Posts by ursus carpaticus

    "Dem monströsen Konsumtempel ... musste ein Flickenteppich ...weichen" heißt es.


    Das heutige Mähren hat eine Vorliebe für Supermärkte in markanter Lage, siehe auch Znaim, Olmütz, Pirnitz (Brtnice), auch Brünn (Krautmarkt), Proßnitz, Zwittau. Aber Iglau, oder in diesem Kontext besser Jihlava übertrifft alles.

    Dies entspricht wohl alles in allem nicht der Praxis der CSSR-Denkmalpflege, wie gesagt werden muss, die auf Erhaltung des zentralen Rings alles in allem durchaus Bedacht nahm. Galt es hier, einer für Mähren größeren Stadt mit verhasster deutscher Geschichte einen Stempel aufzudrücken? Das erscheint wohl möglich, aber nicht zwingend, siehe die obere Liste. Auch im nicht sehr weit entfernten Deutschbrod (einer entgegen dem Namen traditionell erztschechischen Stadt) wurde der Platz unnötig beeinträchtigt.

    Der Iglauer Ring ist übrigens "nur" der zweitgrößte der böhm- Länder.

    Na ja, Iglau... Einer der größten Ringplätze überhaupt mit einer unübersichtlichen Menge an hochwertigen Bürgerhäusern und Ensembles, und dann dieser Schandfleck in der Mitte... Ich hab mich nie durchringen können, die Stadt eingehend zu besichtigen, sie liegt auch recht blöd, etwas zu weit für einen Tagesausflug, und doch zu nah, um dort zu nächtigen.

    Der Supermarkt ist nicht "überdimensioniert", sondern das absolute Nonplusultra für Stadtzerstörung


    Iglau, Masarykplatz mit Rathaus


    In der Nacht zum 23. April 1974 sprengten die Kommunisten das Iglauer Grätzl (Kretzl) in die Luft. An dessen Stelle wurde in den 80er-Jahren der Supermarkt Prior errichtet. Auch nach seiner wünschenswerten Entfernung wäre das tektonische Gefüge des Platzes massiv gestört. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Umbau, was aufgrund der inferioren Qualität des Bestandobjektes nur zu einer Verbesserung führen kann.

    der einzige Staat in Europa, der Tschechien bis heute glaublich nicht anerkannt hat.

    mW sollte es heißen: der einzige Staat, DEN Tschechien nicht anerkannt hat. Tschechien kann FL nicht anerkennen, weil daraus die Unrechtmäßigkeit der Enteignungen der Fürstenfamilie sogar nach eigenem nationalem Recht folgen würde.

    Aber auch hier gilt: die heutige Lage weiß ich nicht. So viel ich weiß, geben die Liechtensteiner aber nicht nach und verzichten auf nichts.

    Die Grenzziehung von St. Germain ist nicht so recht nachvollziehbar, nicht einmal anhand der damaligen Maßstäbe. Der Bahnhof und die Bahnstrecke Lundenburg-Znaim liegen nördlich der Stadt, weshalb man diese ruhig bei uns belassen hätte können. Auch Gmünd ist ja "bloß" geteilt worden, wobei die Kernstadt bei NÖ verblieb. Weiß der Teufel, was da im Falle Feldsbergs schiefgelaufen ist, dh noch schiefer gelaufen ist, als es wohl ohnehin unvermeidlich war. Es gab auch keine Legende eines "prähistorisch tschechischen Feldsbergs", wie sie etwa im Falle der Stadt Weitra ("Vitoraz") gestrickt worden ist. Es gab wie im Falle Nikolsburgs nicht einmal einen eigentlichen tschechischen Namen. Unser Angebot auf Neuerrichtung der Bahnlinie weiter nördlich wurde abgelehnt. Angeblich gab es Tauschüberlegungen Hardegg gegen Feldsberg.

    Mit Feldsberg mussten auch etliche andere Gemeinden mitabgetreten werden. Diese Dörfer waren in der Tat nicht ausschließlich deutsch, sondern zT kroatisch, was die tschechischen Verhandler in St. Germain für sich reklamierten. Immerhin seien Kroaten Slawen, wurde argumentiert. Die Kroaten blieben zwar nach 1945 von der Vertreibung verschont, wurden aber in alle Winde zerstreut und haben nicht als Volksgruppe überlebt.

    Eine tschechische (oder slowakische) Minderheit gab es im Feldsberger Ländchen nicht, wohl aber südlich davon. Diese Dörfer, im Wesentlichen Hohenau und Rabensburg an der March wurden mW nicht einmal beansprucht.

    Der Kulturpark "Lednice-Valtice" liegt zur Hälfte auf historisch niederösterreichischem Gebiet, was durch das Grenzschloss bei Bischofswarth, auf dem der heute unverständliche Satz steht: "Zwischen Oesterreich und Mähren" symbolisiert wird. Heute liegt kein einziges Bauwerk mehr in Österreich, am knappesten haben es die Raistenkollonaden südlich von Feldsberg verpasst, die wirklich nur ein paar Meter von der Grenze entfernt liegen. Womöglich erweist sich das alles noch als paradoxes Glück bei der drohenden Zupflasterung des Weinviertels durch Windräder.

    Na ja. In Anbetracht der zerstörerischen Zersiedelung unserer Landschaften kann man für den privaten Bauboom wahrlich keinen Funken an Sympathie mehr aufbringen, wurscht, wie man die entsprechenden Rahmenbedingungen auch politisch bewertet. Es war eben eine krankhafte Fehlentwicklung, und ihr Ende wäre, für sich betrachtet, zu begrüßen.

    auch wenn es zynisch ist, sich über das wirtschaftliche Leid anderer Menschen zu freuen.

    keiner freut sich am Leid als solchen, aber eine unsinnige Entwicklung gehört einmal gestoppt, und der Gegenverweis auf "Arbeitsplätze" etc zählte zum Dümmsten und "Populistischsten" was die Politik der letzten Jahrzehnte hervorgebracht hat, zB der Versuch, Arbeiter gegen Demonstranten in der Stopfenreuther (Hainburger) Au zu hetzen.


    Natürlich kann ein negatives Phänomen wie die Corona-"Pandemie" angesichts solcher Missstände zu paradox-nützlichen Folgen führen. Auch wenn man gegenüber "the great Reset" zurecht im Ganzen negativ und vor allem misstrauisch gegenüberstehen sollte, heißt das nicht, dass seine Erfinder in Allem bzw in jedem Detail unrecht haben müssen. Schon immer hat man bei uns von "Gesundschrumpfung" gesprochen. Ob so etwas angesichts der heutigen Verhältnisse überhaupt noch möglich ist, ist eine andere Frage. Aber diese Verhältnisse just anhand der Hochbauindustrie verteidigen zu wollen, erscheint mir denn doch übertrieben.

    Danke, genau, das hab ich gemeint. (In meiner Vorstellung kam die Elbe von Süden und nicht Osten, daher die Fehleinschätzung SO).

    Es ist mE eh besser, wenn es so bleibt, denn der Giebel setzt einen enormen Akzent. Ein Neubau müsste sehr niedrig seinuU mit Flachdach.

    sehr schön. Gibt s auch n Bild von der SW-Ecke des Marktes? Dort war doch mal was, ein Neubauprojekt oder zumindest eine Baulücke, die einen Blick auch einen gotischen Giebel gewährt hat, soweit ich mich erinnere? Wie sieht es dort heute aus?

    Was das

    Haus der Stiftung Haberland

    betrifft, komm ich mit der daran geäußerten Kritik nicht ganz mit.

    Für einen Nichtleitbau ist das doch mehr als ordentlich. Mit dem vielen Sichtsandstein muss man doch, gerade in DD, leben können. Dazu muss man froh sein, dass eines der authentischsten NM-Häuser einen so würdigen Nachbarn gefunden hat.


    In Anbetracht auf die anstehende Gassenbebauung jenseits des Nachbarhauses, welche die Wiederaufbauleistung auf der gegenüberliegenden Rampischen-Seite in Richtung eines 0-8-15 Stadtraumes im Ganzen so ziemlich relativieren wird, wäre hier doch noch ansatzweise Begeisterung angebracht gewesen.

    Werden wir am NM noch viele derartige Überraschungen erleben?

    Man (meiner Erinnerung nach RT) hat das schon von Flat-Earth behauptet, dass es sich um gezielt lancierten Schwachsinn handelt, um möglichst viele Leichtgläubige anzuziehen und somit generell Alternativmeinungen der Lächerlichkeit preiszugeben. Mit diesen Augen betrachtet spricht einiges dafür, etwa die intensive Art, mit der sich dieser Fernsehkasperl Lesch mit diesem "Thema" auseinandergesetzt hat. So breit tritt man doch kein Ding, das überhaupt nicht der Rede wert sein sollte. In diesem Fall scheint das durch die Verwendung des Begriffes "Reset" naheliegend.

    Das Problem bei diesen ganzen Dingen ist, dass die moderne Realität über den Hausverstand geht. Man kann mir viel Blödsinn einreden, dessen Gegenteil ich nicht beweisen kann. Wenn jetzt einer daherkommt und alles in Frage stellt, appelliert er an einen latenten Wunsch im Unterbewusstsein nach einer "einfachen Lösung".

    Wobei dieser Blödsinn wirklich alles in den Schatten stellt.

    Btw: was ist "HOHJERDE"?

    Es ist sozusagen das komplementäre Gegenstück zu den vier Türmen in Koblenz. Deren Wirkung hätte man auch ziemlich versaut, hätte man die eine Hälfte versetzt. Der Reiz der Achtecken ist wohl aufgrund der geringen konkaven Ausprägung der Ecken ausschließlich der Enge des Raumes zu verdanken gewesen. Wahrscheinlich wird man nicht viel mehr wahrnehmen als die Konkordanz der jeweils zwei enger beieinanderliegenden Häuser. Dazu kommt auch, dass die eigentlichen Straßenräume ihre Homogenität, die sie früher ausgezeichnet haben und die wahrscheinlich viel zum Gelingen der städtebaulichen Wirkung beitrugen, ziemlich eingebüßt haben werden. Das Ergebnis wird wohl ganz gefällig und nett sein, aber mit der Vorlage nicht viel zu tun haben.

    Quote

    Prag, das viel mehr Besucher hat, hat keine Kunstwerke von der Qualität Dresdens.

    Also so einen Schwachsinn hab ich noch nirgendwo gelesen. Und das sage ich als Freund Dresdens.

    Dass hier keiner mitfühlen kann, wie schlimm es für die etablierte Linke, oder wie man es auch nennen will, sein muss, das Entstehen dieser verhassten Bauten tagtäglich miterleben zu müssen. Gerade bei einem Turm wie diesem, der aus unzähligen Sichtachsen erlebbar ist und dem man eigentlich gar nicht aus dem Weg gehen kann, muss dies doch zu massiven psychischen Störungen führen. Dem würde aus unserer Sicht ein Raiffeisensilo am Marktplatz entsprechen (was in der Stadt Zwettl zumindest aus gewisser Perspektive erlebbar ist)


    Silos Getreidespeicher


    https://www.noen.at/niederoest…etreidespeicher-216700412

    Gut, der Neupfarrplatz ist eine Katastrophe, angesichts dessen man an R. verzweifeln könnte. Generell könnte es sich bei diesen Entstucken um eine Art deutsches Gründlichkeits-Sauberkeits-Phänomen handeln, das mir auch schon in bezug auf Sachsen aufgefallen ist. Freiberg ist eine schöne alte Stadt, aber ich glaube, dass hier viel an Fassaden vereinfacht und "auf Renaissance" getrimmt und ihrer barock-gründerzeitlich gewachsenen Haut beraubt worden sind. Weniger bedeutende Stadtbilder wie Glauchau sind dadurch förmlich marginalisiert worden.

    Aber auch im Ausland gibt es ähnliche Entwicklung, drastisch zB der Hirschberger Markt mit dem Haus zum Goldenen Schwert.

    Im Falle dieses einstiges Regensburger Rokokohauses liegt der Sündenfall wie du schreibst wohl lange zurück. Der deutsche blanke-Fenster-Wahn tut sein Übriges. Alles in allem bliebe nur eine Fassadenreko, was immerhin möglich scheint.