Posts by tegula

    Die frühen gotischen Häuser waren oft sehr schlicht, wie die beiden Beispiele aus der Kasseler Straße in Fritzlar zeigen, um 1310:

    Insofern der Bestand noch Original ist. Bei den gezeigten Häusern scheinen mir die Giebelbereiche neuzeitlich verändert worden zu sein. Und auch in die Portalsituation im Untergeschoss gab es offensichtlich starke Eingriffe. Dabei sind dies die Bereiche, die sich häufig mit Bauschmuck besonders hervortun.

    mE ein sehr fragwürdiges und umstrittenes Beispiel für eine Renovierung bzw Rekonstruktion, da der bereits jahrhundertealte barocke Vorzustand beseitigt werden musste und damit ins natürlich gewachsene Erscheinungsbild massiv und unwiederruflich eingegriffen wurde. Das Barockhaus hat sich überdies besser ins Platzgefüge eingegliedert.

    Die Umgestaltung wurde 1961 beschlossen, jedoch erst später umgesetzt (laut Wikipedia). Ich glaube, die Leitlinien der heutigen Denkmalpflege würden zu einem anderen Ergebnis führen. Jahrhundertealte Zustände, die eine gewisse Qualität tragen, dürften nicht unwiderruflich vernichtet werden, um einen vermeintlich höherwertigen Zustand zu rekonstruieren, von dem man hypothetisch annimmt, er hätte so jemals existiert. Gleichwohl ist das Haus ein Blickfang auf dem Altstädter Ring.

    Meines Erachtens politisches Versagen der Stadtpolitik.

    Ja, definitiv. Ich habe Beziehungen in die Kulturszene von Zeitz und weiß, dass man seitens der Politik wenig Interesse hat, das wenige kulturelle Angebot der Stadt am Leben zu erhalten. Es ist ein Trauerspiel.

    Ich glaube die skandinavischen Länder leben eine andere Liberalität, weil sie in einem recht gemeinschaftlich aufgebauten Wohlfahrtsstaat leben. Bei Uns hingegen geht es mehr nach den angelsächsischen Staaten, die Individualismus auch gegen Gemeinschaftsgüter legitimieren. Aber das ist nur eine unqualifizierte These meinerseits.

    Sie trifft es schon ganz gut. Ich bin über 20 Mal in Schweden gewesen, unzählige Male in Dänemark und auch einige Male in Norwegen. Das, was du da beschreibst, ist in der Tat ein Charakteristikum der skandinavischen Gesellschaft.

    Überall wo er das nicht tut, wo Polizei in ihrer Funktion nicht so sehr gewertschätzt wird bzw. stark liberale Vorstellungen und ggf. sogar Gleichgültigkeit zum öffentlichen Raum herrschen, herrscht auch die Sprayerszene besonders ungehemmt (klingt doch eigentlich logisch?).

    Schweden ist eine der liberalsten Gesellschaften, die ich kenne. Eine nennenswerte Sprayerszene gibt es dort nicht, auch in den Großstädten nicht. Was macht man dort also anders?

    In dem Interview sagt sie unter anderem, die Nürnberger Altstadt sei viel weniger zerstört gewesen, als das gemeinhin angenommen worden sei und der Eindruck einer fast totalen Zerstörung habe sich lediglich nachträglich aus einer verzerrten Wahrnehmung ergeben.

    Ich bin sicher kein Verteidiger der Ansichten von Frau Enss, aber das hat sie über Nürnberg nicht gesagt. Die verzerrte Wahrnehmung ist eine allgemeine Feststellung zu deutschen Städten noch bevor man im Interview auf das konkrete Beispiel Nürnberg kommt. Die einzige Einschätzung, die sie in Richtung Nürnberg abgibt, ist, dass es einen fantastischen Altstadtbestand besäße. Das ist nun natürlich relativ und hier im konkreten Vergleich mit Frankfurt sogar zutreffend.

    Insofern finde ich es im aktuellen Beispiel sehr geschickt, dass sich Herr Dr. de la Riestra zu Wort meldet, und nicht der Vorstand der AF. Denn: Wer bitte ist Fr. Enss?

    Ich finde diese Diskussion in Form von argumentum ad hominem vollkommen verfehlt. Genauso könnte man Fragen, wer Herr de la Riestra ist. Wenn man Frau Dr. Enns etwas nicht absprechen kann, dann ist es Expertise in ihrem Fachgebiet. Sie hat einen der wenigen Lehrstühle für Denkmalpflege in Deutschland inne. Einer ihrer Forschungsschwerpunkt: die Zerstörungen des 2. Weltkrieges und der folgende Wiederaufbau. Sie kennt sich also in der Materie besser aus, als wir alle zusammen. Was uns nicht schmeckt, sind ihre Schlüsse daraus. Doch denen sollte man mit Sachargumenten begegnen.


    Das wissenschaftliche Profil von Frau Enss: https://www.uni-bamberg.de/den…/team/dr-ing-carmen-enss/

    Wenn schon die Altstadtfreunde nichts gegen die Hetze unternehmen und sich (meiner Meinung nach viel zu viel) gefallen lassen, gibt es wenigstens private Gegenreaktionen.

    Die Meinung von Frau Enns mag man vielleicht nicht teilen, aber Hetze konnte ich darin nicht entdecken. Die Altstadtfreunde werden in ihrem Interview nicht einmal erwähnt. Wir sollten nun wirklich nicht mit Unterstellungen arbeiten. Damit macht man sich unglaubwürdig und angreifbar.

    Quote

    Mit ihren historischen Stadtkernen weisen viele Klein- und Mittelstädte in Deutschland und Europa eine besondere Lebensqualität auf. Die meisten Studien und Städte-Rankings berücksichtigen dieses Potenzial von kulturellem Erbe allerdings kaum. Damit die Lebensqualität von kleineren Kommunen besser abgebildet werden kann, haben Forschende des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung, des Internationalen Hochschulinstituts (IHI) Zittau der Technischen Universität Dresden und des polnischen Instituts für Territoriale Entwicklung (IRT) eine Liste relevanter Indikatoren entwickelt. Im Fachjournal „Environmental and Sustainability Indicators“ stellen sie ihre Forschungsergebnisse vor.

    Ganzer Artikel: https://nachrichten.idw-online…edte-angemessen-bewerten/

    Aber ich verstehe die Motivation dahinter, denn in den Diskussionen wird man im Gegenzug oft als "Laie" banalisiert, der die "Wissenschaft" der Denkmalpflege nicht begreift, der die angeblich international anerkannten Leitprinzipien missachtet und sich einfach immer nur aussucht, was einem am Besten gefallen würde.

    Das mag mancher vielleicht so empfinden, aber gerade Herr de la Riestra dürfte sich diesen Schuh kaum anziehen dürfen. Er ist als Architekturhistoriker vom Fach und hat auch diverse Publikationen zu kunsttopographischen Themen vorzuweisen. Da gehe ich davon aus, dass man einen sachlichen Diskurs unter Kollegen anvisiert. Diese polemische und populistische Entgleisung hat er nun wirklich nicht nötig.

    Ein wunderbarer Text, der richtigerweise auf die Emotionen hinweist , die Bilder und Abbilder hervorrufen.


    Nur ein Detail schießt weit über das Ziel hinaus und beeinträchtigt die positive Wirkung des Textes: "Oder wollen die Anhänger einer ausschließlichen Moderne mit tyrannischen Rekonstruktionsverboten die Faschisten des Antifaschismus werden?"


    Was soll dieser absurde Vorwurf einer Tyrannei (bereits im Titel) und des Faschismus? Wir befinden uns hier in einem legitimen Meinungsaustausch auf Grundlage demokratischer Institutionen, auch wenn uns die Ansichten der Gegenseite nicht schmecken. Derartige Vorwürfe, auch wenn sie als (rhetorische) Frage getarnt sind, beeinträchtigen den seriösen Diskurs zu diesem Thema. Das ist unnötig und wertet die sonst hervorragende Stellungnahme ab.


    Ist vom Forum aus schwer zu finden:

    Findet sich doch bereits auf der Startseite der Website. Und diese ist im Hauptmenü des Forums verlinkt.

    Also die Einstellung zum Klimawandel ist sicher keine Frage des Geschlechts oder der Hautfarbe.

    Das ist doch nicht wörtlich zu verstehen. Es handelt sich um ein Stereotyp von Menschen und Verhaltensweisen. Gelegentlich muss ich mir selbst anhören, ein alter weißer Mann zu sein. Ich kann gut damit leben.


    Also in Oslo, Bergen und Trondheim. Das sind alle größeren Städte des Landes.

    Ja, und in einer ganzen Reihe weiterer Städte. Für die Norweger ist ein große Stadt etwas anderes als wir es kennen. Hier mal eine Aufstellung: https://de.wikipedia.org/wiki/Maut_in_Norwegen

    Für dich womöglich nicht, in den Geo- und Wirtschaftswissenschaften und schon.

    Wir reden aber von den finanziellen Möglichkeiten der Einwohner für eine Maut. Und dabei unterscheiden sich diese beiden Länder nicht elementar. Es gibt, wie Majorhantines richtig bemerkt, auch noch anderer Länder, in denen eine Maut existiert. Stockholm hat seit einigen Jahren eine Maut eingeführt. Es wird Zeit, mal von anderen zu lernen.

    Daher komme ich zu meiner Ausgangsthese, dass sich die meisten Deutschen sich den Klima-Hype finanziell nicht wirklich leisten können, zurück. Es sei denn man heißt Kleber, Baerbock oder Neubauer, oder hat mindestens ein A15-Gehalt.

    Für die einen ist es ein Hype, für die meisten Menschen ist es eine der wichtigsten Zukunftsfragen überhaupt. Und alte weiße Männer sollten sich nicht herablassen, der Jugend die Möglichkeit zu nehmen, eine lebenswerte Zukunft zu erhalten. Mich wir der Klimawandel nicht mehr mit voller Wucht treffen, dich - so schätze ich - auch nicht. Also lassen wir die machen, die es primär betrifft.

    Ganz einfach, Tegula. Die Norweger sind durchschnittlich als auch rein quantitativ deutlich wohlhabender als wir, BIP pro Kopf und pro Jahr in Deutschland rund 47.000 $, in Norwegen rund 81.000 $.

    Dir ist aber schon klar, welche Lebenshaltungskosten in Norwegen existieren? Bisher war es das teuerste Land, in dem wir Urlaub gemacht haben. Insofern hilft der Vergleich des BIP pro Kopf nicht weiter. Sowohl Norwegen als auch Deutschland gehören zu den Ländern mit den höchsten Lebensstandards. Entscheiden ist das kaufkraftbereinigte BIP und da liegen die beiden Länder nicht so weit auseinander, als dass das zu einem Problem bei der Einführung einer Maut führen würde. Das BIP ist jedenfalls kein Argument.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…toinlandsprodukt_pro_Kopf

    Die dortige "Transformation der Mobilität" lässt sich aber nicht auf Deutschland übertragen. Norwegen hat durch seinen vielen Wasserkraft-Strom die besten Voraussetzungen dafür.

    Inwiefern hat das Einfluss auf das Argument von Majorhantines, die Maut könnten sich nur die Reichen leisten? Mit dem Problem muss man sich doch in Norwegen auch auseinandersetzen. Und deshalb ist der Blick in den hohen Norden auch eine wichtige Option.