Posts by Strelizius

    Heute bin ich nun endlich dazu gekommen das Haus mit eigenen Augen zu betrachten.


    Das grandiose Ergebnis lässt mich einfach sprachlos zurück, da ich das Haus in seinem entstuckten Zustand über Jahre mit ansehen musste.


    Die mit Sicherheit beste Fassadenrekonstruktion der jüngeren Deutschen Geschichte. Die Spandauer Vorstadt ist noch ein weiteres bisschen schöner geworden. Ein Segen ist auch, dass die Brandwand -wie historisch eigentlich mal üblich- unverputzt geblieben ist. Mittlerweile ist das ja eine echte Rarität geworden.


    Das Quartier wird eine Wucht. Die Sanierung des Haupttelegraphenamts steht dem Gropiusensemble in nichts nach. Die in Kupferblech eingefassen Terrasseneinschnitte sind in ihrem Traufbereich als kleine Gaubenmotive über die Schrägdachfläche entwickelt und rhythmisieren die Dachhaut. Gewöhnlich wird in solchen Fällen einfach die Dachhaut nach belieben zerschnitten. Auch sonst ist kein Zink oder ähnliches aus dem Materialarsenal der gewöhnlichen Mietshaussanierung zu sehen, Gesimsbleche und Fallrohre sind allesamt in Kupfer ausgeführt. Gehobener Schweizer Standard als Positivausreißer für Berlin. Die Putzflächen hervorragend ausgeführt und die Natursteinelemente durften ihre Patina behalten. Der behutsame Umgang mit dem nahe gelegenen Welterbe scheint abzufärben. Bravo!


    Was Euch nicht vorbehalten bleiben soll: Die dreiachsige Stirn überblickt nun die Oranienburger Straße.


    UPDATE ZUR TEILREKONSTRUKTION


    Am Tag der Arbeit war es natürlich ruhig auf der Baustelle der Jahn-Kapelle. Als Vorgeschmack auf die Rekonstruktion des Schlossturms in Neustrelitz weitere gute Neuigkeiten aus dem Gebiet zwischen Lieps und Havelquelle.


    Der späte Frühling Mecklenburgs eignet sich nun bestens, um das bereits teilweise entrüstete Kleinod auch aus der Ferne zu bewundern, ehe der Kapellenberg sein grünes Kleid zu tragen beginnt.


    In den vorherigen Beiträgen bin ich bereits auf einige rekonstruierte Schmuckelemente im Detail eingegangen. Deshalb lass ich die die Fotos nun weitestgehend für sich sprechen.


    Nur soviel: Die Maßwerke und Spenglerarbeiten sind hervorragend geworden und die Kreuzblume leuchtet nun weithin sichtbar über die malerische Landschaft. Es ist eine wirklich exquisite Rekonstruktionsleistung.


    Ich habe außerdem versucht die landschaftsdenkmalpflegerischen Maßnahmen am Kapellenberg selbst einzufangen. Die wiederhergestellte ringförmigen Feldsteineinfassung, welche das Grab nun wieder markant zur Landschaft abzeichnet und die nicht unerheblichen Auflichtungsarbeiten durch viele Freiwillige. Der Berg war über die Jahre des Verwahrlosung mit Gestrüpp und weiteren Bäumen stark zugewachsen. Nach meinem Verständnis könnte man nochmals 5-7 weitere Bäume entnehmen. Dies wird sicherlich nach der Demontage aller Gerüste augenfällig. Ein besonders gutes Fotos findet sich in der Baustellendokumentation der Vereinsseite.


    Soweit allen einen schönen 1. Mai.







    Machen Sie doch gerade lieber Elbegeist, keine bösen Mächte hinderten Sie! Auch der Martintre kann den Manuscriptum Verlag hoch und runter lesen in seiner freien Zeit und Ihn hier öffentlich gut finden. Die Meinung des anderen auszuhalten, hat aber überhaupt nichts mit Denkverboten zu tun. Oder verkneifen Sie sich etwa Verfassungsfeindliches. ;) (Falls Sie Ihren letzten Kommentar allerdings ironisch meinten, bitte ich mein Gesagtes selbstverständlich zu entschuldigen. Es ist digital in diesem Fall kaum erkennbar. )

    Lieber Martintre,

    jetzt sind Sie in die whatabouttism-Falle gerutscht. Wer rechte Autoren aus dem Manuscriptum Verlag verlinkt, muss dann fairerweise das Forumsecho aushalten. Dass Sie alleine jetzt nur noch über' Angemessenheit von Lexika-Stilen' mit uns reden wollen, ist leider nicht unsere Schuld und so leicht werden Sie vom Wesen der Dinge nicht ablenken können.


    Nach der Einordnung zum Author (vielen Dank an die Mitforisten) noch was besinnliches zum Verlag: https://www.tagesspiegel.de/ku…ts-draussen/12589394.html

    Die Bauordnung hat damit nichts zu tun. Der Brandschutz ebenso nicht. Ökologisch Aspekte - ganz im Gegenteil. Es geht ganz einfach um die Kosten. Solch eine Behauptung ist schlicht falsch. Mit Wienerbergern könnte man die Wände der Häuser z.B. vollständig monolitisch bauen und sich auch allen zusätzlichen vorgeklebten Dämmwahnsinn einsparen. Besonders heftig ist in diesem Fall, dass die Großbaustelle in einer Altstadtsituation zu der Entscheidung geführt hat, in weiten Teilen noch auf Ortbeton zu verzichten. Daher kommen nun sogar Betonfertigteile zum Einsatz, was schlimmste Assoziationen weckt.

    Eine anderes Vergabeverfahren und eine kleinteilige Bauherrenschaft, wie etwa in Lübeck etwa, hätte von sich heraus zu einer weniger industriellen Bauweise geführt. Alles ja auch schon hier diskutiert. Gut Ding will Weile haben- In diesem Fall hätte die Bebauung des Neumarkt vielleicht eher bis 2025 gedauert. Als Bonbon würden heute sicherlich signifikant mehr Menschen dort dauerhaft gewohnt. Anders als in der Bürgerstadt Lübeck, ist es aber vielleicht auch einfach so, dass es kaum eine nennenswert ausgestattete Bürgerschaft mehr gibt, die sich den Aufbau ihrer Bürgerhäuser aus eigener Tasche leisten könnte. Ein paar Mäzenen von Außerhalb und fragwürdige Konzerne wie diese monströse CG Gruppe.

    Uwe Schröder - Haus am Burggarten, Bonn 2020



    Die Architektur muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder.[1]

    [Symposium über unsere Zukunft, 30. Juni 2019, Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart]

    „Denk ich an Deutschland in der Nacht,“[2]dann stellt es mir seine Geschichte selektiv und von Brüchen gekennzeichnet vor; Denk ich an Architektur in der Nacht, dann stellt sie mir ihre Geschichte aufeinanderfolgend und als ein Kontinuum vor. Zwei Geschichten, zwei Vorstellungen: Meine erste kommt obgleich – vielleicht auch wegen – einer seit Jahrzehnten sich entwickelnden Erinnerungskultur in Deutschland – die ich vorbildlich heiße: „Alle Erinnerung ist Gegenwart“ (Novalis) – nicht über Ereignisse der jüngeren Vergangenheit hinaus, nicht über das 20. Jahrhundert. Die zweite führt indes tiefer hinab, und stellt mir Architektur als gebundene Ideengeschichte vor, die mich aber weit weniger auf nationale Grenzen, als vielmehr und immerzu auf kontinentale Übergänge hinzuweisen scheint. Schon von daher, wegen beider Geschichten, käme mir die Frage nach „nationaler“, oder „deutscher“ Architektur nicht in den Sinn, geschweige denn eine Antwort...

    Hypothese: Die Modernisierung, auch und vor allem diejenige, der Architektur, ist von zwei, scheinbar gegenläufigen Prozessen gekennzeichnet: von einer nivellierenden Globalisierung und von einer differenzierenden Individualisierung. Für die drängenden Fragen, die sich – geographisch gesehen – vermeintlich aus der Ferne und aus der Nähe – von „außen“ und von „innen“ – an die Architektur stellen, erscheint m.E. der Maßstab der Nation und der Nationalität als gegenwärtig vollkommen unpassend, als entweder zu klein oder auch zu groß gewählt. Denn soll der Krise der Disziplin, die sich in einer Erosion ihrer Grundlagen darstellt, Einhalt geboten werden, dann hat Architektur auf beide Herausforderungen angemessen und vor allem maßstäblich zu reagieren: Auf das Globale mit Aufmerksamkeit für das Lokale: als eine Architektur der Orte; Auf das Individuelle mit Aufmerksamkeit für das Generelle: als eine Architektur der Gesellschaft.

    Was wir brauchen, ist eine „qualitative Potenzierung“[3], für die Novalis schon die Losung ausgegeben hatte: „Die Welt muß romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder.“ (...) „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“[4]

    [1] Novalis, Fragmente und Studien (1797 – 1798), in: Ders., Werke, Schulz, Gerhard (Hg.), 5. Aufl., München 2013, S. 384f.

    [2] Nach dem Eingangsvers im Gedicht Nachtgedanken (1843) von Heinrich Heine, in: Ders., Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge, Briegleb, Klaus (Hg.), 10. Aufl., Frankfurt am Main/Leibzig 2015, S. 446.

    [3] Novalis, 2013, S. 384.

    [4] Novalis, 2013, S. 384 - 385.


    https://www.usarch.de/project/haus-im-burggarten


    Außen:

    https://www.usarch.de/uploads/…e9ea5a9fcacd0c2968b1.jpeg


    Treppenhaus:

    https://www.usarch.de/uploads/…feb12a4381254fec24c7.jpeg


    Loggia:

    https://www.usarch.de/uploads/…9fac970759bfb92e30d5.jpeg


    Wohnraum:

    https://www.usarch.de/uploads/…623d08657891c7bfd71c.jpeg

    ______


    Schnitt:

    https://www.usarch.de/uploads/…ccfd77e8c7447eded959.jpeg


    Ansicht:

    https://www.usarch.de/uploads/…c588d2b461dbbd2bc554.jpeg


    Grundriss:

    https://www.usarch.de/uploads/…646e17d2a1ac4b07786a.jpeg

    UPDATE ZUR TEILREKONSTRUKTION


    Auf der Baustelle der Jahn-Kapelle geht es auch in diesem Jahr wieder ein deutliches Stück voran.


    So wurden just die acht fantastischen Maßwerke des Erdgeschosses rekonstruiert. Stabwerk, Nonnenköpfe, Drei- und Sechsblätter sind vollständig wieder hergestellt. Der Artikel sagt es gut: Der Glaser kann kommen!


    Die Strebepfeiler um fehlende Wasserschlagssteine ergänzt.


    Und vor allem wurden die Fialen vervollständigt und Teilrekonstruiert. Endlich sind es wieder 16 Stück!


    Zur Gesamten Baudokumentation von 2020 geht es hier lang.

    4,8 Millionen Euro Bundesmittel für Schlossturm Neustrelitz und Unteres Schloss Mirow

    Mehr gibt es hier:

    https://strelitzius.com/2020/1…es-schloss-mirow-fliesen/


    Das sind alles in Allem fantastische Neuigkeiten. Parallel sind auch die Gelder für den Gutshof in Boek bewilligt. Dort ist ebenfalls mit einer umfassenden Fassadenherstellung mit Bossenwerk und Fenstersprossen sowie mit der Wiederherstellung aller historischen Raumverbindungen zu rechnen. Von allen Projekten werde ich zur gegebenen Zeit am passenden Ort ausführlich baustellendokumentarisch berichten.

    Johann Jacobs Haus


    Der erste Trittstein im Balgequartier ist offiziell fertig. Mit dem Johann Jacobs Haus bekommt Bremen ein wunderbares neues/altes Haus geschenkt. Dabei entsteht aus einer ungelösten Hinterhofssituation hinter der Stadtwaage der sogenannte Jacobs Hof. Ein ganz heißer Anwärter auf den nächsten Fritz-Höger-Preis.

    Petersen Ziegel, jede Menge Baubronze, Spolien und in Ergänzung neu entwickelter Figurenschmuck sowie eine große Bronzeplastik auf dem Dach (noch nicht fertiggestellt) heben aktuelles Bauens der Bremen Innenstadt in gänzlich neue Spähren. Felgendreher Olfs Köchling sanieren gerade ebenfalls die Stadtwaage. Die behutsame Öffnung durch eine "spekulative Rekonstruktion" des Erdgeschosses kann man hier bereits sehen.


    In den kommenden Monaten wird es hoffentlich noch mehr Bilder von der Stadtloggia mit seinen fein geschwungenen Balkonen und den holzbekleideten Interieurs von Miller Maranta geben.


    Der Trittstein zur Weser ist eine wunderbarer Aufschlag für die weitere Entwicklung der Bremer Innenstadt. Zum Spiel eingeladen hat ja bekanntlich die Bremer Landesbank mit ihrer Entscheidung Caruso St. John mit der Errichtung ihres Neubau zu beauftragen.

    "Tempel der göttlichen Vorhersegung"...soso. Eine Mischung aus Nationalheiligtum und Kirchenbau, also. Eine entsetzlich toxische Handreichung. Schrecklich in welche Richtung sich dieses Land seit der Wende entwickelt hat. Polen ist da aber in guter Gesellschaft. Es gibt in Europa noch ähnlich schreckliche Großprojekte in Serbien, Georgien und Rumänien. Alle schon mit eigenen Augen gesehen. Bei dem hier gezeigten Fall kommt hinzu, dass es noch eine selten schreckliches Gebäude geworden ist. Ich brauche den Begriff nicht oft, aber das ist einfach grotesk. Wirklich zum davonlaufen und hat mit dem Thema des Forums auch überhaupt nichts zu tun.


    Wenn man denn unbedingt einen "bemerkenswerten Monumentalbau" in Polen sucht, um ihn den Stadtbild Gemeinschaft zu zeigen, dann vielleicht wenigstens etwas, das sich der Tradition, dem Geist und der Stadtgestalt verpflichtet fühlt. So wie dieser mit dem Fritz Höger Preis ausgezeichnete Neubau von 2015 in Danzig. Dem Shakespeare Theater.

    ARCHIV DER AVANTGARDEN


    Auch wenn ich den Entwurf von Nieto Sobejano für äußerst grobmotorisch und geschichtsvergessen halte, freue ich mich über alle Maße dass Herr Marzona mit dem Archiv der Avantgarden (eine der weltweit exquisitesten Sammlungen seiner Art) Dresden ein unglaubliches Geschenk gemacht hat. Nach dem Hin und Her in Berlin ein absoluter Glücksfall. Ich hätte vermutet, dass er nach Berlin doch eher nach Zürich, München oder Venedig gegangen wäre.


    An dieser Stelle möchte ich insgesamt die herausragende Leistung von Egidio Marzona für die hiesige Kultur betonen. Ich hatte das große Vergnügen ihn vor einigen Jahren persönlich kennenzulernen. Sein Haus im Friaul und das gelebte Archiv hier in Berlin sind alles in Allem gar selbst ein Gesamtkunstwerk zu nennen. Für die Dresdner, auch für die bürgerlichen, scheint mir, ist die Größe dieses Vermächtnisses gerade noch gar nicht präsent. Das Bild habe ich vergangene Woche gemacht:


    KLOSTERGUT MARIENSTUHL GERETTET


    Das barocke Klostergut Marinestuhl in Egeln bei Magdeburg, welches mein Urgroßvater zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts übernommen hat und aus dem mein Großvater als "Junker" 40 Jahre später vertrieben wurde, ist nun tatsächlich gerettet. Unsere Familie ist mehr als froh, dass dieser Schatz nun gehoben wird. Mit Volker Kups hat das Haus einen hervorragenden Besitzer. Er ist Kunsthistoriker, aus der Region und hat langfristig Großes vor. Die ersten jungen Obstbäume bereits gepflanzt.


    https://www.volksstimme.de/lokal/staßfurt/kloster-rueckkehr-zum-spirituellen-lebensgefuehl


    Der Text erzählt die Geschichte des Hauses sehr ausführlich. Anbei ein Bild das ich bei meinem letzen Besuch vergangenen Monat gemacht habe:


    Und ein weiteres Fotos des vorzüglichen Inneren der barocken Marienkirche. Im Zentrum steht hier selbstverständliche die Maria. Aufgrund der finanziellen Unabhängigkeit der durch die fruchtbaren Bördeböden bestand, ist der Ort bis weit nach der Reformation ein katholisches Frauenkloster geblieben. Der konservierte Zustand ist selten und eine helle Freude für alle denen echte historische Authentizität verständlich ist. Da Armut und Mangelwirtschaft bekanntlich auch konservieren, ist uns dieses Ensemble erhalten geblieben.


    Als Anekdote und Lehrstück: Der westdeutsche Gutshof, den der Bruder meiner Großvaters in Schleswig Holstein geerbt hat, ist -der Barbarei einer kulturlosen Großtante zum Dank- bereits um sein Schloss erleichtert worden. Eine Hauptachse die zu einer Pferdekoppel mit 400 jährigen Eichen führt. Das Vermächtnis der 70er in Westdeutschland. Man glaubt es einfach nicht. Nun zurück ins Innere des Ostens:


    Soweit, Ende gut, alles gut.

    Durch das zwanghafte Konstruieren von Feindbildern, werden die ewigen Unterstellungen auch nicht wahrer. Kann mich da dem Vorredner Rastrelli anschließen. Es gibt sicherlich eine Summe von Gründen, die zu minderwertiger Architektur führen. Es gibt gewiss auch Zeitgenossen, Bauherren und Architekten, die diese beschriebenen Brüche bewusst oder unbewusst suchen. Die Häuser links und rechts werden in diesem Sinne dann Staffage, um den Neubau rücksichtslos in Szene zu setzten. Gerade die Bürgerhäuser sind im besten Sinne der Hintergrund einer Stadt und sollten im Wesentlichen bescheiden, mit Geist und Augenmaß entworfen sein. Andernfalls wäre das Ergebnis die Kakophonie. Gerade am Neumarkt gibt es aber eine ganze Reihe von Häusern aus der Feder von Architekturbüros, bei denen der beinahe manisch anmutend Glaube einiger Zeitgenossen hier, das Unversium sei in "Die" und "Wir" geteilt, überhaupt keinen näheren Betrachtung standhält. Wieso sollte das auch so sein? Was hätten "die" davon? Eine Verschwörung gar? Sind alle bei den Freimauer-Modernisten? Das Interessante an Baukultur und der Kultivierung selbiger ist ja, dass man sie als Gesellschaft, Region, Kontinent oder Mensch einbüßen kann. Nichts anderes liegt vor, da brauch es keine Lager und Theorien sondern Aufklärungsarbeit und positives Gestalten. Gerade deshalb gibt es ja die GhND, Stadtbild Deutschland und viele andere engagierte Menschen, die auf positive Art Baukultur zu fördern suchen. Es gibt in diesem Sinne ein anzustrebendes Ideal, sollte dieses nicht zu 100% erreicht sein, ist das trotzdem ein großer Erfolg. Wenn Einige hier nur "Ganz oder gar nicht ertragen", sollten sie Gesellschaft vielleicht komplett meiden, vielleicht auch die des Forums, da es auch hier nicht nur Schwarz und Weiß gibt. So ganz erschließt sich mir ohnehin nicht, mit welcher Begeisterung sich hier einige Tag aus Tag ein für unser kleines Elb-Städtchen interessieren und dann doch kein einziges gutes Haar lassen können. Schon sehr seltsam.


    Spalter und Menschen, die hinter jeder Ecke einen Feind finden, sind lediglich geeignet die Debatte zu vergiften und wären in diesem Sinne auch Wasser auf die Mühlen, all jener die sie Tag aus Tag ein zu beschwören versuchen. Um es noch einmal klarer zu machen, als Geistesmensch kann ich über das Maß an Aggression und sprachlicher Entgleisung hier bestenfalls den Kopf schütteln. Dass sich hier immer wieder Menschen der Mitte zurückziehen, wundert mich nicht. Derartige Verfallserscheinung mit feindlicher Übernahme lassen sich übrigens auch bei einer bekannten rechts-außen Partei beobachten, deren vulgäre Posterboys jegliche ernsthafte Bestrebung einiger Weniger bis zur vollständigen Peinlichkeit unterminieren. Erstaunlich auch und damit möchte ich zurück zum Stadtbild Forum kommen, dass die Lautesten -auf ihren Inseln des inneren Exils sitzend- von der eigentlichen Materie über die es hier gehen soll, überhaupt keinen Schimmer zu haben scheinen. Dabei ist gerade das die Grundlage, die uns gegen Kulturlosigkeit in jeder Form schützt.


    Die obige Auswahl von Centralbahnhof ist in diesem Sinne natürlich der Gedankenstrich. Scherenschnittartig werden also die tatsächlich schlechtesten Bauten hervorgeholt. Das ist gelinde gesagt keine große Kunst. Wieso zeigt er uns nicht das Frieseneck? Wieso nicht das mittlere Haus im Kanzleigässchen gegenüber der St. Benno Buchhandlung? Wieso nicht die beiden Füllbauten in der Salzgasse? Wieso zeigt er uns nicht die völlig akzeptablen Neubauten in der Landhausstraße? Und wieso verweist er nicht auf die schönen Bauten der noch folgen im Quartier VII-1 und III-2. Die sehr schöne Front zur Rosmaringasse oder die Bauten von Nöfer und Stellwerk. Warum er das nicht tut, kann er uns sicherlich beantworten. Ich wäre über die Begründung sehr gespannt.

    Meine Lieblingsstädte in Deutschland

    Dresden, Berlin, Potsdam, Hamburg, Weimar

    Meine Lieblingsstädte außerhalb von Deutschland

    Rom, Lissabon, Paris, Wien, Kopenhagen


    Meine Lieblingsbauten in Deutschland

    Altes Museum (1820, Schinkel)

    Neuer Pavillon (1825, Schinkel)

    Semperoper (1838, Semper)

    Großherzogliche-Sächsische Kunstschule Weimar (1909, van der Velde)

    Chilehaus (1924, Höger)


    Meine Lieblingsbauten in Deutschland (modern, max. 3):

    Bauhaus Dessau (1925, Gropius)

    Haus Schminke (1933, Scharoun)

    Alte Pinakothek (1957, Hans Dölgast)

    Neue Nationalgalerie (1968, Mies van der Rohe)

    Neues Museum (2009, David Chipperfield)



    Meine Lieblingsarchitekten

    Schinkel, Scharoun, Schipperfield.


    Meine Lieblings-Architekturbücher:

    Peter Zumthor: Atmosphären

    Hans Kollhoff: Architektur - Schein und Wirklichkeit

    Adam Caruso: Rudolf Schwarz and the monumental order of things.


    Was sollte in Zukunft in Deutschland noch rekonstruiert werden?

    Schloss Neustrelitz (Stüler div.)

    Bauakademie (Schinkel)

    Revolutionsdenkmal (Gropius)

    Zur allgemeinen Stimmungsaufhellung ein feines Projekt mit großem Einfluss auf das gesamte Stadtbild am Prospekt zwischen Hermannplatz und Kanal.

    Am Kottbusser Damm Ecke Lenaustraße wurde das CVJM-Heim von Tieffenbach erbaut 1913 hervorragend denkmalgerecht saniert.

    Die ahistorische Übermalung der Bauteile, wurde wieder in ihren Zustand aus Erbauerzeit überführt. Es kamen dabei Keim-Farben zum Einsatz. Deren subtile Tiefenwirkung und Qualität auf die umliegenden Bauten abstrahlt. Das Bonbon ist natürlich die Kuppel, welche nun wie vor 1945 den Kottbusser Damm mit roten Bierschwänzen bekrönt. Mit meinem Telefon ist diese Wirkung in der Tiefe kaum darstellbar, daher bitte ich den Blick von der Höhe Pflügerstraße eher symbolisch zu verstehen. Die bedeutende Qualität und Präsenz von Schmuckgiebel und Kuppel wird aber wohl dennoch deutlich. Das Erdgeschoss wartet derweil weiterhin auf seine Erlösung.


    Wichtig ist das Projekt auch deshalb, weil der Kottbusser Damm insgesamt eine z.T. noch hervorragende Substanz hat. Z.B. sind zwei fantastische Bauten von Bruno Taut erhalten geblieben. Soweit.






    Hallo Strelizius, vielen Dank für Deinen tollen Beitrag, der uns allen die Herzen wärmt! Ich habe mir erlaubt, die Fotos als Originale einzufügen - sie müssen zum genaueren Betrachten dann nicht extra angeklickt werden.

    Mod. (Snork)