Posts by xharlekin

    Quote

    Ein schöner Entwurf. Wenn ich Dir, lieber xharlekin , einige Tipps geben darf, ohne Dich zu verärgern:


    Danke für Deine ausführliche Stilkritik. Ich glaube aber, ich kann sie widerlegen. Denn Du kennst ja die Prämissen des Entwurfes nicht. Es handelt sich um einen Teil des Zyklus "Ansichten von Lebrin, Teil 3", eine auf ca. 120 Entwürfe angelegte Serie frühneuzeitlicher bürgerlicher Wohnbaukunst. Die Lebrinische Architekturgeschichte hat Besonderheiten, welche sich in der historischen Architektur nicht finden lassen. Aber der Reihe nach...


    Quote

    Das Thermenfenster im ersten Geschoss wirkt sehr unbarock, zumal die beiden Pfeiler die Brüstung überschneiden, statt auf ihr zu stehen.


    Thermenfenster sind im Barock zwar hauptsächlich in der Sakralbaukunst eingesetzt, doch war die Überschreitung der Genre-Grenzen im Barock durchaus nicht unüblich, siehe Kuppel für das Schloss Charlottenburg. Tatsächlich findet sich bei der Villa Pisani von Palladio ein Thermenfenster. Also wäre es im Barock durchaus nicht unmöglich gewesen.


    In der Lebrinschen Baukunst gibt es in der Tat mehrere Beispiele für Thermenfenster in der Profanbaukunst. Es entspricht also der lokalen Tradition. Und auch die Stützelemente, welche die Brüstung überschneiden sind Lebrin'scher Natur. Der eklektizistische EIndruck der Lebrinschen Barockbaukunst ist mithin dadurch zu erklären, dass es hier eine sehr starke Tradition der Architketur des 16. Jahrhunderts gibt, die sich im 17. Jahrhundert ohne Bruch fortsetzt. Damit sind so manche "archaischen Elemente" zu erklären.


    Quote

    Dann hätte ein barocker Architekt vermutlich die Bandrustika für die gesamte dorische Ordnung verwendet, um die beiden Untersgeschosse als einen einheitlichen Sockel zu gestalten.

    Nicht zwingend. Beim Berliner Schloss ist auch nur für das unterste Geschoss Bandrustika angedeutet. Auch hier gibt es in Lebrin mehrere Beispiele.


    Quote

    Das hätte auch die dorischen Pilaster optisch entlastet, die - eigentlich regelwidrig - eine Ordnung tragen, die höher ist als sie selbst (bei einer zweigschossigen Rustika könnte man sagen, dass die kompositen Pilaster nicht auf den dorischen Pilastern stehen, sondern auf der Wandmasse des Sockels, dem die dorischen Pilaster nur vorgeblendet sind). Freilich müssten die beiden Untergeschosse dann leicht überstehen, so dass die imaginäre Wandkante mit den den kompositen Schäften fluchtet.

    Das ist ein Problem bei nordischem barocken Klassizismus, dass die regelkonforme Verjüngung der Geschosshöhen bei gleichzeitiger Bewahrung des gerüstartigen Charakters von Pilaster und Gebälk zu Konflikten führt. Drum gibt es beim Amsterdamer Rathaus auch nur eine minimale Verjüngung der Geschosshöhe zwischen den beiden Kolosalpilasterreihen.


    Quote

    Bei einer Bandrustika fände ich es übrigens schöner, auf aufwändige Fensterrahmen zu verzichten.

    habe ich zitiert.


    Quote

    Auch ist das Erdgschoss nach der Attika das rangniedrigste Stockwerk, deshalb sollte es besonders wenig Schmuck haben.

    Die soziologische Prämisse ist, dass es keine Baukunst für eine feudale Gesellschaft ist. Also keine Mezzaningeschosse. Es sind alle Geschosse wesentlich gleichrangiger als bei klassischer fürstlicher Baukunst.


    Quote

    Dem Attikageschoss würde ich, weil der obere Abschluss m. E. zu fragil wirkt (er ist ja in gewisser Weise auch Abschluss der gesamten Fassade) eine reguläre Balustrade verpassen.

    Wäre mir zu sehr "Versailles". Die gewählte Lösung lässt sich auch in einer Lebrin nahestehenden Stadt nachweisen.

    Quote

    Vor allem aber würde ich den Mittelrisalit verbreitern. Er wirkt zu schmal. Ich würde das machen, indem ich seinen beiden Seitentravéen eine normale Breite gebe, mit regulären Fenstern (die schmalen Rundbogenfenster wirken ohnehin etwas unmotiviert und in sich zu eng). Bei einem breiteren Risalit würde die Giebelspitze auch bündig gegen das Abschlussgesims der Attika stoßen.

    Hier greifen die lokalen Lebriner Traditionen.


    Quote

    Und last not least würde ich die Attikafenster nicht unmittelbar gegen das komposite Kranzgesims und das oberste Abschlussgesims stoßen lassen. Dahinter befinden sich ja Räume mit Decken/Gebölben, die Platz brauchen.

    Es ist bürgerliche Baukunst. Hinter der Fassade sind also keine Pallast-Innenräume zu erwarten.


    Quote

    Selbst die nach oben abgeschrägten Fensterstürze des vierten Geschosses sollten nicht gegen die Unterkante des kompositen Gebälks stoßen. Ihr Abschrägung dient der Ableitung von Regenwasser, was so keinen Sinn ergibt.

    Lässt sich so aber so nachweisen.


    Quote

    Auch ist es eher unbarock, die Postamente der kompositen Pilaster nicht mit einem Gurtband zu verbinden, sondern die Fenster (gleichsam als französische Fenster) bis zum dorischen Kranzgesims zu verlängern.

    Ist ein Problem bei der Verwendung von Kolosalordnungen. Es handelt sich wie gesagt um keinen Palast, deswegen ist nicht mit hohen Gewölben zu rechnen. Und Kolosalgesims plus Postament ist in der Regel zu hoch.


    Quote

    Aber das sind nur kleine Vorschläge, die dem Entwurf etwas von seinem eklektischen Charakter nehmen sollen. Insgesamt birgt der Entwurf sehr viele schöne Details und wirkt sehr anmutig.

    "Eklektisch " nach den Maßstäben des historischen Barocks. Das sind aber nicht meine Maßstäbe. Es geht mir nicht um Nostalgie. Innovation ist erlaubt.

    Die Grobgliederung der Fassade, insbesondere das Verhältnis des Dreiecksgiebels zur Attika, hat eine gewisse Ähnlichkeit zur Hauptfassade des Petersdoms. vor allem wenn man die beiden unteren Geschosse weglässt.

    @Kaoru: Ich bin doch etwas enttäuscht. Normalerweise Siehst Du ja alles! Hier gibt es eine wesentliche Quelle , nämlich Leonhard Christoph Sturm. Mehrere Details sind aus seinen Architekturillustrationen entlehnt. Insbesondere hier, hier und hier.

    Da da muss man, denke ich, unterscheiden. Was meine Entwürfe anbelangt, so handelt es sich im Grunde genommen um architekturtheoretische Entwürfe. Und da ist es durchaus legitim, sich auf die Fassadengestaltung zu beschränken. Man denke etwa an Wendel Dieterlins Architektura. Grundstück-Dispositionen hängen ja immer an ganz konkreten Projekten. Und Theoretiker interessieren sich nun einmal für das Allgemeingültige.

    In Lebrin wurde wieder gebaut. Zum ersten mal habe ich eine kurvierte Fassade mit Affinity-Designer gezeichnet. Das ist nicht ohne und kostet ganz schön Zeit. Aber ich glaube der Aufwand hat sich gelohnt... Aber urteilt selbst! Vor allem: Wie würdet Ihr das Gebäude stilistisch einordnen?


    Es gibt gleich mehreres zu feiern: 1. Der Strang hier, den ich vor 10 Jahren begründet habe, ist wieder öffentlich! Und siehe da, sofort ist mehr Umterhaltung da! Sehr schön! Und es ist mein 100ster Beitrag. Das ist doch ein guter Anlass, um mal wieder etwas neues aus Lebrin zu zeigen. Wie immer Stilkritik ist willkommen!




    Nachdem selbst Kaoru das Rätsel nicht gelöst hat, werde ich es auflösen. Der Giebel nahm seinen Ausgangspunkt beim einzig bestehendne Renaissance-Haus von Berlin, dem Ribbeck-Haus (By Jörg Zägel - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9821326):


    Auch für das Portal habe ich mich hier inspirieren lassen. Ich denke auch die Farbgebung wäre bei meinem Entwurf ähnlich zu wählen.


    Für die Fensterstöcke habe ich mir Inspiration hier geholt, dem Schloss Thedinghausen (Von Uwe Barghaan - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16880113):Beides übrigens wunderbare Kleinodien der Spätrenaissance.

    Gewandhaus Braunschweig ist nicht schlecht, denn in der Tat stand dieses Gebäude Pate für den Stil der Lebrinischen Renaissance. Aber konkret stand das Gewandhaus hier nicht Pate.


    Das Gewandhaus ist der meines Erachtens einer der qualitätvollsten Giebel der Renaissance in Deutschland.

    Das mit den Vorbildern löse ich erst mal noch nicht auf. Vielleicht fühlt sich ja Kaoru berufen...
    Naja, auf jeden Fall erstmal Danke. Das ist eben die Sache mit einer Tradition. Wenn man sich auf die Selbstbeschränkung einlässt, dann wird man feststellen, dass Subtilität und Qualität zunehmen.


    Zum Thema Reihung - ich finde schon, dass es viele Variationen gibt. Ich zähle 11 Fensterformen. Das ist deutlich mehr, als hier pro Fassade auszumachen ist (Bild ist CC: By giggel, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57276515):

    Ich will das Rätsel auflösen. Es handelt sich um eine Art Studie, nämlich eine Übernahme möglichst vieler Motive aus Wendel Dieterlins "Architectura" (hier). Das mit dem Sockelgeschoss wäre zu überlegen, aber in der Tat ist die Wirkung in Naturstein eine ganz andere, das habe ich ansatzweise mal ausprobiert, indem ich die Fassade farblich hinterlegt habe. Wenn der Stein selbst auch eine gewisse Marmorierung hat braucht es m.E. garkeine Ruszitierung. Dietterlins Architectura ist Spätestrenaissance, wurde also eigentlich erst im 17. Jahrhundert rezipiert. Deswegen habe ich seine "bizarren" formen in ein möglichst schlichtes frühbarockes Schema gefasst und ein bißchen moderiert. Insgesamt gibt es etwa 12 Zitate aus der Dietterlinschen Architectura. Zum Thema Serlinen. Gibt es auch in D. Googlet mal nach "Renaissancefassade Stade", da werdet Ihr es finden.


    Ottheinrichsbau finde ich die nächste Referenz bei der gebauten Architektur in D., auch zeitlich. Da ist der Friedrichsbau zu früh. Aber die Kollosalpilaster sind natürlich Frühbarock. So gesehen ein Werk an einer Stilwende.

    Bückeburg, ja. Sehr gut! Daran habe ich gar nicht gedacht! Deswegen sind solche Fragen nicht sinnlos. Also ich würde es als Barock mit starker Verwurzelung im Manierismus bezeichnen. Und natürlich wesentlich als Steinmetzarchitektur, da das Dekor so eine wichtige Rolle spielt.