Posts by Querido

    Klar, solche und viele andere Ideen müssen schnell Realität werden, sonst wird der Lebensstandard tatsächlich rapide sinken. Die Kosten einer gravierenden Klimakatstrophe würden einfach unbezahlbar sein. Man sieht das ja schon heute: alleine eine einzige Flutkatastrophe im Ahrtal hat 30 Mrd Steuergelder zzgl. Mrd an Versicherungsprämien verschlungen und die Schäden sind damit noch lange nicht behoben.

    In den USA wurden die Schäden aus Extremwetterereignissen im letzten Jahr mit mindestens 100 Mrd Dollar beziffert und im laufenden Jahr werden sie noch deutlich höher sein. Munich Re schätzt schon die Schäden der letzten 40 Jahre auf 4,2 Bio. Dollar. Man kann das ja bei sich ständig verstärkenden Effekten mal auf die nächsten 100 oder 300 Jahre hochrechnen. Und dabei sind Kosten für Küstenschutz, Umsiedlungen, Trinkwasserversorgung, Brandschutz oder Migration noch gar nicht berücksichtigt. Und im deutschen Wahlkampf fragt man derweil nur nach den Kosten von Klimaschutz - da kann man echt nur den Kopf schütteln.


    Leider hat man hierzulande (und auch woanders) diesbezüglich einfach viel zu lange gepennt. Da sind die Chinesen tatsächlich in einigen Bereichen schon deutlich weiter, wie solche, solche oder solche Statistiken zeigen. Für Klimaschutz kann gar nicht genug ausgegeben werden. Jeder Euro spart ein Vielfaches an Opportunitätskosten. Das haben nur die meisten immer noch nicht begriffen.

    Dass es eine großflächige Überdachung von Autobahnen in Deutschland mit Solarpanels geben wird, kann ich mir nicht vorstellen, höchstens in Teilbereichen, wenn sie gleichzeitig dem Lärmschutz dienen.


    Was aber sehr viel eher der Fall sein kann ist, dass man die Fahrbahn direkt durch Solaranlagen ersetzt. Es gibt in den Niederlanden und in Frankreich schon seit Jahren ein paar Pilotprojekte, Radwege und selbst Straßen auf diese Weise auszustatten. Die Anlagen stellen natürlich erhebliche Anforderungen an die Haltbarkeit der Oberfläche. Bei Straßen scheint das deshalb noch nicht so richtig zu klappen, aber vielleicht bekommt man das demnächst ja besser in den Griff. Rad- und Gehwege sind dafür aber sicher besser geeignet, siehe z.B. hier.


    Bei den Dächern sind geneigte Flächen für Photovoltaikanlagen natürlich geeigneter, da sie durch den senkrechten Sonnenlichteinfall einen höheren Ertrag abwerfen. Deshalb haben Flachdächer den Nachteil, dass man zunächst eine Unterkonstruktion benötigt.


    Was die Optik anbelangt, wird man künftigen Solardächern aber kaum noch ansehen, ob es sich um normale Dachziegel oder um Solarziegel handelt. Es gibt heute schon eine Reihe von Anbietern, die letztere herstellen, darunter auch Tesla. Um historische Stadtbilder mache ich mir deshalb nicht all zu viele Sorgen. Denkmalzonen wird man ohnehin zunächst aussparen und Neubauten entstehen dort ja auch nicht allzu viele. Und in ein paar Jahren wird es wohl auch möglich sein, Solarziegel herzustellen, die von historischen Ziegeln kaum zu unterscheiden sind.


    Und was die Rentabilität anbelangt: Gerade mit der zunehmenden Elektromobilität werden Solardächer sicher immer rentabler werden, da dann endlich zu den Tageszeiten, an denen die Anlagen am meisten Strom produzieren, auch ein entsprechende Abnehmer (und gleichzeitiger Energiespeicher) in Form eines E-Autos vor der Haustür steht. Im Fall einer Dunkelflaute kann dann das Bier im Kühlschrank ggf. auch mithilfe der Autobatterie gekühlt werden.

    In dem Artikel des Darmstädter Echos steht, dass es wohl einen neuen Anlauf zur (Teil-) Rekonstruktion des alten Rathauses gebe. Es gab wohl 2018 bereits einen entsprechenden Antrag der SPD, der von der Stadtverordnetenversammlung aber abgelehnt wurde.


    Nun hatte sich der Ortsverband von Stadtbild Deutschland um den SPD-Fraktionsvorsitzenden erneut dem Thema angenommen und einen Ortstermin anberaumt. Es geht dabei um den Bereich um den denkmalgeschützen Gasthof "Zum grünen Laub"/"Zöllerhannes" in der Oberdorfer Straße, Ecke Schaafgasse. Der Vorschlag ziele darauf, "an der Stelle des historischen Rathauses ein neues Gebäude mit einer möglichst authentisch wiederhergestellten Renaissance-Fassade zu errichten, in dem auf zwei Etagen ein neuer Gastraum für das Restaurant Zöllerhannes entstehen könnte", wie es in dem Artikel heißt. Vorteil sei, "dass die Küche zwischen Bürgersaal und neuem Restaurant platziert werden und man das Gebäude mit dem bisherigen Lokal zur Schaffung von Wohnraum und damit einer Gegenfinanzierung nutzen könnte.", wie etwas holprig weiter ausgeführt wird.


    An dem Termin nahmen neben den Initiatoren auch die grüne Bundestagsabgeordnete Daniela Wagner und der SPD-Bundestagskandidat Larem teil. Die Grüne habe dem Artikel zufolge die Idee "grandios" befunden, der Sozialdemokrat habe zunächst eine Machbarkeitsstudie vorgeschlagen. Mit dem CDU-Bürgermeister wolle man in Kürze sprechen, sobald dieser aus dem Urlaub zurück sei.


    P.S. Der in #1 erwähnte historische "Riedhof" ist inzwischen abgerissen; er befand sich nur in etwa 150 m Entfernung.

    Die Nerostraße, in der du dich hier befindest, ist Zentrum. Sie befindet sich innerhalb des sog. Historischen Fünfecks , das auf den Generalbebauungsplan von Christian Zais aus dem Jahr 1818 zurückgeht. Es finden sich darin auch noch einige klassizistische Häuser, auch wenn viele später durch gründerzeitliche Neubauten ersetzt wurden. Fachwerkgebäude war auch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts meist noch günstiger als Steingebäude, auch wenn sie i.d.R. verputzt wurden und wie Steingebäude aussehen sollten. Das rechts neben dem Fachwerkgebäude stehende "Wirtshaus" (Nerostraße 24) - vermutlich um dieselbe Zeit errichtet - stammt bspw. aus dem Jahr 1810. Möglicherweise besteht es ebenfalls aus verputztem Fachwerk.

    Ups, das kannte ich noch nicht. Mir waren nur Mays Pläne für das sog. Villengebiet Ost ("Das neue Wiesbaden") bekannt. Dass er auch das Bergkirchenviertel platt machen wollte, ist mir neu. Zum Glück ist dieser Kelch an Wiesbaden vorbeigegangen... (hier übrigens in etwa dieselbe Perspektive wie auf dem von Wikos verlinkten Modell)

    Eduard, du hast vollkommen recht: In anderen Städten, sei es Frankfurt, Kassel oder Köln, befindet man sich heute einfach in modernen Städten. Es gibt hier zwar einige historische Gebäude, evtl. auch - wie in Frankfurt - ein paar wiederaufgebaute historische Ensembles, aber das mittelalterliche Flair ist dort vollkommen verloren gegangen, man spürt es an keiner Stelle - und vermisst es daher auch nicht. Man kann diese Städte einfach schön oder hässlich finden, sie sind eben, wie sie sind.

    In Nürnberg ist das aber anders, Wie du schreibst, geht man durch die historische Stadtbefestigung, sieht die Burg, die mittelalterlichen Großbauten, sieht hier und da historische Gebäude und kann sich ganz genau ausmalen, wie das Ganze bis zum 2. Weltkrieg ausgesehen haben muss: eine riesige, pittoreske, mittelalterliche Großstadt, wie es sie in dieser Form nirgendwo sonst gegeben hat.

    Gerade WEIL der Wiederaufbau einiges richtig gemacht hat - den weitgehenden Erhalt des alten Stadtgrundrisses, die Widerherstellung der Dachlandschaft, die Wiederherstellung wichtiger Großbauten - ist der mittelalterliche Charakter der Stadt zumindest in den Grundzügen erhalten geblieben und lässt den Besucher auf Schritt und Tritt die ehemalige Großartigkeit erahnen. Ich glaube, das ist es, was Ursus auch so stört an Nürnberg: der Phantomschmerz des Verlustes ist nirgendwo so groß wie hier.

    Wäre Nürnberg wieder aufgebaut worden wie Hannover, Pforzheim oder Kassel und es würden nur noch die Burg, die großen Kirchen und ein paar Stadttore stehen, dann wäre das wohl weitaus weniger der Fall. Das heißt, der im Ansatz eigentlich passable und sicher auch gut gemeinte Wiederaufbau Nürnbergs schafft das größte Problem: er zeigt überdeutlich, was alles verloren gegangen ist.

    Die Frage ist, wie man dieses Dilemma abmildern kann. Ich halte Nürnberg immer noch für eine schöne Stadt, aber es fehlen einfach die geschlossenen historischen Ensembles. Ich denke, wenn man in dieser Hinsicht eine Verbesserung erzielen würde, wäre schon viel gewonnen, etwa am Hauptmarkt, am Tiergärtnertor, unterhalb der Burg am Ölberg und der Burgstraße und in der Königstraße zwischen Pegnitz und Lorenzkirche.

    M. E. ist die Überschrift dieses Stranges eigentlich falsch. Zersiedelung gibt es in Deutschland dank der guten alten Raumordnung nicht. Zersiedelung meint nämlich eigentlich die Errichtung von Gebäuden außerhalb von geschlossenen Ortschaften und zwar ungeregelt. Das ist nicht nur in Dritt-Welt-Ländern üblich, sondern teilweise auch in Europa, man schaue nur in die Türkei, nach Irland oder Spanien. In Deutschland ist das zum Glück nicht gestattet, niemand darf einfach ein Haus irgendwo auf einem Acker errichten, von Bauernhöfen einmal abgesehen.


    Das Problem, das wir hier beklagen, nennt sich Flächenverbrauch oder Flächenfraß und das ist tatsächlich ein großes Problem auch hierzulande. Täglich (!) kommen in der Republik ca. 60 ha oder 100 Fußballfelder neue Verkehrs- und Siedlungsflächen hinzu und das in einem Land, das praktisch kein Bevölkerungswachstum hat bzw. dessen Bevölkerung auf absehbare Zeit eher noch deutlich sinken wird. Das liegt natürlich an der immer weiter steigenden Wohnfläche pro Einwohner, vor allem auch an der wachsenden Zahl von Single-Haushalten.

    Die Frage ist, wie man dieser Entwicklung entgegentreten will. Immerhin hat die Bundesregierung ja das Ziel ausgegeben, den Flächenfraß bis 2030 auf 30 ha pro Tag zu verringern (siehe hier). Ob das unter den gegenwärtigen Umständen realistisch ist, darf bezweifelt werden.


    M. E. liegt der Hauptgrund des Flächenverbrauchs in Deutschland in der Gemeindefinanzierung. Die deutschen Kommunen erzielen etwa 2/3 ihrer Einnahmen aus der Grund- und Gewerbesteuer (alleine letztere macht fast 50 % der Einnahmen aus). Das letzte Drittel besteht hauptsächlich aus der Beteiligung an der Einkommenssteuer, aus Länderzuschüssen und aus dem kommunalen Finanzausgleich. Auf diese letztgenannten Einnahmen haben die Kommunen aber praktisch keinen Einfluss.


    Da die meisten deutschen Kommunen nun aber ziemlich klamm sind (u. a. weil die Sozialausgaben seit Jahren steigen, sodass immer weniger für Investitionen übrig bleibt) sind sie gezwungen, irgendwie neue Einnahmen zu generieren. Dazu haben sie eigentlich nur 2 Möglichkeiten: Erstens können sie die Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer erhöhen. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, da zu hohe Hebesätze dazu führen können, dass Unternehmen (oder Einwohner) in Nachbargemeinden abwandern. Deshalb werden die meisten Kommunen davor zurückschrecken und stattdessen auf Mittel Nr. 2 zurückgreifen: die Ausweisung neuer Gewerbe- und Wohngebiete! Das führt dazu, dass praktisch jede Gemeinde - und sei sie noch so verkehrsungünstig gelegen - neue Gewerbegebiete ausweist und praktisch jede Gemeinde ein Neubaugebiet hat, obwohl der Bedarf an neuem Wohnraum gar nicht gegeben ist. Zur Not ziehen dann eben Leute aus den alten Dorfkernen in diese neuen Wohngebiete, die Einnahmen der Kommunen steigen (durch die größeren Grundstücke) und die alten Dorfkerne verfallen.


    Darum ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Handlungsfelder gegen den Flächenfraß eine Reform der Gemeindefinanzierung. Und in Gegenden, in denen Wohnungsknappheit herrscht, muss zunehmend auf Verdichtung in den vorhandenen Siedlungsgebieten gesetzt werden, auch damit die vorhandenen Erholungsräume erhalten werden können.


    Immerhin hat uns die Pandemie ja eines gezeigt: Dass nämlich die Landflucht - also raus aus der ländlichen Fläche rein in die wenigen großen Ballungsräume - nicht mehr unbedingt das einzig Erstrebenswerte ist.. Dank Homeoffice ist die Nähe zum Arbeitsplatz nicht mehr unbedingt erforderlich und zu viele Nachbarn auf zu engem Raum können - wie wir alle gerade erleben - auch unangenehme Nebenwirkungen haben.

    Schöne historische Marktplätze gibt es doch in Deutschland eine ganze Menge, gerade auch in kleineren Städten.

    Um nur ein paar aus Hessen zu nennen (von Süd nach Nord):


    - Hirschhorn

    - Heppenheim

    - Bensheim

    - Zwingenberg

    - Michelstadt

    - Erbach

    - Groß-Umstadt

    - Seligenstadt, Marktplatz/Freihofplatz

    - Wiesbaden, Schlossplatz

    - Frankfurt-Höchst, Schlossplatz

    - Gelnhausen, Obermarkt/Untermarkt

    - Idstein. König-Adolf-Platz

    - Limburg. u.a. Bischofsplatz/Domplatz

    - Weilburg

    - Braunfels

    - Herborn

    - Butzbach

    - Münzenberg

    - Alsfeld

    - Fulda, Domplatz

    - Schlitz

    - Marburg

    - Homberg (Ohm)

    - Frankenberg

    - Bad Wildungen

    - Fritzlar

    - Homberg (Efze)

    - Melsungen

    - Wolfhagen, Kirchplatz

    - Hofgeismar

    Die Zahl der herzustellenden Stellplätze ergibt sich aus Anlage 2: Bei Museen 1 Stellplatz/200qm Ausstellungsfläche.

    Da können ja alle jetzt mal rechnen...

    ok, wieviel Ausstellungsfläche haben wir? 28.000 qm? Ergibt also 140 Fahrradstellplätze. Bisher haben sie auf dem Schlossplatz 30 Bügel montiert - also für 60 Räder. Vielleicht kommen hier noch 10 hinzu, dann wären das 80. Außerdem gibt es bereits ein paar Bügel auf der Ostseite oberhalb der südlichen Rampe. Hier also vielleicht noch mal für 20 oder 40 Räder. Dann ist davon auszugehen, dass irgendwo noch 10 oder 20 Bügel fehlen - vielleicht nochmal auf der Ostseite oder irgendwo auf der Nord- oder Westseite...


    Könnte aber natürlich auch sein, dass der Standort auf dem Schlossplatz nur provisorisch ist, bis Wippe und U-Bahn fertig sind und man dann dort (quasi zwischen U-Bahn und Haupteingang zum Humboldt-Forum) die Stellplätze installiert.

    Lieber CV, ich glaube eigentlich nicht, dass man das so pauschal sagen kann, dass regionaltypische Architektur per se ästhetischer, qualitätvoller oder identitätsstiftender wäre. Das Gegenteil kann sogar der Fall sein, also gerade nicht regionale Architektur kann Identität stiften, zumindest dann, wenn es sich um herausragende Architektur handelt. Man denke dabei nur an den Eiffelturm, das Wahrzeichen schlechthin von Paris und ganz Frankreich. Ist er ein regionaltypischer Bau? Doch wohl eher nicht. Wenn, dann hat er seine Vorbilder doch wohl eher in der Eisen- und Stahlbauweise Englands. Oder nehmen wir Washington D.C.: sind die klassizistischen Protzbauten wie das Kapitol oder das Lincoln Memorial dort typisch amerikanisch? Heute schon, ja, aber damals, vor 200 Jahren? Wohl auch eher nicht. Man hat sich hier eher an die Antike oder an europäische Vorbilder angelehnt.

    Regionaltypische Architektur ist doch meistens entstanden aus den vor Ort zur Verfügung stehenden Materialien oder aus klimatischen Gründen: in Norddeutschland, wo kaum Holz zur Verfügung stand, hat man auf Ziegel und Reetdächer zurückgegriffen, in der Nähe der Mittelgebirge dagegen eher Fachwerkbauten gebaut und im Schwarzwald oder den Apen gab es große Holzhäuser mit großen Dachüberständen. Heute, wo die meisten der gängigen Baumaterialien überall auf der Welt zur Verfügung stehen, nivelliert sich die architektonische Vielfalt doch zwangsläufig. Das war aber in der Vergangenheit auch schon nicht viel anders. Auch einem klassizistischen Protzbau siehst du nicht auf den ersten Blick an, ob er in Philadelphia, Liverpool, Moskau oder am Bund in Shanghai steht.

    Trotzdem denke ich, dass man auch dem Berliner Bahnhofsumfeld seinen Standort ansieht. Du oder auch ich sehen das vielleicht nicht auf den ersten Blick, da geht es uns ähnlich wie mit dem (gemäßigten) regionalen Dialekt: wir hören ihn nicht mehr, weil wir daran gewohnt sind. Genauso wie du in Kopenhagen oder London merkst, wo du dich befindest, wird ein Amerikaner oder Chinese in Berlin auf den ersten Blick sehen, wo er ist.

    Und dass nicht-regionale Architektur nicht heimelig wäre, kann man auch nicht behaupten: Wenn ich mir die schwedenrote Holzhütte auf das Seegrundstück in Castrop-Rauxel setze, dann ist das trotzdem genauso heimelig wie der chinesische Tempel im Kurpark von Bad Homburg.

    Ich glaube also eher, dass es gar nicht auf das regionaltypische ankommt, sondern eher darauf, ob es traditionelle und/oder qualitätvolle Architektur "fürs Auge" ist und nicht kalte, einfallslose Betonwohnblock-Moderne. Und da der Cube zweifellos kein langweiliges Gebäude ist, kann ich mit ihm sehr gut leben.


    P.S. Das Thema ist zugegebenermaßen etwas Off-topic, aber interessant

    Klar ist das ein Provisorium, das ist doch offensichtlich. Man wird die Fläche vor dem Westportal erst endgültig herstellen, wenn die beiden Nachbarbaustellen (Wippe und U5) geräumt sind, was ja auch Sinn macht. Es ist doch sehr löblich, dass man das Portal III offenbar im Dezember schon öffnen und den Schlossplatz komplett frei geben möchte, vermutlich auch die Spreeseite und die Lustgartenseite bis auf den Bereich westlich vom Portal IV.

    Das Schlimme ist, dass das architektonisch eigentlich anspruchvollste Gebäude der Reihe hier am allerwenigsten passt. Mir ist dieser Schultes-Bau an dieser Stelle echt ein Dorn im Auge, obwohl er für sich genommen sicher nicht schlecht ist. Aber bei seinen Nachbarn könnte man einfach nachträglich ein - vielleicht mit Kupferblech eingedecktes - Dach drauf packen, eine etwas wärmere Fassaden-Farbe wählen und das Ergebnis wäre einigermaßen annehmbar. Bei Schultes funktioniert das leider nicht. Man kann daher nur hoffen, dass die Bauakademie noch etwas rettet, sollte sie denn dereinst tatsächlich mal wieder kommen.

    Zulässig sind nach DIN 18040 max. 6 % Längsneigung, d.h. mit 100 m Rampenlänge könnte man - theoretisch - 6 Höhenmeter überwinden. Das könnte schon hinhauen. Allerdings wäre die Rampe dann trotzdem nicht richtlinienkonform . Denn auf einer barrierefreien Rampe sind nach jeweils 6 m Länge Zwischenpodeste ohne Längsneigung mit einer Länge von je 1,50 m anzuordnen, damit sich der Rolli beim hochfahren zwischendurch ausruhen kann und beim runterfahren im Zweifel abgebremst wird. Diese Zwischenpodeste kann ich hier bisher aber nicht erkennen. Außerdem ist beidseits vor der Wand auch noch ein Schrammbord einzubauen, damit der Rolli, der ins rollen gerät und deshalb in Richtung Wand lenkt, sich dabei nicht verletzen kann. Auch das kann ich hier bisher nicht erkennen. Ebenso wenig wie irgendwelche Leiteinrichtungen für Sehbehinderte.

    Ja, das ist der Kleine Kohn und er liegt zusammen mit dem Langen Franz an der gleichen Straße, nämlich der Buchgasse, die den Rathauskomplex nach Westen begrenzt. Das von dir verlinkte Foto zeigt die Bethmannstraße mit dem Langen Franz hinten, dem Nordbau rechts und der Paulskirche ganz rechts angeschnitten. Der Treppenturm links ist nicht der Kleine Kohn, aber auch er hat heute nicht mehr seine originale Spitze.

    Monoton? Lieblos? Furchbar unästhetisch? Ghettooptik? Im Ernst???


    Ich kann diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehen.


    Soweit ich das anhand der Fotos beurteilen kann, empfinde ich diese Bebauung als so ziemlich das Beste, was dieser Ecke passieren konnte: echte Kleinteiligkeit, maßstäblich, hochwertige Materialien, plastische Fassaden mit Gesimsen und Lisenen, stehende Fensterformate, abwechslungsreiche Formgebung, warme Farben, schöne Ensemblewirkung - einfach wunderbare, moderne, selbstbewusste Architektur, die sich trotzdem hinter den Prunkbauten am Platz zurücknimmt. Was wollt ihr denn mehr? Mir scheint, als sei man in Berlin und Potsdam etwas verwöhnt - im Rest der Republik findet man so etwas nämlich durchaus selten.


    Wie hätte eurer Meinung denn eine bessere Alternative aussehen sollen? Irgendein Pseudo-Neo-Neoklassizismus, bei dem womöglich die Proportionen nicht passen? Oder gar barocker Russen-Kitsch? Das hätte hier m. M. n. viel weniger gepasst. Ich bin eigentlich von dem, was hier entstanden ist, ziemlich begeistert.

    Ich meine mich erinnern zu können, dass sowohl Baden als auch Homburg in dem Roman namentlich erwähnt werden, Wiesbaden hingegen nicht. Somit kann Dostojewski mit seinem Roulettenburg nur Wiesbaden gemeint haben.

    Es ist ein bisschen schade, dass man sich bei den wassergebundenen Decken um die Bäumchen offenbar für ein graues Material entschieden hat. Das sieht aus der Ferne leider sehr nach Asphalt aus. Ein gelblicher Bodenbelag wäre wesentlich besser gewesen (der Goetheplatz in Frankfurt hätte eigentlich ein warnendes Beispiel sein können).


    Das Pflaster ansonsten finde ich in Ordnung, auch wenn die Verlegung im Segmentbogenverband authentischer gewesen wäre.

    Grundsätzlich gefällt mir die Gestaltung auch sehr gut, eine deutliche Verbesserung zum Vorentwurf auf jeden Fall. Ich finde, es ist eine eigenständige, moderne Interpretation traditioneller Lübecker Formen.

    Beim Erdgeschoss muss ich meinen Vorrednern aber beipflichten. Hier würde ich die Faltung ebenfalls nicht fortführen, alleine schon deshalb, weil die außen liegenden Kanten des Putzes sauber ausgeführt sein müssten, damit sie gut aussehen und hier auch leicht die Gefahr besteht, dass eine Ecke abbricht.

    Die Fenster würde ich ebenfalls einmal vertikal teilen, so wie im Haus links daneben.

    Im 1. und 2. OG wirkt die außen liegende Faltung unter den Fenstern auf mich wie eine Art Mini-Balkon. Um das zu betonen (und auch aus praktischen Erwägungen für die Bewohner), würde ich hier auch die französischen Geländer analog dazu mit einem "Knick" nach Außen ausführen. Die Alternative wäre, die Faltung in den Fensterachsen wegzulassen, sodass nur zwischen den Fenstern durchgehende Lisenen entstehen.

    Da im 3. OG die "Knickung" bei den Fenstern andersherum ist als in den 3 anderen Geschossen, würde ich überlegen, ob man die beiden Fenster nicht um eine Halbachse nach innen rückt. Das würde m. E. ein harmonischeres Bild ergeben, da die äußeren Lisenen dann durchgängig wären.


    Südlich sollte unbedingt auch wieder etwas gebaut werden, wenn auch nicht diese beiden Bauten aus der Gründerzeit. Sollte nur die Börse allein mit neugestalteter Südfassade wiedererrichtet werden, stünden mit der Paulskirche zwei Solitäre an einem gemeinsamen Vorplatz da, was städtebaulich gar nicht geht. Durch die Realisierung einer Bebauung im Süden erhielte die Paulskirche wieder einen auf drei Seiten (anstatt wie heute nur auf zwei Seiten) geschlossenen Vorplatz.

    Das finde ich in diesem Falle aber nicht so schlimm, die Paulskirche kann ruhig ein wenig Platz vertragen, damit sie besser wirkt, gerade die Eingangsseite mit Turm, siehe hier. Man könnte die Südseite der alten Börse analog zur Nord- bzw. Ostseite gestalten und in dem dadurch gewonnenen Innenraum z.B den Eingangsbereich mit Kasse/Garderobe unterbringen (oder die ganze Alte Börse als Cafe/Restaurant nutzen). Die frei gebliebene Fläche auf der Südseite könnte man weiterhin für Außengastronomie nutzen bzw. für den Weihnachtsmarkt. Außerdem müsste man die unterirdische Toilette nicht ändern.