Posts by ursus carpaticus

    @Trteverer


    keine Sorge, so schlimm ist es nicht.
    Brachflächen, Baustellen und Supermärkte lassen sich in jeder Stadt photographieren.
    Mit einigem Geschick sogar in rothenburg ob der Tauber.

    Aber ich meine, ohne die Qualität von xFlipxens Bilder herabwürdigen zu wollen - denn dazu besteht wahrhaft kein Anlass, zeigen sie ja ganz offensichtlich, was sie zeigen wollen, und genau hier liegt der Punkt - dass diese Photos eben aus der Intention gemacht wurden, eine als Hässlichkeit empfundene Realität wiederzugeben, und dass man diese negative Intention bemerkt.
    Tatsächlich weist, gemäß xFlipxens Vorankündigungen, die Stadtmitte auf diesen Bildern zumindest für einen die Stadt nicht kennenden Beschauer kaum liebenswürdige Züge auf.
    Das ist natürlich xFlipxens gutes Recht, und wir sind ihm trotzdem für diese Bilder dankbar.

    Johan


    na, da ist unser Dissens ein höchst peripherer.
    Wie es um die Bemühungen der N.er Stadtverwaltung um die Bürgerbauten im Besonderen aussieht, beweist nichts mehr als der Umstand, dass eines der wenigen überlebenden Ensembles, der Unschlittplatz, in den 70ern nur knapp dank Engagement einiger Bürger der Zerstörung entging.
    Ich meine, dies sagt alles über den angeblich gelungenen Wiederaufbau dieser Stadt.

    @Johan


    Natürlich hast du Recht.
    Aber die erhaltenen großartigen Bauwerke bewirken bei mir die Anlegung eines strengen Maßstabes.
    Darüberhinaus wäre mit einfachen Mitteln (angepasste Häuser aus Rotsandstein und traditioneller Proportionierung, v. a der Fensterachsen anstatt Billigbauschrott) Großartiges zu machen gewesen.
    So wurde eine große Chance auf ein schönes Stadtbild verspielt.

    Woher kommt diese offensichtliche Zweiteilung an Baukultur?


    Wo auch immer ich in letzter Zeit in der ehmaligen DDR war, überall werden Altstädte verschönert, saniert, wieder aufgebaut und teilweise mit schönen neuen Bauten ergänzt (sieht man vom Dresdner Altmarkt ab, der in übelste BRD-Tradition fällt).
    Sicher sind manche Neubauten eher enttäuschend (siehe Leipziger Westbebauung des Marktplatzes, jedoch keineswegs unerträglich), aber im Großen und Ganzen hat sich erstaunlicherweise ein erfrischend guter Geschmack durchgesetzt (siehe Neubauten in Postdam Neuer Markt, Chemnitz Neue Mitte, DD Neumarkt, Erfurt Anger, Mühlhausen Th
    Richtig skandalös sind nur der Kaufhof in Halle (Ignoranz hat in dieser Stadt Tradition!) und das Lokal Alex in Zwickau. Eine sehr kleine negativ-Bilanz, wenn man die übergroße Menge der Städte bedenkt, die völlig ohne Bausünden ausgekommen ist, ganz abgesehen von der beträchtlichen Rekoliste. die sich jedoch nur im ehem. Osten abzuspielen scheint.


    Im Westen hingegen geht alles in 60er- 70er-Jahr-Manier weiter, siehe Würzburg, Schweinfurt, Heidelberg uva, also ohne jeglichen Geschmack.
    Woher kommt das bloß?
    Früchte der Amerikanisierung des Westens?


    Nein, hier geht es nur um Architektur.
    Die Meinung deiner Schwedin dürfte relativ häufig sein. Den meisten Touristen geht es gar nicht um Baudenkmäler, sondern einfach nur um 'dort gewesen zu sein'. Wahrscheinlich ist für sie eine moderne, häßliche, mit nur wenigen alten Sehenswürdigkeiten durchsetzte Stadt wie Nürnberg leichter zu erfassen und zu verkraften als zB Rothenburg ob der Tauber.
    Die Kriterien der breiten Masse hab ich noch nie zu verstehen vermocht. Wahrscheinlich liegt diesen bereits eine weitgehende Amerikanisierung des Geschmacks und der Empfindung zugrunde, was in Summe den Stadtplanern erleichtert, alles beim Alten zu lassen.
    Mit rein quantitativen-demokratischen Argumenten ist für Reko-Anliegen mE nichts zu gewinnen.
    Wenn dies in DD anders laufen sollte, wäre dies höchst erfreulich und ist eventuell auf die Ausnahmesituation in dieser doch traditionell sehr kulturbewussten Stadt zurückzuführen.
    Für uns und unser Anliegen jedoch sollten die ästhetischen Kriterien der Massentouristen eher unbeachtlich sein.
    Unsere "Streit"-Frage Köln oder Würzburg wird wohl unentschieden bleiben müssen. Nicht, dass ich mich überdies besonders für Köln ins Zeug legen will, denn beide sind hässlich.
    Für konsequenten "Mut zur Hässlichkeit" jedoch habe ich eine gewisse Sympathie, muss ich zugeben. Vielleicht steh ich deshalb der DDR-Architektur (soferne diese über bloße Stadtzerstörung hinausging) nicht ganz so negativ gegenüber wie die meisten.

    Nun, der Artikel erscheint mir polemisch und ungerecht.
    Warum eine unschuldige Stadt ohne Geschichte verhöhnen und ästhetisch mit einer alten Stadt vergleichen?
    Unser Problem sind nicht (möglicherweise zwar gescheiterte, allerdings sicher in besten Absichten errichtete) moderne Städte, sondern stumpfsinnig und ideologisch-böswillig verschandelte alte.
    Der Fall Nürnberg ist daher problematischer als der Fall Rheinfelden.

    William
    Mir kommt Köln irgendwie großzügiger aufgebaut als Würzburg vor, teilweise gewagter, modernistischer, mit Mut zur Hässlichkeit (während in Würzburg die Häßlichkeit ungewollter, aber umso peinlicher erscheint), andererseits wieder restaurativer (was das Viertel um Groß St Martin betrifft).
    Auf jeden Fall gibt es in Köln im Unterschied zu Würzburg BEDEUTENDE moderne Bauten.
    Sicherlich sind diese Umstände summa summarum äußerst marginal und beschreibt diese Darstellung einzelne Phänomene, die man der Flut des beide Städte über weite Strecken dominierenden architektonischen Sondermülls aus den 50er-70er Jahren wie die vielzitierte Stecknadel im Heuhaufen suchen muss.
    Dennoch sehe ich für Köln ein winzigkleines Prinzig Hoffnung, für Würzburg hingegen nur Tristesse.

    Zeno: Man muss nicht in Rothenburg ob der Tauber gewesen sein, um zu wissen, dass es dort gut aussieht, und man muss nicht in Magdeburg gewesen sein, um zu wissen, dass es "nicht gut" aussieht (wie es dort aussieht, dürfte forumsbekannt sein)


    Das stimmt. Auf mich etwa trifft beides zu.
    Aber was Chemnitz betrifft, hat seine neu gestaltete Mitte wohl kaum einen besonderen Ruf, sei er gut oder schlecht etablieren können.
    Möglicherweise fusst deine Meinung auf den Vorwendezustand.
    Schau dir C an. Deine Einstellung hat den großen Vorteil, dass du mehr überrascht werden kannst.

    Also erstens freue ich mich über die überraschend vielen zustimmenden Meinungen, aber auch insgesamt über die Vielfalt der Beiträge.
    Hier einige (in Summe sehr unsystematische) Anmerkungen.
    So trostlos, wie es Balthasar beschrieb, ist die Situation in D wieder auch nicht, an gut erhaltenen Gr0ßstädten wäre vor allem das großartige Erfurt zu nennen, eines meiner größten Stadterlebnisse, daneben Halle und einige andere.
    Chemnitz war vor dem Krieg sicher eine architektonisch unbedeutende Großstadt, dennoch möchte ich den Blick auf ein bemerkenswertes Detail lenken: An der Stelle des neuen Rathauses standen Laubenhäuser wie im benachbarten Böhmen. Ich kenne kein weiteres sächsisches Beispiel dafür (Görlitz ist natürlich zu Schlesien zu zählen, Schirgiswalde, abgesehen von seiner Provinzialität zu Böhmen). Allerdings ist der Verlust dieser Laubenhäuser nicht dem 2. WK zuzuschieben.
    Apropos Görlitz, das mit C verglichen wurde bzw in Bezug gesetzt wurde:
    Dieser Bezug ist tatsächlich weit hergeholt. Insbesondere ist an den Umstand zu erinnern, dass in Görlitz mit dem Schönhof der ERSTE RENAISSANCEBAU D.s entstand. Auch abgesehen davon war Görlitz eine der schönsten Städte Schlesiens (übertroffen nur von Breslau und eventuell Neisse, aber ansonsten konkurrenzlos). Chemnitz war das Synonym für eine trostlose Industriestadt ('Sächs. Manchester, Russnitz').
    Noch ein zugegebenermaßen schwarzer Gedanke in Bezug auf einen Zusammenhang (bzw glücklicherweise Kontrast) zwischen beiden Städten:
    Es stellt mE einen enormen Segen dar, dass Görlitz nicht bombardiert wurde (vielleicht waren seine Bauten doch nicht so bekannt, um die Aufmerksamkeit Sir WCs und seiner Spießgesellen zu erregen!?), umso mehr, als die Stadt wie DD und eben C (oder Swinemünde!! Soviel Tote wie die Vorkriegseinwohnerzahl!) im Frühjahr 1945 mit Flüchtlingen überschwemmt war und daher ein höchst dankbares Ziel für WCs Intentionen abgegeben hätte. Eigentlich erscheint mir die Verschonung Görlitz' als völlig aus der Reihe fallend unverständlich.
    Die Bewertung des Zentrums sehe ich tatsächlich so wie Youngwoerth und rakete, die es besser beschrieben haben, als ich mich dazu in der Lage wähne. Vielen Dank dafür.
    Vielleicht möchte ich noch hinzufügen (mit einer gewissen Befürchtung, dass ich mich hiermit bei den meisten Teilnehmern völlig unmöglich mache), dass ich sogar gewisse Sympathien für das sozialistische Zentrum der Stadt habe, und die Entscheidung, dieses unter Denkmalschutz zu stellen, für als unbedingt richtig erachte. Schlimmer als das, ich hätte mir Gleiches auch für die Dresdner Prager Straße (jedoch ganz sicher nicht für die kommunistische Altstadtbebauung!!! von der Inneren Neustadtbebauung ganz zu schweigen) gewünscht.
    Auf den Umstand, dass C außerhalb der Innenstadt über höchst angenehme Stadtviertel verfügt (Kasberg ist auch mir aufgefallen, in der Tat höchst nobel und architektonisch äußerst anspruchsvoll, tw an Potsdam gemahnend, daneben wäre auf das Viertel um die großartige Schlosskirche und die Peripherie im Osten hinzuweisen, die rasch und zwanglos ohne Zersiedelung in die herrliche Erzgebirgslandschaft übergeht hinzuweisen) wurde bereits hingewiesen.
    Die Kollmann-Arkaden schätze ich übrigens nicht besonders hoch ein, aber das ist ein unwichtiges Detail unter vielen, überdies bereichern sie ganz ohne Zweifel höchst erfrischend die architektonische Vielfalt des neuen Zentrums.
    Als konservativer Mensch verfüge ich über keine Digitalcamera, tut mir leid. Ich hab lediglich Dias gemacht. Wenn mir jemand verrät, wie sich diese einscannen lassen, stelle ich diese gerne ins Netz.
    Ansonsten kann ich nur anregen, keine Berührungsängste gegenüber dieser an und für sich keineswegs überragenden Stadt zu zeigen. Mir hat sie als letzte mir unbekannte Großstadt Sachsens viel Freude und Überraschung bereitet, und ich denke, dass es einigen hier anwesenden negativ Eingestellten durchaus ähnlich gehen kann.

    Zeno
    Nun, an Würzburg oder gar Nürnberg sind allerdings andere Anforderungen zu stellen als an Russnitz, Karlmarx-Stadt oder wie diese Stadt heißt.
    Wie ich erwähnte, war die Vorkriegsbebauung mE nicht allzu bedeutend. Die Innenstadt wurde nicht jetzt, sondern vor 50 Jahren eingeebnet, was nicht Gegenstand meines Beitrags war, sondern allein der jetzige Versuch der WSchadesnbegrenzung. Daürber interessierte mich Eure, und natürlich auch Deine Meinung.


    Ich würde den Fall nicht ganz so tragisch sehen.
    Ganz im Ernst: was hätte man in C rekonstruieren sollen?
    Was hätte dabei herauskommen sollen?
    Eine höchst durchschnittliche Stadt, die im exzellent erhaltenen Sachsen 100fach übertroffen wird und kein Schwein interessiert?
    Natürlich ist das heutige Würzburg "schöner", wäre es ob seiner Einzelbauten allerdings auch, wenn C unzerstört geblieben wäre.
    Dass Würzburg und Nürnburg nichtt auf das Niveau von Chemnitz gefallen sind, ist wirklich keine Leistung!

    eine vielleicht etwas laienmäßige Frage:
    Wie will man die Rampische Straße überhaupt noch retten, wenn an deren Ende, dort, wo man einen der berühmtesten Blicke von ganz Dresden hatte, heute das gähnende Loch einer Tiefgarage klafft und die allerwichtigste Reko, nämlich die des Eckhauses zur Salzgasse auf immer und ewig verunmöglicht?
    Dagegen nimmt sich diese etwas verunglückte Hotelfassade mE realtiv harmlos aus, als Betriebsunfall, der ohnehin über kurz oder lang saniert werden könnte.
    Was hilft die ganze Rampische ohne ihren bekrönenden Abschluss, ohne die Stelle, von der ihre ganze Pracht erst sichtbar sein müsste?

    War unlängst in Chemnitz. Das neugestaltete Stadtzentrum fand ich gar nicht so schlecht, obschon die einzelnen Bauten keineswegs überragend sind.
    Allerdings war dies es auch die ursprüngliche Bebauung nicht (C wurde ja im März 45 flachgemacht, da Sir WC den aus DD entkommenen Flüchtlingen an den Kragen wollte; der Gute machte sich bekanntlich ernstlich Sorgen über die zu hohe Bevölkerungsdichte des Restdeutschlands), wie diese alten AKs zeigen:



    http://cgi.ebay.de/0000398690-09000-Chemnitz-Rathaus-Beckerdenkmal-o-1916_W0QQitemZ200250893735QQcmdZViewItem?hash=item200250893735&_trkparms=72%3A146%7C39%3A1%7C66%3A2%7C65%3A12%7C240%3A1318&_trksid=p3286.c0.m14\r
    cgi.ebay.de/0000398690-09000-Che ... 286.c0.m14


    http://cgi.ebay.de/Altes-Foto-Chemnitz-Langestrasse_W0QQitemZ110287662320QQcmdZViewItem?hash=item110287662320&_trkparms=72%3A146%7C39%3A1%7C66%3A2%7C65%3A12%7C240%3A1318&_trksid=p3286.c0.m14\r
    cgi.ebay.de/Altes-Foto-Chemnitz- ... 286.c0.m14


    ganz interessant, da vor Errichtung des Neuen Rathauses (daher nicht rekofähig, aber auch hier eigentlich keine großartigen Bürgerhhäuser):



    http://cgi.ebay.de/246345-09000-Chemnitz-Neumarkt-RS-AK-Sammlerverein-C-C_W0QQitemZ200251103022QQcmdZViewItem?hash=item200251103022&_trkparms=72%3A146%7C39%3A1%7C66%3A2%7C65%3A12%7C240%3A1318&_trksid=p3286.c0.m14\r
    cgi.ebay.de/246345-09000-Chemnit ... 286.c0.m14


    http://cgi.ebay.de/IX5674-CHEMNITZ-MARKT-RATHAUS-VOM-BALLON-FELDPOST-1917_W0QQitemZ330267410449QQcmdZViewItem?hash=item330267410449&_trkparms=72%3A146%7C39%3A1%7C66%3A2%7C65%3A12%7C240%3A1318&_trksid=p3286.c0.m14\r
    cgi.ebay.de/IX5674-CHEMNITZ-MARK ... 286.c0.m14


    Wie denkt Ihr darüber?
    a) modernistische Monster
    b) belanglose Kommerzarchitektur
    c) Verschandelung einer der wenigen akzeptalen sozialistischen Dispositionen
    d) recht hübsch