Posts by Rothenstein

    Das Areal bei GoogleMaps aus der Luft:

    https://www.google.com/maps/pl…3d49.4521018!4d11.0766654


    Geht man hinein, sieht man verschiedene Zeitschichten des Areals, so z.B. die Nutzung als Parkplatz...

    https://www.google.com/maps/@4…DcPSRg!2e0!7i13312!8i6656


    ...ohne die Vorbebauung an der südöstlichen Ecke von Karlstraße/ Augustinerstraße:

    https://www.google.com/maps/@4…u2Nj5A!2e0!7i13312!8i6656


    ...und einmal mit der alten Vorbebauung:

    https://www.google.com/maps/@4…1drcJw!2e0!7i13312!8i6656

    Gestern (12. Januar 2020) habe ich ein paar Bilder vom Baufortschritt am Augustinerareal gemacht. Die Bilder sind eher spontan mit dem Mobilfon in der Dämmerung entstanden und von entsprechender Qualität, zeigen das Areal aber aktuell und aus allen möglichen Richtungen.


    Blick von der Ecke Augustinerstraße / Karlstraße nach Südosten, entlang der südlichen Bebauung der Augustinerstraße mit dem entrüsteten Flügel des Neubaus und einigen Altstadtresten in der Fortsetzung:


    Blick von der nördlichen Karlsbrücke, die die Trödelmarktinsel mit der Sebalder Altstadt verbindet, nach Norden, entlang der Karlstraße:



    Detail der Südfassade:


    Blick von der nördlichen Karlsbrücke nach Nordosten, über die Pegnitz auf das Neubauareal:


    Blick von der nördlichen Karsbrücke nach Osten über den nördlichen Pegnitzarm zum Schleifersteg, mit Neubau links und Trödelmarktinsel rechts:


    Blick in entgegengesetzter Richtung, vom Schleifersteg nach Westen auf den nördlichen Pegnitzarm, mit Trödelmarktinsel links, nördlicher Karlsbrücke geradeaus und Neubau rechts:


    Blick durch die Winklerstraße nach Norden, links der Neubau, rechts beim angeschnittenen gelben Eckhaus die Einmündung der Tuchgasse:


    Blick von der Tuchgasse nach Westen auf den Neubau, rechts wiederum das gelbe Eckhaus:


    Blick durch die Tuchgasse nach Westen auf den Neubau, vom Hauptmarkt aus:

    Ich bin dann eben noch zum Hauptbahnhof gelaufen, entlang dem Königstorgraben. Aber seht selbst.



    Dieses Sparkassengebäude befindet sich in der Marienvorstadt, die sich südöstlich dem Marientorgraben, der Begrenzung zur Altstadt, anschließt.


    Soll ich erwähnen, dass die Marienvorstadt einst sehr schön war und ein bevorzugtes Wohnviertel darstellte? Davon ist heute nichts geblieben.



    Vom Hauptbahnhof aus stellt sich die Situation so dar. Blick auf Königstormauer und Königstorgraben:



    Blick auf den Frauentorturm und in die Königstraße, einer der Hauptachsen der Altstadt, mit dem Glaskubus der Touristeninformation davor:



    Selbst bei Hotels, die sich Grand Hotel nennen, schafft man es nicht, die Notarchitektur des Wiederaufbaus zu korrigieren. Man beachte das obere Stockwerk:



    Das Gefühl eines gefassten Platzes mag hier, ähnlich wie am Plärrer, nicht so recht aufkommen. Rechts die Stelle, an der bis letztes Jahr die Hauptpost stand:



    So, das war's für heute. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

    Wir wollen aber gerecht (und repräsentativ) sein, deswegen blicken wir noch auf die Reste an älterer Bausubstanz, die sich am Ende der Lorenzer Straße, zur Stadtmauer hin, über die Zeit gerettet haben.





    Hier lohnt auch ein Blick entlang der Stadtmauer:



    Das Marientor war ein neugotisches Stadttor, dem nur ein kurzes Leben beschieden war (1859-1891), so dass sich heute an dieser Stelle kein Tor mehr befindet. Blick von außerhalb der Altstadt über den Marientorgraben in die Altstadt:



    Das Gebäude links beherbergt die Kunsthalle. Daran angebracht ist (auf der stadteinwärts liegenden Seite) folgender Schriftzug:



    Man möchte fragen: Was würde Dürer zu seiner Heimatstadt in ihrer heutigen Form sagen?


    Außerhalb der Altstadt blickt man nach Norden in den Marientorgraben:


    Nun gehen wir vom Lorenzer Platz zur Lorenzer Straße. Man sollte trotz des Namens keine übertriebenen Erwartungen hegen. So sieht die heutige Nürnberger Altstadt eben in großen Teilen aus, wenn man nicht nur die Schokoladenseiten fotografiert. Immerhin gibt es am Ende der Häuserzeile links noch einen Lichtblick.








    Blick zurück zur Lorenzkirche, links das Monstrum der Sparkasse, das sich noch weit nach Süden ausdehnt:



    Hier gibt es kein Entrinnen von der Nachkriegsbanalität. Man sollte nicht denken, dass es besser wird, wenn man in eine der angrenzenden Gassen flüchtet.


    Nun kommt eine ruhigere Episode unseres Spaziergangs. An der nordöstlichen Ecke der Lorenzkirche befindet sich der Lorenzer Platz, der trotz seines Namens ein Schattendasein fristen und von Wiederaufbauarchitektur geprägt ist, die mir persönlich nicht zusagt.


    Experten, die es natürlich aufgrund ihrer Autorität besser wissen müssen, loben gerade dieses Haus von Sep Ruf, in der einst die Bayerische Staatsbank untergebracht war, und wo heute das Bayerische Finanzministerium seinen zweiten Amtssitz hat:



    Ich finde: Die Proportionen stimmen nicht, etwa die obere Fensterreihe, die unter das für Nürnberg unpassend flache Dach gequetscht zu sein scheint. Die Fahnenmasten links auf dem Dach wirken billig. Aber nun gut.


    Blick nach links:



    Blick nach rechts:



    Das ist wohl der gelobte "Wiederaufbau" der Nürnberger "Altstadt". Nun, mit Florenz oder Venedig kann man so natürlich nicht mithalten, aber das will dieses heutige Nürnberg ja auch gar nicht.


    Ein Blick zurück zum Chor der Lorenzkirche:






    In diesem Bereich befinden sich im übrigen viele Banken. Dies erklärt auch, warum es hier am Wochenende und abends eher ruhig ist.


    Nun geht es auf der belebten, geschäftigen Karolinenstraße nach Osten, immer die imposante Westfassade von St.Lorenz im Blick, die uns über die sonstige banale Architektur und das billige Pflaster hinwegtrösten mag:



    Einige der Häuser wirken eigentlich wie eine Art von Notarchitektur:



    Bei anderen merkt man, dass man große Volumina kleinteiliger machen wollte, mit wechselndem Erfolg:



    Hier nun endlich der volle Anblick der Westfassade der Lorenzkirche. Das gibt es so in vielen deutschen Großstädten natürlich nicht:



    Wir gehen nördlich an der Kirche vorbei und blicken zurück in das Gewusel und auf das Nassauer Haus, einen mittelalterlichen Wohnturm, der die Platzecke imposant und gelungen markiert:



    Wir halten uns an der Gabelung rechts und gelangen damit auf den Hefnersplatz. Die Bebauung weist hier noch viel Altbausubstanz auf, zu einem großen Teil auch gründerzeitlich überformt, wie es für ein Geschäftsviertel nicht untypisch ist.



    Der eigentliche Hefnersplatz mit dem Peter-Henlein-Brunnen:



    Blick zurück, wo wir hergekommen sind, ganz hinten das Kaufhaus Wöhrl am Ludwigsplatz erkennbar:



    Vom Hefnersplatz aus öffnet sich die Karolinenstraße, die wichtigste Einkaufsstraße Nürnbergs, die geradewegs auf die imposante Westfassade der Lorenzkirche zuführt:



    Die Bebauung in diesem Bereich wirkt überwiegend großstädtisch. Am Beginn, zum Hefnersplatz hin, gibt es noch einige Altbauten:



    Ganz überwiegend ist die Karolinenstraße aber durch moderne Bebauung, die teilweise mehr oder weniger gelungene historische Anleihen benutzt, geprägt:


    Wir gehen nun die Ludwigstraße weiter in nordöstlicher Richtung, also weiter hinein in das Herz Nürnbergs. Am Jakobsplatz tut sich dieser Blick auf: Links die katholische, klassizistische Elisabethkirche, rechts die protestantische, gotische Jakobskirche, dazwischen noch etwas entfernt der Weiße Turm, ein Turm der älteren (und damit engeren) Stadtbefestigung vor der letzten Erweiterung. Ganz links ist das Polizeipräsidium angeschnitten:



    Auf diesem Platz finden viele Kundgebungen statt. Blick man nach rechts, also nach Süden, merkt man sehr schnell, dass man dies nicht tun sollte:



    Gehen wir also lieber weiter in Richtung des Weißen Turms.



    Blick zurück zur Elisabethkirche:



    Hinter dem Weißen Turm öffnet sich der Ludwisplatz, hier mit dem Kaufhaus Wöhrl.



    Aber blicken wir weiter in Richtung Osten:



    Man sieht, wie sich der Platz weiter hinten gabelt; links würde sich dann der Josephsplatz, und rechts der Hefnersplatz, wo wir hingehen werden, öffnen.


    Hier ein genauerer Blick auf das moderne Gebäude, das die Gabelung markiert und das hier im Forum sicher kontrovers diskutiert wird:



    Großstädtisch und belebt wirkt dieser Bereich Nürnbergs allemal.

    Wir beginnen also am Plärrer, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Nürnbergs. Hier mündet auch die Fürther Straße, eine der großen Straßen Nürnbergs außerhalb der Altstadt, die für die Industrialisierung Nürnbergs von größter Bedeutung war.



    Der Platz ist leider als solcher nicht erfahrbar. Es handelt sich vielmehr um eine unübersichtliche, vielbefahrene Straßenkreuzung, kombiniert mit einer Bus-, Straßenbahn- und U-Bahnhaltestelle. Die Bebauung mag den Platz kaum städtebaulich fassen; das Gefüge zerfließt vielmehr.


    Eine Begrenzung des Platzes bildet die Stadtmauer, hier mit dem Spittlertorturm und dem Spittlertorzwinger:



    Am mächtigen Rundturm vorbei blickt man in die Ludwigstraße, die zunächst auf die Jakobskirche auf dem gleichnamigen Platz zuführt:




    Die Ludwigstraße selbst ist wohl die Straße in der Altstadt, die am meisten orientalischen Charakter hat. Sie ist sehr belebt und geprägt von Handyläden, Spielhallen, orientalischen Barbieren, Reisebüros und Läden, die sich bei gutem Wetter gerne auf die Gehsteige ausbreiten.



    Hier gibt es auch noch einiges an Altbausubstanz:


    Heute geht's einmal von Westen nach Osten durch die südliche Altstadt, sprich durch die Lorenzer Altstadt. Die Lorenzer Altstadt ist im Gegensatz zur Sebalder Altstadt deutlich mehr geprägt von der Funktion als Geschäftszentrum der Stadt.


    Hier die heutige Route:

    Wir beginnen also am Plärrer, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Nürnbergs, gehen nordöstlich am Spittlertorturm vorbei in die Ludwigstraße und gelangen über den Jakobsplatz und Weißen Turm schließlich in die Karolinenstraße. Die Karolinenstraße ist die wichtigste Einkaufsstraße Nürnbergs mit großstädtischem Charakter und führt direkt auf die Lorenzkirche mit ihrer imposanten Westfassade zu. Danach geht es über den Lorenzer Platz und die Lorenzer Straße, die beide trotz ihres Namens heutzutage eher ein Schattendasein führen, zum Marientor. Zum Abschluss geht es dann entlang dem Königstorgraben zum Hauptbahnhof.

    @ Rothenstein: Deine Sicht der Dinge ist nun mal sehr subjektiv und kann immerhin leicht mit Fakten widerlegt werden

    Ich glaube, dass die Beurteilung des Stadtbildes oder der Atmosphäre einer Stadt teilweise immer subjektiv bleiben muss, nicht nur, wenn ich dazu etwas schreibe. Es gibt natürlich auch objektive Daten dazu, die aber häufig der Interpretation und Einordnung bedürfen.


    • Die These "Nürnberg sei zu einer B-Stadt abgesunken
      Wahr ist, Nürnberg ist spätestens ab Anfang des 18. Jahrhundert nichts anderes als eine gewesen, erlebt aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine kontinuierliche ökonomische Entwicklung nach oben. Leicht ist das an den Einwohnerzahlen abzulesen. Während Städte wie Leipzig oder Dresden im Vergleich zur Vorkriegszeit massiv an Einwohnern verloren (und auch an ökonomischer Bedeutung) und nach der Wiedervereinigung durch massive Eingemeindungen gegensteuern konnten (Dresden hat bspw. eine doppelt so große Stadtfläche), ist es Nürnberg gelungen sich Stück für Stück nach vorne zu arbeiten.
      Etwas veraltet aber als Quelle geeignet: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Großstädte_in_Deutschland

    Die Bezeichnung A-Städte und B-Städte sind Kategorien der Immobilienwirtschaft. A-Städte in Deutschland sind die vier Millionenstädte Berlin, Hamburg, München und Köln, sowie drei weitere, kleinere Städte mit internationaler Ausstrahlung: Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart.


    Selbstverständlich haben Leipzig und Dresden unter der deutschen Teilung massiv gelitten. Leipzig war vor dem Zweiten Weltkrieg mindestens ebenbürtig zu Frankfurt, und Dresden war eine Kulturstadt von europäischem Rang; sie wären vor dem Krieg quasi A-Städte gewesen. Nürnberg war auch schon zu jener Zeit von minderem Rang.


    Solche Dinge lassen sich auch ganz gut an der Architektur um 1900 ablesen; diese ist in Nürnberg längst nicht so prachtvoll wie in den sächsischen Städten oder Berlin. Nürnberg erlebte einen langen Niedergang im 17. und 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert kam es zwar, wie im übrigen in allen deutschen Städten, zu einem starken Bevölkerungswachstum, aber relativ gesehen verlor Nürnberg immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt wegen des bayerischen Zentralismus, der auf München und Oberbayern ausgerichtet ist.


    Auf der anderen Seite hat die relative Bedeutungslosigkeit zwischen Ende des Dreißigjährigen Krieges und Beginn des Zweiten Weltkrieges dazu geführt, dass die Altstadt Nürnbergs mehr vor Veränderungen als in anderen, dynamischeren Städten geschützt war. Heute merkt man der Stadt ihre Ideen- und Konzeptlosigkeit an; es fehlt das intellektuelle Kapital.


    Bayern hat Nürnberg ja u.a. auch seine Universität und damit seine intellektuelle Bedeutung genommen, was mit zum Niedergang beigetragen hat. Nürnberg ist die größte deutsche Stadt ohne eigene Universität (die Universität Erlangen-Nürnberg ist ja im wesentlichen eine Erlanger Universität). Der Bildungsstand in Nürnberg ist, für mich wenig überraschend, so niedrig wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt.


    Beim Akademikeranteil in der Gruppe der 14 Städte über 500.000 Einwohner nimmt Nürnberg den 11. Rang ein, also gerade noch vor den Ruhrgebietsstädten Essen, Dortmund und Duisburg, aber hinter allen anderen Städten.
    Quelle: https://www.comdirect.de/cms/u…presse/cori1088_0767.html


    Das Armutsrisiko in Nürnberg ist höher als in allen anderen dieser 14 Städte mit Ausnahme von Dortmund. Und das merkt man der Stadt auch an, wenn man die vielen Rentner sieht, die im Müll nach Pfandflaschen kramen.
    Quelle: https://www.sueddeutsche.de/ba…n-armut-bedroht-1.3930929



    • (...)
    • Die These, Nürnberg sei Stolz darauf "nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben". Tatsächlich landet die Stadt in internationalen Befragungen unter Expats immer wieder auf sehr guten Plätzen. Zuletzt hat Mercer für Nürnberg Platz 23 ermittelt, hinter München (3), Düsseldorf (6), Frankfurt am Main (7), Berlin (13), Hamburg (14) und vor Stuttgart (27) sowie Leipzig (60). Kriterien sind u.a. soziale, politische, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte sowie Gesundheit, Bildungs- und Verkehrsangebote sowie andere öffentliche Dienstleistungen etc.
      Übrigens, beim gesondert befragten Thema Sicherheit landen Düsseldorf, Frankfurt, München und Nürnberg gemeinsam auf Platz 11, vor Stuttgart auf Platz 17 und Berlin mit Hamburg auf Platz 28. Du hattest meiner Erinnerung nach ja suggeriert, Nürnberg sei ein Kriminalitätshotspot...
      https://www.mercer.de/newsroom/quality-of-living-2019.html

    Wie Mercer das macht, weiß ich nicht; über diese Befragung habe ich mich schon oft gewundert. Allerdings sind sicherlich auch die Ansprüche der Expats verschieden; vielleicht sind die wenigen Expats, die es nach Nürnberg verschlägt, einfacher zufriedenzustellen. In Nürnberg gibt es ja, im Vergleich zu München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf etc., in denen sich bedeutende Unternehmenssitze, Banken, internationale Großkanzleien und Forschungsaktivitäten konzentrieren, anteilig viel weniger interessante Stellen.


    Was die Sicherheit angeht, so ist ja bekannt, dass Nürnberg 2017 die unsicherste Stadt in Bayern war.
    Quelle: http://www.nordbayern.de/regio…ssstadt-bayerns-1.5880901


    Außerdem habe ich einmal eine Stichprobe gemacht und mir für 2017 die Straftaten gegen das Leben in verschiedenen deutschen Städten angeschaut. Verglichen mit Düsseldorf, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Dresden und München hatte Nürnberg die höchste Rate an Straftaten gegen das Leben bezogen auf die Einwohnerzahl. Dies waren absolut gesehen 49 Delikte, davon 13 Morde und 25 Totschlagsdelikte. In den etwa gleich großen Städten Dresden und Düsseldorf waren es halb so viele.


    @ Rothenstein: Deine Sicht der Dinge ist nun mal sehr subjektiv und kann immerhin leicht mit Fakten widerlegt werden


    • (...)
    • (...)
    • Das Stadtbild sei nicht attraktiver als das von Frankfurt oder Stuttgart.
      Nunja, es ist schwer direkt zu Vergleichen, den Geschmäcker sind verschieden. Als Teilzeit-Frankfurter, der in dieser häufig unterschätzten Stadt gern lebt, kann ich das aus meiner Sicht das nicht teilen. Hier mal ein Paar Impressionen aus der vormaligen Altstadt Frankfurts, einen Steinwurf entfernt vom Römer, nur mal so als Vergleich zu deinen Bildern aus Nürnberg...

    Selbstverständlich ist Frankfurt eine Katastrophe im europäischen Vergleich. Im Vergleich zu Nürnberg besticht Frankfurt aber durch den Römerberg (ich denke, auch objektiv besser als der Hauptmarkt in Nürnberg), durch den viel schöneren und ausgedehnteren Gründerzeitgürtel um die Altstadt herum, durch teilweise gelungene, beeindruckende moderne Architektur (die Hochhäuser), und neuerdings durch die sehr kleine, aber hübsch wieder aufgebaute Altstadt um den Hühnermarkt.

    Oder hier, aus der französischen Perspektive des Jahres 2018:

    Man sei also weit vom Bild einer deutschen, wiederaufgebauten Industriestadt entfernt; der Wiederaufbau sei gleichsam identisch zum historischen Vorbild erfolgt, voller Charme, und sei ein kleines Meisterwerk in diesem Genre.


    Wie kommt man nur zu diesem Urteil? Bewertungen (gefällt/ gefällt nicht) sind das eine, aber Fakten (identisch rekonstruiert... oder eben nicht) das andere.

    Wir sind uns wohl einig darin, dass die Bewertung des Wiederaufbaus Nürnbergs uneinheitlich ist. Ich möchte hier einmal einige Stimmen zu Wort kommen lassen, die ich für bemerkenswert halte.


    Hier aus der New York Times des Jahres 1984, als der Wiederaufbau Nürnbergs als weithin abgeschlossen und gelungen galt - auch jenseits des Atlantiks:


    [...] Nuremberg has been splendidly rebuilt. Proposals for an entirely new city were rejected in favor of a plan that called for patching up as many of its historic monuments, majestic Gothic churches and patrician houses as could be salvaged from the wreckage while simultaneously reconstructing the rest of the old town, using the materials that had characterized Nuremberg for centuries, especially sandstone. Where walls, towers, fountains, bridges and burgher mansions could not be simply put back together stone by stone, gargoyle by gargoyle or gable by gable, new buildings expressing the vaulted, steep-roofed, turreted architectural spirit of the Middle Ages and the Renaissance took their place. Planners adhered faithfully to the old maps and property lines. They preserved the jumble of narrow, crooked, old cobblestone streets so that even Durer and Behaim would easily find their way.


    The rebuilding took 38 years. It was not until last spring that reconstruction of the half-timbered chatelain's house within the Kaiserburg, the Imperial Castle, was completed.


    The view from that mighty fortress, built between the 12th and 16th centuries on a bluff high above the city, is of a Nuremberg remarkably resuscitated - a jigsaw puzzle of gabled roofs, slender church spires, towers and bastions, a crazy quilt of streets, lanes and courtyards, bisected by the meandering Pegnitz River, and all girded by three miles of massive walls and moats that encircle the old town like a huge stone corset. No other major city has so effectively recaptured the appearance of its medieval past, and few others of its size - nearly a half million population - have as much appeal to visitors.[...]

    Natürlich wird in Amerika Nürnberg immer primär als Stadt der Reichsparteitage und der Nürnberger Prozesse wahrgenommen. Die historische Stadt ist im wesentlichen Beiwerk, das man mitnimmt - dafür bekommt es in dem Artikel relativ breiten Raum.

    @ Rothenstein:

    • Zähle doch mal auf welche Städte "in dieser Größenordnung" (also offenbar nicht das von dir stets erwähnte Rothenburg o.d.T oder eben Freudenstadt) aus deiner Sicht "besser" sind und weshalb genau?
    • Oder erkläre doch mal konkret was du verändern würdest?
    • Und welche "verdreckten Viertel" um die Altstadt meinst du?

    d.


    Um auf deinen zweiten Punkt zurückzukommen: Man müsste im Prinzip großflächig abreißen, allerdings würde ich das gegenwärtig nicht empfehlen, sonst enden wir eben so wie im Augustinerhof oder den Sebalder Höfen.


    Und was deinen dritten Punkt angeht, frage ich mich gerade, welches Viertel um die Altstadt herum denn nicht verdreckt sei? Da fallen mir allenfalls einige Bereiche der Nordstadt ein, insbesondere das Gebiet um den Kaulbachplatz ist eines der wenigen attraktiven Viertel um die Altstadt herum (https://www.google.com/maps/@4…58da0g!2e0!7i13312!8i6656), dann noch Teile von Johannis, die aber durch billige Wiederaufbauarchitektur zu einem großen Teil entwertet sind (https://www.google.com/maps/@4…r75XOA!2e0!7i13312!8i6656), und dann vielleicht noch die Jugendstilarchitektur am Prinzregentenufer, die sich aber in ganz wenigen Häuserzeilen erschöpft (https://www.google.com/maps/@4…_b9t4g!2e0!7i13312!8i6656).


    Oder wolltest du etwa behaupten, der Bereich um den Plärrer (https://www.google.com/maps/@4…C0SpnQ!2e0!7i13312!8i6656), oder gar das Südstadt-Ghetto (https://www.google.com/maps/@4…7CMkkw!2e0!7i13312!8i6656) seien nicht verdreckt? Oder die Ausfallstraßen (https://www.google.com/maps/@4…s01EWw!2e0!7i13312!8i6656) seien ein Ausbund an Schönheit?

    Wer Nürnbergs Innenstadt in seiner Gesamtheit unter Frankfurt a.M. oder gar Stuttgart stellt, der disqualifiziert sich für weitere Ausführungen.


    Um noch einmal auf den Vergleich zurückzukommen und was an Nürnberg so schlimm sei: Nun, ich erkenne durchaus an, dass Nürnberg noch zahlreiche Einzeldenkmale besitzt, die man in dieser Zahl und Qualität eben kaum oder gar nicht in anderen deutschen Städten dieser Größenordnung findet. (Wobei deutsche Städte natürlich außerordentlich arm an solchen Einzeldenkmalen sind, und deswegen der Einäugige unter den Blinden gefeiert wird.) Es handelt sich dabei aber eben um Einzeldenkmale, nicht um städtebauliche Gesamtleistungen.


    Insgesamt ist Nürnberg nicht attraktiver als Städte wie Frankfurt oder Stuttgart, nicht zuletzt deswegen, weil die beiden letztgenannten erstens noch attraktive Gründerzeitviertel aufweisen und daneben auch wirklich interessante, großartige moderne Architektur zu bieten haben, wie beispielsweise die Neue Staatsgalerie in Stuttgart oder die Hochhäuser in Frankfurt. Man merkt den beiden Städten auch an, dass sie eine ganz andere Bedeutung im weltweiten Städtegefüge haben als das Nürnberg des Jahres 2019, das schon lange zu einer B-Stadt abgesunken ist und keinerlei Ambitionen hat, dies jemals zu ändern. Man hat sich ja hier zwischen Bratwürsten, Lebkuchen, Nazi-Grusel, Multikulti und Fünfzigerjahre-Mief ganz gut eingefunden und ist stolz darauf, nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben.

    Im übrigen will ich gar nicht verhehlen, dass mein Urteil auch emotional geprägt ist. Es ist einfach furchtbar bitter, wenn man weiß, wie Nürnberg früher ausgesehen haben muss, wenn also gewisse Erwartungen trotz aller Zerstörungen vorhanden sind, und man dann damit in die real existierende Stadt kommt. Deswegen polarisiert Nürnberg hinsichtlich seines Wiederaufbaues und seines heutigen Stadtbildes wie wohl wenige andere Städte.


    Von Duisburg, Essen und Dortmund erwartet man nichts anderes. Leider kann sich Nürnberg, und im übrigen auch Köln, heute eher mit diesen dreien messen als mit, sagen wir: Lyon oder Bologna, oder den meisten anderen europäischen Städten von historischer Bedeutung. Die wenigen, beziehungslos herumstehenden Kirchen und sonstige historische Restbestände wirken entwürdigt und deplaziert in einem Meer von Belanglosigkeiten, Geschmacklosigkeiten und Hässlichkeiten.


    Und trotzdem ist man es in Nürnberg, wie auch in Köln, zufrieden. Man meint, noch einmal davongekommen zu sein, und entwickelt deswegen auch keinerlei Ehrgeiz, das eigene Stadtbild zu verbessern. Dabei muss doch jedem, der das jeweilige Stadtbild in seiner Entwicklung kennt, einleuchten, dass Nürnberg wie auch Köln ein hässliches Entlein ist, das man nicht ernsthaft in eine klassische Tour europäischer Städte von Rang und Namen aufnehmen würde.

    @ Rothenstein:

    • Zähle doch mal auf welche Städte "in dieser Größenordnung" (also offenbar nicht das von dir stets erwähnte Rothenburg o.d.T oder eben Freudenstadt) aus deiner Sicht "besser" sind und weshalb genau?
    • Oder erkläre doch mal konkret was du verändern würdest?
    • Und welche "verdreckten Viertel" um die Altstadt meinst du?

    d.

    In vielen deutschen Städten gibt es noch historische Platzanlagen und Ansichten, die entweder ganz oder teilweise erhalten bzw. rekonstruiert worden sind.


    Dresden hat seine innerste, höfische Altstadt zu großen Teilen rekonstruiert; die Elbsilhouette, aber auch ganze Plätze wie der Theaterplatz sind wunderschön und ohne modernistische Zutaten, die einem alles versalzen, genießbar. Dazu kommen natürlich die unvergleichlichen Villenviertel, die kaum zerstört wurden und Dresden immer noch umgeben. Das Problem ist das Fehlen der bürgerlichen Altstadt, und der Ring von Plattenbauten um die höfische Altstadt.


    Leipzig wollen wir mal gar nicht vergleichen. Hier ist noch so viel erhalten, dass sich ein Vergleich mit dem hässlichen gerupften Entlein verbietet.


    In Stuttgart wird es schwieriger. Aber auch der Schillerplatz ist ganz weitgehend, mit einer kleinen Ausnahme, eine Augenweide, die es so in Nürnberg nicht gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass auch der Schlossplatz in Stuttgart trotz der teilweise modernen Bebauung eine gute Figur macht.


    Ähnliches gilt für Bremen, das seinen Marktplatz als gute Stube hat, trotz einiger moderner Einsprengsel, die aber nicht so spießig und banal daherkommen wie in Nürnberg.


    In Frankfurt gibt es den Römerberg, der zwar nicht frei von Bausünden ist, aber durchaus wieder mit seiner Ostzeile Wirkung entfaltet. Und nun gibt es dazu als intimes Pendant ja auch wieder den Hühnermarkt!


    Nürnberg kann da nicht mithalten. Der Hauptmarkt ist vollkommen unwürdig und verhunzt, und selbst bei kleineren Plätzen, an denen viele Häuser gut erhalten waren, hat man es geschafft, die Atmosphäre durch moderne Einsprengsel zu zerstören, siehe Unschlittplatz, Platz am Tiergärtnertor oder Albrecht-Dürer-Platz. Die Partien an der Pegnitz sind entstellt durch spießige, grobschlächtige Fünfzigerjahre-Bauten und unmaßstäbliche spätere Bauten, zu denen sich ja jetzt auch noch das Augustinerareal gesellen wird. Was für ein Armutszeugnis.

    Ich denke es gibt hier niemanden der behauten würde das diese Ecke einen besonders gelungenen Wiederaufbau zeigt.
    Auf dem Gelände der Sebalder Höfe war übrigens bis zur Neuentwicklung das Gelände einer hier schon vor dem Krieg ansässigen Druckerei.


    Das Areal der Altstadt Nürnberg, damit bezeichnet man die Quartiere innerhalb der Stadtmauer, umfasst ca. 160 ha. Damit verfügte das historische Nürnberg über eine der größten Altstädte Europas. Als die Altstadt zu über 90% zerstört wurde, traf es besonders schlimm den östlichen, davon vor allem den nordöstlichen Teil. Dies sollte hinlänglich bekannt sein. Die heutige Nutzung dieses Bereichs (den Rothenstein hier zeigt) dient vor allem Wohnzwecken. Vornehmlich (abgesehen von den Sebalder Höfen) leben dort Rentner und Studenten, den die Wohnungen sind recht klein und meist in sehr einfachem Zustand.
    [...]

    Das Areal, das ich im heutigen Spaziergang gezeigt habe, sprich die östliche Sebalder Altstadt außerhalb der vorletzten Stadtmauer, war sicher auch schon vor dem Krieg baukünstlerisch und ästhetisch nicht überall von Interesse, insbesondere abseits der größeren Straßen. In der Tat gab es hier auch landwirtschaftliche und industrielle Flächen. Dennoch gab es früher auch hier Bemerkenswertes, und heute eben nicht mehr, außer dem Tucherschloss, der Stadtmauer und ganz vereinzelten Altbauten.




    Es bleibt anzumerken, dass diejenigen Gebiete der östlichen Sebalder Altstadt, die früher von herausragender Bedeutung waren - dies sind die Gebiete innerhalb der vorletzten Stadtmauer - heute ähnlich aussehen wie das, was ich hier heute von der äußeren östlichen Sebalder Altstadt vorgestellt habe. Und das Gleiche gilt auch für die Lorenzer Seite; es ist vollkommen egal, wo man die Bilder macht.


    Das Gebiet, in dem die Altstadt Nürnbergs heute noch teilweise erlebbar ist, die nordwestliche Sebalder Altstadt, macht vielleicht ein Siebtel der Gesamtfläche aus. Ist es dann dieses Siebtel, das repräsentativ ist? Dieses Siebtel ist im übrigen auch nicht wegen des Wiederaufbaus bemerkenswert, sondern einfach deswegen, weil hier die Schäden am geringsten waren.


    Interessanterweise ist es selbst in diesem kleinen Areal nicht gelungen, angemessen und angepasst wiederaufzubauen. Beim Fotografieren muss man höllisch darauf achten, keine banale Fünfzigerjahre-Notarchitektur mit draufzubekommen. In der Realität kann man sich fast nirgendwo strategisch so positionieren, dass man einen Rundblick genießt, der frei ist von den Nürnberger Nachkriegszumutungen.

    Nun nähern wir uns dem Ende unseres Rundgangs. Vor uns öffnet sich der Hübnerplatz mit einer Überraschung:

    Dies ist das Haus Hübnersplatz 14, bereits an der Pegnitz gelegen.


    Noch einmal der Blick zurück nach Norden, wo wir hergekommen sind:


    Jetzt geht es durchs Hübnerstor:


    Damit gelangen wir zur U-Bahn, nicht ohne noch einen Blick auf die Jugendstil-Architektur auf der gegenüberliegenden Straßenseite, am Prinzregentenufer gelegen, zu werfen:


    Das war's für heute, und ich befürchte, dass einige meinen Spaziergang wieder nicht als repräsentativ erachten werden. Leider sieht die Nürnberger Altstadt an den meisten Stellen aber genau so aus.

    Jetzt gehen wir zur Stadtmauer, hier der Laufertormauer mit einem Wehrturm (S), und schauen uns zunächst diese und dann die benachbarte Bebauung näher an:



    Blick zurück über praktische Parkplätze und Garagen zum Spitzenberg, von dem wir gerade gekommen waren:


    Links die Stadtmauer und rechts der gefeierte Nürnberger Wiederaufbau:


    Besonders hübsch die Balkone. Ich wusste gar nicht, dass diese typisch sind für die Nürnberger Altstadtbebauung, aber man lernt ja immer wieder Neues über das Mittelalter:



    Immer wieder beeindruckend: Die stil- und geschmackssichere Farb- und Materialwahl, neben den ausgereiften, meisterlichen Proportionen dieser Bauten.