München - Kriegs- und Nachkriegsverluste (Galerie)

  • Bin da der gleichen Meinung wie erbse. Älter ist nicht immer besser. Das "neue" Hofbräuhaus ist doch wirklich viel schöner anzusehen und in seiner Architektur wesentlich repräsentativer.

  • Von mir auch 2 Flohmarktfunde: 1. ist klar: Hinten Justizpalast(ca.1897) Beim 2. hab ich doch etwas geknobelt.Aber dann im Buch"München im Überblick) Volkverlag dann doch auf S.169 ein Luftbild von Haidhausen gefunden mit ganz klein dieser Pickelhaubenkuppel hinten. Das ist ggü. dem Bürgerbräu gewesen bzw. das Haubenhaus RosenheimerStr./SchleibingerStr.Aufgenommen also ziemlich genau beim S-Bahnzugang Gasteig der S-Bahnstation Rosenheimer Platz.Den ganzen Ausschnitt der Straße gibts nicht mehr.

  • tolle Aufnahmen, Wanninger! Und anstelle der schönen Gebäude auf dem ersten Bild im Vordergrund entsteht nun zur rechten der unsägliche Königshof bzw. besteht zur linken der mindestens ebenso unsägliche Karstadt, nicht wahr? Letzteres Abriss und Neubau wurde doch unlängst geplant, weiß diesbezüglich jemand etwas neues? Wie wäre es mit dem von den Berlinern derzeit geschmähten Hermannplatz-Entwurf? hihi

  • Ich kannte eine 2009 im Alter 95 Jahren gestorbene Frau, die in ihrer Jugend lange in München lebte. Sie hat immer behauptet, am Marienhof hinter dem Rathaus wären vor dem Krieg die ältesten Häuser Münchens gestanden. Sogesehen hat mich das Areal auch immer interessiert, aber man findet ja nichts. Und die Luftaufnahmen vermitteln keineswegs den Eindruck, als hätten wir hier das Mittelalter vor uns.


    Ich selbst kann mit dem Marienhof gut leben, er gibt München einen weiteren, vergleichsweise schönen Platz. Gerade diese eng bebaute Stadt braucht auch Grün.

    Beides stimmt. Es gab auf diesem Areal ältere Häuser, auch ein Kloster, wovon um ca. 1900 nix oder fast nix mehr übrig war – selbst für das neue Rathaus wurden ja unzählige Häuser (u.a. die sog . Landschaftshäuser an der Nordseite des Marienplatzes) abgerissen. Und so ganz geheim ist das auch nicht. Als z.B. wegen der neuen Stammstrecke der S-Bahn zum ersten Mal am Marienhof gebuddelt wurde und die mitteralterlichen Fundamente ans Tageslicht kamen, gab es rings um das Areal eine bebilderte (soweit vorhanden) Ausstellung über die "alte" Bebauung. Ich denke mal im Stadtarchiv München läßt sich für den Interessierten dazu sicher mehr finden.


    Und was das Grün betrifft, da hat München durchaus einige "grüne Lungen" zu bieten neben dem Englischen Garten (vom Haus der Kunst bis nach Oberföhring). Da gibt es die Isarauen, Maximiliananlangen, Luitpoldpark, Ostpark, Westpark, Pasinger Stadtpark/eher Wald, Neuhofer Anlagen, Nymphenburger Park, kleinerer Park in Neuhausen, Hirschgarten, Olympiapark, relativ neu Petuel- und Heckenstallerpark, Taxis Park, Riemer Park, Ausstellungspark hinter der Bavaria, sowie ein paar Forste.

  • tolle Aufnahmen, Wanninger! Und anstelle der schönen Gebäude auf dem ersten Bild im Vordergrund entsteht nun zur rechten der unsägliche Königshof bzw. besteht zur linken der mindestens ebenso unsägliche Karstadt, nicht wahr? Letzteres Abriss und Neubau wurde doch unlängst geplant, weiß diesbezüglich jemand etwas neues? Wie wäre es mit dem von den Berlinern derzeit geschmähten Hermannplatz-Entwurf? hihi

    Der Königshof ist inzwischen (fast oder auch schon ganz) abgerissen. Der Gewinner aus dem Architektenwettbewerb sieht einen höheren Neubau (10 anstatt 6 Stockwerke) vor, der vertikal gespalten ist, als ob ein Riese mit der Axt eingeschlagen hätte. Bilder dazu findet man auf der Website des Königshofs.

  • ja das reist einen echt runter, besonders der Marien platz ist ein Schlag in die Margen gegend das tut echt weh.
    Weist Du zufällig, warum so viele Häuser um 19 abgerissen wurden? Ich tippe auf Straßen Verbreiterung oder verpönung des Barocks durch die gz

    Nicht unbedingt immer Straßenverbreiterungen, Um nur ein Beispiel zu nennen: "neues Rathaus" - Da mußten an der Nordseite die sog. Landschaftshäuser weichen, bei den darauffolgenden zwei weiteren Bauabschnitten weitere Häuse bis zur Landschaftsstraße. Man brauchte damals schon "mehr Platz".

  • Bezogen auf den heutigen Bau in der Türkenstraße 5 könnte man meinen, dass es wohl nicht ganz gelungen ist, sich von damaliger Zeit zu distanzieren, da nicht gerade viele Unterschiede zu so manchen Nazi-Bauten bestehen, die ebenfalls so trostlos wirken.

    Dazu darf man nicht vergessen, daß a) die Naziarchitekten noch weiterwirkten und b) die nachfolgenden Generation von Architekten auch ausgebildet haben (und diese wiederum die nächste Architektengeneration usw.). Und daß man sich c) teilweise sogar entschloß nach Kriegsschäden nicht das Original wieder herzustellen (z.B. Ludwigstraße gleich hinter dem Odeonsplatz), sondern die Nazibauten.


    Die ersten vier Paläste auf der rechten Seite der Ludwigstraße mußten dem "Zentralministeriumsbau" (heute Landwirtschaftsministerium) weichen. Im Krieg zerstört und nach den Naziplänen kurz nach dem Krieg wieder aufgebaut. Weiter oben das Herzog-Max-Palais (Sisi-Fans bestens bekannt), 1937 abgerissen. Für den neuen Bau der Reichsbank war bei Kriegsende nur das Erdgeschoß fertiggestellt, in bester Naziarchitektur "aufgestockt".

  • Alter Hof, Nordflügel


    vor 1945
    Nordost- und Ostflügel 1944/45 ausgebrannt, 1948 abgebrochen


    Die jetzige Bebauung zeitgemäß von 2006.
    Für mich eine der allerschlimmsten und abstoßendsten Münchner Bausünden nach 1945.

    Und der Bauherr ist auch noch überzeugt, daß er einen würdigen/ebenbürtigen Neubau geschaffen hat, der sich harmonisch in das Gesamtensemble einfügt. Ein weiteres Großprojekt der selben Firma/Erben am Tegernsee wurde nach jahrelangem Ringen glücklicherweise verhindert. Gut Kaltenbrunn ist erhalten geblieben.


  • Dito. Aber paradoxerweise nicht das Anschauen des aktuellen Zustandes, sondern das des vergangenen. Das Gegenwärtige kennt man ja, man hat es nie anders gesehen und sich mehr oder weniger damit arrangiert. Aber die Abbildungen des früheren Zustandes machen erst schmerzlich deutlich, was alles verlorengegangen ist.


    Der Vergleich zeigt freilich auch, dass wir uns in einer Art Zweckoptimismus all die Jahre und in vollem Bewusstsein, sich damit selber auszutricken, eingeredet haben, der jetzige, der Nachkriegszustand sei normal und es wäre illusorisch, etwas anderes zu erwarten. Die Münchner Altstadt würde nun mal so ausschauen und alles andere zu erwarten wäre weltfremd. Auf dieser Basis entsteht natürlich auch kein großes Bedürfnis nach Wiederherstellung des einstigen, freilich ungleich wertvolleren Zustandes. Dennoch kann man sich trotz aller Einrede- und Selbstüberlistungsversuche nicht an den Gedanken gewöhnen, so ein Gebäude wie das Stadtsteueramt wäre vernünftig gestaltet. Von den Horrorbauten der Gegenwart, wie vor allem am Oberanger, will ich gar nicht reden.

    Dazu ist bei den Architekten seit dem Wiederaufbau (alle gelernte der Jahre bis 1945!) großer Konsens, man muß vorwärts schauen, man könne quasi nicht umkehren. Also müssen wir gesichtslos und monströs weiterbauen. Erstens ist das kein Naturgesetzt, daß man nicht umkehren könne und zweitens vielleicht gäbe es ja auch mal Nebenstraßen, Abzweigungen sozusagen.