Posts by ursus carpaticus

    Das Beck-Kaufhaus stellt für mich ein Musterbeispiel für jenen BRD-Wiederaufbau dar, den ich so verabscheue. Bunt, billig, banal, dazu völlig formlos. Aber wahrscheinlich steht der Dreck heute unter Denkmalschutz.

    Es wird sich sicher nichts ändern. Entscheidungen mussten nunmal getroffen werden und sind letztlich zu akzeptieren, auch wenn sie - klarerweise - nicht in allem und jedem nach jedermanns Geschmack ausfallen konnten. Ich denke, wir haben in DD irrsinnig viel bekommen, was sich a priori niemand erträumen konnte. Und man kann nicht immer von neuem bei Null ansetzen und alles in Frage stellen. Noch dazu wird der KP immer "historischer" und die um ihn geschaffene Stadtbildsituation selbstverständlicher. Ich denke, dass der Schlossstraßenabschnitt dieses Quartiers diesbezüglich sehr gelungen ist. Man muss in Anbetracht der Dinge mit dem zufrieden sein, was man hat, überhaupt angesichts des Umstandes, dass sich das NM-Projekt dem Ende zuneigt, und woanders daran anzuknüpfen immer schwieriger zu werden scheint.

    Die Idee der "pseudo-historischen Einhausung" des KP war übrigens Schwachsinn pur.

    Heast Klassiker, natürlich wäre das irgendwann einmal die allerklügste Lösung gewesen - irgendwo auf der anderen Altmarktseite bzw dahinter wäre genug Platz gewesen, und die Ensemblewirkung mit der Kreuzkirche wäre zweifelsohne nicht schlecht und ganz im Sinne der damaligen DDR-Konzeption gewesen, ev auch als Blickachse aus der Prager Straße. Aber das ist aus und vorbei, jetzt, da sozusagen die Bruchstellen mit der Neuen Restaltstadt notdürftig vernarbt worden sind, sind derartige Überlegungen einfach obsolet. Was Schlossstraße und Altmarktseite anbelangt, kann man der Situation wenigstens noch irgendwas abgewinnen, die Rückseiten zur Rosmaringasse und Galeriestraße sind natürlich höchst grindig. Aber man kann diesen Gassen ja irgendwie ausweichen.

    Vielleicht denkst du an Dinkelsbühl, Segringer Tor? Alles gibt's in D., auch solche Glacierungen, aber nicht diesen neoklassizistisch-überladenen Villenstil. Baden-Baden ist viel großstädtischer und auch irgendwie "akademischer". Diese vor allem im Mittelrisalit kumulierte Ornamentik riecht förmlich nach Ungarn. So exzessiv hat man nicht in dt. Landstädchen gebaut.

    Also, das ist selbstverständlich Gründerzeit. Berlinerisch schaut es ganz und gar nicht aus. Ich würde nicht einmal auf Deutschland tippen, nicht einmal Österreich, sondern irgendwas im Südosten von uns. Wennst mich fragst, dann was heute Rumänisches. Viele Details sprechen dafür. Großwardein oder Temeschwar, irgendwas in diese Richtung. Vielleicht hat dein Urgroßvater mal richtig schönen Urlaub gemacht bzw hatte er Verwandte dort?


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    Efentunnel sogar ein dortiges Stadtzentrum, das heute auch noch in etwa so aussehen müsste.

    Stellt sich mir die Frage, ob es, wenn es nicht 1899 angebrochen worden wäre, das Inferno von 1945 überstanden hätte. Vermutlich eher nicht.

    Muss nicht sein. In diesem Bereich ist alles "nur" ausgebrannt gewesen. Und die DDR hat Palais im Gegensatz zu Bürgerbauten eher weniger weggeräumt. Vielleicht hätte man es als Blickfang in die Prager Straße integriert, wie man es mit "zitathaften" Statuen gemacht hat?

    des von einigen heiß geliebten Kaiserpalastes oder - noch schlimmer - des völlig hypertrophen Central-Theaters.

    dafür kriegst natürlich ein dickes Lajk von mir.

    Aber an das hab ich nicht gedacht- das ist rein eklektizistische Architektur ihrer Zeit, die man so zu würdigen hat, wie sie ist. Es gibt gute und schlechte Beispiele. Ich halte die von dir erwähnten Beispiele für verunglückt - reine Geschmacksfrage, beim Central-Theater bin ich sogar mitunter ein wenig im Wiglwogl, inwieweit diese Formverletzungen nicht sogar pointiert-gelungen seien. Beide Bauten sind aber ganz sicher nicht kommerziell. Ich dachte ua an Schaufenstereinbauten in alte Häuser, im Mezzanin beispielsweise, ev. sogar in bis dahin intakte Gründerzeitler uä. Was ich sagen wollte: der Vorgängerbau wird ganz sicher nicht "perfekt" gewesen sein, wie auch in gewachsenen Städten Ladeneinbauten und Fassadenvereinfachungen bzw- Erneuerungen alles andere als perfekt sind. Daher soll man bei derart kleinen stilistischen Unstimmigkeiten nicht überkritisch sein. Das Haus passt im Groben und Ganzen, dh als Teil des wiederhergestellten Ensembles Mittlere Schlossstraße, es erweitert damit den akzeptablen Bereich derselben. An städtebauliche Perfektion dieses Abschnitts ist aufgrund der Nähe zum Kulti ohnedies nicht zu denken. Daher sollten wir, so denke ich, zufrieden sein.

    Aber der Rosensaal ist doch auch vorher schon Kino gewesen? Mittelalterlich wird da außer den Außenmauern gar nichts gewesen sein.

    Ansonsten lebt das Projekt von der Idee der Einbeziehung der Dachstuhlkonstruktion in die touristische Nutzung. Man kann somit inmitten authentischen Mittelalters relaxen und wellnessen und chillen und was sonst das heutige Herz begehrt. Früher ist man in diesen Bereich wohl kaum hingekommen.

    Die Riesenhaftigkeit der Fluren ist wohl bereits auf langbestehende weitgehende Entkernung des ganzen Gebäudekomplexes zurückzuführen. Ich hoffe und kann mir auch nicht vorstellen, dass der Hezelhof da miteinbezogen worden ist?

    Das Rendering suggeriert quasi omnipräsenten Sichtbeton, auch dort, wo offenbar keiner vorliegen kann. Das trägt viel zum Anschein unangenehmer Kälte bei.

    Fazit: schwer zu sagen, wie es wirklich wirkt. Sicher ist es hochwertiger als die miefig gewordene 60er Jahre- Ärmlichkeit. Ob man aber die modern- kühle Großzügigkeit irgendwann einmal, wenn auch sie in die Jahre gekommen sein wird, günstiger als heute beurteilen wird, steht auf einem anderen Blatt.

    Nein, an touristische Übererschließung hätt ich gar nicht gedacht, deine Bilder suggerieren sogar eher das Gegenteil. Auch Teltsch ist zumeist nicht überlaufen. Sondern einfach, dass es eine ins platte Land gesetzte Planstadt ist. Etwas, mit dem man nicht rechnen würde.

    Ja, man soll wirklich nicht so tun, als ob im Westen alle Altstädte mustergültig und großflächig erhalten geblieben wären. Im Osten war man einfach mit allem später dran, auch mit den Abrissen. Daher kam die Wende zur rechten Zeit. Zwanzig Jahre früher wäre sie sehr zerstörerisch ausgefallen.

    Ich hab Görlitz übrigens nach der Wende erlebt. Ich sagte mir: genau hinschauen, das siehst du nie wieder (weil völlig unsanierbar). Gleiches galt für Bautzen. Hinsichtlich des Südens der Zittauer Altstadt hat sich das hingegen leider bewahrheitet.

    Ist das wirklich so? Muss man das so kritisch sehen? Eigentlich sind die Proportionen recht passabel, und im Ensemble fallen allfällige kleine stilistische Unstimmigkeiten nicht auf. Letztlich kann man sich sogar die Frage stellen, ob gewisse Fehler nicht auch geradezu authentisch wirken können. Man soll nicht so tun, als hätte es im Zuge der gründerzeitlichen Kommerzialisierung nicht ungleich Schlimmeres gegeben.

    Um zum Thema autogerechte Stadt zurückzukommen: E-Autos lösen natürlich keines der Probleme des innerstädtischen MIV,

    Das ist mE der entscheidende Punkt und einer meiner Hauptvorwürfe an die Grünen in ökologischen Fragen (von den anderen Bereichen reden wir besser nicht). Das Konzept des Individualverkehrs, das in Städten nichts verloren hat, wird nicht mehr hinterfragt. Dazu kommen, gerade in Städten andere Probleme, wie etwa die Gefährdung der Fußgänger aufgrund der ziemlichen Lautlosigkeit der Fahrzeuge. Ein richtig fortschrittliches Konzept schaut in meinen Augen anders aus als die Umsattelung von Benzin auf Strom.