Posts by Querido

    DIN-Normen stellen keine gesetzliche Verpflichtung dar, wie es etwa Gesetze oder Verordnungen tun. Aber sie sind Teil der sog. "anerkannten Regeln der Technik", auf die in vielen Gesetzen und Verordnungen verwiesen wird. Sie stellen sozusagen eine Mindestanforderung dar. Insbes. Bauunternehmen, die in einer öffentlichen Ausschreibungen mittels der VOB beauftragt werden, haben sich daran zu halten. In § 4 Abs. 2 Nr. 1 VOB/B etwa heißt es: "Der Auftragnehmer hat die Leistung unter eigener Verantwortung nach dem Vertrag auszuführen. Dabei hat er die anerkannten Regeln der Technik und die gesetzlichen und behördlichen Bestimmungen zu beachten." Halten sich Bauherr und Unternehmer nicht daran, haben sie im Zweifel ein Haftungsproblem.

    Na ja, ich finde es immer wieder etwas befremdlich, wenn so getan wird, als werde "von oben" - in diesem Fall von der "bösen" DB etwas über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden - das ist einfach nicht der Fall. Sicher, ich finde es auch sehr schade um das denkmalgeschützte Bestandsbauwerk und die umgebenden Gebäude. Aber zum Glück leben wir in einem Rechtsstaat und ein Planfeststellungsverfahren entspricht gewissermaßen dem demokratischen Entscheidungsprozess für oder wider ein solches Projekt.

    In einem Planfeststellungsverfahren werden alle Betroffenen gehört und am Ende entscheidet die Planfeststellungsbehörde - in diesem Fall das EBA - nach eingehender Abwägung, inwieweit (a) auf die Einzelinteressen der Betroffenen einzugehen ist und (b) ob letztlich diesen Einzelinteressen (z.B. der Anlieger) oder den Interessen der Allgemeinheit (z.B. nach guter Schieneninfrastruktur) der Vorzug zu geben ist. Im Planfeststellungsbeschluss zur Sternbrücke wird auf mehr als 30 Seiten eingehend erläutert, warum man sich für die Vorzugsvariante entschieden hat und was gegen eine Sanierung des Bestandsbauwerks spricht (Abschnitt B4.3).

    Natürlich gehört auch eine Klage zu den Möglichkeiten, die der Rechtsstaat bietet. Man braucht sich dann aber hinterher auch nicht zu beschweren, wenn Infrastrukturvorhaben in Deutschland 30 Jahre brauchen.

    Aber es ist in diesem Falle ja nicht so, dass die DB die Möglichkeit einer Sanierung des Bestandsbauwerks nicht untersucht hätte. Laut Planfeststellungsbeschluss wurden alleine 4 umfangreiche Gutachten erstellt, die genau diese Frage untersuchen. Dagegen sprachen u.a. der Lärmschutz, die Betriebseinschränkung während der Sanierungsphase, der fehlende Platz, um das Bestandsbauwerk ausheben, zu sanieren und wieder einheben zu können und schließlich die Unsicherheit bzgl. der Restnutzungsdauer nach Sanierung. Die Gutachten gehen wohl alle davon aus, dass diese nur unwesentlich verlängert werden könnte, was im Klartext hießt: man würde die Brücke in situ aufwändig und mit großen Betriebseinschränkungen sanieren, nur um dann in wenigen Jahren wieder vor exakt demselben Problem zu stehen.

    Der wichtigste Punkt aber, der gegen eine Sanierung spricht - und das muss man hier klar hervorheben - ist das Aufweitungsverlangen der Stadt. D.h. die Stadt als Straßenbaulastträger und Kreuzungspartner verlangt, dass die lichte Weite der Brücke erhöht wird und dass Zwischenstützen künftig entfallen sollen. Das macht ein Beibehalten des Ist-Zustandes unmöglich. Im Übrigen führt dieses Verlangen des Straßenbaulastträgers dazu, dass gem. § 12 Abs. 1 Nr. 2 EKrG (Eisenbahnkreuzungsgesetz) die Stadt einen Teil der Brücke mitfinanzieren muss. Dazu werden Fiktiventwürfe erstellt, auf deren Basis ein Kostenteilungsschlüssel ermittelt wird. Ich kenne die zu diesem Zweck erforderliche Kreuzungsvereinbarung zwischen DB und Stadt und die zugehörigen Fiktiventwürfe nicht, aber ich schätze, dass der Kostenanteil der Stadt bei ca. 50 bis 60 % liegt - oder konkret: von den 125 Mio. EUR Baukosten zahlt die Stadt vermutlich 65 bis 75 Mio. EUR und die DB nur den kleineren Anteil (zum Vergleich: würde die Stadt KEIN Aufweitungsverlangen äußern, dann müsste die DB nach § 12 Abs. 1 Nr. 1 EKrG ALLES zahlen!). Das bedeutet, dieses Aufweitungsverlangen ist für die Stadt alles andere als trivial, sondern kostet sie richtig Geld!

    Man kann daher auch sagen: Das Bahn-Bashing ist hier vollkommen unangebracht, denn letztlich entscheidend für den Abriss der alten Brücke und der umliegenden Gebäude ist das Aufweitungsverlangen des Kreuzungspartners Stadt und NICHT der Wunsch des Kreuzungspartners DB nach Sanierung ihres Bauwerks.

    Vorhabenträger ist die DB in erster Linie deshalb, weil die Planfeststellung nach Eisenbahnrecht (§ 18 AEG) und nicht nach Straßenrecht - was auch möglich gewesen wäre - erwirkt wurde und die DB die Baudurchführung übernimmt. Nach EKrG - und damit finanzierungstechnisch - ist es aber ein Gemeinschaftsvorhaben der DB und der Stadt.

    Ach ja: und was die Bäume betrifft: statt der 87 zu fällenden werden ja auch 215 neue gepflanzt.

    ^ Das ist so nicht richtig und ich glaube, hier liegt auch ein Missverständnis vor.

    Beim Bau des S-Bahn-Tunnels in den 1970er Jahren wurde der komplette Nordflügel (also der nördliche Teil des Kopfbaus) abgerissen, neu gebaut und die alten Fassadenteile vorgeblendet. Daher ist vom Original-Bau dort auch - bis auf die Fassade - nichts mehr übrig (siehe z.B. hier).

    Heute würde man das wahrscheinlich aus Denkmalschutzgründen so gar nicht mehr machen. Dass für den Bau des Fernbahntunnels der südliche Teil des Empfangsgebäudes abgebrochen werden soll, höre ich daher auch zum ersten mal und kann es mir auch nicht vorstellen, denn das wäre unnötig. Ich kann mir nur vorstellen, dass man vielleicht den südlichen Flügelbau, also den Teil entlang des Gleises 1 an der Mannheimer Straße abträgt, denn dort soll ja die Baugrube entstehen. Den Kopfbau wird man dabei aber wohl weitgehend unangetastet lassen, denn laut den mir bekannten Visualisierungen beginnen die neuen Bahnsteige bzw. die offene Baugrube erst westlich des Querbahnsteigs. Je nach Bauverfahren wird man sicher auch die Gleise 1a sowie 1 bis 3 - also diejenigen innerhalb der südlichen kleinen Halle - zumindest vorübergehend nicht nutzen können. Allerdings befindet man sich ja erst in der Vorplanung, da kann sich noch vieles tun.

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worüber sich hier einige so aufregen.

    Wenn man ehrlich ist, dann kann doch niemand, der vor Ort ist, die Inschrift der Kuppel tatsächlich lesen, höchstens einen Ausschnitt, der wenig Sinn ergibt. Wenn wirklich jemand daran Interesse hat, dann müsste er um das gesamte Gebäude herumlaufen, ggf. auch auf die Dachterrasse, um den gesamten Fries erfassen zu können. Da ist doch ein Schildchen, das die Inschrift zitiert, sie erläutert und ja, sie auch "kontextualisiert" ganz sinnvoll. Denn: was schadet es denn? In der ganzen Stadt stehen überall irgendwelche Schildchen, über deren Inhalt man sich streiten könnte. Wen stört es? Wer es nicht lesen möchte, der muss ja nicht.

    Und was das Licht-Kunstobjekt anbelangt: Das finde ich richtig super! Jede nächtliche Illumination von Gebäuden finde ich - solange es keine lästige Werbung ist - super. Man schaue beispielsweise nur nach Frankreich, die sind wahre Meister darin. Wer schon einmal eine illuminierte Fassade einer französischen gotischen Kathedrale gesehen hat, der weiß, von was ich rede. Wahrzeichen sind überall auf der Welt nächtlich illuminiert. Ich glaube nicht, dass irgendwer die nächtlichen Sterne des Eiffelturms lächerlich findet oder der Meinung ist, dass sie ihm seine Würde nehmen. Die Illumination wertet ein Gebäude auf und zeigt seine Wichtigkeit, zumal die Inschrift momentan nachts erst recht nicht zu lesen ist. Darum kann man dieses geplante Kunstobjekt am Schloss doch nur begrüßen!

    Und überhaupt: Was ist denn dagegen einzuwenden, die wichtigsten Paragraphen unseres Grundgesetzes auf den Fries zu projizieren? Gibt es denn in Deutschland einen "heiligeren" Text als diesen? Was zeigt denn die Weltoffenheit und Humanität dieses Landes besser, als dieser Text? Ich kann daran absolut nichts Verwerfliches finden.

    Der Geist, der dahinter steckt, ist eben genau das Gegenteil von demjenigen, der einem Gefasel von "rot-linksextremistische Bundesregierung" (geht's noch?) oder "Kein Land geht so mit der eigenen Kultur um" (ist dir überhaupt bewusst, was "Kultur" eigentlich heißt?) zugrunde liegt. Wenn man sich diesen Widerspruch vor Augen führt, dann müssten hier einige Schreiberlinge schamlos im Boden versinken...

    Es scheint im Eiltempo voran zu gehen...

    Sollten sie die Termine einhalten, dann ist das tatsächlich Eiltempo - und das meine ich vollkommen ohne Ironie. So sind die Planungszeiträume, Regularien und Genehmigungsprozesse in Deutschland nun einmal: Wenn sie sich aktuell in der Vorplanung befinden und sie 2029 in Betrieb gehen wollen, dann ist das sogar äußerst ambitioniert, um nicht zu sagen: äußerst optimistisch. Annahme: VEP (Lph 2) fertig bis 06/23, EP (Lph 3) fertig bis 06/24, Genehmigungsplanung mit Planfeststellung (Lph 4) bis 06/26, Ausschreibung & Vergabe (Lph 6+7) bis 06/27, Ausführungsplanung (Lph 5) + Bau: 2 Jahre - voilà: IBN Mitte 2029 (unter der Voraussetzung, dass der Unternehmer die AP erstellt, bei Ing.-Bauwerken ist das üblich, bei Straßenplanungen häufig nicht). Etwaige Zeitbedarfe für die Finanzierung - wenn sie denn nicht parallel läuft - kommen ggf. noch hinzu.

    Die Norweger können moderne Architektur ja eigentlich ganz gut, wie dieses oder diese Bespiele zeigen. Im Fall des neuen Museums kann man hier oder dort schon ganz gut erkennen, wie das wirken wird. Die flacheren Gebäudeteile passen sich der Kubatur der benachbarten Altbauten (vor allem des Friedenszentrums) eigentlich ganz gut an und der höhere Riegel dahinter harmoniert auch mit den größeren Blöcken in der Umgebung. Schlimm ist nur dieser 70er-Jahre-Klotz rechts daneben/gegenüber.

    ^

    Na ja, das Portal ist weder "überflüssig" noch hat das etwas mit dem "schieren Hass gegenwärtiger Architekten auf unser Kulturerbe" zu tun, sondern ganz im Gegenteil: Du hast es doch selbst zitiert: an dem gotischen Westportal ist noch die sehr selten erhaltene mittelalterliche Farbfassung erhalten. Man hat einen Weg gesucht, dies zu erhalten, indem man es vor der Witterung schützt und damit eben genau jenes Kulturerbe, von dem du sprichst, bewahrt.

    Es gab also einen Wettbewerb, die Architekten haben sich beworben und somit nur ihren Job gemacht. Ich finde den Siegerentwurf sogar ziemlich gut, da er sich an die gotischen Portalformen anlehnt und in der Frontansicht sogar optisch aus dem einen Portal derer 3 macht, wie das bei vielen anderen gotischen Kathedralen in Frankreich und anderswo auch der Fall ist.

    Klar wäre ganz ohne schöner, aber was will man machen? Bloß einen schnöden Wetterschutz davor zu setzen, um das Portal zu schützen, wäre sicher die schlechtere Lösung gewesen.

    So sieht es dort übrigens heute aus und in Bild Nr. 9 unter deinem Link ist die geplante (Haupt-) Ansicht zu sehen - m.E. sehr gefällig, fast besser als vorher.

    Das Problem ist doch nicht der Spiegel. Das Problem ist, dass er mit diesem Artikel (vermutlich) sehr recht hat. ("Vermutlich" deswegen, weil ich den Artikel auch noch nicht gelesen habe, aber das wohl am Samstag nachhole).

    Dass die Rechten unserem gemeinsamen Anliegen hier einen Bärendienst erweisen, ist doch offensichtlich. Dazu bedarf es doch eigentlich gar keiner intensiven Recherche durch den Spiegel.

    Dieses Forum ist doch das beste Beispiel dafür: die stramm-rechten politischen Kommentare, die hier teilweise ohne Scham geäußert werden, kann man eigentlich niemandem zumuten. Und alleine der Aufruhr in den letzten Beiträgen enthält doch schon den ganzen Werkzeugkasten dessen, was man aus der rechten Ecke seit Jahren gewohnt ist: Ad-hominem-Argumentation, Unwahrheiten, Diffamierungen, Verhöhnungen, Falschbehauptungen, unangebrachte Vergleiche, Whataboutism - nur leider keine Spur einer sachlichen Diskussion.

    Da muss es doch niemanden wundern, dass Rekonstruktionen in Deutschland vielfach schon deshalb abgelehnt werden, weil sich der Bauherr gar nicht erst dem Verdacht ausgesetzt sehen möchte, mit dieser politischen Gesinnung irgendetwas gemein haben zu können. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum gerade in Deutschland praktisch überhaupt nicht historisch gebaut wird - wie etwa in den USA oder UK - sondern bestenfalls historisierend, d.h. sich dabei bewusst vom echten historischen Vorbild abgrenzend. Und echte Rekonstruktionen gibt es deswegen hierzulande auch sehr selten - eben nur bei besonderen Gebäuden wie dem Berliner Schloss oder dann, wenn der Bauherr ein besonderes Interesse daran hat.

    (Ich könnte jetzt auch noch einiges zum Thema Spiegel richtigstellen, lasse es aber, weil es nicht zum Thema gehört. Der Shitstorm aus einer Richtung kommt wahrscheinlich sowieso... )

    Ich denke, man muss hier etwas unterscheiden zwischen einerseits Kriegsruinen, die bewusst so belassen wurden, um als "Mahnmal" zu dienen (davon gibt es ja eine ganze Menge, vor allem Kirchen wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die Nikolaikirche in Hamburg oder das Beispiel meines Vorredners) und andererseits solchen, bei denen man es in einem Dreiviertel Jahrhundert nicht geschafft hat, die Gebäude wieder aufzubauen bzw. die Ruinen abzuräumen. und neu zu bebauen. Dazu zähle ich auch solche, die man notdürftig wieder hergestellt hat, um vielleicht das Erdgeschoss noch zu nutzen, bei denen aber noch deutlich erkennbar ist, das dort mal ein größerer Altbau stand. Kriegsruinen der ersten Kategorie gibt es in Deutschland wahrscheinlich Dutzende, der zweiten sicher noch Tausende.

    Aus Darmstadt beispielsweise gibt es dazu auch je Beispiele: einerseits die ehemalige sog. Stadtkapelle, von der nur noch 3 Seitenwände stehen, heute Mahnmal, und andererseits sowas, ein recht großes Areal an der Ecke Bleichstraße/Luisenstraße, heute weitgehend nur im Erdgeschoss genutzt - und das in allerbester Innenstadtlage, nur einen Steinwurf vom zentralen Luisenplatz und vom Schloss entfernt. Und dabei zählt Darmstadt mit Sicherheit nicht zu einer strukturschwachen Region, wo die Grundstückspreise niedrig wären - ganz im Gegenteil.

    Klar, solche und viele andere Ideen müssen schnell Realität werden, sonst wird der Lebensstandard tatsächlich rapide sinken. Die Kosten einer gravierenden Klimakatstrophe würden einfach unbezahlbar sein. Man sieht das ja schon heute: alleine eine einzige Flutkatastrophe im Ahrtal hat 30 Mrd Steuergelder zzgl. Mrd an Versicherungsprämien verschlungen und die Schäden sind damit noch lange nicht behoben.

    In den USA wurden die Schäden aus Extremwetterereignissen im letzten Jahr mit mindestens 100 Mrd Dollar beziffert und im laufenden Jahr werden sie noch deutlich höher sein. Munich Re schätzt schon die Schäden der letzten 40 Jahre auf 4,2 Bio. Dollar. Man kann das ja bei sich ständig verstärkenden Effekten mal auf die nächsten 100 oder 300 Jahre hochrechnen. Und dabei sind Kosten für Küstenschutz, Umsiedlungen, Trinkwasserversorgung, Brandschutz oder Migration noch gar nicht berücksichtigt. Und im deutschen Wahlkampf fragt man derweil nur nach den Kosten von Klimaschutz - da kann man echt nur den Kopf schütteln.

    Leider hat man hierzulande (und auch woanders) diesbezüglich einfach viel zu lange gepennt. Da sind die Chinesen tatsächlich in einigen Bereichen schon deutlich weiter, wie solche, solche oder solche Statistiken zeigen. Für Klimaschutz kann gar nicht genug ausgegeben werden. Jeder Euro spart ein Vielfaches an Opportunitätskosten. Das haben nur die meisten immer noch nicht begriffen.

    Dass es eine großflächige Überdachung von Autobahnen in Deutschland mit Solarpanels geben wird, kann ich mir nicht vorstellen, höchstens in Teilbereichen, wenn sie gleichzeitig dem Lärmschutz dienen.

    Was aber sehr viel eher der Fall sein kann ist, dass man die Fahrbahn direkt durch Solaranlagen ersetzt. Es gibt in den Niederlanden und in Frankreich schon seit Jahren ein paar Pilotprojekte, Radwege und selbst Straßen auf diese Weise auszustatten. Die Anlagen stellen natürlich erhebliche Anforderungen an die Haltbarkeit der Oberfläche. Bei Straßen scheint das deshalb noch nicht so richtig zu klappen, aber vielleicht bekommt man das demnächst ja besser in den Griff. Rad- und Gehwege sind dafür aber sicher besser geeignet, siehe z.B. hier.

    Bei den Dächern sind geneigte Flächen für Photovoltaikanlagen natürlich geeigneter, da sie durch den senkrechten Sonnenlichteinfall einen höheren Ertrag abwerfen. Deshalb haben Flachdächer den Nachteil, dass man zunächst eine Unterkonstruktion benötigt.

    Was die Optik anbelangt, wird man künftigen Solardächern aber kaum noch ansehen, ob es sich um normale Dachziegel oder um Solarziegel handelt. Es gibt heute schon eine Reihe von Anbietern, die letztere herstellen, darunter auch Tesla. Um historische Stadtbilder mache ich mir deshalb nicht all zu viele Sorgen. Denkmalzonen wird man ohnehin zunächst aussparen und Neubauten entstehen dort ja auch nicht allzu viele. Und in ein paar Jahren wird es wohl auch möglich sein, Solarziegel herzustellen, die von historischen Ziegeln kaum zu unterscheiden sind.

    Und was die Rentabilität anbelangt: Gerade mit der zunehmenden Elektromobilität werden Solardächer sicher immer rentabler werden, da dann endlich zu den Tageszeiten, an denen die Anlagen am meisten Strom produzieren, auch ein entsprechende Abnehmer (und gleichzeitiger Energiespeicher) in Form eines E-Autos vor der Haustür steht. Im Fall einer Dunkelflaute kann dann das Bier im Kühlschrank ggf. auch mithilfe der Autobatterie gekühlt werden.

    In dem Artikel des Darmstädter Echos steht, dass es wohl einen neuen Anlauf zur (Teil-) Rekonstruktion des alten Rathauses gebe. Es gab wohl 2018 bereits einen entsprechenden Antrag der SPD, der von der Stadtverordnetenversammlung aber abgelehnt wurde.

    Nun hatte sich der Ortsverband von Stadtbild Deutschland um den SPD-Fraktionsvorsitzenden erneut dem Thema angenommen und einen Ortstermin anberaumt. Es geht dabei um den Bereich um den denkmalgeschützen Gasthof "Zum grünen Laub"/"Zöllerhannes" in der Oberdorfer Straße, Ecke Schaafgasse. Der Vorschlag ziele darauf, "an der Stelle des historischen Rathauses ein neues Gebäude mit einer möglichst authentisch wiederhergestellten Renaissance-Fassade zu errichten, in dem auf zwei Etagen ein neuer Gastraum für das Restaurant Zöllerhannes entstehen könnte", wie es in dem Artikel heißt. Vorteil sei, "dass die Küche zwischen Bürgersaal und neuem Restaurant platziert werden und man das Gebäude mit dem bisherigen Lokal zur Schaffung von Wohnraum und damit einer Gegenfinanzierung nutzen könnte.", wie etwas holprig weiter ausgeführt wird.

    An dem Termin nahmen neben den Initiatoren auch die grüne Bundestagsabgeordnete Daniela Wagner und der SPD-Bundestagskandidat Larem teil. Die Grüne habe dem Artikel zufolge die Idee "grandios" befunden, der Sozialdemokrat habe zunächst eine Machbarkeitsstudie vorgeschlagen. Mit dem CDU-Bürgermeister wolle man in Kürze sprechen, sobald dieser aus dem Urlaub zurück sei.

    P.S. Der in #1 erwähnte historische "Riedhof" ist inzwischen abgerissen; er befand sich nur in etwa 150 m Entfernung.

    Die Nerostraße, in der du dich hier befindest, ist Zentrum. Sie befindet sich innerhalb des sog. Historischen Fünfecks , das auf den Generalbebauungsplan von Christian Zais aus dem Jahr 1818 zurückgeht. Es finden sich darin auch noch einige klassizistische Häuser, auch wenn viele später durch gründerzeitliche Neubauten ersetzt wurden. Fachwerkgebäude war auch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts meist noch günstiger als Steingebäude, auch wenn sie i.d.R. verputzt wurden und wie Steingebäude aussehen sollten. Das rechts neben dem Fachwerkgebäude stehende "Wirtshaus" (Nerostraße 24) - vermutlich um dieselbe Zeit errichtet - stammt bspw. aus dem Jahr 1810. Möglicherweise besteht es ebenfalls aus verputztem Fachwerk.

    Ups, das kannte ich noch nicht. Mir waren nur Mays Pläne für das sog. Villengebiet Ost ("Das neue Wiesbaden") bekannt. Dass er auch das Bergkirchenviertel platt machen wollte, ist mir neu. Zum Glück ist dieser Kelch an Wiesbaden vorbeigegangen... (hier übrigens in etwa dieselbe Perspektive wie auf dem von Wikos verlinkten Modell)

    Eduard, du hast vollkommen recht: In anderen Städten, sei es Frankfurt, Kassel oder Köln, befindet man sich heute einfach in modernen Städten. Es gibt hier zwar einige historische Gebäude, evtl. auch - wie in Frankfurt - ein paar wiederaufgebaute historische Ensembles, aber das mittelalterliche Flair ist dort vollkommen verloren gegangen, man spürt es an keiner Stelle - und vermisst es daher auch nicht. Man kann diese Städte einfach schön oder hässlich finden, sie sind eben, wie sie sind.

    In Nürnberg ist das aber anders, Wie du schreibst, geht man durch die historische Stadtbefestigung, sieht die Burg, die mittelalterlichen Großbauten, sieht hier und da historische Gebäude und kann sich ganz genau ausmalen, wie das Ganze bis zum 2. Weltkrieg ausgesehen haben muss: eine riesige, pittoreske, mittelalterliche Großstadt, wie es sie in dieser Form nirgendwo sonst gegeben hat.

    Gerade WEIL der Wiederaufbau einiges richtig gemacht hat - den weitgehenden Erhalt des alten Stadtgrundrisses, die Widerherstellung der Dachlandschaft, die Wiederherstellung wichtiger Großbauten - ist der mittelalterliche Charakter der Stadt zumindest in den Grundzügen erhalten geblieben und lässt den Besucher auf Schritt und Tritt die ehemalige Großartigkeit erahnen. Ich glaube, das ist es, was Ursus auch so stört an Nürnberg: der Phantomschmerz des Verlustes ist nirgendwo so groß wie hier.

    Wäre Nürnberg wieder aufgebaut worden wie Hannover, Pforzheim oder Kassel und es würden nur noch die Burg, die großen Kirchen und ein paar Stadttore stehen, dann wäre das wohl weitaus weniger der Fall. Das heißt, der im Ansatz eigentlich passable und sicher auch gut gemeinte Wiederaufbau Nürnbergs schafft das größte Problem: er zeigt überdeutlich, was alles verloren gegangen ist.

    Die Frage ist, wie man dieses Dilemma abmildern kann. Ich halte Nürnberg immer noch für eine schöne Stadt, aber es fehlen einfach die geschlossenen historischen Ensembles. Ich denke, wenn man in dieser Hinsicht eine Verbesserung erzielen würde, wäre schon viel gewonnen, etwa am Hauptmarkt, am Tiergärtnertor, unterhalb der Burg am Ölberg und der Burgstraße und in der Königstraße zwischen Pegnitz und Lorenzkirche.

    M. E. ist die Überschrift dieses Stranges eigentlich falsch. Zersiedelung gibt es in Deutschland dank der guten alten Raumordnung nicht. Zersiedelung meint nämlich eigentlich die Errichtung von Gebäuden außerhalb von geschlossenen Ortschaften und zwar ungeregelt. Das ist nicht nur in Dritt-Welt-Ländern üblich, sondern teilweise auch in Europa, man schaue nur in die Türkei, nach Irland oder Spanien. In Deutschland ist das zum Glück nicht gestattet, niemand darf einfach ein Haus irgendwo auf einem Acker errichten, von Bauernhöfen einmal abgesehen.

    Das Problem, das wir hier beklagen, nennt sich Flächenverbrauch oder Flächenfraß und das ist tatsächlich ein großes Problem auch hierzulande. Täglich (!) kommen in der Republik ca. 60 ha oder 100 Fußballfelder neue Verkehrs- und Siedlungsflächen hinzu und das in einem Land, das praktisch kein Bevölkerungswachstum hat bzw. dessen Bevölkerung auf absehbare Zeit eher noch deutlich sinken wird. Das liegt natürlich an der immer weiter steigenden Wohnfläche pro Einwohner, vor allem auch an der wachsenden Zahl von Single-Haushalten.

    Die Frage ist, wie man dieser Entwicklung entgegentreten will. Immerhin hat die Bundesregierung ja das Ziel ausgegeben, den Flächenfraß bis 2030 auf 30 ha pro Tag zu verringern (siehe hier). Ob das unter den gegenwärtigen Umständen realistisch ist, darf bezweifelt werden.

    M. E. liegt der Hauptgrund des Flächenverbrauchs in Deutschland in der Gemeindefinanzierung. Die deutschen Kommunen erzielen etwa 2/3 ihrer Einnahmen aus der Grund- und Gewerbesteuer (alleine letztere macht fast 50 % der Einnahmen aus). Das letzte Drittel besteht hauptsächlich aus der Beteiligung an der Einkommenssteuer, aus Länderzuschüssen und aus dem kommunalen Finanzausgleich. Auf diese letztgenannten Einnahmen haben die Kommunen aber praktisch keinen Einfluss.

    Da die meisten deutschen Kommunen nun aber ziemlich klamm sind (u. a. weil die Sozialausgaben seit Jahren steigen, sodass immer weniger für Investitionen übrig bleibt) sind sie gezwungen, irgendwie neue Einnahmen zu generieren. Dazu haben sie eigentlich nur 2 Möglichkeiten: Erstens können sie die Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer erhöhen. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, da zu hohe Hebesätze dazu führen können, dass Unternehmen (oder Einwohner) in Nachbargemeinden abwandern. Deshalb werden die meisten Kommunen davor zurückschrecken und stattdessen auf Mittel Nr. 2 zurückgreifen: die Ausweisung neuer Gewerbe- und Wohngebiete! Das führt dazu, dass praktisch jede Gemeinde - und sei sie noch so verkehrsungünstig gelegen - neue Gewerbegebiete ausweist und praktisch jede Gemeinde ein Neubaugebiet hat, obwohl der Bedarf an neuem Wohnraum gar nicht gegeben ist. Zur Not ziehen dann eben Leute aus den alten Dorfkernen in diese neuen Wohngebiete, die Einnahmen der Kommunen steigen (durch die größeren Grundstücke) und die alten Dorfkerne verfallen.

    Darum ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Handlungsfelder gegen den Flächenfraß eine Reform der Gemeindefinanzierung. Und in Gegenden, in denen Wohnungsknappheit herrscht, muss zunehmend auf Verdichtung in den vorhandenen Siedlungsgebieten gesetzt werden, auch damit die vorhandenen Erholungsräume erhalten werden können.

    Immerhin hat uns die Pandemie ja eines gezeigt: Dass nämlich die Landflucht - also raus aus der ländlichen Fläche rein in die wenigen großen Ballungsräume - nicht mehr unbedingt das einzig Erstrebenswerte ist.. Dank Homeoffice ist die Nähe zum Arbeitsplatz nicht mehr unbedingt erforderlich und zu viele Nachbarn auf zu engem Raum können - wie wir alle gerade erleben - auch unangenehme Nebenwirkungen haben.

    Schöne historische Marktplätze gibt es doch in Deutschland eine ganze Menge, gerade auch in kleineren Städten.

    Um nur ein paar aus Hessen zu nennen (von Süd nach Nord):

    - Hirschhorn

    - Heppenheim

    - Bensheim

    - Zwingenberg

    - Michelstadt

    - Erbach

    - Groß-Umstadt

    - Seligenstadt, Marktplatz/Freihofplatz

    - Wiesbaden, Schlossplatz

    - Frankfurt-Höchst, Schlossplatz

    - Gelnhausen, Obermarkt/Untermarkt

    - Idstein. König-Adolf-Platz

    - Limburg. u.a. Bischofsplatz/Domplatz

    - Weilburg

    - Braunfels

    - Herborn

    - Butzbach

    - Münzenberg

    - Alsfeld

    - Fulda, Domplatz

    - Schlitz

    - Marburg

    - Homberg (Ohm)

    - Frankenberg

    - Bad Wildungen

    - Fritzlar

    - Homberg (Efze)

    - Melsungen

    - Wolfhagen, Kirchplatz

    - Hofgeismar

    Die Zahl der herzustellenden Stellplätze ergibt sich aus Anlage 2: Bei Museen 1 Stellplatz/200qm Ausstellungsfläche.

    Da können ja alle jetzt mal rechnen...

    ok, wieviel Ausstellungsfläche haben wir? 28.000 qm? Ergibt also 140 Fahrradstellplätze. Bisher haben sie auf dem Schlossplatz 30 Bügel montiert - also für 60 Räder. Vielleicht kommen hier noch 10 hinzu, dann wären das 80. Außerdem gibt es bereits ein paar Bügel auf der Ostseite oberhalb der südlichen Rampe. Hier also vielleicht noch mal für 20 oder 40 Räder. Dann ist davon auszugehen, dass irgendwo noch 10 oder 20 Bügel fehlen - vielleicht nochmal auf der Ostseite oder irgendwo auf der Nord- oder Westseite...

    Könnte aber natürlich auch sein, dass der Standort auf dem Schlossplatz nur provisorisch ist, bis Wippe und U-Bahn fertig sind und man dann dort (quasi zwischen U-Bahn und Haupteingang zum Humboldt-Forum) die Stellplätze installiert.

    Lieber CV, ich glaube eigentlich nicht, dass man das so pauschal sagen kann, dass regionaltypische Architektur per se ästhetischer, qualitätvoller oder identitätsstiftender wäre. Das Gegenteil kann sogar der Fall sein, also gerade nicht regionale Architektur kann Identität stiften, zumindest dann, wenn es sich um herausragende Architektur handelt. Man denke dabei nur an den Eiffelturm, das Wahrzeichen schlechthin von Paris und ganz Frankreich. Ist er ein regionaltypischer Bau? Doch wohl eher nicht. Wenn, dann hat er seine Vorbilder doch wohl eher in der Eisen- und Stahlbauweise Englands. Oder nehmen wir Washington D.C.: sind die klassizistischen Protzbauten wie das Kapitol oder das Lincoln Memorial dort typisch amerikanisch? Heute schon, ja, aber damals, vor 200 Jahren? Wohl auch eher nicht. Man hat sich hier eher an die Antike oder an europäische Vorbilder angelehnt.

    Regionaltypische Architektur ist doch meistens entstanden aus den vor Ort zur Verfügung stehenden Materialien oder aus klimatischen Gründen: in Norddeutschland, wo kaum Holz zur Verfügung stand, hat man auf Ziegel und Reetdächer zurückgegriffen, in der Nähe der Mittelgebirge dagegen eher Fachwerkbauten gebaut und im Schwarzwald oder den Apen gab es große Holzhäuser mit großen Dachüberständen. Heute, wo die meisten der gängigen Baumaterialien überall auf der Welt zur Verfügung stehen, nivelliert sich die architektonische Vielfalt doch zwangsläufig. Das war aber in der Vergangenheit auch schon nicht viel anders. Auch einem klassizistischen Protzbau siehst du nicht auf den ersten Blick an, ob er in Philadelphia, Liverpool, Moskau oder am Bund in Shanghai steht.

    Trotzdem denke ich, dass man auch dem Berliner Bahnhofsumfeld seinen Standort ansieht. Du oder auch ich sehen das vielleicht nicht auf den ersten Blick, da geht es uns ähnlich wie mit dem (gemäßigten) regionalen Dialekt: wir hören ihn nicht mehr, weil wir daran gewohnt sind. Genauso wie du in Kopenhagen oder London merkst, wo du dich befindest, wird ein Amerikaner oder Chinese in Berlin auf den ersten Blick sehen, wo er ist.

    Und dass nicht-regionale Architektur nicht heimelig wäre, kann man auch nicht behaupten: Wenn ich mir die schwedenrote Holzhütte auf das Seegrundstück in Castrop-Rauxel setze, dann ist das trotzdem genauso heimelig wie der chinesische Tempel im Kurpark von Bad Homburg.

    Ich glaube also eher, dass es gar nicht auf das regionaltypische ankommt, sondern eher darauf, ob es traditionelle und/oder qualitätvolle Architektur "fürs Auge" ist und nicht kalte, einfallslose Betonwohnblock-Moderne. Und da der Cube zweifellos kein langweiliges Gebäude ist, kann ich mit ihm sehr gut leben.

    P.S. Das Thema ist zugegebenermaßen etwas Off-topic, aber interessant