Posts by TourDresden

    Palais Hoym


    Na ja, so aus der Frontalansicht und in Reih und Glied und mit minimalem Zwischenraum ist diese Gaupenagglomeration schon mehr als leicht skurril. Offenbar gelten Feuerwehrvorschriften immer nur zu Lasten der Ästhetik - Styroporverkleidungen ist demnach kein Problem.

    Ich finde alle Sichtweisen haben ihre Berechtigung. Schaut man sich das erste von Ursus gezeigte Bild an, so kann man – völlig unabhängig von den genannten baulichen Zwängen – nüchtern feststellen, dass kaum rotgeziegelte Dachfläche sichtbar ist, was auf sämtlichen Folgebildern deutlich anders ist. Das finde ich jetzt nicht schlimm – mir gefällt die Kleinteiligkeit –, aber es ist recht wenig Dach sichtbar. Das kann man anmerken, ohne den Stab über diesem wundervollen Bau brechen zu müssen.

    Man muss sich vor Augen halten, dass Anfang der 2000er Jahre, als der Platz noch unbebaut war, die Nachfrage nach Grundstücken am Neumarkt nicht besonders groß war. Die Stadt ist auf Immobilienmessen durch's Land gezogen und hat versucht, die Parzellen an den Mann zu bringen. Die Stadt Dresden war damals noch nicht der nachgefragte Standort, der sie heute ist. Wohnungen standen immer noch massig leer. Gewerbeflächen wurden einem – gemessen an den heutigen Preisen – hinterhergeworfen. Ich habe 2005 eine Jugendstilwohnung im Strehlener Villenviertel für sage und schreibe 5,20 €/qm gemietet, und ich musste die ersten drei Monate keine Miete zahlen. FÜNF EURO! Das war der Grundpreis einer Hamburger Sozialwohnung zu dem Zeitpunkt. Die bedauerliche Investoren-Hörigkeit der Dresdner Verwaltung ist m.E. auf die Situation Anfang der 2000er Jahr zurückzuführen. Man hat sich – gemessen an den heutigen Verhältnissen – völlig unter Wert verkauft. Aber damals war die Wertentwicklung eben noch nicht da, wo sie heute steht, die Investoren standen nicht Schlange. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn man – wie bei den Townhouses in Berlin – tatsächlich Einzelgrundstücke veräußert hätte, aber da hat man sich dann eben, außer in Einzelfällen, für Großinvestoren entschieden, um rasch Baufortschritt zu erzielen und die Prozesse besser koordinieren zu können. Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile...

    Also ich muss jetzt mal eine Lanze für Nöfer brechen. Ich empfinde das neue Palais Riesch als eines der Highlights zeitgenössischer Architektur am Neumarkt! Es ist für mich ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass kreatives Bauen noch möglich ist – ohne die Bauformen früherer Jahrhunderte entweder obsessiv imitieren oder sie krampfhaft ignorieren zu müssen. Vor allem die feine Plastizität, die dezent geschwungenen Kurven gefallen mir sehr – sie verleihen dem Bau eine organische Note, wie sie sonst nur im Jugendstil, bei Hundertwasser oder Gaudi zu finden ist. (Dass der Neumarkt kein Jugendstil-Ensemble war, ist mir natürlich bekannt, aber wenn Rekos – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich sind, kann ich auch mit nicht-barocken Formen sehr gut leben.) Auch den hellblauen Nachbarbau halte ich für durchaus gelungen. Gerade in der Schrägansicht sieht man sehr gut, wie das vielgescholtene Gebäude die Rhythmik der Nöfer-Fassade aufgreift und fortführt. Da haben sich die Architekten wirklich ein paar Gedanken gemacht... Ich verstehe nicht, wieso der Bau hier so heruntergemacht wird? Der wirkliche gestalterische Tiefschlag ist für mich das pastellgelbe Haus rechts davon, das den biederen Charme einer am Stadtrand gelegenen Seniorenresidenz versprüht...

    Rampische Straße Riesch

    Weiß jemand etwas über die von der GHND organisierte Podiumsdiskussion zur Caraloabrücke, die am 11.09. im Dresdner Rathaus stattfand? Ich konnte leider nicht teilnehmen, und ich finde nirgendwo einen Bericht dazu, auch nicht auf der Website der GHND.

    Mich wundert, dass das Thema "Behelfsbrücke" in der öffentlichen Diskussion überhaupt keine Rolle zu spielen scheint, obwohl es da doch Lösungen gibt. Nutzer Klette hatte hier eine SKB-Brücke mit Stützweiten bis zu 120 Metern vorgeschlagen. Wurde eine solche Übergangslösung bei Stadtverwaltung und Stadtrat überhaupt mal ernsthaft geprüft?

    Das italienische Dörfchen an der Elbe mit Hotel Bellevue


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    Ein sehr interessanter Blog-Beitrag der SLUB stellt das Bellevue als »erstes Haus am Platz« vor. 1914, nur wenige Wochen vor ihrer Ermordung in Sarajevo, hatten hier auch der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie gastiert, wie ein Eintrag im Gästebuch des Hotels zeigt:

    Das Hotel Bellevue in Dresden – Die Top-Adresse der Stadt und seine prominenten Gäste
    Ein Goldenes Buch des Hotels aus den Jahren 1899 bis 1918 konnte die SLUB erwerben und bereits digitalisieren. Als Gästebuch erlaubt es einen Blick auf das…
    blog.slub-dresden.de

    Es wurde gerade ein digitales Projekt gestartet, an dem Interessierte dabei mitwirken können, die einzelnen Gästebucheinträge des »Bellevue« zu entziffern und wieder lesbar zu machen. Vielleicht eine spannende Herausforderung für den einen oder anderen Foristen?

    Danke für Euer Feedback! :)

    ... Du sagst es nicht explizit, aber eigentlich stimmst Du indirekt zu, dass Geschichtsfälschung ein "richtiges" Argument sei (wie gesagt, hier im Neumarktbeteich aber nicht vorliegt, weil ja überwiegend neue Architektur realisiert worden ist) ...

    Für mich ist der Hinweis auf die »neuen«Häuser ein nützliches Zusatzargument gegen die »Disneyland«-Kritiker – im Sinne von: Seht her, auch Euer Anliegen ist gewürdigt worden! Ich persönlich fand es nie verkehrt, auch zeitgenössisches Bauen am Neumarkt zu haben, wenngleich manches davon doch ziemlich missraten ist.

    Das Hauptargument gegen das Argument der Geschichtsverfälschung ist aus meiner Sicht das Recht zu vergessen. Es macht das Argument der Geschichtsverfälschung nicht formal ungültig, aber es wiegt schwerer. Im Kontext von Dresden von einem »Recht zu vergessen« zu sprechen, ist natürlich ein gewagter Satz; aber es geht ja gar nicht um das »Löschen« oder »Umschreiben« geschichtlicher Ereignisse, sondern um die Frage, ob ich als Dresdner Tag für Tag mit der durch den 13. Februar angerichteten Zerstörung konfrontiert sein muss. Die Antwort ist ein klares nein. Deswegen ist Rekonstruktion zulässig.

    Ich drücke aktuell noch einmal die Schulbank (Masterstudium Philosophie) und habe gerade ein 20-minütiges Video über den Wiederaufbau des Dresdner Neumarkts veröffentlicht – als Prüfungsleistung für ein Seminar zum Thema »Vergangenheitsbewältigung«.

    Einer der Schwerpunkte der Veranstaltung war die Frage, ob man zerstörte Baudenkmale wieder aufbauen sollte. Ich habe mir das zum Anlass genommen, Peter Kulkas »Disneyland«-Kritik noch einmal aus der Schublade zu holen und einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Dabei gehe ich die geläufigsten Argumente für und gegen Rekonstruktionen systematisch durch und diskutiere diese anhand jüngerer philosophischer Texte sowie zahlreicher Beispiele nicht nur aus Dresden:

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    Wer sich für die Texte interessiert:

    Über Feedback würde ich mich freuen. Vielleicht dient das Video ja auch als »Schützenhilfe« in der einen oder anderen Diskussion?

    Dieses Bild finde ich sehr interessant. Die Fassadengestaltung eines einzelnen, zusammenhängenden Gebäudekomplexes (Neumarkt 6) erweckt den Eindruck, als handele es sich um zwei gestalterisch zwar verwandte, aber baulich doch voneinander getrennte Gebäude. Anhand des Leerstandes im 1. OG (siehe die Schilder »zu vermieten«) sieht man jedoch, dass die nutzbaren Wohn- oder Gewerbeeinheiten sich offensichtlich über beide Fassaden erstrecken — etwas, dass Kritiker des Neumarkt-Wiederaufbaus immer wieder bemängelt haben. Auch sieht man, dass die ehemals reich gegliederten Sprossenfenster im 1. OG bereits gegen einfach gegliederte und im 2. OG gegen Fenster ohne jegliche Gliederung ausgetauscht wurden. Das Foto stammt vermutlich aus den 1920er oder 1930er Jahren – auch hier kann man bereits eine bauliche »Unsitte« erkennen, die Freunde klassischer Architektur heute gerne kritisieren.


    Quelle: https://www.altesdresden.de

    Das Erschütternde an diesem wunderbaren Filmdokument ist für mich weniger der Anblick des (vielerorts) verlorenen Stadtbildes. Es ist vielmehr die Sorglosigkeit, die Normalität, das Banale und Alltägliche dieser Zeit. Die ganz normalen Geräusche von Kindern, Arbeitern, Touristen, Autos, zwitschernden Vögeln und vorbei ratternden Straßenbahnen. Außer ein, zwei Hakenkreuzfahnen am Anfang ist von dem heraufziehenden Unheil nicht in Ansätzen etwas zu spüren: keine Soldaten, keine Polizisten, nirgendwo Uniformen. Alles wirkt friedlich, arglos, pittoresk. Und doch schwebt für mich als Zuschauer die kommende Katastrophe bereits über allem, und ich frage mich bei fast jeder Szene: Was wird mit all den vielen Menschen 9 Jahre später sein? All den Müttern, Kindern, Vätern, Großeltern, die wie im Traum ihre freie Zeit genießen? Wer von ihnen wird dann ausgebombt, traumatisiert, an irgendeiner Front sinnlos gefallen sein...? Das geht mir wirklich unter die Haut...

    Warum gibt du Sammlung auf? So eine Schatz musst du deine Kinder schenke, damit sie auch von Rekonstruktionbazillus befalle werde ? !

    Es ist ein altes Sprichwort, dass eine Leidenschaft Leiden schafft. Und meine Leiden-schaft für schöne Architektur war groß. Was hab ich gelitten unter unseren Stadtbildern — und tue es teilweise auch heute noch.... Aber: Ich mag nicht mehr leiden, die Kriegswunden anschauen, Verluste betrauern, mich aufregen, Frust schieben über missratenen Städtebau. Der Aufbau, der in meinem eigenen Leben zu leisten ist, erfordert gerade meine ganze Aufmerksamkeit, da lasse ich gerne die eine oder andere alte Liebe los. :)

    Liebe Forumsteilnehmer,

    ich möchte mich von einem Teil meiner in den letzten 15 Jahren gesammelten Bücher und Zeitschriften rund um das Thema klassische Architektur im Allgemeinen sowie den Wiederaufbau von Dresden im Speziellen trennen und biete diese der geschätzten Forum-Leserschaft gegen Gebot an.

    Mit dabei ist eine nahezu vollständige Sammlung der GHND-Vereinszeitschrift »Neumarkt-Kurier« der Jahrgänge 2004–2014, Fritz Löfflers Werk »Der Zwinger«, eine Dokumentation des Wiederaufbaus der Semperoper annlässlich der Wiedereröffnung im Jahre 1985, Stefan Hertzigs Standardwerk über »Das Dresdner Bürgerhaus in der Zeit Augusts des Starken«, ein Dresdner Architekturführer aus den 1970er Jahren, die Bände 1 und 2 der »Kriegsschicksale deutscher Architektur« (DAS Standardwerke über die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs auf die architektonischen Kunstschätze in West- und Ost-Deutschland), sowie diverse Zeitschriften — siehe die Fotos.

    Falls jemand Interesse an einem der aufgeführten Titel hat, freue ich mich über eine Email.

    Herzliche Grüße an alle,

    Thomas/TourDresden

    P.S. Ich hoffe mit diesem Angebot in eigener Sache nicht gegen irgendeine Forumsregel zu verstoßen; falls doch, bitte ich freundlich um einen entsprechenden Hinweis.

    Bzgl. des Abrisses der Mauerreste der alten Oberpostdirektion – hier zunächst noch einmal die frühere Visualisierung:
    http://reallease.de/wp-content/upl…z_Marienstr.jpg

    Und dazu passend das Update von der Website der CG-Gruppe:
    https://www.cg-gruppe.de/var/site/stora…0Update%20B.jpg

    Bei dieser Visualisierung wurde das ggü. der ursprünglichen Planung aktualisierte Fassadenmaterial (Terakotta-Keramikplatten) bereits berücksichtigt, so dass ich mal davon ausgehe, dass die Mauerreste komplett verschwinden dürften. Ich irre mich gerne...

    Verglichen mit den Visualisierungen von Andreas Hummel legt das Bauschild eine vereinfachte Wiederherstellung der Ladenfront nahe.

    Ich muss sagen, durch das Hineinpferchen eines zusätzlichen Geschosses wirkt der Bau ohnehin tendenziell überfrachtet, so dass ich das Weglassen des einen oder anderen Zierrats fast schon als angenehm empfände. Vielleicht würde die Fassade auch leichter und weniger überladen wirken, wenn man die aufgemalten Spiegelfelder wegließe?

    Nachdem aktuelle Fotos vom Dresdner Baugeschehen in der Tat zunehmend zur Mangelware werden, will auch ich nach langer Zeit mal wieder für ein kleines Update sorgen...

    Die hohen Geschosse der »Blobel-Bude« lassen das Gebäude ausgesprochen nobel und erhaben wirken. Der Kontrast der Geschosshöhen stört mich persönlich nicht; die geringen Geschosshöhen des benachbarten USD-Mittelbaus lassen Blobels Eckbau umso mächtiger wirken. Man mag über das Staffelgeschoss denken was man will; diesem Bau wird Bewunderung entgegen gebracht werden, da bin ich mir schon jetzt sicher.

    Am Übergang zwischen der Blobel- und der USD-Architektur stört mich eigentlich nur, dass das Dach auf USD-Seite so unschön wegknickt. Ansonsten weist dieser Gebäudeteil auf den Passageneingang hin; das geht m.E. in Ordnung. Das Ganze ist einfach keine Reko — und will auch auch keine sein. Wenn man das einmal akzeptiert hat, kann man mit dieser Lösung Freundschaft schließen, finde ich.

    Die Fassade springt nur im Bereich des künftigen Passageneingangs zurück; ansonsten schließen die Fassaden von „Au petit Bazar“ und dem USD-Zwischenbau auf gleicher Linie ab:

    Zum Schluss noch ein Blick auf das Q V. Ich fand die bisherigen Visualisierungen des Investors KIB ja immer völlig irreführend, weil sie eine zum Platz hin ausgerichtete, diesen dominierende Architektur suggerierten. Statt dessen verschwindet sie in einer Gasse; die Fassadenwirkung entfaltet sich eigentlich nur zum Kulturpalast und zum Altmarkt hin, und in dieser Richtung finde ich sie völlig anmessen. Als störend empfinde ich nur das Flachdach. Aber wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Q IV (Hotel de Saxe) um einen einzigen Flachdach-Komplex handelt, kann man bei diesem dezidiert zeitgenössischen Bauprojekt schon damit leben, finde ich...

    Blick aus der Zentralbibliothek im Kulturpalast durch die Frauenstraße zum Neumarkt: