Posts by Querido

    Terraced Houses in Brighton – westlich der Altstadt (Teil 1)


    Zeitgleich wie die Kemp Town im Osten der Stadt, entstanden auch in ihrem Westteil bzw. der Nachbargemeinde Hove ähnliche Anlagen. Das Viertel nennt sich Brunswick. Zunächst wieder ein Luftbild-Überblick:


    14 Brunswick

    Luftbild aus Bing


    Man erkennt auch hier wieder zwei markante Platzanlagen, die zum Meer hin geöffnet sind. Die östliche von ihnen ist der 1825 bis 1827 angelegte Brunswick Square. Zu ihm gehören auch wiederum die sich rechts und links anschließende Uferbebauung, die 1828 entstandenen Brunswick Terraces. Östlich vom Brunswick Square gibt es noch eine weitere rechteckige Anlage, den bereits 1818 bis 1828 entstandenen Regency Square – von ihm habe ich aber keine Fotos.


    Weiter westlich gibt es wiederum eine Doppelanlage, ähnlich der in Kemp Town, bestehend aus einem Rechteck-Platz (Square) und bogenförmig angeordneten Häuserzeilen (Crescent). Das sind der näher zum Meer hin liegende Adelaide Crescent (1830 bis 1860) und der weiter nördlich anschließende, etwas jüngere Palmeira Square (1855 bis 1870).


    Beginnen wir mit dem Brunswick Square. Ich empfand diesen Platz als eine perfekte städtebauliche Anlage: Er ist rechteckig, besteht aus einer sehr gepflegten Grünanlage mit altem Baumbestand, die auf drei Seiten von den schönen, einheitlichen, aber keineswegs langweiligen Häuserfassaden umgeben ist und die leicht zum Meer hin abfällt. Der Platz strahlt eine unheimliche Ruhe aus und lädt zum Verweilen ein; von der lauten Uferstraße unten am Ärmelkanal bekommt man hier kaum etwas mit.


    15 Bunswick Square (1825 bis 1827) – Blick von der Seeseite


    16 Brunswick Square mit Brunswick Terraces (1828, linke Seite)


    17 Brunswick Square mit Brunswick Terraces (1828, rechte Seite)


    18 Brunswick Square – Blick nach oben


    19 Brunswick Square – Blick Richtung Meer


    20 Brunswick Square - Häuserfassaden


    21 Brunswick Square - Häuserfassaden


    22 Brunswick Square - Häuserfassaden


    23 Brunswick Square - Häuserfassaden


    24 Brunswick Square – obere rechte Ecke


    25 Brunswick Square - Häuserfassaden


    26 Brunswick Square – und zum Schluss noch mal ein Blick zum Meer


    Alle Bilder von mir, aufgenommen im Sommer 2014


    Der 5. und letzte Teil folgt bald…

    Terraced Houses in Brighton – östlich der Altstadt


    Die Reihenhäuser (englisch: terraced houses) die ich hier vorstellen möchte, stehen eben nicht nur in einer Linie, sondern sind als bogenförmige Gebilde oder als Plätze angelegt und als Gesamtensemble entworfen worden. Die Spezialität in Brighton sind diejenigen, die direkt am Meer stehen und sich zu ihm öffnen.
    Der erste seiner Art, der Royal Crescent, entstand zwischen 1798 und 1807 östlich der Altstadt. Vorbild war offenbar der gleichnamige Royal Crescent in Bath, der ein viertel Jahrhundert älter ist.
    Hier zunächst das Vorbild:


    9 Royal Crescent in Bath (1767 bis 1774):

    eigenes Foto vom Sommer 2005


    10 Royal Crescent in Brighton (1798 bis 1807):

    Da ich kein eigenes Bild habe, habe ich eines aus Wikipedia verwendet und leicht überarbeitet. Public Domain, Quelle


    Die Häusergruppe besteht aus 14 Einzelgebäuden; das erste und letzte steht parallel zur Uferstraße Marine Parade, die 12 dazwischen sind in einem leichten Bogen angeordnet.
    Die Oberfläche der Fassade besteht nicht etwa aus dunkelgrauen Klinkern. Vielmehr ist es eine Eigenart der Region und Zeit. Es handelt sich um eine Art Fliesen, die ähnlich wie Dachziegel überlappend auf eine Unterkonstruktion aus Holz genagelt werden. Die „Fliese“ besteht aus zwei zueinander im Stumpfen Winkel stehenden Seiten, von denen nur die eine am Ende sichtbar ist, so dass sich eine glatte Oberfläche ergibt. Das ganze nennt sich „mathematical tiles“ und ist hier und dort nachzulesen.


    Etwas weiter östlich entstand anderthalb Jahrzehnte später ein ganzes neues Stadtviertel für Wohlhabende, Kemp Town genannt. Bestimmendes Element ist ein Ensemble, das aus der Luft so aussieht:


    11 Kemp Town

    Quelle: Luftbild aus Bing - ich hoffe, ich darf das so verwenden


    Man erkennt eine glockenförmige Anlage, die einen Park umschließt und ebenfalls zum Meer hin offen ist. Der obere, rechteckige Teil heißt Sussex Square, der unten anschließende mit den bogenförmigen Häuserfronten Lewes Crescent. Zu Anlage gehören auch die sich rechts und links anschließende Uferbebauung, links (westlich) die Chichester Tarrace und rechts (östlich) die Arundel Tarrace. Die gesamte Anlage entstand in den Jahren 1823 bis 1855 und war zur Zeit ihrer Fertigstellung die größte ihrer Art in ganz Großbritannien. Chichester, Arundel und Lewes sind übrigens Städte in den Grafschaften East und West Sussex. Die Häuser sind in diesem Fall nicht identisch, lediglich diejenigen an der Chichester Tarrace. Leider habe ich von Sussex Square und Lewes Crescent keine Fotos, einige sind aber hierzu finden.


    12 Arundel Tarrace (1823 bis ca. 1830)

    eigenes Foto vom Sommer 2014


    13 Chichester Tarrace (1823 bis ca. 1830)

    eigenes Foto vom Sommer 2014


    Die Fortsetzung mit dem Westteil (und deutlich mehr Bildern) folgt in Kürze…

    Prolog Teil 2


    Nur unweit vom Roval Pavilion liegt die zweite Attraktion der Stadt, der Brighton Pier, mit vollem Namen Brighton Marine Palace and Pier. Er wurde in den Jahren 1891 bis 1899 als dritte Seebrücke der Stadt errichtet und ersetzte den ersten, den 1823 gebauten Royal Suspension Chain Pier. Der neue Pier sollte damit mit dem zweiten, dem 1866 eröffneten West Pier konkurrieren, der allerdings seit 1975 geschlossen und seitdem dem Verfall preisgegeben ist.


    Der damit einzig verbliebene Brighton Pier ist 523 m lang. Er erhielt 1901 eine Konzerthalle in seinem Mittelteil und 1911 ein Theater an seinem Kopf. 1973 beschädigte ein Schiff den Pier, insbesondere auch das Theater, das 1986 abgerissen wurde. An seiner Stelle befindet sich heute ein Vergnügungspark mit Fahrgeschäften wie Wasserrutsche, Geisterbahn etc. In der ehemaligen Konzerthalle sind heute verschiedene Glücksspielautomaten und ähnliches untergebracht. Außerdem gibt es Restaurants, Fressbuden und dergleichen.


    6 Brighton Pier – Gesamtansicht


    7 Brighton Pier – Unterkonstruktion

    Wenn man sich überlegt, dass an diesen dünnen Stahl- bzw. Gusseisen-Stützen schon bald 120 Jahre das salzige Meerwasser nagt, macht das für mich als Bauingenieur nicht den vertrauenerweckendsten Eindruck – in Deutschland hätte man das Ding wahrscheinlich schon längst geschlossen…


    8 Blick vom Brighton Pier nach Osten

    Blick auf den kiesigen Strand, der hier relativ steil abfällt. Oberhalb verläuft die Uferstraße mit der Uferbebauung. Das Gelände steigt hier an und mündet wenige Kilometer weiter östlich in die berühmten Kreidefelsen der Seven Sisters. In die entgegengesetzte Richtung, nach Westen, wird das Gelände dagegen zunehmend flacher, die Uferstraße ist dort fast auf Strandhöhe.
    Das Riesenrad (Brighton Wheel) wurde in Deutschland gefertigt und ist 50 m hoch. Es stand zunächst in Südafrika bei der dortigen Fußball-WM 2010, bevor es im Oktober 2011 nach Brighton verfrachtet und hier aufgebaut wurde. Das Baurecht („planning permission“) besteht (zunächst) bis 2016, danach soll es wieder abgebaut werden.


    Alle Bilder von mir, aufgenommen im Sommer 2014


    Soviel zum Vorgeplänkel, das eigentliche Thema folgt demnächst…

    Die südenglische Stadt Brighton, genau südlich von London an der Kanalküste gelegen, ist das größte Seebad ihres Landes. Ihr Boom begann, als der englische Arzt Richard Russell 1747 nach Brighton zog und drei Jahre später eine Schrift veröffentlichte, worin er die gesundheitsfördernden Aspekte des Meerwassers beschrieb. Er eröffnete eine Praxis und lockte schon bald wohlhabende Londoner an die Küste. Bis 1780 hatte sich die Stadt zu einem angesagten Kurort entwickelt, dessen Attraktivität noch gesteigert wurde, als sich der junge Prince of Wales und spätere König Georg IV. hier ein Landhaus kaufte, in dem er sich häufig aufhielt. Später, zwischen 1815 und 1822, ließ er sich an dessen Stelle von dem bekannten Architekten John Nash den exotischen, an einen indischen Mogulpalast mit chinesischer Inneneinrichtung erinnernden Royal Pavilionerrichten (wobei „Pavilion“ dabei natürlich klassisches britisches Understatement ist). Das Schloss ist bis heute die größte Attraktion der Stadt und ein bekanntes Fotomotiv.


    1841 wurde die erste Eisenbahnverbindung nach London gebaut, so dass die Sommerfrischler noch zahlreicher wurden. Der seit 1837 regierenden Queen Victoria war der Rummel in Brighton dann auch bald zu groß. Sie war ungern in Brigthon und kaufte sich stattdessen 1845 lieber ein Landhaus auf der ruhigen Isle of Wight, dass sie wenig später zu einem Schloss im italienischen Renaissance-Stil, dem Osborne Houseumbauen ließ und wo sie insbesondere nach dem Tod ihres Gemahls Albert die meiste Zeit verbrachte. Der Royal Pavilion wurde 1850 an die Stadt verkauft.


    Dem Boom Brightons tat das jedoch kaum einen Abbruch. Die Stadt wuchs und das brachte es natürlich mit sich, dass viel gebaut wurde. Es entstanden immer mehr herrschaftliche Häuser, die Stadt breitete sich nach beiden Seiten an der Küste aus und wuchs bald mit dem weiter westlich gelegenen Ort Hove zusammen. Sie erhielt bald den Spitznamen „London by the Sea“.


    Heute hat Brighton seine besten Tage hinter sich, der ziemlich baufällig erscheindende Brighton Pier, ist heute zu einem Vergnügungspark verkommen (der aber trotzdem sehenswert ist) und der ehemalige West Pier ist nach Sturmfluten und Bränden nur noch eine verlassene Ruine, die aus dem Meer ragt. Trotzdem hat die Stadt sich einen gewissen Charme bewahrt, der natürlich auch von der einstigen Pracht lebt.


    Wer schon mal in England war, der weiß, was typisch ist für seine Wohngebäude: Reihenhäuser. Sie finden sich in bald jedem Ort, prägen sie und sind schon aus der Luft gut erkennbar. Die meisten von ihnen sind recht schlicht, bestehen meist nur aus Erdgeschoss und erstem Obergeschoss und haben im Erdgeschoss meist einen runden oder dreiseitigen Erker.


    In den Städten sind sie auch anzutreffen, haben dort aber einen ganz anderen Charakter, sind größer, herrschaftlicher, repräsentativer. Diejenigen, die ab etwa 1800 in Brighton entstanden, möchte ich hier vorstellen. Es gibt vergleichbare Häuser auch in London und anderen großen Städten, aber in Brighton haben sie eine besondere Ausprägung. Sie sind oft als zum Meer hin offene Plätze angelegt, haben einheitliche, prächtige Fassaden und bilden auf diese Weise ein großartiges Ensemble. Eine Spezialität ist der so genannte Crescent, eine bogenförmig angeordnete Häusergruppe. Als ein Vorbild für diese diente der Royal Crescentin Bath, der bereits zwischen 1767 und 1774 im gregorianischen Stil angelegt wurde, aus 30 Häusern mit einer einheitlichen Fassade besteht und heute zum Weltkulturerbe zählt.


    Aber genug der Worte, es sollen Bilder folgen.


    Zur Einstimmung die Hauptattraktionen der Stadt, der Royal Pavilion, der in natura keineswegs so zuckerbäckerhaft wirkt, wie es vielleicht auf den Bildern scheint. Ein wirklich phantastisches und sehr ungewöhnliches Gebäude:


    1 Royal Pavilion – Panorama Gartenseite


    2 Royal Pavilion – Gartenseite


    3 Royal Pavilion – Detail Gartenseite


    4 Royal Pavilion – Detail Gartenseite


    5 Royal Pavilion – Parkseite (man beachte die vielen Türmchen und Schornsteine)


    Alle Bilder von mir, aufgenommen im Sommer 2014


    So viel für heute. Fortsetzung folgt...

    Das Bemerkenswerte an Behrens ist vor allem, dass er eigentlich gar kein Architekt war. Er hat Malerei studiert und wandte sich dann dem Kunsthandwerk zu, bevor er 1899 von Großherzog Ernst Ludwig in die Darmstädter Künstlerkolonie berufen wurde, wo er neben Joseph Maria Olbrich zum führenden Kopf und damit zu einem führenden Vertreter des Jungendstils in Deutschland wurde. Erst dort hat er sich im Zuge der Philosophie einer ganzheitlichen Betrachtung von Kunst erstmals auch mit Architektur auseinandergesetzt. Alles weitere hat er sich autodidaktisch angeeignet. Angesichts dessen ist es vielleicht gar nicht so verwunderlich, dass er auch bei seinen späteren Arbeiten den künstlerischen Anspruch immer hoch hielt und es immer verstand, sich mittels "learning by doing" weiter zu entwickeln.
    Sein Schaffen war auch sehr vielseitig. Neben Malerei, Kunsthandwerk und Architektur hat er sich auch mit Buchdruckkunst, Typographie (u. a. Schriftart "Behrens Antiqua") und Städtebau (insbes. für den Alexanderplatz in Berlin) beschäftigt. So ist sein vielleicht bekanntestes Werk auch gar kein Gebäude, sondern eine Inschift: Die Worte "DEM DEUTSCHEN VOLKE" am Berliner Reichstag stammen von ihm. Auch das bekannte Firmenlogo der AEG hat er entworfen.

    Vor meinem Besuch in Nancy 2014 wusste ich das auch nicht, aber die Stadt scheint tatsächlich eine der Jugendstil-Hochburgen Frankreichs gewesen zu sein. Es gab sogar eine École de Nancy, in der sich mehrere Jugendstilkünstler um die vorletzte Jahrhundertwende zusammenschlossen. Im Musée des Beaux Arts an der berühmten Place Stanislas sind auch einige Objekte der Künstler ausgestellt, insbesondere die Glas-Arbeiten.


    Zwei Bilder habe ich auch noch:


    1 Am Cours Léopold (Nordseite):



    2 Ganz in der Nähe, Ecke Rue de Glacis/Boulevard Charles V:

    Von Hauberisser (1841 bis 1922) hat nicht nur die Neuen Rathäuser in München und Wiesbaden geschaffen, sondern auch diejenigen in Saarbrücken (St. Johann; umfangreicher Wikipedia-Artikel) und Kaufbeuren. Sein Vater war übrigens auch Baumeister und stammte aus dem Rheingau, daher war das Wiesbadener Rathaus seines Sohnes quasi "back to the roots".

    Wann und warum wurde denn die höhere Töchterschule abgerissen?


    Kriegszerstörung. Freiwillig hätte den Bau wohl auch in den 1960er und 70er Jahren niemand abgerissen, zumal an der Stelle heute eigentlich eine Brache ist. An Stelle des ehemaligen vom Schlossplatz aus gesehenen rechten Flügels steht heute der moderne Bau eines Kindergartens.


    Auch wenn Wiesbaden im 2. WK relativ glimpflich davon kam, war beispielsweise der Bereich zwischen der Straße "An den Quellen" und der Wilhelmstraße bzw. zwischen dem Hotel Nassauer Hof und dem Schlossplatz fast komplett zerstört, ebenso entlang der angrenzenden Webergasse bis zur Langgasse - jedenfalls steht dort heute nichts mehr Altes. Neben der Höheren Töchterschule ging dort auch das Grandhotel "Vier Jahreszeiten" verloren, das gemeinsam mit dem Nassauer Hof gegenüber des Bowling Green den Kaiser-Friedrich-Platz umschloss. Heute steht an dieser Stelle ein hässlicher Klotz mit demselben Namen.

    Aber was ich vermisse sind Komplettaufnahmen der beiden Fassaden des Neuen Rathauses weil ich es im Orginalzustand für eines der schönsten halte (dessen Schloßplatzseite um 1900 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c…sbaden_1900.jpg würde das GründerzeitstilStadt-Rathaus).

    Das Wiesbadener Rathaus hat einen fünfeckigen Grundriss und besitzt eigentlich drei Hauptfassaden - zum Schlossplatz, zum Dernschen Gelände und zum Marktplatz hin. Die ersten beiden sind auf der Wikipedia-Seite zu sehen. Die dritte, zum Markplatz hin, entspricht im Wesentlichen derjenigen zum Dernschen Gelände, nur dass rechts und links zwei identische (kleine) Ecktürmchen angeordet sind. Der große linke Eckturm an der Fassade zum Dernschen Gelände steht im Übrigen in der Sichtachse der Bahnhofstraße - in die entgegengesetzte Richtung ist die rote Fassade des Hauptbahnhofs zu sehen.


    Die Schlossplatz-Fassade hat man nach dem Krieg vereinfacht wieder aufgebaut, insbesondere fehlt der Hauptgiebel mit seinen beiden Türmchen. Ein Grund für den vereinfachten Aufbau war auch, dass die alte Fassade den Schlossplatz stark dominierte, insbesondere die schlichte Fassade des gegenüberliegenden Stadtschlosses. Das Verhältnis zwischen Stadtschloss, Marktkirche sowie Altem und Neuem Rathaus ist nun etwas ausgewogener als vor dem Krieg, auch, wenn die alte Rathaus-Fassade natürlich toll war.


    Leider ist der Schlossplatz heute auch durch die Zerstörung der von Felix Genzmer errichteten Höheren Töchterschule, die den Platz nach Osten auf geniale Weise abschloss, "unvollendet". Die ganze einstige Pracht ist hier zu erkennen und dort. Damals war der Platz sicher einer der schönsten in ganz Europa.

    Es ist vor allem das enttäuschende optische Ergebnis meiner bisher hier eingestellten Bilder, die mich vor weiteren Zutaten und Beiträgen hier im Forum abhält.

    Lieber Lexa, ich glaube, jeder hier im Forum freut sich über Fotos. Auf die künstlerische Qualität kommt es dabei nicht an, sondern eher auf die dokumentarische. Sofern dasselbe Motiv nicht gleich 37 mal gezeigt wird, die Fotos eine vernünftige Größe haben und idealerweise zumindest mit einem Wort erläutert wird, was zu sehen ist, ist hier jeder mehr als zufrieden. Also nur zu!;-)

    Also wenn es mein Haus wäre und ich etwas Kleingeld übrig hätte, würde ich mir ansehen, in welchem Zustand das bestehende Dach ist. Wenn es ohnehin in den nächsten Jahren erneuert und/oder gedämmt werden muss, würde ich das Dachgeschoss wieder annähernd im alten Zustand herstellen, das heißt, den Mittelgiebel bis zur ursprünglichen Höhe aufmauern, die Außenwände rechts und links von diesem Giebel abbrechen und zimmermannsmäßig als steile Dachfläche mit jeweils einer Gaube auf jeder Seite wieder herstellen, den Balkon als oberen Abschluss des Erkers wieder einrichten und das Dach so hoch bauen, dass ein weiteres Dachgeschoss unterzubringen ist. Man kann nämlich auf dem alten Foto erkennen, dass das usprüngliche Dach auch höher war als das jetzige. Wenn das neue dann 1,00 oder 1,50 m höher werden sollte als das ursprüngliche, wird man das von der Straße aus nicht erkennen können. Falls es in dem Gebiet keinen Bebauungsplan gibt, wird nach § 34 BauGB gebaut und die Aufstockung dürfte kein Problem sein. Der Vorteil wäre, dass nicht nur die bestehende DG-Wohnung attraktiver wird, sondern auch zusätzlicher Wohnraum gewonnen wird, der MIeteinnahmen bringt. Es bestünde auch die Möglichkeit die neue Ebene mit der unteren Dachgeschosswohnung zu einer Maisonette zu verbinden, dann müsste auch das Treppenhaus nicht bis oben verlängert werden.


    Der Rest der Fassade kann dann immer noch dem Urzustand angenähert hergestellt werden. Es ist nur die Frage, inwiefern die Einhaltung der EnEV ohne die massive Anbringung von Dämmplatten möglich ist.

    Ich denke, die Räume sind aus Gründen der politischen Korrektheit nicht wirklich gewollt.


    Das weiß ich nicht und würde es auch so nicht unterschreiben. Die Kommission, dessen Bericht der Bundestag damals im Jahr 2002 zugestimmt hatte, sagte:

    Quote

    "Die Kommission schließt die vollständige Rekonstruktion des einstigen Schlosses im Äußeren wie im Inneren aus, plädiert aber für die Wiedererrichtung einiger wichtiger Innenräume und – in Abhängigkeit von der Nutzung – die Einhaltung der alten Geschosshöhen – soweit es möglich und sinnvoll ist – hinter den rekonstruierten Barockfassaden."

    Nimmt man den Bundestagsbeschluss also wörtlich, so ist eine Rekonstruktion von Innenräumen durchaus gewollt. Es macht ja auch durchaus Sinn, eine Raumfolge zu rekonstruieren, um zumindest beispielhaft die einstige Pracht zu veranschaulichen. Es müsste nur eine Dabatte angestoßen werden, welche Räume sinnvoll und machbar wären und in welcher Form man sie rekonstruieren will - vollständig oder vereinfacht.


    Über die Finanzierung würde ich mir gar nicht so große Gedanken machen. Angesichts der Tatsache, dass sich das ohnehin viele Jahre hinziehen würde, könnte man zumindest einen Teil über die Eintrittsgelder finanzieren. Das Geld verbaut sich bei solchen Maßnahmen nun mal relativ langsam. Die Dresdner werden es auch wissen. Angeblich kostet die dortige Schlossrekonstruktion ca. 380 Mio (allerdings weiß ich nicht, was da alles enthalten ist) - und sie dauert nun bereits Jahrzehnte. In Barcelona wird der Weiterbau der Sagrada Familia auch allein durch Spenden und Eintrittsgelder finanziert und dort stehen m. W. jedes Jahr 25 Mio. (!) zur Verfügung.


    Das Ärgerliche ist ja, dass diese Dachverunstaltung vollkommen unnötig geschieht. Selbst mit Dachrestaurant hätte man das anders lösen können, indem man den Pavillon zum Beispiel auf die andere Seite setzt - dann hätte man ihn vom Lustgarten und den Linden aus immerhin nicht gesehen.


    Außerdem ist das mit dem Technikaufbau ohnehin eine Ausrede. Der Aufbau dient wohl ausschließlich zur Erschließung des Dachrestaurants, wie man auf dem Plan hier erkennen kann. Hauptsächlich gibt es dort Aufzugsschächte und Treppenhäuser. Die Notausgänge sind woanders (z.B. separate Treppe direkt an der Kuppel), die Klimaanlage ebenso, sie sitzt ja offenbar unter dem Dach und nicht in diesem Aufbau, wie die inneren Dachöffnungen auf der Schlüterhof-Cam gezeigt haben. Das heißt also: ohne Restaurant hätte es den Dachaufbau an dieser Stelle wohl auch nicht gegeben. Das Restaurant ist nur deswegen dort, um den spektakulärsten Ausblick zu ermöglichen (womit man das Ding logischerweise von unten auch am besten sieht).

    Ich habe mich über die 7 Euro auch immer gewundert (und geärgert). Aber immerhin sind in diesem Eintrittspreis der Besuch der Kuppel, der Hohenzollerngruft, (einer) der Logen und das Dommuseum (mit Modellen auch nicht verwirklichter Entwürfe etc.) enthalten. Daher ist der Eintrittspreis im Grunde genommen gerechtfertigt.


    Allerdings würde ich es auch begrüßen, wenn die Predigtkirche frei zugänglich wäre und nur die anderen Bereiche Eintritt kosten würden - dann wäre der Dom sicher ein wahrer Besuchermagnet und würde den Lustgarten noch mehr beleben. Wenn man dann noch ein paar Spendenkästen aufhängt, wie in anderen Kirchen auch, bin ich davon überzeugt, dass die Gesamt-Einnahmen zusammen mit dem "musealen" Teil noch höher wären als jetzt.

    Die neue ist der alten Konstruktion erstaunlich ähnlich. War mit gar nicht bewusst, dass die alte Kuppel eine Stahlkonstruktion war, aber angesichts des Baujahres ist das eigentlich logisch. Der Unterschied ist der, dass die neuen Rippen aus (gebogenen) Doppel-T-Trägern bestehen, während die alten Fachwerkträger waren (also Fachwerk anstelle der Steg-Bleche). Die neue Konstruktion ist erstens leichter herzustellen und zweitens hätte die alte sicher auch nicht den heutigen statischen und brandschutztechnischen Anforderungen genügt.

    Der Ring für die Laterne ist vor dem Eosander-Portal eingetroffen!


    http://cam01.berlinerschloss-webcam.de/

    Der Ring sitzt mittlerweile sogar in seiner endgültigen Position in luftiger Höhe (wenn ich das richtig erkenne - oder ist das nur eine Hilfskonstruktion?).


    Außerdem ist die erste Fensterumrahmung auf der Westseite fertig (direkt rechts vom Hauptportal) und man hat auch am Portal II auf der Südseite begonnen. Also es wird doch langsam...

    Ich glaube, die Architektur des Leipziger Platzes ist gar nicht mal das Hauptproblem. Und belebt ist die Ecke mit Potsdamer Platz und der Mall ja grundsätzlich auch. Es fehlt am Platz selbst eben eine Attraktion, die die Menschen nicht nur durchgehen lässt, sondern zum Verweilen einlädt.


    Mein Traum wäre ja ein riesiger Brunnen in der Mitte, vielleicht noch mit abendlicher Illumination wie in Wien oder Barcelona.


    Dann wäre der Platz ganz sicher ein Treffpunkt; Bars oder Cafes würden sich ganz von selbst ansiedeln. Wenn die Bäume dann noch ein bisschen wachsen, wäre der Leipziger Platz ein echter Treffpunkt.


    Die Straße könnte man außen herum verschwenken, der U-Bahn-Zugang müsste evtl. verlegt werden, aber der will in der bestehenden Lage sowieso nicht recht zur Platzanlage passen.

    @ Schortschibähr

    Wieso keine Ziegelwand?

    Die Konstruktion ist eine andere. Beim Berliner Schloss handelt es sich um eine Ziegelwand, in die die Sandsteinelemente eingefügt, sozusagen eingemauert, sind. Dort, wo die Ziegel am Ende noch sichtbar sind, wird verputzt. Direkt hinter den Sandsteinelementen gibt es in der Regel auch kein Ziegelmauerwerk (im Einzelfall hängt das natürlich von der Einbindetiefe der Sandsteinelemente in die Mauer ab: die Gesimse gehen durch, einige kleinere Zierlemente eben nicht).


    Beim Pompei hingegen handelt es sich um eine vollflächige Sandsteinverkleidung, entsprechend massiv. Dort noch ein Ziegelmauerwerk dahinter zu setzen, macht also keinen Sinn. Es könnte aber sein, dass im 1. OG ein Ziegelmauerwerk folgt, denn es scheint dort ebenfalls nur verputzt zu werden, ebenfalls wie in Berlin mit einzelnen Sandsteinlementen wie die Balustrade unter den Fenstern. Ich meine auf den Fotos auch erkennen zu können, dass die Betonfassade im 1. OG zurückspringt (natürlich auch, weil sie noch die Säulen aufnehmen muss).

    Zu der Fugenthematik: Ich finde es immer wieder lustig, wie schnell hier die Pferde scheu gemacht werden. Wartet doch erst einmal ab, die Fassade ist doch noch lange nicht fertig. Ich bin überzeugt davon, dass die Fugen noch gefüllt werden. Es handelt sich ja nicht um eine hinterlüftete Fassade, sondern nur um eine normale Dämmung hinter dem Sandstein. (Der im übrigen so dick ist, dass eine weitere Ziegelmauerung dahinter keinen Sinn ergeben würde). Da man mit Sicherheit nicht will, dass die Dämmung von irgend welchen Krabbeltieren zerfressen wird oder sie durch eindringendes Wasser aufgeweicht und schimmelig wird, wodurch die Dämmfunktion nicht mehr gegeben wäre, wird man ganz sicher noch verfugen. Alles andere wäre bautechnischer Pfusch.