Posts by Martintre

    Ja, vielen Dank, Herr Herrmann, für diese Quelle!


    Ich fand den 18-Minuten-Monolog von Philipp Oswalt sehr aufschlussreich. Mein Eindruck: Er hat sich eine Welt erschaffen, innerhalb derer er schlüssig argumentiert. Das Problem ist, dass seine Grundannahmen unbewiesen sind. Wie der Lateiner sagt: "Ex falso quodlibet". Oder wie ich es im (Mathematik-)Studium gelernt habe: Aus einer falschen Aussage kann man alles folgern. Die Beweiskraft ist aber gleich Null.


    Um nicht abstrakt zu bleiben: WENN man als gegeben hinnimmt, ...

    dass die Symbolik eines Ortes essenziell ist,

    UND dass drei Tage im Laufe der Jahrhunderte reichen, um einen Ort bzw. einen Bau negativ zu belasten

    UND dass Preussen böse war

    UND dass eine Rekonstruktion zwingend ein "Lernort" werden muss

    UND dass eine originale Rekonstruktion nicht als Lernort geeignet ist
    UND dass jede Initiative durch Mitglieder mit rechter Gesinnung automatisch diskreditiert wird

    UND dass etwas automatisch schlecht wird, wenn ein Nazi es lobt

    (und noch ein paar andere fragwürdige Annahmen),

    DANN ist die Argumentation von Herrn Oswalt natürlich schlüssig.


    Den Beweis der Richtigkeit seiner vielen Annahmen bleibt er aber vollumfänglich schuldig. Bei einem solchen Versuch würde er wohl auch heftig ins Schwitzen geraten...

    Hier gibt es in beiden Fraktionen vernünftige Politiker. Und es gibt in beiden Fraktionen Leute, die eher ideologisch denken.

    Ich würde noch einen Schritt weiter gehen:


    Meine Hoffnung ist, dass mehr und mehr selbst ideologisch denkende Menschen bei nicht von Natur aus ideologischen Themen wie Architektur beschließen, sich den Luxus einer lediglich an Ästhetik orientierten Meinung zu gönnen.


    Zumindest wäre das meine Story, wenn ich bei Potsdamer Entscheidern für eine vollständige Reko der Garnisonkirche werben könnte.

    Fehlt diesem Platz (neben der 1:1 rekonstruierten Bauakademie, natürlich) nicht noch irgendetwas, das dort auch Menschen hinlockt? Ich habe dort selten viele Menschen gesehen, die nicht einfach durcheilen.


    Wie wäre es mit einem Straßencafé, als Bestandteil einer Auflockerung der Erdgeschoss-Ebene mit kleinen Läden oder Ateliers oder...? Ergänzt vielleicht um eine Nutzung der Bauakademie, die zumindest teilweise nicht einem wie auch immer gearteten "Fachpublikum" vorbehalten bleibt?

    Warum kann so ein Baustil nicht der heutige Standard werden? Durch die erhöhte Anzahl zur Verfügung stehender Gestaltungselemente lässt sich so ein Gebäude doch auch viel besser individualisieren. Damit steigt der Wiedererkennungswert, und ein Architekt kann wieder für seine Handschrift bekannt werden.


    Und so viel teurer als die aufwändig auf einfallslos getrimmte Einheitsarchitektur kann ein solches Gebäude eigentlich auch nicht sein.


    Gibt es vielleicht Architekten, denen so etwas zu "verspielt" ist? Nicht "modern" genug? Oder was sonst verhindert einen höheren Anteil derartiger Neubauten in deutschen Städten?

    Natürlich bin ich als Christ hier nicht objektiv, aber auch ich würde eine wiederaufgebaute Kirche am liebsten auch als Kirche genutzt sehen.


    Das Problem ist, dass die existierenden Kirchen vermutlich den Magdeburger Bedarf decken. Vielleicht müsste man mal prüfen, ob ein oder mehrere bestehende, heute zu Kirchenzwecken genutzte Profan-Gebäude nicht vielleicht doch dringend sanierungsbedürftig sind.


    Da könnte man sich dann die Sanierung sparen und als "Ersatzbau" die Rekonstruktion einer Kirche vorsehen, die die entsprechenden Funktionen bereits vor vielen Jahrzehnten gut erfüllt hat.

    Es ist interessant, wie intensiv die PNN den Begriff "Kompromiss" zu verankern versucht. Schließlich ist das Wort ja positiv besetzt und klingt nach "fair" und "Ausgleich".


    Mit vergleichbarer Logik hätte die Stiftung von Anfang an eine vollständige Rekonstruktion von Kirche und Langem Stall verlangen können, einschließlich der gesamten Breiten Straße bis zum Schloss. Dann hätte sie später als "Kompromiss" anbieten können, "lediglich" die Garnisonkirche und den Bereich der Plangage bis ins letzte Detail zu rekonstruieren, was als ein großes Entgegenkommen im Vergleich zur ursprünglichen Forderung hätte gewertet werden können.


    Derartiges "Framing" finde ich in einer solchen Diskussion grundsätzlich unehrlich. Einem gut ausgebildeten Journalisten passiert so etwas auch nicht aus Versehen.

    Es ging um einen bestimmten Vergleich, mit dem das ausgedrückt wurde. Daran haben einige Anstoß genommen.

    Das finde ich sehr schade. Ich habe ein Geschwister-Scholl-Gymnasium besucht, bin also mit der Geschichte dieser Vorbilder aufgewachsen und habe mich oft gefragt, ob ich ebenfalls den Mut gehabt hätte, so zu handeln.


    Allgemein sollten wir uns fragen, ob es das entscheidende Kriterium für Zensur ist, ob "einige Anstoß nehmen". Da es in diesem Fall (hoffentlich) nicht um den inhaltlichen Hintergrund ging und auch (hoffentlich) nicht gegen von mir erwähnte, zurecht hoch angesehene Persönlichkeiten der deutschen Geschichte gerichtet war, gehe ich von sachlich unbegründeten Befindlichkeiten aus.


    Ich möchte nicht betreiten, dass es sich dabei um echte (wenn auch konditionierte) Gefühle handelt. Wir sollten uns dennoch überlegen, ob es richtig ist, offenkundig subjektive Gefühle als objektive Gründe für die Einschränkung des Meinungsaustausch zu betrachten.


    Ich selbst habe bisher jedenfalls davon abgesehen, bei Formulierungen, die nicht meinem Stil oder Gefühl entsprechen, die "Anstoß"-Keule zu schwingen. Das werde ich im Sinne der uneingeschränkten Meinungsäußerung auch weiterhin so handhaben.

    Da beklage ich eine möglicherweise eingeschränkte Meinungsfreiheit um das Berliner Schloss, und ein Moderator des Forums beschneidet prompt die meinige.


    Unmittelbarer kann man meine Befürchtung vermutlich nicht bestätigen...

    Nun funktioniert auch der direkte Link nicht mehr. Ich war bis etwa zur Hälfte gekommen und war unfassbar beeindruckt von der Klarheit dessen, was ich da gelesen haben.


    Ich hoffe, wir bekommen bald Klarheit über den Grund des Verschwindens dieser Ausgabe.


    Philon: Aussagen entfernt, die nur wieder eine off-topic-Diskussion auslösen würden. Bitte beim Thema bleiben!

    Nur will ein Teil der Künstler inzwischen garnicht mehr aus dem Gebäude ausziehen und haben sogar einen Verein gegründet (Verein für freundliche Übernahme Rechenzentrum e.V.).

    Waren da Menschen tatsächlich so dreist, einem Verein einen so irreführenden Namen zu geben??


    Merke: Etwas wird nicht "freundlich", indem man es so bezeichnet.


    Wie wäre es ansonsten mit der Gründung eines Vereins für das "Liebevolle Hinauswerfen der Künstler aus dem Rechenzentrum"?

    Genau deswegen betonte ich den Kontrast doch, weil er in der heutigen Zeit einmal ein guter Kontrast ist!
    Außerdem gab es von jeher Kontraste im Stadtbild. Ein Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert stand neben einem Barockhaus, ein neogotisches Geschäftshaus stand nebem einem neoklassizistischen. Ein Zweigeschosser stand neben einem Viergeschosser mit Kuppel obenauf. Auch das machte das alte Berlin so schön und interessant.

    Ich glaube, auf derartige, historisch gewachsene Kontraste hat sich Minifutzi nicht bezogen. Falls er es so wie ich sieht, stört ihn die Überzeugung vieler heutiger Architekten, dass innerhalb eines Ensembles unbedingt künstlich Kontraste eingebaut werden sollen, am besten noch modernistischer Glas-Stahl-Kubismus zur Ergänzung/Abmilderung klassischer Architektur. ( Minifutzi, bitte korrigiere mich, wenn ich hier falsch liege!)


    Hier denke ich regelmäßig: Baut eure zierlosen Kisten doch irgendwo auf der grünen Wiese, aber hört bitte auf, bestehende Bauten vergangender Jahrhunderte besserwisserisch zu verschandeln durch euren "Kontrast"-Fetisch!

    (...) Vom hässlichen Entlein zum (fast) perfekten Schwan.


    Berlin - Dorotheenstadt

    Ist es nicht schlimm, dass viele der heutigen Architekten es genau umgekehrt sehen: "Von der klaren Formensprache einer modernen, Bauhaus-inspirierten Nachkriegsgestaltung zur Disneyland-Rekonstruktion überholter Bau-Epochen".


    Selten wird der Kontrast zwischen modernen Architekturideen und dem natürlichen Schönheitsempfinden der meisten Menschen so deutlich wie bei einer Vorher-nachher-Gegenüberstellung dieses Gebäudes.

    Ich kann an diesem Artikel nichts finden, was nicht zutrifft, schon gar keine Hetze. Das Projekt war von Beginn an heftig umstritten.

    Wenn man es genau nimmt, ist fast nichts "nicht umstritten". Trotzdem schreibt niemand vom "umstrittenen Kanzler Scholz", der mit der "umstrittenenen Außenministerin Baerbock" etwas beschließt, das der "umstrittene Oppositionsführer Merz" kritisiert.


    Nein, um das Attribut "umstritten" zu rechtfertigen, bedarf es mehr als der bloßen Existenz einiger Menschen, die abweichende Ansichten haben. Da muss es sich wirklich um eine kontroverse Debatte auf breiter gesellschaftlicher Basis handeln.


    Das kann ich, einiger Lautschreier zum Trotz, beim Berliner Schloss beim besten Willen nicht erkennen.

    Der Figurenschmuck des Schlosses umfasst doch neben christlichen Symbolen auch noch jede Menge heidnische Fratzen und Symbole, die hochgradig unchristliche Symbolik darstellen.


    Wieso hat sich da noch keiner dieser selbstberufenen Toleranzapostel dran gestört?


    Geht es bei denen vielleicht doch mehr gegen das Christentum als für die Vielfalt...?

    (...) Wolfgang Huber, Vorsitzender der Kuratoriums (...) "Der Vorschlag des Hauses der Demokratie hat sich als die Überzeugendste herausgestellt." :kopfschuetteln:


    https://www.pnn.de/potsdam/int…nicht-kommt/28068868.html

    Ich suche noch nach dem logischen Zusammenhang zwischen "Wir wollen ein Haus der Demokratie" und "Es darf also kein rekonstruiertes Kirchenschiff sein, sondern muss ein nüchterner Zweckanbau werden".


    Heißt das, Herr Huber ist ein Anhänger von "Function follows Form"? Oder hält Herr Huber Kirche und Demokratie für miteinander inkompatibel?

    An vieles, über das man sich anfangs freut, gewöhnt man sich ja irgendwann. Bilder vom Berliner Schloss werden für mich aber wohl immer etwas Besonderes bleiben - insbesondere wenn sie so hochwertig sind wie die von Mantikor . Danke dafür!


    Und das Schöne ist: Über die nächsten Jahre kommt, wenn auch Häppchenweise, immer wieder etwas dazu!