Posts by rakete

    die rückseite der alten nikolaischule war längst in sich zusammengebrochen. kurz vor der wende wurde begonnen, auf dem angrenzenden grundstück plattenbauten zu errichten. diese rohbauten wurden nach der wende zugunsten der heutigen strohsack-passage wieder beseitigt. klar war auch, dass die rückfront eine (fensterlose) brandmauer sein müsse. wahrscheinlich wäre die alte nikolaischule vollends in sich zusammengesackt, wenn nicht die (partner)stadt frankfurt dankenswerterweise 25 mio dm für deren rettung beigesteuert hätte. mit diesem geld konnte das gebäude saniert und ergänzt werden. dabei wurde der erschliessungskern mit treppe, lift und toiletten auf der rückseite konzentriert und tageslichteinfall durch oberlichter gewährleistet. auf diese weise konnte die alte schule für ihre eigentliche neue funktion als restaurant und museum hergerichtet werden - ohne fakes, die den unterschied zwischen originalem renaissancebau und ergänzung verwischen.


    wenn du also heute schnell zu den treppen und toiletten huschen kannst und dabei gleichzeitig spürst, dich in einem zeitgenössischem anbau zu befinden, bestätigst du damit nur, dass die intension der architekten sowohl in funktionaler als auch in ästhetischer hinsicht aufgegangen ist.


    Moderatorenhinweis (bilderbuch): Beitrag um als beleidigend aufzufassende Passage gekürzt.

    ja, seit längerem:


    http://www.architekturforum.ne…hp?mode=reply&f=14&t=2466


    heute kam er wieder einmal im mdr zu wort. er sprach von einer zirkusartigen arena und zwei pavillons davor. das geld dafür stünde "im prinzip" bereit. (letztes jahr meinte er, kanadische pensionsfonds hätten so viel geld, die suchten händeringend nach anlageobjekten...) diesmal sprach er davon, frei otto (dachkonstrukteur des münchner olympiastadions) müsste als nächstes mal ein modell anfertigen.


    ehrlich gesagt: der mann hat kein geld, kein grundstück und in den letzten 20 jahren nur pleiten und ein "göttliches erweckungserlebnis" gehabt. das klingt alles nicht sehr seriös. aber eine bebauung des ferdinandplatzes - durch wen auch immer - wäre natürlich nur zu begrüssen.

    wenn ich mich recht erinnere, hat es für diesen erweiterungsbau keinen wettbewerb gegeben, sondern der investor kam seinerzeit mit den fertigen plänen seines hausarchitekten um die ecke. da muss es nicht weiter verwundern, dass diese nur sehr mangelhaft auf die stadträumliche einbindung eingehen. dafür jedoch um so mehr, dass diese pläne einfach durchgewunken wurden.
    es ist für alle seiten - investoren, städteplaner, bürgerschaft - bereichernd, über entwürfe von architekturwettbewerben (und deren ergebnisse) diskutieren zu müssen/können. dies ist ein sinnvoller weg, um die sensibilität für architektur - und damit auf lange sicht auch deren niveau - zu heben.
    wo dieser weg nicht beschritten wird, können die ergebnisse schlimmstenfalls indiskutabel ausfallen.

    spacecowboy:


    nun, über die gründe hierfür können wir nur spekulieren. mir scheint, dass dort ein "harmonisches" stadtbild als wert an sich betrachtet wird - selbst um den preis, dass die neubauten letztlich mit den platten ringsum harmonieren oder aussergewöhnliche entwürfe (gewandhaus am neumarkt) mit hinweis auf die umgebung nicht realisiert werden.


    als dresdner pendant zur trinitatiskirche lässt sich meines erachtens jedoch am ehesten der neubau der dortigen synagoge betrachten: ein vergleichbar aufwändig ummantelter solitär, dessen architektur ruhe und beständigkeit ausstrahlt, der aber nur höchst unbefriediegend in den stadtorganismus integriert ist. gerade dieses extrembeispiel hätte nach meinem dafürhalten dafür sorgen müssen, dass für die kirche ein weniger introvertierter entwurf zum zuge kommt.


    die hat es durchaus gegeben - und hatten auch eine eigenständige architektonische handschrift gehabt.

    und gleich werden es wohl wieder weniger prozente zustimmung sein:


    der entwurf an sich ist nicht langweilig. wie spacecowboy andernorts - anhand neuer fotos einer inzwischen gemauerten probefassade - sehr treffend anmerkte, wird es eine fast schon expressionistisch anmutende gliederung der porphyrfassaden geben. diese weisen durchaus anklänge an bauten von hubert ritter auf. insofern wird zum teil auch die frage beantwortet, wie schulz und schulz bei dieser kirche und dem stadthausturm zwei so unterschiedliche architektursprachen wählen konnten: sie sind gar nicht so unterschiedlich, beide orientieren sich an der klassischen moderne.


    als normale pfarrkirche gäbe es an dem entwurf nicht viel auszusetzen. mein hauptkritikpunkt besteht darin, dass der entwurf für diesen standort aus städtebaulicher sicht ungeeignet ist. als gegenüber des neuen rathauses wirken der flachbau und selbst der glockenturm mickrig, am wilhelm-leuschner-platz wirkt die fensterlose kirchenraum bunkerartig. die einbettung in das umfeld ist nicht stimmig - und deshalb wird der bau letzlich wie ein implantat wirken.

    die dresdner beispiele sind keine kirchen.


    mit verlaub, die verlinkte ansicht der kirche verdeutlicht eher, dass dieses konzept für diesen standort - direkt am vielbefahrenen ring - nicht geeignet ist. in einem anderen interview mussten schulz und schulz bereits einräumen, dass die verglasung der erdgeschosszone wohl noch "überarbeitet" werden müsse, weil der strassenlärm und der anblick vorüberfahrender autokolonnen die besinnung der kirchenbesucher stören könnte. in verbindung mit der fensterlosen wand entlang des wilhelm-leuschner-platzes bleibt da nicht viel vom anspruch übrig, sich in kürzester zeit wie selbstverständlich ins stadtgefüge einzuordnen.


    das begrenzte grundstück lässt mitnichten nur einen innenliegenden pfarrhof zu, wie andere wettbewerbsbeiträge gezeigt haben. die entscheidung für den siegerentwurf war nicht zwangsläufig, sondern gewollt. ich will gar nicht bestreiten, dass sein (schon so oft gebautes) konzept für die gemeindearbeit attraktiv ist. aber aus städtebaulicher sicht ist dieser bunker das gegenteil, was auch nicht dadurch kaschiert werden kann, dass die wände - für`s lokalkolorit - diesmal mit porphyr umwickelt werden.

    ansgar schulz hat seine von mir und anderen vermuteten geistigen wurzeln in diesem interview selbst indirekt bestätigt.


    direkt gegenüber vom neuen rathaus einen innenliegenden "pfarrhof" (!) zu entwerfen, klingt doch nun wirklich mehr nach ford taunus als nach elektroauto. mit solch einem kirchenbaukonzept muss man schon sehr vertraut sein, um es selbstbewusst mitten in die city einer grossstadt implantieren - um nicht zu sagen: exportieren - zu wollen.

    @kv2d:


    diese ecke war vor dem krieg kein teil des stadthauses, sondern ein wohn- und geschäftshaus (mit autohaus im erdgeschoss). grundstück und investor sind privat - und es soll wieder ein wohn- und geschäftshaus entstehen.


    gerade, wenn man blockhaften, monofunktionalen grossstrukturen in innenstädten kritisch gegenüber steht, kann man froh sein, dass diese ecke innen wie aussen eigene akzente setzen soll.


    bei der weiteren überarbeitung der drei in die engere auswahl gelangten entwürfe wird es insbesondere darauf ankommen, gelungene übergänge zum stadthaus zu schaffen, ohne sich von diesem "klotz" erdrücken zu lassen.

    wieso sollten die sachsen diesem denkmal naturgemäss mit einer gewissen ambivalenz gegenüberstehen müssen?
    wegen des loserhaften herrscherhauses, das soldaten zumeist auf der verliererseite verheizt hat? die quittung dafür geb es doch schon 1918.


    angesichts 120 000 niedergemetzelter menschen auf allen seiten stellt sich die frage, wie - und vor allem warum - dieses denkmal hätte "schön" gestaltet werden sollen. es ist so monströs und grotesk wie die schlacht. der losung "gott mit uns" stehen keine kaiser, könige, generäle oder verlogene allegorien wie eine "saxonia" gegenüber, sondern sterbende krieger. dadurch erhebt sich dieses denkmal weit über sonstige selbstbeweihräucherungsstätten. kein wunder, wurde doch hier unterderhand ein freimaurertempel geschaffen und 1913 statt mit kanonendonner mit den drei hammerschlägen eingeweiht. gut gemacht.

    thema verfehlt.


    das hier ist eine galerie, da geht es um die gezeigten fotos.
    wie schlossgespenst schon richtig anmerkte, haben selbst heruntergekommene altbauten einen gewissen morbiden charme, der sich bei alten platten meist nicht einstellt. der relativiert sich allerdings wiederum, wenn man diese gebäude nach deren denkmalgerechter sanierung sieht - oder die brachen, nachdem die häuser in sich zusammengefallen sind. von daher kann man nur hoffen, dass die sanierungen weitergehen werden.

    leipzig kauft in der regel keine häuser. vielmehr gibt es dort seit einigen jahren folgendes programm:


    besonders gefährdete, doch stadtbildprägende gebäude werden auf eine liste gesetzt und aus öffentlichen mitteln notgesichert (dächer abgedichtet, etc). dazu werden den eigentümern fördermittel oder käufer vermittelt. nach erfolgter sanierung werden die öffentlichen mittel an die stadt zurück erstattet. diese liste wird übrigens gerade fortgeschrieben.


    aus mangelnder ortskenntnis vermag ich nicht zu beurteilen, ob die gezeigten häuser in der friedrichstadt es auf eine etwaige liste in dresden schaffen würden oder ob hier in der tat ein grünzug die sinnvollere alternative ist.
    unabhängig davon hat sich die idee eines städtischen notsicherungsprogramms als erfolgreich (und damit auch für andere kommunen nachahmenswert) erwiesen.

    mein voriger beitrag hat deine frage bereits beantwortet.


    die hänsel-fassade wurde für die damalige platzsituation geschaffen, die müller-fassade für die jetzige. sie einfach woanders wieder aufzubauen, würde weder der fassade noch dem neuen standort gerecht werden.

    @wissen.de: ich nehme mal an, die idee ist nicht ganz ernst gemeint.


    die harry müller-fassade ist genau für diesen standort entworfen worden.
    nach dem krieg wurde der "friedlich-engels-platz" aufgeweitet. die neue fassade reagierte darauf, in dem sie einerseits auf fernwirkung abzielt und sich andererseits die weite des umfeldes zunutze macht. durch die reflexionen der sonneneinstrahlung gewinnt die fassade ihre lebendigkeit (wird man im gereinigten zustand wieder besser erleben können). so etwas kann man nicht an irgendeine andere strassenecke versetzen, wo diese wechselwirkung gar nicht stattfinden kann.

    das zitat bezieht sich auf die altbauten der gegenüberliegenden strassenseite.


    unabhängig davon darf das katharinum wohl als ein geglücktes experiment betrachtet werden.
    dem bauherrn, der stadt und den vier architekten ist es gelungen, dieses gebäude in eine sehr komplexe und heterogene umgebung passgenau einzufügen.
    das gewählte verfahren sollte vorbild für die weiteren museumswinkel sein.

    so ist es.
    ein guter journalist hätte bei herrn häusler angerufen und nachgefragt.
    herr guratzsch hat sich lieber an eine andere journalistenweisheit gehalten: man kann sich jede story kaputt recherchieren. und dann hat er einfach geschrieben, was er selbst gern lesen wollte.


    das lässt tief blicken. von einem leserbriefeschreiber lasse ich mir das noch gefallen, aber nicht von einem autor einer renommierten deutschen tageszeitung.

    niemeyers kathedrale gehört zweifelsohne zurecht zu den ikonen der modernen architektur. allerdings wurde um sie herum eine stadt erbaut. beim vorliegenden projekt verläuft es genau andersrum. intension der architekten war es daher, einen bau zu schaffen, der sich unspektakulär - quasi wie gewachsen - in das bestehende stadtgefüge integriert: durch die materialwahl und die lagernde baumassenverteilung. zumindest dies ist ihnen gelungen. der neubau wird als solcher kaum erkennbar sein, ohne sich dabei untauglichem pseudoromanischen basilika-kitschs (wie bei mäckler) zu bedienen.


    kritikpunkte gibt es dennoch allenthalben. mal sehen, was die weitere ausarbeitung des entwurfs noch bringen wird.

    rund 10 000 denkmalgerechte sanierungen seit der wende lassen in der tat erkennen, mit welchem sachverstand die experten arbeiten. die wenigen noch halbwegs intakten reliefs überhaupt zu integrieren, ist ein weiterer beleg dafür.
    zu diesem sachverstand gehört aber auch, dass es keinen sinn ergibt, mauerwerk erst als denkmal einzustufen und dann darauf fassadenschmuck nachzuahmen, welcher danach ohnehin durch die denkmalgeschützten alu-waben verdeckt werden würde.


    denkmalschutz hat sich mit dem umgang mit baudenkmälern zu befassen. in dieser ist es bemerkenswert, dass die seit jahren eingelagerten brunnenplastiken vom sachsenplatz (vom künstler der alu-waben und in ähnlicher optik) auf dem richard-wagner-platz aufgestellt und somit künftig zu einem ensemble mit der kaufhaus-fassade zusammengefügt werden. das ergebnis wird stimmiger sein, als hier angedachte hybrid-varianten.

    die sache ist doch völlig klar:


    die alu-waben sind denkmalgeschützt, der rest nicht. auf den fotos ist auch zu sehen, warum. die begehung mit hoquel wurde ja extra gemacht, um herauszufinden, ob sich noch fassadenschmuck erhalten hat.


    die waben kommen an den neubau wieder dran, beschädigte werden nachgebaut.
    hinter der alu-fassade bleiben vom altbau wohl die paar fassadenteile stehen, an denen noch reliefs erkennbar sind. diese sollen von innen zugänglich gemacht werden.

    Heimdall:
    aha.
    dann sind die investoren vom kurländer palais vermutlich monarchisten,
    der florana-chef ist ein grüner multikuturist und
    die bauherren vom cosel palais + modernem anbau sind ...halt schizophren.


    klingt nicht sehr überzeugend.


    @wissen.de:


    "die stadt" ist keine geschmackspolizei und sie ordnet nicht an, sondern sie koordiniert und moderiert zwischen den verschiedensten akteuren mit unterschiedlichen interessen - die alle legitim sind. wie weit man mit der reinen lehre a la ghnd heute wäre, ist an der rampischen gasse 29 zu besichtigen. wie weit man kommt, wenn man investoren freie hand lässt, sieht man an der centrum-galerie.


    um es am beispiel hauptstrasse und königsstrasse zu erläutern:
    für deren belebung ist die fassadengestaltung der florana-bauten eher unerheblich. wichtiger wäre es gewesen, die abwanderung der passantenströme in die einkaufscenter auf der altstadt-seite durch begrenzung ihrer verkaufsflächen einzudämmen. zugelassen zu haben, dass sich ein grossteil der geschäfte einfach in zwei überdimensionierten centern befinden wird, stellt meines erachtens das grösste hemmnis für weitere entwicklung der inneren neustadt dar.