02. Diktaturzeichen

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  • Diktaturen kündigen sich nicht sofort im Stadtbild an. Aber auch als Vorahnung werden sie sichtbar und nachweislich, nicht nur bei Straßenumbenennungen, neuen Denkmälern, fragwürdigen Feiern, Festakten und Jubiläen.


    rennbahn1934.jpg
    Leipziger Rennbahn am Scheibenholz. Fliegeraufnahme.
    1934 Vereinigter Leipziger Bahnhofsbuchhandel G.m.b.H. Leipzig.


    Die gleiche Aufnahme:


    rennbahn1939.jpg
    Freigegeben vom RLM. 13.9.34. Nachgeprüft 28.9.39.
    Verlag: W. Radestock Nachf., Leipzig C 1


    kosmos1920.JPG
    Messhaus „Kosmos“ um 1920 Blickrichtung Gottschedstraße mit Synagoge


    Arisierung


    gottsched1940.JPG
    Gottschedstraße 1940 – ohne Sicht auf Standort der Synagoge
    Phot. , Verlag Alfred Krüger, Leipzig


    gwh1940.JPG
    Reichsmessestadt Leipzig. Gewandhaus mit Retuschespuren des 1936 entfernten Mendelssohn-Denkmals , um 1940 , Nr. 493, Photo und Verlag Karl Cramer, Leipzig C 1


    Was dann folgte mit dem gewollten „Totalen Krieg“ läßt sich kaum in Worte fassen, denn diese Diktaturfolgen bestimmen auch uns und weitere Generationen und Themen. Dennoch seien aus meiner Sammlung des Fotografen Karl Heinz Mai aus den 1940er Jahren drei Beispiele in seinen Untertitelungen bildlich zitiert:


    Über 500 Millionen Bücher verbrannten bei einem der Bombenangriffe auf Leipzig


    buchstadt194xmai.jpg
    „Ruine der Buchhändlerbörse“

    fotothek-mai.de | Karl Heinz Mai


    Was man heute in der Innenstadt auch selbst vergleichend als Verlust sehen kann


    reichs194xmai.jpg
    „Reichsstraße mit Blick zum -Reichsmeßpalast-“

    fotothek-mai.de | Karl Heinz Mai


    Und als vergleichenden Blickpunkt, wo von der Bebauung Roßplatz kaum etwas blieb
    windm194xmai.jpg
    „Reste der Zentralmarkthalle – Im Hintergrund die Universitätskirche“

    fotothek-mai.de | Karl Heinz Mai


    Entnazifizierung


    uni1945vor.jpg
    Leipzig Universität (ohne Verlagsangabe) M 0605 um 1941


    uni1945nach.jpg
    Leipzig Universität 1945


    Unterschiede 1989 zu 1945


    Als nach der „Wende“ viele Alt-Leipziger, Investoren, Touristen und bildungsbeflissene Bürger aus dem Westteil des Landes wieder die Amtsstuben der Leipziger Stadtverwaltung aufsuchten, fühlten sich die älteren an die Zustände in Westdeutschland nach 1945 erinnert, als weiterhin „brauner Mief“ in Form von mangelndem Unrechtsempfinden, fehlender Aufarbeitung, Aufklärung und Wiedergutmachung und eine diktaturspezifische Beharrungsmentalität viele Jahre einen „bleiernen Schleier“ über Verwaltungsmaschinerien zog.


    Und so fragten sich natürlich viele mit Beklommenheit, wie derartige Analogien nach politischen Wenden zu spüren waren und sind. Es gab auch die einfache Feststellung: „Diese Stadt ist krank.“, so daß sich auch seriöse Investoren, Architekturbüros und Ansiedlungswillige von Leipzig abwandten ...

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