Posts by Ein_Hannoveraner

    Was mich erstaunt hat, wie dünn die Natursteinplatten auf der Fassade waren. Auf mich machten sie einen deutlich massiveren Eindruck:



    Ich wusste gar nicht, dass man schon in der Gründerzeit derart dünne Platten vorgeblendet hat. Irgendwie hat man das damals besser hinbekommen, heute sieht man das ja meistens auf den ersten Blick.

    Die Verblendung ist auch nicht aus der Gründerzeit, sondern eher einem Wiederaufbau nach Kriegszerstörungen geschuldet. Das rote Ziegelmauerwerk unten sieht alt aus, das weiße darüber besteht aus Kalksandstein, wurde also später ergänzt (diese kleinformatigen Kalksandsteine sind typisch für die 50er und frühen 60er Jahre). Ich schätze mal, das Mitte/ Ende der 50er Jahre ein umfangreicher Wiederaufbau erfolgte und dabei die dünne Verblendung aufgebracht wurde. Vor der Zerstörung mag das Gebäude verputzt oder sogar teilweise steinsichtig gewesen sein (Klinker).

    Ergänzend dazu ein Link zur Facebookseite der Stiftung, in der Donnerstag wieder aktuelle Bilder vom oberen Gerüstende gepostet wurden:


    https://www.facebook.com/Stift…689631531/254208202964913


    Das in zwei Bildern zu sehende Sandsteingesims liegt - lt. durch die Stiftung veröffentlichter Turmansichtszeichnung mit Höhenkoten (Höhenbemassungen) - mit der Oberkante bei 29,16 Metern über dem Eingangs-/ Kapellenfussboden.

    Die Hälfte der Höhe des massiven Turmmauerwerks ist also bald geschafft...

    Die "Villa Holland" wird auch als "Villa Salve Hospiz" bezeichnet (falls jemand noch weiter recherchieren will...) , unter dieser Bezeichnung gab/ gibt es sogar einen kleinen Kunstführer aus dem Deutschen Kunstverlag (einige hier werden ja - wie ich - Kunstführerhefte sammeln...)

    Ich sehe das mittlerweile etwas ambivalent... Ich schätze die Mühe, die sich mancher gibt, historische Aufnahmen durch Nachkolorierungen dem heutigen Betrachter näherzubringen, sehr... Ich fürchte allerdings bei dem jetzt erreichten, recht perfekten Qualitätsstandard dieser Nachkolorierungen einen Wertverlust der wenigen "echten" Farbfotos/ -Filme der Vorkriegszeit, da sie von Laien gar nicht mehr und von Fachleuten nur schwer von den "Interpretationen" unterscheidbar sind... Echte, neuentdeckte Farbfotos/ Farbdias/ Farbfilme wirken dann gar nicht mehr so sensationell, wie sie eigentlich sein müssten...

    Das Bild der Garnisonkirche enthält z. B. einen eklatanten Fehler: das Dach des Kirchenschiffs war nicht mit Ziegeln, sondern mit Schiefer eingedeckt und müsste somit blau-schwarz erscheinen, nicht hellrot. Das beweisen die Farbdias von Loebenstein (jetzt im Potsdam-Museum, vor einigen Jahren konnte ich noch eine in DDR-Zeiten aufgelegte Sammelmappe mit Reproduktionen erwerben) aus den Jahren um 1940 sowie einige Gemälde...

    Das Exemplar in Leinhausen (ein Stadtteil in Hannover) ist die frühere ev.-luth. Gustav-Adolf-Kirche, fertiggestellt 1969, entwidmet 2007 und dann zur Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde umgebaut. Praktischerweiser hatte der Bau fast überhaupt keine Bezüge zu traditionellen Kirchenarchitekturen aufzuweisen, die Glocken hingen z. B. knapp unter dem Dachfirst, mit nur wenig Öffnungen nach außen. Nach der Demontage des Kreuzes war der Bau schon nicht mehr als Kirche erkennbar, Ortsunkundige dachten z. b. an ein Krematorium (gegenüber befindet sich der flächenmäßig umfangreiche Stadtfriedhof Stöcken). Als Kirche wurde das Gebäude von den umliegenden Bewohnern "Sprungschanze Gottes" genannt ...

    die "Antennen" sind übrigens Telefonleitungsträger, die früher zunächst noch überall als Freileitungen kreuz und quer über die Häuserblöcke geführt wurden (relativ dünne Drähte, daher nicht/ schwer zu erkennen). Habe ich schon auf vielen historischen Fotos gesehen. Deshalb hatten Postgebäude auch oft Türme mit großen Öffnungen - dort liefen die Leitungen zusammen und waren an den Vermittlungsstellen angeschlossen.

    Dann mal offtopic:

    Es gab in jeder Stadt ein gut organisiertes Feuerwach- und Löschwesen. In Hannover z. B. mit einer ständigen Turmwache auf dem Marktkirchturm sowie Nachtwächtern. Bei Ausbruch eines Brandes wurde vom Turmwächter die Feuerglocke (mit besonders schrillem Klang) geschlagen und am Turm in Richtung des Brandes ein codiertes Licht- (nachts) bzw. Flaggensignal (tagsüber) gesetzt. Dadurch war für jeden Stadtbewohnbar erkennbar, wo genau ein Brand ausgebrochen war (Straßenabschnitt bzw. Block). Jeder Haushalt musste mindestens einen Ledereimer zur Brandbekämpfung vorhalten und bei Ertönen der Feuerglocke zur Brandstelle eilen, dann wurden die bekannten "Eimerketten" zur nächsten Wasserentnahmestelle bzw. Brunnen gebildet. Die Brunnen und - über hölzerne "Pipen", also Röhren - aus dem Fluss Leine mittels eines Wasserrades gespeisten Wasserentnahmestellen mussten regelmässig durch dafür angestellte Wärter überprüft werden. Ein Versagen aufgrund mangelnder Wartung wurde mit drastischen Strafen geahndet. Es gab ab Anfang des 18. Jahrhunderts auch erste, handbetriebene Spritzenwagen, die natürlich weit effizienter arbeiteten als ausgeschüttete Eimer... War ein Brand schwer unter Kontrolle zu bringen, so wurden kurzerhand die Nachbarhäuser eingerissen, um Brandschneisen herzustellen. Dafür gab es für die Hauseigentümer Entschädigungen von der Stadtverwaltung, wogegen die Brandschäden selbst ab Mitte des 18. Jahrhunderts meistens von der Landschaftlichen Brandkasse versichert waren (anderenorts auch "Feuersozietät" genannt).

    Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden dann die Berufsfeuerwehren in den Städten - in Hannover 1880, davor gab es bereits Freiwillige Spritzenmannschaften - die Feuerwehr wurde dann zunächst über öffentliche Feuermelder benachrichtigt, später dann über Telefon. Der Wächterdienst auf dem Marktkirchturm endete erst 1906.

    Die Feuerwehren verfügten zunächst über von Pferden gezogene Dampfspritzenwagen, Hannover erhielt dann 1902 den ersten automobilen Feuerlöschzug der Welt (übrigens moderner als heute - mit Elektroantrieb!).

    Es gab Anfang Oktober eine Ausstellung, an der Künstler aus dem Rechenzentrum beteiligt waren. Am 3. Oktober gab es Führungen durch die Ausstellung, die in drei Etagen aufgebaut war. Ich hatte das Glück, im Rahmen meiner dritten diesjährigen Berlin/Potsdam-Kurzreise zufällig 5 Minuten vor Beginn einer Führung an der Baustelle einzutreffen und es war noch ein Platz frei, "nebenbei" war natürlich viel Gelegenheit, den inneren Rohbau zu bestaunen... die künstlerischen Beiträge fand ich überwiegend ganz gut gelungen, die "gotischen Fenster" aus Sperrholz und bemalten Bauplanen in den eigentlich barocken Fensterhöhlen fand ich sogar ganz witzig...

    Innenaufnahme der Glockenstube im Campanile der Friedenskirche beim Läuten:


    Hier können die Glocken der Friedenskirche einzeln odere beliebig kombiniert geläutet angehört werden:

    https://createsoundscape.de/ht…=68122&m=29976&tab=detail

    (nach unten scrollen...)


    Das Geläut ist besonders wertvoll, da alle vier Glocken noch von der Erstausstattung 1849 stammen und beide Weltkriege überstanden haben. Viele anderen Glocken und Geläute des 19. Jahrhunderts wurden dagegen 1917 oder 1942 für die Kriegswaffenproduktion beschlagnahmt und eingeschmolzen (die in der Glockenbronze enthaltenen Metalle Kupfer und Zinn wurden z. B. zur Produktion von Geschosshülsen benötigt).