Posts by bilderbuch

    Wenn das sogenannte Neue Palais überhaupt eine sehenswerte Seite hat, dann ist es doch wohl die Fassade zum Platz, da die anderen vor Belanglosigkeit und Primitivität schmerzen. Insgesamt schließt sie außerdem den Georg-Treu-Platz ganz gut ab, er zerfließt nicht mehr in einem diffusen Raum. So gesehen finde ich das "Palais" an dieser Stelle also gar nicht so schlecht. Leider gibt es aber z.B. an der Prager Straße bessere Beispiele von Abschreibungsarchitektur.
    Wie ist es eigentlich zu diesem Bauwerk gekommen? War es nicht so, dass der Investor vom Coselpalais den Bau der Stadt "abgetrotzt" hat, um das Palais wirtschaftlich betreiben zu können? Ähnliches hat man ja auch am Taschenbergpalais erlebt.

    @ Miwori


    Genau, so ist es! Leider wird das im SZ-Artikel aber nicht wirklich deutlich gemacht. Statt gegen den Neumarkt in seiner ehemaligen Funktion als innerstädtischer Marktplatz mit dem entsprechenden Erscheinungsbild und die verdichtete Europäische Stadt, die man in Dresdens Innenstadt noch immmer vermisst, zu polemisieren und nostalgische Erinnernungen ("früher war alles besser") an das sozialistische Dresden aufkommen zu lassen, wo man im Herbst schnell weggeweht wurde, sollte man lieber die wahren Probleme ansprechen.
    Diese liegen meiner Meinung nach nicht in der Innenstadt, sondern in den äußeren Stadtteilen, wo man auf Grundstücken für Häuser und Tiefgaragen hunderte von Bäumen gefällt hat. Viel schlimmer aber sind die neuen Wohnparks in Weißig, Gompitz usw., wo hektarweise unverbrauchtes Feld versiegelt wurden und entsprechende Nachfolgeeinrichtungen das Stadtbild und -Klima irreparabel schädigen. Leider unterschlägt man die Gefahren dieser spießige Eigenheim-Idylle, für die wir alle teuer bezahlen müssen.

    Nochmal was zu den Bäumen:


    Ich war am Montag in der Stadt und konnte am Dr.-Külz-Ring, am Georgplatz und auf der Wilsdruffer Str. frisch gepflanzte Bäume sehen. So gesehen passiert also was.
    Das die "Baum-Problematik" zur Zeit so hochgespielt wird, liegt scheinbar größtenteils am Altmarkt-Vorhaben, wo man gesunde Bäume fällen möchte um sie durch neue zu ersetzen. Ansonsten finde ich die Diskussion eigentlich recht sinnlos. Entweder man möchte eine verdichtete Europäische Stadt oder eben nicht. Und das da kein Platz für "Wäldchen" mehr ist, wie man sie noch heute am Georg-Platz sieht, ist klar.

    Auf jeden Fall sollte man schleunigst mit der Bebauung des Quartier VI beginnen, da damit der Platz größtenteils geschlossen werden würde. Die Verzögerungen resultieren sicher nicht nur aus der Aufstellung eines Bebauungsplanes, sondern auch aus dem "sinnlosen" Stadtratsbeschluss, das Grundstück für 10 Jahre unbebaut zu lassen. Was soll ein Investor mit einer solchen "Entscheidung" anfangen?
    Wenn die GHND-Visualisierung umgesetzt werden würde, hätte der Neumarkt ein schönes geschlossenes und harmonisches Antlitz erhalten.

    Passend zu den vorangegangenen Fotos ist heute ein Leserbrief (DNN vom 21.03.2009) in der Zeitung. Darin lässt sich Gunter Just, Baubürgermeister a.D., unter der Überschrift: "Investruine Dresdner Hauptbahnhof, Bahnhof in großen Teilen armseliges Provisorium/ seitliche Durchgänge ähneln verlassener Baustelle", über den von der Bahn deklarierten Abschluss der Umbauarbeiten am Hbf aus und spricht mir damit gleichsam aus dem Herzen. Jeder der den Bahnhof benutzt, weiß um die untragbaren Zustände im Inneren, wie am Äußeren.
    Ferner spricht Herr Just einige Vereinbarungen mit der Bahn an, die diese bisher nicht eingehalten hat. So sollte die Nordfassade offener gestaltet werden, Eingänge und Schaufenster entstehen, Vordächer an den Ausgängen angebracht werden. Die Passage sollte eine ansprechende Gestaltung erfahren, Bahnsteige, Durch- und Aufgänge attraktiv gemacht werden. Außerdem gibt es noch keine vernünftige Anbindung an die Tiefgarage und der Königspavillon ist auch noch keiner neuen Nutzung zugeführt worden.

    @ Wühlmaus


    Es bewegt sich schon etwas, allerdings mehr im Hintergrund und aufgrund der Finanzkrise recht zaghaft. So hat z. B. die TLG ein Auge auf das Grundstück neben dem Großen Haus geworfen und sucht nun Mieter um das Projekt starten zu können. Das braucht allerdings seine Zeit.
    Auch die Telekom überlegt, ob sie vielleicht ihr Objekt in Richtung des Platzes selbst entwickeln soll. Das Projekt mit einem Altenheim- und Hotelkomplex zwischen Schweriner und Freiberger scheint hingegen gestorben zu sein. Was an der Wallstraße passiert, steht auch noch in den Sternen.

    @ Schlossgespenst


    Die Wand ist wahrscheinlich erhalten worden, weil die DDR mit großem denkmalpflegerischen Aufwand bis etwa 1979 den Stallhof mit dem Fürstenzug wiederhergestellt hat (u.a. wurden die Sgraffito am Langen Gang wierderhergestellt) und dabei den Eindruck des Abgeschlossenen bewahren wollte. So hat man z. B. auch eine Wand im Bereich des Kanzleihauses erhalten (das auch nicht mehr bestand), die dann nach der Wende beim Wiederaufbau des Gebäudes mit einbezogen wurde. Da gab es scheinbar keine Probleme.

    Ihr habt bei den Leserbriefen einen wichtigen Faktor vergessen. Es handelt sich nämlich nicht um Meinungen von "Normalos", sondern von Architekten. Und diese müssen ihr Revier, ob sie wollen oder nicht, gegen Angriffe verteidigen.
    Überhaupt denke ich, dass die Architektenschaft trotz aller Stärkebekundungen in einer gewissen Krise steckt. Seien wir doch mal ehrlich, wenn wir fordern sich schöpferisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und Architektur am historischen Maßstab zu orientieren, dann stößt das doch auf gewisse Grenzen. Wer kann das noch? Sowas wird doch auf den Universitäten eher nicht vermittelt, da ja dort das "Diktat" der Moderne gilt. Und bei dieser wiederum ist zu beobachten, dass eigentlich gute Entwürfe durch Investoren(einsparungs)wünsche verflacht und entstellt werden. So entstehen Gebäude wie das Kugelhaus am Wiener Platz.

    Soviel ich weiß soll die graue Stallhofmauer mit den Blendarkaden nicht dran glauben müssen, also erhalten bleiben. Sie ist ja nur eine Hofmauer und gehörte nie zu einem Gebäude.
    Die Pflasterung, die den Verlauf der alten Stadtbefestigung nachvollziehen soll, ist quasi schon ein alter Hut und entstand an dieser Stelle mit dem Umbau des Posplatzes, also etwa 2006
    Die Altmarktgalerie bekommt übrigens wirklich ein Walmdach, das allerdings so flach geneigt ist, dass man es wie bei den schon bestehenden Blöcken von der Straße aus nicht sehen können wird. Die Architekten dieser Banalität haben entgegen meiner Annahme doch erstmal eine Jury von den Qualitäten ihres Bauwerkes überzeugen müssen, was zu einem gewissen Teil meine These mit untermauern kann.
    Die Löbtaupassage ist in meinen Augen eine blanke Katastrophe. So wie ich das zur Zeit sehe, werden doch nur im Erdgeschoss Läden untergebracht und die oberen Etagen sind reine Parkdecks. Ist die Löbtaupassage so gesehen auch nicht nur reine Kulissenarchitektur, so wie es viele den Rekonstruktionen am Neumarkt vorwerfen? Hier ist es aber absolut schauderhafte.
    Und nochmal zur Centrum-Galerie: War am Dienstag auch in der Stadt und habe mir die "Blechbüchse" mal von hinten angesehen. Zwischen ihr und dem letzten Hotel ist ja jetzt eine Gasse entstanden, die nicht gerade Passanten zum Flanieren einlädt. Das mag auch zu einem gewissen Teil an dem eigenartigen Bahnhofsdach liegen, das hier steht. Meiner Meinung nach kann man diesen Stadtraum nur retten, wenn man die Gasse mit zwei Reihen Bäumen gestalten und so vielleicht auch endlich mal eine Querverbindung zu den umliegenden Quartieren schafft, was man bisher gröblichst vernachlässigt hat.

    Mal sehen wieviel unsere hübsche Brücke am Ende kosten wird. Zur Zeit scheinen die Preise ja zu explodieren, was natürlich ausschließlich an den brutalen Übergriffen und Verhinderungsaktionen der Brückengegner liegt, die den "Fortschritt" aufhalten wollen. Es ist immer wieder schön zu sehen wie sich u.a. der ADAC für Fußgänger und Fahrradfahrer stark macht, die normalerweise doch nur ein zusätzliches Verkehrshindernis darstellen. Der ADFC jedenfalls hat sich bisher nicht für die WSB engagiert.

    Städtebau
    - Wiener Platz (1. Platz: Mronz u. Partner)
    - Postplatz (1. Platz: Schürmann u. Partner)
    - Prager Straße Mitte (1. Preis: Trojan u. Trojan)
    - Altmarkt (1. Platz: WES u. Partner)


    Gebäude:
    - Wilsdruffer Kubus (1. Preis: Schulz u. Schulz)
    - Tesar-Riegel (1. Preis: Heinz Tesar)
    - Altmarkt-Hotel (1. Preis: Pfau-Architekten)
    - Hotel Rampische Straße (1. Preis: Wörner u. Partner)
    - Hotel Herzogin Garten (1. Preis: Heinle, Wischer, Partner)
    - Gewandhaus (1. Preis: Cheret u. Bozic)
    - Quartier V/I (1. Preis: f29 Architekten)
    - Landhausstr. 6 (1. Preis: Heike Böttcher)


    usw.


    Natürlich ist mein "Bauchgefühl" damit nicht empirisch belegt und man kann sich im Einzelfall natürlich streiten, ob der eine oder andere Entwurf wirklich gut ist oder nicht. Meiner Meinung nach hat der Schürmann-Plan für den Postplatz trotz allem viel Potential. Insgesamt muss man aber sagen, dass niemand bisher recht glücklich mit unseren ersten Plätzen war. Ein Beweis dafür ist u.a. der nun vermehrt einsetzende Versuch der Stadt, unsere "schönen" neuen Plätze (siehe oben) aufzuwerten, mit spießigen Blumenkübeln!


    Ein besonderes "Schmankerl" habe ich noch vergessen:


    - WALDSCHLÖSSCHENBRÜCKE (1. Preis: Eisenlöffel u. Sattler (Ingenieure), Kolb u. Ripke (Architekten)

    Gerade an der Wilsdruffer muss man sich wundern, dass es für die Erweiterung der Galerie keinen Fassadenwettbewerb gegeben hat. Wobei die Ergebnisse sicherlich nicht besser gewesen wären, als der grottenschlechte Bau, den wir jetzt bekommen werden und der keine Verbesserung gegenüber der vorherigen Situation darstellt, außer dass man vorher noch Hoffnung auf Verbesserungen hatte.


    Ist euch eigentlich schon einmal etwas aufgefallen: wenn in Dresden Wettbewerbe stattfinden, gibt es immer, aber auch immer, einen ersten Preis und die Jury ist meist einstimmig, also demokratisch absolut legitimiert, zum Urteil gelangt. In anderen Städten und oder vergangen Zeiten scheint man sich nicht mit so wenig zufriedengegeben zu haben bzw. war weniger verantwortungslos oder korrupt.

    Wer sich einmal ganz objektiv zum Kulturpalastumbau informieren möchte, sollte diese Diskussionsrunde aufsuchen:


    Quelle: DNN vom 18. März 2009


    "Die CDU-Fraktion lädt heute Abend um 19h interessierte Dresdnerinnen und Dresdner zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zum Thema "Kultur in der Mitte Dresdens - Welche Chancen bietet der Umbau des Kulturpalastes?" in den Festsaal des Rathauses ein. Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos), Anselm Rose, Intendant der Dresdner Philharmonie, Dr. Arndt Flemming, Direktor der Städtischen Bibliotheken und der Projektleiter Kulturpalast im Hochbauamt Roland Müssig werden vor Ort sein und das Konzept zum Umbau vorstellen. Im Anschluss ist die Diskussion vorgesehen."


    Meiner Meinung nach ist hier eine Diskussion ebenso sinnvoll wie Wahlen in der DDR.

    Habe gerade in der famosen Umsonstzeitung "Sächsischer Bote" einen Artikel vom sogenannten neuen Brückenmännchen gelesen. Der betreffende Redakteur scheint eine Ausgeburt an Neutralität zu sein. Jedenfalls polemisiert er schon seit langem, durch "Fakten" untermauert, gegen die Brückengegner und das Weltkulturerbe.
    Heute endete er seinen Artikel mit folgenden Worten: "Bei einem Welterbeforum in Dresden hieß es am Samstag u.a., dass durch den möglichen Verlust des Welterbetitels die Stadt im kulturellen Mittelmaß versinken würde, obwohl andererseits darüber referiert wurde, dass Dresden über Jahrhunderte kulturell stets eine Stadt von internationalem Rang war. Eben! Und das ohne einen Titel."
    Interessant ist es hier zu sehen, was für Schlüsse das Brückenmännecke aus dem Welterbeforum zieht. Nur weil Dresden einmal kulturell blühte, kann man heute auf kulturelle Anstrengungen verzichten, sich gleichsam auf seinen angestaubten Lorbeeren ausruhen und sich ganz einfach seiner seichten proletarischen Gesinnung hingeben? Was hat Dresden denn kulturell in den letzten Jahrzehnten vollbracht, außer sein überkommenes Erbe zu "pflegen"? Muss man da nicht froh über jeden Deut der Anerkennung sein. Armes Dresden!

    Wenn ich mir das so alles durchlese scheint das Thema Chemnitz weniger Euphorie als vielmehr Katerstimmung hervorzurufen. Als Außenstehender war ich mir dessen bisher nicht so sehr bewusst.
    Wenn es allerdings um das Thema Abrisse geht, dann ist neben der GGG (heißt die so?) auch der Sächsischen Aufbaubank und damit dem Freistaat eine Mitschuld zu geben. Diese hat in den 90ern mit Millionen von Euro die Sanierung und Aufwertung von Plattenbauten unterstützt und will jetzt natürlich nicht auf ihren Krediten sitzenbleiben. Und da sie eine Anstalt des öffenltichen Rechts ist, wird der Freistaat natürlich immer weiter den Abriss von überflüssigem Wohnraum unterstützen. So hat die GGG eine bessere Vermietungsquote und die SAB bekommt ihr Geld zurück.
    Um jetzt aber mal von diesem leidigen Thema abzurücken: letzten Sommer waren wir, um ein interessantes Urlaubsziel vorweisen zu können, für eine knappe Woche in Chemnitz und haben die Stadt und die traumhafte Umgebung erkundet. Neben dem wunderschönen Kassberg ist mir auch die "neue Altstadt" ins Auge gestochen, die oftmals sehr gelobt wird und durchaus einen gewissen Reiz besitzt. Die Namen der Architekten wie Jahn und Kollhoff sind hier selbstredend. Allerings fiel mir insgesamt auf, dass das Niveau der Geschäfte doch recht niedrig ist und gerade das EKZ Roter Turm besonders von innen einen ausgesprochen vorstädtischen Eindruck macht. Man hat in Chemnitz immer das Gefühl, als wenn die Kaufkraft irgendwo anders, aber nicht in der Innenstadt abgeschöpft werden würde.
    Abgesehen davon gibt es dennoch wunderbare Lichtblicke wie die Klosterstraße, die größtenteils leerstehende Mittelstandsmeile, das nicht gerade gefüllte Tietz und den Kaufhof.