09. Raubbau, Geschichtsklitterung, Willkür und Verdummung

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Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

  • Wie die Ansichtskarte zeigt, standen am Roßplatz vier Sehenswürdigkeiten nebeneinander:

    Hotel de Prusse, Café Bauer, Gesellschaft Harmonie und das Panorama:


    Panorama am Roßplatz um 1900


    Café Bauer um 1900


    Nächtlicher Blick von der Harmonie auf das Neue Rathaus 1940


    Täglicher Blick von der Harmonie auf das Neue Rathaus 2014


    Harmonie 1909


    Panorama 1902


    Panorama um 1935


    Szenerie am Roßplatz 2014


    Bauruine Bowling-Center 2004

    Hierzu muß man anmerken, daß der sozialistische Mangel dieses Vorhaben bestimmte. Die Idee dafür kam eigentlich Bernd-Lutz Lange, als er die wunderbaren Räume der unterirdischen Gleichstromanlagen von Siemens in Augenschein nahm. Die DDR wäre nie in der Lage gewesen, so etwas zu bauen, es sei denn als verteidigungspolitische Bunkeranlage. Jedenfalls wurde es noch 1989 eingeweiht und SED-Karrierekader, der Professor für sozialistischen Städtebau an der Karl-Marx-Universität Leipzig und später Dekan an der Universität Leipzig, Thomas Topfstedt, bezeichnete dies 1990 in den „Leipziger Blättern“ als „Architektur von europäischem Rang“.


    Wilhelm-Leuschner-Platz (ehemals Esplanade bzw. Königsplatz) Richtung ehemaliges Uni-Hochhaus, Reste Bowling-Center und Ausstieg Citytunnel im Februar 2014


    Gleiche Zuweisungsverfehlungen gelten für das Gebäude von Franz Emil Hänsel mit dem Kaufhaus Brühl von 1908. Zu DDR-Zeiten war niemand zu einem solchen Bau fähig. Man war nur in der Lage, dieses Gebäude notdürfitg als „Blechbüchse“ zu verhüllen.


    Blick von der Hainstraße um 1910


    Blick von der Hainstraße 2006


    Blick auf das hinter der „Blechbüchsenfassade“ erhaltene Gebäude von Hänsel im Jahre 2010 (vor dem Abriß unter dem Protest von Leipziger Bürgern)


    Gesamtszenerie am Fleischerplatz um 1935.

    Statt Altem Theater derzeit Verkehrsfläche, Scateboard und mit den ästhetisch häßlichen Kristallbrunnen vom ehemaligen sozialistischen „Sachsensplatz“ garniert. Statt Baukultur wieder walten zu lassen, kam es zu einem städtebaulich zusammengeschobenen „Pframpf“, der nichts mehr mit Kleinteiligkeit, Vielschichtigkeit, Originalität, städtebaulichen Niveau des auch weltbekannten, legendären Brühl zu tun hat. Die Tristesse dort wurde bereits beschrieben.

    Vergleich Brühl links Neubau:


    Hotel „Drey Schwanen“ Geburtshaus Richard Wagner, der Goldene Apfel, Hotel Freiberg etc. sind die Stichworte dafür ...


    Blick auf den Brühl um 1900 (Graphikantiquariat Martin Koenitz, Leipzig)

    Typisch für permanente Geschichtsklitterungen und Verdummung sind auch Regionalmeldungen zum „sowjetischen Pavillon“ und zur „alten Hauptpost“.


    Deutschland-Halle zur Leipziger Messe 1930


    weiterhin als sowjetischer Pavillon legendiert 2006


    Hauptpost 1896


    DDR Operneingang und Hauptpost, mit aufgepapptem Löwen im Stile von Agit-Prop der ehemaligen FDJ, aber 2014


    Die Platzsituation nochmals um 1920


    Augustusplatz 2014

    Nachdem die „Leipziger Volkszeitung“ jahrzehntelang im Klassenkampf gegen die imperialistischen Aggressoren, Bonner Ultras, degenerierte Bourgeoisie und sonstige Feinde des Sozialismus zu Felde zog, ist es vermutlich immer noch schwierig, Desinformation sowie Agitation und Propaganda aufzugeben und über zwei Diktaturen gerissene Bildungslücken zu schließen.

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