Posts by ursus carpaticus

    xflipx


    Das passt schon, was du über die USA geschrieben hast. Natürlich sind sie nicht der Ausgangspunkt des Bösen, aber doch der zweifellos katastrophalste Staat der Menschheitsgeschichte. Mögen auch "Ideenstaaten" wie das alte Österreich oder Preußen bis 1871 ím Ganzen sympathischer sein als Nationalstaaten, so trifft dies für die USA zweifellos nicht zu.
    Genau das eben ist das Problem bei den USA: Die Idee.
    Kapitalismus seit der Gründung.
    Die seitdem stattgefunden systematische Verinnerlichung dieses Prinzips in allen Bereichen führt naturgemäß zum allmählichen Verlust aller ethischen und kulturellen Werte. Auch die von dir angesprochene, zweifellos nicht zu leugnende extreme Ambivalenz in manchen gesellschaftlichen Erscheinungen findet nur soweit statt, als das big business dadurch nicht beeinträchtigt wird.
    Die meisten von dir genannten Werte sind ohnehin, sofern jemals vorhanden, völlig den Bach runter gegangen. Vonwegen 'demokratischen' Werte angesichts dieses Pseudozweiparteiensystems, dessen Kräfte sich in allen entscheidenden Fragen die längste Zeit einer Meinung sind!
    Und 'freiheitlich', 'Freiheit' oä betrifft, so handelt es sich nur um eine Floskel, unter der sich die Staatsbürger umso leichter unterdrücken lassen.
    Was folgt daraus für unser 'schöner Bauen'?
    Von der anderen Seite des Atlantiks ist kaum Unterstützung zu erwarten.
    Wenigstens in nächster Zeit auch keine Bomben. Zumindest nicht auf uns.

    Quote

    wer baut denn in den ostdeutschen Städten ? Kommen die vielleicht zufällig aus dem Westen?


    Ich will, zurückhaltend, wie ich nun mal bin, gar nicht behaupten, dass hieraus eine typisch westdeutsche Arroganz spricht.
    Aber, im Ernst, die wirtschaftspolitische Lage im Auge, wer sollte denn im Osten sonst bauen? Die Wiedervereinigung war ja wohl kaum ein Zusammenschluss zweier politisch gleichberechtigter und wirtschaftlich gleich starker Partner und ging selbstverständlich schwer zu Lasten aller ostdt. Betriebe und Unternehmen (was die ostdt Menschen betrifft, ist die Lage natürlich diffiziler, da kann man natürlich streiten, und das will ich hier nicht. Erfreulicherweise ist anzumerken, dass diese eindeutig ZUGUNSTEN der ostdt. Städte erfolgte, was eben unser Thema ist).


    Außerdem ist das kein Argument, da im Westen zufällig auch eher west- als ostdeutsche Unternehmer bauen.

    Hildi
    Na ja.
    Ich muss auch sagen, dass ich von Hildesheim sehr enttäuscht, dh deprimiert war (allerdings vor 20 Jahren, als noch kein KHAH etc rekonstruiert worden war*).
    Die Kirchen, ja, schön und gut, aber irgendwie wirkten diese Rekonstruktionen der Uraltstile nicht besonders authentisch. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man sich die Arbeit dadurch erleichtern und verbilligen wollte. Romanik ist eben asketischer und daher leichter zu konstruieren als Barock.
    Kein Zweifel, es war gute Arbeit und eine richtige Entscheidung, aber ganz froh wurde ich darob nicht (vor allem, was den Dom betrifft).
    Beim Würzburger Dom, damit wir zum Thema zurückkehren, liegen die Vereinfachungsmotive klar auf der Hand, ohne Zweifel steht die Hildesheimer Lösung auf höherem Niveau.
    Richtig schön war nur das unzerstörte Godehardviertel, aber, ehrlich gesagt, dergleichen findet man in vielen Kleinstädten.
    Nachteilig für Hildesheim ist, dass die beiden Großkirchen relativ isoliert stehen und daher keine Altstadtensembles bilden. Damit fällt für Hildesheim das weg, wovon alle anderen zerstörten Städte wenigstens ein bisschen profitieren, nämlich das Spannungsverhältnis von alten Großbauten und neuer Umgebung.
    Hildesheim ist (dh war, bei meinem Besuch eben, schön, dass sich das ganz offensichtlich verbessert hat!) eine völlig moderne, in meinen Augen reizlose Stadt.
    *Nur das Wedekindhaus und ein, zwei anschließende Barockbauten waren schon da.

    Danke für den Hinweis.
    Da schlägt das Herz des Nürnbergliebhabers in mir schneller. Vor allem der Markt sieht ja phantastisch aus. Das Rathaus erinnert mich überdies an Habelschwerdt.
    Da muss ich ja wirklich hinfahren!

    Philon


    Wenn ich so etwas lese, stellt sich mir immer folgende Überlegung ein:
    Eigentlich war der Bombenkrieg völlig sinnlos (bezogen auf den historisch erwiesenen Sinn, denn einige, um kein andres Wort zu sagen, blauäugige Zeitgenossen auch hier im Forum einfach nicht wahrhaben wollen: nämlich den der Kulturzerstörung, sieht man vom Massenmord ab).
    Wenn schon im zerstörten D immer noch soviel abgerissen wurde, was wäre dann in einem intakten D alles passiert? In einem D, in welchem etwa die Altstadt Regensburgs keinen Seltenheitswert gehabt hätte und wohl eher als Belastung für die moderne Stadtentwicklung gesehen worden wäre?
    Ich sage, es hätte ähnlich dem Heutigen ausgesehen.

    youngwoerth, ich nehm mein Lob Ulms zurück.
    Vielleicht soll man nur über Städte schreiben, die man wirklich kennt, also realiter besucht hat.
    Das, obwohl mir die meisten neuen Bauten eigentlich gut gefallen, bis auf eine Ausnahme:
    diese alberne Pyramide. Die ist mir komischerweise noch nie auf einem Bild aufgefallen.
    Dabei zerstört sie alles.

    Klar doch. Da gibt s nichts zu meckern. Hätte ja selber bessere machen können, wenn mir diese nicht passten.
    Und wie Baukunst richtig sagte: Real waren sie allemal.
    Sie waren eben auf einzelne Aspekte beschränkt und zeigten daher nicht das, was für mich an C am interessantesten ist: Das ungebremste Aufeinanderprallen von 4 verschiedenen Schichten
    a) alte Baustile (got. ren. bar.)
    b) Historismus und Jugendstil
    c) sozialistischen Aufbau (stalinistische ="volksverbundene" Epoche sowie spätere modernistischere Formen, monumental wie sonst kaum wo: Interhotel, Marx-Kopf)
    d) neueste Zeit (bewusst heterogen gehalten, dennoch leicht erkennbar und von allen anderen unterscheidbar).
    Vor allem am Markt kommt alles zusammen (leider in von a) nach d) kontinuierlich ansteigender Häufigkeit!)
    Daneben bestehen intakte Ensembles aus b) (Theaterplatz) und c) (nicht zu knapp ausgeprägt).

    baukunst
    Du hast Fürth erwähnt. Wie sieht es dort aus? Mich hat es einmal irrtümlich dorthin verschlagen, vor langen Jahren, als Mitglied einer Busreise, die Nürnberg ansteuern wollte. Ich weiß nur noch, dass wir plötzlich unter einer alten, Fachwerkhaus umsäumten Kirche standen und dass der Anblick höchst nürnbergerisch war.
    Kann Fürth dieses Versprechen wenigstens teilweise einlösen? (wohl kaum, da im 30j Krieg zerstört?)

    @Trteverer


    keine Sorge, so schlimm ist es nicht.
    Brachflächen, Baustellen und Supermärkte lassen sich in jeder Stadt photographieren.
    Mit einigem Geschick sogar in rothenburg ob der Tauber.

    Aber ich meine, ohne die Qualität von xFlipxens Bilder herabwürdigen zu wollen - denn dazu besteht wahrhaft kein Anlass, zeigen sie ja ganz offensichtlich, was sie zeigen wollen, und genau hier liegt der Punkt - dass diese Photos eben aus der Intention gemacht wurden, eine als Hässlichkeit empfundene Realität wiederzugeben, und dass man diese negative Intention bemerkt.
    Tatsächlich weist, gemäß xFlipxens Vorankündigungen, die Stadtmitte auf diesen Bildern zumindest für einen die Stadt nicht kennenden Beschauer kaum liebenswürdige Züge auf.
    Das ist natürlich xFlipxens gutes Recht, und wir sind ihm trotzdem für diese Bilder dankbar.

    Johan


    na, da ist unser Dissens ein höchst peripherer.
    Wie es um die Bemühungen der N.er Stadtverwaltung um die Bürgerbauten im Besonderen aussieht, beweist nichts mehr als der Umstand, dass eines der wenigen überlebenden Ensembles, der Unschlittplatz, in den 70ern nur knapp dank Engagement einiger Bürger der Zerstörung entging.
    Ich meine, dies sagt alles über den angeblich gelungenen Wiederaufbau dieser Stadt.

    @Johan


    Natürlich hast du Recht.
    Aber die erhaltenen großartigen Bauwerke bewirken bei mir die Anlegung eines strengen Maßstabes.
    Darüberhinaus wäre mit einfachen Mitteln (angepasste Häuser aus Rotsandstein und traditioneller Proportionierung, v. a der Fensterachsen anstatt Billigbauschrott) Großartiges zu machen gewesen.
    So wurde eine große Chance auf ein schönes Stadtbild verspielt.

    Woher kommt diese offensichtliche Zweiteilung an Baukultur?


    Wo auch immer ich in letzter Zeit in der ehmaligen DDR war, überall werden Altstädte verschönert, saniert, wieder aufgebaut und teilweise mit schönen neuen Bauten ergänzt (sieht man vom Dresdner Altmarkt ab, der in übelste BRD-Tradition fällt).
    Sicher sind manche Neubauten eher enttäuschend (siehe Leipziger Westbebauung des Marktplatzes, jedoch keineswegs unerträglich), aber im Großen und Ganzen hat sich erstaunlicherweise ein erfrischend guter Geschmack durchgesetzt (siehe Neubauten in Postdam Neuer Markt, Chemnitz Neue Mitte, DD Neumarkt, Erfurt Anger, Mühlhausen Th
    Richtig skandalös sind nur der Kaufhof in Halle (Ignoranz hat in dieser Stadt Tradition!) und das Lokal Alex in Zwickau. Eine sehr kleine negativ-Bilanz, wenn man die übergroße Menge der Städte bedenkt, die völlig ohne Bausünden ausgekommen ist, ganz abgesehen von der beträchtlichen Rekoliste. die sich jedoch nur im ehem. Osten abzuspielen scheint.


    Im Westen hingegen geht alles in 60er- 70er-Jahr-Manier weiter, siehe Würzburg, Schweinfurt, Heidelberg uva, also ohne jeglichen Geschmack.
    Woher kommt das bloß?
    Früchte der Amerikanisierung des Westens?