Posts by Graf Cylinar

    Ich würde es unter verpasste Chance abbuchen. Ich denke, als das Gebäude gebaut wurde, war man in Potsdam noch nicht so weit wie heute am Alten Markt. War das nicht die selbe Zeit wo unser Hauptbahnhof gebaut wurde?

    Naumburg, vielen Dank an dich und deine Schwägerin, dass ihr viel Geld und Mühe investiert habt, dass viele Menschen (vielleicht bei manchen

    auch unbewusst) sich jetzt an einem verschönertem Stadtbild erfreuen können. Mögen sich viele Hausbesitzer an euch ein Beispiel nehmen.

    Vielleicht an der Stelle hier ganz passend, ein Schadensplan der Potsdamer Mitte aus der Nachkriegszeit aus dem Potsdamer Museum. Die gelben Gebäude sind Kriegszerstört. Man sieht, dass vor allem in der Breiten Straße und in der Altstadt noch unfassbar viele Häuser abgerissen wurden:


    Das ist für mich der bisher beste Architektenbüro, der hier vorgestellt wurde. Das Haus Inselstraße 2 befällt mir fast schon besser als der Vorgänger. Der Neubau hat so ein gewisses Selbstbewusstsein, ist aber sicher Geschmackssache. Auf ihrer Website ist es ein wenig schwierig zu erkennen, welche der Häuser neu sind und nicht nur saniert (Was man ggf. als Kompliment verstehen kann).

    Sind die Wände nur aus Beton? Das kann ich mir wegen der Dämmeigenschaften nicht wirklich vorstellen. Ist das Ziegelmauerwerk mit grauem Putz?

    Bei mir in der Familie und Verwandtschaft gab/gibt es auch kein großes Interesse an historischer Architektur. Vor 6 Jahren begann ich mich durch den Wiederaufbau unseres Stadtschlosses und den anschließenden Wiederaufbau des Alten Marktes für Architektur zu interessieren. Ich weiß deshalb aus eigener Erfahrung, dass Rekonstruktionen das Interesse an klassischer Architektur steigern. In der ganzen Stadt waren/sind Aufsteller mit Informationen zu den Wiederaufbauplänen, über welche ich meine ersten Informationen bekam. Wenn du erstmal Bilder deiner Stadt von vor 100 Jahren gesehen hast, weißt du welche Architektur die bessere ist.

    Wenn ich an die Zeit davor denke, wird mir erst klar, wie wenig Beachtung man als normaler Mensch seiner Umgebung widmet. Die meisten Menschen haben keine Ahnung von Bauprojekten in Potsdam (Dass das Stadtschloss und das Barberini nicht modern sind wissen sie meistens noch :wink:), aber das man versucht den Stadtkanal zu rekonstruieren hat in diesen 6 Jahren noch keiner gewusst.

    Über die Jahre las ich dann viele Bücher über Architektur. Mit 16 kannte ich dann die meisten klassischen Architektur-Stile. In den letzten Jahren versuche ich mich mit Schmuckdetails und Proportionen, Stadtplanung und Stadtgestaltung auseinander zu setzen.

    Da wurde mir erstmals klar, mit welchen einfachen Mitteln man gute Häuser und Wohnviertel schaffen könnte. Das heute gute Architektur zur reinen Glücksache geworden ist und gute Stadtquartiere nur noch durch Wiederaufbau alter Stadtzentren (Dresden, Potsdam, Lübeck) geschaffen werden können, ist für mich Ansporn gewesen Bauingenieur zu studieren, damit man in Zukunft da was verbessern kann. Das Architektur-Studium habe ich mir erspart.

    Das Forum ist auch eine super Hilfe. Jetzt kennt man fast alle größeren Bauprojekte in ganz Deutschland. Deshalb danke an euch.

    Der Grat zwischen Kitsch und gelungener Architektur ist bei klassischer Architektur sehr schmal. Als Architekt muss man, finde ich, ein Gefühl dafür entwickeln, welche Zierelemente und Materialien für einen Ort angemessen sind und welche nicht. Letzten Endes beurteilen wir ein gutes Gebäude nicht danach wie viel oder wie wenig Stuck dran ist, sondern nach seiner Kubatur, seinen Proportionen, wie es sich in seine Umgebung einfügt oder diese überragt und wie die Gesamtkomposition des Gebäudes gelungen ist. Wie Jacob schon richtig meinte, macht es wenig Sinn, jedes Gebäude zwingend als schön zu empfinden zu müssen, welches klassische Elemente aufweist. Der Vorgängerbau erschien mir da deutlich besser gelungen.