Posts by ursus carpaticus

    Die Hässlichkeit Nürnbergs erschreckt mich immer wieder aufs Neue. Ich versteh einfach nicht, wie man da noch von einem GELUNGENEN Wiederaufbau daherfaseln kann.
    Ich mein, abstoßender und ungustiöser geht s auch bei schlechtestem Willen nicht.
    Diese Stadt kann man nur meiden.


    Das dekonstruktivistische Haus ist wahrlich nicht das Problem, stellt es doch imerhin einen VERSUCH dar, ein bisschen anspruchsvoller zu bauen. Schlimmer ist vielmehr das endlose Meer an 60erJahre-Schrott.
    Ich hab ein Buch eines amerikanischen Photographen, der N 1945 mit heute gegenüberstellt.
    Das Erschreckende: auf fast allen Bildern kommt mir der Zustand von 1945 weit schöner vor.
    Erstens war weit mehr historische Substanz erhalten (nicht nur in Dresden wurde rigoros abgerissen), zweitens ergaben sich immerhin interessante Durchblicke, die heute von entstellend-hässlichen Bauwerken verstellt sind.
    Es war ein schwerer, nicht wiedergutzumachender Fehler, mit dem 'Wiederaufbau' sofort zu beginnen, anstatt die Innenstadtflächen einstweilen in Ruhe zu lassen.
    Das Glück von Dresden ist, dass weite Flächen wenigstens unbebaut blieben, was den heutigen Neumarkt erst ermöglicht hat. Man sieht, wie schwer es auf bebauten Flächen voran geht...

    Wissmut
    also Gera und Cottbus sind sicher nicht minderwertig, da gäb s andere Beispiele.


    Was Österreich betrifft, so ist die Liste tatsächlich höchst rudimentär.



    Hier einiges für
    Niederösterreich nördlich der Donau:


    Weitra
    Drosendorf
    Retz
    Pulkau
    Eggenburg
    Hadersdorf/Kamp
    Langenlois
    Krems Altstadt
    Krems-Steiner Altstadt
    Dürnstein
    Weißenkirchen
    Spitz
    Schwallenbach
    Emmersdorf


    Ev auch Korneuburg, Stockerau, Horn, Waidhofen/Thaya, Zwettl, die auch über gewisse Substanz verfügen, mE jedoch hoffnungslos verschandelt sind.

    Brandenburg sieht in der Tat sehr nett aus, beinahe großartig. War erst gerade dort. Eine Art altes Breslau in Mittelstadtformat.
    Hier wäre allerdings dringend auf unbedingte Rekos des Neustädter Marktes hinzuweisen, vor allem auf das Neustädter Rathaus und das (fälschlicherweise so genannte) Kurfüstenhaus.
    Bedauerlicherweise fehlt Brandenburgs Neustadt derzeit jegliche Mitte, und die derzeit in Bau befindliche albern- anbiedernde Einkaufspassage wird das Kraut auch nicht fett machen...

    Komme gerade von einer Reise durch Brandenburg und Sachsen zurück.
    Der Dresdner Neumarkt ist bisher tatsächlich sehr schön gelungen und verheißt noch einiges.
    Der Altmarkt dagegen ist wohl für immer perdu und wird, sofern dies möglich war, immer häßlicher.
    Allerdings habe ich auf meiner Reise eine kleine, aber für mich sensationelle Endeckung gemacht:
    Es gibt ihn noch, den Dresdner Altmarkt, zwar in etwas kleinstädtischer Form, dafür aber in Originalsubstanz, und dazu weitgehend von der Gründerzeit verschont (sieht man vom pompösen Rathaus ab, das jedoch, zumal an eine etwas überdimensioniert geratene Ausgabe des Ständehauses erinnert, auch etwas sehr Dresdnerisches an sich hat).
    Die Rede ist von einer mir bis dato völlig unbekannt gewesenen Kleinstadt Großenhain, nördlich von Meissen. Der annähernd quadratische, ziemlich geräumige Markt wird an drei Seiten von Dresdnerisch anmutenden, nobel zurückhaltenden Barockhäusern gesäumt. Nur eine Fassade fällt als besonders reichhaltig aus der Reihe, die mich wiederum irgendwie an das wiedererstehende British Hotel gemahnt.
    Der den Platz bekrönende hohe Kirchtum besteht aus wie der der Kreuzkirche aus schwarzem Sandstein.
    Vielleicht bereitet diese Anregung hier jemandem die gleiche Freude, wie ich sie erlebt habe.
    Auch sonst gäbe es von dieser Reise viel Erfreuliches zu berichten, jedoch davon vielleicht ein andermal

    Exilwiener


    Lieber unglücklicher Exilant,
    ich kenne an sich Sachsen recht gut, und dies ist eine Restlreise, dh beinhaltet bisher ausgesparte Städte (Grimma, Colditz, Rochlitz, Mittweida, Rochsburg, Wechselburg, Chemnitz, Plauen uva.)
    Görlitz kenn ich bereits, zählt zu meinen Lieblingsstädten, obgleich ich es unter Schlesien subsubmiere.
    Für Dresden hab ich genau einen Tag, einen echten Faulenzertag.
    Normalerweise hätte ich diese Graswüste ausgespart (ich weiß, dass das in erster Linie Sir WC und keineswegs der ho. reichen Kulturgeschichte zuzuschreiben ist), war aber von der mich via Internet ereilenden Neumarkt-situation dermaßen fasziniert, dass ich mir die Verwirklichung dieser nunmehr Stein gewordenen Uralt-Sehnsucht nicht entgehenlassen möchte.
    Da der Neumarkt für einen Tag jedoch nicht ausreicht, amchte ich diese Rundfrage.


    @sächsische Freunde
    Wenn es sich tatsäüchlich um Bier handelt, bin ich bedingungslos zu jeder Schandtat bereit.
    Leider bin ich trotz meiner Herkunft aus der südlichen Kernstadt kein Kaffeetrinker.

    thodremuc
    Bitte mehr über dieses Getränk, da derartige Fragen erfahrungsgemäß tatsächlich große Bedeutung für die Tourengestaltung erlangen können.
    @silesiano
    genau darum ging es mir im Grunde.
    ich meine, Loschwitz und Blasewitz und Gartenvorstadt sind eher großflägige Angaben.
    gibt 's da besondere Punkte, die man womöglich als Ortsfremder, der ich immerhin bin, selbst wenn man, wie ich es durchgehen lassen kann, DD als nördlichste Vorstadt meiner Stadt bezeichnet, leicht übersieht?

    Danke Aenos für den Hinweis.
    Ich komm eh mit dem Auto (zwar verwerflich, aber immer noch besser als per Flugzeug).
    Ja, ich hab gelesen, dass die Prager Straße weitestgehend umgestaltet, sprich verschandelt wurde.
    Ich werd sie mir wohl nicht ansehen, meine ich (Zeitvergeudung).
    Früher bedeutete sie für uns Ausländer irgendwie etwas Besonderes.
    Über Dresden waren ja Informationen nur über das DDR-Reisebüro und offizielle Stellen erhältlich, und die zeigten eben voll Stolz die Prager Straße (neben Zwinger natürlich).
    Irgendwie gefiel mir die weitläufige Bebauung mit den Sichtachsen auf die alten Kirchtürme nicht schlecht, es unterschied sich sehr von der Ödnis unserer 60er Jahre Fußgängerzonen, und man freute sich einfach, dass in Dresden städtbaulich wieder überhaupt etwas stand, und dass man etwas zu sehen bekam.
    Als ich dann das erste Mal in DD war, kam ich tatsächlich mit dem Zug und ging durch die Prager Straße.
    Wenngleich meine Gefühle ob der grundsätzlichen städtebaulichen Leere durchaus ambivalent waren, freute ich mich doch, hier zu sein. irgendwie schien der genius loci auf die an und für sich trostlose Plattenbebauung durchzuschimmern.
    ich meine, die heutige Bebauung läßt keine derartige Ambivalenz zu, die ist nur abstoßend.
    Aber ich werd mir kein eigenes Bild davon machen, sondern, gemäß deinem Rat, diese Gegend meiden.

    Ich möchte morgen nach Brandenburg und Sachsen reisen, wobei aufgrund der letzten erfreulichen Entwicklung um den Neumarkt (selbstverständlich) ein Besuch Dresdens auf dem Programm steht.
    Nun ist es keineswegs so, dass ich Dresden überhaupt nicht kenne, jedoch wäre ich über, wie man etwas misstönig sagt, 'Insidertipps' dankbar, vor allem, was die in diesen Foren oft erwähnten nördichen Vororte betrifft, und die natürlich über Neumarkt, Milchladen und Königsstraße hinausgehen.
    Ich danke im Voraus für Beiträge.

    Brandmauer hat Folgendes geschrieben:
    Ich habe den Eindruck, dass bei den Renaissancehaeusern deutsche Schriftzuege absichtlich ueberpinselt wurden bis zur Unkenntlichkeit, wobei man nur einzelne Buchstaben oder Woerter sichtbar gelassen hat. Stimmt das?


    Bei allem den Tschechen zu unterstellenden Chauvinismus - das geht zu weit.
    Im Gegenteil: viele Sgraffitohäuser wurden überhaupt erst nach 45 freigelegt. Um 1900 sah das Stadtbild weit nicht so aufregend aus.
    Der Grund lag in der schrecklichen Historie des Städtchens: 1945 war nicht der erst Bevölkerungsaustausch, sondern der zweite nach der Gegenrefomation. Die Katholiken hassten alles Protestantische und übverpinselten daher die Sgraffiti.
    Bedeutend sind in Zlabings darüberhinaus einige an den sächsichen Raum gemahnende großartige Zellengewölbe (in mW Österreich nur nördlich der Donau vertreten, und da eher selten).


    Übrigens bevorzuge ich Zlabings gegenüber Teltsch, vielleicht, weil es "waldviertlerischer" ist (nur, dass es bei uns im Waldviertel eben keine so großartige Stadt gibt, wahrscheinlich auch kaum jemals gegeben hat. Waidhofen ist 1872 allerdings völlig abgebrannt und soll vordem auch sehr altertümlich gewesen sein).
    Teltsch wurde übrigens in seinen Glanzpunkten von Zlabingern errichtet, nämlich von der Baumeisterfamilei Österreicher (Esterreicher).
    Wer diese Gegend bereist, sollte auf keinen Fall auf die Stadt Neuhaus (Jindrichuv Hradec) vergessen. Von dort nahm wiederum der Ausbau von Teltsch seinen Ursprung.
    Die Bahnstrecke Waidhofen-Zlabings wurde übrigens wie s aussieht endgültig ad acta gelegt.

    ohje, was hat mich da wieder verraten? Das war doch ein völlig normaler, von keinerlei Lokalkolorit angekränkelter Satz.
    Oder war es meine Vorliebe für diesen überladenen Spätbarock, der sich in meinen (österreichischen) Augen schon beinahe eklektizistisch-gründerzeitlich ausnimmt?
    Nun, diese Vorliebe scheinen ja immerhin einige mit mir zu teilen...

    Karasek: Man male sich diese Orte mit Bürgertum und guter Finanzlage aus...


    Danke zunächst für die ausgezeichneten Bilder. Ich wusste an sich, dass Güstrow einiges zu bieten hat, aber dieser Eindruck übertrifft alle Erwartungen.


    Obige Stellungnahme kommt mir hingegen etwas naiv vor. Dann müsste ja zB FFM die allerschönste Alststadt haben.
    Geradezu das Gegenteil ist der Fall: Gute Finanzlage ist heutzutage der Schrecken aller Stadtästhetik (und natürlich auch sonstiger Ästhetik), und das Bürgertum als kulturell-tragende Klasse hat hoffnungslos abgewirtschaftet.
    Seien wir froh, dass die Rahmenbedingungen in Güstrow sind, wie sie sind: Substanzerhaltung durch jahrzehntelange DDR-Stagnation, danach gediegene Restauration, sowie eine genügsame Einwohnerschaft, ohne allzu größenwahnsinnige wirtschaftliche Ambitionen.

    @wissen


    Das hoffe ich grundsätzlich auch, wenngleich der Punkt aus grundsätzlichen sozialen Überlegungen nicht unproblematisch ist. Ich meine, Wohnheime abzureißen, um an deren Stelle rein ästhetisch motivierte, mehr oder funktionslose Bauten zu stellen, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Natürlich läge es auf der Hand, die Bewohner gleich in die neuentstandenen Barockpalais umzusiedeln, allerdings scheint mir dieser Wunsch als äußerst unrealistisch. Wer soll sich derartiges realistischerweise leisten können?
    Nicht einmal am Neustädter Markt gelang es, die nun wirklich katastropalen Platten abzureißen...
    Ginge sich eigentlich das Paais bei der derzeitigen Situaion rein platzmäßig aus?

    Natürlich ist die Frage nach dem Namen von peripherer Importanz, wenngleich nicht ganz frei von Stil- und Geschmacksüberlegungen. Feststeht, dass der Bau "British Hotel" untergegangen ist. Was überlebt hat, ist auschließlich die Sehnsucht nach dessen barocker Architektur, und ausschließlich diesem Umstand ist die seine präsumtive Wiedererstehung zu verdanken.
    Dass mir darüberhinaus das Attribut "British" im Zusammenhang mit Dresden nicht mit der allerbesten Konnotation zu versehen sein scheint, hat nichts mit "Schuldfragen" oder mit Politik zu tun, diese Begriffe erscheinen zu großspurig. Ich vermeine einfach, dass aus historischen noch geschmacklichen Gründen auf den ursprünglichen Palaisnamen zurückgegriffen werden sollte, das ist alles.
    Natürlich wird die Bezeichnung auf unsere Freude über diesen bedeutenden Bau keine Auswirkung haben, keine Frage. Ewig schade nur, dass das rückseitige Gebäude nicht rekonstruiert wird.

    Schade, dass das rückseitige Palais de Saxe nicht rekonstruiert werden kann, dessen wildwuchernde Barockfassade Ihresgleichen sucht.


    Im übrigen würde ich anstelle der Bezeichnung "British hotel" die Bezeichnung "Beichlingsches Palais" vorschlagen.
    Dresden ist nämlich für meinen Geschmack durchaus ausreichend britisch geprägt.