Posts by Graf Cylinar

    Vielen Dank für die Ergänzungen Centralbahnhof. Tatsächlich sind mir die schlechten Abstandsflächen zwischen den Etagen bereits beim Zeichnen aufgefallen. Zur Vergrößerung des Abstands hätte ich die Anzahl der Fensterachsen erhöhen können, bei fünf Achsen sahen die Fenster jedoch zu klein aus und vier Achsen wären ein schlechtes "Lehrstück" gewesen. Mit unterschiedlich hohen Etagen hätte man wohl das Problem am besten lösen können, aber die wollte ich eigentlich vermeiden. Deine Analysemethode mit dem Gittermuster finde ich richtig klasse und werde sie auch mal ausprobieren. Bei den Proportionen des von dir gezeigtem Hauses fällt mir auf, dass die Unterteilung in die ersten beiden Geschosse und die drei darüber liegenden dem goldenen Schnitt entspricht.

    Das vierte Stockwerk wird von den darunter liegenden Stockwerken durch ein Gurtgesims getrennt, es hat meist eine ähnlich einfache Rahmung wie das Erdgeschoss.



    Da bei den Gebäuden des Historimus der Fasadenschmuck meist sehr reich ist, sollte man die Wandflächen zwischen den Fenstern noch weiter gliedern. Beliebt war im Historismus dafür Klinker, welcher mit seinen Mauerfugen gut gliedert, oder aber man gliedert die Wandflächen wie im Erdgeschoss durch horizontale Einkerbungen in den Putz, sie sollten aber feiner ausfallen als im Erdgeschoss.



    Nun fehlt noch der Abschluss zum Dach, da gibt es unzählige Möglichkeiten, ich wähle wieder ein eher einfaches Gesims. Schau dir hierfür am besten an, wie antike Bebäude den Dachabschluss gestaltet haben und lass dich inspirieren.



    Auffällig ist, dass solche einfachen historistischen Gebäude selten eine Attika besitzen, hier kann also einfach das Dach kommen.


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    Meines erachtens wars das und du wirst sehen, dass die meisten Wohnhäuser das Historismus dieser Anleitung folgen, jedoch mit einer großartigen Fülle an unterschiedlichem Ornament es schaffen, keine Monotonie aufkommen zu lassen. Bei den Details wie Türen-, Fenster- und Schmuckdesign musst du dich einfach mal umschauen. Da unser Schmuckkanon auf antiken Tempeln beruht, sollte man deren Details studieren, um diese Elemente wieder zu verwenden. Ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen. Ich bin sehr gespannt auf die Meinung der Mit-Foristen und ob meine Erkenntnisse widerlegt werden können. Das meiste habe ich mir zusammengereimt und kann meine Ideen nicht wirklich überprüfen. Wenn mir hier jemand Hinweise geben kann, wäre ich unglaublich dankbar.

    Ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann Martin89, ich habe weder ein Studium in Architektur oder Architektur-Geschichte, noch habe ich Fachliteratur zum Historismus gelesen oder arbeite im Baubereich. Mein Wissen bezieht sich deshalb alleine auf das, was ich an Architektur gesehen und erlebt habe und meiner sporadischen und nicht wirklich professionell ausgeprägten Leidenschaft, Gebäude zu zeichnen. Da derzeit vor allem Wohnungsbauten lukrativ sind und somit am interessantesten für einen Architekten sind, vor allem aber hier ein größerer Schwerpunkt als bei anderen Zweckgebäuden auf Gestaltung gelegt wird, möchte ich hier ein Aufbau eines typischen Wohnhauses des Historismus durchgehen. Dieser ist ziemlich einfach und erfordert meines Erachtens kein umfangreiches Wissen in Proportionslehre. In meinem Beitrag möchte ich auch nicht im Detail auf den Stuck eingehen, der ist meines erachtens einfach Fleißarbeit, sondern diesen nur grob wiedergeben. Ich weiß auch nicht wie man mit einem Zirkel arbeitet und rechne die Größenverhältnisse deshalb einfach aus, arbeite auch nicht so milimeter genau bei den Größenabständen.


    Zuerst zeichne ich ein Viereck mit "goldenen Proportionen". In meinem Beispiel gehen ich von einem Investor aus, der sein Grundstück möglichst effizient verwerten möchte, weshalb das Viereck aufgerichtet wird. Ohne geometrische Werkzeuge behelfe ich mir damit, die Länge der Straßenseite mal 1,6 für die Höhe zu rechnen. In meinem Beispiel beträgt die Breite des Grundstücks zur Straße 5 cm, demnach ist mein Haus 8 cm hoch. Weiter gehe ich davon aus, dass mein Haus vier Stockwerke hat. Ich würde heutzutage einem Gebäude, welches nicht die selbe Geschosshöhe in jeder Etage hat, wenig Chancen geben und teile deshalb die Gebäudehöhe durch 4 = 2 cm pro Etage. Gleiche Etagenhöhen sind allerdings für den Historismus auch nicht unüblich.



    Nun kann ich an die Fenster gehen. Beliebt war das Größenverhältnis doppelte Höhe zur breite. Häufig entspracht der Abstand zwischen den Fenstern deren Breite. Außerdem muss beachtet werden, dass die Anzahl der Fensterachsen ungerade sein sollte. Ich entscheide mich in meinem Beispiel für 3 Fensterachsen. Da ich die Flächen zwischen den Fenstern gleich groß haben möchte, teile ich die Etage in sieben gleich große Abschnitte (Mauer - Fenster - Mauer - Fenster - Mauer - Fenster - Mauer), rechne also 5 cm / 7 = ca. 0,71 cm. Da ich gleich hohe Etagen habe, habe ich auch gleich hohe Fenster, welche demnach ca. 1,42 cm hoch sind. Diese werden jetzt in jedes 2te siebentel eingesetzt.



    Als Architekt muss man jetzt wohl darauf achten, auf welcher Höhe in dem Kästchen die Fenster eingesetzt werden, um gute Fensterhöhe für die Bewohner zu erreichen. In meinem Beispiel habe ich die Fenster so eingesetzt, dass es in etwar passen sollte. Ich habe in meinem Beispiel ca. 3 mm zum unteren Kästchenrand Platz gelassen.



    Jetzt habe ich noch ein Kellergeschoss hinzugefügt, damit das Erdgeschoss erhöht ist und nicht alle hinein schauen können.



    Nun gehe ich an den wichtigsten Teil der Fassade, die Fenster. Diese sollten unbedingt Sprossenfenster sein. Hier stehen mir nun bei dem Fenster-Größenverhältnis, doppelte Höhe zur Breite, die folgenden typischen Sprossenfenster zur Auswahl:



    Typisch für den Historismus ist der letzte Typ, deshalb wähle ich diesen.



    Nun hat man das Grundgerüst und kann sich an den Fasadenschmuck machen. Ich fange mit dem Erdgeschoss an. Das Erdgeschoss stellt den Sockel dar und ist entsprechend am schlichtesten Gestaltet. Er soll Stabilität repräsentieren. Leider wurde sehr oft in späteren Zeiten dieses Geschoss durch Ladeneinbauten geöffnet und dieser Funktion beraubt. Die Fenster erhalten eine einfache Rahmung und die Mauerabschnitte erhalten eine einfache horizontale Gliederung durch Einschnitte in den Putz. Die Gesims deute ich hier in meinen Zeichnungen nur an.



    Die erste Etage ist die Beletage, sie erhält den aufwendigsten Schmuck. Eigentlich gibt es immer 2 Gurtgesimse zwischen dem Erdgeschoss und der Beletage.



    Zwischen diesen Gurtgesimsen wurde dieser Schmuck (hier nur angedeutet, aber ich denke du verstehst was ich meine) angebracht:



    Nun kommen wir zum Fensterschmuck, dieser füllt meistens die Fläche zwischem der ersten Etage und der zweiten Etage aus und hat als Prägendes Element einen Giebel, bestehend meistens aus einem Dreieck und/oder einem Halbkreis, es gibt aber auch gesprengte Giebel usw. In meinem Beispiel verwende ich beide Formen.

    Das zweite Stockwerk erhält eine Fensterbank und einen Rahmen, der Giebel über den Fenstern sollte aber flacher ausfallen als bei der Beletage. Sehr gern wird hierzu die Fläche über dem Fenster wie in der Beletage mit einem Architrav versehen, jedoch der Giebel weg gelassen:



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    Wahrscheinlich wurde das zweite Bild vom selben Standort aus, wie das erste gemacht. Das zweite Bild ist einfach nur ein Schwenk weiter nach links. Vielen Dank übrigens für die tollen Bilder, die hab ich noch nie gesehen. Die Potsdamer Hinterhöfe finde ich immer wieder interessant zu sehen, gerade weil davon heutzutage, außerhalb der zweiten barocken Stadterweiterung, nicht mehr viel erhalten ist.

    Die ersten beiden Fotos stammen aus dem heute nicht mehr existierenden Karree zwischen Nikolaikirche und Stadtkanal. Das letzte Bild könnte der Innenhof der heutigen Hermann-Elflein-Straße 10 sein.

    Wow, die neuen Fenster und Fensterläden holen wirklich viel raus. Die Farbwahl gefällt mir auch gut. Schön ist auch, dass die Fasade nicht mehr so sehr von Bäumen verdeckt wird. Die Neubauten sehen auch echt klasse aus.

    Ich habe heute ein paar Bilder von der Garnisionskirche gemacht, um ein Bild vom Baufortschritt zu vermitteln:


    Das erste Bild zeigt den Turm, gesehen vom Stadtschloss aus. Hier kann man die Größenverhältnisse gut erkennen:



    Das zweite Bild zeigt den Turm von der Seite, wo man ihm auf der Webcam nicht sehen kann, Die Höhe des Kirchenschiffs ist erreicht, es fehlen aber noch die Balustraden, das Dachgesims ist schon zu sehen:



    Alle Bilder sind von mir.