Posts by Philoikódomos

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021

    Vielen Dank, Spreetunnel, für die hervorragenden Aufnahmen! Es scheint ja, dass HG Merz die Paulicksche Architektur fast ohne Abstriche übernommen und aufpoliert hat (wo er zu Abweichungen gegriffen hat, von der Erhöhung des Zuschauerraums abgesehen, wäre es interessant, diese dokumentiert zu bekommen). Anscheinend hat der Umbau auch die Paulicksche Lösung unangetastet gelassen, die das Gebäude unterirdisch verbreiterte, um für die Garderoben Platz zu schaffen.

    Bedauerlich finde ich es vor allem, dass nach dem jüngsten Entwurf die historische Parzellierung aufgehoben wird, die für den Ku'damm charakteristisch ist. Eine unverständliche Änderung, zumal sich dadurch auch die Proportionen der Fassade verschieben und der Bau zu niedrig wirkt.

    Wir könnten mit Frau Dr. Küster Kontakt aufnehmen und anfragen, ob sie die Zusammenfassung ihrer Arbeit uns zur Verfügung stellen würde zwecks Veröffentlichung innerhalb unserer "Schriftenreihe Stadtbild Deutschland e.V.". Dann könnte diese Schrift überall eingesetzt werden, wo es uns geschickt erscheint.

    oder man hätte anthroposophische Architekten beauftragt. Dann wäre es in sich stimmig.

    Auch ich habe mir just vor 10 Tagen das Dorotheenquartier angesehen. Zumindest eine Verbesserung gegenüber dem vormaligen trivialen Verband von baulichen Nichtigkeiten lässt sich m.E. schon ausmachen; immerhin kann man hier endlich mal von Architektur reden. Die Natursteinfassaden mit ihren plastisch ausgearbeiteten Fenstergewänden haben eine gewisse Strahlkraft, die allerdings von den monströsen Dachaufbauten abgemildert wird. Einer der Blöcke birgt in der Dachzone sogar vier Stockwerke; das Bestreben ist offensichtlich, die hohe Grundstücksausnutzung durch acht Oberstockwerke durch eine Pseudo-Dachlandschaft zu kaschieren.


    Der Architekt ist Stephan Behnisch, der Sohn des bekannten Günther Behnisch, der als Kompromissloser etwa mit der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz - in Stuttgart u.a. mit dem Bankgebäude in der Fritz-Elsas-Straße - Furore gemacht hat. Stephan Behnisch aber hat sich neuerdings mit Bauten für die Waldorfschule (die auch von seinen Kindern besucht wird) neu profiliert. Nach dem ersten Neubau der Waldorfschule Uhlandshöhe entsteht derzeit sein zweiter Bau daselbst. Man kann darüber streiten, ob man diese beiden Entwürfe als anthroposophisch werten mag (was immer das sei), aber seine nicht ohne Geschick neuerworbene Übung in der Vermeidung des rechten Winkels hat er mit dem Dorotheenquartier erstmals auf den Geschäftshausbau übertragen. Immerhin ein muteiger Vorstoß zur Überwindung des banalen Einheitsbreis.

    Bald wieder Ochsenblutrot



    Haus Badische Heimat (Freiburg im Breisgau) 32 [CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], by Own work (Dr. med. Mabuse), from Wikimedia Commons

    Ich möchte noch einen rühmenden Hinweis anbringen auf die Souveränität, mit der Baumeister der zwanziger Jahre eine historisierende Architektursprache zu handhaben wussten. Jene Epoche kannte ja nicht nur den Internationalen Stil, den Expressionismus und allerhand Varianten zwischen diesen beiden Extremen, sondern verstand es auch, an historische Stile, vor allem an den Barockstil anzuknüpfen ohne einen neuen Historismus zu etablieren. Die formale Treffsicherheit, mit der damals historische Elemente mit zeitgenössischen verschmolzen wurden (gerade in Freiburg an zahlreichen Wohnbauten zu beobachten), ist mit dem Ausgang der zwanziger Jahre untergegangen und wurde seither niemals mehr erreicht, kann aber dennoch als Fernziel eines menschengemäßen Bauens im Auge behalten werden.


    Übrigens scheint auch die ursprümgliche Fassadenfarbe an etliche rote Freiburger Putzfassaden wie auch das in dieser Stadt dominierende Sansteinrot anzuknüpfen.

    Ich darf vorsichtig Entwarnung geben: Aus "gut unterrichteten Kreisen" habe ich vernommen, dass für das Deutschlandhaus zwar Abriss, aber auch rekonstruierender Wiederaufbau entsprechend dem Vorkriegszustand vorgesehen ist. Demnächst mehr darüber.

    Eine schlimme Nachricht. Zwar haben wir den Entwurf für das Nachfolgegebäude noch nicht gesehen, aber es ist kaum vorstellbar, dass ein zeitgenössischer deutscher Architekt mit solcher Baumasse ebenso souverän umgehen kann wie Bloch und Hochfeld in den zwanziger Jahren. Man könnte doch wenigstens die Fassade erhalten!

    Geht mir genauso. Obwohl die Stadt eigentlich so ziemlich alles hat, was ich mir für eine Stadt erwünsche, packt mich die Stadt nicht so richtig. Klar stehe ich auch mit offenem Mund vor großartigen Gründerzeitlern und eine Fahrt am Ring an den Villen entlang ist einfach atemberaubend, aber wie gesagt irgendwas fehlt der Stadt. Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, aber ich glaube es könnte daran liegen, dass der Stadt ein großer innerstädtischer Flusslauf fehlt und ich glaube auch ein Viertel mit etwas chaotischer Urbanität - wie z.B. dem Scheunenviertel in Berlin - vermisst man in Wiesbaden.

    Ich fand diese Stadt immer faszinierend, fast unwirklich, jedenfalls im Vergleich zu anderen westdeutschen Städten. Dennoch scheint auch mir etwas zu fehlen. Es fehlt unter anderem die Straßenbahn! ^^

    Daher ist auch hier das Fundament nun gelegt, denn Architektur kann man beleibig verändern, städtebauliche Strukturen sind da wesentlich schwieriger zu beeinflussen, wenn sie erst mal da sind.

    Eine sehr wichtige Beobachtung. Darum ist es wichtig, in möglichst vielen Quartieren unserer Wiederaufbaustädte für eine Wiedergewinnung der historischen Parzellierung zu kämpfen. Sobald die historische (manchmal auch neugeschaffene) Parzellenstruktur festgelegt ist, sind auch die Weichen für eine Wiedergewinnung des verlorenen Stadtbilds gestellt. Denn auf der Parzelle lässt sich die einzelne Hausfassade durch Renovierungs- und Umbauaktionen nach Belieben dem einstigen Qualitätsstandard annähern, zumal unter dieser Vorgabe einem Wettbewerb der Hauseigentümer um die ausdruckstärkste Fassadengestalt Vorschub geleistet wird. So entsteht aufs neue die lebendige Stadtstruktur der europäischen Stadt, der Bürgerstadt (auch wenn die Hauseigner in vielen Fällen Immobiliengesellschaften sein mögen).

    Richtig. Stadtbild Deutschland hätte dieses Gebäude angemessen würdigen müssen. Eine große vertane Chance, die sich so schnell nicht mehr anbieten wird.

    Dieses Gebäude kann immer noch eingehend gewürdigt werden, vor allem in diesem Forum. Wenn darüberhinaus jemand im Umkreis unseres Vereins willens und in der Lage ist, eine ausführliche, bebilderte Kritik über das Palais Holler zu schreiben, könnten wir diese im Rahmen unserer Schriftenreihe Stadtbild Deutschland e.V. veröffentlichen.

    Ich persönlich finde den aktuellen modernistischen Pavillon auch schrecklich, womöglich wäre aber heute eine moderne "Interpretation" noch schlimmer ausgefallen... Wenigstens hat es ein Mansardendach. Und der Festsaal innen schaut interessant aus!

    Der Mittelpavillon ist eine Schöpfung des renomierten Architekten Gottfried Böhm, des einzigen deutschen Pritzker-Preisträgers. Böhm hat hier wie anderswo eine vor allem von innen erlebbare Raumhülle geschaffen, in der sein bildnerisches Können in ausdrucksvollem Linien- und Farbenspiel zur Geltung kommt - gewissermaßen barocke Raumkunst in moderner Interpretation.

    Wenn in diesem Zusammenhang schon das Adlon angeführt wird, verdienen auch das Westin Grand an der Friedrichstraße und das Hilton am Gendarmenmarkt Erwähnung, beide Häuser als Zeugnis des Bemühens der späten DDR, endlich wieder hauptstädtische Prachtentfaltung im Berliner Hotelbau zu etablieren. Ersteres, das einstige "Grandhotel" an markanter und berühmter Ecke gelegen, erstrahlte mit seinem originellen Licht- bzw. Treppenhof in einer durchaus gründerzeitlichen Prachtentfaltung, die m.W. bis heute gewisse Modernisierungsbestrebungen einigermaßen überstanden hat. Das zweite, das einstige "Domhotel" neben dem Deutschen Dom, repräsentiert eine für die DDR-Architektur typische kurzlebige Variante der Moderne, die um Versöhnung zwischen Tradition und Gegenwart rang und in so verspielten Gestaltungen wie dem Friedrichstadtpalast oder einigen Etagenhäusern am Gendarmenmarkt noch heute zu besichtigen ist. Die DDR hätte diese Baugesinnung weitergeführt, wenn nicht die Wiedervereinigung einen Stop verfügt und sogar angefangene Neubauten an der Friedrichstraße wieder abgerissen hätte. Die verbleibenden Zeugnisse dieser mutigen Bewwegung (manchmal als Gißke-Barock verunglimpft) verdienten m.E. unter Schutz gestellt zu werden.

    Ich habe im Abstand von einigen Jahren zweimal an einer Führung durch diese Kirche teilgenommen. Das erste Mal verriet uns die Führerin ein delikates Gestaltungsmittel des Erbauers, die dem zweiten Führer anscheineend unbekannt war: Der Architekt erzielte nämlich eine der Barockarchitektur durchaus geläufige illusionistische Wirkung, die im barocken Theaterbau und der damaligen Bühnenkunst beliebt war. Die Pfeilerabstände des Hauptschiffs verringern sich geringfügig von Joch zu Joch, so dass der Blick zum Hochaltar (d.h. nach Südwesten) in die Länge gezogen erscheint und der Raum weitläufiger wirkt als er tatsächlich ist. Dafür erscheint er in der Gegenrichtung gestaucht. Ich vermute, dass derartige Tricks im barocken Kirchenbau, vor allem Italiens, häufiger angewandt wurden.

    Wenn man in diesem Stil, die Neubebauung des Areals Molkenmarkt/Klosterviertel nach der Verlegung der Grunerstraße angehen würde, wäre das ein riesiger Gewinn. Es würde ein attraktives Wohnquartier entstehen, dass sich an die Berliner Altstadt anlehnt. Darauf sollten die Initiativen in Berlin primär hinarbeiten.

    Natürlich, man müsste nur das gesamte Areal in ähnlicher Weiise parzellieren, wie es in den Blocks westlich des Auswärtigen Amts geschehen ist, dazu etliche Gestaltungsauflagen und die Anregung, einige Vorkriegsbauten zu rekonstruieren - und das Wiedererstehen eines Stücks Alt-Berlin wäre gesichert.

    Ich finde die jetzige Version, eine Kombination aus Paulick und H:G: Merz, hervorragend. Was bei Paulick unbefriedigend war, die etwas gedrückte und daher auch akustisch mangelhafte Raumgestalt, ist durch den neu geschaffenen und raffiniert gestalteten Resonanzraum zu eindrucksvoller Größe und Stimmigkeit angewachsen. Sicher hätte man in diesem Raumvolumen auch einen vierten Rang unterbringen können, aber auch so wurde der Eindruck großzügiger Weite erreicht.