Posts by Ein_Hannoveraner

    @ fonti:
    Die Freifläche ist keine Brache, sondern einer dieser vielen kleineren, in die Stadtteile integrierten Parks. Dieser hier liegt an der Brunnenstrasse, ich meine auch, der heisst Brunnenpark. Kann auch früher mal ein Friedhof gewesen sein. Leicht rechts davor ist auf dem viereckigen Platz die Zionskirche zu sehen.

    Im Moment hapert´s in Berlin ja nicht an einen Mangel an Fachleuten und Idealisten, sondern an der Finanzierung resp. dem fehlenden Optimismus in unserem Land. Wer finanziert eigentlich in Warschau den Wiederaufbau? Wenn es die Regierung ist, dann um so mehr Hochachtung vor diesem Projekt...
    Was mich hier in Deutschland schon lange stört ist, dass immer noch krampfhaft am Modell des dauernden Wachstums festgehalten wird. Alles wird nach den Regeln der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Gerade in Zeiten der andauernden "Krise" finde ich die Verbesserung der "soft skillz", der Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens wichtig - dazu steht die Vermenschlichung und Verschönerung der Städte obenan. Wenn das Konzept der Wirtschaftlichkeit konsequent vorangetrieben werden müsste, könnte sich die Menschheit nur selbst wegrationalisieren - das Leben ist nunmal schlechthin unwirtschaftlich, insbesondere das menschenwürdige...

    Ja, ich finde auch, die sichtbaren Ruinen von St. Alban am Gürzenich, St. Kolumba ("Madonna in den Trümmern") und St. Mauritius sind Wunden genug...
    Das einzige, was mich bei der Reko stört ist, dass die knappen Gelder der Dombauhütte hier für eine nicht vordringliche Bauaufgabe eingesetzt werden (oder handelt es sich um eine zweckgebundene Spende?). Zum Vergleich: der langsame Fortschritt der legendären Sanierungsarbeiten am Dom hängt mit deren schwieriger Finanzierung zusammen...das große Gerüst am Nordturm wird z. B. die Silhouette des Domes mehrere Jahrzehnte begleiten...

    Quote

    Die Funkenburg wird übrigens auch abgerissen, um dem Zugang zum Stadion entgegen zu kommen. Die Strasse ist heute nämlich noch viel zu eng und würde in dem Zustand höchst wahrscheinlich zu einem Verkehrskollaps zur WM 2006 führen. So gesehen kann ich die Befürwörter des Abrisses auch verstehen.


    Also, bitte... 150 Jahre Geschichte (So alt schätze ich das Haus) opfern für vier Tage Fun? Ich finde, das leicht klassizistisch anmutende Haus im Rundbogenstil hat überregionale Bedeutung, da viele Exemplare dieser Stilgattung, die einmal die Neubauviertel unsere Großstädte in der Biedermeierzeit prägten, bereits durch "natürliche Fluktuation" und durch die Kriegszerstörungen verschwunden sind....Hier in Hannover ist von einem ganzen, 1845 - 1860 entstandenen Stadtviertel, das überwiegend im Rundbogenstil gebaut wurde, noch ein kläglicher Rest von drei Häusern vorhanden! (Ernst-August-Stadt direkt am Bahnhof, G.L.F Laves, C.W. Hase u. a.)
    Leipziger, bildet eine Menschenkette um das Haus! Ihr habt 1989 gekämpft, gewonnen und nun kommt der Kahlschlag nicht von "oben", sondern durch die Hintertür...

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    Heldenstadt der "DDR". Wurde die Stadt schon vor der Vereinigung
    so genannt oder erst wegen der Montagsdemonstrationen ?


    Leipzig erhielt den Beinamen "Heldenstadt" wegen der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, bei der Napoleonische Truppen (das heutige Bundesgebiet war zu dieser Zeit weitgehend französisch besetzt) entscheidend geschlagen wurden. Deshalb wurde auch 100 Jahre später dieses monströse (aber dennoch reizvolle) Denkmal am Stadtrand errichtet.

    Vielleicht bietet der Generationswechsel, oder wie man das nennen kann, die Chance, das einige "privatisierte" Stücke wieder auftauchen...Hier in Hannover gab es gerade den Fall, dass ein US-Amerikaner, der im zweiten Weltkrieg als Militärarzt in Deutschland war, einen Christuskopf (oder den eines Apostels, ist noch nicht sicher) zurückgeschickt hat. Er hatte ihn 1945 in den Trümmern der Aegidienkirche gefunden und einfach mitgenommen. Im Angesichts seinen nahen Endes (er ist über 80)wollte er ihn nun zurückgeben. Das besondere dabei ist, dass die ganze Kirche später enttrümmert und bis heute als Ruine erhalten wurde und die ehemalige Innenausstattung fast völlig in Vergessenheit geraten war...
    Vielleicht befinden sich noch viele Spolien aus Nürnberg oder anderen ehemals amerikanisch besetzten Orten in irgendwelchen Wohnungen in den USA und die Erben damaliger Soldaten wissen gar nichts von ihren Schätzen, die sie damit besitzen...

    Jürgen
    Danke für´s editieren...ich bin mit den Funktionen hier noch nicht so vertraut. Ich setze die Reihe gerne mal fort, kenne z. B. auch ein Buch mit einigen Vorkriegs-Farbbildern...nur bitte etwas Geduld, ich muss jetzt verschärft an meiner Abschlussarbeit werkeln....
    Was ioch noch zu Hildesheim sagen kann ist, dass sich dort während des Krieges kaum größere Industrie befunden hat und die Stadt bis zum Frühjahr 1945 völlig unbeschadet war. Es wurde sogar schon ein Abbau des Knochenhaueramtshauses in Erwägung gezogen, um es vor einem eventuellen Luftangriff zu bergen...der durch die Kriegswirtschaft nicht zustande kam. Allerdings wurde die bemalte mittelalterliche Holzdecke aus St. Michaelis 1943 ausgebaut und somit gerettet.
    Ich finde es übrigens fast absurd, dass St. Michaelis und der Dom als "ottonische" bzw. "romanische" Bauwerke im Unesco-Welterbe aufgenomen wurden, denn an diesen beiden Kirchen ist fast nichts mehr echt, bis auf Teile der Innenausstattung (die genannte Decke sowie Türen und ein Radleuchter im Dom). Die heutige äußere Erscheinung beruht auf Idealvorstellungen der Ursprungszustände und entstand in den 50er-60er Jahren. Am rekonstruierten Marktplatz untersteht dagegen bis heute lediglich der Brunnen und das Marktpflaster (Seit einem Tiefgaragenbau auch nicht mehr originale Substanz) dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz.

    Danke, Antiquitus für den Link,
    danke, Jürgen, für deine Mühe, im Voraus.

    Ich hab noch ein Bild vom besagten Modell gefunden, aufgenommen im Sommer 2003...hatte ich noch dunkel in Erinnerung:



    Eine Schadenskarte der Hildesheimer Altstadt, schwarz= unzerstört, der rote Punkt bezeichnet den Standort des Hauses/ des Modells:



    Vielleicht kann Jürgen bitte die anderen beiden Bilder einstellen, ich hab ein schlechtes Scanprogramm im Moment und wenig Zeit (Diplomarbeit....) - Danke!

    Wenn man die Preise für einen Quadratmeter/Kubikmeter Beton oder Ziegelmauerwerk vergleicht, ist der Unterschied wohl nicht so gewaltig, Beton dürfte leicht günstiger sein - noch, denn die Stahlpreise steigen durch den Chinaboom derzeit. Auch der Arbeitsaufwand unterscheidet sich kaum, bezogen auf einen Kubikmeter/Quadratmeter, denn wo beim Mauern von Ziegelmauerwerk mehr Zeit gebraucht wird als für das Gießen einer Betonwand, müss ja in dieser zuvor die Stahleinlagen hergestellt ("geflochten") werden, die auch einer genauen Vorplanung bedürfen.
    Ein Problem liegt allerdings darin, dass Ziegelwände nicht so stark und gezielt belastbar sind wie Betonwände. Leichtziegel, die aufgrund ihres geringeren Gewichtes in größeren Abmessungen hergestellt werden können, sind weniger belastbar als Vollziegel. Und selbst mit Vollziegeln gemauerte Außenwände hatten um 1900 (Ich wohne selbst in einer Jugendstil-Erdgeschosswohnung) noch eine Stärke von ca. 52 cm.
    Ach ja, zur Erklärung: ein "normaler" Ziegel NF=Normalformat hat heute ein Format von 24 x 11,5 x 7,3 cm. Porenleichtziegel-Großblöcke ("Poroton") gibt es schon im Format 49 x 24 x 36,5 cm, wenn ich mich nicht irre, und kann gerade noch so von einem Maurer ohne Hebezeug versetzt werden.
    Wände aus den letztgenannten Bausteinen müssen also viel dicker sein als Wände aus Stahlbeton, oder aber durch andere Bauteile ergänzt werden, um die Lasten aus den Geschossdecken sowie den Eigenlasten der Wand aufnehmen zu können. Eine dickere Wand fürt allerdings zu mehr Kubikmeter Materialbedarf und daher zu höheren Kosten und, vor allem interessant für die Investoren, zum Verlust von teuer vermietbaren Raumflächen. Bleibt also eine Verstärkung der Wand mit integrierten Stahlbetonbauteilen. Da schlägt wiederum der Zeitfaktor zu: Bei einem hohen Termindruck, z. B. durch einen bestimmten Eröffnungstermin, kommt es auch auf die Baugeschwindigkeit an, und die kann - bei Stahlbetonbauweise - durch geschicktes Auslagern von Arbeitsprozessen stark erhöht werden. So können die Stahleinlagen außerhalb der eigentlichen Baustelle vormontiert und dann in die vorbereitete Schalung gebracht werden. Eine Begrenzung ist hier lediglich die Abbindezeit, d. h. das Erhärten des Betons bis zur Belastbarkeit (bei Ziegelmauerwerk übrigens auch notwendig, sonst werden die Fugen wieder ausgequetscht...), es können jedoch ganze Geschosseauf einmal gegossen/betoniert werden. So kann ein viegeschossiges Gebäude in 4-5 Wochen im Rohbau erstellt werden! Ein Extremfall, an dem ich mich erinnerem, war ein Kino, in dem 12 m hohe Wände in einem Schritt hergestellt wurden, dabei wurde lediglich der Zwischenraum zweier parallelen, vorproduzierten und vor Ort als Schalung aufgestellten dünnen Betonplatten mit Stahleinlagen versehen und ausbetoniert...das ganze brauchte im Rohbau nur 6 Wochen.
    Also, Stahlbetonbauteile sind bei der Größe der Häuser leider fast unvermeidlich, weil


    - sie eine schnelle Bauausführung ermöglichen
    - geringere Wandstärken erfordern als Ziegelwände

    Sie sollten jedoch, wie beim Coselpalais, auf innere Bereiche beschränkt werden
    -um einen erforderlichen Wärmedämmstandard nach EnEV 2002 ohne zusätzliche Dämmschicht zu ermöglichen (Energieeinsparungsverordnung von 2002, alle Neubauten müssen sich danach richten),
    - eine lange Haltbarkeit der Außenwände zu garantieren,
    - eine lebendige Putzoberfläche durch geringfügige Unebenheiten und "würdiges altern" zu ermöglichen, wie sie historischen Bauten eigen ist (Verputz auf Wärmedämmplatten ist absolut eben und ergraut nicht, bekommt aber öfter mal Risse und Abplatzungen, wie manche 80er-Jahre Bauten zeigen)

    Ja, Hildesheim ist ja nur 25 Km von Hannover entfernt...
    Der "umgestülpte Zuckerhut" stand an einem kleinen Platz, der sich nördlich der St. Andreaskirche (mit dem höchsten Kirchturm Niedersachsens, 113 m, mit Aussichtsplattform). befand und befindet, genauer gesagt an der nördlichen Ecke dieses Platzes der Kirche gegenüber. Sein Standort ist auch wieder bebaut, in einer relativ annehmbaren Architektur der 50er Jahre (Schlichter Putzbau mit Satteldach, wenn ich mich richtig erinnere). Im Erdgeschoss ist ein interessantes Antiquariat. Das besondere ist aber, dass an das Haus mit einem aus Bronze gegossenem, massstabsgetreuen Modell erinnert wird, das unmittelbar vor dem Standort im Freien, also für jedermann "begreifbar", aufgestellt wurde. Kann noch nicht sehr alt sein, da noch nicht grün. Beim nächsten Ausflug (nicht mehr dieses Jahr) mache ich mal Bilder.


    Ergänzung: In Beseler, Gutschow: Kriegsschicksale Deutscher Architektur, S. 292/293 sind zei Bilder vom historischen Zustand sowie eines mit der Neubebauung abgedruckt. Ich bekomme das mit den Bilder einstellen hier im Moment nicht hin, kenne keinen Provider...

    Also, was den Verfall von Stahlbetonteilen angeht, da wäre ich vorsichtig und würde mir keine Angst machen lassen lassen... Ich möchte die Recherchearbeit und den angegebenen Link nicht abwerten, aber es handelt sich dabei um eine Firma, die letztlich ihr Produkt, nämlich verzinkte Stahleinlagen, verkaufen will und nicht um eine unabhängige Studie z. B. einer Uni. Wenn man genau liest, bezieht sich die geringe Haltbarkeit auf Bauteile, die unmittelbar einem agressiven Umfeld ausgesetzt sind, genannt werden Hafenmolen....
    Unendlich haltbar sind Betonteile in der Tat nicht. In einer Bauphysikvorlesung wurde berichtet, das der Abhärtungsprozess des Betons sich über Jahrzehnte fortsetzt. Der Korrosionsschutz der Stahleinlagen erfolt dabei nicht durch Luft- oder Wasserdichtheit des Betons (die selbst bei hochverdichtetem WU-Beton, genannt "Weisse Wanne" nicht erreicht wird), sondern auf die basische Wirkung von nicht abgebundenen Calciumhydroxid (CaOH) an den Stahleinlagen, die eine Bindung des Sauerstoffs mit dem Stahl, also das Rosten, verhindert. Die Bindung des CaOH zu CACO3, also dem abgebundenen Zement, schreitet in zunehmender Tiefe fort und erreicht je nach Betondeckung nach 30 -120 Jahren die Stahleinlagen. Deshalb sind Bauteile aus den 50er/60er Jahren zur Zeit oft stark geschädigt, da einerseits eine besonders schlanke Ausführung von Aussenbauteilen in Mode war und eine Betondeckung von 15 mm als ausreichend galt, andererseits nun schlichtweg die 30 Jahre seit deren Entstehung vergangen sind...
    Heute arbeitet man bei Außenbauteilen, auch wenn sie verkleidet werden, mit mindestens 25 mm Betondeckung. Ein Problem ist allerdings die knappe Kalkulation der Baufirmen, bei der die Qualität der Ausführung von betonteilen leiden kann, z. B. durch die Einsparung von Abstandshaltern, die ein Verrutschen der Stahleinlagen beim Betonieren zur Folge hat sowie eine durch massiven Termindruck verursachte mangelhafte Qualitätskontrolle (einfacher gesagt: Pfusch!...)


    Ich möchte aber hier keinesfalls den Stahlbeton in Schutz nehmen, ich bin für eine Ausführung in zeitgemäßen Ziegelbau wie beim Coselpalais (Porenleichtziegel in Großblockbauweise), was gleichzeitig das Problem des Wärmeschutzes löst. Wie soll der eigentlich bei den Projekten am Neumarkt mit den Stahlbetonwänden gewährleistet werden? Ich befürchte schon eine Ausfürung des Verputzes als Wärmedämmverbundsystem, was nichts anderes bedeutet als Plastikfassaden (PU-Hartschaumplatten, darauf Putzträger, eingefärbter Kunstharzputz mit Mineraleinlage). Das sind diese Fassaden, die massiv aussehen, nie altern (!) und beim draufklopfen hohl klingen wie eine Kulisse... nein, dem Original am nächsten und dennoch zeitgemäß und wirtschaftlich ist ein Wandaufbau aus Porenleichtziegeln mit echtem Putz!
    PS: Ich bin Architekturstudent und habe früher als Bauzeichner in einem Ingenieurbüro für Betonbauteile gearbeitet. Diplom im Februar...

    Ich war auxch beim Aufbau des Coselpalais in Dresden im März 1999 und habe ein paar Aufnahmen gemacht (leider Dias, daher kann ich die im Moment nicht scannen...) Darauf ist zu erkennen, dass im Bereich der Innenwände, insbesondere die Stützen am großen Saal aus Stahlbeton hergestellt wurden.