Posts by ursus carpaticus

    Mit Migranten hat das alles auch nichts zu tun, diese mögen zwar insgesamt gleichgültiger gegenüber dem Bauerbe eingestellt sein, "ersetzen" in diesem Sinne aber nur die gleiche, zuvor genauso desinteressierte Schicht an Deutschen, die ihre Häuser in den 50er-80er Jahren baumarktgerecht saniert haben und keinen Deut mehr Interesse am Stadtbild zeigen/gezeigt haben. Ob in einer Stadt 10 oder 25% Menschen mit Migrationshintergrund leben, ändert daran gar nichts,

    Diesen pessimistischen Ausführungen ist - leider - recht zu geben, wie es auch bei uns nicht zu übersehen ist. Kulturelle Fragen jeder Art sind heutzutage - dh unter den heutigen Rahmenbedingungen - nicht demokratisch - und damit auch nicht demographisch - anzugehen. Dafür fehlen jegliche sozio-politische Grundlagen, und das nicht erst seit gestern. Eine sozialdemokratische Bewegung, der an der kulturellen Förderung der Arbeiterschicht gelegen ist, findet man allenfalls bis zur Kreisky-(Brandt-)Ära, im großen Stil überhaupt nur in der Zwischenkriegszeit.

    Wir dürfen doch nicht vergessen, dass das, was wir hier diskutieren, ein absolutes Minderheitenprogramm ist. Klassische Kunst, Architektur oder Musik, ist heute einfach nicht mehr zu "verkaufen". Die schlichten Mechanismen des Marktes bzw des Plebiszites funktionieren hier einfach nicht. Auch eine ethnisch rein deutsch bleibende Unterschicht würde unter den heutigen Umständen in kultureller Hinsicht hoffnungslos verkommen- wahrscheinlich sogar schlimmer als Türken, denen eine gewisse traditionelle Bindung bliebe. Das ist woanders übrigens genauso.

    Entscheidend bleibt, wo es in Politik und Gesellschaft hinreichend mächtige Kräfte gibt, gegenzusteuern. Das kann in Ulm, Lübeck, Potsdam, Dresden oder seinerzeit im komm. Warschau sein. Mit dem Ausmaß der Begeisterung und Beteiligung der unteren Bevölkerungsschichten hat das rein nichts zu tun, damit wäre auch kein Staat zu machen.

    Mein lieber DDner Freund, ich war schon in DD, sogar mehrfach und hab schon viel gesehen in verschiedenen Stadien, auch diese zwei Häuslein, weiß also irgendwo, was ich schreibe. Mein so sehr beanstandeter, ankotzender Satz beinhaltet eine rein contrafaktische Formulierung, Konjunktiv, Imperfekt, noch dazu auf "dürfen" bezogen. Man kann schon sagen, dass er in etwa so geistreich war wie: DD hätte nicht zerstört werden dürfen oä, allein - was verkennt daran irgendeine Realität, etwa die Existenz eines maliziösen SPAs? Oder welche Leistung von wem wird da in Abrede gestellt? Die Nr 2 ist seinerzeit auch vom NM-Verein massiv kritisiert worden.

    Wobei hier natürlich das Hauptproblem im mit dem NM verquickten Tiefgaragenkonzept liegt. So sehr ist das wohl gar kein spezifisches Modernismus-Problem des SPAs.

    Damenstiftkirche

    Oje, das ist aber mehrfach ganz übel... schon vom Liturgischen, weil hier würdige Messfeiern abgehalten worden sind, und auch wegen des Denkmalwertes des Wiederaufbaus. Hoffentlich kann man das so retten!

    Den alten Rathausturm hätt ich auch gemocht. Man sieht daran, dass die Neogotiker noch ein Formgefühl hatten, das den späteren einfach abgeht. Ein so bedeutender Architekt und Handwerker, der nicht einmal einen schlichten gotischen Rathausturm nachempfinden konnte...


    Leb_26a.jpg

    Die Nr 4 ist Opfer ihrer Lage.

    Die Katastrophe ist die Nr 2, und die "strahlt" auf die Nr 4 hinüber, was bewirkt, dass diese, eigenwillig, wie sie ist, offensichtlich nicht als Einzelfassade, sondern für eine intakte Flucht konzipiert, sehr, sehr unnatürlich wirkt. Jeder Blinde sieht, dass da was nicht stimmt. Dazu kommt die Nähe zum Hotel, gegen das wirklich jede Fassade abfallen würde - eine äußerst unglückliche Konstellation. Wäre die Nr 2 ein halbwegs stimmiger Füllbau mit intaktem EG, würde kein Mensch an der Nr 4 irgendwas zu beanstanden haben.

    Sehr schlecht wirkt auch die gleiche Trauf- und Dachhöhe, ja Dachform. Dadurch werden 2 und 4 als Einheit wahrgenommen.






    Landhausstraße in 01067 Dresden Innere Altstadt (Sachsen)


    So was wie die Nr 2 hätte man nie bewilligen dürfen, der absolute Tiefpunkt des NMes.

    Man muss sich ja ernstlich um Weiterentwicklung und Verfeinerung des Geschmacks bemühen, und dazu leisten Foren wie dieses zweifelsohne einen wichtigen Beitrag.

    In diesem Sinne würde mich wirklich interessieren, was man an dieser:



    20210710_105031

    Ansicht (es dürfte klar sein, welches Haus hier gemeint ist), ernstlich auszusetzen hat.

    Man kann viel kritisieren, wobei einem sogar Argumente von unseren modernistischen "Gegnern" in den Sinn kommen: etwa, dass der Bau letztlich Frustration und Enttäuschung auslöst, weil man zunächst, also auf allerersten Blick, bei Betrachtung der bloßen Straßenflucht von einer historischen Fassade ausgeht, eine Erwartung, die kein einziges Detail einzulösen imstande ist. Man kann daher sagen, dass er für einen historisierenden Neubau bei weitem zu lieblos und für einen 50er-Jahr Gemeindebau zu hochtrabend daherkommt, im Ganzen also trotz gediegener Proportionierung doch sehr unstimmig ist. Die grundsätzliche Freudlosigkeit solcher Gemeindebauten erscheint nur etwas billig übertüncht und schlägt schlussendlich dann doch durch...

    Aber letztlich füllt diese Fassade den historischen Straßenraum 1000x besser aus als das Standardzeux aus dieser Zeit, und, ich denke, genau darauf ist es dem Architekten Fick angekommen. Er wollte kein für sich allein bestehendes und in sich stimmiges Kunstwerk schaffen, sondern nur Schadensreparatur in der schlimm gezeichneten, aber letztlich rettbaren Burgstraße betreiben.

    Und genau eine solche Wirkung kann ich dem Becks-Haus überhaupt nicht zuerkennen. Es wertet überhaupt nichts auf, verhunzt den Blick auf das dahinterliegende Rathaus, entweiht die Würde des östlichen Platzendes, etwa indem es uns zu sagen scheint: vergesst es, hier ist doch nur alles Chimäre, so grell und billig wie ich selbst. Sicher spielt auch der neue (Alte-) Rathausturm eine gewisse Rolle, der in sich ebenfalls irgendwie unstimmig ist. Beides zusammen hat eine - Entschuldigung, ich kann nicht anders sagen - ziemlich plumpe Disneylandwirkung.

    Davon wiederum kann in der Burgstraße keine Rede sein. Diese wirkt nach wie vor wie eine echte, alte, Altstadtstraße mit wertvoller Altsubstanz, ergänzt durch teilweise vereinfachende, teils, wie hier, komplette, aber um Würde bemühte Neubauten.

    Hier ein Beispiel für einen historisierenden Neubau in gediegenen Proportionen:



    Burgstraße, 4 - München



    Es wird hier wohl jeder diesen Bau kennen. Wichtig erscheint zu zeigen, was hier gelungen und am Marienplatz komplett daneben gegangen ist.

    Vielleicht kann man sich auf die Begründung einigen, dass das hier von einem richtigen Architekten entworfen worden ist.


    Natürlich bleibt etliches zu beanstanden: warum um alles in der Welt nur EIN Erker bei dieser Fassandenlänge? Musste diese Gleichförmigkeit sein?

    Aber man muss nicht übertreiben.

    Immer noch auf der Suche nach einem weiteren Neunspitz, und zwar im Südmährerland. Ich hatte mal eine AK mit sowas in Händen, hab sie aber nicht gekauft (sie schien mir gar nicht selten) und hab auch den Ortsnamen vergessen.

    Der heutige Turm der Kirche zur Gurdau scheint in der Tat eine Vereinfachung des NvE-Musters zu sein. Aber eine wirklich alte AK kann ich einfach nicht mehr ausgraben. Vielleicht ist wer geschickter als ich:


    Wehrkirche Johannes des Täufers in Gurdau [in explore] | Flickr

    Wehrkirche Johannes des Täufers in Gurdau

    Solche Dächer hat es doch fast überall gegeben. Sudetenland ist natürlich nicht auszuschließen, bei diesem Allerweltstil natürlich schon gar nicht, aber ich halte östlichere Gefilde, ev. Slowakei oder was davon Südliches (Ungarn, Rumänien) für wahrscheinlicher.

    Ich halte die Klimawandeldiskussion unterm Strich für das größte Gift für den Naturschutz. Unter den heutigen Prämissen wären "Hainburg-Stopfenreuth" und damit auch "Dürnstein-Rossatz", nebstbei auch ein Stadtbildthema, daneben auch das Dorfertal, die letztlich einzigen großen Erfolge des österr. Umweltschutzes, unhaltbar gewesen. Wasserkraft ist ja schließlich ach so saubere Energie.

    Das Gefährliche an dem Becks-Dreckhaus ist der Umstand, dass etliche auf diese so überaus plumpe Pseudo-Renaissance hereinfallen. Ja natürlich, der Kaufhof ist auch mir bekannt. Ich halte aber die Erkenntnis für wichtig, dass beide Klötze in etwa gleich schlecht sind. Und Müll dahingehend zu sezieren, was jetzt ein bisschen weniger stinkt, ist einfach meine Sache nicht. Beide Gebäude sind potthässlich und verunstalten ihr Umfeld, das eine durch schiere Hässlichkeit, das andere durch Verhöhnung althergebrachter - und überdies hierher gar nicht passender - Formen. Sie gehören beide abgerissen und der Würde des Ortes entsprechend ersetzt.

    Im Falle München - Nürnberg oder Würzburg bestehen ohnedies zu 90% aus derartigem Schrott - ist dies besonders tragisch, da hier vielerorts gut wiederaufgebaut worden ist, und es nicht verständlich erscheint, warum man just einen so zentralen und wichtigen Platz mit viel Restsubstanz und einer grandiosen Turmkulisse ästhetisch so verwahrlosen ließ.


    Sieht man sich die Entwicklung dieses Standortes an, so erkennt man eine tiefe Tragik. Immer schon ist wertvollere Substanz abgerissen worden, immer wurde sie jedoch halbwegs adäquat ersetzt. Wir wollen hier nicht den historischen Wert der Gotik mit jenem der Gründerzeit gleichsetzen, müssen jedoch zuerkennen, dass auch die Gründerzeit um Ästhetik bemüht war. Der Seidl-Neubau war sicher nicht das Gelbe vom Ei, der neogotische Vorzustand war sicher weit origineller. Aber er war hinnehmbar und reichte völlig für ein befriedigendes Platzbild aus. Der Zerstörung der Stadt folgte ausgerechnet eine Aera des totalen architektonischen und ästhetischen Niedergangs. 30 oder auch nur 20 Jahre früher wäre das alles nicht so schlimm gewesen. Wahrscheinlich auch nicht 20,30 Jahre später, heute erst recht nicht.