Posts by Graf Cylinar

    Hi Altstädter, ich kann dich total verstehen, mich hat die Verbreiterung, ohne zu übertreiben, mehrere Jahre gestört. Wahrscheinlich tritt bei mir schon langsam die Resignation und Gewöhnung ein und finde sie deshalb nicht mehr so schlimm, immerhin bin ich mit der Straßenbahn schon hundermal dort vorbei gefahren. Auszuschließen ist das nicht.


    Danke übrigens für die interessante Disskussion, die verlinkt hast, an die konnte ich mich gar nicht mehr erinnern und die wahr noch einmal sehr spanned zu lesen.


    Ich denke auch nicht, dass die Verbreiterung jemals rückgängig gemacht wird. Die Rekonstruktion des Plögerschen Gasthofs wird nicht angefasst, denke ich.


    Ich denke man muss die Verbreiterung im Kontext ihrer Entstehung sehen. Die überbreite, aus heutiger Sicht, völlig wahnsinnige Straße, die damals über das Grundstück des Stadtschlosses und Teile der jetzt entstehenden Grundstücke verlief, wurde jetzt schon deutlich verschmälert. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Verschmälerung auf die historische Straßenbreite aus damaliger Sicht utopisch erschien.


    Bitte verstehe mich nicht falsch, aus ästethischer Sicht ist die Verbreiterung, in meinen Augen, im Vergleich zur Vorkriegszeit, eine Vollkatastrophe und ich suche eigentlich eher Gründe, um mit der jetztigen Situation leben zu können.


    Das Hauptproblem ist, denke ich, dass man um die Verkehrsproblematik nicht drum herum kommt. Es geht nun einmal der wichtigste Teil des öffentlichen Nahverkehrs durch dieses Nadelöhr. An einem normalen Wochentag fahren, wahrscheinlich fast alle 3 Minuten, Bus oder Bahn vorbei auf jeder Fahrspur und die sind auch sehr stark belegt. Diesen Verkehrstrom kann man eigentlich auch nicht woanders lang lenken.


    Man hatte also die Wahl, diese Verkehrshölle (für Potsdamer Verhältnisse) über den Alten Markt oder über die Friedrich-Ebert-Straße zu leiten. So zumindest stelle ich mir das als Laie vor. Die Friedrich-Ebert-Straße war zu Vorkriegszeiten zwar nett, aber auch eigentlich nicht bedeutend. Deshalb kann ich die Entscheidung verstehen.


    Ich denke, die Friedrich-Ebert-Straße hat die Chance, nach ihrer Fertigstellung ein urbaner Stadtraum zu werden. Ich halte mich aber noch ein bisschen mit meiner Meinung zurück, bis sie fertig ist, ich bin sehr gespannt.

    Seltsam auch, dass sie vor der Garnisonkirche demonstrieren.


    Wenn ich mich doch für den Staudenhof einsetze, würde ich das dann nicht vor der Zentrale der ProPotsdam, dem Staudenhof oder vor dem Rathaus machen?

    Übersehen:

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    „Warum sollte der Staudenhof gerettet werden? 1. Inmitten des historischen Ensemble ist es doch wunderbar einen Bau aus DDR-Zeiten zu erhalten, der gleichzeitig an die Architektur aus dieser Zeit erinnert. 2. Eine Sanierung des Baus analog der DDR-Bauten an der Markthalle würden diesen Staudenhof aufhübschen. 3. Mit einer historischen Ummantelung der Fassade kann dieser Bau auch seiner Umgebung an die neu entstehenden Bauten angepasst werden. Potsdam soll ja kein Museum werden, sondern eine Stadt in der unterschiedliche Menschen wohnen und das sollten die Bauten auch widerspiegeln. Abgerissen ist schnell und wir sind doch heute froh, dass einige Bürger dieser Stadt sich damals stark gemacht haben für die Erhaltung des Holländischen Viertels. Viele Menschen verbinden mit dem Staudenhof Erinnerungen und das sollte nicht zerstört werden. Gleichwohl wenn Potsdam weiter zugebaut wird, geht der Charme dieser schönen Stadt verloren.“ M. Glogner

    Zu 1.: An die DDR erinnert auch ein komplettes DDR Neubauviertel, welches 10m entfernt ist. Dieses ist zwar als Altstadtbebauung , vor allem die von Potsdam, eine Beleidigung, aber architektonisch besser als der Staudenhof. Die Erinnerung an die DDR ist also gewahrt.


    Zu 2.: Eine Aufhübschung kann es geben, allerdings geht damit der Charakter und damit der angeblich Wert verloren. Dann kann man ja auch einfach gleich gute Neubauten an die Stelle setzen.


    Zu 3.: Ich fände diese historische Ummantelung ein wenig Skurril, außerden verkennt sie das eigentliche Problem, nähmlich, dass der Bau aufgrund seiner Dimensionen und Flächenausnutzung einfach unpassend ist.


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    Potsdam soll ja kein Museum werden, sondern eine Stadt in der unterschiedliche Menschen wohnen und das sollten die Bauten auch widerspiegeln.


    Wird gewährleistet, da natürlich auch in den Neubauten unterschiedliche Menschen wohnen können. Die Mischung wird sogar besser, denn statt ausschließlich Sozialwohnungen gibt es auch Wohnungen für besser Verdienende.


    Den Vergleich zum hollandischen Viertel finde ich krass, dass kann aber auch nur an mir liegen. Ich weiß nicht, ob das holländische Viertel nach der Wende die selbe Wirkung hatte, wie der Staudenhof heutzutage.

    Ich finde es wirklich beeindruckend, wie Meinungen aus einander gehen können.


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    „Ich plädiere für die Sanierung des Gebäudekomplexes. Die Mieter sollen ohne höhere Kosten während der Sanierung anderweitig untergebracht werden und die Mieten sollen auch nach der Sanierung nicht erhöht werden. Angesichts der hohen Mieten in Potsdam halte ich es für dringend nötig, günstigen Wohnraum zu erhalten. Die Stadt Potsdam ist da in der Pflicht, die Sanierung samt Zusatzkosten für die alternative Unterbringung zu finanzieren.“Christiane Frees-Tillil, Potsdam

    Wer soll das bitte bezahlen?


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    „Potsdam ist auf einem sehr guten Weg, das historische Stadtbild wieder teilweise herzustellen. Vieles davon wurde schon umgesetzt, besonders im Bereich des Alten Marktes. Diesen guten Weg würde die Stadt verlassen, wenn der klotzige Staudenhof erhalten bliebe. Es wäre auch unsinnig, jetzt noch erhebliche Gelder in die Sanierung des maroden Gebäudes zu stecken. Dadurch würde der Wohnraum dort auch nicht mehr so günstig sein.“ Joachim Wiegmann, Berlin

    Sehe ich genauso, dem habe ich nichts hinzu zu fügen.


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    „Ich bin für Abriss und Pflanzungen von Obstbäumen. Der Staudenhof ist optisch hässlich und es gibt sehr viele Neubauten. Eine Bepflanzung mit Laub/Obstbäumen müsste auch jedem gerecht werden.“ G. Uhlenbrock

    Sicher eine nette Idee, aber ehrlich gesagt finde ich, dass es in Potsdam wirklich genug Grünflächen gibt. Direkt daneben ist der Platz der Einheit, 100m Entfernt sind die Parks auf der Freundschaftsinsel und am Havelufer.


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    „JA, unbedingt sollte der Staudenhof bestehen bleiben und saniert werden. Ich bin fassungslos über das VOTUM ausgerechnet der Grünen für Abriss, selbst Bundesbauministerin Geywitz plädiert für möglichst mehr Umbau statt Abriss und Neubau - immerhin SPD. Die Argumente für einen Bestand haben Schellnhuber et tutti quantitativ alle überzeugend und ausführlich ausgeführt. Warum hören die Stadtverordneten, die für Abriss sind, nicht darauf? Haben sie noch immer nicht genug Katastrophen in Sachen Klimakrise mitbekommen? Sitzen sie auf ihren Ohren oder ihrem Verstand? Die Stadt plädiert andererseits großmundig für eine „Smart City“, hier wäre Abriss und Neubau ökologisch, klima- und kostentechnisch das Gegenteil von SMART, nämlich schlicht verbohrt. Und „barocke“ Nachahmung gibt’s nun genug an dieser Stelle!“ Christa Hasselhorst, Potsdam

    Die Sanierung des Staudenhofs wird an der Klimakatastrophe wenig ändern, langsfristig für das Klima eher zum Nachteil werden. Denn die auf der Fläche des Staudenhofs entstehenden Neubauten könnte man einzeln durch Neubauten ersetzen, wenn sie nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen. Das Risiko, dass dass das gesamte Karree abgerissen wird, wird also verteilt.


    Es gibt einen (!) barocken Neubau, der Rest ist auch außen komplett International Style, wie es bisher aussieht.


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    „Ich verstehe nicht, warum immer wieder erneut der Abriss des Staudenhofs diskutiert wird. Es gibt Beschlüsse dazu. Es wurde zu diesem Thema auch alles gesagt. Mein Eindruck verstärkt sich, dass somit das Bestreben einer gewissen Klientel unter dem Vorwand von scheinbar sozialen und umweltpolitischen Aspekten der Abriss verhindert werden soll und das längst definierte neue und den historischen Grundrissen entsprechende Stadtquartier verhindert werden soll. An die Eiferer des Erhalts des Staudenhofs: Akzeptiert endlich demokratische Entscheidungen und freut Euch an Eurem Interhotel.“ Waldemar Schill

    :thumbup:


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    „Was soll ich stets mitreden über Entscheidungen der Stadtverordneten, die schon lange beschlossen wurden. Dann brauche ich auch keine Stadtverordneten mehr, wenn doch deren Entscheidungen immer wieder umgestoßen werden. Ich bin zur Wahl gegangen, haben Menschen mein Vertrauen gegeben damit sie sich um meine Interessen kümmern. Das sollen sie bis zur nächsten Wahl auch tun. Es reicht mit dem ewigen Herumdiskutieren. Demokratie sieht für mich anders aus. Also, die Entscheidung zum Abriss ist gefallen.“ Gisela Schmidt

    :thumbup:

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    „Die „Platte“ am Staudenhof ist Baukultur der Moderne und wert saniert zu werden. Eine weitere einfallslose Anlage ähnlich der „Baukörper“ eingangs der Leipziger Straße würde das Stadtzentrum verschandeln und den Potsdamer Kulturerbe-Status weiter ruinieren.“ Heidrun Dietrich

    Ich persönlich sehe nicht den Wert, der es lohnen würde, den Staudenhof zu erhalten. Ich glaube Herr Dietrich hat sich nicht über die Neubauten in dem Block V informiert, die schon aufgrund der einen Rekonstruktion und der Kleinteiligkeit meilenweit den Neubauten an der Leipziger Straße vorraus sind.


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    „Der Staudenhof sollte auf jeden Fall erhalten bleiben! Ich finde zwar das Landtagsschloss und den Palast Barberini echt gut gelungen, aber dafür gibt es auch manche neue Bauwerke, die nur das Prädikat „hübsch hässlich“ (nach Heinz Erhardt) verdienen. Wie den Hauptbahnhof und den Betonkasten, der das neue Bad beherbergt. Ich kann’s verstehen, wenn mancher diese plattmachen möchte, aber auch die haben eine Menge Geld und Ressourcen gekostet. Und wie ich vor einiger Zeit las, kommen Abriss und Neubebauung des Staudenhofs gegenüber einer Sanierung nur durch den Zuschuss von Förderknete billiger.“ Herbert Weiß, Stahnsdorf

    Herr Weiß schweift, wie ich finde, ein wenig ab. Ich denke, dass wenn Herr Weiß wüsste, was dort an Neubauten realisiert wird, dann würde er vielleicht anders denken. Er scheint zumindest den Rekos und traditionellem Bauen nicht abgeneigt.


    Ich glaube, dass die Verhinderung des Abrisses des Staudenhofs einfach nur soviel Unterstützung hat, weil sich die meisten Menschen mit dem Thema nicht wirklich aus einander gesetzt haben.

    Wenn man von Anfang an bei der Entwicklung der Potsdamer Mitte davon ausgegangen wäre, dass keine Gebäude abgerissen werden dürfen, dann hätte es kein Stadtschloss, keine Garnisonkirche, kein Barberini und auch keine große Plantage gegeben.


    Vielleicht ist auch ein Problem, dass die Entwicklungen in der Potsdamer Mitte über einen so großen Zeitraum entstehen, dass die meisten Menschen gar nicht mehr wissen, wie schrecklich es da vorher aussah. Ich meine, wenn man sich nicht dafür interessiert, wer schaut sich denn alte Ansichten vom Alten Markt von 1990 an. Wenn das aber viel mehr Menschen tun würden, würde vielleicht auch eine allgemein größere Dankbarkeit dafür vorherrschen, was hier in den letzten Jahrzehnten Großartiges geleistet wurde.

    Bohnenstange


    Naja, die Argumente funktionieren in Potsdam auch, ich habe Bekannte, die wahrscheinlich ähnlich denken. Ich denke, sie sagen es mir bloß nicht, weil sie meine Meinung kennen.

    Auch wenn man sich in Bars oder woanders mit Leuten unterhält, haben diese, wenn sie sich überhaupt damit auskennen, eine eher negative Meinung.


    Es gibt in Potsdam schon Widerstand gegen das Projekt, ich denke sogar, dass es gar nicht so wenige sind. Das Garnisonkirche-Projekt wird in den Medien die letzten Jahre überwiegend schlecht dargestellt. Ich weiß nicht, wie es die Jahre aussah, bevor ich mich für das Thema interessiert habe, aber wahrscheinlich war das schon immer so.

    Dafür wird der leistungslosen Jugend als zukünftiger Wählerschicht Zucker in den ... geblasen. Die tobt dann in den Wohlfühloasen und verleidet der älteren Generation den Aufenthalt.

    Das klang vor 5000 Jahren schon ähnlich.

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    „Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte“ (Keller, 1989, ca. 3000 v. Chr., Tontafel der Sumerer)

    5000 Jahre Kritik an Jugendlichen – Eine sichere Konstante in Gesellschaft und Arbeitswelt
    Dieser Beitrag wurde mit einem Beitrag ergänzt, der die Hintergründe und die Problemlagen, die sich hinter diesen Zitaten befinden, stärker betrachtet. Rufen…
    bildungswissenschaftler.de


    Ich wohne seit 15 Jahren im Kirchsteigfeld, einem Viertel in Potsdam, welches sich von der Architektur und Stadtplanung typische postmodernistisch daran versuchte, einen mix aus historischem und modernem Stadtviertel zu schaffen. Leider ist dieses Viertel zu einer Schlafstadt verkommen, weil eben diese Third Places zu wenig geschafffen wurden. Es gibt nur 3 billige Restaurants und einen Stadtteiltreff, mehr Möglichkeiten gibt es hier nicht, Menschen im Viertel kennen zu lernen. Es sei denn, du gehst hier zur Schule oder hast Kinder in dieser Schule.


    Urbane Stadtplanung und Architektur reicht nicht aus, es brauch diese Third Places. Ich denke die beste Möglichkeit sind dafür das klassische Konzept, wo die Geschäfte im Erdgeschoss angesiedelt werden und darüber sich die Wohnungen befinden.

    Das mit den "rechten Wallfahrtsorten" ist doch der größte Schwachsinn überhaupt.

    Allein dadurch, dass das Thema Garnisonkirche so oft in den Medien durchgekaut wurde, wird doch nach der Fertigstellung jede mögliche Option gewählt, dass zu verhindern.


    Ich stelle mir auch vor, wie das bitte in Echt in Potsdam funktionieren soll. Da wird doch sofort eine "linke Demonstration" gegen ein Treffen "rechter Anhänger" organisiert. Wenn ich bedenke, wie verbal gewalttätig "die" schon bei dem Grundsteinegungs-Gottesdienst des Turmes waren, dann will ich mir gar nicht vorstellen was los wäre, wenn mal wirklich "deren" Angstvorstellungen real werden würden.


    Wo sollte das auch stattfinden? Ich versuche mich mal in einen "rechten Wallfahrtsbegeisterten" hinein zu versetzen:


    In dem Garnisonkirchenturm bestimmt nicht. Da ist die Ausstellung, die Kapelle und ein paar Tagungsräume. Ich denke mal nicht, dass die Betreiber der Garnisonkirche wirklich so dumm wären und da eine "rechte Verantstaltung" erlauben würden, wenn sie nicht riskieren wollen, dass gesamte Garnisonkirchenprojekt zum Scheitern zu bringen.


    Dann bleibt ja nur der Platz vor der Garnisonkirche. Da wäre ein schmaler Streifen Fußgänger- und Radweg zwischen Garnisonkirchenturm und der stark befahrenen Straße. Wäre also nicht machbar.


    Hinter der Garnisonkirche wäre die moderne Plantage. Was soll man denn da als "rechter Wallfahrtsbegeisterter" auf diesem Sportplatz machen?


    Wenn ich mir einen "rechten Wallfahrtsort" überlegen müsste, würde der abgelegener sein. Er würde stärker mit dem Nationalismus zu tun haben, als ein Tag, wo die Kirche mal von Nationalsozialisten genutzt wurde. Ich will den Tag von Potsdam nicht klein reden, aber da gäbe es sicher symbolträchtigere Orte.


    Vor allem, selbst in dem Fall, dass man "rechts" wäre und unbedingt die Garnisonkirche wiederaufgebaut sehen möchte, um sie als Wallfahrtsort zu haben. Dann wäre ich doch nicht so dumm und würde gleich nach dem Bauabschluss des Turmes dort ein fettes "rechtes Treffen" verantstalten. Das würde sofort Schlagzeilen machen und die Chance, dass Kirchenschiff und weitere Teile des Turmes zu rekonstruieren wäre für sehr sehr lange Zeit dahin.


    Für mich ist das Argument "rechter Wallfahrtsort" nur vorgeschoben, weil es kein rationalen Grund gäbe, um die Beseitigung der Hinterlassenschaften, der heiß geliebten sozialistischen Magistrale (zu denen das Rechenzentrum gehört), zu rechtfertigen.


    Ich vermute, dass die Künstler deshalb in dem Rechenzentrum angesiedelt wurden, weil es dann einen guten Grund gäbe, den Abriss zu verhindern.