Posts by ursus carpaticus

    Hildi, baukunst
    meine Stadt...
    ich komme an sich aus einem karpatischen (zugegebnermaßen dem Gebirge etwas vorgelagerten) Dorf, wie mein Name schon sagt.
    Geboren bin in Wien, wo ich tw auch wohne. Das ist sicher kein hier im Forum unbekannter Ort.
    Man kann mir glauben, dass ich niedersächsiche Verhältnisse sachlich sehe.
    Ich glaub nicht, Hildesheim ungerecht beurteilt zu haben, überdies nötigt die Aufbauleistung, überhaupt jene seit meinem bisher einzigen Besuch größte Bewunderung ab.
    Was Nürnberg betrifft, bin ich vielleicht wirklich nicht so objektiv, da hat mich Baukunst wohl durchschaut. Zweifellos rührt meine harsche Kritik von meiner Hingerissenheit für den Vorkriegszustand her. Eine Zeitlang hatte ich sogar begonnen, alte AKs aus dieser Stadt zu sammeln (hab aber keine besonderen Exemplare ergattern können, wirklich nur das Übliche).
    Von Würzburg kenn ich eigentlich kaum Vorkriegsaufnahmen. Das wär eigentlich einmal ein interessantes Thema hier.
    Übrigens, Baukunst, ein Schmankerl für dich: in meiner Heimat, unweit von mir, befindet sich ein originales Nürnberger Fachwerkhaus.

    Ich hab nicht geschrieben: "in jeder x-beliebigen Kleinstadt", sondern "in vielen Kleinstädten". Bei allem Lokalpatriotismus hildi: besser am Boden bleiben. Nichts gegen Hildesheimer Kirchen, nichts gegen den neuen Hildesheimer Marktplatz (kenne ich wie gesagt noch nicht), nichts gegen den Aufbau von Hildesheim als solchen (viel war wohl nicht übriggeblieben). Und natürlich erst recht nichts gegen das Godehardiviertel, nur, es ist was es ist: reine, wenngleich mittelalterliche Vorstadt. Ein Vorgeschmack für ehemals von dieser Seite Kommende auf das reiche Fachwerk der Innenstadt, wovon hier noch nicht viel zu sehen ist, gerade mal das Wernersche Haus und bei bestem Willen noch das sehr kleinstädtische Waffenschmiedehaus. Ohne Frage sehr hübsch, und insofern bedeutend, als die großartige Godehardikirche authentisch in einen hier noch bestehenden Stadtorganismus eingebettet wird- Würzburg könnte froh über ein derartiges Viertel sein! - aber das war s dann auch schon. Im gesamt niedersächsichen und sachsenanhaltischen Kontext kann wohl kaum von stadtbildmäßiger Importanz gesprochen werden; ich will nicht großgoschert sein und raten: mal Duderstadt oder Osterwieck anschauen, die kennst du sicher besser als ich, auch eine Aufzählung aller bedeutenden erhaltenen Fachwerkstädte dieser Region kann man sich in diesem Forum wohl sparen.

    Unterspreewälder


    In Luckau war ich auch, jedoch dachte ich, diese Stadt in diesem Forum zu loben, hieße Eulen nach Athen zu tragen.
    Luckau ist für mich heute die schlesischte Stadt Deutschlands (von Anlage und Bauten her, ich weiß, dass dieser Titel geographisch einer anderen, größeren, und natürlich noch schöneren Stadt gebührt) :zwinkern:
    In Mittweida war ich übrigens auch:
    Interessante Historismusbebauung, sehr großstädtisch, leider mit modernen, anspruchslosen Fassaden durchsetzt (der Begriff 'Bausünde' wäre zu hart.)
    Ich war nicht sosehr angetan.
    Viel schöner ist da schon Waldheim:
    Neben dem obligaten reizvollen Platz erstklassige, großstädtisch anmutende Historismusensembles.
    Vielleicht kan mal jemand Bilder reinstellen, ich bin nur durchgefahren ohne stehen zu bleiben, Banause, der ich bin (nun, ich wollte leider nach MW, die Zeit war schon sehr knapp, und die Mulderegion hat es so überhaupt in sich: Penig, Rochsburg, Wechselburg, Geithain, Gnandstein, Rochlitz, Colditz, Grimma und die Rückfahrt über Mildenstein, MW, Kriebstein ist doch ein bissl viel für einen Tag, nicht wahr?)
    Pirna erachte ich jedoch schon als eine Nummer größer als diese Städte.


    @andere
    Bitte mich nicht misszuverstehen. Ich weiß, dass Großenhain nur eine Kleinstadt von vielen ist, und dass es allentwo Bedeutenderes gibt. Erwähnenswert war es mir nur
    a) wegen der Dresden-Altmarkt-Assoziation
    b) weil es in meinen Quellen sogut wie unerwähnt ist:
    Im Dumont Sachsen überhaupt
    und im Knaurs Sachsen nur mit nichtssagender Beschreibung
    Auch der ansonsten verlässliche Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR liegt ausnahmsweise etwas daneben: 'Bürgerhäuser vor dem Stadtbrand 1744 (ein Beispiel) Die nach 1744 errichteten Häuser sehr schlicht.'
    Darum.

    Natürlich kann in dieser Kürze Gesagtes nur holzschnittartig wirken, und zu längerer Darstellung besteht weder Zeit noch Raum.


    Kehren wir zur reinen Ästhetik zurück.
    Was ist 'schönes Bauen' eigentlich?
    Fällt Hundertwassers Werk etwa darunter?
    (Für alle, des es nicht kennen, ein Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Magdeburg_Hundertwasserhaus.jpg\r
    de.wikipedia.org/wiki/Bild:Magde ... erhaus.jpg


    Nun, für Magdeburg womöglich tatsächlich eine Bereicherung. Aber ist das das Gelbe vom Ei?

    xflipx


    Das passt schon, was du über die USA geschrieben hast. Natürlich sind sie nicht der Ausgangspunkt des Bösen, aber doch der zweifellos katastrophalste Staat der Menschheitsgeschichte. Mögen auch "Ideenstaaten" wie das alte Österreich oder Preußen bis 1871 ím Ganzen sympathischer sein als Nationalstaaten, so trifft dies für die USA zweifellos nicht zu.
    Genau das eben ist das Problem bei den USA: Die Idee.
    Kapitalismus seit der Gründung.
    Die seitdem stattgefunden systematische Verinnerlichung dieses Prinzips in allen Bereichen führt naturgemäß zum allmählichen Verlust aller ethischen und kulturellen Werte. Auch die von dir angesprochene, zweifellos nicht zu leugnende extreme Ambivalenz in manchen gesellschaftlichen Erscheinungen findet nur soweit statt, als das big business dadurch nicht beeinträchtigt wird.
    Die meisten von dir genannten Werte sind ohnehin, sofern jemals vorhanden, völlig den Bach runter gegangen. Vonwegen 'demokratischen' Werte angesichts dieses Pseudozweiparteiensystems, dessen Kräfte sich in allen entscheidenden Fragen die längste Zeit einer Meinung sind!
    Und 'freiheitlich', 'Freiheit' oä betrifft, so handelt es sich nur um eine Floskel, unter der sich die Staatsbürger umso leichter unterdrücken lassen.
    Was folgt daraus für unser 'schöner Bauen'?
    Von der anderen Seite des Atlantiks ist kaum Unterstützung zu erwarten.
    Wenigstens in nächster Zeit auch keine Bomben. Zumindest nicht auf uns.

    Quote

    wer baut denn in den ostdeutschen Städten ? Kommen die vielleicht zufällig aus dem Westen?


    Ich will, zurückhaltend, wie ich nun mal bin, gar nicht behaupten, dass hieraus eine typisch westdeutsche Arroganz spricht.
    Aber, im Ernst, die wirtschaftspolitische Lage im Auge, wer sollte denn im Osten sonst bauen? Die Wiedervereinigung war ja wohl kaum ein Zusammenschluss zweier politisch gleichberechtigter und wirtschaftlich gleich starker Partner und ging selbstverständlich schwer zu Lasten aller ostdt. Betriebe und Unternehmen (was die ostdt Menschen betrifft, ist die Lage natürlich diffiziler, da kann man natürlich streiten, und das will ich hier nicht. Erfreulicherweise ist anzumerken, dass diese eindeutig ZUGUNSTEN der ostdt. Städte erfolgte, was eben unser Thema ist).


    Außerdem ist das kein Argument, da im Westen zufällig auch eher west- als ostdeutsche Unternehmer bauen.

    Hildi
    Na ja.
    Ich muss auch sagen, dass ich von Hildesheim sehr enttäuscht, dh deprimiert war (allerdings vor 20 Jahren, als noch kein KHAH etc rekonstruiert worden war*).
    Die Kirchen, ja, schön und gut, aber irgendwie wirkten diese Rekonstruktionen der Uraltstile nicht besonders authentisch. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man sich die Arbeit dadurch erleichtern und verbilligen wollte. Romanik ist eben asketischer und daher leichter zu konstruieren als Barock.
    Kein Zweifel, es war gute Arbeit und eine richtige Entscheidung, aber ganz froh wurde ich darob nicht (vor allem, was den Dom betrifft).
    Beim Würzburger Dom, damit wir zum Thema zurückkehren, liegen die Vereinfachungsmotive klar auf der Hand, ohne Zweifel steht die Hildesheimer Lösung auf höherem Niveau.
    Richtig schön war nur das unzerstörte Godehardviertel, aber, ehrlich gesagt, dergleichen findet man in vielen Kleinstädten.
    Nachteilig für Hildesheim ist, dass die beiden Großkirchen relativ isoliert stehen und daher keine Altstadtensembles bilden. Damit fällt für Hildesheim das weg, wovon alle anderen zerstörten Städte wenigstens ein bisschen profitieren, nämlich das Spannungsverhältnis von alten Großbauten und neuer Umgebung.
    Hildesheim ist (dh war, bei meinem Besuch eben, schön, dass sich das ganz offensichtlich verbessert hat!) eine völlig moderne, in meinen Augen reizlose Stadt.
    *Nur das Wedekindhaus und ein, zwei anschließende Barockbauten waren schon da.

    Danke für den Hinweis.
    Da schlägt das Herz des Nürnbergliebhabers in mir schneller. Vor allem der Markt sieht ja phantastisch aus. Das Rathaus erinnert mich überdies an Habelschwerdt.
    Da muss ich ja wirklich hinfahren!

    Philon


    Wenn ich so etwas lese, stellt sich mir immer folgende Überlegung ein:
    Eigentlich war der Bombenkrieg völlig sinnlos (bezogen auf den historisch erwiesenen Sinn, denn einige, um kein andres Wort zu sagen, blauäugige Zeitgenossen auch hier im Forum einfach nicht wahrhaben wollen: nämlich den der Kulturzerstörung, sieht man vom Massenmord ab).
    Wenn schon im zerstörten D immer noch soviel abgerissen wurde, was wäre dann in einem intakten D alles passiert? In einem D, in welchem etwa die Altstadt Regensburgs keinen Seltenheitswert gehabt hätte und wohl eher als Belastung für die moderne Stadtentwicklung gesehen worden wäre?
    Ich sage, es hätte ähnlich dem Heutigen ausgesehen.

    youngwoerth, ich nehm mein Lob Ulms zurück.
    Vielleicht soll man nur über Städte schreiben, die man wirklich kennt, also realiter besucht hat.
    Das, obwohl mir die meisten neuen Bauten eigentlich gut gefallen, bis auf eine Ausnahme:
    diese alberne Pyramide. Die ist mir komischerweise noch nie auf einem Bild aufgefallen.
    Dabei zerstört sie alles.

    Klar doch. Da gibt s nichts zu meckern. Hätte ja selber bessere machen können, wenn mir diese nicht passten.
    Und wie Baukunst richtig sagte: Real waren sie allemal.
    Sie waren eben auf einzelne Aspekte beschränkt und zeigten daher nicht das, was für mich an C am interessantesten ist: Das ungebremste Aufeinanderprallen von 4 verschiedenen Schichten
    a) alte Baustile (got. ren. bar.)
    b) Historismus und Jugendstil
    c) sozialistischen Aufbau (stalinistische ="volksverbundene" Epoche sowie spätere modernistischere Formen, monumental wie sonst kaum wo: Interhotel, Marx-Kopf)
    d) neueste Zeit (bewusst heterogen gehalten, dennoch leicht erkennbar und von allen anderen unterscheidbar).
    Vor allem am Markt kommt alles zusammen (leider in von a) nach d) kontinuierlich ansteigender Häufigkeit!)
    Daneben bestehen intakte Ensembles aus b) (Theaterplatz) und c) (nicht zu knapp ausgeprägt).

    baukunst
    Du hast Fürth erwähnt. Wie sieht es dort aus? Mich hat es einmal irrtümlich dorthin verschlagen, vor langen Jahren, als Mitglied einer Busreise, die Nürnberg ansteuern wollte. Ich weiß nur noch, dass wir plötzlich unter einer alten, Fachwerkhaus umsäumten Kirche standen und dass der Anblick höchst nürnbergerisch war.
    Kann Fürth dieses Versprechen wenigstens teilweise einlösen? (wohl kaum, da im 30j Krieg zerstört?)

    @Trteverer


    keine Sorge, so schlimm ist es nicht.
    Brachflächen, Baustellen und Supermärkte lassen sich in jeder Stadt photographieren.
    Mit einigem Geschick sogar in rothenburg ob der Tauber.