Posts by Leonhard

    Du hast sicher in allem grundsätzlich recht und vielleicht überschätze ich auch das Gewicht eines Stadtbaurats, dennoch möchte ich behaupten, dass ein Stadtbaurat als Chef des Referats für Stadtplanung und Bauordnung einen gehörigen Einfluss auf eben diese Stadtplanung hat. Ich wollte nur festhalten, dass Frau Merk sich meines Wissens in fast allen Fällen gegen traditionelle und für moderne Architektur ausgesprochen hat.


    Bzgl. Zusammensetzung der Stadtgestaltungskommission: es stimmt, dass von den derzeit 27 Mitgliedern 10 freiberufliche Architekten sind, die auf Empfehlung der Bayerischen Architektenkammer durch den Stadtrat bestimmt werden. Frau Merk hat aber in einer Anfrage zur Zusammensetzung der Stadtgestaltungskommission präzisiert: "Die zehn freiberuflichen Architektinnen/ Architekten werden aufgrund der Vorschläge, die mein Referat in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Architektenkammer ausarbeitet, vom Stadtrat berufen." Aha, soviel zur Unabhängigkeit.

    Dann gibt es noch 4 Mitglieder aus nichtstädtischen Behörden wie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege oder der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Der Rest kommt eindeutig aus städtischen Behörden und Gefilden, was eine Einflussnahme durch das Baureferat und den Stadtbaurat wiederum möglich macht. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass die Stadträte und anderen Referenten, die als Mitglieder in die Stadtgestaltungskommission berufen werden und nicht immer vom Baufach sind, die Meinung der Stadtbaurätin durchaus konsultieren, bevor sie sich entscheiden, das wäre doch nur allzu natürlich. Ich kann dies natürlich nicht beweisen, aber angesichts der nahezu stetigen Übereinstimmung der veröffentlichten Meinungen von Frau Merk und der Empfehlungen der Stadtgestaltungskommission komme ich nicht umhin, hier einen gewissen Verdacht zu schöpfen.

    Ich gebe aber zu, dass die von mir im vorigen Beitrag zitierten Fälle (mit Ausnahme der Casa Don Bosco) natürlich eine Art "Flurfunk" darstellen, da hast du schon recht, ich hab das nur aus zweiter Hand (allerdings schon von mehreren Personen), ich bin ja kein Mitglied des Baureferats oder der Stadtgestaltungskommission. Wer weiß.


    Dass die Stadtgestaltungskommission keine rechtliche Handhabe hat, Baurecht auszusprechen oder zu entziehen, ist mir bekannt, aber das ist doch bitteschön kein Argument: natürlich werden sich die meisten Bauherrn den Empfehlungen der Stadtgestaltungskommission beugen, weil sich kaum jemand auf den langen Kampf mit den Behörden einlassen wird, der nur Zeit und Geld kostet. Natürlich haben die Empfehlungen der Gestaltungskommission eine große Außenwirkung! In wie vielen Fällen wird denn die Lokalbaukommission eine Baugenehmigung gegen die Empfehlung der Gestaltungskommission erteilen? Vor allem weil vonseiten der Gestaltungskommission ja immer mit so schönen Schlagworten wie "zeitgemäß", "zukunftsorientiert", "offen" etc. argumentiert wird und traditionelle Projekte als "rückwärtsgewandt" und "provinziell" und noch Schlimmeres abgestempelt werden. Welche Stadt möchte denn heutzutage gerne in so einem Licht dastehen? Ist Dir denn ein Fall im Zentrum Münchens bekannt, in dem sich ein Bauherr den Empfehlungen der Stadtgestaltungskommission widersetzt hätte und seinen Entwurf durchgeboxt hätte?

    Der von mir zitierte Fall der Casa Don Bosco ist nicht im Zentrum, sondern ziemlich in der Peripherie und wäre normalerweise niemals ein Fall für die Stadtgestaltungskommission gewesen, die sich laut Statuten nur mit Projekten beschäftigt, die "von übergeordneter Bedeutung für die Stadtgestaltung" sind und "das Stadtbild erheblich beeinflussen". Das ist bei der Casa Don Bosco überhaupt nicht der Fall, in die Gegend kommt kaum jemand, der nicht dort wohnt. Der Fall wurde laut Architekt nur deshalb vor die Stadtgestaltungskommission gezerrt, weil es sich eben um eine Art Rekonstruktion der Vorkriegsfassade handelte und Frau Merk eine moderne Fassade haben wollte. Das Verhalten der Kommission war seinem Erleben nach außerdem ziemlich abweisend und unfreundlich, so dass ein sich Widersetzen gehörige Kraft kostete.


    Mit einem Stadtbaurat, der erstens selbst traditionellere Projekte unterstützen und zweitens sich dafür einsetzen würde, traditionsaffinere Mitglieder in die Gestaltungskommission einzuladen, könnte man sicher mehr in unserem Sinne erreichen. Tutto qua il discorso.

    Frau Merk hat nicht den Einfluss einen Entwurf im Alleingang durchzusetzen - den hat niemand. Das ist an dutzenden Wettbewerbsentscheidungen, deren Sitzungsprotokolle veröffentlicht wurden, nachzuvollziehen. Die Wettbewerbsjury bestimmte drei ranggleiche Preisträger, Familie Geisel konnte unter diesen auswählen (auf die städtische Entscheidung muss ja eine privatwirtschaftliche folgen).

    Das stimmt schon grundsätzlich, nur hat ihre Meinung als Stadtbaurätin natürlich trotzdem großen Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Gestaltungskommission - so eine Entscheidung einer Jury kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern es finden Vorgespräche statt, es werden gewisse Architekten eingeladen, sich am Wettbewerb zu beteiligen und es werden Meinungen sondiert... ich glaube, wir können uns alle vorstellen, wie so etwas funktioniert, gerade in München ;-) Als Stadtbaurätin hat sie sicher auch ein gewichtiges Wörterl mitzureden, wie die Stadtgestaltungskommission überhaupt zusammengesetzt wird und sie gibt schon ein bisschen die Richtung vor.

    Die drei Wettbewerbssieger im Falle des Königshofs waren übrigens allesamt modern (wenn auch die zwei anderen Entwürfe etwas konventioneller waren), da war für den Eigentümer keine Möglichkeit, einen traditionellen Entwurf auszuwählen... aber ich hab das nur aus zweiter Hand, ich kann die Geschehnisse um den Bau des neuen Königshofs nicht wirklich sicher bezeugen.

    Ich weiß außerdem aus mehreren Fällen, dass Frau Merk sich klar gegen traditionelle oder historisierende Entwürfe ausgesprochen hat, so z.B. im Fall der Casa Don Bosco in der Au, bei der sowohl Bauherr als auch Architekt einen historisierenden Entwurf in Anlehnung an die im Krieg zerstörte Fassade wollten und von Frau Merk aufgefordert wurden, stattdessen einen zeitgemäßen, moderneren Entwurf zu liefern, weil der vorgelegte Entwurf zu "historisierend" sei. Aufgrund des starken Protests des Bauherrn konnte die historisierende Fassade dann aber doch durchgesetzt werden. Ich weiß dies vom Architekten selber.

    Das gleiche (allerdings mit negativem Ausgang) ist vor kurzem beim auch hier diskutierten Fall des etwas klassischeren Entwurfs zu einem Neubau in der Nähe des Goetheplatzes geschehen, ebenso wie in einigen anderen Fällen, die nicht immer an die Öffentlichkeit gelangt sind (Augustiner Klosterwirt am Dom z.B...).

    Auch im Falle des Erweiterungsbaus des Mandarin Oriental hat sich Frau Merk anfänglich für den ultramodernen Entwurf von Nieto & Sobejano, der ja schließlich auch den 1. Platz beim Wettbewerb gewonnen hat, stark gemacht, bevor dann aus Ensembleschutzgründen das Denkmalamt dagegen protestiert hat und ein klassischerer Entwurf von Hild & K zum Zuge kam. Jetzt tut sie so erfreut, dass hier Stadtbildreparatur betrieben wird, ursprünglich war sie aber dagegen.

    Frau Merk hat sich außerdem öffentlich für die Anerkennung des Denkmalschutzstatus' für den Kaufhof am Marienplatz ausgesprochen! Da fehlen einem die Worte...


    Man kann also, denke ich, ganz sicher behaupten, dass sie keine Befürworterin von traditioneller Architektur oder Rekonstruktion ist.

    Der Ortsverband München von Stadtbild Deutschland und die Altstadtfreunde München haben sich länger darum bemüht, mal einen persönlichen Termin bei ihr zu bekommen, was sie zwar grundsätzlich zugesagt, dann aber immer wieder verschoben hat, so dass dieser letztendlich nie zustande gekommen ist. Sie mag zuerst einmal sicher nett und freundlich sein, nur was nützt alle Freundlichkeit, wenn diese unverbindlich bleibt?

    Ich glaube schon, dass bei einer anderen Besetzung dieses Postens eine größere Aufgeschlossenheit bzgl. traditionellem Bauen möglich wäre und diese auch einen gewissen Einfluss auf Bauherrn, Architekten und die Gestaltungskommission hätte. Frau Merk hat in ihrer langen Amtszeit auf jeden Fall sehr wenig für Stadtbildreparatur getan und sich des öfteren gegen historisierendes Bauen ausgesprochen, das bleibt festzuhalten.


    Dass die Bauaufgabe an der Stelle des Königshofs eher undankbar ist, sehe ich auch so; mir hat auch der alte Königshof vor dem Krieg nicht sonderlich zugesagt, da gebe ich dir recht. Eine zentralere Position des Justizpalasts an dieser Stelle wäre sicherlich prächtiger :-)

    Tatsächlich? Ich meine mich an Aussagen zu erinnern, in denen man sich ganz berauscht gezeigt hat, wie zukunftsträchtig und modern das alles wird...

    Ich hatte das auch so in Erinnerung, das stand auch so in der Zeitung; ich hab aber von jemandem, der hinter die Kulissen schauen konnte, gehört, dass dem nicht so war, sondern dass Frau Merk das unbedingt wollte...

    Durch den nunmehr fertiggestellten Abriss des Parkhauses zwischen Hochbrückenstraße und Hildegardstraße für den Neubau der beiden Erweiterungshäuser des Hotels Mandarin Oriental ergeben sich jetzt völlig neue und ungewohnte Anblicke, es ist ein riesiger Platz entstanden. Dort, wo vor kurzem noch der dunkle Klotz des Parkhauses stand, ist jetzt der Blick frei auf die nördliche und östliche Bebauung.

    Das ganze Bauareal wird zwar durch einen recht hohen Holzzaun abgeschirmt, ein bisserl kann man aber schon drüberschauen.

    Hier einige Eindrücke von heute.


    Blick von der Hochbrückenstraße Richtung Nordosten zur Hildegardstraße, links mit dem Rundturm das Hotel Mandarin Oriental:


    IMG_2825.jpg


    Rechts hinter den Bäumen versteckt die Herrnschule:


    IMG_2829.jpg


    Blick aus der entgegengesetzten Richtung, links Herrnschule, rechts Mandarin Oriental:


    IMG_2832.jpg


    Das Mandarin Oriental, ein großer sechsgeschoßiger Bau von 1876-80, wurde bisher durch das Parkhaus sehr bedrängt, so dass man es aus der engen Straße heraus kaum fotografieren konnte; jetzt ist es zum ersten Mal seit langem wieder freigestellt:


    IMG_2830.jpg


    Blick auf die Ostseite, rechts wieder die Herrnschule:


    IMG_2834.jpg


    IMG_2836.jpg


    Sehr interessante neue Blicke wie ich finde!


    Der geplante Neubau dürfte auch eher erfreulich werden, hier ein Modell der beiden geplanten Häuser:

    https://tomundhilde.de/hilde-stadthaeuser#p189

    https://www.hildundk.de/daumen-hoch/


    Außerdem hab ich noch zwei interessante Visualisierungen gefunden, von denen ich allerdings nicht weiß, wie aktuell sie noch ist (die beiden häßlichen Brücken sollen glaube ich inzwischen durch unterirdische Gänge ersetzt werden):


    1489052282-mandarin4.jpg


    1489052282-mandarin2.jpg


    Alles in allem scheint es eine richtige Stadtreparatur und deutliche Aufwertung des Graggenauer Viertels der Münchner Altstadt zu werden!

    Soweit ich weiß, wollten die Eigentümer des Hotels Königshof sogar eigentlich einen traditionelleren Neubau, aber die Stadtbaurätin Elisabeth Merk hat dann einen ultramodernen Bau durchgesetzt... so soll's mal ausschauen: https://www.koenigshof-hotel.de

    Auch beim Erweiterungsbau des Mandarin Oriental an der Hildegardstraße wollte sie ein Projekt ihrer Spezln Nieto & Sobejano (die auch schon den obigen Königshof entworfen haben) verwirklichen, aber da hat ihr wundersamerweise das Münchner Denkmalschutzamt einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass schließlich ein wesentlich klassischerer Entwurf von Hild & K zum Tragen kommt...

    Auf jeden Fall werde ich ein gutes Glaserl Wein trinken, wenn die gute Frau mal in Pension geht...

    Jaja, ich finde den Bau auch passend, gerade für die teilweise industrie- und fabrikgeprägten Vorstädte ist das doch wunderbar.

    Na ja, in München gab es zu allen Zeiten ein klares Übergewicht an verputzten Häusern, vom Mittelalter im Grunde bis heute, das war die klar dominierende Bauweise nicht nur in München, sondern im ganzen bayerischen, österreichischen und böhmischen Raum. In ganz alter Zeit dürfte es bis auf die paar Kirchen wie Frauenkirche, Salvatorkirche und Allerheiligenkirche am Kreuz gar keine unverputzten Häuser gegeben haben, ich kann mich nicht entsinnen, in alten Ansichten jemals ein Altmünchner Bürgerhaus oder Adelspalais (d.h. vor dem 19. Jh) gesehen zu haben, welches unverputzt gewesen wäre. Kirchen würde ich in dieser Frage generell außen vorlassen, weil das immer eine besondere Bauaufgabe war, die mit dem Profanbau wenig zu tun hatte.

    Es ist zwar richtig, dass vor allem im Maximilianstil zur Mitte des 19. Jhs gerne unverputzte Ziegelfassaden verwendet wurden, aber auch dort geschah das nicht in der Mehrzahl, z.B. gibt es in der ganzen Maximilianstraße kein einziges ziegelsichtiges Haus. Ich würde auch sagen, dass die ziegelsichtigen Fassaden in der Maximilianzeit eher für Nutzgebäude wie Kasernen, Bahnhöfe oder Krankenhäuser verwendet wurden, nicht für normale Hausfassaden.

    In der Gründerzeit kam es sicher auch des öfteren vor, dass man Teile der Fassaden ziegelsichtig ließ, aber selten bis gar nicht betraf das komplette Fassaden; auch hier war die Mehrzahl verputzt. Auch in der Wiederaufbauzeit nach dem 2. Weltkrieg hat man in großer Mehrzahl verputzte Häuser gebaut, das hatte Meitinger in Anlehnung an die jahrhundertelange Tradition in seiner Schrift zum Wiederaufbau 1946 auch so vorgeschlagen.

    Von daher kann man schon sagen, dass unverputzte, ziegelsichtige Fassaden für München lange Zeit untypisch waren. Das heißt aber natürlich nicht, dass solche heutzutage abzulehnen wären, es ist bloß nicht typisch "münchnerisch", da hat Heimdall schon recht.

    Der Radius der Bänke scheint groß genug, dass insbesondere auf der Innenseite geschlafen werden kann, das wäre zu testen

    Ich hab Gott sei Dank schon eine überdachte Schlafgelegenheit, könnten vielleicht Sie den Test durchführen und hier eine kurze Rückmeldung bzgl. des Komforts geben? Das wäre für die weniger privilegierte Allgemeinheit sicher hilfreich zu wissen ;-)


    Schmähohne: diese schmalen Querlatten aus Holz mit den vielen, recht großen Abständen dazwischen sind im Moment einfach in Mode, man sieht das auf dem oberbayerischen Land in den letzten Jahren recht häufig, vor allem bei Garagen oder Holzschupfen, die bewusst moderner wirken sollen. Mir gefällt das an sich auch nicht wirklich, aber es gibt definitiv schlimmere Sachen. Gusseiserne Bänke mit breiteren (und dunkleren) Holzbrettern zum Sitzen wären im klassisch geprägten Umfeld am Siegestor sicher schöner gewesen.

    Vielen Dank für das tolle Resümee, da sind sehr schöne Projekte dabei!

    Dein Link zum Johannisplatz funktioniert leider nicht, deshalb hier nochmal der Link zur Visualisierung:

    https://www.legat-living.de/as…ohannisplatz-54b43afb.jpg


    Zum Neubau in der Friedrichstraße in Schwabing hab ich vor geraumer Zeit mal Fotos gemacht: https://arch.pictures/forum/in…&postID=333881#post333881

    Bei diesem an sich sehr noblen Neubau fällt allerdings die Gedrungenheit aufgrund der zu vielen Etagen bei nicht ausreichender Traufhöhe unangenehm auf (das leidige Diktat der maximalen Wirtschaftlichkeit...)


    Dann ein weiterer nicht uninteressanter Neubau in der Türkenstraße 9 in der Maxvorstadt:

    https://arch.pictures/forum/in…&postID=318635#post318635


    Fasaneriestraße 14 in Neuhausen:

    https://arch.pictures/forum/in…&postID=321297#post321297


    Dann der schon länger fertiggestellte Neubau St.-Anna-Straße 16 im Lehel:

    https://arch.pictures/forum/in…&postID=316424#post316424


    Insgesamt gibt es in München in den letzten Jahren durchaus einige im klassischen Sinne attraktivere Neubauten, auch wenn diese natürlich weiterhin die Ausnahme darstellen. Dass dies alles im gehobenen Preissegment stattfindet, ist in München völlig logisch und macht wahrscheinlich keinen riesigen Unterschied, da hier alles ein bisserl teurer ist ;-)

    Es gibt die großartige Website wienschauen.at, die sich für den Erhalt der alten Bausubstanz Wiens einsetzt und die einen umfassenden Überblick über die aktuellen architektonischen und städtebaulichen Geschehnisse Wiens bietet.

    Die Fassadengliederung ist natürlich der italienischen Renaissance entlehnt, aber die römischen Barockfassaden bauen ja auch auf der Renaissance auf und entwickeln diese weiter, da ist kein fundamentaler Unterschied. Muschelrosetten an italienischen Renaissancefassaden sind mir nicht bekannt, an welche denkst du da?

    Meiner Meinung nach die erste Fassade neobarock aufgrund der Muschelfüllungen der Fensterverdachungen sowie der Pilaster mit Kompositkapitellen (ich kann allerdings die genaue Natur des Kapitells wegen mangelnder Schärfe nicht genau erkennen) und die zweite Fassade klassizistisch.

    Ich wünschte, ich wäre so bescheiden wie Du ;-) in München fehlt so viel, dass man nur traurig sein kann... und gerade weil man nach dem Krieg so vieles wiederaufgebaut hat, fallen einem an allen Ecken und Enden höchst unschöne Kontraste auf.

    Bzgl. Odeon hab ich in meiner Ludwigstraßengalerie einiges darüber geschrieben, eine Rekonstruktion des Saales geht leider schon aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht, außerdem ist da seit dem Krieg ein Staatsministerium drin. Sehr schade, aber auf absehbare Zeit nicht zu ändern.

    Weil man davon nicht genügend Fotomaterial besitzt, genau genommen nur das eine bekannte Foto, welches die Treppe frontal zeigt und auf dem nur ein kleiner Teil des Gewölbes zu sehen ist (dieses Foto ist auch im Video zu sehen); man hätte also einen großen Teil der Stuckornamentik erfinden müssen.

    Außerdem: da es an den Wänden des Treppenschachts noch etwas Originalsubstanz in Form von Stuckmarmor und einigen Stuckfriesen gab, entschloss man sich, diesen Teil der gelben Treppe allgemein nur als Teilrekonstruktion auszuführen, d.h. die ergänzten von den original erhaltenen Elementen sichtbar abzusetzen (von daher wurde der original erhaltene Stuckmarmor an den Seitenwänden nicht mit neuem Stuckmarmor, sondern mit einfacher Wandfarbe ergänzt). Infolge dieser Entscheidung hielt man es dann auch für vertretbar, die Stuckornamente im Gewölbe nur vereinfacht zu rekonstruieren. Man kann darüber sicher geteilter Meinung sein, aber die Entscheidung ist somit zumindest nachvollziehbar, denke ich.

    Ich hoffe auch, dass sich die Schäden in der Damenstiftkirche in Grenzen halten... soweit ich weiß, müssen genauere Untersuchungen erst noch stattfinden. Die tridentinischen Messen finden derweil in der nahegelegenen Allerheiligenkirche am Kreuz statt.