Posts by Novaearion

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

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    Am alten Dorfkern von Lichterfelde mit der Pauluskirche und der mittelalterlichen Dorfkirche stört es nicht? Sicherlich, es gibt auch noch andere Bausünden gleich nebenan, aber besser geht gerade in diesem Fall immer.

    Müssen wir eigentlich jeden Dreck unter Denkmalschutz stellen, weil er eine bestimmte Architekturepoche repräsentiert, noch dazu mit so einem hässlichen Klotz? Ich fand es schon schrecklich, als ich vor fast 50 Jahren wöchentlich zum Konfirmationsunterricht gegenüber ins Gemeindehaus musste und über zwei Jahre lang gesehen habe, wie es errichtet wurde...

    Nein, nicht "jeden Dreck". Aber ein für die Zeit markantes Gebäude diesen Formates schon.


    Egal, wie die Stile sich auch wenden mögen: Es hat so oder so sein Gutes, die Architektur vergangener Epochen am realen Beispiel erforschen zu können. Für die einen wird das Gebäude in 100 Jahren ein Faszinosum sein, andere werden den Kopf schütteln und wie du argumentieren. Vielleicht ist es auch trotz der Unterschutzstellung dann abgerissen, wer weiß?

    So oder so sollten auch vermeintlich hässliche Bauten unter Denkmalschutz gestellt werden. Mir wäre es übrigens auch lieb gewesen, hätte man in den 1960er Jahren mehr Gebäude erhaltenswürdig empfunden.

    Geht ja grundsätzlich alles in die richtige Richtung. Selbst der von Konstantindegeer verlinkte, auf den ersten Blick monströse, Plan ist im Vergleich zum Status Quo ein kleiner Schritt nach vorne.

    Trotzdem ist es mehr als ärgerlich, dass die geplante Reduktion des MIV auf der Straße irrsinnigerweise von künftig einer Spur pro Fahrtrichtung (plus ÖPNV) auf der Mühlendammbrücke auf drei Spuren pro Fahrtrichtung ab dem Molkenmarkt und nördlich des Nikolaiviertels aufgeweitet wird. Hier würden allemal zwei Spuren pro Richtung reichen und es könnte deutlich mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Auch könnte die geplante Bebauung näher an das Rathaus und das Nikolaiviertel rücken. So bleibt es irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes.

    Die kriegen es noch fertig und reißen daß altehrwürdige Kino Tivoli (ein paar Meter weiter) weg, welches zwar in den Nachkriegsjahren äußerlich arg verhäßlicht wurde, jedoch ein historisch wertvolles Rekoprojekt wäre.

    Ist das Ironie? Das Tivoli wurde Anfang der 2000er abgerissen und durch einen LIDL ersetzt. Dort erinnert nur noch ein Mosaikpflaster und eine Gedenktafel an das alte Kino.

    Lustig, während ich gerade nebenbei den Livestream vom SpaceX-Gelände in Texas anschaue, wo ein weiterer Prototyp für Testflüge zur Startrampe gefahren wird, stolpere ich über diesen Thread. Und ja, er hat mit Stadtbild Deutschland nichts zu tun, aber ich bin ganz bei HelgeK... Wir stehen kurz davor, bahnbrechende Entwicklungen zu erleben. Die Menschheit könnte erstmals in ihrer Geschichte multiplanetar Leben und selbst bei Musk ist der Mars nur der erste Schritt (der Mond kam dann irgendwie später noch dazu, weil die NASA es selbst nicht hinbekommt, schnell, sicher und vor allem günstig erneut Menschen dort hinzuschicken).


    Ich verstehe auch ein Stück weit die Skepsis hier. Auf der anderen Seite ist es das, was uns Menschen ausmacht: Erst verließen wir die Höhle, dann bauten wir Flöße, dann segelten wir über die Weltmeere und entdeckten neue Kontinente. Und immer war dabei die Kunst, später dann auch in der Architektur, unsere Ideen, unsere Gedanken und unsere Gesellschaft abstrakt auszudrücken. Das gleiche wird auf dem Mars passieren, vielleicht eines Tages auf dem Jupiter-Mond Europa und in ferner Zukunft auf einem Exoplaneten.


    Abgefahren? Unmöglich? Dachten sich wahrscheinlich die Menschen auch, wenn man ihnen vor 100, vor 1.000 oder 10.000 Jahren gezeigt hätte, wie fortschrittlich unser Leben für viele Menschen heute aussieht. Alleine, dass wir uns auf dieser Plattform virtuell austauschen ist doch eigentlich ein Wunder.

    Und: Es ist nötig. Wir können nicht auf der Erde bleiben, unabhängig von Naturkatastrophen oder Viren. Unser Planet ist von Natur aus nicht endlich bewohnbar und das Leben, in welcher Form auch immer, wird stets einen Weg finden, sich auszubreiten.

    Der Mars ist also nur der Anfang. Später wird es ein Wimpernschlag in der Geschichte sein von dem Zeitpunkt heute zur Besiedelung des roten Planeten morgen. Und diese wird dann auch eine ganz eigene Architektur mit sich bringen, vermutlich jedoch aus praktischen Gründen ohne Stuck und Schnörkel. ;)

    Abriss zweier gründerzeitlicher Bauten in Berlin-Pankow, rund um die Vinetastraße.


    An der Ecke Berliner Straße / Vinetastraße wurde ein entstucktes, aber sonst sehr gut erhaltenes und bis vor kurzem noch teilweise bewohntes Eckgebäude abgerissen. Das Dachgesisms war sogar noch erhalten.


    Vorzustand (Google Street View):


    https://www.google.de/maps/@52…zr-3fg!2e0!7i13312!8i6656


    Laufender Abriss, Freitag, 11.12.2020 (Eigene Aufnahme, Copyright liegt bei mir).


    ACtC-3dxmFAr_wBeh92K3QwPKLWYW8zzg51recn1x7VxQmdVGS3hDF2VVhsbRXdNFRnhhax8mfrzr8Zjx_XmbuozpD74t_vjqNUSL7kdVd7v9IDGbgCjImOpSjclQ3IX3E9bQhVzOFVW3WqDVh8iXcihEd1U=w1786-h1339-no?authuser=0


    Besonders ärgerlich, neben dem unnötigen und auch nicht-nachhaltigen Abriss eines alten Gebäudes: Unmittelbar westlich schließen drei sehr gut erhaltene Gründerzeitbauten an, die zusammen ein kleines Ensemble ergeben. Das Eckgebäude hätte wiederbestuckt in einer an dieser Stelle recht zerstörten Berliner Straße eine tolle Szenerie ergeben. Ich bezweifle, dass ein Neubau auch nur annähernd an den Ursprungsbau anknüpfen kann.


    Wenige Straßen weiter wurde ebenfalls ein nur dreigeschossiges, aber äußerlich im Originalzustand befindliches Gründerzeithaus abgerissen. Es war das letzte historische Gebäude der östlichen Mühlenstraße zwischen Florakiez und Vinetastraße.


    Vorzustand (leider nur Luftbild Google Maps, das Gebäude rechts der Durchfahrt / links der Baulücke):


    https://www.google.de/maps/@52….51h,52.82t/data=!3m1!1e3


    Geplanter Neubau (51 Eigentumswohnungen, Frank Schiffer Architekten GmbH:


    Vermarktungsseite:

    https://www.pan-co.de/


    bzw. Architekten:

    https://www.frankschiffer.com/projekte/wohnhaus-in-pankow/


    Ich finde diesen Trend bedauerlich und zunehmend bedrohlich: Vorhandene Altbausubstanz muss dem Marktdruck weichen. Selbst fünfstöckige Altbauten werden (vermutlich) durch sechsgeschossige Neubauten plus Staffelgeschoss ersetzt, weil der mittlerweile hochpreisige Immobilienmarkt in Berlin trotz der Abbruchskosten Rendite verspricht. Eine Entwicklung, die in Wien und London seit Jahren zu beobachten ist und selbst vor intakten und stadtbildprägenden Gebäuden keinen Halt macht.

    Kunsthistorisch und architektonisch gibt es selbstverständlich "bessere" Rekonstruktionen. Nur wenige davon würden jedoch eine solche Nachnutzung erhalten wie das Hamburger Beispiel.
    Auch hier macht es die Mischung - Schlösser, Gründerzeitwohnhäuser, Reformarchitektur, auch gute und interessante moderne Architektur und selbstverständlich auch Synagogen, die einen Teil jener weltoffenen Vielfalt Deutschlands ausmachten, die ab den 1930er Jahren vernichtet wurde. Kein entweder / oder, sondern ein klares "auch"!

    Interessant - Bin ich plötzlich im falschen Film (Forum)?
    Da finanziert der Bund eine Rekonstruktion im Sinne des traditionellen Städtebaus, eine große Wunde im Hamburger Stadtbild wird getilgt, es gibt sogar eine klare Nachnutzungsidee (nämlich die Nutzung entsprechend der originären Konzeption: eine Synagoge), die Medien berichten wohlwollend - und wir unterhalten uns ernsthaft darüber, dass man mit dem Geld auch andere (vermeintlich (!) bessere) Rekonstruktionen hätte verwirklichen können?

    Dafür hätte es aber eben dieses Geld gar nicht gegeben. Der Wiederaufbau ist großartig, gerade weil es nicht der prominenteste Wiederaufbaukandidat ist. Damit werden langfristig auch Vorhaben der zweiten oder dritten Reihe legitimiert.

    Leider schwant mir an dieser Stelle wirklich Übles, was Graffiti-Schmierereien betrifft. Am Hauptbahnhof ist die Ufermauer seit ca. drei Jahren großflächig besprüht, nachdem sie ein paar Jahre zuvor saniert wurde (und jahrelang frei von Graffiti blieb, bis einer (!) anfing und binnen weniger Monate alles beschmiert wurde.


    Die Ostfassade ist nun wahrlich nicht die Schokoladenseite des Schlosses, aber eine damit einhergehende Verwahrlosung würde sich auch direkt auf die rekonstruierten Fassaden auswirken.

    Ich gebe dir Recht, der Entwurf als solcher ist nicht ungewöhnlich, es ist für mich nur die Lage:


    https://www.google.de/maps/@52….19h,41.86t/data=!3m1!1e3


    Hiermit wird für lange Zeit der schrecklichste Teil der Straße Unter den Linden für Jahrzehnte in seinem Zustand zementiert - Die Südseite zwischen Friedrichstraße und Wilhelmstraße bzw. das Pendant zwischen WIlhelmstraße und Neustädtische Krichstraße, mit Ausnahme der russischen Botschaft.


    Westlich und östlich davon atmet der Boulevard noch den alten Glanz, aber gerade an diesem neuralgischen Punkt, umgeben von großmaßstäblichen, sich über mehrere (ehemalige) Parzellen erstreckende Rasterfassaden, wird nun die allerletzte Freifläche mit einem funktionalistischen und pseudoavantgardistischen Großbau (auch und gerade in der Höhe!) bebaut und zudem noch der östlich angrenzende DDR-Plattenbau freigestellt erhalten.

    Ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, dass dieses Thema hier schon sehr kontrovers diskutiert wird - Die Komische Oper in Berlin soll ab 2023 für eine dreistellige Millionensumme saniert und erweitert werden.

    Ob ihrer exponierten und wichtigen Lage im Berliner Stadtbild (erste Parallelstraße zu Unter den Linden) eigentlich ein Fall für eine besonders sensible Integration in die Umgebung, wenn auch von der einstigen Pracht nicht mehr viel übrig ist.

    Das Problem: Es wird schlimmer. Sehr viel schlimmer. Ich habe erst einmal eine Nacht darüber geschlafen, um etwas runterzukommen. Grundsätzlich stehe ich moderner Architektur deutlich weniger kritisch gegenüber also noch vor ein paar Jahren und ich akzeptiere auch in bestimmten Situationen einen bewussten Bruch, wenn damit eine wichtige Identitätsbildung bzw. ein Impuls für die Umgebung ausgeht. Aber hier, im Herzen Berlins, an der vielleicht bekanntesten Straße Deutschlands, finde ich die Entscheidung wirklich in jeglicher Hinsicht fatal:


    https://www.baunetz.de/meldung…_entschieden_7456734.html


    Künftiger Blick von Unter den Linden in der Fotostrecke übrigens Bild 7.


    Unter dem Link sind auch die weiteren Plätze zu finden, die es um ehrlich zu sein nicht besser machen. Am besten, ihr macht euch selbst ein Bild davon. Ich will den Entwurf gar nicht beschreiben, ich hoffe nur eins: Ich erlebe es noch, dass man das Ding in 30 oder 40 Jahren wieder abreißt und als die größte Bausünde der 2020er Jahre in Berlin bezeichnet. Den Titel hat sich der Umbau schon jetzt verdient.

    Ich (nicht persönlich oder beruflich verbunden mit dem Projekt) weise darauf hin, dass man das Projekt mit einer monatlichen Mitgliedschaft nun unterstützen kann:


    https://www.patreon.com/20sBer…R-NacEE5U-6NLgLBf6aBSGsk4


    Für zehn Euro im Monat hat man schon ein monatliches Ticket inklusive. Laut der Homepage soll es bereits im Oktober losgehen - ich bin wirklich sehr gespannt und hoffe, das tolle Projekt findet bald statt!


    Melchior_Kurtz , wird es später eigentlich auch eine Verkaufs-/Leihversion bspw. für VR-Brillen geben? Oder wird es immer "nur" vor Ort begehbar sein?

    Ich finde die Nr. 29 noch schlimmer.

    Es macht aber schon einen Unterschied, ob eine Fassade in den 1920er bis 1960er Jahren entstuckt wurde - was in den Jahrzehnten danach als Frevel galt und in Städten wie Leipzig wieder rückgängig gemacht wird - oder ob man im Jahr 2012 eine vorhandene Stuckfassade abgeschlägt und mit Baumarktstyrodor wieder "aufhübscht" und im Ergebnis ein würdiges altes Haus mit pseudohistorischem Kitsch versieht.


    Leider nicht das einzige Beispiel der letzten Jahre, auch wenn es zum Glück noch kein Massenphänomen zu sein scheint.


    Zum Thema "Berliner Phänomen" - Ich würde sagen es ist vor allem auch ein Problem der B- und C-Lagen jeglicher Städte. Die Zentren der Großstädte werden relativ ordentlich und behutsam saniert, etwas außerhalb wird es dann schon schlimmer. Richtig gruselig sind aber die Sanierungen in den Vorstädten oder ehemaligen Industrievierteln. Oftmals gibt es hier überhaupt keinen baukulturellen Anspruch und jeder macht, was er will. Hauptsache man fällt auf. Prollgehabe wie mit getunten Autos, die man sich ausleiht. Oder auch die Übertragung der Ästhetik der Einfamilienhaussiedlungen aus dem Baumarkt-Katalog - grelle Fassaden, blaue Ziegel und ab und an ein paar Säulen, die das 2,50-Meter lichte Höhe-Vordach tragen.

    Sehe ich ein bisschen anders - Mir sind diese schmalen Gebäude, die ihre Errichtungszeit nicht verleugnen, fast lieber als der Gaubenexodus mancher Teil-Rekonstruktion in Dresden. Im Vergleich zu Neubauten auf dem freien Feld sind es gar Welten.


    Denn mit einer guten Portion Optimismus gesehen: Solche Beispiele (und auch die in Lübeck) im dichten Innenstadtbereich können künftig als Blaupause dienen, die Architektur weiter in eine ästhetischere und gestalterisch-anspruchsvollere Richtung zu drehen. Wenn die oben gezeigten Beispiele irgendwann die "Normalität" darstellen, dann gewöhnen sich Investoren und potenzielle Käufer auch daran, dass sie klassisch angehauchte Neubauten errichten und bewohnen können und keine 0815-Kisten. Ein Nöfer wäre vor 20 Jahren eine Sensation gewesen, heute sieht man sich sogar schon an ihm satt. Ich finde diese Entwicklung gut und richtig, wenn ich dir auch zustimme: Hier ist trotzdem noch sehr viel Potenzial nach oben!

    Ich finde den Bau auch wunderbar. Langsam aber sicher traut man sich wieder was mit dem Material Backstein und es ist ein Trend zu einem Neo-Expressionismus zu erkennen, der sich von der Berliner Schießschartenarchitektur der 2000er Jahre bis heute emanzimiert.


    Eine Alternative wäre nur der Wiederaufbau des Bahnhofs gewesen, aber dazu fehlten wohl a) die Initiative und b) schlicht das Interesse. Bin gespannt, ob einer der hinteren Plätze wenigstens eine kritische Rekonstruktion vorsehen.


    Zur politischen Diskussion: Lasst es doch bitte endlich einfach! Das hier ist ein Architekturforum, eine Städtebauforum. Es ist ein Segen, dass wenigstens ein Teil derer, die später von den Nationalsozialisten mit Sicherheit ermordet worden wären, Deutschen verlassen konnte, fliehen konnte. Wie kann man ernsthaft über so etwas diskutieren und dies mit den Folgen eines nationalsozialistischen Angriffskrieges, der wiederum zu Verbrechen auf beiden Seiten führte, vergleichen? Freut euch doch Mal, dass diese Menschen überleben konnten. Nehmt euch deren Leides an, deren Ängsten und, in deren Falle, wenigstens einer teilweise erfreulichen Flucht in eine freiere Welt.

    Vielen Dank für die Bilder!

    Mich würden insbesondere auch Aufnahmen jenseits der gezeigten Stadtviertel interessieren - Wie sieht es in den Nebenstraßen jener imposanten Paradeviertel aus? Wie ist der öffentliche Raum gestaltet? Ist es mit europäisch geprägten Städten wie St. Petersburg oder Warschau vergleichbar oder etwas "eigenes"? Und wie ist der Umgang mit normalen, unspektakulären Altbauten?