Posts by ursus carpaticus

    Das Schlimme an diesem Einfältigen Journalismus ist das stetige stupide "Entweder-Oder". DD pfui- Ulm bravo. Dass die Ausgangssituation in beiden Städten ganz verschieden ist, geht in so ein Journalistengehirn nicht hinein. Und überdies - selbst wenn sie gleich wäre, wird es doch noch mehrere Lösungsansätze für ein Problem geben dürfen. Man wird doch auch sagen können: seien wir froh, dass es beides gibt.

    youngwoerth:
    "Das ist, wie gesagt, lediglich Deine subjektive Beurteilung - also bitte nicht fortwährend solche Pauschalisierungen."
    Tschuldigung, der alte Faschist in mir drängt mich im Unterbewussten stets, Phrasen oder Abkürzungen wie finde ich zumindest oder m.E wegzulassen.


    "Das Legohaus setzt die Arkaden des DDR-Barocks ebenso wie deren und des Kulturpalasts' Großteiligkeit fort. Putz, Lochfassade, Erker, Giebel und Farbgebung tun ihr Übriges, dass ich ein Bemühen um Anpassung und Eingliederung erkennen kann"


    Ja, aber ich meine, ein bisschen anspruchsvoller darf man schon sein. Architektur sollte über einen derartigen Minimalismus hinausgehen. Im Übrigen: was für ein Unterschied zum vglw Gestaltungsreichtung des DDR-Barocks, obschon es sich dabei keineswegs um einen Stil handelt, der einen vom Sessel haut.


    "(im Gegensatz zum Wilsdruffer Kubus, der das von Dir interessanterweise bevorzugte Sapnnungsfeld erzeugt)."


    Irgendwie halte ich es da wie dein Freund Oktavian, dem ich in seinen Abschiedsstellungnahmen völlig recht geben muss. Vorrangig Rekos, nur in Einzelfällen (also in intakten Altstädten oder Ensembles) Anpassungsarchitektur ansonsten durchaus bedingunslose Moderne. Mit Anbiederungen à la Legohaus ist nichts zu gewinnen (m.E.) Wenn nichts mehr da ist, woran man sich anpassen könnte, ist Anpassungsarchitektur obsolet und peinlich (finde ich zumindest).
    Übrigens - du hast doch auch das Chemnitzer Zentrum verteidigt. Da kracht es doch auch schön aufeinander. Warum nicht so was am Altmarkt schaffen - er hätte dann ein eigenes städtebauliches Profil gewonnen und DD hätte eine weitere, im Stadtgefüge äußerst wichtige neue Mitte (zu der der NM mE nicht viel taugt, da außerhalb der wichtigen NS Achse (das soll Nord-Süd heißen) und wirtschaftlich zu sehr touristisch geprägt).
    Ich könnte mir des Liebeskindbau recht gut am Altmarkt vorstellen, besser jeden falls als in der Neustadt.
    Auch die GHDN scheint in einigen Punkten meiner Meinung zu sein, zumindest was das Legohaus betrifft. Abschreibungsarchitektur nennt sie es, was, obschon ich es nicht ganz verstehe, zweifellos despektierlich klingt. "Ob diese sich so sehr von dem Betonbrutalismus der Sechziger und Siebziger unterscheidet, mag dahingestellt bleiben." Um weitere derartige Bauten zu vermeiden, wurde die GHDN schließlich immerhin gegründet.
    Aber ich will den Postplatz wirklich nicht verteidigen, versteh mich nicht falsch. Vor allem den Riegel find ich unmöglich, und richtig gefallen tut mir der Würfel noch lange nicht.

    Dem öffentlichen Bewusstsein weitgehend unbekannt zählt zerbst zu den schmerzlichsten städtebaulichen Kriegsverlusten. In diesem Fall war es nicht einmal ein Terrorbombardement. Diese kriegsverlängerten Nazibonzen müssen wirklich eine Pest gewesen sein. Da offenbar einigen Teilnehmern hier unbekannt, folgende alte Ansichten:


    http://cgi.ebay.de/AK-Zerbst-S…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/PK-Zerbst-K…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318" onclick="window.open(this.href);return false;


    http://cgi.ebay.de/6wt7950-Zer…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/Zerbst-Fisc…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    Und erst der Markt:


    http://cgi.ebay.de/AK-Litho-ZE…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/wd18923-Zer…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/Zerbst-Mark…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/Zerbst-Mark…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318

    Miwori
    Ja, das sicher, aber für einen Hauptplatz gelten doch erhöhte Qualitätskriterien. Hässliche Postplätze oder Pirnaische Plätze etc gibt es in beinahe jeder Stadt. Aber mit dem Altmarkt steht und fällt das künftige, erst zu kreierende DDer Stadtbild. Wenn es nicht einmal gelingt, einen ansprechend Hauptplatz zu schaffen, was soll dann südlich der Wilsdruffer Straße noch werden?
    Genau deshalb lehne ich dieses komische Legohaus ab, youngwoerth. Nicht, dass es für sich so besonders hassenswert erschiene, aber eine derartige Belanglosigkeit hat an so prominenter Stelle einfach nichts zu suchen. Kann sich einer vorstellen, dass ein derartig niveauloser Klotz auf den Altmarkt von Warschau gesetzt worden wäre?
    Der Würfel am Postplatz stört mich da weniger (nicht, dass ich ihn etwa mag), er ist immerhin weit ansprechender als das Legohaus oder dieser garstige, läppische Riegel.
    Was solls- es ist so, wie ein netter DDner Forumsteilnehmer vor einiger Zeit geschrieben hat - außerhalb des NMes tut sich in DD rein nichts. Insbesondere scheint die Stadtregierung kein Interesse an einem ansprechenden Stadtbild zu haben.

    Brandmauer
    Das kann man höchstens auf die unmittelbare Umgebung beziehen, keineswegs auf die ganze Stadt, blieben doch in C. ganze Viertel mit ansprechender Histroismusbebauung erhalten. Die Zerstörung war hier viel kleinflächiger als in DD.
    Insgesamt sehe ich, wie schon erwähnt, dieses Stadt nicht so pessimistisch und kann ise eigentlich nur empfehlen.

    Ich hab mal vor einiger Zeit über Chemnitz einen Strang eröffnet. Der Zulauf war nicht übermäßig, auch stand ich mit meiner eher positiven Meinung über die Stadt zwar nicht ganz allein da, jedoch grausam in der Minderheit.

    Das mit der HlGeist Kirche wird wohl nichts mehr werden, da die Stelle überbaut ist (übrigens nicht mal so schlecht, die alten Umrisse blieben gewahrt).
    Das alte Burgviertel besteht ohnehin nicht mehr.
    Wichtiger wären mE das Palais Barberini, die Bauten in der Schlossstraße und Fr.Ebert Straße, Hotel zum Einsiedler, alte Kommandatur (Attika-Statuen erhalten!), 8 Ecken-Kreuzung, und der herrliche Eckbau zur Yorckstraße (an Stelle des grindigen Hochhauses).
    Dann könnte sich Potsdam wieder sehen lassen.
    Aber das wird nichts. Schon das Schloss erscheint mir fraglich. Erkennbar ist nur der politische Wille, die Sache in die Länge zu ziehen.
    Schade, denn nach der Wende ist ganz im Stillen eigentlich viel gelungen.

    Riegel
    nein, da gehen unsere Meinungen ein wenig auseinander.
    Auch ich sehe ein geschlossenes Stadtbild als vorrangig an, aber davon kann in Nürnberg ohnehin keine Rede sein.
    Die Beibehaltung bloßer Straßenverläufe um ihrer selbst willen bedeutet mir nichts.
    Ich meine, es wäre wirklich besser, die erhaltenen Bauten und wenigen gelungenen (gibt es tatsächlich vereinzelt um St. Lorenz) stünden isoliert bzw in den rudimentären Ensembles zwischen Grünflächen.
    Aber das kann man, zugegebenermaßen, anders sehen.
    Was ich hingegen nicht verstehe, ist warum just in diesem Forum, in welchem völlig zu Recht die destruktive, weil gebotene Rekos verhindernde Unterschutzstellung beliebiger Neubauten kritisiert wird, um den Abriss bzw geplanten Austausch eben eines solchen Baues soviel Aufsehen gemacht wird. Schließlich hab ich ja nicht so etwas wie den in den 70er Jahren tatsächlich geplanten (soviel zum Geist des Nürnberger Wiederaufbaus! Wieviel wäre in einem nur zur Hälfte zerstörten N. abgetragen worden?) Abriss des ma. Unschlittplatzes bejubelt oder gefordert.

    Dass das Legohaus das Niveau vorgibt, ist das Problem (auch wenn es in Freiburg tatsächlich zumindest einen Bewunderer gefunden hat).
    Eben dagegen müsste man ankämpfen.
    Ein historisch rekonstruierter Altmarkt schwebte mir nicht vor.
    Aber ein architektonisch doch relevanterer. Das Spannungsfeld verschiedener Stilrichtungen, ohne dass irgendetwas 'verloren' wirkte, oder gerade eine pointiert herausgestellte Wirkung der 'Verlorenheit' wäre doch eine Herausforderung für inspirierte moderne Architektur.
    Und warum sollen seine Proportionen nicht wiederherstellbar sein? Was zu groß geraten ist, kann man immer noch verkleinern, auch ohne Abrisse.

    @marc
    Görlitz ist sogar ein absolutes Muss! Die restliche Oberlausitz auch, wie Karasek schrieb. Für ich vielleicht DIE faszinierendste Gegend Ds. Bautzen ist übrigens, obgleich ganz anders, auch ein kleines Weltwunder, zu den von Karasek genannten Lokalitäten wäre noch die Stadt Löbau zu zählen, klein, aber fein, und noch kleiner und feiner: Schirgiswalde, dazu reichlichste Volksarchitektur, teilweise in städtischer Gehäuftheit.
    Görlitz ist mit Graz stilistisch nicht zu vergleichen, vom Wert her ungefähr gleich hoch anzusetzen, wenn dies als Orientierungshilfe dient. Mir gefällt es sogar besser, aber das ist rein subjektiv.
    Karasek
    Ja, das war mir bekannt, dass Schlesien erst mit Greiffenberg begann. Jedoch war Görlitz in seinen Blütezeiten, also im 16. und im 19.Jh mit Schlesien vereint, und das gab offenbar den Ausschlag.
    Jedenfalls ist die stilistische Einheit mit Schlesien (und nicht mit Böhmen) im Gegensatz zu den vier anderen (verbliebenen) Sechsstädten nicht zu leugnen.
    Laubenhäuser findet man in der (verbliebenen) OL ansonsten nur in der Volksarchitektur, den typischen schlesischen Ringplatz mit verbauter Mitte (wenn auch in der OLer Variante mit nicht zentralem Rathaus wie auch in Lauban) überhaupt nicht. Dazu die sonstigen architektonischen Details, die durchbrochenen Helme an Rathaus und (leider nicht mehr bestehend) an der Hauptkirche, die wuchtigen Türme, die Liebe zum Pittoresken,...
    Sächsische Einflüsse konnten sich in Görlitz nie durchsetzen, das Napoleonhaus aam Obermarkt blieb eine eher kraftlose Ausnahme.

    @ jungFBer
    Der Stalinbarock mag angehen, allerdings stehen die beiden Reihen nicht eigentlich am Altmarkt, zumindest, wenn dieser, was zu begrüßen ist, in seinen alten Umrissen wieder hergestellt sein wird.
    Aber was man an der Nachwendebebauung positiv sehen kann, versteh ich einfach nicht. Da ist einfach alles minderwertig bis widerwärtig. Ich meine, über das Legohaus oder wie der Schrott heißt, auch nur diskutieren zu wollen, ist doch müßig.
    Ehrlich gesagt meine ich, dass es nicht angeht, ganz ohne Rekos bzw ganz ohne historisches Zitat auskommen zu wollen. Das Rathaus oder der eine oder andere Bau nach Canalettos Vorlage wäre fällig gewesen. Das hätte man dann mit wirklich qualitätsvoller modernistischer Architektur in ein Spannungsfeld setzen können, wodurch auch ein sinnvoller Kontrast zum Neumarkt entstanden wäre. Ein aufregendes, inhomogenes, meinetwegen zerrüttetes Platzbild, an welchem seine Zerstörung gut abzulesen ist, und das dadurch sogar expressive Wirkung erlangen kann.
    Aber so? Nur Kommerz, völlige Beliebigkeit und Belanglosigkeit. AdF 22 regt alle auf, dabei ist dies im Vergleich zur Altmarktbebauung noch exzellent gelungen.
    Der Altmarkt als ehemaligs gute Stube DDs scheint allen gleichgültig zu sein, auch hier in diesem Forum, auch bei der meinungsführenden Architektenschaft, die alles daran legt, den Neumarkt als historisch wirksames Ensemble zu verunmöglichen, aber hier auf wirklich anspruchsvolle Architektur keinen Anspruch erhebt.
    Ohne wirksamen Altmarkt aber wird die Innenstadt jedoch immer nur ein eindimensionaler Torso bleiben, eine reine Staffage, eine Verbindungslinie von einigermaßen erhaltenen imperialen Großbauten zur Frauenkirche samt wiederhergestellten Umgebung hin, ohne Kreuzung, ohne Tiefe.
    Im Grund der gleiche Blödsinn, den die Kommunisten machten mit ihrer dazu vertikalen Linie vom Bahnhof in die Neustadt (deren Vernachlässigung seit der Wende übrigens auch ein Skandal ist).

    Schön und gut, aber ist das nicht bloß ein Geschrei um Symptome? Den Leuchter wird man demontieren können, die generelle fortschreitende Verschandelung des Altmarkts hingegen nicht.
    Warum wird diese hier nicht thematisiert?
    Ein Haus hässlicher und abgeschmackter als das andere. Reine Kommerzbauten in
    übl(ich)er Wirtschaftswundermanier, wie man sie aus dem Westen, von München bis Kiel zuhauf kennt.
    So wird eine Chance auf sinnvolle Neugestaltung des zentralen Platzes vertan und keinen scheint dies aufzuregen.
    Offenbar erscheint die in den Umfassungsmauern bestehen gebliebene Kreuzkirche niemandem wert, in würdigem städtebaulichem Kontext stehen zu dürfen.
    Komisch auch, dass moderne 'Architekur' von politischer und Architektenseite ausgerechnet für den Neumarkt verlangt wird.
    Der Altmarkt scheint allen völlig gleichgültig zu sein.

    Schlossgespenst hat es auf den Punkt gebracht:
    Das Desinteresse des Ostens wirkt heute charmanter als die Modernisierungswut des Westens.
    Allerdings darf eines nicht außer Acht gelassen werden:
    Görlitz war in seiner Substanz zu jeder Phase der Neuzeit schöner und wertvoller als das vergleichsweise fade und biedere Heidelberg.


    Dazu kommt noch ein Aspekt, der Görlitz so überaus kostbar macht:
    Es ist die letzte bestehende Stadt Schlesiens von einiger Bedeutung und daher mit seinem Ringplatz, seinen Türmen, Lauben, Giebeln und krummen Gassen einzigartig.

    Tschuldigung, ich wollte keinesfalls Gefühle von Liebhabern erlesener 50er-Jahre-Architektur beleidigen. Offenbar wird diese hier von einigen überaus geschätzt- nun ja, das ist nichts Ehrenrühriges, bekanntlich hat auch schon der Denkmalschutz den enormen künstlerischen Wert dieser Bauten erkannt.
    Früher hätte ich gesagt: eine plumpe, unbeholfen-versatzstückhafte Aneinanderreihung altehrwürdiger, teilweise sogar ortsfremder (Backsteinfassaden in N!*) Formelemente ohne jegliches Gefühl für Dimension und Proportion, aber mittlerweile muss ich mich ob der exquisiten Fürsprecherschaft wohl eines Besseren belehren lassen.
    *gab und gibt es tatsächlich vereinzelt!

    Ja mei, grundsätzlich ist technische Innovation nix Schlechtes.
    Es kommt halt immer drauf an, was man draus macht.
    An der jetzigen Misere sind die schlechten, unbegabten Architekten schuld.
    Wenn sich die nicht ändern, wird unter sämtlichen denkbaren Bedingungen eben nur Müll entstehen.