Posts by Luftpost

    Quote from "Sagebiel"

    Die Straßenbahn über den Alten Markt wäre ein großer Wurf gewesen, auch wegen dem späteren Ausbau des Stadtkanals.


    Nein nein nein! Nicht doch! Denkt doch mal auch die Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs! Durch einen leichten Knick in den Alten Markt hinhein und in die heutige Joliot-Curie-Straße zum Platz der Einheit / Wilhelmsplatz hätte sich die Fahrtzeit wahrscheinlich noch verkürzt. Nun aber darf der Straßenbahnnutzer das geliebte Verkehrsmittel doch deutlich länger nutzen: schließlich fährt die Straßenbahn nun um zwei fast 90° Kurven um dann mit mehreren Schlenkern in die Friedrich-Ebert-Straße einzubiegen. Das heisst: bei gleichem Fahrtpreis längeres Vergnügen! Man denke nur an diese wunderbaren Richtungswechsel. Die ideale zwischenmenschliche Kontaktanbahnung! Wo bekommt man das heute noch geboten? Länger und mehr für gleichen Preis! Das ist unglaublich...


    Abgesehen davon, dass ohne Straßenbahn in der Friedrich-Ebert-Straße, die Begründung wegfiele, dass man diese ursprünglich enge Straße nicht wieder in diesen Zustand zurückversetzen kann. Und damit eine Acht-Ecken-Kreuzung und auch eine Kommandantur am ursprünglichen Standort wieder entstehen könnte.

    Quote from "Pilaster"

    Ich moechte gern auf maximus' Bilder von den Stadtschlossfundamenten zurueckkommen. Das ist ja erschuetternd! So dicht bei der nagelneuen Riesenstrasse haben diese historischen Reste doch gar keine Chance. Werden die Steine jedenfalls zur Wiederbenutzung anderwo abgetragen?


    Wahrscheinlich werden eh diese Reste ebenso wie alle anderen Grundmauern abgerissen. Schließlich wurde ja lang und breit verkündet, dass die Herren Abgeordneten eine Tiefgarage benötigen. Und bevor die Entscheidung fällt, dass diese doch nicht gebaut werden muss / soll, kann man so noch mal schnell vollendete Tatsachen schaffen.


    Viel schlimmer finde ich jedoch die neue Straßenbahn-Trassenführung. Anstatt die Straßenbahn in einem leichten Knick auf der Vorkiegs-Trasse zurück zu führen, über den Alten Markt zu leiten (damit wird der dann endlich auch wieder belebt), an der Nikolaikirche vorbei runter, Richtung Am Kanal und einbiegend in den Platz der Einheit / Wilhelmsplatz, wird sie nun an zwei Seiten am Stadtschloss entlang geführt.


    Nicht nur dass damit die neue Fassade durch wunderschöne Oberleitungen an zwei Seiten aufgewertet wird, nein auch die wichtigste Seite zur Havel hin wird komplett durch die Straßen- und Straßenbahnführung entwertet. Schlußendlich ist durch die Oberleitung und Breite der Straßenbahn auch ein Versetzen der einzigen, vollständigen und originalen Reste des Stadtschlosses unmöglich: der Kolonnaden zwischen dem Marstall und dem Stadtschloss. Diese stehen heute zwischen dem wieder freigelegten Wasserbecken auf dem Exerzierplatz und der Havel und werden wohl auch in Zukunft dort ihr Dasein dort fristen. Hauptsache: aus dem Zusammenhang gerissen.


    Im Prinzip lässt man nun den Schlossneubau aufgrund des Bürgerwillens zu, nur um ihn weitestgehend wieder durch Verkehrsführung zu entwerten. Das gleiche Vorgehen wie zu DDR Zeiten: damals hatte man das Interhotel (heute Mercure) nur gebaut, um die Frontansicht des Stadtschlosses und der Nikolaikirche zu verdecken.


    Oder auch: Vorbild Mannheim. Hier befinden sich, vor dem Hauptportal des dortigen Stadtschlosses, die Gleise der DB zum Hauptbahnhof und eine vierspurige Straße. So gibt es dort ebenfalls eine Vorderseite, die verschandelt ist. Lasst uns die Fehler der 70er und 80er zum Vorbild nehmen!

    Quote from "Benni"

    Ich würde mal sagen, neben dem nicht vorhandenen praktischen Nutzen, stünde das Tor (auch ohne seitl. Eingänge) einfach mal dem Verkehr mit Autos und Straßenbahn im Weg.


    ... was sogar den Beschlüssen der Stadtverwaltung der Stadt Potsdam entspräche: diese habe beschlossen, den Individualverkehr aus der Innenstadt zu verbannen. Und die Straßenbahn kann genauso durch eine Gleisverschlingung durch das Tor geführt werden, wie beim Nauener Tor.

    An diesem Neubau des Verbindungsbaus ist auch wirklich nichts besser, als beim jetzigen Zustand das Baues aus den 60er Jahren. Eine Bausünde wird durch eine Bausünde ersetzt.


    Moderne Architekten bauen modern. Nicht angepasst, schon gar nicht historisch. Schließlich lässt sich nur über moderne Architektur ein Name machen. Ansonsten verwirklicht man den Namen eines anderen Architekten. Auch wenn es noch so gerechtfertigt wäre...


    Die ehemalige Bäckerei war der "Verbindungsbau" zwischen dem Alten Rathaus und dem Knobelsdorff Haus. Diese Bäckerei wollte schon Friedrich II durch einen repräsentativen Neubau ersetzen, doch wollte der damalige Besitzer dieses Haus nicht verlassen. Zu gut liefen die Geschäfte am Alten Markt. So blieb die Bäckerei bis 1945.


    (Bild aus Urheberrechtsgründen entfernt)


    Dieses Gebäude würde dem Charakter der Stadt Potsdam viel besser stehen, als alle Versuche eines "Verbindungsgebäudes" ob sie nun realisiert wurden oder werden sollen. Denn dieses Gebäude entspricht der Potsdamer Stadtkultur, die sich immer wieder, an verschiedensten Orten äußerte: eine Stadt des mündigen Bürgers. Der sich gegen allzu starke Machtstrukturen verteidigt und sein ihm zustehendes Recht fordert. Ein Büger, der in Häusern des Adels wohnt, wenn man auf das Äußere schließt und die Kleinteiligkeit der Grundstücke und die Häuserübergreifenden Fassaden ausser Acht lässt.
    Diess Haus ist in seiner Struktur jedoch schlicht genug, um nicht selbst prominent neben den beiden Prachfassaden zu wirken. Andererseits spricht es die gleiche Formen- und Materialiensprache. Und das Wesentliche: es ist ein Haus! Es will ein Haus sein, es zeigt: hier kann man leben. Es ist kein Bindeglied. Nicht so die modernen Verusche, die nichts anderes, als einen Durchgang schaffen und darzustellen vermögen.


    Bausünden entstanden in Potsdam erst seit 1945. Denn auf einmal musste für Arbeiter gebaut werden. Und nach der Wende? Wird von Gewerbe, Banken und Vereinen gebaut. Wieder am Bürger vorbei.


    Grüße
    Luftpost

    Wettberwerb bis Ende 2009? Das klingt für mich nach schnell Fakten schaffen, bauen und dann eine Gebäude als Leitbau zu besitzen - am Eingang zur ehemaligen Innenstadt - der modernes Bauen in allen Ausformungen bis zum Brutalismus-Stil ermöglicht. Schließlich hat man ja dann schon an dieser prominenten Stelle schon einen modernen Bau.


    Und in 50 Jahren wird erkannt, dass auch diese neue Architektur nur 20 Jahre als schön empfunden wurde und dann kann wieder neu gebaut werden...


    Grüße
    Luftpost

    Ein weiterer Leitbau, welcher in der Liste der wieder zu errichtenden Gebäude fehlt. Warum nur? Veilleicht, weil es sich hier um ein, nach heutigem Kosten-Nutzen-Ermessen, reines Schmuckgebäude handelt, welches auch noch den relativ starken Verkehr in der Berliner Straße behindern würde: das Berliner Tor. Nur ein Seitenflügel hat die Abrißwut der DDR überlebt.


    siehe Potsdam Wiki: http://www.potsdam-wiki.de/index.php/Berliner_Tor


    Kann man ein Gebäude wieder errichten, welches offensichtlich keinem heutigen Zweck mehr dienlich ist? Kann man ein Gebäude wieder errichten, welches nur dem Stadtbild dient? Kann man ein Gebäude wieder errichten, das dem Eindruck dient, in eine Innenstadt, ein historisches Zentrum zu gelangen? Eine Innenstadt, das im historischem Zentrum nicht mehr vorhanden ist, deren Wiedererrichtungswillen man jedoch -auch mit Stadtverordnetenbeschlüssen- bekundet hat?


    Grüße
    Luftpost

    Quote from "Palantir"

    Potsdam - Am Kanal N°41/Wilhelmsplatz (nicht erhalten)



    Dieses Bild ist vom Test / Probegebäude für das spätere Neue Palais im Park Sanssouci. Friedrich II wollte sich zunächst von den Proportionen des Gebäudes und dem Zusammenspiel des damals noch nicht sehr populären Ziegelsteines mit Natursteinsäulen überzeugen. Ziegelsteine wurden zu Friedrichs Zeiten an repräsentativen Gebäuden überputzt. Hier wurde nun zunächst ein Gebäude errichtet, um dieses Zusammenspiel zu testen. Und das ganz repräsentativ und an prägnanter Stelle in Potsdam: am Wilhelmsplatz in der Sichtachse zur Nikolaikirche. Ein Gebäude, welches jedem Besucher des Platzes an seiner Südseite auffallen musste.


    (Bild aus Urheberrechtsgründen entfernt)


    Für mich wäre dies ebenfalls eines der wieder zu errichtenden Leitgebäude im Potsdamer Stadtzentrum. Leider nicht auf der Liste.
    Grüße
    Luftpost

    Hallo zusammen,


    es gibt zwei wunderbare Bücher über Potsdam, die zur Pflichtlektüre aller Potsdamer Architekten, Bauabgeordneten, Entscheider und Bauherren gemacht werden sollte:
    "Das Bügerhaus in Potsdam" Teil 1 (Bildteil) und Teil 2 (Textteil) von Friedrich Mielke.


    Leider sind die beiden Bücher absolut vergriffen und seit 1972 nicht reproduziert worden. Auf meine Anfrage beim Verlag Ernst Wasmuth Tübingen hin, gibt es wohl auch keine Neuauflage. Daher möge es mir Herr Mielke und der Verlag verzeihen, wenn ich hier im Forum diese Schätze zitiere:


    Bildteil Seite T19:
    Ein Gemälde der Westseite des Wilhelmsplatzes, Hauptmotiv die Alte Post:


    weiterhin ein Foto um 1919, die diskutierten Obelisken sind hier bereits entfernt gewesen:


    Zitat Textteil, Seite 67:
    "Die von Friedrich II. durchgeführte Erneuerung seiner Residenz litt darunter, daß der König zwar manches neu bauen lassen, aber nicht viel dafür bezahlen wollte. Immer wieder lesen wir in Mangers Berichten, wie sehr gespart werden mußte, und wie heftig der König erbost war, wenn das Bauen teurer wurde, als er sich vorgestellt hatte. Besonders die unberechenbaren Kosten der in Potsdam schwierigen Gründungen erschienen dem Monarchen verdächtig. ...
    Als 1765 sechs neue Häuser an der Westseite des Wilhelmplatzes zwischen Kupferschmiedgasse und Kanal gebaut wurden, verwendete man, um Kosten zu sparen, die alten für zweigeschössige Fachwerkbauten berechneten Pfahlgründungen noch einmal. ...
    Sehr bald schon zeigen die neuen Häuser Risse, die Bewohner beklagten sich beim König, der König war ungnädig und schließlich, als weder Schelten noch technische Hilfsmittel nützen, mußte sich Friedrich zu einem Abriß und diesmal grundlegenden Neubauten entschließen. Zusammen mit diesen sechs Häusern wurden jeweils zwei Nachbarhäuser in der Kupferschmiedgasse und Am Kanal erneuert. ...
    Dieses Unternehmen entwickelte sich zu einer Großbaustelle als sich herausstellte, wie grundlos der Boden war. Mit 18 Rammen wurden 1506 Pfähle eingeschlagen, die zum Teil mehr als 22m lang sind. Es war sicherlich das komplizierteste Bauvorhaben, das es im friedrizianischen Potsdam für Bürgerbauten gegeben hat. Manger hat es in einer umfangreichen Publikation sehr detailliert beschrieben. Die damals unter seiner Leitung geschaffene Grundlage für die neuen Häuser war dann aber so vorzüglich, daß sie sogar dem Bonbardement im Jahre 1945 standhalten konnte. Die Häuser Nauener Straße 30-34 sind die einzigen friedrizianischen Bauten am ganzen Wilhelmplatz, die den Krieg überdauerten. Nur die 1897-1900 gebaute Hauptpost und die daneben stehende 1903 errichtete Synagoge haben dank ihrer modernen Gründung eine ähnliche Stabilität bewiesen."


    Nauener Straße = heutige Friedrich-Ebert-Strasse


    Wenn diese Gebäude keine Leitbauten sind, welche dann?
    Grüße
    Luftpost