Posts by spacecowboy

    Also sehr schön finde ich die Sanierung der Häuser in der Luppestraße, die Dr. Mises eine Seite vorher eingestellt hat. Insbesondere freue ich mich auch deswegen, weil diese Straße in Lindenau, einem sozial benachteiligten Stadtteil mit hoher Arbeitslosigkeit, hohem Leerstand und leider schon mit fortgeschrittener Perforation, liegt.


    Die Beispiele aus der Cöthner Str. sind da schon depremierender, somahl ich glaube, dass der Bauherr vermutlich nicht über alte Baupläne und dergleichen verfügte, um die Gebäude angemessen zu sanieren. Glattpolierte Fassaden auf Grund Radikalentstuckung scheint eine grässliche Krankheit zu sein.



    Um so besser scheint die Sanierung dieses Gebäudes zu sein, das ich in einer schmalen Seitenstraße der Jahnallee fotografiert habe. Ich würde zu gern wissen, wie das Gebäude im Vorwende- bzw. im Vorkriegszustand ausgesehen hat.


    im April 2005 (damals durften die Frauen die Last des Erkers tragen)

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    Aktuell werden gerade Gebäude aus der Zeit um 1900 abgerissen, um Platz für den Neubau eines Supermarktes (Kaufland) zu schaffen. Wir haben ja genug Altbausubstanz!? Dieser hässliche Zweckneubau mit vielen Parkplätzen rundherum entsteht mitten im Zentrum an der Alten Brücke in unmittelbarer Nähe des Marktes und verunstaltet damit das gesamte Gebiet. Ansiedelungen sind wichtig, aber um welchen Preis? Das städtische Bauamt findet das Vorhaben jedenfalls toll.


    Diese Bauvorhaben scheinen typisch für Deutschlands Osten zu sein. Insbesondere in Städtchen mit hohem Bevölkerungsschwund auf Grund hoher Arbeitslosigkeit, die jenseits von touristischen Hochburgen wie Weimar, Eisenach oder Quedlinburg liegen, dürfen scheinbar zweitklassige Investoren wie die Supermarktkette Kaufland schalten und walten wie´s gerade genehm ist, und sich über denkmalschutzrechtlichen Belangen hinwegsetzen. Und die Stadtväter in Zerbst stimmen dem auch noch zu, verspricht doch jeder Investor wieder mehr Leben in den ausgestorbenen Innenstädten.


    Vielleicht sollten wir mal einen Thread über ostdeutsche "Monde" (O-Ton Wissmut) aufmachen, deren teilweise noch original erhaltene Innenstädte massiv auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Lage bedroht sind. Ich war letztes Wochenende zum ersten Mal in Weißenfels und war entzückt, angesichts der Unzerstörtheit, und gleichzeitig angewidert, wie man diese schöne Stadt verfallen lässt.

    Über Sinn und Chance von Wiederaufbauten


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    Hier einige wenige Zitate aus Friedrich Dieckmanns gerade erschienenen, höchst lesenswerten Essay "Erneuerung und Erbe. Über Sinn und Chance von Iterationen" (SINN UND FORM, 2005, Zweites Heft, S. 276 - 282):


    "Heilen ist, auf Architektur bezogen, ein Anthropomorphismus und insofern nicht das richtige Wort. Aber auch die Stadt ist ein Organismus, und wie man Städte verwunden und bis zur Unkenntlichkeit beschädigen kann, so kann man sie auch heilen, durch Neubauten und durch Wiederaufbauten des kulturhistorisch und städtebaulich Unersetzlichen. Es an den Brennpunkten der Stadt- und Architekturgeschichte wiederherzustellen bedeutet ja nicht, die Wunden zu leugnen und den Anschein zu erwecken, als habe es sie nicht gegeben. Im Gegenteil: das radikale Abräumen des Alten ist es, was diesen geschichtsleeren Eindruck erweckt [...].
    Es braucht den langen Atem geduldiger Arbeit, um solche Hauptstücke des architektonisch-städtebaulichen Erbes wiederzugewinnen und mit ihrer Hilfe die Eigenart des Ortes, einer Stadt [...] zu erneuern und zu befestigen. Dasselbe ist in Dresden mit der noch viel dramatischer zerstörten Frauenkirche Georg Bährs geschehen, und eine Freude war es mir, zu bemerken, wie ein kritisch-sensibler Beobachter wie Dieter Bartetzko seine abwehrende Haltung gegenüber solchen Wiederaufbauten angesichts des überwältigenden Eindrucks des Neubaus revidierte. Nicht nur bei ihm siegte der sinnliche Eindruck über die reservatio mentalis, jenes verinnerlichte Dekret aus dem Reich der abstrakten Vernunft, das verfügte, dergleichen sei "nicht erlaubt". [...]
    Es läßt sich theoretisch wie praktisch erhärten: die Neuerrichtung zerstörter oder bereits abgetragener Bauwerke von besonderem architektonischen und stadtkompositorischen Wert ist ästhetisch legitim. Das Primat des Schöpferischen haftet in der Architektur an dem Entwurf des Architekten, an dessen Vorstellung von dem Bau, wie sie sich aus Zeichnungen, Aufmaßen und anderen Dokumentationen, photographischen etwa, erschließt. [...] Dieser ideelle Primat der Notierung vor der Realisierung - in der Musik haben wir ein ähnliches Verhältnis in dem Gegenüber von Notenbild und Klangverwirklichung - macht es zulässig, Architektur zu wiederholen, falls ihre Qualität den Aufwand rechtfertigt; das ist in der Architektur auch immer wieder vorgekommen. Die bedeutendsten Baumeister haben sich nicht davor gescheut."


    geschrieben von T. Reich, Leipzig




    Die Unikirche hat aber ein zusätzliches, politisches Alleinstellungsmerkmal

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    Zum politisch begründeten Alleinstellungsmerkmal unter allen anderen historischen Bauten:
    Die Unikirche wurde Opfer eines politisch-ideolgischen Terroraktes, und zwar des sichtbar größten an einer der tradionsreichsten, weil zweitältesten deutschen Universität, der die geistige und geistliche Herkunft genommen werden sollte, was offensichtlich bei vielen Universitätsangehörigen zum Mankurtsyndrom geführt hat. Sie töten ihre Mutter (nach Anstiftung), als die ihren Kindern ihr kulturhistorische Gedächtnis wiedergeben wollte.


    Viele, die in der DDR keinen nachhaltigen Schaden erlitten haben, sondern wie auch immer profitierten, können das aber offensichtlich nicht so sehen.


    geschrieben von Henrike Dietze, Leipzig


    Quelle: http://f15.parsimony.net/forum25088/messages/5057.htm\r
    f15.parsimony.net/forum25088/messages/5057.htm

    Ich glaube nicht, dass dieses Eckhaus einst eine Kuppel zierte. Es gab/gibt einige Gründerzeiteckhäuser, die diese Dachform haben, und so schlimm finde ich die auch nicht. Vielleicht hatte das Dach mal eine Spitze gehabt, aber soweit ich weiß, blieb diese Ecke vom Krieg verschont.



    Hallo medmellow,


    das Haus steht in der Sass-/Ecke Daumlerstraße, ca. 100 Meter südlich der Coppistraße. Diese, sowie weitere imposante Eckgebäude, habe ich am Samstag fotografiert. Bei Gelegenheit werde ich sie nach und nach hier einstellen.


    Grüße

    Leipziger Firma rettet 30 Gründerzeithäuser

    http://www.lvz.de/aktuell/content/162457.html\r
    http://www.lvz.de/aktuell/content/162457.html
    http://www.lvz.de/aktuell/content/162458.html\r
    http://www.lvz.de/aktuell/content/162458.html



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    Erst diesen Montag wurde eine schwarz-weiß-orangene GRK-Plane am wichtigsten Haus am Ostplatz hochgezogen. Sieben Jahre lang hatte hier der kommunale Wohnungskonzern LWB vergeblich nach einem Investor gesucht. Niemand wollte den geforderten Preis für die 1903 errichtete "Schwanen-Apotheke" bezahlen. Das prächtige Gebäude mit barocken Fassadenelementen verfiel immer mehr. Jetzt endlich ging der Zuschlag an ein Connewitzer Unternehmen, das sich durch Nobelsanierungen empor gearbeitet hat. "Die GRK kauft regelmäßig bei uns einzelne Objekte", sagt LWB-Sprecher Gregor Hoffmann: "Wir sind froh, dass sie den Ostplatz 2 bald sanieren will."

    saniertes gründerzeitliches Eckhaus in Gohlis


    Dieses Eckhaus wurde bereits Anfang der 90er Jahre saniert. Dabei hat man aber so gepfuscht, dass dieses Haus schon nach kurzer Zeit wieder unwohnbar wurde.


    Ich habe einige Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft gelebt und mir graute immer der Anblick von diesem Haus. Der Putz blätterte ab (an der oberen Fassade bildete sich Moos, Schimmel usw.), das Dach war undicht, die Regenrinnen veschlissen und aus den Kellern zog die Feuchtigkeit in die Wohnungen.


    Um so besser scheint diese Sanierung geworden zu sein und es bleibt zu hoffen, dass sich für dieses schöne Eckhaus bald Mieter einfinden werden.

    In der Dezemberausgabe der Washington Times stand ein hochinteressanter Artikel über den Wiederaufbau der Paulinerkirche drin.



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    Es ist immer noch nicht klar, ob die Universitaet und die Stadt sich fuer dieses Design entscheiden oder nicht doch fuer eine weitere seelenlose modernistische Sruktur der Art, wie sie Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg ueberall verschandelt.
    Es wird interessant sein zu beobachten, welche der beiden deutschen Seiten sich durchsetzen wird. Werden es die Funktionalisten sein, die von der Geschichte der Nation beschaemt zu sein scheinen, insbesondere der christlichen Geschichte, der sie aus politischen Gruenden keine Verdienste zuschreiben koennen? Oder wird es jene fluegge gewordene Bewegung sein, die versucht, die Deutschen daran zu erinnern, dass ihre Geschichte aus mehr besteht als aus Hitler?
    Wie der Komponist Krzysztoff Penderecki sagt, “Eine solche Debatte waere unmoeglich in Polen.” Nun ist Leipzig nicht in Polen, obwohl Polen und Sachsen waehrend ihrer architektonischen Bluete im 18. Jahrhundert beide unter der Herrschaft Koenig August des Starken standen.
    Um eine lange Geschichte kurz zu machen, Leipzig liegt im Herzen Deutschlands, einer Nation, welche geradezu hysterisch mit einem Identitaetskampf beschaeftigt ist, ein Kampf, der mit jeder weiteren Generation mehr und mehr unaufrichtig erscheint. Um es mit den Worten Tanias, der bulgarischen Absolventin der Universitaet Leipzig, zu sagen, “degeneriert zu einem Feigenblatt aus Mittelmaessigkeit und schlechtem Geschmack.”


    Der ganze Artikel, der vom Webmaster der Paulinerkirche ins Deutsche übersetzt wurde.
    http://f15.parsimony.net/forum25088/messages/5047.htm\r
    f15.parsimony.net/forum25088/messages/5047.htm


    Originalquelle: http://www.washtimes.com/upi-breaking/20041213-070316-7002r.htm\r
    http://www.washtimes.com/upi-breaking/2 ... -7002r.htm

    Das Problem von Altbauquartieren ist, so schön sie auch sein mögen, dass sie dem gestiegenen Fahrzeugverkehr nur wenig gewachsen sind und für Anwohner oft nur ungenügend Parkplätzmöglichkeiten bieten. Patentrezepte füt eine entspannte Verkehrslage im Allgemeinen scheint es dafür nicht zu geben, aber ich freunde mich eher mit einer wild zugeparkten und einbahnstraßennervenden Wohngegend an, statt man urbane Viertel mit massenhaft Parkhäusern und Tiefgaragen zubetoniert. Solange es ausreichend Platz für Bürgersteige und ggf. auch Fahrradwege gibt, stört mich das Blechchaos unzähliger Autos nicht groß.


    Das Beispiel aus der Kochstraße im Leipziger Süden, welches ich mal wieder dem Lipsikon entwendet habe, zeigt, dass die Anlegung der Gründerzeitquartiere (als es logischerweise noch keine Autos gab) eigentlich schon ziemlich großzügig ausfiel, und manch einer wird damals geschimpft haben, warum und für wen so viel Platz für Straßen und Gehsteige verschwendet wurde. Auf dem Bild von 1907 sehen die Menschen ziemlich verloren auf den breiten Straßen aus, während gut 100 Jahre später fast das Chaos angesichts der knappen Straßenverhältnisse auszubrechen scheint.



    Kochstraße 1907



    winterlich-trübe Kochstraße 2005, nahezu unverändert in der Bebauung ggü. 1907 (leider hat man die Dachpartie des rechten Gebäudes etwas halbherzig rekonstruiert)


    Quelle: http://www.lipsikon.de">http://www.lipsikon.de

    Hallo Christian,


    ich gebe Dir zum Teil recht. Dresden wurde zu ca. 65% zerstört und besonders traf es, wie wir alle wissen, das historische Zentrum. Natürlich hätte viel gerettet bzw. wieder aufgebaut werden können, und ja, es ist richtig: Die DDR hat ein Dresden nach sozialistischem Vorbild wiedererrichtet. Ergo, im Zentrum hat man viel Erhaltenswertes gleich mit weggeräumt und der Wiederaufbau von Zwinger, Semperoper oder Schloss konnte nur mit viel Engagement und Geschick gegen die Berliner SED-Obrigkeit, die sich dagegen immer sträubten, realisieren.


    Nun ist es aber auch so, dass Dresden außerhalb des Zentrums noch viele intakte und hervorragend sanierte Altbauquartiere besitzt, von denen die meisten Großstädte im Westen nur träumen können. Insbesondere von einigen Hängen im Südosten der Stadt kann man Viertel überblicken, in denen sich kein (oder nur ganz selten) Nachkriegsbau befindet.


    Also von einer Totalzerstörung Dresdens konnte m.E. wirklich nie gesprochen werden.

    Also das Eckhaus auf Bild Nr. 8,
    das auf einer Seite noch eine prächtige
    Altbaufassade besitzt, während der Rest
    im kreativlosen 60er-Jahre Stil neu gebaut
    wurde, stellt für mich der Gipfel der
    Geschmacklosigkeit dar, und übertrifft alle
    entstellte historische Gebäude, die ich
    bist jetzt zu Gesicht bekam :gehtsnoch:

    Wir können wohl beide nicht schlafen, Dr. Mises :D


    Man sollte sich bei aller berechtigter Kritik über die derzeitige Stadtpolitik auch vergegenwärtigen, dass seit der Wende viel Gutes in Sachen Sanierung und Erhalt getan wurde. Beispielsweise stand zu DDR-Zeiten u.a. die Tschaikowskistraße mit ihren maroden tlw. unbewohnbaren Altbauten auf der Abrissliste der SED. Was ein Glück, dass dieser Plan nicht realisiert wurde.


    nun ebenfalls aus dem Lipsikon:
    Tschaikowskistraße um 1902


    Tschaikowskistraße 2005

    http://www.lipsikon.de">http://www.lipsikon.de

    Die Meinung eines Leipziger Bürgers zur Problematik Ausbau Jahnallee:


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    Jahnautobahn wird das gesamte Wohnviertel ruinieren


    In den alten Ländern sind überall Stadtautobahnen quer durch alte Wohngebiete gefräst worden. Die Folgen waren überall diesselben: Ehemals ruhige attraktive Wohnlagen wurden von Verkehrslärm und vergifteter Luft überschwemmt. Wer es sich leisten konnte, zog weg. Die dadurch fallenden Mieten nutzten die Städte, um dort soziale Problemfälle hinzulenken. Sinkende Kaufkraft führte dazu, daß auch immer mehr Geschäfte schlossen und das kulturelle Angebote verarmte. Die Viertel gerieten in Verruf. Noch mehr Leute zogen weg. Die Viertel verfallen immer weiter. Dieses Schicksal haben Lütke-Daldrup und sein Pressesprecher Tiefensee nun auch dem Wohnviertel um die Jahnallee zugedacht. Am Ende wird noch viel abgerissen, weil niemand mehr bereit ist, dort zu wohnen. So etwas sollen wir brauchen? Nein danke!


    Eine Ansicht, der ich 100% zustimme.



    Bei meinen Eltern gleich um die Ecke steht dieses Haus, das immer mehr in sich zusammenfällt. Nächsten Monat wird das Grün auf dem Dach wieder sprießen.



    Schräg gegenüber wurde mit viel Aufwand das Schiller-Gymnasium saniert:

    Hallo Schlossgespenst,


    also ich denke schon, dass ich die Stadt fair beurteile. Im Gegensatz zu anderen Bewohnern lebe ich eigentlich ganz gern in Frankfurt. Die Stadt hat viel Potential und erscheint lebendiger als beispielsweise Berlin und ist m. E. ohnehin besser als ihr Ruf.


    Dennoch hat man der Stadt nach dem Krieg ein Gesicht aufgestülpt, das man getrost als beispiellose Stadtverschandelung bezeichnen kann. Booni sprach davon, dass es in Frankfurt große und wunderschöne Gründerzeitviertel gäbe. Sorry, aber die gibts auch nicht im Nordend oder in Sachsenhausen, nur weil einzelne Häuser oder auch Straßenzüge noch aus dieser Zeit zeugen.

    Hallo vossi,


    schöne Bilder, werden in Dresden schon die Bäume grün? :zwinkern:




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    hm, das klingt nicht so gut.
    im westen hat es auch ohne enteignungen jahrzehnte gebraucht, bis eine breitere schicht von schlauen und fleißigen zu einem soliden wohlstand kam. wie lange das bei der momentanen wirtschaftslage im osten dauern wird, mag ich mir kaum ausdenken.


    mann, mann, wenn man bedenkt wie reich dresden einmal war...


    Naja, Anti, in Dresden ist die Immobilienlage von Altbauten nicht so dramatisch wie in anderen Oststädten. Das hat verschiedene Gründe: Dresden hat im Gegensatz zu Leipzig beispielsweise eine überschaubarere Anzahl an Altbauten, die glücklicherweise auch noch in bevorzugten Vierteln wie Strießen, Blasewitz, Loschwitz usw stehen (und u.a. auch deshalb gekauft werden).


    Dresden ist Landeshauptstadt (viel Zuzug von Beamten) und bei Touristen beliebt (wichtiger Wirtschaftsfaktor). Es gibt eine für den Osten vergleichsweise erfolgreiche Industrieansiedlung, während die Altlasten aus DDR-Industriezeit sich in Dresden nicht so negativ auswirken wie beispielsweise in Leipzig.


    Ergo, die Arbeitslosenrate ist in DD mit 15% bedeutend geringer als beispielsweise in Berlin (ca. 20%), die Stadt im Osten Deutschlands verbucht seit einigen Jahren neben Leipzig und Potsdam wieder einen stetigen Bevölkerungszuwachs (während Halle und Chemnitz jährliche Bevölkerungsverluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen müssen), Industrie und Wirtschaft sind auf dem Vormarsch, die Sozialhilfequote ist für eine deutsche Großstadt verschwindend gering, ebenso die Kriminalitätsrate und somit sind Faktoren geschaffen, die eine breite Käuferschicht(auch wenn diese überwiegend aus dem Westen kommt) von Altbauten in Dresden zulassen.

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    Wie großzügig soll denn das gewesen sein, daß Arbeiterfamilien mit Schlafgänger und zig Kindern in für sie viel zu kleinen Wohnungen leben mußten? Da siehst du das aber jetzt wirklich zu sehr aus der heutigen Sicht, in der die Wohnungen für uns geräumig wirken. Das tun sie nur, weil jetzt kaum noch Großfamilien gibt.


    Die Antwort hast Du Dir quasi selbst gegeben. Nun ist es aber auch so, dass die Ansprüche, was den Wohnraum anbelangt, enorm gestiegen sind. Heute fühlt sich der Single in einer 80qm schon eingeengt. Wie hättest Du Dir die Situation von Großfamilien in den Nachkriegsbauten vorgestellt, wenn sie es denn noch gäbe (15qm Wohnzimmer, 3qm Bad)?


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    Man kann allerdings durchaus anführen, daß die aufwendigen Fassaden an den Gebäuden als Weigerung, Kosten zu sparen, zum Elend durch höhere Preise beigetragen haben - für das hübsche Aussehen bezahlt man schließlich noch heute satte Aufpreise, und zwar auch da, wo es noch genug Altbausubstanz gibt.


    Eine sehr subjektive Einschätzung. Man kann durchaus auch anführen, dass man in der Gründerzeit einfach kreativer war, was die Fassadengestaltung anging. M.E. muss man für Altbauten mehr in die Tasche greifen, weil sie einfach beliebter sind. Und man muss nicht viel spekulieren, warum sie denn beliebter sind als 50er-Jahre-Backsteinbauten.


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    So sehr ich finde, daß die damalige Baupraxis heute schlechtgemacht wird, so finde ich sie hier doch ein wenig zu unkritisch gelobt.


    Meine Kritik an sanierte Altbauten richtet sich dahingehend, dass aus ökonomischer wie ökologischer Sicht, diese Häuser unpraktisch sind, was sich in den höheren Nebenkosten widerspiegelt. Ansonsten überwiegt aber der kulturelle Wert dieser Häuser, die nicht selten die letzten identitätsstiftenden Bauten in den ausgebomten Städten darstellen.


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    Die meisten Wohnviertel hier hatten keine großen Innenhöfe, sondern die Grundstücke waren teils bis auf einen Lichtschacht in der Mitte bebaut.


    Na, und ich dachte, dass Hamburger und Leipziger Gründerzeithäuser sehr ähnlich angelegt waren. Da muss ich mich wohl getäuscht haben, denn in Leipzig wurde mitunter sehr penibel darauf geachtet, dass genügend Grünflächen zwischen den Häusern vorhanden waren. Meistens bildeten die Häuser entlang der Straßenblöcke ein Viereck, in deren Mitte parkähnliche Anlagen waren.



    Hier ein typisches gründerzeitliches Arbeiterwohnhaus, das, so glaube ich, in Leipzig-Plagwitz steht. Vielleicht nicht unbedingt schön, aber irgendwie doch kreativ:

    Hallo Haussmann,


    zum Hamburger Gängeviertel kann ich leider nicht viel sagen, aber m.E. wurde doch gerade bei Gründerzeitlern weniger auf Funktionalität, sondern mehr auf Freiraum, Großzügigkeit, Detailliebe und Lebensfreude geachtet, als es bei den Nachkriegsbauten, die oft nur dem reinen Zweck des Wohnens dienen, der Fall ist. Insbesondere die 50ziger und 60ziger-Wohnhäuser weisen einen sehr beengten Wohnraum auf (3qm-Bäder) mit einer erdrückenden Deckenhöhe und manchmal bis zu 3 Wohnungen pro Etage. Also von Familienfreundlichkeit kann eigentlich keine Rede sein, oder? Und vom "gesunden Bauen" angesichts der Betontristessen der 70er und 80er kann auch nicht gesprochen werden.


    Des Weiteren waren Gründerzeitler so ausgerichtet, dass sie nicht selten rießige begrünte Innenhöfe einschlossen, die genug Freiraum für Aktivitäten boten.


    Natürlich brachten Nachkriegsbauten auch Vorteile mit sich (Bäder inkl. WC in den Wohnungen, größere Fenster, ökonomisch und ökologisch bessere Nutzung), aber wenn ich nur den rein ästhetischen Aspekt in Betracht ziehe, war die Gründerzeit der heutigen Bauhaus- und Betonzeit um Meilen voraus.

    Also es mag stimmen, dass Gründerzeitler nicht selten Fassadenmaskerade sind, aber zumindest in Leipzig baute man oft mit Liebe zum Detail, sogar oft mit "Verschwendung", das Nachkriegsbauten gänzlich vermissen lassen. Ornamentik, Stuck, Jugendstilelemente usw. wurden bis in die "Rumpelkammern" verwirklicht.


    Wir dürfen den Aspekt nicht vergessen, dass diese Häuser zu einer Zeit entstanden sind, als die Bevölkerung in den Großstädten um - was weiß ich - 200000 Einwohner in 30 Jahren sprunghaft angestiegen ist. Umso beeindruckender ist doch, dass die "Massenmenschhaltung" so menschlich wie möglich realisiert wurde, im Gegensatz zur Nachkriegszeit, in der im Gegensatz die Bevölkerung kaum noch anstieg (vielerorts wie in Leipzig eher zurück ging). Des Weiteren beeindruckt mich an dieser Ära, dass trotz der Bevölkerungsexplosionen auf eine geordnete und vernünftige Stadtstruktur geachtet wurde.


    Natürlich sind Gründerzeithäuser nicht jedermanns Sache, aber sie gehören nun mal auch zur Rubrik "klassische Architektur" und stellen in deutschen Großstädten nicht selten die restliche Überbleibsel aus Vorkriegszeiten dar. Und ein Glück, dass Leipzig davon - NOCH! - sehr viel hat (übrigens nicht nur Gründerzeitler).



    Hier mal noch ein paar sanierte Eindrücke aus Leipzig:







    Quellen:
    http://www.immobilienscout24.de">http://www.immobilienscout24.de
    http://www.lipsikon.de">http://www.lipsikon.de
    http://www.uni-leipzig.de">www.uni-leipzig.de

    sadik


    Ich kann nur hoffen, dass der Schritt in die richtige Richtung kein hohles Wahlkampfgeplänkel sein wird. Des Weiteren bin ich sehr angetan von den Bürgerinitiativen, die sich nun um den Erhalt so vieler kulturhistorisch wertvoller Häuser in Leipzig einsetzen. Bisher war ich immer der Meinung, dass auf diesem Gebiet - weil die Bürger Leipzigs mit ganz anderen Problemen in der jetzigen Zeit zurechtkommen müssen - zu wenig geschieht, und Lütke-Knallkopf und Konsorten dies für ihre frevelhaften Stadtumbauabsichten auszunutzen versuchten.


    Die Funkenburg bzw. die Gebäude in der Friedrich-Ebert-Str. abzureißen wäre dennoch ein schwerer Fehler, denn hier beseitigt man Häuser - jetzt mal abgesehen von ihrem kulturhistorischen Wert - im innerstädtischen Bereich, der noch nahezu geschlossen ist. Mit dem Abriss würde sich der ganze Charakter der Gegend grundlegend verändern und die Identität der Stadt Leipzig um ein weiteres Stück beraubt werden. Die Floskel von LWB-Chef Beck "Wir können nicht jedes Haus am Bahndamm erhalten" würde sich als reine Lüge entpuppen.