings, da geb ich Niederländer recht.


    Die neue Prager Strase gefällt mir vom Raumgefüge sogar besser als die Alte! Urbaner Anfang und Ende, in der Mitte ein schöner Platz. Die Wasserbecken stehen, begleitet von den 3 Baumreihen und den Lichtsteelen in Reih und Glied, die Ästhetik - aus der Luft betrachtet - hat fast was faschistisches. Trotzdem hat's seinen Reiz, man sollte da ja nicht zu viel reininterpretieren. Tja, und auch die neue Prager Straße hat mindestens ein halbes Dutzend erstklassige - freilich moderne - Bauten: Haus des Buches, die Centrumgallerie mit den Waben, Rundkino, Kristallpalast, Prager Spitze und Kugelhaus, dazu gefallen mir das Denkmal Völkerverständigung und natürlich die Pusteblumenbrunnen. Der Rest versinkt entweder im Mittelmaß oder ist banal.


    Sogesehen kann ich den Verlust der alten Prager verschmerzen. Gute Architektur ist weg, Gutes ist teilweise aber auch entstanden. Irgendwo muss es ja auch Platz für Experimente geben. Lieber dort, als in Alt- oder innerer Neustadt. In den letztgenannten Gebieten, zur Altstadtreparatur nämlich, könnte eine solche Architektursprache überhaupt nicht funktionieren. Sie wäre eine Katastrophe.

    @ Münchner


    Ja, Würzburg, gewiss. Nur hat das halt das gleiche Schicksal wie Dresden gehabt. Es hat mich auch stark an Dresden erinnert, die grandiosen Monumentalbauten machen hier wie da die verkorkste Altstadt fast wett. Und hier wie da eine herrliche Landschaft und Silhouette von der Brücke aus...


    Augsburg steht wohl eher für Renaissance, Fuggerei, Rathaus, Perlachturm, Herkulesbrunnen, Zeughaus, etc. Bamberg ist auch gemischter, freilich sehr schön.


    Potsdam ist ein interessanter Fall: Obwohl hier im Gegensatz zu DD und Würzburg große Teile der Altstadt verschont blieben, hat es tragischerweise gerade den barocken innersten Kern getroffen. Schloß und Park Sansoucci aber und die jetzigen Rekonstruktionen des Zentrums werden der Stadt hoffentlich auch hier den alten Rang zurückgeben.

    @ Arstempano


    100% Zustimmung und dennoch:


    Keine der anderen deutschen Großstädte konnte auch vor dem 2. WK mehr Barock bieten, weil sie dem gleichen Veränderungsdruck ausgesetzt waren.
    Dafür reichten die Prachtbauten und Neustädter Markt / Neumarkt völlig aus.


    - München: Einige Kirchen (Theatiner / Asamkirche / Bürgersaal/ etc), ein paar Palais, z.b.: Palais Preysing, ganz wenig Bürgerhäuser (Mielichhaus). München stand mit ohnehin mit Ludwigstraße und Königsplatz für Klassizismus.
    - Berlin: Stadtschloss, Hedwigskathedrale, Deutscher / Französischer Dom, Schloß Charlottenburg. Bürgerliche Bausubstanz? OK, Ephraimpalais ist immerhin beeindruckend.
    - Hamburg: Der Michel, klar, die Häuser am Cremon, viel mehr fällt einem nicht ein.
    - Köln / Nürnberg / Frankfurt waren eh nie barock, Bremen stand für Weserrenaissance, Leipzig noch stärker überformt, usw.


    Und die kleinen Groß- und Mittelstädte? Selbst ausgesprochene Barockstädte wie Heidelberg oder Passau können weder die Prachtbauten Dresdens bieten, noch solche Bürgerhäuserkaliber wie Dnglingerhaus, Triersches Haus, Köhlersches Haus, Rampische 1, 7, 33, Hotel Sadt Rom, Königsstraße 5, Regierung, Hotel Bülow Residenz, Bosesches Haus, Hotel Stadt Berlin, Regimentshaus, Schützhaus, usw. usw.


    Es bleibt also dabei: Für die barocke Epoche ist Dresden - ob vor 45 oder nach dem Wiederaufbau des Neumarkts - die Referenz, das erste Anschauungsbeispiel in Deutschland. Von den 6 weltbekannten Monumenten (Zwinger, Frauenkirche, Schloß, Semperoper, Hofkirche, Pillnitz) sind 4 barock.
    Und das, obwohl - wie Du so schön aufgezeigt hast - die Stadt außerhalb ihres innersten Kernes ganz vorwiegend eine Kreation des 19. und 20. Jahrhunderts ist, das absolut gesehen auch viel mehr gebaut hat...

    Die alte Frauenkirche war teilweise aus zu weichem Sandstein gebaut. Außerdem ging George Bähr davon aus, dass die Last auch über die Außenmauern abgeleitet wird, was nur zu einem kleineren Bruchteil der Fall ist. Die Pfeiler waren dadurch stark überlastet, die Kuppel senkte sich und es kam zu ellenbogendicken Rissen. Chiaveri hatte Recht, wenn er die Steinkuppel für grundsätzlich zu schwer einstufte. Vor dem Zweiten Weltkrieg gelang es Rüth aber, durch Einbau eines Kuppelringankers ein weiteres Auseinanderdriften zu stoppen. Außerdem verstärkte man die Pfeiler soviel ich weiß mit Zementinjektionen. Die schlechter errichtete alte Kirche war gesichert.


    Beim Wiederaufbau wuden erstens die Fundamente mit Stahlbeton gesichert, zweites wurde nur sehr harter Sandstein verwendet und drittens wurden von Anfang an Stahlringanker um die Kuppelschale gelegt. Man muss sich also keine übertriebenen Sorgen machen. Die neue Frauenkirche ist stabiler als die alte und die technischen Mittel zu ihrer Sicherung sind heute besser als in alten Zeiten. :cool:

    Mit Sicherheit ist die AfD eine fragwürdige Partei.
    Mit Sicherheit ist sie hier populistisch.


    ABER eines ist richtig: Den ALTMARKT verbindet - zumindest der Nichtdresdner - mit der Verbrennung der 7.000 Leichen nach dem 13.02.
    Die Sophienkirche dagegen steht - spätestens seit Lerm - für den finalen Höhepunkt sozialistischer Nachkriegskulturbarberei.


    Gewisse Orte sind durch die Geschichte so sehr besetzt, dass sie quasi selbst Denkmalcharakter haben.
    Eine Umwidmung der Sophienkirche wird da wenig erfolgreich sein.
    Man könnte da genausogut ein Denkmal gegen Apartheit in Hiroshima aufstellen oder ein Standbild von Papst Johannes Paul II in Mekka.


    Eine andere Tatsache ist es, dass gerade der Altmarkt in seiner großen Weite einen festen Bezugspunkt verlangen würde. Im Gegensatz zu allen anderen zentralen Plätzen hat er nichts, was ihn zusammenfasst. Ob das nun ein Denkmal, ein Brunnen, eine Vase oder sonstwas ist, scheint mir sekundär.

    Ja, ein brandheißer Favorit für den Titel "hässlichster Bau des Jahres 2014"
    Aber gut, der Architekt ist ehrlich, er wohnt wenigstens auch in seinen Ausgeburten. Davor ziehe ich meinen Hut. drink:)

    Freilich ist die originalgetreue Rekonstruktion das Wünschenswerte.


    Aber seien wir doch mal ehrlich: Abgesehen von den Geschoßhöhen wurde doch ohnehin schon gegen alles Denkbare abgewichen. Ob wir nun die aufgestockte Glocke, die gestreckte Rampische 33, oder das Hotel de Saxe nehmen.


    Das Hotel de Saxe ist vielleicht die beste Parallele: Es war auch keine Leitfassade! Und da wundere sich noch einer warum die Gauben ganz anders aussehen als um 1880. Und? Stört das heute? Mir ist's ehrlich gesagt egal, ist ja schließlich keine Reko, sondern Neubau! Auch Neumarkt 14 wird ein Neubau wenn's keine Leitfassade ist.


    "Erlaubt ist, was gefällt. "Ja schön wär's. Viel zu lang erleben wir schon das Gegenteil. Wenn man jetzt sagt, lieber eine Brache, oder lieber eine moderne Fassade, dann wär schon wieder erlaubt, was den meisten NICHT gefällt. Hotel de Saxe und Neumarkt 14 gefallen mir auch trotz der Abweichungen. Dogmatik lehne ich ab.

    Vielleicht trägt die Nase aber auch dazu bei, den Autoverkehr aus der Schweriner herauszuhalten, weil der sich dann eher auf die Freiberger verlagert. Der Straße zum künftigen Kulturkraftwerk kann eine Verkehrsberuhigung nicht schaden.