Posts by Leonhard

    Frage: Handelt es sich bei dem jetzt zur Disposition stehenden Komplex diese ganze riiiesige Anlagem, die bis zur Gabelsberger geht?

    Dann könnte man ja durchaus gut argumentieren, denn das WP war ja wohl nur der vordere Teil zur Brienner oder?

    Ja, das jetzige Areal der BayernLB geht bis zur Gabelsberger und das Wittelsbacher Palais stand nur im vorderen Teil an der Brienner Straße, allerdings zurückversetzt und mit kleinem Park davor. Das Foltergefängnis der Gestapo befand sich meines Wissens in einem Neubau hinter dem eigentlichen Palais.

    Wenn's nach mir ginge, wäre auch ein Abriss mit anschließender Nichtbebauung d.h. Umwandlung in einen Park eine gute Option: die ganze Gegend ist sowieso eine Asphaltwüste, etwas Grün würde dort gut passen. Siehe "Das Perivàllonistische Manifest", in dem auf Seite 33 sogar eine Visualisierung des ganzen Areals als Park zu sehen ist: https://aja-tum.de/wp-content/…e04_Booklet_PDF_comp2.pdf (wobei sie auf der Visualisierung ignoranterweise auch das denkmalgeschützte Palais Dürckheim an der Nordwestecke des Areals abgeräumt haben...)

    Sehr interessante Nachricht! Bzgl. einer Rekonstruktion sehe ich es genauso wie VonSalza: erstens hat die unselige Präsenz der Gestapo im Wittelsbacher Palais eine Rekonstruktion des Palastes in der heutigen Zeit völlig unmöglich gemacht (auch wenn das Gebäude vorher Sitz des Aktionsausschusses der Münchner Räterepublik war), zweitens stehen die maßgeblichen Entscheider in München, allen voran Stadtbaurätin Elisabeth Merk, Rekonstruktionen generell äußerst ablehnend gegenüber und drittens war das Wittelsbacher Palais in seinem Stil und seiner Gestalt seit Anbeginn ein Fremdkörper und von (fast) niemanden geschätzt... das sind alles sehr schlechte Voraussetzungen für eine Rekonstruktion.

    Ich sehe den Auszug der BayernLB aber als große Chance, das ganze Areal ist meines Erachtens wirklich sehr unschön und die jetzige Fassade an der ansonsten recht schönen Brienner Straße äußerst störend. Von daher kann die Situation bei einer Neubebauung fast nur besser werden.

    Mir gefällt die sanierte Glyptothek auch sehr gut, besonders die rekonstruierten Ornamente! Jetzt noch die störende Straße weg, und der Königsplatz wäre perfekt.

    Wäre er leider nicht, weil das NS-Dokumentationszentrum baulich doch sehr stört... O-Ton Nerdinger damals: "Aber das Gebäude duckt sich nicht weg. Im Gegenteil: es stört."

    Wenigstens gibt er's zu...

    Der auffallendste Unterschied im Vergleich zum Zustand vor der Renovierung dürften die Akroterien sein, die jetzt wieder auf dem Hauptgesims reihum verlaufen:


    Zustand vor der Renovierung: Link

    Zustand nach der Renovierung: Link


    Außerdem sind die Giebelskulpturen komplettiert worden, rechts fehlten drei Vasen.


    Ist insgesamt sehr fein geworden! Ich bin auch froh, dass die Baustelle wieder weg ist, im Sommer ist es immer schön, sich nach einem heißen Tag auf die warmen Stufen zu setzen, der Tangomusik vor der gegenüberliegenden Antikensammlung zu lauschen und den Abend zu genießen - ein wunderbar urbaner Ort.

    Es gibt ein gutes, wenn auch trauriges Buch mit den Stadtbildverlusten seit 1945 von Wien.

    Wien - Stadtbildverluste seit 1945: Eine kritische Dokumentation von Dieter Klein, Martin Kupf und Robert Schediwy. Ein sehr gutes Buch!

    Dieter Klein ist ein Bekannter von mir, er ist Wiener, lebt aber seit vielen Jahrzehnten in München und ist einer der Gründer der Altstadtfreunde München. Er hat in München Kunstgeschichte studiert und sich auf Historismus und Jugendstil spezialisiert, sich dabei besonders um Martin Dülfer verdient gemacht.


    Zu den Abrissen und sonstigen Verschandlungen in Wien: es ist absolut traurig, was in den letzten Jahrzehnten dort architektonisch passiert ist und immer noch passiert. Trotz dieser katastrophalen Entwicklung muss aber immer noch festgestellt werden, dass es in Wien dermaßen viele, man möchte fast sagen unendlich viele Gründerzeitbauten gibt, Gebiete, in denen man weit und breit fast nur alte, prächtige Gebäude sieht, wie man sich das, vor allem in dieser Pracht, in Deutschland gar nicht vorstellen kann; die Altbausubstanz ist immer noch gewaltig. Und in Budapest ist bei weitem nicht alles so geschlossen schön und alt, wie das hier immer behauptet wird, da wurde in den Straßenkämpfen im 2. Weltkrieg viel zerstört und später im Kommunismus durch unpassende Gebäude ersetzt. Ich würde deshalb Wien immer noch nicht unter Budapest ansiedeln, was die gründerzeitliche Altbausubstanz betrifft. Aber natürlich soll das nicht die stark gegensätzliche Entwicklung beider Städte beschönigen, bei der Wien sich ernsthaft ein Beispiel an Budapest nehmen sollte. Hoffen wir, dass dem Raubbau bald Einhalt geboten wird!

    "...der Berliner Architekt Matthias Sauerbruch"


    Gibt's in der Berliner Stadtgestaltungskommission eigentlich auch ein Münchner U-Boot, das dafür sorgt, dass Berlin häßlich bleibt? ;-)

    Ja, anscheinend darf es ja doch gebaut werden... finde den zweiten Entwurf auch klar besser als den ersten.


    Nur noch eine kleine Anmerkung: das Objekt befindet sich nicht mehr in der Altstadt, von daher wäre es eigentlich besser, den Beitrag in den normalen München-Thread zu verschieben.

    Eine ernstgemeinte Frage: Ist das der Eindruck den du von dir selbst hast? Wann hast du zuletzt die christlichen Botschaften mit Nachdruck auch gegen Widerstand vertreten und verteidigt?

    Ich habe den Eindruck teilweise auch von mir selbst, das stimmt, aber ich verteidige den christlichen Glauben durchaus immer wieder. Immer öfter hab ich aber das Gefühl, dass es nichts bringt, weil das Gegenüber nicht hören möchte, was man sagt, z.B. in der Abtreibungsdebatte, in der die Fronten dermaßen verhärtet sind, dass eine Diskussion meistens nichts bringt. Das Problem in der Sache der sich häufenden Kirchenschändungen bin aber nicht ich als Einzelperson, sondern die offiziellen Vertreter der Kirche, die nicht laut genug protestieren! Es wäre ihre ureigenste Aufgabe. Die Vertreter des Judentums oder des Islams würden ganz anders reagieren.

    Ich habe z.B. in der Sache der Johanneskirche noch kein Statement eines hochrangigen Vertreters der Kirche gesehen. Ob die Medien dann was darüber berichten, erscheint Ermessenssache. In der Süddeutschen Zeitung steht z.B. nichts, nur wenn man konkret danach sucht, findet man unter ferner liefen die dpa-Meldung. Wenn ein derartiger Anschlag auf eine Synagoge oder Moschee erfolgen würde, würden alle Medien im Land rauf und runter darüber berichten. Die Kirche müsste viel mehr Dampf machen.

    Ich glaube, Heimdall meint einen Aufschrei vonseiten der christlichen Gemeinde und der offiziellen Kirche, der bei ähnlichen Kirchenschändungen in der jüngeren Vergangenheit (die immer mehr zu werden scheinen) meistens ausgeblieben ist. Ich habe als gläubiger Christ zunehmend den Eindruck, dass wir uns nur noch in der Defensive befinden und uns nicht mehr trauen, unsere Botschaft und unsere gesellschaftliche Stellung öffentlich zu verteidigen. Die christliche Kirche, und damit meine ich nicht die "hohen Herrn", sondern die christlichen Gläubigen in ihrem Kern, wird ständig von allen Seiten unter Beschuss genommen und ihre Werte als reaktionär und nicht mehr zeitgemäß torpediert. Wahrscheinlich aus Angst, noch stärker als rückständig dazustehen und noch mehr an Relevanz zu verlieren, trauen sich die Vertreter der Kirche immer seltener, für den Glauben Christi öffentlich einzustehen. Das macht aus der Kirche ein leichtes Opfer.

    Das Schneckerl ist für mich noch am erträglichsten, weil es sich durch die geschwungene Form angenehmer in den Platz einfügt und weil auch das Geländer recht filigran ist; trotzdem wär's am besten, wenn die Operngarage einfach stillgelegt werden würde, da geb ich Mandorin und dem Brunnenbuberl recht. Ich glaube im übrigen, dass diese Variante gar nicht so unwahrscheinlich ist - solange die 2. Stammstrecke nicht fertig ist, hat es keinen Sinn, dort irgendetwas zu machen und wenn diese dann in wahrscheinlich 10 Jahren fertig sein wird, wird die Zeit für Autos in der Innenstadt noch mehr abgelaufen sein als jetzt schon und man wird nicht mehr viel Geld in eine neue Zufahrt plus Sanierung der alten Garage stecken wollen.

    Sehr interessant auch, dass in zwei verschiedenen Wohnungen die Staubsauger genau den gleichen Platz haben und beide nicht runtergefallen sind ;-)

    Da ist doch ein Logikfehler? Was interessieren die Meinungen der Mieter, die Hausbesitzer sind entscheidend. Sind diese Heimatverbunden, sich der Geschichte bewusst und der Qualität der eigenen Stadt, dann werden sie ihren Besitz nicht leichtfertig einreißen.

    Leider scheinen viele Hausbesitzer aber auch überwiegend profitorientiert zu sein... nicht wenige solcher Mietshäuser gehören außerdem großen Firmen, die meistens eher wenig Wert auf Ortsverbundenheit und Tradition legen. Unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit lohnt es sich halt oft nicht, einen heruntergekommenen Gründerzeitler in fragwürdiger Umgebung zu sanieren oder gar zu restuckieren - diejenigen Mieter, die aufgrund einer schönen Fassade sehr viel mehr Miete zahlen würden, möchten dann auch in einer dementsprechend schönen Umgebung wohnen. Den meisten Mietern ist die Fassade aber ziemlich egal, sie möchten einfach bezahlbaren Wohnraum. Für den Eigentümer lohnt es sich also viel eher, den Altbau abzureißen und einen Neubau mit 1, 2 Etagen mehr hinzubauen, womit er wesentlich mehr vermietbare Fläche hat, als kostspielig einen Altbau zu sanieren. Von daher bestimmt der Massengeschmack durchaus bauliche Entscheidungen der Eigentümer.


    Edit: hatte nicht bemerkt, dass Andreas bereits in ähnlichem Sinne geantwortet hat.

    Ich glaube, die traurige Wahrheit ist eher, dass es außerhalb unserer Blase hier immer weniger Leute interessiert, welche Architektur in den Städten steht und ob sie in einem Neu- oder Altbau wohnen... gerade Innenstädte werden immer mehr als "Servicezentren" wahrgenommen, bei denen Ästhetik ziemlich egal ist und nur das Angebot zählt und auch das eigene Wohnumfeld wird überwiegend unter funktionellen und egoistischen Aspekten beurteilt - Hauptsache man selbst hat viel Wohnfläche und einen uneinsehbaren Garten, der Rest ist egal. Die meiste Zeit verbringt man eh digital oder man macht Sport (überspitzt gesagt).

    Mir wäre selbstverständlich auch die Rekonstruktion des Vorkriegsbahnhofs am liebsten gewesen, der mit seiner italienisch-romanischen Anmutung wirklich etwas Besonderes war und so etwas wie Reisesehnsucht ausdrückte... herrlich! Die Ruine hätte nie abgerissen werden dürfen. Aber man wollte nach dem Krieg leider bewusst ein modernes, zeitgemäßes Entrée für die Stadt errichten...

    Als vor 20 Jahren der Neubau des Hauptbahnhofs zur Debatte stand, haben Helmut Bauer, damals Vertreter des Münchner Stadtmuseums, und Peter Gauweiler, damals ein hohes Tier in der CSU, eine Rekonstruktion oder zumindest ein Zitat der Bürkleinschen Fassade sogar vorgeschlagen und sich eine Zeitlang dafür eingesetzt. Aber so eine Rekonstruktion eines historischen Bahnhofs als Hauptbahnhof einer Großstadt ist von der Deutschen Bahm und den maßgeblichen Authoritäten leider völllig unerwünscht, erstens wegen des wirtschaftlichen Interesses der Deutschen Bahn, möglichst viel Fläche zum Vermieten zu haben und zweitens weil man auch jetzt wieder ein "modernes, zukunftsweisendes Entrée" für die Stadt des 21. Jahrhunderts anstrebt. Dass das architektonische Resultat leider vollkommen gesichtslos wird und nichts mit der Stadt München zu tun hat ist den Herrschaften egal, Hauptsache modern und "fortschrittlich". Aber wie gesagt, nach dem Krieg hat man sich genauso entschieden, die Zeiten, in denen die Kunstpolitik eines Monarchen bestimmen konnte, was wo wie gebaut wird, sind lange vorbei.

    Trotzdem wird der neue Hauptbahnhof zumindest etwas ansehnlicher werden als der bisherige, einfach weil der bisherige seit Jahrzehnten total versifft und als Entrée schon lange nicht mehr zu verantworten war. Wahrscheinlich wird aber der neue in ein paar Jahrzehnten ähnlich versifft sein, weil man diese riesigen Glasflächen anscheinend nicht wirklich sauber machen kann...

    Ja, wenn überhaupt, dann passiert da erst nach Fertigstellung der 2. Stammstrecke etwas. Soweit ich von einem Mitarbeiter des Baureferats weiß, hat sich das Denkmalschutzamt definitiv gegen Variante A gesperrt, die ja im unmittelbaren Umfeld der Alten Münze, dem Sitz des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, liegen würde. Auch die anderen Varianten sind problematisch. Ich finde ehrlich gesagt die jetzige Lösung mit der Schnecke gar nicht so unelegant, mir wäre am liebsten, man würde es dabei belassen.

    Bei der neubarocken Staatsbank von 1894 (Entwurf: Albert Schmidt) steht nur die Fassade unter Denkmalschutz

    Nicht ganz, da gibt es noch das Vestibül und das Stiegenhaus, welche ebenfalls unter Denkmalschutz stehen:


    altebayerischestaatsblzknz.jpg


    altebayerischestaatsbg2j25.jpg


    altebayerischestaatsbiqjtp.jpg


    altebayerischestaatsbg5jj8.jpg


    altebayerischestaatsbhkkd8.jpg


    Bessere Fotos davon hab ich leider nicht, ich hab sie damals mit dem Handy gemacht. Von der eigentlichen Treppe weiter oben hab ich gar keine Fotos, diese ist aber auch nicht mehr so spektakulär. Wollen wir mal hoffen, dass dieser Bereich den Umbau schadlos überstehen wird.


    beim Rokoko-Palais von 1745 (Entwurf: Francois de Cuvillies d. Ä.) dagegen das ganze Gebäude

    Im Krieg blieb ja nur die Fassade stehen, diese wurde dann neu hinterbaut (meines Erachtens auch recht geschmackvoll, vor allem den Innenhof hab ich als recht hübsch in Erinnerung); es würde mich sehr wundern, wenn dieser Nachkriegsbau unter Denkmalschutz stehen würde... woher hast Du das? Würde mich nur interessieren.


    Ansonsten ist die Fassadenänderung beim Neubau Prannerstraße 4 ein absolutes Ärgernis und eine echte Frechheit... das ist eigentlich Betrug, zuerst den Wettbewerb mit einer gewissen Fassade zu gewinnen und dann eine andere zu bauen!