Posts by Leonhard

    Danke für den Zuspruch, freut mich, dass Euch Meine Galerie gefällt! Es war auch ein riesiger Aufwand, aber die Ludwigstraße hat's verdient, mal ausführlich in all ihren Einzelheiten dokumentiert zu werden, es gibt nicht sehr viel veröffentlichtes Material dazu.

    Ja, die Ludwigstraße (inklusive angrenzendem Odeonsplatz) ist wahrscheinlich die prachtvollste und (Gott sei Dank!) gleichzeitig besterhaltene Prachtstraße Deutschlands.

    Die Münchner Maximilianstraße mit Max-Joseph-Platz ist ähnlich gut erhalten und hätte auch eine ausführliche Präsentation verdient... aber das ist mir im Moment zu anstrengend ;-)

    Abschließende Bemerkungen


    Die Ludwigstraße besitzt eine einzigartige architektonische und städtebauliche Konzeption: es ist im Endeffekt die Steigerung der Idee eines florentinischen Stadtplatzes zu einer Monumentalstraße, die aber weiterhin die saalmäßige Geschlossenheit eines Platzes aufweisen soll. Sie weist kaum Verwandtschaft auf zu den später entstandenen historistischen Prachtstraßen wie z.B. den Haussmannschen Pariser Boulevards, der Wiener Ringstraße oder auch der ab 1853 entstandenen Münchner Maximilianstraße: bis auf wenige Ausnahmen besitzt sie keine Geschäfte oder Restaurants, keine Bäume oder Parkanlagen und auch keine sonstigen Annehmlichkeiten, die den Aufenthalt von Besuchern angenehmer gestalten würden. Sie ist, in einem Wort, keine Flanierstraße, sondern eine rein steinerne, monumentale Via triumphalis. Sie will nicht "belebt" werden, sie will kein Anziehungspunkt für die sonntägliche bürgerliche Promenade sein, sie will als ein austeres, herr­scher­liches Monument bestaunt werden. In diesem Sinne hat sie im zunehmend bürgerlichen 19. Jh natürlich keine Nachfolge gefunden, die späteren historistischen großbürgerlichen Boulevards sind von ganz anderen Bedürfnissen geprägt. Nur der Odeonsplatz (und in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch das Universitätsforum) wurden vom urbanen Leben in Besitz genommen, dazwischen ist die Ludwigstraße ein steinernes Monument.


    Die Ludwigstraße wurde lange Zeit eher geringgeschätzt, bereits zu ihrer Entstehungszeit wurde ihr aufgrund der Imitation vergangener Stile mangelnde Originalität vorgeworfen, später wurde sie vom im Grunde ebenfalls unoriginellen, aber aufwendigeren Historismus dann wieder als zu simpel abgestempelt. Ihre Qualität entspringt aber vielmehr ihrer Einheitlichkeit und Geschlossenheit; dabei entsteht aus verschiedenen historischen Anklängen durchaus etwas Neues und Eigenes: es ist der erhabene und großartige Gesamteindruck, den man am besten beim Durchschreiten, nicht so sehr beim Betrachten einzelner Gebäude gewinnt. Von daher ist die teilweise zu konstatierende "Öde" einiger Einzelbauten nur Mittel zum Zweck einer großen, mehr städtebaulichen als architektonischen Schöpfung. Wenn man von der nördlich gelegenen, pappelgesäumten Leopoldstraße gen Süden fährt, zwischen den Bäumen das immer größer werdende Siegestor auftauchen sieht und schließlich in leichtem Bogen um dasselbe herum in die Ludwigstraße einfährt, dann ist dieser Eindruck nicht anders als grandios zu nennen. Von daher kann man Wilhelm Pinders Diktum ein bisschen nachvollziehen, der geschrieben hat, dass die Ludwigstraße eine der schönsten Straßen Deutschlands sei, obwohl sie kaum ein schönes Haus besitze. In der Ludwigstraße ordnet sich alles dem Gesamteindruck unter: schmale Wohnhäuser, Paläste, öffentliche Nutzbauten, die Ludwigskirche und auch die Monumente zeigen alle die gleiche erhabene Grundhaltung und fügen sich zu einem klaren Ganzen, zu einem jederzeit vollständig erfassbaren Raum. Dieser Straßenraum besitzt trotz aller Monumentalität immer noch menschliche Dimensionen: die Gebäude sind einerseits weder zu hoch noch andererseits zu nah oder zu weit voneinander entfernt, es entsteht weder der Eindruck einer Straßenschlucht noch zweier beziehungslos zueinander stehenden Straßenwände. Die ungewöhnlichen Breiten vieler Gebäude zwingen den Betrachter zu kontinuierlichen Schrägansichten, bei denen wiederum die Einbindung der Gebäude in die Gesamtdynamik der Straße im Vordergrund steht und weniger die Gebäude an sich; dieser Effekt wird auch noch durch die Flächenhaftigkeit d.h. die bewusst fehlende Plastizität der Fassaden (vor allem jener Gärtners), einem fast ausschließlichen Vorherrschen von horizontalen Gliederungen und Linien, einfachen additiven Reihungen von Fensterachsen sowie einer überwiegend gleichen Traufhöhe der Gebäude verstärkt.

    Der generelle Eindruck von zwei geschlossenen Saalwänden wird durch gegeneinander verschobene Baublöcke mit großen Wandflächen und im Vergleich dazu kleinen Fensteröffnungen erreicht; die in die Ludwigstraße einmündenden Seitenstraßen sind schmal und besitzen keine Entsprechung auf der gegenüberliegenden Seite, weswegen sie den saalartig-geschlossenen Eindruck kaum stören (dieses wichtige Detail wurde allerdings im Nachhinein, wie bereits gezeigt, durch den Durchbruch des Altstadtrings an einer Stelle empfindlich gestört, so dass die Geschlossenheit der Ludwigstraße leider eine tiefe Wunde erlitten hat).

    Die südliche Herleitung aus den beiden Altstadtstraßen Residenz- und Theatinerstraße zu Odeonsplatz und Ludwigstraße wirkt logisch und natürlich, die bei der Wallniederlegung in anderen Städten oft entstandene Grünfläche und eine daraus resultierende deutliche Trennung zwischen Altstadt und Stadterweiterung unterbleibt, obwohl die Grenze zwischen beiden weiterhin ablesbar bleibt; der Eindruck des Fußgängers, der von der vergleichsweise schmalen Residenzstraße auf den Odeonsplatz hinaustritt, ist der eines Übergangs auf eine weite, lichte Bühne. Dieser großzügige südliche Beginn Klenzes am Odeonsplatz wird im Norden von Gärtner mit dem nicht minder großzügigen Universitätsforum beantwortet, der etwas breitere Vorhof zwischen Residenz, Feldherrnhalle und Theatinerkirche mit der gleichbreiten Erweiterung vor dem Siegestor. Die Doppeltürme der barocken Theatinerkirche werden von der Ludwigskirche aufgegriffen und schaffen somit eine Diagonalverklammerung, das die Bewegung durchlassende Siegestor im Norden korrespondiert mit der die Bewegung aufnehmenden Feldherrnhalle im Süden und bewirkt eine Nord-Süd-Dynamik des riesigen Straßenraumes.

    Insgesamt vermittelt die Ludwigstraße ein Bild sowohl zielgerichteter Dynamik als auch feierlicher Ruhe, eine Symbiose aus weit ausgreifendem, schwungvollem Straßenzug und tektonisch geschlossenem, statischem Stadtplatz.


    Oswald Hederer hat in seinem Buch "Die Ludwigstraße in München" von 1942 (der immer noch einzigen kunsthistorischen Monographie zur Ludwigstraße) die Vermutung aufgestellt, dass Ludwig I. zu dieser Idee eines Straßenraumes (neben seiner offensichtlichen Verehrung für das Italien der Renaissance) durch die großen platzartigen Straßenmärkte der Inn-/Salzachregion inspiriert worden sei, wo Ludwig als Kronprinz von 1810-16 Generalgouverneur war. Vor allem der riesige Stadtplatz zu Tittmoning ist in seiner Atmosphäre und Wirkung im Vergleich zur Ludwigstraße durchaus interessant.



    F I N I S.

    Herrschaftliche Häuser am Anfang der Leopoldstraße (deren architektonische Reize ansonsten seit den Kriegszerstörungen eher spärlich gesät sind):


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    Das war's mit den Fotos, im nächsten Beitrag folgen nun noch einige abschließende Gedanken zu den städtebaulichen Charakteristiken der Ludwigstraße.

    Gegenüber der Kunstakademie befindet sich heute eine größtenteils völlig nichtssagende Nachkriegszeile, nur auf der Ostseite haben sich anschließend an das Eckhaus zur Ludwigstraße (Nr. 33) mit Akademiestraße 3 & 5 zwei gründerzeitliche Häuser erhalten, wenn auch nur mit stark vereinfachten Fassaden:


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    Ansonsten sieht die Häuserzeile heute so aus: https://www.google.de/maps/@48…XzKiwA!2e0!7i13312!8i6656


    Nun aber ein Schmankerl, das nicht viele kennen dürften: einst war die Bebauung auf der Südseite der Akademiestraße eine wahre Pracht, so dass die platzartige Akademiestraße mit der Kunstakademie als Nordseite und der folgenden Häuserzeile als Südseite vor der Zerstörung eines der meines Erachtens großartigsten gründerzeitlichen Ensembles München gewesen sein muss. Hier einige Ansichten vor der Zerstörung:


    Östliche Platzhälfte:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Westliche Platzhälfte:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Ausschnitt aus der westlichen Häuserzeile:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Die vorher bereits gezeigten, heute sehr vereinfachten Häuser Nr. 3 & 5:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Nochmal westliche Platzhälfte:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Zusammen mit der Kunstakademie: https://stadtarchiv.muenchen.d….aspx?VEID=291761&DEID=10


    Was für ein Verlust!

    Wir betrachten zunächst die Akademie der Bildenden Künste an der Akademiestraße westlich des Siegestors. Es handelt sich um einen großen Neorenaissance-Bau, der 1876-85 von Gottfried von Neureuther errichtet wurde. Die Kunstakademie liegt in einem kleinen Park, dessen Bäume inzwischen schon recht groß sind, so dass sie Teile der Fassaden verdecken.


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    Der östliche Teil an der Leopoldstraße:


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    Die Kunstakademie wurde im 2. Weltkrieg sehr schwer beschädigt und brannte nahezu vollständig aus; auch von den Außenmauern blieb nicht alles stehen. Nach dem Krieg stellte man sie wieder her, verzichtete dabei allerdings leider auf die Wiederherstellung der originalen Pavillondächer mitsamt Balustraden und Mittelattika und ersetzte sie durch flache Walmdächer, wodurch der Bau in seinen Proportionen und seiner Gesamterscheinung schwer beeinträchtigt wurde.

    Hier ein Bild von 1894 mit der originalen Dachzone:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Eine weitere Ansicht: https://stadtarchiv.muenchen.d….aspx?VEID=456445&DEID=10


    Die Dachzone wäre meines Erachtens ein dringender Rekonstruktionskandidat!

    Blick nach Nordwesten zur Akademie der bildenden Künste:


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    Blick nach Nordosten zur gründerzeitlichen Bebauung um die Schackstraße und an der beginnenden Leopoldstraße:


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    Ostseite des Siegestors, links die Häusergruppe Ludwigstraße 29 -33, rechts die Ostseite der Akademie der bildenden Künste:


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    Blick vom Siegestor nach Norden zur pappelgesäumten Allee der Leopoldstraße:


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    Blick vom Siegestor zurück nach Süden in die Ludwigstraße:


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    Mit dieser schönen Ansicht beschließen wir unsere fotografische Betrachtung der Ludwigstraße. Bevor wir zu einigen allgemeinen Schlussbemerkungen kommen, betrachten wir aber noch das unmittelbare seitliche und nördliche Umfeld des Siegestors, weil es überwiegend sehr sehenswert ist.

    Nun sind wir am nördlichen Schlusspunkt der Ludwigstraße angelangt, dem Siegestor.

    Die Idee für einen Triumphbogen war bereits 1826 entstanden, ab 1840 wurde das Projekt schließlich konkret und Friedrich von Gärtner zur Planung übertragen. Das Siegestor sollte sich am römischen Konstantinsbogen orientieren und "dem bayerischen Heere", wie auch die Inschrift auf der Nordseite lautet, und seinen Heldentaten in den Befreiungskriegen 1813-15 gegen Napoleon gewidmet sein. Bayern war zwar unter Kurfürst Max IV. Joseph mit Napoleon alliiert gewesen und von diesem als Dank zum Königreich erhoben worden; Ludwig I., der Sohn Max Josephs, war aber zeit seines Lebens ein Feind der Franzosen und Anhänger des nationalen Befreiungskampfes gewesen (siehe auch die Errichtung der Befreiungshalle in Kelheim).

    1843 begannen die Bauarbeiten; nach der Abdankung Ludwigs I. 1848 stockten die Arbeiten, wurden aber 1850 vom Gärtner-Schüler Eduard Metzger wiederaufgenommen (Gärtner selbst war 1847 verstorben) und 1850 abgeschlossen.

    Das 24m breite, 11,9m tiefe und 20,7m hohe Siegestor ist im Kern eine Ziegelkonstruktion, die mit Kalkstein verkleidet ist.

    Die Gipsmodelle für die Skulpturen wurden vom Bildhauer Johann Martin von Wagner erstellt, der als Kunstagent für Ludwig I. in Rom ansässig war, und danach von verschiedenen Bildhauern in Marmor ausgeführt. Auf dem Triumphbogen thront eine Quadriga aus Bronze (Entwürfe von Wagner, Johann Halbig und Friedrich Brugger, gegossen in der königlichen Erzgießerei unter Ferdinand von Miller), die die Figur der Bavaria auf einem von vier Löwen gezogenen Streitwagen darstellt und 20 Tonnen schwer ist (wie hat man im 19. Jh solch schwere Teile auf einen Triumphbogen heben können?), sie wurde erst 1852, zwei Jahre nach Fertigstellung des Siegestors, aufgestellt.

    Bemerkenswert ist, dass über den rechteckigen Reliefs, die allgemein antikisierende Kampfszenen darstellen, Tondi mit Szenen aus Kunst und Kultur dargestellt sind, die sich somit in der Intention Ludwigs über den Krieg erheben und seine Friedens- und Kunstpolitik repräsentieren sollten.

    Im 2. Weltkrieg erlitt das Siegestor vor allem im oberen Bereich schwere Zerstörungen, die Quadriga wurde schwer beschädigt und heruntergeschleudert. Nach dem Krieg stellte man die Nordseite annähernd original wieder her, wobei neben einigen Details vor allem die zweite Statue von rechts fehlt; die stadtzugewandte Seite hingegen wurde im oberen Bereich nur gliederungslos und glatt geschlossen und auf eine Wiederherstellung der Gesimse, Statuen, Reliefs über dem zentralen Bogen, Tondi sowie der originalen Inschrift ("Erbaut von Ludwig I. König von Bayern MDCCCL") verzichtet. Diese einfache Wiederherstellung war anfänglich nur als Provisorium gedacht, 1958 wurde sie allerdings mit der neu angebrachten Inschrift "Dem Sieg geweiht - vom Krieg zerstört - zum Frieden mahnend" als Mahnmal gegen den Krieg konserviert. Die Quadriga wurde nach den Zerstörungen unter Rekonstruktion des Wagens und des oberen Teils der Bavaria in den Jahren 1969-72 wiederhergestellt.

    Im eigentlichen Sinne eines Triumphbogens - dem Durchschreiten von siegreichen Truppen - wurde das Siegestor nur einmal benützt, nämlich nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich (was aber gleichzeitig auch das Ende der Eigenstaatlichkeit Bayerns bedeutete und somit dann doch kein voller Triumph war...).


    Ansicht von Norden:


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    Originaler Zustand (Foto von 1895):


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Stadtzugewandte Seite (Südseite):


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    Originaler Zustand (Foto von ca. 1900):


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)

    Auf der unbebauten Ostseite planten die Nazis ein großes Gebäude für die neugegründete "Akademie für Deutsches Recht", das sogenannte "Haus des deutschen Rechts". Dieses Neubauprojekt bezog auch das 1939 geräumte, hier bereits vorgestellte Max-Joseph-Stift mit ein, das aber aus Kriegsgründen dann doch nicht abgerissen wurde. (Aus Planungen von 1940 geht übrigens hervor, dass auch die gegenüberliegende Neorenaissance-Gruppe Nr. 29-33 abgerissen und durch einen monumentalen Neubau ersetzt hätte werden sollen...).

    Der 1936-39 entstandene Bau stammt vom Architekten Oswald Bieber und ist im typischen neoklassizistischen Monumentalstil der Nazizeit gehalten: er fügt sich stilistisch zwar grundsätzlich recht gut in den Gärtnerschen Teil der Ludwigstraße ein, wirkt im Vergleich zu dessen Bauten aber ziemlich grob und abweisend. Interessant ist, dass im Sitzungssaal dieses Gebäudes einige klassizistische Fresken von Robert von Langer aus dem 1937/38 abgebrochenen Herzog-Max-Palais angebracht sind, die vor dem Abriss desselben ihres hohen künstlerischen Wertes wegen mühevoll abgenommen und hierher transferiert worden waren (siehe hier).

    Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude vor allem im Nordteil zerstört und 1950 vom gleichen Architekten in unveränderter Form wiederhergestellt. Inzwischen gehört es zur Juristischen Fakultät der LMU.


    Hier noch einmal die Ansicht von Südwesten zusammen mit dem nordöstlichen Eckpavillon des Universitätsforums:


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    Die offene Eingangsvorhalle:


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    Ansicht mit dem Siegestor und den Häusern Ludwigstraße 31 & 33 auf der gegenüberliegenden Seite; hier sieht man noch die Asphaltwüste der Parkplätze vor der Umwandlung:


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    Kommen wir nun zum letzten, nördlichsten Abschnitt der Ludwigstraße.

    Dieser Abschnitt zwischen Universitätsforum und Siegestor war ursprünglich nicht bebaut, sondern von Gartenmauern gesäumt und als Übergang zur nördlich anschließenden Allee der Leopoldstraße mit Pappeln bepflanzt. Am Ende des 19. Jhs wurde zuerst die West- und in den 1930er Jahren schließlich auch die Ostseite bebaut.

    Wir betrachten zunächst die Westseite, auf der zwischen Adalbert- und Akademiestraße in den Jahren 1877-90 ein gründerzeitlicher Häuserblock aus drei Häusern entstand (heute Nr. 29 - 33). Diese Häuser sind im italienisch beeinflussten Neorenaissancestil gehalten und erinnern ein wenig an den Klenzeschen Klassizismus am Odeonsplatz, auch wenn sie mehr Geschosse aufweisen und etwas reicher dekoriert sind. Alle drei Häuser besitzen einen flachen dreiachsigen Mittelrisalit, der bei den beiden Eckhäusern außerdem durch einen Balkon im 1. Stock mit Balusterbrüstung akzentuiert wird.


    Blick von Nordosten, links der nordwestliche Eckpavillon des Universitätsforums:


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    Bis vor ein paar Jahren wurde die Fläche vor den Häusern noch für Parkplätze verwendet, wie man auf folgendem Bild sehen kann:


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    Inzwischen wurden die Parklätze entfernt und die Fläche in ein großzügiges Trottoir mit jungen Bäumen und Rundbänken umgewandelt, eine sehr gelungene Maßnahme, wie ich finde (nur die Bäume sollten auf Dauer vielleicht nicht zu ausladend werden, damit man die Fassaden dahinter weiterhin sehen kann):


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    Die gleiche Maßnahme wurde auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite durchgeführt, so dass dieser letzte Abschnitt nun insgesamt eine wesentlich höhere Aufenthaltsqualität besitzt.


    Betrachten wir nun die einzelnen Häuser.

    Haus Nr. 29:


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    Haus Nr. 31:


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    Das Haus Nr. 31 besaß ursprünglich noch eine Dachbalustrade mit Attika sowie zwei Balkone an der 2. und 8. Fensterachse im 1. Stock. Laut Denkmaltopographie wurde die Dachbalustrade im 2. Weltkrieg zerstört, allerdings gibt es im Münchner Stadtarchiv ein Foto des Hauses von 1930, welches dieses bereits ohne Dachbalustrade und Balkone zeigt, von daher ist wahrscheinlich die Angabe in der Denkmaltopographie falsch und das Haus wurde bereits früher vereinfacht.

    Hier eine Einzelansicht mit Dachbalustrade und Balkonen von 1905: https://stadtarchiv.muenchen.d…D=469883&DEID=10&SQNZNR=1

    Hier eine Ansicht zusammen mit dem Eckhaus zur Adalbertstraße, ebenfalls von 1905:


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    (Stadtarchiv München, CC-Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Haus Nr. 33:


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    Portal von Nr. 33:


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    Ansicht mit dem Ostteil der Akademie der bildenden Künste (Akademiestraße 2-4) und dem Siegestor:


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    Im 2. Weltkrieg erlitten alle drei Häuser Schäden im Dachbereich, das Dach des nördlichsten Hauses Nr. 33 ist seit der Wiederherstellung etwas steiler als die anderen.

    Blick vom Universitätsforum nach Süden in die Ludwigstraße:


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    Blick nach Norden zum letzten Abschnitt der Ludwigstraße und zum Siegestor:


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    Blick zurück von Norden auf die beiden nördlichen Eckpavillons und das Universitätsforum:


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    Hier noch ein interessanter Dokumentarfilm von Dieter Wieland über Friedrich von Gärtner, in dem u.a. schöne Aufnahmen aus dem Gärtnerschen Bereich der Ludwigstraße gezeigt werden:


    Nun zur östlichen Hälfte des Universitätsforums. Zuerst noch einmal ein Blick nach Norden, rechts neben dem Siegestor das ehem. Haus des Rechts, am rechten Bildrand der nordöstliche Eckpavillon des Forums:


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    Professor-Huber-Platz 2 (links) & 1 (rechts), dazwischen die einmündende Veterinärstraße:


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    Professor-Huber-Platz 2, das nördliche Gebäude, war früher das Max-Joseph-Stift, ein Erziehungsinstitut mit Internat für Töchter aus adeligen und anderweitig verdienstvollen Familien. Im Laufe der Zeit nahm das Max-Joseph-Stift auch Töchter aus weniger illustren Familien auf und wurde zum normalen Gymnasium, das 1945 nach Bogenhausen übersiedelte und dort auch heute noch existiert.

    Das 1837-40 nach Plänen von Gärtner erbaute Max-Joseph-Stift wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört: der Eckpavillon zur Ludwigstraße blieb mit seinen Außenmauern stehen, sein Erdgeschoß dient seit 1972 als großzügiger Zugang zur U-Bahnstation der Universität; der anschließende, niedrigere Eckbau wurde hingegen so stark zerstört, dass er abgerissen und 1961 in vereinfachter Form rekonstruiert wurde; dabei wurden die ursprünglichen Stichbogenfenster im Erdgeschoß sowie die Doppelarkadenfenster mit Stichbogenblenden in den Stockwerken darüber einheitlich in Rundbogenfenster umgewandelt. Heute dient es zusammen mit dem nördlich gelegenen Haus des Rechts (Ludwigstraße 28) sowie einigen rückwärtigen Neubauten der Juristischen Fakultät der Universität.


    Hier eine Ansicht von 1850:


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    Das südlich der Veterinärstraße gelegene Gebäude Professor-Huber-Platz 1 ist das Georgianum, ein Priesterseminar. Es geht zurück auf das von Herzog Georg dem Reichen 1494 gegründete Neue Collegium in Ingolstadt, das 1800 zusammen mit der Universität zuerst nach Landshut und schließlich nach München verlegt wurde.

    Das Gebäude wurde 1835-40 von Gärtner errichtet und besteht ebenso wie das Max-Joseph-Stift aus einem niedrigeren Eckbau und einem höheren Eckpavillon zur Ludwigstraße. Im Unterschied dazu besitzt es zwei romanisierende Sandsteinportale mit Freitreppen. Die im Vergleich zu den anderen Gärtnerbauten der Ludwigstraße nochmal kleineren Fenster und die daraus resultierenden großen Wandflächen geben dem Gebäude einen klösterlich-verschlossenen Charakter.

    Im 2. Weltkrieg erlitt das Gebäude schwere Bombenschäden, die Mauern blieben allerdings größtenteils stehen. Seit seiner Wiederherstellung dient es bis heute als Priesterseminar. Seit 1986 kann man die bedeutenden sakralen Kunstsammlungen des Georgianums - hauptsächlich altbayerische und schwäbische Kunst von Romanik bis Rokoko - im hauseigenen Museum besichtigen.


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    Blick zum ehem. Max-Joseph-Stift:


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    Eines der beiden Portale:


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    Der Eckpavillon zur Ludwigstraße, anschließend das Pfarrhaus und die Ludwigskirche:


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    1906-09 wurde die Universität mit einem großen rückwärtigen Erweiterungsbau in Richtung Amalienstraße vergrößert (Architekt German Bestelmeyer), infolgedessen auch eine neue, beeindruckende Kuppelhalle mit Oberlicht und einer neuen Treppe im Hauptbau eingebaut wurde.


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    (Wikimedia Commons, Urheber: MaMärz, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)


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    Die auf den beiden letzten Fotos zu sehende Orgel ist nicht original, sie wurde anstelle eines großen, im 2. Weltkrieg zerstörten Mosaikbildes von Julius Diez eingefügt. Auf folgender Aufnahme von 1910 kann man es noch erkennen:


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    (Stadtarchiv München, Creative-Commons-Lizenz CC BY-ND 4.0)



    Weitere Räume der Universität:


    Die Große Aula, ebenfalls 1906-09 umgestaltet:


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    (Wikimedia Commons, Urheber: Mark Kamin, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 2.5)


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    (Wikimedia Commons, Urheber: Kt80, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)


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    (Wikimedia Commons, Urheber: U.S. Consulate General Munich Germany, Public Domain)


    Auditorium maximum:


    2560px-LMU_München_-_Audimax2.JPG?uselang=de

    (Wikimedia Commons, Urheber: Church of emacs, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0)


    Gang im 1. Stock:


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    Im 2. Weltkrieg erlitt die Universität durch Spreng- und Brandbomben sehr schwere Schäden, ca. 70 % des Gebäudes wurden zerstört, vor allem der Mittelbereich des Gärtnerschen Altbaus, bei dem auch Teile der Fassaden einstürzten. Die große Aula hingegen blieb größtenteils unbeschädigt, weswegen sie nach dem Krieg einer der wenigen benutzbaren großen Säle war, in dem auch Konzerte stattfinden konnten.

    Kommen wir nun zum Universitätsforum, einer großen, beidseitigen, quadratischen Ausbuchtung der Ludwigstraße. Die beiden Platzhälften sind seit 1946 nach Widerstandskämpfern der Weißen Rose benannt: der westliche Teil heißt Geschwister-Scholl-Platz, der östliche Professor-Huber-Platz.

    Beginnen wir mit der Ludwig-Maximilians-Universität, die die ganze westliche Platzhälfte ausfüllt. Die bayerische Landesuniversität war 1472 von Herzog Ludwig dem Reichen in Ingolstadt gegründet worden, bis sie 1800 von Kurfürst Max IV. Joseph, dem nachmaligen ersten König von Bayern, nach Landshut verlegt wurde. 1826 wiederum beschloss dessen Sohn Ludwig I. die nochmalige Verlegung in die Hauptstadt München, wo bereits seit 1759 die Akademie der Wissenschaften ansässig war; in deren Gebäude in der Neuhauser Straße, der Alten Akademie, wurde die Universität zunächst dann auch untergebracht, bis der Neubau an der Ludwigstraße zum Bezug bereit stand.

    Das neue Universitätsgebäude an der Ludwigstraße wurde nach Plänen von Gärtner in den Jahren 1835-40 erbaut, 1840 konnte die Universität schließlich in ihr neues Heim umziehen.

    Das Universitätsgebäude ist wieder im italienisch-romanisierenden Stil Gärtners gehalten, der dieses Mal romanisierende Biforienfenster mit großen, in Steinquaderoptik verputzten Wandflächen kombiniert und auf plastische Gliederungen wieder weitgehend verzichtet. Die Mitte des Haupttraktes wird durch neun große Pfeilerarkaden vor einer offenen Eingangshalle akzentuiert, nach oben hin begrenzt ein Rundbogenfries, ein profiliertes Kranzgesims und eine niedrige Attika mit Akroterien die Fassade. An den nördlichen und südlichen Seitentrakten zur Ludwigstraße hin sind dreiachsige Pavillons zur Platz- und Straßeneinfassung platziert, die als leichte Risalite abgesetzt und mit Ecklisenen und Akroterien versehen sind. Diesen Pavillons entsprechen auf symmetrische Weise zwei weitere Pavillons auf der Ostseite des Forums.


    Blick von Süden auf den westlichen Teil des Universitätsforums:


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    Der Haupttrakt:


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    Der südliche Seitentrakt:


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    Haupttrakt mit angeschnittenem nördlichen Seitentrakt:


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    Nördlicher Seitentrakt mit Eckpavillon:


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    Nördlicher Eckpavillon, rechts davon einmündend die Adalbertstraße, ganz rechts das Haus Ludwigstraße 29:


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    Blick von Norden zurück zum Universitätsforum und zur Ludwigstraße:


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    Das Gebäude Nr. 27, 1838-43 von Gärtner für die Bergwerks- und Salinen-Administration errichtet, ist ein sehr interessanter Bau: er besitzt mit seiner in weiten Teilen leuchtend roten, unverputzten Backsteinfassade eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit mit der Berliner Bauakademie von Schinkel. Diese Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr, da Gärtner 1835 Berlin besucht hatte und sich von Schinkel die im Entstehen begriffene Bauakademie hatte zeigen und erklären lassen. Gärtner schafft mit der Salinen-Administration allerdings keine bloße Imitation des Schinkelschen Baus, sondern wandelt diesen im Sinne der süddeutschen Traditionen und der Ludwigstraße um. Während die Bauakademie durch ihre weit vorstehenden Lisenen, die von den horizontalen Bändern nicht unterbrochen werden, und ihre dreiteiligen Fenster einen starken Vertikalismus ausdrückt und die reinen Wandflächen durch die stärker ausgeprägte Plastizität sehr knapp ausfallen, verhält es sich bei der Salinen-Administration genau umgekehrt: hier sind es die ebenfalls vorhandenen Lisenen, die sich unterordnen und ihrerseits die horizontalen Gurtgesimse nicht unterbrechen, wodurch die Fassade einen starken Horizontalismus entwickelt; außerdem ist die gesamte Fassade sehr flach und die reinen Wandflächen im Vergleich zu den Gliederungselementen viel größer. Dieser Horizontalismus und Flächigkeit sind typisch für München und Altbayern (siehe auch die Inn/Salzach-Architektur) und sind auch dem starken italienischen Einfluss geschuldet, der hier von jeher maßgeblich war und die gesamte Ludwigstraße prägt.

    Die Fassade der Salinen-Administration ist dabei keine roh belassene Ziegelwand, sondern besitzt eine "toskanische Verblendung aus kleinformatigen, scharfkantigen Klinkersteinen (...), die eine glatte, matt-glänzende, scheinbar fugenlose Oberfläche ergeben", wie die Denkmaltopographie schreibt. Oswald Hederer schreibt in seinem Buch "Die Ludwigstraße in München": "Keilförmig geschnittene Verblendsteine mit glatten Vorderflächen sitzen scharfkantig aufeinander und sind nur mit der Rückseite in die Hintermauerung gebunden. Die Oberfläche wird dadurch spiegelglatt."

    Zusätzlich ist die Fassade mit Terrakotta-Ornamentik geschmückt: sie findet sich auf den Bändern zwischen den Lisenen, in den profilierten Gewänden der Rundbogenfenster und des Portals, im Gurtgesims über dem Erdgeschoss und vor allem als umlaufender Fries unter und im Konsolgesims selbst.

    Die Salinen-Administration Gärtners kann insgesamt als Symbiose zwischen nordischer und italienischer Backsteinarchitektur gelten, als zwar von Schinkel inspirierte, aber letztendlich transformierte eigenständige Leistung Gärtners.


    Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude vor allem innen und im rückwärtigen Bereich schwer beschädigt, die Fassaden blieben allerdings stehen. Nach dem Krieg wurde es zuerst für die Bayer. Berg-, Hütten- und Salzwerke AG wiederhergestellt, 1970 dann aber für die Verwendung durch die nördlich angrenzende Universität umgebaut, so dass das Innere mit Ausnahme des Eingangsflurs mit vier Kreuzgratgewölben und den seitlich anschließenden gewölbten Gängen völlig neu gestaltet ist.


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    Ausschnitt aus der Fassade:


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    Südfassade an der Schellingstraße, die Schäden im Sockelbereich stammen von Bombensplittern des 2. Weltkriegs und wurden als "Wunden der Erinnerung" belassen:


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    Blick von Norden, rechts bereits ein Teil der Universität:


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    Wir kehren auf die Westseite zurück und schauen uns das Gebäude Ludwigstraße 25 an, das ehem. Blindeninstitut. Nachdem es inzwischen unmöglich geworden war, weitere städtische oder staatliche Mittel für Neubauten zu bekommen, suchte Ludwig nun nach Stiftungen und Staatsbetrieben, die über eigene Geldmittel verfügten und deren Ausgaben von einer Genehmigung des Landtags unabhängig waren, dabei aber trotzdem unter königlichem Einfluss standen.

    Als erstes Institut wurde daraufhin die Blindenanstalt von Freising nach München verlegt, wofür Gärtner von 1833-35 (Innenausbau bis 1837) einen Neubau an der Ludwigstraße errichtete. Das 65m lange Gebäude ist in seinen Grundeigenschaften ähnlich schlicht und flächig wie das südlich angrenzende Damenstift, besitzt aber zwei Portale aus Sandstein, kleine romanisierende Säulen in den Laibungen der Fenster des 1. Stocks und ein Ornamentfries unter der Traufe. Die in Quaderoptik gestaltete Putzoberfläche wirkt durch ihre leichte Verschiedenfarbigkeit reizvoll. Vor allem durch seine beiden Portale, die zusätzlich mit jeweils zwei Giebelfiguren versehen sind, erweckt das Gebäude insgesamt einen klösterlich-sakralen Eindruck.

    Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude nur wenig beschädigt, Ende der 60er Jahre dann aber leider völlig entkernt und für die Verwendung durch die Ludwig-Maximilians-Universität (romanische und italienische Philologie sowie Theaterwissenschaft) hergerichtet. Dabei wurde auch der Mittelteil der rückseitigen Fassade in moderner Weise neugebaut. 2013 beschloss das Staatliche Bauamt die Zusammenführung von mehreren vorher zerstreuten Instituts- und Fachbereichsbibliotheken der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften in das Gebäude des ehem. Blindeninstituts und baute dieses innen erneut komplett um (nähere Informationen zu dieser Baumaßnahme zusammen mit einigen Fotos hier).


    Einige Ansichten:


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    Ausblick nach Norden, am rechten Bildrand die Ludwigskirche, links angeschnitten das ehem. Blindeninstitut und anschließend das Haus Nr. 27, dem wir uns nun zuwenden:


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    Die Pfarr- und Universitätskirche St. Ludwig (ab 1829 errichtet, Fertigstellung mitsamt Innenausstattung aufgrund großer finanzieller Probleme erst 1844) ist eines der Hauptwerke von Friedrich von Gärtner: in der durch Aufklärung und Säkularisation vollkommen unterbrochenen Kirchenbautradition stellt sie vor allem eine sehr eigenständige schöpferische Leistung dar, die sich in keiner Weise auf vorangegangene Vorbilder stützen konnte. Stilistisch ist sie eine Symbiose aus mittelalterlicher italienischer Architektur (eine romanisch-gotische Mischung), Byzantinismus und dem neuen nazarenisch-romantischen Sakralstil, der sich vor allem in der Innenausstattung zeigt.

    Zudem besitzt sie mit ihrer Doppelturmfassade (Turmhöhe 71m) eine große städtebauliche Bedeutung im Gesamtkonzept der Ludwigstraße: sie nimmt Bezug auf die am Odeonsplatz stehende barocke Theatinerkirche mit ihren ebenfalls zwei Türmen und schafft somit eine diagonale Nord-Süd-Verklammerung. Die Denkmaltopographie schreibt hierzu und zu ihrem Erscheinungsbild:


    "Dem gegenüber ist der städtebaulich-kontrapostische wie grundrissmäßige Bezug zur barocken Theatinerkirche am Südende der Ludwigstraße ein erstaunliches Phänomen - der kreuzförmig angelegte Bau mit überkuppelten Seitenschiffsjochen am Langhaus und weit gestellten, von außen an die Fassade herangeschobenen Türmen verbindet sich mit einer barocker Formgesinnung völlig konträren, zeitgemäß unplastischen, kraftvoller Dynamik entsagenden Auffassung, der andererseits auch romanische Massigkeit und körperhafte Wucht fremd ist. Flächigkeit - innen im Sinne eines Farbträgers - und eher graphisch als plastisch wirkende Gliederungsdetails bestimmen den Eindruck. Der Außenbau ist verputzt (mit Quaderimitation); nur Westfassade und Türme in hellem Kelheimer Kalkstein. Zwischen die Türme bzw. die Anräume am Westende der Seitenschiffe - nördlich Turmtreppe, südlich Taufkapelle - ist die dreijochige, kreuzgratgewölbte, in Säulenarkaden geöffnete Vorhalle über hoher Freitreppe eingezogen. Ludwig Schwanthalers Kalksteinfiguren (1832-35) in den Rundbogennischen des Mittelgeschosses darüber - Christus und die Evangelisten, dazu Petrus und Paulus auf den Giebelschultern - offenbaren die Problematik einer zeitgenössischen religiösen Plastik, die christlichen Gehalt mit antikisierendem Gewandschema zu vereinen suchte."


    Links und rechts schließen zwei Arkaden an die Kirche an, darauf folgen südlich wie nördlich zwei pavillonartige Gebäude: südlich das ehem. Wohnhaus Gärtners (Ludwigstraße 18, erbaut ab 1831), das im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört und danach für das Universitätsbauamt äußerlich rekonstruiert wurde, und nördlich das Pfarramt (Ludwigstraße 22, erbaut ebenfalls ab 1831), das im Krieg unbeschädigt blieb, im Inneren allerdings teilweise umgebaut wurde.


    Der Innenraum wird charakterisiert durch die weit gespannten Rundbögen, den Kreuzrippengewölben der Langhausjoche, Querarme und Vierung sowie großen, glatten Wandflächen, die für Freskomalerei und ornamentale, etwas orientalisierende Polychromie bestimmt waren. Die ursprünglich von König Ludwig für die ganze Kirche vorgesehene Ausmalung mit Fresken durch Peter von Cornelius wurde angesichts der langsamen Arbeitsweise des Künstlers schließlich auf den Chor- und Querschiffbereich beschränkt; die restlichen Flächen wurden einfach verputzt. Da man vor einigen Jahren unter diesen verputzten Flächen Asbest gefunden hatte, der im Zuge einer Renovierung nach dem 2. Weltkrieg aufgebracht worden war, hat man inzwischen den Verputz entfernt; neuer Putz wurde indes noch nicht wiederaufgetragen, da man leider nicht weiß, in welcher Farbe diese Wandflächen ursprünglich gestrichen waren - der momentane Zustand ist also durch die rohen Ziegelwände etwas kompromittiert. Der ursprüngliche Zustand ist leider nicht mehr bekannt, seitdem in einer Renovierung 1903/04 die Raumfassung verändert worden war. Ich nehme aber mal an, dass man diese in einem Weißton ähnlich einer bereits verputzten Fläche streichen wird (siehe Fotos, nähere Infos hier).

    Das Altarfresko von Cornelius, das Jüngste Gericht darstellend, ist mit 18 x 11 m das zweitgrößte Altarfresko der Welt (nach dem Jüngsten Gericht von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom), es beherrscht den ganzen Innenraum. Leider gefiel es dem Auftraggeber Ludwig nach Fertigstellung nicht sonderlich, weswegen er sich mit Cornelius zerstritt und dieser daraufhin München verließ.

    Der Bau der Ludwigskirche musste öfter unterbrochen werden, da die Stadt München, die den Bau bezahlen sollte, kaum Geld hatte (sie war durch die vorangegangenen Bauten Ludwigs I. finanziell bereits stark belastet worden) und außerdem den Sinn einer so weit außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen Kirche nicht einsah; ein weiteres "retardierendes" Motiv mag sicher gewesen sein, dass Klenze, der große Konkurrent Gärtners, als Präsident der obersten Baubehörde versuchte, die Realisierung des Baus so gut es ging zu hintertreiben. Als die Stadt sich nun des öfteren weigerte, Rechnungen für die Baustelle zu begleichen, drohte Ludwig I. zuerst mit dem Wegzug der Universität (die erst 1826 nach München verlegt worden war) und schließlich mit seinem eigenen Wegzug aus der Residenz - eine veritable Erpressung, die den Stadtmagistrat schließlich einlenken ließ. So kletterte innerhalb weniger Jahre der städtische Schuldenstand von 300.000 Gulden auf über 2,5 Millionen, wobei die Ludwigskirche alleine 1,2 Millionen kostete.


    Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche vergleichsweise gering beschädigt (u.a. wurden zwei Gewölbe im südlichen Seitenschiff zerstört), sie blieb im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen im Zentrum Münchens weiterhin benutzbar.

    Bereits 1957 wurde auf Bestreben von Universitätsprediger Romano Guardini ein Volksaltar aufgestellt - bemerkenswert früh, da dies eigentlich erst auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) beschlossen wurde.


    Die Ludwigskirche hatte beträchtliche Wirkung auf den weiteren Kirchenbau im 19. Jh.; so ist z.B. die Altlerchenfelder Pfarrkirche in Wien klar von ihr beeinflußt: ihr Architekt, der Schweizer Johann Georg Müller, hatte 1839/40 ein Jahr in München verbracht, um an der dortigen Bauakademie zu studieren und bei dieser Gelegenheit auch die Baustelle der Ludwigskirche besichtigt. Die Altlerchenfelder Kirche, die fast 20 Jahre nach der Ludwigskirche entstand, ist allerdings auf einer weiterentwickelten Stilstufe, sie ist innen wesentlich reicher und feiner gestaltet.


    Hier einige Fotos:


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    Frontal von der gegenüberliegenden Einmündung der Schellingstraße aus:


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    Das Dach ist mit verschiedenfarbig glasierten Ziegeln gestaltet, die im 2. Weltkrieg zerstört, von 2007–2009 aber rekonstruiert wurden. Von der Straße aus sieht man sie nur wenig:


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    Aus der Luft hingegen wirken sie sehr beeindruckend, hier eine Ansicht von Wikipedia:


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    (Wikimedia Commons, Urheber M-Luftbild, GNU Free Documentation License)


    Einige Ansichten aus dem dahinter gelegenen Garten:


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    Blick durch die Arkaden auf das Haus Ludwigstraße 27:


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