Posts by spacecowboy

    ^ Ein dieses Forums entsprechendes "gescheites" Dach bekommt es ja immerhin. Und ich weiß nicht, was du mit "immer Glas und Beton nehmen" meinst. Bis jetzt ist ja nur der Rohbau zu sehen. Die Fassade wird mit einem Kunststein im EG verkleidet, die Zimmergeschosse mit einem gewöhnlichen Wärmedämmverbundsystem. Kannst du alles im obigen Link nachlesen.


    Was die Sackgasse im Hinterhof angeht: Bei einem rein privat genutzten Weg mag dies ja noch irgendwie angehen, aber bei einer öffentlichen Gasse, es scheint mir, dass dem so ist, kann es niederschmetternder kaum sein. Um es dramatisch zu sagen, der Passant muss sich vorkommen, wie in einem städtebaulichen Katastrophenlabyrinth, aus dem es kein entkommen gibt.

    Nach 18 Jahre Leerstand und Verfall steht eine Revitalisierung des Ring-Messehaus kurz bevor. Vor ca. einem Jahr hat die Leipziger Vicus AG das Objekt mit seiner 38.000qm großen Nutzfläche von der ADO Group (Yenidze DD) gekauft und verkündet, dass sie im prägnanten Kopfbau am Tröndlinring ein Hotel errichten wolle. Vor einiger Zeit wurde ein Betreiber für das Ring-Messehaus gewonnen, nämlich die Acom-Hotelgruppe. Im Herbst soll Umbau und Sanierung beginnen, im Frühjahr 2012 ist die Eröffnung angepeilt. (Quelle)

    Ich weiß gar nicht, was ich an dem Hotel schlimmer finden soll. Die Riegelform oder die Amazonas-Hochwasserstelzen. An deren Innenseite kann man die I-Love-Mandy-Herzen und diverse Graffititags schon erahnen. Vielleichts liegt's nur an der unglücklich gewählten Perspektive, dass ich diesem Entwurf auch rein städtebaulich überhaupt nichts abgewinnen kann.

    ^ Stimmt. Ende 2008 gab es in Leipzig noch ca. 2500 unsanierte Altbauten, in Dresden zählt man nur 250 solcher ruinöser Gebäude. Der Grund dafür ist einfach. In Leipzig gibt es eben mehr Altbauten und mehr Leerstand. Dieser hat in Dresden, genau wie Mietpreise, beinahe Westniveau erreicht. Von daher sehe ich, gerade auch in Hinblick auf den jährlichen Zuzug nach Dresden, schon eine reale Chance für die 3 jetzt zum Abriss freigegebenen Häuser. Die Friedrichstadt liegt ja auch nicht an der städtischen Peripherie, sondern im Herzen der Stadt. Aber es bedarf dafür freilich ein städtebauliches Konzept für diesen Stadtteil, den es offensichtlich nicht gibt und mittelfristig auch nicht geben wird. Ein Park oder eine Grünanlage in einst urbanen Gefügen deutet eher auf ein stadtplanerisches Totalversagen hin. Die 3 Altbauten würden als Auftakt für eine Revitalisierung des Viertels sicher mehr bewirken können.

    Zwei Dinge sind mir beim Betrachten der Bilder aufgefallen: Die Sanierungen sind ausnahmslos von besonderer Qualität geprägt, handwerklich 1A, und in Pirna wurden, bis auf ganz wenige Ausnahmen, Denkmalschutz und moderne Wohnansprüche zumindest äußerlich prima in Einklang gebracht. Man sieht den Gebäuden regelrecht an, dass alles bis aufs kleinste Detail vorher in Rücksprache mit dem Denkmalschutz ausgetüftelt wurde.


    Um damit kurz einen Schwenk zur geplanten Denkmalschutzlockerung in Sachsen machen zu dürfen (woran ich nicht glaube, dass sie so umgesetzt wird): Ohne das bestehende sächsische Regelwerk sähe es in Pirna und in vielen anderen sächsischen Kleinstädten heute ganz anders aus. Es ist letztendlich ein nicht zu unterschätztender Pluspunkt in Sachen Tourismus, ohnehin der einzige größerer Wirtschaftsfaktor vieler sächsischer Städte. Das, was die FDP plant, wird in allen westdeutschen Bundesländern bereits seit eh und jeh in die Praxis umgesetzt. Denkmalschutzrechtliche Auflagen werden in kleinen Arealen historischer Altstädte bzw. an Tourismusrouten noch befolgt, darüber hinaus macht es jeder Eigentümer so, wie er es für richtig hält.

    ^ Ja, ja klar doch.


    @uc, eine gewisse städtebauliche Qualität kann NY aber nicht abgesprochen werden. Allein die Häuserfronten rund um den Central Park sind beinahe schon ein Gedicht. Von daher glaube ich nicht, dass ästhetische Überlegungen in dieser Stadt niemals eine Rolle gespielt haben sollen. Im Gegenteil: Im direkten Vergleich beispielsweise mit asiatischen Wucherstädten wie Shanghai (ich kenne beide Städte persönlich) schneidet NY städtebaulich und architektonisch deutlich besser ab. Bei Tokyo und allen anderen japanischen Großstädten dürfte das kaum anders sein. Dass NY von kapitalistischer Großmannssucht getrieben wird, ist natürlich auch klar. Aber das ist dann eher eine Frage der politischen Einstellung. Deine Meinung dazu, sie sei dir unbenommen, ist uns hinlänglich bekannt.


    Und dass man in NY, einer vergleichsweise sehr jungen, immer aufwärts strebenden Stadt, schneller die Abrissbirne schwingt als anderswo, ist wahrlich auch nicht verwunderlich sowie in Hinblick auf Deutschland auch nicht zwingend verwerflich. Wenn ich mir vorstelle, dass demnächst wahrscheinlich sämtlicher Nachkriegsschrott flächendeckend unter Denkmalschutz gestellt wird (als Reminiszenz an die überwundene NS-Diktatur sowie an die Wirtschaftswunderjahre der BRD), dann beneide ich den unverfänglicheren Amerikaner. Und noch etwas fällt beim Betrachten der NY-Bilder auf: Gestaltungssatzungen hierzulande wie einheitliche Traufhöhe, Satteldach, stehende Fenster, Natursteinfassade etc. führen nicht automatisch zu einem überzeugenden Stadtbild oder gar zu einer qualitätvollen Architektur.


    Chicago kenne ich nur von Bildern her, aber da sagt es mir auch sehr zu. Enttäuschend hingegen, vielleicht nur wegen der sehr hohen Erwartungshaltung, San Francisco. Noch ein Dankeschön an die beiden fleißigen Fotografen...

    ^ Dass NY die historische Tiefe fehlt, kann man der Stadt (resp. dem Land) ja wohl kaum anlasten. Dennoch stellt das, was auf den Bildern zu sehen, in architektonischer Hinsicht ein außerordentlich hohes Niveau dar. Wenn ich mir dagegen unsere Städte vor Augen halte...

    Blick rüber nach Südafrika


    Südafrika steht für überwundene Apartheid, Kultur und Tourismus für Millionen Europäer, Amerikaner und Asiaten jährlich. Derweil, was viele übersehen, steht das Land auch für eine Wirtschaftsmacht in Afrika. In Mosambik werden gefühlt 90 Prozent der Güter aus Südafrika importiert. Das wird in den anderen Nachbarländer nicht anders sein. Südafrika ist nicht nur für einige Europäer Ziel, sondern auch für viele Afrikaner selbst. Irgendwo habe ich gelesen, dass sich 2 Mio Einwanderer allein aus dem benachbarten Simbabwe illegal in Südafrika aufhalten, das sind rund 4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die daraus resultierenden Probleme haben sich Anfang 2008 in eine beispiellose fremdenfeindliche Gewaltorgie zugespitzt (hier verbrennt ein Mosambikaner am lebendigen Leib). Trotz der wirtschaftlichen Erfolge des Landes, das Millionen Billigarbeiter aus ganz Schwarzafrika anzieht (und darüber hinaus auch aus Indien und Teilen des Mittleren Ostens), lebt ein Großteil der Südafrikaner weiterhin in bitterer Armut. Die Folge: Frust, Wut und Kriminalität.


    In der westlichen Welt, so mein Eindruck, reduziert man Südafrika beinahe ausschließlich auf negative Aspekte. Gerade im Vorfeld der WM bestimmen hauptsächlich Armut und Kriminalität die Schlagzeilen. Und auch Fußballverbände schüren Ängste, in Südafrika sei man als Tourist und Fußballer nicht sicher genug. Derweil beschäftigte sich die "Zeit" mit diesem Thema und stellte zur Abwechslung auch mal ein paar Recherchen an. Sie kam zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent aller Morde in Südafrika in den sog. Townships passieren und sich Täter und Opfer vorher gekannt haben. Seit 2006 ist zudem kein Tourist durch Gewalttaten körperlich verletzt worden. Durch Soweto (Southwestern Township in Johannesburg) gäbe es mittlerweile geführte Fahrradtouren, ländliche Gegenden seien mitunter so sicher, dass die Bewohner nicht einmal die Tür abschließen, wenn sie das Haus verlassen. Das legt den Schluss nahe, dass auch zur WM keiner mit übersteigenden Ängsten zur WM reisen muss.


    Die Region um Kapstadt, die einzige in ganz Schwarzafrika, in der die Schwarzen nicht die Bevölkerungsmehrheit stellen, ist inzwischen Wohnziel für viele Europäer geworden. Wen wundert's, die Landschaft um den Tafelberg ist atemberaubend, das Klima entspricht dem unsrigen zwischen Mitte April bis Mitte Oktober und Kapstadt zählt sicher zu einer der schönsten Städte der Welt.


    Johannesburg wiederum liegt auf dem Gauteng-Hochplateau, über 1700 Metern über dem Meeresspiegel gelegen. In der Kultur- und Finanzmetropole des Landes sind die klimatischen Bedingungen aufgrund der Lage rauer. Die Winter sind so kalt, dass dann, während wir in den Biergärten vor den Bildschirmen schwitzen und uns eine WM-Übertragung aus Johannesburg anschauen, dort leise der Schnee rieseln könnte. Unweit von Johannesburg existiert übrigens auch ein Skigebiet.


    Dass Südafrika nicht mehr die 3. Welt ist, erkennt man schon beim Landeanflug auf Johannesburg. In Mosambik blickt man beim Landeanflug immer auf ein Meer aus Lehm- und Strohhütten. Nicht anders ist es sicher in allen anderen Ländern Schwarzafrikas.


    Landeanflug auf Johannesburg. Sieht irgendwie aus wie bei uns...





    Quote from "ursus carpaticus"

    Das ist dennoch schade, da der spezifisch Leipziger Barock, von dem nicht mehr allzuviel übrig geblieben ist, mir sehr bedeutend und nicht unter dem DDer rangierend erscheint


    Wobei das Beste der Leipziger Bürgerbauten aus barocken Zeiten von der Gründerzeit verschont blieb, und bis auf die prächtigen Gebäude [url=http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Leipzig_Katharinenstr._14-16,_Stich_um_1720.JPG&filetimestamp=20100207232546]Katharinenstraße 12 bis 16[/url] auch vom WKII verschont blieb, also heute noch erlebbar ist. Zu nennen wären bspw. Romanushaus, Fregehaus oder die nach wie vor leerstehende Katharinenstraße 19. In der Hainstraße steht Webers Hof, dessen gründerzeitlich überformtes Dach nach frühbarockem Vorbild Ende der 1990er-Jahren rekonstruiert wurde. Ein absoluter Hauptgewinn für dieses sehr schöne Bürgerhaus (unbedingt auf Großansicht klicken!). Oder wie wäre es mit der Klostergasse 3 und 5?. Die besten Barockbauten haben, bis auf oben schon erwähnte Gebäude Katharinenstraße 12-16, bis heute überlebt. Sonst war's um viele Gebäude aus jener Zeit wahrlich nicht sehr schade, architektonisch bspw. auch nicht um Wagners Geburtshaus, das 3 Jahre nach seinem Tode abgerissen wurde.



    Zum Schluss für Liebhaber von Leipziger Barockbauten noch einen Kauftipp in der Hainstraße, auch wenn ich nicht weiß, ob dieses Haus derzeit überhaupt zum Verkauf steht. Zumindest ist es noch nicht saniert, und bis auf die Ladenzeile steht das Haus leer.


    Quote

    Architektur zum Erlaufen und Bestaunen: Leipzigs Historismus zum Falten


    Nein, das Wort Gründerzeit steht nicht auf dem neuen Stadtplan, den die Kulturstiftung Leipzig, der Passage-Verlag und der LTM gestern veröffentlicht haben. Da steht "Historismus und Jugendstil 1871 - 1918". Der Zeitraum umfasst das, was Leipzigs Marketing-Strategen so gern als "Gründerzeit" vermarkten würden. (...)


    http://www.l-iz.de/Bildung/B%C3%BCcher/2010/05/Architektur-Leipzigs-Historismus-als-Faltplan.html\r
    http://www.l-iz.de/Bildung/B%C3%BCcher/ ... tplan.html




    Noch ein paar Sanierung aus der letzten Zeit.


    Nürnberger Str. 1 (Prager's Biertunnel, das Apostroph ist historisch korrekt)


    2007

    Bild: Leipziger



    letzte Woche



    2007

    Bild: Leipziger



    letzte Woche



    Shakespearstraße 4


    2009

    Bild: Dase



    letzte Woche



    Floßplatz 28


    Die Sanierung ist schon etwa ein dreiviertel Jahr her, ist aber m.E. hier noch nicht gezeigt worden.


    2008

    Bild: Leipziger



    letzte Woche



    Hohe Straße 46


    Eine ältere Sanierung von 2007, die wir hier definitiv schon einmal hatten.


    2006

    Bild: Leipziger



    letzte Woche



    Karl-Liebknecht-Str. 26


    Auch schon eine etwas ältere Sanierung, wurde hier m.W. auch schon im fertigen Zustand gezeigt.


    2007



    Bilder: Leipziger



    letzte Woche


    Bilder, sofern nicht anders angegeben, sc.

    Sonntagnachmittag in der Innenstadt


    Grimmaische Straße in Höhe der Unzeitgemäßen Zeitgenossen





    Grimmaische Straße Höhe Uni-Campus



    Grimmaische Straße Höhe Kaufhof



    Grimmaische Straße Höhe Handelshof (da war's allerdings Freitag vormittag)




    Bach in Leipzig, Thomaskirchhof



    Springbrunnen vorm Haus Marquette



    Barfußgässchen



    Nikolaikirchhof



    Augustusplatz



    Und noch eine Klassiker-Ansicht aus dem Süden der Stadt

    Bilder: Cowboy

    Aus der Galerie Berliner Impressionen:


    Quote from "Heimdall"

    Die so genannte "Reformarchitektur" mündete meiner Ansicht nach nicht im Bauhaus, sondern in der Heimatschutzarchitektur.


    Mit Verlaub, aber das sehe ich nun gar nicht. Der Reformstil sah aus meiner Sicht lediglich eine Versachlichung des mit Ornamenten überbordenden Historismus vor. Diese Versachlichung kam hauptsächlich bei Geschosswohnungs- und Kulturbauten, Institutionen und Fabrikanlagen in größeren Städten zur Anwendung. Der Heimatschutzstil, der etwa zeitgleich (sogar schon etwas früher) mit der Reformstilarchitektur forciert wurde, kam eher in ländlichen Gegenden bei kleineren Gebäuden zum Tragen. Dieser Stil besann sich auf traditionelle Bauweisen und ortstypische Materialien zurück. Beide Stile, die anfänglich parallel liefen, einte lediglich die Abkehr vom in die Jahre gekommenen Historismus. Ich bleibe dabei, dass - nur - der Reformstil der Sprung vom Historismus zur klassischen Moderne war. Jugendstil, Expressionismus und Art Déco waren wohl eher der Sprung in die moderne Kunst. Aber hier begebe ich mich mit meiner Einschätzung mangels ausreichender Kenntnisse womöglich auf dünnes Eis.



    Quote from "Heimdall"

    Nachwirkungen sind bis in den Eigenheim-Bau der 50er Jahre feststellbar.


    Zynisch könnte man meinen, dass der Heimatschutzstil heute tragischerweise in den kitschigen Auslagen der Baumärkte für Häuslebauer mündete.

    ^ Dass der Städtebau im Ruhrpott verheerend unterirdisch sein muss, konnte ich erst jüngst wieder bei diesen Bildern feststellen. Ein kleiner Platz vor der Essener Domkirche, der mit einer ansprechenden Neugestaltung sicher halbwegs ansehnlich geworden wäre. Stattdessen scheint man den Sachbearbeiter im Essener Stadtplanungsamt und den Kämmerer persönlich mit der kreativen Ausgestaltung des Platzes beauftragt zu haben. Im Gegensatz dazu herrschen in Dresden in der Tat paradiesische Zustände, entschuldigt aber nicht den Motel-One-Missentwurf mit den grobklotzig wirkenden Arkaden.

    Bilderbuch, ich meine, du hast dich in deinem vorherigen Beitrag auf den 1 Weltkrieg und deren Folgen bezogen. Dieser hatte m.E. kaum Einfluss auf die Architekturgeschichte gehabt. Der Reformstil fungierte als Übergang zwischen Historismus und klassischer Moderne und war somit quasi schon der Inbegriff deiner angesprochenen architektonischen Weiterentwicklung. Expressionismus und Art Déco wiederum fanden, genau wie vorher schon der Jugendstil, maßgeblich in der Kunst Einfluss. Als (reine) Architekturstile würde ich sie nicht bezeichnen.

    Der Reformstil, ab etwa 1907 durch die Gründung des Deutschen Werkbundes forciert, steht für den Übergang vom ornamentüberladenen Historismus zum (meist) ornamentlosen Bauhausstil. Die Weiterentwicklung dieses Stils mündete zwangsweise, m.E. völlig unabhängig vom 1. Weltkrieg oder wirtschaftlicher Zwänge danach, im Bauhaus.