Posts by Jürgen

    erstmal: ich bin auch für´s verschieben ...


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    In der Regel bauen wir immer für die Bürger, bzw. den Bauherren. Und was an modernen Bauten in den Städten steht ist ja nicht vom Himmel gefallen sondern nach monatelangen Planungen mit allen Beteiligten entstanden. Und wenn es nicht auch außerhalb der Architekten- und Künstlerschaft Leute gäbe, denen modernes gefällt, wäre das gar nicht möglich.


    Studi
    Ein paar gibt´s ganz gewiss ... :zwinkern:


    Du darfst nicht vergessen, dass in den Fachgremien, die Politiker in puncto Architektur beraten, eigentlich nur Architekten sitzen.


    Falls Du´s noch nicht weisst: Bürger haben bei der Vergabe von Bauprojekten der öffentlichen Hand i.d.R. keinerlei Möglichkeiten, sich bei gestalterischen Fragen einzubringen! Die Beratungsfunktion haben hier ausgebildete Architekten und da die alle die gleiche Gehirnwäsche hinter sich haben, kommt natürlich nahezu ein immer gleiches Votum pro Moderne... Die obige Argumentation von Dir ist also eine Art Gewissensberuhigung für Dich, mehr aber nicht ... 8)



    Den Politikern (z.B. Bürgermeister, Bundespolitiker) mache ich bei diesem Spiel übrigens den geringsten Vorwurf: Beratung durch Fachgremien ist auch in anderen Bereichen bei Entscheidungen ganz normal und notwendig!
    Unterschied bei diesen Beratungen abseits von Architektur und Bau-Ästhetik ist aber, dass dort viel ausgewogenere Meinungen der Experten vorherrschen. Bei Beratung hinsichtlich Architektur ist wirklich "Gleichschaltung" angesagt, leider ... Traurig ist halt, dass nicht einmal unter den Studenten ein Hinterfragen der offiziellen Lehrmeinung stattfindet. :weinen:


    ein paar Beispiele, die man hinterfragen könnte:

      -respektiert der "International Style" den Ort, die Geschichte?
      -wie sieht´s mit der CO2-Bilanz bei Verwendung von künstlichen Materialien wie Stahl/Glas/Kunststoff im Vergleich zu natürlichen, lokal vorhandenen Rohstoffen aus? (Transportkosten, Energieeinsatz beim Bau, Energiebilanz von Vollverglasten "Würfeln" usw.)
      -was muten wir den Stadtbewohnern der Zukunft zu, wenn wir Gebäude entwerfen, die nicht in Würde altern können, sondern im Alter nur schäbig und billig aussehen (kennst du die "Broken-Windows-Theorie" ...?)
      -stellt die moderne Architektur den Menschen in den Mittelpunkt/bietet sie ihm Orte, an denen er sich wohl fühlt?
      -reflektiert die zeitgen. Architektur in Deutschland die besondere Situation? (nahezu vollständige Zerstörung der Großstädte eines Landes und damit einhergehender Verlust von gebauten Zeugnissen aus bis zu 30 Generationen/Verlust der geschichtlichen Tiefe)-usw.usw....


    Aber irgendwie schlafen die meisten Architektur-Studenten doch auf diesem Gebiet, oder? Traut ihr euch jetzt schon nicht mehr?
    Ich war ja während meines Studiums auch nicht der Revoluzzer (bin jetzt 35 und also kein 68er) aber das die Profs manchmal etwas "verkrustet" sind, war uns allen bewusst - bei euch ist das anscheinend anders: die Architektur-Opis müssen ja richtige Big-Massas für euch sein ... so ne Art Götter, oder?

    Tja, die zwingen uns in D eben nach wie vor, hässlich zu leben - weiss trotz all der gelesenen Theorien, Abhandlungen, der Beschäftigung mit unserer Geschichte, der Entwicklung nach dem WWII usw. eigentlich immer noch nicht was die Jungs antreibt, uns das so mies zu machen ... und bin ganz happy, das wir uns zumindest noch unsere hübschen Frauen aussuchen dürfen ... 8)

    Hi marc!,
    sowas gibt´s doch bei uns nicht, weißt Du doch - wir sind gemäßigt, wie immer. Zumindest, was solche Themen betrifft ... :zwinkern:


    Gruß,
    Jürgen


    PS: Schön, das Du mal wieder intellektuellen Sprengstoff in puncto Kritik an der Moderne einbringst. Hast Du nicht mal Lust auf einen schönen, längeren Architekturbeitrag mit Bildmaterial? Da fehlt auf SBD noch etwas... ich würde sagen, wir sollten mal wieder telefonieren.

    Hallo Studi,
    ich dachte ja erst, das ist alles Ironie von Dir (ich konnte in den letzten Monaten nicht alle Beiträge verfolgen), aber nachdem ich folgende Statements vom 04.02.2007, 21:45, von Dir entdeckt habe:

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    Einem Großteil der Bevölkerung gefällt moderne zeitgemäße Architektur.


    und hier:

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    Man kann doch Architektur nicht so einfach und traditionell halten nur damit es auch die Leute verstehen, die keine Ahnung davon haben.


    und das hier.

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    Das gleiche gilt für Kunst und Malerei, wer sich dafür nicht ineteressiert hängt sich den röhrenden Hirsch ins Wohnzimmer, wer sich damit beschäfigt findet dann sogar Dinge auf der Documenta ästhetisch.


    ... und auch so einige andere Beiträge von Dir gelesen habe, glaube ich wirklich, das große Erwachen wird bei Dir erst noch kommen.


    Ein Erwachen, bei dem Du erkennst,
    -dass die überwiegende Mehrzahl der Schreiber hier Akademiker sind (oder zumindest angehende)
    -sehr, sehr viele ein großes Interesse und Verständnis für Kunst besitzen
    -einige selbst Architekten oder Bauingenieure sind
    -welch große Teile der Bevölkerung sich von der modernen Formensprache in der Architektur abgewandt haben


    und vor allem: irgendwann wirst Du merken, das sich die Architektenschaft langsam selbst das Wasser abgräbt, wenn sie sich nicht endlich selbst reformiert. Das haben nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche im 20 Jhdt. hinter sich gebracht - bei den Architekten fehlt diese Selbst-Reflexion noch.


    Lies Zeitung, sprich mit Nicht-Architekten, erlaube Dir selbst mal, etwas Querzudenken und hinterfrage die Lehrmeinung Deiner Profs - das ist leider notwendig, verdrängen hilft in puncto Architektur nicht mehr weiter.


    Sorry - normalerweise gehe ich eigentlich nicht so ins persönliche ... hier war´s mir mal ein Anliegen, weil Du über den Tellerrand der Prof-Meinung anscheinend noch nicht geblickt hast.

    Hallo rakete!
    Ich denke, viele hier im Forum sind einfach enttäuscht, dass sich der deutsche Denkmalschutz angesichts der unvergleichlichen, gigantischen Menge von Verlust historischer Substanz, einfach in seinen akademischen Elfenbeinturm zurückzieht.


    Die Auflagen und "Handlungsanweisungen" im Umgang mit den verbliebenen, z.T. kümmerlichen Resten einstiger Pracht, sind einfach nicht mehr von dieser Welt und manchesmal sogar nur lächerlich ...


    Nach allem, was der deutschen Bausubstanz seit ca. 1941 wiederfahren ist, wäre ein DS notwendig, der Mumm hat und sich traut aufzustehen.


    Leider trägt diese Fachdisziplin seit Jahrzehnten eben besondere Verantwortung - da können sich andere Berufsgruppen schon leichter zurücklehnen. Der Krieg sollte für die Denkmalschützer eigentlich noch nicht vorbei sein - so merkwürdig das klingt ... stattdessen pflegen sie ihren Beamtenstatus und tun so, als gäbe es bei Dehio noch etwas, das uns weiterhelfen kann.


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    wer jedoch denkmalschutz nur für "luxus" oder "reine ideologie" hält, sollte dann auch diese meinung vertreten, wenn es mal wieder um den abriss von baudenkmälern geht.


    Vielleicht bist Du jetzt verwundert - aber der Eintritt für Baudenkmäler ist das absolut mindeste, was ich erwarte. Ich kann hier keinerlei Besonderheit entdecken, dafür werden die Inhaber der Planstellen schliesslich bezahlt - wofür sollen sie denn ansonsten ihre Vergütung erhalten...?

    Wichtig ist auch, sich im Detail mit Kriers Arbeit zu beschäftigen, bevor Kritik geübt wird:


    Gerade mit der Entwicklung neuer Herangehensweisen zur Definition von Bebauungsplänen unterscheidet sich Kriers Vorgehen nämlich in nahezu 100% von dem, was in Deutschland für die Planung neuer Reihenhaussiedlungen berücksichtigt wird (und womit unser Lebensgefühl beeinträchtigt wird):


    Seine Philosophie für Neubaugebiete lässt sich z.B. durch neue, intelligente Straßenführung, häufige Abwechslung von Form und Größe der einzelnen Parzellen, Funktionsmischung usw. charakterisieren (Einbahnstrassen oder Sackgassen gibt es bei ihm zB. nicht).


    Schon neben seinen Vorstellungen zur Neudefinition des Bebauungsplans unterscheidet er sich m.E. extrem von dem, was in D in Sachen Reihenhaussiedlung läuft - vom stereotypen Müll der eigentlichen Häuser ganz zu schweigen. Mit Krier gäbe es ganz andere Siedlungsphysiognomien, eben nicht die langweiligen, monotonen und sterilen Neubaugebiete, die in D aus dem Boden gestampft werden, sondern gerade die Vielfalt, die wir hier so einfordern.


    @archy
    da solltest Du wirklich nochmal nachlesen ... :zwinkern:

    Hallo marc!

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    solange die Typologie gewahrt wird


    ... da können wir dann aber leicht beim Typus "Salzhaus" landen - deswegen: Maximalforderungen vertreten - zurechtgestutzt wird sowieso.
    Das politische Bekenntnis zu vier Rekos und historischer Anmutung ist das Papier nicht wert, auf dem es steht. Der polit. Konsens kann genauso wieder auf zwei oder drei Rekos schrumpfen - aber natürlich auch mehr Objekte beinhalten, wenn die Bürger nicht nachlassen (und das ist die riesige Chance, die sich in FFM bietet)!

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    Nürnberg ist für die Frankfurter vor allem wegen des Baukunstbeirats interessant, der von der Stadtpolitik in Fragen der Architektur ernstgenommen wird. Das unterscheidet ihn vom hiesigen Städtebaubeirat, der vor allem durch verspätete und nichtssagende Stellungnahmen auffällt. Schwarz-Grün erwägt daher, einen Gestaltungsbeirat zu berufen, der sich nur der Altstadt widmet. Es wäre vermutlich hilfreich, wenn ihm keine Frankfurter angehörten, sondern nur weitgereiste Fremde.


    Alles, was es an Rekogegnern in der Nürnberger Region gibt, klopft sich dort gegenseitig auf die Schulter. Also differenzierte Anregungen kann sich dort niemand holen ...


    Direkte Hilfe für Reko-Projekte kann m.E. nach von der Politik niemals erwartet werden - da sollte man nicht enttäuscht sein. Die Verantwortlichen drehen sich wie die Fahnen im Wind (...sind halt Politiker!). Richtiger Einfluss entsteht nur über Druck durch die Bürger, solange, bis sie um Stimmen fürchten...

    Hallo Studi
    Auch von mir ein Herzliches Willkommen im Forum!


    Mir geht´s derzeit ebenso wie Philon: Habe momentan einfach zu wenig Zeit, finde die Diskussion, die Du angestoßen hast, aber sehr wichtig und interessant. Vorerst nur ganz kurz:
    Deutschland hat aufgrund der Entwicklungen im WWII einzigartige flächenhafte Zerstörungen hinnehmen müssen, wie sie kein zweites Land in der Geschichte erlebt hat (nur Polen und Japan kommen da heran). Nahezu jedes Deutsche Stadtbild wurde komplett verändert, über Generationen hinweg gewachsene, einmalige Stadtorganismen wie Nürnberg, Hildesheim oder Dresden wurden fast gänzlich ausgelöscht; fort sind die Geschichten und Erinnerungen, fort sind jahrhundertealte Quellen der Identifikation, der Wurzeln ...


    Die Moderne Architektur ist in ästhetischer Hinsicht zwar heute zweifellos weiter als in den 60er/70er Jahren, aber noch immer fehlt da etwas in den Herzen unserer "Altstädte" ... hier NUR auf Moderne zu setzen und Rekonstruktionen abzulehnen greift in D zu kurz - auch wegen der Verantwortung zukünftiger Generationen gegenüber.


    Ich möchte Dich ebenso wie Philon auf zwei Links hinweisen:



    http://www.stadtbild-deutschla…briken/verein/verein.html
    http://www.stadtbild-deutschla…dte_und_orte/1/index.html


    Beide Artikel sind von mir und bringen viele meiner Gedanken auf den Punkt, die ich in der Kürze der Zeit heute nicht so niederschreiben kann. (Zeit!)


    Ansonsten hoffe ich, Du hast Spaß hier im Forum (obwohl das bei vielen Themen schwierig genug ist ...), stöberst herum und bildest Dir eine Meinung.


    VG


    Jürgen

    @thomas filip
    Ich kann Antiquitus nur in jedem Satz zustimmen. Wir sind hier nicht mehr und nicht weniger als eine Zusammenkunft junger Leute, die über eine gemeinsame Sache diskutiert und sich bundesweit austauscht. Der Lernprozess über das Schicksal andere Städte, der Austausch von Gedanken, Ideen, steht im Mittelpunkt. Jeder hat hier das Recht, seine Ansichten über bestimmte Sachverhalte darzulegen. Gemeinsame Basis der Mods ist die Vermeidung von persönlichen Beleidigungen und die Vertretung radikaler politischer Ansichten.


    APH ist seit seiner Gründung völlig unabhängig: Wir haben uns diese Unabhängigkeit gegen Instrumentalisierungsversuche von Rechts bewahrt, uns gegen religiöse/erzkonservative Spinner behauptet, radikale Eiferer ausgeschlossen, uns durchgesetzt gegen Diffamierung aus der Ecke der "Architektur-Opis" ... Ja, ich sag's mal so: Wir haben uns mit all den Facetten, die das Netz so zu bieten hat auseinandergesetzt ... Diese Position wird bleiben - wir stehen wo wir sind!

    VG

    Ja, hoffen wir, dass die Resonanz bundesweit da ist - Nürnberg wäre es echt zu wünschen, die Stadt verkauft sich hier seit Jahrzehnten viel zu schlecht.


    Was Dresden für den Barock ist, war Nürnberg bis zum WWII für das Mittelalter. Von der Bedeutung her gab es in Europa in der Größe nichts vergleichbares, ein Stadtbild unverändert seit Jahrhunderten - höchstens Florenz oder Venedig konnten da konkurrieren. Im Gegensatz zu den Dresdner Stadt-Verantwortlichen definieren sich viele Nürnberger Entscheidungsträger aber leider zu sehr über die Geschehnisse im 3. Reich - wirklich schade, dass man hier anscheinend keine Balance hinbekommt: Bewusstsein für die Vorkommnisse während der NS-Diktatur aufrechterhalten und gleichzeitig die positive Annahme der reichen und besonderen Vergangenheit während der (fast) 1000 Jahre vorher ... :traurigboese:


    Was Nürnberg bis zum 2. Januar 1945 für Mitteleuropa war, habe ich auf Stadtbild-Deutschland mit ein paar Artikeln versucht, in Erinnerung zu rufen:


    http://www.stadtbild-deutschla…e_und_orte.html#nuernberg


    Aber ich denke, die meisten hier aus dem Forum wissen das schon ...


    Grüße aus Nürnberg

    spacecowboy
    Geniale Bilder zu einer beeindruckenden Stadt! War vor einigen Wochen 5 Tage in Leipzig auf innerbetrieblicher Schulung - und schwärme heute noch davon! :daumenoben: Wird nur Zeit, das diese restlichen Plattenbau-Relikte im Zentrum beseitigt werden - ich denke aber, dass wir das alle noch erleben werden. Leipzig ist einfach zu schön, als dass das noch lange Bestand haben kann.

    @restitutor
    @alle
    Danke für euere aufmunternden Worte - jetzt gilt es die irrwitzige Summe von 2-3 Mio Euro aufzubringen - keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen ... :?:
    Vor allen Dingen haben die Altstadtfreunde zur Zeit drei Baustellen, die selbst Mio kosten werden. Kritiker des Vereins erwartensich so, dass sich das leidige Thema Altstadtfreunde in Nürnberg wegen dem Übermaß an Aufgaben von selbst erledigt ... Dagegen gilt es anzugehen und die Hoffnung auf Realisierung all der Vorhaben stirbt zuletzt!


    Auf Stadtbild Deutschland gibt es einen BLOG dazu:


    http://www.stadtbild-deutschland.de/rubriken/blog/index.php