Posts by Martintre

    Endlich ist der Text von Peter Stephan in der FAZ erschienen.

    Mich graust zwar ein wenig bei dem Gedanken, es "könnten die Freiheitskämpfe des Sozialismus gedanklich mit denen des Liberalismus verbunden werden", oder bei der Idee, "Ein städtebaulicher Bogen" sei "in der Lage, die Monumente der DDR

    einzubeziehen" (mit expliziem Bezug auf Karl Marx).


    Wahrscheinlich ist es aber taktisch klug, die Sprache der heutigen Entscheider zu sprechen, um positiv Einfluss auf die Art des Wiederaufbaus ausüben zu können.

    Vor kurzem hat sich jemand am Wikipedia-Artikel des Berliner Schlosses (https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Schloss) zuschaffen gemacht, und den Artikel so umformuliert, als gäbe es das Berliner Schloss nicht: "Das Berliner Schloss war ein Profanbau..." und so weiter...
    Während das natürlich theoretisch stimmt, das alte Schloss ist nicht mehr, finde ich, ist es ist wichtig, dass das wiederaufgebaute Berliner Schloss aber auch wieder als solches angesehen und bezeichnet wird, und sich nicht durchsetzt, dass es als das Humboldt-Forum angesehen wird vor das lediglich Schlossfassaden gesetzt wurden. Das ist der Legitimierung von Rekonstruktionen nur abträglich.
    Kann jemand, der sich mit Wikipedia auskennt, vielleicht bereits dort registriert ist, wieder den ursprünglichen Artikel herstellen? So weit ich weiß, müsste das möglich sein.

    Ich bin bei Wikipedia registrierter Autor und habe die Änderungen soeben rückgängig gemacht. Mal sehen, ob sich daraus ein Ping-Pong-Spiel ergibt. So etwas ist nicht selten, und das Ergebnis nur schwer vorherzusagen.

    Konstantindegeer : Ich dene, in einer Demokratie darf man auch über die Ästhetik von Gebäuden sprechen, die als Baudenkmal eingetragen sind.


    Maecenas : So ein Gebäude sollte man architekturästhetisch vielleicht nicht mit der allgemeinen Massenbausünde zu DDR-Zeiten vergleichen. Da schneidet es natürlich überdurchschnittlich ab, was aber auch nicht schwer zu erreichen ist. Vielmehr sollte man es mit Gebäuden vergleichen, die von anderen Staaten als repräsentative Referenzbauten ohne großen Sparzwang errichtet oder hergerichtet werden.


    Und, ja, bei einer solchen Sichtweise schneidet möglicherweise auch das Bundeskanzleramt nicht besonders gut ab...

    Vielleicht könnte man das Staatsratsgebäude offiziell als Mahnmal einer dunklen Epoche deutscher Geschichte deklarieren.


    Vielleicht sagt dann irgendwann ein Tourist "Nett hier, aber dieses belanglose Gebäude würde eher in einen Verwaltungsbezirk passen". Dann könnte man ihm erklären, dass die SED als Vertreter des real existierenden Sozialismus ästhetisch nicht zu etwas Besserem in der Lage war. Da hatten die Vertreter der verachteten Junker schräg gegenüber dann doch deutlich mehr drauf...

    Erinnere ich mich richtig, dass hier eine Gewölbedecke mit Rabitzputz hinkommt? Dann müsste nach Einbau der verbleibenden, scheinbar schon vollständig bereitliegenden Steinelemente, die Installation der Unterbau-Konstruktion und daran dann die Befestigung des Rabitzgitters an der Reihe sein.


    Ich hoffe, die Baustelle bleibt dabei so offen wie bisher, damit der geschätzte Manikor uns mit seinen Fotos weiterhin tolle Einblicke in den Bauablauf wird liefern können!

    Auch bei historischen Bauwerken, die nie vollständig zerstört wurden, musste im Laufe der Zeit das Meiste irgendwann aus Verschleißgründen ersetzt werden. Es handelt sich also um Gebäude in der originalen Form, ohne dass die einzelnen Teile alle noch die ursprünglichen sind. (Dies galt ja sogar für große Teile der Fassade des Berliner Schlosses VOR der Zerstörung.) Auch eine Modernisierung des Inneren eines historischen Gebäudes, bis hin zur Entkernung, kratzt gewöhnlich nicht am Status eines solchen Gebäudes als "Original".


    Man kann also argumentieren, dass eine solche normale Entwicklung beim jetzigen Berliner Schloss-Bau lediglich in allen Bereichen gleichzeitig erfolgt ist, und nicht über hunderte von Jahren hinweg.


    Damit wird der Unterschied zwischen "Original" und "Reko" plötzlich ganz klein.

    Schon interessant: Da positioniert sich seit Monaten das "woke" Humboldtforum gegen das "reaktionäre" Berliner Schloss, in dem es selbst residiert. Und dann positioniert sich ein "woker" Klaas Heufer Umlauf im Kampf gegen die Museumsinsel direkt mal gegen Schloss und Humboldtforum gleichzeitig - und merkt überhaupt nicht, dass hier "woke" gegen "woke" agitiert.


    Aber wahrscheinlich wären sich Klaas und Hartmut einig, dass man beim Kampf gegen den kolonialistischen Imperialismus (also alles, was im weiteren Sinne mit deutschen Kaisern zu tun hat) auf sekundäre Details wie beispielsweise Fakten nicht unbedingt Rücksicht nehmen muss.

    Ich weiß schon, warum ich als Christ in einer Freikirche bin: Keine Kirchensteuer, kein staatliches Geld, nur Spenden. Dazu kein staatlicher Einfluss, nur die Bibel halt - und außerdem Bereitschaft zum Ehrenamt an allen Ecken und Enden...

    (...) allerdings ist es eher Teil des Problems, dass bei der Stiftungen Theologen den Bau führen.

    Vielleicht sollte man eher sagen "...dass bei der Stiftung NUR Theologen den Bau führen". Bei einem Kirchenbau Theologen einzubeziehen ist erst einmal nachvollziehbar. Ohne Bauexperten und ohne echte(!) Kommunikationsexperten reicht das aber nun mal nicht aus.


    Und dies sollte man auch als "Theologe" feststellen (und entsprechend reagieren) könnnen.

    es wäre doch zumindest wünschenswert, den Zustand vor 1939 wiederzugewinnen

    Wenn man mal nicht mit dem (nicht allen zugänglichen) Argument der "Wiederherstellung" arbeitet, sondern sich allein darauf fokussiert, in welcher Umgebung sich die Mehrheit der Bürger (bewusst oder unbewusst) am wohlsten fühlt, kommt man wahrscheinlich auf exakt dasselbe Ergebnis.


    Oder kennt ihr viele Menschen, bei denen das Wort "Altstadt" einen negativen Klang hat (obwohl die meisten Menschen bei Computern, Autos oder Hosen "neu" besser finden als "alt")? Und wieso liest man das Wort "Neustadtbummel" wohl so selten?

    (...) hochpreisige Stadtwohnungen für wohlhabende Neubürger und Spekulanten (...)

    So etwas zu verhindern liegt zu einem großen Teil in der Hand der Stadt. Wenn ich das richtig sehe, hat auch Frankfurt bei der (Teil-)Reko auf dem Gelände des ehemaligen Technischen Rathauses so etwas durch gezielte Vorgaben verhindern können.


    Bei einer Entscheidung zwischen Gedenkplatz für eine menschenverachtende Ideologie, Schloss-Parkanlage und Altstadt-Reko spricht für ersteres wahrscheinlich nur der geringe Kostenaufwand. Bei der Entscheidung zwischen den letzteren beiden Optionen würde ich danach gehen, was der Berliner Mitte am meisten fehlt. Und das ist für mich in der Tat eine Altstadt.


    Aber da es nicht nach mir geht, werden sich wohl noch meine Urenkel fragen, wie masochistisch ein Land sein kann, in dem zwei Menschen ein Denkmal bekommen, die es locker in die Top-Ten derjenigen Landsleute schaffen, die weltweit am meisten Schaden angerichtet haben.

    Wenn man heute über die "bestmögliche" Gestaltung des Marienviertels redet, denkt man doch, bewusst oder unbewusst, immer auch an die Wirkung auf auswärtige Besucher (schnöde auch "Tourismus" genannt).


    Wie war das eigentlich bei Ulbricht & Co.? Wollten die Genossen auch primär eine Wirkung erzielen? Vielleicht auf die DDR-Bürger, die in "ihrer" Hauptstadt das Idealbild des modernen sozialistischen Staates sehen sollten? Das würde ja auch unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Stadtplanung erklären, oder?