Posts by BIO-Bayer

    Arnau (Kreis Königsberg)

    Evangelische Pfarrkirche, Kirche

    Die Arnauer Kirche ist gottlob durch die Zeiten gekommen, zwar nicht ungeschoren, aber in der Substanz. In den frühen 2000ern renoviert und für den (orthodoxen) Gebrauch wiederhergestellt, schön am Pregelufer gelegen.


    Bei Wikipedia heißt es dazu: "Nach Jahrzehnten kultureller Barbarei wurde an diesem Ort in Arnau die Macht des Unheils gebrochen. Russische und deutsche Partner haben gemeinsam daran gearbeitet, die Kirche der Hl. Katharina aus dem XIV. Jahrhundert, bei Kriegsende unversehrt, als Kulturdenkmal der gotischen Backsteinbauweise und Hort einmaliger gotischer Fresken wieder in historisch getreuer Form herzustellen und der Nachwelt zur Obhut zu übergeben. Der Turm mit der Krönung durch das Abbild der Hl. Katharina wurde im Jahre 2001 nach zweijähriger Bauzeit wieder errichtet. Diese Urkunde wird im Jahre 2001, da Wladimir Putin Präsident der Russischen Föderation und Gerhard Schröder Bundeskanzler in Deutschland ist, in der Kugel über dem Turmdach versiegelt. Mögen Krieg und Gewalt das Bauwerk fürderhin verschonen."


    Interessant die Erwähnung von WP und GS...war überrascht, daß man dies in einer solchen (traditionellen?) Form noch 2001 tat, noch dazu in Rußland. Gab sogar eine neue Glocke aus Deutschland für die Kirche: https://www.prussia39.ru/photo/show_photos.php?phid=13593

    Was für ein grandioses Thema, einen ganz herzlichen Dank dafür!


    Ich habe viele Jahre im Russischen Chor der Universität Freiburg gesungen, und konnte auf einer einmonatigen Exkursion während des Studiums nach St. Petersburg und auf die Kola-Halbinsel einen (wenn auch nur kurzen) Eindruck von Land und Leuten gewinnen.


    Vielen Dank für die Erläuterungen zu den Prokudin-Gorski-Bildern, die ja tatsächlich etwas von einer Zeitmaschine-Ausstrahlung haben, v. a. vor dem Hintergrund, daß nur wenige Jahre später sehr vieles davon zu Klump geschlagen würde. Daß es, grob gesagt, das Christentum durch die dunklen Jahrzehnte geschafft hat, und ihm in Rußland vielleicht eine längere Existenz beschieden sein mag als hierzulande, sei kurz erwähnt, aber hier nicht weiter vertieft.


    In Zusammenhang damit schriebst Du: "Nach traditioneller russischer Auffassung soll eine Kultur nicht losgelöst von den Menschen, die sie tragen, und von der Landschaft, in der sie sich entwickelte, betrachtet werden." Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen.

    Hier noch einge Bilder des alten Ostpreußen:



    Die Bildunterschrift für das obere Bild irritiert mich ein wenig. Da ist doch die Deutschordenskirche (und die Dachreiter der Litauischen Kirche und, glaube ich, des Rathauses) zu sehen, und nicht das Deutschordensschloß. Was von der K.-L.-Brücke sowieso nicht zu sehen gewesen wäre, hätte es zu diesem Zeitpunkt nnoch gestanden!

    Es gab im alten Ostpreußen unzählige Aufnahmen von kleineren Orten die wahrscheinlich vielen von uns nicht geläufig sind, zumal sie heute andere Ortsnamen haben.

    Vor ein paar Jahren habe ich einen Herrn getroffen, bei dem mir - wieder einmal - der Zungenschlag auffiel. Die Frage, ob er vielleicht Ostpreuße sei, bejahte er erstaunt. Auf die Folgefrage, woher genau, sagte er aus dem Samland, Kreis Fischhausen. Darauf ich ungefähr so: "Oh je, was gibt's denn da...Peyse? Kraxtepellen? Tenkitten?"


    Da machte der Herr große Augen. "Ja, Nähe Tenkitten. Wahnsinn." Sein Dorf (Sanglienen, ein paar Kilometer von Tenkitten entfernt) kannte ich dem Namen nach nicht, es war auch zu klein, um in Vogels Atlas des Deutschen Reichs zu erscheinen (auf den alten Meßtischblättern ist es zu sehen). Der Herr war ein Wolfskind, mit der ganzen entsetzlichen Geschichte. Alter Scheiß...


    Dann fing er an, ein Lied "von damals" zu singen, Puttheneke. Als ich nach ein paar Worten mitsang, machte er nochmal große Augen. Woher ich das wüßte, fragte er. Mei, Interesse an der Geschichte vom eigenen Land, und das über Jahre, da kommt sowas bei raus. (Ich kann Stunden damit verbringen, über alten Landkarten und Stadtplänen zu brüten. Würde man mich per Zeitmaschine auf den Platz vor'm Königsberger Hauptbahnhof beamen und ich danach zur Neuroßgärter Kirche sollen, ich bräuchte nicht nach dem Weg fragen. Bissle plem-plem, der BIO-Bayer... ;) )


    Sehr schönes Thema, EP!



    ...


    Mithin, es gibt was ganz Lustiges über ostpreußische Ortsnamen, welches ich hier (wieder einmal, glaube ich) zum Besten geben möchte:


    "Irrwege eines Wanderers" oder "Wie komme ich nach Königsberg"


    Bei meinen Wanderungen stieß ich wiederholt auf Ortschaften mit nicht sehr bekannten, aber desto klangvolleren Namen, so daß ich oft glaubte, mich in einer verzauberten Landschaft umherzutreiben.


    So fuhr ich einmal mit der Bahn nach Groß-Aschnaggern über Liegetrocken, Willpischken, Pusperschkallen nach Katrinigkeiten, frühstückte in Karkeln, kam über Pissanitzen, Perkuiken, Jukenischken, Kuhdiebs nach Katzenduden, aß in Aschlacken Mittag, verirrte mich dann in Pudelkeim, Pupinnen, Bammeln, Babbeln und abendbrotete in Pschintschiskowsken, übernachten wollte ich in Kartzpanupchen, wo ich entdeckte, daß ich infolge der vielen mir vorgekommenen merkwürdigen Namen meinen eigenen Vatersnamen ganz vergessen hatte, was den Wirt in Kartzpanupchen mit dem Namen Strunzkeitski veranlaßte, mich fortzuweisen; so ging ich über Strontzken, Grondzken und Dumbeln nach Bumbeln und Budschißken, wo mir mein Name infolge der Klangähnlichkeit wieder einfiel.


    An den folgenden Tagen lernte ich noch kennen: Plampert, Purtzunsken, Kotzlauken, Mierunsken, Spirokeln, Wanagpuchen, Meschkruppchen, hörte noch von Spucken, Maulen, Puspern, Plumpern, Schabbeln, Wabbeln, wurde ohnmächtig und erwachte in Mierodunsken, wo mich der Landjäger von Uschpiauschken hingebracht hatte. Es dauerte lange, bis ich meine Sprache beherrschte, denn meine Zunge drehte sich mir fortgesetzt im Leibe um, so daß ich auf die Frage des Mannes, wohin ich wollte, sagte: Göbisknerg - Kösichgers - Knösiggerb - Königsberg.


    Der Beamte meinte: über Mischmiautzken oder Kampinischken, was mich so ärgerte, daß ich ihn mit "Dammelskopp" anschrie. " Das liegt an der anderen Strecke," sagte er entgegenkommend. So gelangte ich denn über mehrere -ischken, -umsken, -schkallen und -scheiten

    nach Königsberg. Ein Blick in den Eisenbahnfahrplan überzeugte mich, daß ich nicht geträumt hatte.


    - Robert Budzinski"

    Kann jemand von Euch eine Schätzung anstellen, wieviel Original- bzw. Vorkriegssubstanz bei den Kirchen noch vorhanden? Gerade beim Betrachten des zerbombten Vierungsturms von Groß St. Martin oder des Westbaus von St. Kunibert meine ich, daß kaum mehr als die Hälfte noch da war.

    Danke für die Bilder aus Hof!


    Anderthalb Jahre lang habe ich in dieser Stadt gewohnt und ich war froh als ich wieder weg war.
    Hof mag zwar nicht direkt hässlich sein, es ist in der Tat einfach belanglos. Diese fast durchgehende Schlichtheit der Häuser hat mich angesichts solch opulenter Oberfrankenstädte wie Bamberg und Bayreuth immer verwundert. Sie dürfte aber nicht nur an den Bränden festzumachen sein, Hof war einfach nie der Sitz eines Fürsten oder Bischofs, alles was hier steht haben Bürger gebaut.


    Dazu kommt dann noch das schlechte Wetter, das immer gefühlte 5 Grad kälter war als im Landesdurchschnitt und die unglaublich hohe Arbeitslosigkeit. Zu meiner Zeit waren 14 oder 15 Prozent der Einwohner erwerbslos, selbst in einigen Gegenden Ostdeutschlands dürfte es da mittlerweile besser aussehen. :augenrollen: Die Fotos wecken in mir viele - auch schöne - Erinnerungen, aber Wohnen möchte ich dort definitiv nicht mehr.


    Als "Neu-Hoferer"...in vielen (nicht allen) Punkten dürfte das oben Zitierte auch heute, zwölf Jahre später, noch zutreffen. Neu hinzugekommen (?), bzw. in dieser Dichte auffallend, sind die ausländischen Menschen. Sind so viele von denen hier, weil's hier noch nicht so teuer ist wie andernorts?

    Einen herzlichen Dank für die Ausführungen!


    Mit etwas Grübeln, für das ich beim Radeln ja eigentlich genügend Zeit haben sollte, hätte ich vielleicht auch draufkommen können, aber ich schätze das hier versammelte Wissen. Man sagte mir mal, "Du mußt nicht alles wissen, aber Du solltest wissen, wo Du es nachschlagen kannst!" Bzw. wen Du fragen kannst.


    :)

    /Wie, zu Singen gibt's noch nichts...? Obwohl, nachdem ich letztes Woche mal durchgeradelt bin...daher eine "Totale", vom Hohentwiel aus aufgenommen, und drei Kirchen, Peter u. Paul /1778/81), Herz-Jesu (1909/11) und Luther (1911/13).






    Folgende Frage hat nichts mit Bauarchitektur zu tun, eher mit Landschaftsbildarchitektur. Ich konnte auf die Schnelle hierzu nichts finden, aber vielleicht weiß ja jemand aus der Runde hier was dazu:


    Ich war neulich am Bodensee radeln, und bin mehrmals an den Pappelalleen unterwegs gewesen. Diese kannte ich schon vom Weg auf die Insel Reichenau, wußte aber nicht, daß es die auch um Radolfzell und die Halbinsel Höri gibt. Aus welcher Zeit stammen diese Alleen, und hatte es etwas Besonderes auf sich, daß es gerade Pappelalleen sind?


    Merci! :)


    Und ein weiterer Nachtrag: Das denkmalgeschützte Gebäude Johannes-Haag-Str. 9 (schräg vis-a-vis vom Gefängnis), das ebenfalls jahrelang vor sich hin moderte, wird peu a peu instand gesetzt. Das Dach wurde bereits komplett erneuert.







    Zur Info:

    ehemals Kattundruckerei, dann Säge-, Öl- und Gipsmühle, von 1843 bis 1852 auch Werkstatt für Zentralheizungsbau, zweigeschossiger Steildachbau mit mittigem Zwerchhaus und rückwärtigem Treppenhausrisalit, im Kern von 1805 (dendro.dat.), Umbau um 1880; Gedenktafel, von Mauritius Pfeiffer, bezeichnet 1912; Einfriedung mit schmiedeeisernem Gitter, um 1900.D-7-62-000-381


    Von der Straße her lohnte sich wg. dem Baugerüst kein Foto. Sah aber die letzten Jahre so aus:


    1920px-Johannes-Haag-Str._9_Kaufbeuren-1.jpg

    Von Rufus46 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50484016

    Eine Frage zu den Basalthäusern (die mich als Vulkanologen natürlich SEHR interessieren ;) :( sind die Mauern eigentlich komplett aus Basaltwerksteinen errichtet, oder ist das "nur" Verkleidung? Ist vielleicht hier und da das Kellergeschoß massiv daraus errichtet?

    Die betreffnde Gewitterfront hatte sich vorgestern vom Bodensee mit viel Regen und Wind hergeschoben, fing lt. Kachelmannwetter dann über uns im Allgäu an, sich zu verstärken und zog dann nach Südosten ab. Das war ein ordentliches Gerät. Auch im letzten Jahr gab es immer wieder dieses Muster, daß sich die Gewitter über dem südlichen Allgäu und recht schnell bildeten, hier auch für Blitz und Donner sorgten, dann nach Oberbayern abzogen und in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch etc. mit Riesenhagel, Sturmböen neischlugen. Manchmal an mehreren Tagen hintereinander. Zumindest hier in OAL hatten wir Glück, auch weil die schlimmsten Gewitter entweder direkt an den Bergen entlang zogen, oder aber dem Verlauf von Schwäbischer Alb und Donau folgten.


    Und jetzt schaue ich zum Fenster raus, und es herrscht Novemberwetter. Aufgrund der sich drehenden Winde ist das Haus jetzt von allen vier Seiten naß. Der Petrus ist wohl a bisserl duranand zur Zeit... :|

    Durch Bad Bayersoien, das es letzte Woche erwischt hat, bin ich vor ein paar Tagen gefahren. Sah schlimm aus.