Posts by Michael68

    In München wurden nach dem Krieg beispielhaft viele Gebäude rekonstruiert. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Not groß war hat man versucht Teile des Stadtbildes zu retten.

    Die heute in München Verantwortlichen (das habe ich sogar schriftlich) sprechen sich weitestgehend gegen Rekos aus und haben dem Stadtbild in den vergangenen Jahren massiven Schaden zugefügt. Wäre nicht in der Nachkriegszeit so vorbildlich rekonstruiert worden würde Münchens Stadtzentrum heute nicht besser aussehen als das Dortmunds oder Stuttgarts.

    Die Gedanken hier zum Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Ablehnung von Rekonstruktionen finde ich wirklich sehr interessant und aufschlussreich.

    Wir gehen leider mit dem Thema „Patriotismus“ völlig falsch um und überlassen ihn den falschen Personen, statt mit Leidenschaft und ohne Überheblichkeit oder nationalistisches Pathos uns zu unserem schönen Land zu bekennen.

    In meinem Freundeskreis, der teilweise international ist, wundert man sich über diese Selbstgeißelung und Selbstzerfleischung in diesem Land. Dieser fast schon pathologische Selbsthass hat ja mittlerweile fast alle Lebensbereiche erfasst. Nicht zuletzt das Thema „Städtebau“.

    In Deutschland ist die größtmögliche topographische Einheit auf die man stolz sein darf das eigene Bundesland. Den Begriff „Vaterland“ gibt es ja im Deutschen nur noch in Lexika. „Heimat“ ist das Maximum an zugestandenem Patriotismus.

    Nach diesem langem Exkurs zurück zum Thema „Architektur“. Das Argument man wolle die Geschichte vergessen machen oder beschönigen würde dann zutreffen, wenn es keine Gedenkstätten in Deutschland gäbe, wenn alle Lücken, die der Krieg in Städten hinterlassen hat, getilgt wären. Dem ist aber nicht so. Optisch ist der Krieg in fast allen größeren Städten auf vehemente und eindringliche Weise omnipräsent. Fast alle Innenstädte sind bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

    Das beste Argument gegen die Nachkriegsarchitektur ist im Grunde genommen, dass im 3. Reich eine strenge nüchterne Bauweise propagiert wurde, die viel mehr wie das aussah, was unsere Städte heute zeichnet.

    Gründerzeit, Fachwerk, Barock, Jugendstil, das war dem damaligen Regime ein Dorn im Auge. Le Corbusier, den man bis heute feiert, war politisch und architektonisch sehr weit rechts. In meinen Augen ein klares Pro für traditionelle Bauweise.

    Danke für die Bilder. Dazu fällt mir Goethe ein: „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten“ oder wie Heinz Rühmann als „Pater Brown“ immer meinte „hübsch hässlich habt Ihr es hier“. Leider das übliche bundesdeutsche Potpourri aus schöner Architektur und viel -sagen wir es euphemistisch- Banalem.

    Was mir unbegreiflich ist, keine Gemeinde erlaubt es einem Hauseigentümer ohne Genehmigung ein Vordach anzubringen, das Garagentor zu wechseln, aber gleichzeitig werden Häuser und ganze Straßenzüge gebaut, wo nichts zum Anderen passt. Weder in Stil, noch in Form oder Farbe.

    Das ist eine unfassbare Barbarei. In meinen Augen ist dies eine der schlimmsten Nachrichten die in diesem Forum bisher gepostet wurde. Alle Verantwortlichen sollten sich in Grund und Boden schämen. Offenbar wird auch der Turm noch seines Schmucks beraubt. Was für eine Schande!

    Der Stadtbezirk Schwanthalerhöhe und hier insbesondere das sogenannte Westend ist leider in den letzten Jahren sehr stark durch Graffiti verunstaltet worden. Auch Sachbeschädigungen und Vandalismus haben zugenommen. Nach einer Zeit längerer Untätigkeit hat man an diversen Stellen Reparaturen vorgenommen.

    Auch in den Stadtbezirken Sendling und Sendling-Westpark ist leider Graffiti auf dem Vormarsch.

    Mein Eindruck ist, je länger keine Reparaturen oder Renovierungen vorgenommen werden, desto mehr wird die Hemmschwelle für weitere Sachbeschädigungen und Sprühaktivitäten herabgesetzt.

    tegula Vielen Dank für die umfassenden Informationen und die schönen Bilder.

    Was für eine beeindruckende und monumentale, schlichte und doch so erhabene Kirche. Ästhetik und Baukunst in Vollendung. Stimmige Proportionen und harmonisch aufeinander abgestimmte Gestaltungselemente fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen.

    Ein architektonisches und geschichtliches Juwel!

    Heute Morgen habe ich an einer Litfaßsäule ein neues Plakat zum Münchner Fassadenpreis 2021 gesehen. Bis 2011 wurde der Preis jährlich vergeben, ab dann leider nur noch im Zweijahresturnus.

    Sehr schöne Gebäude. Auffallend, wie stolz man in München auf seine historischen Bauten ist, ohne auf diese allerdings beim Bau neuer Gebäude Rücksicht zu nehmen (Stichwort „Ensembleschutz“) oder an Rekonstruktionen zu denken.

    Es wurden zwar schon andere Jahre vor 2019 verlinkt, aber hier nochmal eine umfangreichere Liste:

    Fassadenpreis München 2021

    Fassadenpreis München 2019

    Fassadenpreis München 2017

    Fassadenpreis München 2015

    Fassadenpreis München 2013

    Majorhantines Das Gebäude steht noch nicht. Es befindet sich gerade erst im Bau. Viel kann man noch nicht sehen. Es ist mal wieder ein echter „Meisterwurf“.

    Angesichts der Wohnungsknappheit und dennoch ständig neu entstehender Büros und Hotels bei gleichzeitiger Verdichtung der Bebauung und Überlegung mehr Grünflächen zu versiegeln ist die Errichtung dieses Boardinghauses eigentlich ein Skandal. Eine Parallelstraße weiter (Westendstraße) entsteht übrigens ein weiterer „Prachtbau“. Architekten & Baureferat München „at its finest“.

    Diese unheilige Symbiose aus schlechten Architekten und einem Baureferat, das über alles verfügt außer Ästhetik und Liebe zu dieser in weiten Teilen sehr schönen Stadt ist fatal.

    Diese gelungene Restaurierung habe ich an anderer Stelle schon mal gezeigt (wenn auch noch etwas verdeckt). Das hübsche Gebäude befindet sich auch im sogenannten Westend, unweit des obigen Neubaus. Vielleicht ist das Bild ein kleiner Trost für den hässlichen Neubau.

    Exilwiener Vielen Dank für den Link. Man kann diese unglaubliche Transformation kaum glauben. In Deutschland scheitert dies in meinen Augen an zwei Dingen.

    Das eine ist die ideologische Verbortheit, die nicht nur in Medien und sozialen Plattformen die Diskussion dominiert, sondern längst auch die Architektur in Geiselhaft genommen hat. Siehe Diskussion um das Berliner Schloss oder jedwede Rekonstruktion, die mit Ach und Krach durchgeht, oft aber „abgemildert“ wird durch moderne Stilelemente oder Anbauten.

    Der andere Aspekt ist, dass die meisten Architekten in Deutschland nicht mehr in der Lage sind so etwas technisch und handwerklich umzusetzen.

    Dass Chipperfield, einer der Schlimmsten, der ohnehin so zahlreichen Schlimmen eine stetige Bühne bekommt und auch noch Zugriff auf einige der wertvollsten Lagen und auch emotional wichtigen Gebäude in unseren Städten ist desaströs. Er wird hofiert als wäre er der lang ersehnte Heilsbringer, der uns die architektonische Offenbarung verkündet. In Wirklichkeit sind seine Werke allesamt Schrott. Hässlicher Schrott, der leider auch seine Umgebung optisch in Mitleidenschaft zieht.

    Dieser Satz aus dem britischen „The Spectator“ sagt schon viel über ihn: „For Chipperfield, what a building feels like is just as important as what it looks like.“ Ich kenne das Zitat sogar in der Form, dass das Gefühl weit über dem Erscheinungsbild stehe.

    Wenn ich die allesamt grottenschlechten Gebäude von ihm ansehe frage ich mich doch auch, wie man sich in einem solchen Betonkübel wohlfühlen kann. Das Äußere eines Gebäudes korrespondiert meist auch mit dem Gefühl, das es in uns hervorruft.

    Diesen Neubau würde ich hier in München frenetisch begrüßen. Er ist wirklich ansehnlich, und es wäre wünschenswert, dass mehr Neubauten in diesem Stil errichtet würden. Dennoch bleibt es nur ein weiteres neues Gebäude, das ein historisches Haus mit seiner einzigartigen Geschichte und Architektur unwiederbringlich auslöscht.

    Zumindest macht man sich beim Neubau etwas Gedanken um das Stadtbild, anders als in der gestrigen Meldung zu Schorndorf.

    Sir Moc Dein Schlösser-Video ist ein Traum. Eine ganz tolle Arbeit! Mir gefällt die vielseitige Auswahl der wunderschönen Paläste und die Unterlegung Deiner Bilder mit hervorragend passender Musik.

    Zu meiner großen Überraschung kannte ich die meisten Schlösser weder dem Namen nach, geschweige denn von einer Besichtigung her.

    Das Video könnte wirklich als hochwertige Tourismus-Werbung für Deutschland dienen.

    Ganz großes Lob! Fantastische Arbeit!

    Leider ist das Schicksal der imposanten Stockau Mühle in Reichertshofen in der Hallertau, unweit Ingolstadt, immer noch ungewiss.

    Ein Artikel verspricht zumindest etwas Bewegung in der Sache:

    Sanierung der Stockauer Mühle mit Hilfe des Modellprojekts Landstadt Bayern
    „Ein Impuls für die gesamte Region“ soll es sein, ein „Denkanstoß“, der freilich weit in die Zukunft reicht. Max Zängl, Vor ...
    www.donaukurier.de

    Ein Blogeintrag zum Thema, erschienen vor drei Jahren, gibt interessante Einblicke in die langjährige Geschichte der Mühle und ihren heutigen Charakter:

    Mein Lieblingsort in der Hallertau #7: Die Stockau-Mühle - Hallertau.de
    Manch einer mag sie vielleicht einen Schandfleck im sonst so ansprechenden Landschafts- und Ortsbild nennen. Auf mich wirkt die Stockau-Mühle in Reichertshofen…
    hallertau.de

    Einige Bilder auf dieser Seite zeigen die zum Teil verfallenen und verfallenden, größtenteils sehr beeindruckenden und unbedingt erhaltenswerten Gebäude:

    DOLPHIN TRUST AG - ARCHITEKTURFOTOGRAFIE ALEXANDER BERNHARD
    Diese freie Arbeit zeigt 4 Objekte die von dem Anlageskandal rund um Charles Smethurst betroffen sind oder waren.
    alexander-bernhard.net

    Man kann nur hoffen, dass diese wunder-schönen Gebäude saniert und gerettet werden können.

    Das Schicksal dieser geschichtsträchtigen Bauten und der Umgang mit historischer Architektur (in diesem Fall Industriearchitektur) in Deutschland zeigt leider allzu deutlich, welchen geringen Stellenwert Geschichte, Baukunst und Ästhetik in unserer heutigen Zeit noch genießen.

    Diese Achtlosigkeit und Mutwilligkeit gegenüber der Baukunst vergangener Epochen, gepaart mit dem fast durchweg miserablen und unansehnlichen Ergebnis heutigen Bauens ist beschämend für die Architekten, Stadtplaner und Denkmalschützer in der heutigen Zeit.

    Vielleicht, weil man sich heute zu wichtig nimmt und im Grunde genommen den Baumeistern der Vergangenheit nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann?

    Vielen Dank für die Info. Solche Meldungen finde ich allerdings immer sehr zwiespältig. Ein zugegebener- maßen abscheuliches Gebäude wird abgerissen, so weit so gut.

    Nun befinden wir uns allerdings seit Jahrzehnten in einer Phase, in der Neubauten häufig keine oder zumindest keine nennenswerte architektonische Verbesserung bringen.

    Ehrlich gesagt kommt ein Abriss für mein Dafürhalten derzeit zum falschen Zeitpunkt, denn die Gebäude die jetzt als Ersatz entstehen werden, werden wiederum für Jahrzehnte dort bleiben, d.h. eine erneute, optisch bessere Neubebauung ist damit für lange Zeit völlig ausgeschlossen.

    Natürlich setzt meine Betrachtung den Optimismus voraus, dass es irgendwann einmal zu einer positiven Wende im Hinblick auf Architektur und Stadtplanung kommen wird und eine Neubebauung gleichzeitig eine Verbesserung darstellt.

    Leider geht Deutschland auch in dieser Hinsicht wieder einmal (ganz anders als viele europäische Nachbarn) den einsamen Weg eines ideologischen und unbeirrten Geisterfahrers. Zum Schaden unserer Stadt- und Ortsbilder und auf Kosten wertvoller alter Bausubstanz. Im Grunde genommen ist dieser Frevel in meinen Augen unverzeihlich!