Posts by baukunst-nbg

    Für Bauforscher zeigt sich momentan ein Kleinod: nach Abbruch einer Mauer in der Jakobstr. 34-36 ist sehr bemerkenswertes und vollständiges mittelalterliches Fachwerk zu Tage getreten, an dem die Entstehungsgeschichte des Hauses schön ablesbar ist. In Google Street View ist noch die alte Mauer zu sehen. Auf meiner Facebook-Seite habe ich mit freundlicher Genehmigung der Behörde bzw. des Urhebers ein Foto veröffentlicht:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid…&type=1&theater

    Viele Grüße
    baukunst-nbg

    Altstadtfreunde: Enderle ist gewählt. Hoffnung?

    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1248666&kat=11&man=2

    Quote

    In seiner Grundsatzrede deutete Enderle neue Schwerpunkte an. Unter Hinweis auf den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und die Wiederaufbaupläne sagte er: »Das Tabu von Rekonstruktionen ist damit gebrochen.« Der Wiederaufbau des Pellerhofs soll jetzt vorrangig vorangetrieben werden. Schon der Ehrenvorsitzende der Altstadtfreunde, Erich Mulzer, soll an einer Liste von Gebäuden, die rekonstruiert werden sollen, gearbeitet haben.

    Enderle ließ an der modernen Architektur kein gutes Haar, weil es ihr nicht gelinge, Identität zwischen Bürgerschaft und Stadt herzustellen. Während der alte Architekturstil dem Prinzip »Vielfalt in der Einheit« folge, gebe es jetzt die »Vielzahl an Einfalt«. Die Altstadtfreunde wollen im Baukunstbeirat mitsprechen und fordern eine Erhaltungssatzung mit festen Regeln für die Altstadt.

    Die historische, sehr stattliche Villa Rosenfelder, Virchowstraße 19 - nach meiner Schätzung zwischen ca. 1910-1925 entstanden - soll zu Gunsten eines Bauträgerprojektes der Firma BAUHAUS aus Nürnberg abgerissen werden. Baubeginn soll laut Bautafel noch im Sommer 2010 erfolgen.

    Nach meinen Informationen hat der zuständige Sachbearbeiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege entschieden, daß das Gebäude kein Denkmal ist. Damit sind rechtliche Möglichkeiten entfallen, den Abriß zu verhindern. Angeblich sei die Fassade verändert worden. Die Villa ist offenbar vom gleichen (jüdischen) Architekten geplant worden wie das übernächste, denkmalgeschützte Haus, Virchowstraße 23. Das Grundstück ist ein Filetstück, da es unverbaubar an den Stadtpark grenzt. Von der erheblichen Reihe vornehmer Villen sind dann nur noch die drei Denkmäler 23-25-27 erhalten. Ein weiteres trauriges Beispiel dafür, daß die Denkmalpflege, aber auch städtebauliche Steuerungsinstrumente, auch nur knapp unterhalb des "Radars" des Denkmalschutzgesetze komplett versagen.

    Was ich vom Geschäftsgebaren der Firma Bauhaus angesichts solcher Vorhaben halte, brauche ich wohl nicht gesondert zu erwähnen. Klar ist es ein gutes Geschäft, aber der kulturelle Verlust ist viel schlimmer. Banausen!

    Es handelt sich um dieses Gebäude:
    http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=s…072&lvl=2&sty=b
    Leider habe ich keine Fotos im Archiv, vielleicht kann jemand anders kurzfristig noch Aufnahmen machen.

    Deinen Scharfsinn in Ehren, youngwoerth, aber deine "kurzen Denkanstöße" ziehen zuweilen seitenlange semantische Diskussionen nach sich, die die wohl gut gemeinte Intention doch eher konterkarieren. Und die - mit Verlaub - etwas ungeschickte Aufforderung, mitzudenken, unterstellt hier, daß die Leute hier etwas langsam sind. Ich glaube nicht, daß du das wirklich willst. Trotzdem finde ich es natürlich schön, daß du die Diskussion am Leben hältst. - In der Sache muß ich betonen, daß Backstein in Nürnberg doch ein sehr verbreitetes Material war, auch wenn es nicht prägend ist. Daher sehe ich seine Verwendung schon als legitim an, solange nicht die ganze Stadt nur noch aus Backstein besteht. Aber jedenfalls sind Klinkerfassaden nicht schlechter als die verputzten, wenn es sich angemessen abwechselt.

    Vielen Dank. Wörlitz und das ganze Gartenreich ist für mich eine der großartigsten Schöpfungen überhaupt. Einen solchen Gedanken zu fassen und zu verwirklichen braucht schon eine besondere Persönlichkeit, die in diesem Punkt über die bloße Schaffung eines Schloßparks hinausgeht. Ähnliche Maßstäbe kann man vielleicht dem Park Wilhelmshöhe beimessen, der auch die Landschaft in gesteigertem Maße einbezieht. Toll, daß Du auch die Bezüge zwischen den Ortschaften und der Landschaft zeigst. Vielleicht sehen wir noch Oranienbaum?

    "Britischer Nürnberg-Fan ärgert sich" - und kritisiert Augustinerhof-Entwürfe mit Leserbrief an die NZ:

    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1012456&kat=11&man=4

    Im Rahmen der Diskussion um Pellerhaus und -hof vor wenigen Jahren hat die starke auswärtige und internationale Anteilahme am Nürnberger Stadtbild manchen Kommunalpolitiker und Entscheidungsträger irritiert. (ich zitiere immer gerne: "In any other country, a war-destroyed Pellerhaus would have been restored fifty years ago. Go on with it, for God's sake!") Dabei blamierten sich einige sogar mit der Auffassung, "nur" auswärtige, und daher unbeachtliche Stimmen würden sich für die Rekonstruktion des Pellerhofs aussprechen. Angesichts der damaligen weitgestreuten Teilnahme ist es eigentlich nicht "überraschend", wie die NZ schreibt, daß sich mit John D. Lewis ein Brite für das Stadtbild Nürnbergs interessiert zeigt. Letztlich ist beim Pellerhof alles gut gelaufen, aber ob man wirklich akzeptiert hat, daß man sich auch mal von außen Kritik gefallen lassen muß, halte ich für fraglich.

    Umso wertvoller ist die Zuschrift Lewis', aber auch die Berichterstattung der NZ, die ich hier loben möchte, denn man sollte nicht die zumeist etwas trägen, aber doch zweifellos vorhandenen Kräfte der Nürnberger Bevölkerung unterdrücken, die sich gegen eine unerfreuliche Bauentwicklung in der Altstadt wenden wollen.

    Die Übersetzung von "freakish horror" mit "launenhaftes Grauen" halte ich für weichgespült, denn "freak" ist meines Wissens ein ziemlich schlimmes Schimpfwort. Außerdem paßt das im Deutschen fast schon positive "launenhaft" nicht zu dem negativen Ausdruck "Grauen". Ich würde eher im vorliegenden Zusammenhang den Ausdruck so verstehen, daß Lewis froh ist, daß es sich um keine "grausige Mißgeburt" handelt, auch wenn das idiomatisch und grammatikalisch nicht ganz richtig sein mag.

    Richtigerweise fällt damit der Engländer das Urteil dahingehend, daß es unverständlich ist, warum man die unbestritten notwendige Anpassung so verklemmt und feigenblattartig vornimmt und sich nicht der wunderbaren Möglichkeiten bedient, die eine konsequentere Aufnahme Nürnberger Stilelemente in sich birgt.

    Man könnte auch sagen: die Architekten versuchen immer "Top-Down" von der aktuellen Mode auszugehen und dann anzupassen, soweit sie sich gezwungen sehen. Besser wäre doch ein "Bottom-Up" - Ansatz, bei dem man von historischem Vorbils auszugehen und entsprechend zu bauen versucht, und - da keine Rekonstruktion - man sich beim Entwurf die eine oder andere Freiheit im Entwurf und der Planung herausnehmen kann, bis man ein heutigen Ansprüchen genügendes Gebäude hat. "Zeitgemäß" wird es doch sowieso dadurch, daß es heute oder morgen gebaut wird.

    Nur richtig ist daher die Infragestellung der professionellen Kälte, die der Entwurf ausstrahlt. Die Gestaltungselemente müssen dringend gefordert werden, auch müssen Holzfenster mit einer wie auch immer gearteten Sprossenteilung her. Auch wenn hier Leute im Forum sind, die - vielleicht zu Recht - beklagen, daß Nürnberg eh verhunzt ist, habe ich doch als frequenter Nürnberg-Gänger ein berechtigtes Interesse an der Verschönerung dieser Stadt.

    Man kann nur hoffen, daß sich die öffentliche Stimme wieder erhebt. Vielleicht ist es mal wieder Zeit für einen Leserbriefsturm aus aller Welt?

    Der Mann verdient hohen Respekt. Ich weiß nicht, wie die Sache sich entwickelt, hoffentlich wird's nicht kriminell. Fürth hat was besseres verdient als die Privatisierung öffentlichen Straßenraums mit gleichzeitigem Denkmal-Kahlschlag.

    Ich darf hier Stadtheimatpfleger Mayers letztes Rundschreiben hierzu wiedergeben:

    "Seit Juli 2008 wird die Stadt Fürth durch die Diskussion um die Neue Mitte gespalten. Ich habe jedoch
    intern mehrmalig sehr früh und bei der FN-Podiumsdiskussion auch ganz öffentlich darauf hingewiesen,
    dass ein Hausbesitzer nicht zum Verkauf gewillt ist, was jedoch offensichtlich niemand zur Kenntnis
    nahm. Das Gebäude steht dabei zentral im Planungsgebiet. Da ich verwundert feststellen musste,
    dass die Planung dennoch weitergetrieben wurde, habe ich den entsprechenden Hausbesitzer mehrfach
    kontaktiert und befragt, ob er bei seiner Haltung bleibe, was der Herr immer wieder bestätigte. Es
    bedarf dabei wohl nicht des Hinweises, dass ich den Hausbesitzer keinesfalls von seiner Haltung abbringen
    wollte. Verwundert war ich jedoch, dass der Zug von Investor und Stadt einfach weiterfuhr.
    Erst heute wurde gleichzeitig mit der damit fast obsolet gewordenen abschließenden Preisrichtersitzung
    (bei der übrigens einstimmig kein erster Preis vergeben wurde) von Sonae Sierra mitgeteilt, dass
    aufgrund dieser fehlenden Verkaufsbereitschaft das Projekt vorerst gescheitert ist.
    Eine jetzt angedachte Rettung des bisherigen Konzeptes durch eine Verlegung des Eingangs hinter
    das fragliche Gebäude halte ich für illusorisch – das große Gebäude hat 12 Achsen. Das sahen Vertreter
    des Investors am Rande der heutigen Preisrichtersitzung ähnlich.
    Ich hoffe, dass sich aus dem vorläufigen Scheitern neue Chancen und Konzepte ergeben, die kein
    Gegenmodell zur gewachsenen Stadt darstellen und nicht lediglich eine Kommerzkaverne abgeben.
    Wir brauchen eine Lösung, die in erster Linie für Fürth passt und erst in zweiter Linie für einen potentiellen
    Investor. Ob Sonae Sierra dafür flexibel genug ist, wird sich zeigen. Der sog. Architektenwettbewerb
    erbrachte zumindest in Teilaspekten durchaus positive Ansätze, jedoch kein überzeugendes
    Gesamtkonzept, geschweige denn größere Zugeständnisse an mich oder an die BI „Bessere Mitte“.
    Aber das kann ja noch werden…"

    Quelle: http://www.dr-alexander-mayer.de/downloads/posi…undbrief-52.pdf