Posts by Leonhard

    Wenn man sich die sehr detailliert zusammengestellte Chronik von Gustav Dinger durchliest, erfährt man aber zumindest, dass sich das Landesamt für Denkmalpflege inkl. Herrn Pfeil ungewohnt intensiv für den Erhalt der beiden Häuser eingesetzt und alles versucht hat, den Abriss zu verhindern. Anscheinend wollte aber die Stadt Donauwörth unbedingt einen Neubau und hat rechtswidrig den Abriss eines der ältesten Bürgerhäuser Bayerns durchgesetzt, das ist schon krass. Daran sieht man mal wieder, wie wenig wirkliche Macht der Denkmalschutz hat...

    Noch eine Bemerkung zum alten grünen Haus: was war das bitte für ein häßlicher Balkon?! Sowas hab ich an einem alten Haus selten gesehen.

    Etwas themenfremd, aber es muss hier lobend erwähnt werden: die Umbenennung von Brotscheibe in "Herr Vorragend" mit dem gleichzeitigen Profilbild eines vorstehenden Habsburgerkinns ist überraschend witzig, das hätte ich Dir kaum zugetraut - chapeau!

    Von der Kapelle vom St.-Martin-Spital hab ich ein paar (bescheidene) Fotos von einer Führung vor ein paar Jahren, also vor dem Umbau. Die Kapelle war damals schon seit vielen Jahren (laut Wikipedia seit 1988) wegen Baufälligkeit geschlossen, man durfte aber zu besonderen Gelegenheiten hinein. Was mich ein bissl stutzig macht, ist die Ankündigung, dass diese profanierte, aber vollständig erhaltene neobarocke Kapelle laut muenchen.de "künftig mit Bühnentechnik und Soundanlage für Vereine im Viertel als Veranstaltungsraum mietbar sein wird". Ich kann mir kaum vorstellen, wie man diese Gerätschaften in der denkmalgeschützten Kapelle unterbringen möchte, ohne massiv in die Ausstattung einzugreifen.

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    Wie man sieht, besitzt die Kapelle eine sehr hochwertige Ausstattung, gerade im Hinblick darauf, dass es sich lediglich um eine Spitalkapelle handelt. Der Altar und die Kanzel sind sogar original barock, der Altar stammt aus der Kaufbeurer St. Martins-Kapelle, die Kanzel aus der Ampfinger Stadtpfarrkirche. Ursprünglich besaß die Kapelle auch ein Kuppelfresko, das aber im Weltkrieg zerstört und nachher nicht mehr wiederhergestellt wurde. Die Fenster waren hingegen ursprünglich einfach verglast und mit weißen Vorhängen versehen, die heutigen bunten Glasfenster mit Heiligendarstellungen wurden erst 1947 eingesetzt.

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    Dann hab ich noch zwei Fotos vom schönen Innenhof mit dem großen Kruzifix:

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    Die Verherrlichung gründerzeitlicher Dutzendware (von Schrott würd ich in diesem Fall ja nicht sprechen) feiert gerade im Brünn-Strang fröhliche Urständ.

    Ursus, jetzt langt es aber. Es steht Dir nicht zu, diese apodiktischen Urteile zu sprechen, dafür ist Dein eigener Geschmack oft viel zu bizarr und Deine Urteile oft viel zu einseitig. Es ist völlig in Ordnung, einen teilweise komischen Geschmack zu haben, aber man sollte sich dann in der Beurteilung von anderen Geschmäckern schon ein bisserl zurückhalten können. Der Beethoven unter den Kunstverständigen bist Du wahrlich nicht.

    Wie gesagt ist natürlich zu akzeptieren, dass die Geschmäcker verschieden sind und es wenig Sinn hat, sich darüber zu streiten, aber die von Dir gezeigten Beispiele gefallen Dir vielleicht gerade deshalb so gut, weil es sie in Österreich kaum gibt und sie für Dich etwas exotisch-attraktives darstellen. Umgekehrt gefallen mir und manch anderem "Reichsdeutschen" der k.u.k. Stil wahrscheinlich deswegen so gut, weil wir wiederum sowas weniger haben. Ich persönlich kann mit der deutschen Neorenaissance eher wenig anfangen, dazu bin ich zu italienisch geprägt, mir gefallen diese vielen, auf kleiner Fläche verteilten Giebel, Türmchen und Erker nicht so besonders. Für mich ist tatsächlich Wien immer einer der absoluten Maßstäbe in Sachen Historismus gewesen: prachtvoll, groß, elegant und mondän, aber meistens auch nobel und ausgeglichen, ohne allzu große geschmackliche Entgleisungen. So ist halt jeder anders.

    Ich hab durchaus schon von Görlitz gehört, war zwar selber leider noch nicht dort, habe aber viele Fotos davon gesehen, auch hier im Forum. Ich habe auch viele Galerien von anderen Städten in Ostdeutschland gesehen und bin mir bewusst, dass es dort noch viel mehr geschlossene Gründerzeit als im Westen gibt. Aber: meine Aussage bezog sich ausschließlich auf die von Mantikor gezeigten Fotos in Beitrag #26 und ich kann mich nicht erinnern, von Görlitz viele ähnlich beeindruckende Zinshauspaläste wie in diesem einen Beitrag gesehen zu haben, ehrlich gesagt überhaupt keine. Ich finde nicht, dass das neobarocke und das Jugendstil-Zinshaus "müder Abklatsch" sind, diese wären auch in Wien erstklassig - nochmal, wir reden hier von Wohnhäusern und nicht von Monumentalbauten. Dass es in der CR noch viele andere solcher Ensembles gibt, sei unbestritten, ändert aber nichts daran, dass solche Paläste wie diese beiden in dieser Größe, Gestaltung und Opulenz in D. incl. Ostdeutschland eher selten sind. Die meisten Zinshäuser in Görlitz - bei aller Anerkennung - sind kleiner und "provinzieller" und haben mitnichten diese großstädtische Eleganz wie die beiden Beispiele in Beitrag 26. Das kannst Du doch nicht abstreiten.

    Ursus, erstens geht es hier nicht um eine Gesamtbeurteilung des Brünner Stadtbildes, sondern um die gezeigten gründerzeitlichen Zinshäuser. Zweitens weiß ich zwar, dass die Geschmäcker verschieden sind, aber es kommt mir schon vor, dass Du Dich an den Wiener Spielarten des Historismus einfach sattgesehen hast und diesen deshalb ungerecht bewertest. Ich finde diese Brünner Beispiele hervorragend, nicht nur das jugendstilige, sondern auch das neobarocke und zwar beide aufgrund ihrer ausgewogenen und gekonnt das Dekorative mit der Architektur vereinenden Pracht und der daraus resultierenden Eleganz und Noblesse. Dazu kommt, dass es nicht einzeln aneinander gereihte verschiedene Fassaden sind, sondern anscheinend ganze einheitlich durchgestaltete Blöcke mit Mittelrisalit und Ecktürmen. Solche Beispiele gibt es in Wien natürlich relativ häufig und genau das macht u.a. für mich die Schönheit der Wiener Gründerzeitviertel aus. Sicherlich hat es auch in Berlin ähnliche Zinshäuser gegeben, aber die Beispiele, die ich hiervon kenne, finde ich meistens überladener, unruhiger und fratzenhafter, während die Wiener Pendants mehr in sich ruhen und zeitloser sind. Was wären denn Beispiele in Berlin - untergegangen oder noch existierend - die Du so deutlich besser findest?

    Auf jeden Fall gibt und gab es in Deutschland meines Erachtens erstaunlich wenig Beispiele solch gekonnter Zinshauspaläste, da muss man auch in größeren und bedeutenderen Städten als Brünn länger danach suchen, da hat thommystyle absolut recht - vor allem, weil wir ja hier nicht von wichtigen Prachtbauten in der Innenstadt reden wie in der Frankfurter Kaiserstraße, sondern von Wohnhäusern in einem Wohnviertel.

    Wow, sehr beeindruckend! Auch wenn solche Historismus-Bauten letztendlich k.u.k.-Standard sind, findet man so etwas in dieser Größe, dieser Qualität und diesem Erhaltungszustand in Deutschland nur selten - da kann man durchaus neidisch werden...

    Ich habe auf YouTube einen sehr interessanten Beitrag von Arte gefunden, in dem die Problematik der Erhaltung der vielen alten Palazzi Palermos durch die privaten Eigentümer beleuchtet wird; darin sieht man beeindruckende Innenaufnahmen einiger Palazzi, u.a. des Palazzo Gangi-Valguarnera, in dem, wir erinnern uns, die berühmte Ballszene in Viscontis Film "Il gattopardo" gedreht wurde. Dass so ein opulenter Palast auch heute noch von Privatpersonen bewohnt wird, ist fast unvorstellbar. Auch werden einige Palazzi gezeigt, die im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, aber bis heute noch nicht wiederhergestellt wurden - in Deutschland undenkbar (aber wenigstens wurden sie auch nicht abgerissen oder modern verschandelt...).

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    Ich versteh' eh nicht, wieso alljährlich immer wieder die gleiche Diskussion über den Wiederaufbau von Nürnberg oder Würzburg aufflammt, bei der die immer gleichen Leute ihre bereits sattsam bekannten Positionen austauschen... das ganze wurde hier im Forum doch bereits endlos durchgekaut und bringt garantiert keine neuen Erkenntnisse zutage.

    Das alte Nürnberg ist unwiderruflich verloren und das neue Nürnberg ist so, wie es ist; bis auf punktuelle Verbesserungen wird sich da realistischerweise auch nicht mehr viel ändern. Es gibt mit den Altstadtfreunden eine sehr rührige Initiative, die alles tut, was möglich ist, um diese punktuellen Verbesserungen zu erreichen, wer möchte, kann sich dort engagieren. Ansonsten: wem Nürnberg gefällt, der fährt hin, wem nicht, der fährt eben nicht hin. Was für einen Sinn soll es haben, sich immer wieder über die gleichen Grundsatzfragen zu streiten?

    Für Ursus hätte ich einen Vorschlag: eine Woche ausgedehnter Stadtspaziergang in Nürnberg, danach eine Woche ausgedehnter Stadtspaziergang in Würzburg, beides mit Einkehrverbot und ohne Alkohol, und was meinst, wie gut's Dir dann zuhause wieder gefällt, ein Wahnsinn!

    Wie wäre es mit der nach Wien bedeutendsten Musikstadt der Welt?!

    Da wäre Paris nicht ganz einverstanden, denke ich ;) aber natürlich erkenne ich Leipzig als Musikstadt voll an, ich bin schließlich klassischer Pianist und beschäftige mich seit jeher viel vor allem mit Bach, aber auch Mendelssohn und Wagner. Und natürlich hat Leipzig auch viele andere Verdienste, aber ich glaube jetzt nicht, dass Leipzig im 19. und 20. Jh insgesamt soviel über den westdeutschen Städten stand, dass man es im Sinne von Weingeists abenteuerlicher Argumentation verwenden kann. Es gibt auch in westdeutschen Großstädten bedeutende und teilweise alte Universitäten, in Göttingen, Tübingen, Heidelberg, Hamburg, Aachen, München etc. und ich glaube auch nicht, dass die Theater in Leipzig so viel über ihren westdeutschen Pendants stehen wie z.B. in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt oder München. Ich möchte Leipzig nicht im Geringsten seine Meriten absprechen, aber wenn Weingeist u.a. Leipzig als Beispiel für eine so herausragende Stadt bezeichnet, für die es in Westdeutschland kaum ein Pendant gibt, dann muss ich schon widersprechen, denn das stimmt einfach nicht.

    Weingeist Danke für die Aufzählung, aber ich finde, Du siehst das schon mit sehr verklärten Augen bzw. vermischst auch einige Aspekte. Reden wir über das architektonische Erbe, d.h. das was davon nach dem Krieg übriggeblieben ist? Oder über andere Kulturfunktionen wie Musik, Theater, Literatur, Universitäten, Kunstakademien etc.? Dass im Westen viele wichtige Städte schwer zerstört wurden, heißt ja nicht, dass sie nach dem Krieg ihre Kulturfunktionen nicht wieder aufnehmen konnten - und das wurde ja doch größtenteils getan. Und auch wenn es um die übriggebliebene Architektur geht, so stand der Osten zwar sicher insgesamt besser da, aber erstens wurden auch im Osten einige Städte schwer zerstört (z.B. Berlin und Dresden) und zweitens hatten sich auch im Westen einige vielleicht kleinere, aber architektonisch trotzdem bedeutende Städte erhalten wie z.B. Heidelberg, Tübingen, Bamberg, Regensburg, Landshut, Passau, um nur mal ein paar aus Süddeutschland zu nennen. Hamburg hatte sich im Zentrum recht gut erhalten, Lübeck war auch kein Totalschaden, München wurde zum Teil ziemlich gut wiederhergestellt (zum Teil aber auch nicht). Ich glaube nicht, dass das so wenig ist. Die kulturelle Bedeutung Berlins nach dem Krieg war meines Erachtens auch zu einem großen Teil dem westlichen Teil geschuldet (z.B. Berliner Philharmoniker). Und an die kulturelle Bedeutung Münchens mit all seinen Museen, Schlössern, Kirchen, Theatern, Universitäten, Orchestern, Kunstakademie etc. kam nach dem Krieg auch kaum eine Stadt in D. heran, egal ob Ost oder West. Leipzig war vor dem Krieg sicher die bedeutendste Messe- und Verlagsstadt und hatte das Gewandhausorchester und vielleicht noch ein paar andere Sachen, aber darüber hinaus? Mit Verlaub, aber das ist niemals eine komplette Kulturstadt mit allem Drum an Dran wie Berlin, Dresden, München oder Wien gewesen.

    Über dieses sicher sehr interessante Thema könnte man lange diskutieren, aber wie ich schon gesagt habe, finde ich, dass Du den Osten sehr verklärst, diese Deine These ist so nicht zu halten.

    Hm, echt? Aber komm, du glaubst doch wohl nicht, dass einer die Nachkriegsbauten abreisst um dort wieder einige der Münchner Palais wiederzuerrichten.

    Ich finde, man sollte dankbar sein für das, was zumindest dort erreicht worden ist....

    Ich glaube realistischerweise auch nicht daran, dass einer die ganze Theatinerstraße abreißt und die alten Palais rekonstruiert, aber abgerissen werden einige der Nachkriegsbauten schon immer mal wieder und durch etwas Neues ersetzt, so geschehen erst vor kurzem zwei Häuser südlich vom Palais Preysing, wo ein häßliches Geschäftshaus durch ein ähnlich häßliches ersetzt wurde... an dieser Stelle könnte man sich einklinken und zumindest für ein neues, in traditionellen Formen gestaltetes Gebäude werben.

    Ansonsten hab ich ja schon oft geschrieben, dass der Münchner Wiederaufbau insgesamt recht zwiespältig ausgefallen ist, aber trotzdem geb ich Dir recht, dass man für so manches unglaublich dankbar sein muss, vor allem angesichts des immensen Zerstörungsgrades, der insgesamt sicher nicht unter dem Dresdens lag - die Residenz samt der Mehrzahl der Innenräume (über 100!), die vielen Kirchen, die fast alle schwer beschädigt bis zerstört waren, 20 Adelspalais, drei lange Prachtstraßen und auch der ein oder andere Platz und Straßenzug wurden entweder mehr oder weniger originalgetreu oder zumindest doch zufriedenstellend wiederaufgebaut. Von daher ist die Feststellung erbses, dass man "ein paar Wahrzeichen und manche Ensembles wiederhergestellt habe" eine ignorante Frechheit ohnegleichen und wird in keinster Weise dem Geleisteten gerecht. Es dürfte in Deutschland keine andere Stadt geben, in der soviel kunsthistorisch wertvolle Substanz wiederaufgebaut wurde wie in München, das meiste, was heute wieder zu erleben ist, war schwer beschädigt bis zerstört. Diese Wiederaufbauleistung war nach dem Krieg in keiner Weise zu erwarten oder auch nur vorstellbar und kann nicht hoch genug bewertet werden. Aber leider wird diese Leistung auch stark kontrastiert durch viele schlechte Entscheidungen und Versäumnisse, so dass nicht wenige Teile der heutigen Innenstadt banal bis häßlich sind. Auch in ansonsten gut wiederaufgebauten Straßenzügen gibt es meistens Bausünden und Störenfriede, so dass man noch vieles verbessern könnte. Von daher gäbe es viel zu tun für einen Ortsverband SD.