Gamba - besten Dank für die Aufklärung.
Wenn man mal so darüber nachdenkt, ist es ja völlig verrückt, Dächer, Kirchenglocken und Denkmäler für Waffen einzuschmelzen. 
Erstmal finde ich es überhaupt verrückt, Kriege zu führen - besonders seit der Industrialisierung gehen der Menschheit dadurch Unmengen wertvoller Ressourcen verloren...
Im I. WK war man in Deutschland nach drei Kriegsjahren 1917 in einer echten Notlage. Zwar wurden Geschütze mittlerweile aus Stahl hergestellt, aber die Geschosshülsen mussten weiterhin aus Messing oder Bronze hergestellt werden, da sie beim Durchlaufen und Verlassen der Geschützrohre eine hohe Geschmeidigkeit haben müssen. Es wurden für die stetige Produktion der Munition also Unmengen Kupfer, Zinn und Zink benötigt. Diese Ressourchen waren in Deutschland und den noch befreundeten Ländern nur in verschwindend geringen Mengen förderbar, das meiste wurde in den Kolonien der damals feindlichen Staaten gefördert, war also für die Deutsche Rüstungsindusrie nicht mehr verfügbar. Die Reserven waren Anfang 1917 aufgebraucht, der Krieg wäre in wenigen Monaten nach Ausbleiben des Munitionsnachschubes definitiv absehbar verloren gewesen - dies besonders nach dem Kriegseintritt der USA im April 1917. Nun wurde nach allem gegriffen, was aus diesen Metallen hergestellt und nicht überlebenswichtig war - Kirchenglocken, Denkmäler, Kupferdächer, aber auch z. B. zinnerne Bierglasdeckel, die damals weit verbreitet waren. Am 1. März 1917 erfolgte daher eine pauschale Beschlagnahme sämtlicher Kirchenglocken aus Bronze in Deutschland. Nach sensiblen Auswahlverfahren wurden ca. 50.000 Glocken - die meisten erst seit 1850 gegossen - ausgebaut und eingeschmolzen, die Kirchengemeinden bekamen angemessene Entschädigungen für das Metall und die Ausbaukosten. Nur ca. 200 haben diese Aktion überstanden, was beweist, dass die Bronze tatsächlich gebraucht und verarbeitet wurde. Die meiste Bronze dürfte also noch heute in flandrischer Erde liegen, wo es die stärksten und längsten Kämpfe gegeben hat.
Im II. WK sah dies anders aus, da wurden bereits im Sommer 1940 vorsorglich sämtliche Glocken registriert und die Beschlagnahme angekündigt. Diese verzögerte sich durch die (aus Deutscher Sicht) positive Kriegslage, es konnten erst mal Metallreserven und Förderungen der besetzten Länder geplündert werden... Erst mit der Stagnation des Russlandfeldzuges kam es dann im Frühjahr/ Sommer 1942 zum Ausbau und Abtransport der beschlagnahmten Glocken durch die Kreishandwerkerschaften, sie wurden auf Sammellagern verbracht. Die bekanntesten lagen im Hamburger Hafen und wurden im Volksmund als "Glockenfriedhöfe" bezeichnet. Diesmal traf es auch ältere, sowie künstlerisch oder musikalisch wertvollere Glocken, allerdings gab es verschiedene Wertkategorien, die der Reihenfolge nach eingeschmolzen werden sollten. Entschädigungen sollten die Kirchengemeinden erst nach dem "Endsieg" erhalten, hingegen wurde das Metall vom Reich an die Schmelzhütten verkauft, dadurch also zusätzliche Einnahmen für die Kriegskasse generiert... Nach Kriegsende standen z. B. noch ca. 17.000 Glocken in Hamburg auf den Lagerplätzen. Zum einen kamen die Schmelzhütten, auch bedingt durch den Luftkrieg, nicht mit der Verhüttung hinterher, zum anderen zeigt dies auch, dass das Metall doch nicht so dringend benötigt wurde, und die Beschlagnahme auch als eine Repressalie des Regimes gegen die Institution Kirche gesehen werden kann. So waren z. B. auch sog. Glocken-Abschiedsfeiern, die im I. WK überall und sehr emotional begangen wurden, 1942 per Erlass verboten.