Posts by Altbaufreund

    Schon vor einiger Zeit bin ich auf eine Internetseite mit brisantem Inhalt gestoßen - "Faschistische Relikte in Südtirol" - darin geht es um die offenbar bewußt am Leben erhaltenen Erblasten des faschistischten Mussolini-Regimes auf Südtiroler Boden.


    Erreichbar ist diese Seite unter Lebendiger Faschismus in Sd-Tirol! - Start\r
    Lebendiger Faschismus in Sd-Tirol! - Start - dort werden auch zahlreiche Bilder der Objekte gezeigt.


    Wer Süditrol besucht stolpert unweigerlich über diese Hinterlassenschaften - auf jedem Straßenschild und Wegweiser sind welche zu finden - nämlich die erfundenen pseudo-italienischen Ortsnamen und zahlreiche eindeutig vorbelastete Straßennamen.


    Da aber auch zahlreiche Bauwerke betroffen sind, ist es auch ein Architekturthema und paßt somit hier herein.


    Das bekannteste Bauwerk dieser Art dürfte das unsägliche "Siegesdenkmal" in Bozen sein, doch auch das Italiener-Viertel in dieser Stadt trägt die architektonische Handschrift dieser Zeit.


    Diese Architektur diente wenige Jahre später als Vorbild für die Bauten eines gewissen Gefreiten aus Braunau (die ja teilweise auch heute noch stehen).


    Die Brisanz der Mussolini-Architektur in Südtirol ergibt sich schon alleine daraus, daß diese Bauten mit dem Zweck errichtet wurden, dem Land eine andere Kultur und Sprache gegen den Willen der Bevölkerung aufzudrücken.


    Auch wurden diese Bauten nach dem Krieg niemals zumindest ideologisch entschärft, indem man wenigstens die Symbole der Diktatur entfernt hätte. Ganz im Gegenteil - am Bozener Finanzamt prangt selbst im Jahr 2009 noch ein übergroßes Relief des Massenmörders Mussolini (auf der o.g. Seite ist ein Bericht über dieses Bauwerk mit Fotos zu finden).


    Meine Meinung zu der architektonischen Erblast: man sollte die "braunen" Monumente abreißen und umweltverträglich entsorgen. Was Symbole, Inschriften, Gedenktafeln etc. an Gebäuden aus dieser Zeit betrifft, so sind diese restlos zu entfernen. Außerdem sollte man sich doch überlegen, die betroffenen Gebäude durch Umbauten auch architektonisch zu entschärfen.


    Gleiches gilt für entsprechende Symbolik an Verkehrs- und Postanlagen.


    Die erfundenen Ortsnamen sind natürlich restlos abzuschaffen und nur noch die historisch gewachsenen deutschen und laddinischem Ortsbezeichnungen zuzulassen.

    Also um das Gebäude westlich des Deutschen Hofs, diesen beigen Bau, ist es wirklich nicht schade, das ist billigster 0815-Kram, davon gibts genug in Nürnberg, das kann man ruhig abreißen. Allerdings darf dann kein Schuhkartongebäude als Ersatz errichtet werden, sondern etwas angepaßtes.


    Den Deutschen Hof sollte man zumindest äußerlich in den Ursprungszustand zurückversetzen d.h. die Vereinfachungen wieder rückgängig machen. Der Außenbereich ist für das Stadtbild relevant. Im Innenbereich kann ich mir durchaus eine Neugestaltung vorstellen.

    :schild1:


    Mir gefällt der Entwurf sehr gut. :harfe: Er paßt sehr gut zur klassizistischen Architektur Münchens. :applaus::applaus::applaus:


    Diese Architektur ist zwar kein regionaler Baustil, aber im Münchener Stadtbild so präsent, daß sie doch einen wesentlichen Teil des baulichen Charackters der Stadt ausmacht. :grosshuepfen:


    In den kleineren und mittleren Städten der Umgebung sollte dann eher der regionaltypische südbayerische Stil gebaut werden.

    Wenn ich daran denke, daß Dachau bereits mit dem sog. "Baumhaus" von sich reden machte...wie mögen da die Pläne für die Neubebauung ausschauen...


    Passend zur Altstadt, oder doch wieder ein Entwurf von von Le Corbusiers Erben...

    Mich würde mal interessieren was ihr von der zunehmenden Denglisch-Präsenz im Stadtbild haltet.


    Auf den ersten Blick klingt das zwar nach einem themenfremden Beitrag, hat aber doch soweit mit Architektur zu tun, da Ladenbeschriftungen und die Gestaltung von Auslagen (also Schaufenstern und Werbung) schon einen Einfluß aufs Stadtbild haben.


    Da sind zum einen immer mehr Läden mit solchen Namen, die dann in großen Leuchtschriften über dem Eingang angebracht sind. Dann auch die überdimensionierten „Sale“-Fahnen diverser Kaufhausketten.


    Vor allem dieses „Sale“ halte ich für ein schlimmes Geschwür, da die Innenstädte immer mehr damit zugeklebt werden.


    Mit richtigem Englisch hat dieses Denglisch nichts oder nur sehr wenig zu tun. Englische Begriffe werden aus ihrer eigentlichen Bedeutung herausgerissen und völlig entfremdet gebraucht. Wenn man der englischen Sprache mächtig ist, ruft der Gang durch die Fußgängerzonen deutscher Großstädte mittlerweile heftigste Lachanfälle hervor – daß Deutschland in aller Welt dafür belächelt wird, dürfte ja bekannt sein…

    Quote from "Sagebiel"



    Ich stelle mir gerade eine auf Nürnberg umgemünzte Form der Postkarte vor mit Abbildungen von Scharrer-Gymnasium, Nachkriegs-Pellerhaus, Altstadt-Parkhäusern am Hauptmarkt und Sterntor, Neuen Rathaus, Glasbau am Künstlerhaus, Sebalder Höfen, Maximum, Neuen Museum, AOK-Gebäude, ehemaliger Hauptpost, City Point, Plattenbauten am Plärrer, Zeppelintribüne, Kongreßhalle (sowie mit sämtlichen anderen noch stehenden Reichsparteitagsbauten)....


    Man könnte auch andere Sprüche auf die Postkarte setzen, wie "Ach, wär' ich doch ein Sprengmeister" oder "Auf die Bulldozer, fertig, los..."


    Jedenfalls würde es mich sehr freuen wenn sich Bulldozer und Abrißbirne endlich ihren Weg durch die o.g. Bauwerke bahnen würden.

    Ich stimme prinzipiell mit Denk_mal überein daß etwas mehr Bürgerbeteiligung bei der Stadtentwicklung längst angebracht wäre. Nur könnten dann die „Experten“ ihre Vorstellungen von moderner Architektur nicht mehr so leicht durchsetzen, weil diese Art des Bauens von breiten Teilen der Bevölkerung nicht akzeptiert wird. Denn der Bürger möchte schöne Architektur, also genau das was modernistische Architekten nicht zu bieten haben, denen es ja vor allem darum geht Bauwerke zu schaffen, die einen Kontrast zu bestehenden Bauten bieten, um sich selber ein Denkmal zu setzen. Denn ein schönes Stadtbild lebt ja gerade von Harmonie anstatt von Kontrast.


    Würde sich der Staat an solchen Wiederaufbauprojekten beteiligen anstatt Steuergelder für eine wirtschaftlich wahnwitzige Abwrackprämie zu vergeuden, wäre das sicher viel mehr im Sinne des Bürgers, der diese Projekte ja fordert. Es hätten viele Generationen etwas von der Investition, während viele der kurzfristig geretteten Arbeitsplätze bei Autobauern langfristig trotzdem abgebaut werden. Über Bestrafung zu diskutieren ist freilich müßig und dürfte auch kaum wirklich ernst gemeint gewesen sein. Ob es juristisch überhaupt durchsetzbar wäre steht sowieso auf einem anderen Blatt. Die schlimmste Strafe für diejenigen, die an der ideologisch motivierten Zerstörung von Bauwerken mitverantwortlich waren, oder eine entsprechende politische Couleur pflegen und diese Kulturbarbarei bis heute befürworten, ist doch zusehen zu müssen wie diese Bauwerke jetzt neu entstehen.


    Ansonsten hätte eine finanzielle Beteiligung des Staates an solchen Projekten v.a. symbolischen Charakter im Sinne einer Art Wiedergutmachung.

    Bei solchen Schulgebäuden wundern einen schlechte PISA-Ergebnisse nicht, ebensowenig eine steigende Gewalt und Kriminalität auf dem Schulhof.


    Ich bringe hiermit den Begriff "Gewaltarchitektur" ins Spiel, den ich in Verbindung mit Bauten einer düsteren braunen Epoche kennengelernt hatte, aber auf die rücksichtslos in gewachsene Stadtgebiete gestellten Klotz- und Bunkerbauten der Moderne trifft er genauso zu.


    Ich meine wie wärs mit einer Ausstellung über solche Bauten - unter dem Titel "Faszination der Gewalt" denn der Würzburger Altstadt wurde damit Gewalt angetan.

    Fakt ist: technische Alternativen zu Oberleitungen bei Straßenbahnen gibt es.


    So ein System hat man in der Altstadt von Bordeaux errichtet, die Fahrzeuge erhalten ihren Strom über eine Stromschiene in der Mitte des Gleiskörpers, die nur dann unter Spannung gesetzt wird, wenn sich ein Fahrzeug auf diesem Abschnitt befindet. Somit ist das System für Fußgänger ungefährlich. Das Ganze ist aber technisch nicht wirklich ausgereift und führt zu regelmäßigen Problemen.


    Und für einen kurzen Streckenabschnitt rechnen sich technische Sonderlösungen nicht.


    Es ist aber heute auch möglich Oberleitungssysteme filigraner zu konstruieren als mit den plumpen Betonmasten der vergangenen Jahrzehnte.


    Wenn die Straßenbahn genauso stört wie die Autos, welche Lösung sollte es dann geben?


    Vorstellen könnte ich mir höchstens eine Tunnellösung, aber das würde an anderer Stelle Rampenbauwerke erfordern, welche wiederum viel störender auf das Stadtbild wirken können.

    Das ist sehr gut.


    Allerdings ändert das nichts an der "architektonischen Verirrung" der Stadtväter, die ja weiterhin an das historische Gebäude des Jüdischen Museums einen modernistischen Bunker als Anbau setzen wollen.


    Allerdings ist dieser Anbau das kleinere Übel, da durch ihn zumindest kein historischer Häuserblock plattgemacht wird - außerdem haben solche Schrottbauten ja nur eine kurze Lebenserwartung, wie man an einigen Objekten in Fürths heißgeliebter Nachbarstadt sehen kann :D

    Apropos Fürther Straße: was war da noch mal mit diesem komischen Pavillon, der vor dem Justizpalast für eine Ausstellung über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse hingestellt werden sollte - ist diese Verschandelungsaktion noch aktuell?


    Immerhin handelt es sich ja um einen wichtigen Leitbau in der Fürther Straße, und das Gebäude repräsentiert weitaus mehr als die dortigen Ereignisse der Jahre 1945 - 49 - und die städtebauliche Situation wird in diesem Bereich ja bereits durch die qualitativ minderwertige Nachkriegsarchitektur auf der gegenüberliegenden Straßenseite stark beeinträchtigt. Die Fürther Straße hätte das Zeug zu einem prächtigen Boulevard - aber dafür müßte man nicht nur diese eigentümliche Schlangenlinien-Führung der Fahrbahnen wieder begradigen...


    Was den Bereich Bahnhofstraße / Bahnhofsplatz betrifft (über den Platz selber und diese häßliche gifitig knallorange Königstorpassage schweigen wir am besten), so weine ich den abgerissenen Postgebäuden keine Träne nach. Was hier fehlte und fehlt war ein Grundkonzept für eine Neubebauung mit hochwertiger Architektur - dafür dürfte jetzt der Zug abgefahren sein, das neue Hotel am östlichen Ende der Brachfläche dürfte die Richtung aufzeigen, was da hinkommen wird: West-Platte. Vom Rundbau hieß es ja zeitweise, er sei aufgrund seiner maroden Stahlskelett-Konstruktion nicht mehr sanierungsfähig. Aber sicher gäbe es doch Möglichkeiten die durchaus attraktive Fassade auf der Straßenseite in einen Neubau zu integrieren. Die beiden übrigen Gebäudeteile des noch stehenden Postkomplexes halte ich ohnehin für nicht erhaltenswert, da er sich durch qualitativ minderwertige Architektur auszeichnet - der Zwischenbau aus der Nachkriegszeit, und der Kopfbau, ein im Dritten Reich abgewandelter Bauhaus-Entwurf. Die Post nutzt den Gebäudekomplex heute nur noch teilweise.

    Aber mal im Ernst: diese Kirche wurde ja gleich mehrfach von politischer / staatlicher Seite geschändet (richtig gelesen – ich betrachte sowohl den „Tag von Potsdam“ als auch die Sprengung der wiederaufbaufähigen Ruine als Schändung eines Gotteshauses) und da wäre es doch als eine Art Wiedergutmachung nicht zuviel verlangt, wenn sich der Staat zumindest an einem Teil der Wiederaufbaukosten beteiligen würden.


    Außerdem hätte eine solche Beiteiligung noch einen zweiten Effekt - aber das hatte ich ja bereits an anderer Stelle in diesem Diskussionsstrang geschrieben.

    Nach meinem ersten Thema über ein nordamerikanisches Klinikgebäude (das Waverly Hills-Sanatorium in Louisville) habe ich hier eine weitere Adresse über architektonisch noch wesentlich interessantere Krankenhausbauten in den USA. Gebäude nach dem sog. Kirkbride-Konzept entstanden dort im 19. Jahrhundert in größerer Zahl als psychatrische Kliniken. Ihr Grundriß bestand aus einem Mittelbau, von dem seitlich teilweise sehr weit ausgedehnte Seitenflügel abzweigten.


    Der hohe architektonische Aufwand wurde bei diesen Gebäuden betrieben, weil man damals glaubte, ein angenehmes Umfeld mit schöner Architektur würde sich auf die Heilung der Patienten positiv auswirken.


    In späteren Zeiten ging man leider oft zum bloßen Wegsperren der Patienten über, später auch zur Ruhigstellung mit Medikamenten. Schließlich machten Fortschritte bei der Behandlung psychisch kranker Patienten immer größere Fortschritte, und Einrichtungen dieser Größe wurden überflüssig – entweder schloß man die Krankenhäuser völlig, oder ersetzte sie durch kleinere Neubauten an anderer Stelle. Die Gebäude des „Kirkbride“-Konzepts wurden danach oft dem Verfall überlassen oder abgerissen.


    Teilweise gab es auch schon Sanierungen mit Umbauten zu Wohnanlagen, oder es gibt Pläne für Restaurierungen oder zumindest den teilweisen Erhalt.


    http://www.kirkbridebuildings.com\r
    http://www.kirkbridebuildings.com

    Da das Thema leider auf wenig Resonanz gestoßen ist, jetzt zumindest eine kleine Umfrage und die Möglichkeit, die eigene Meinung dazu zu äußern.

    Am besten all die Architekten, Investoren und Politiker, die traditionelles Bauen als "undemokratisch" bezeichnen - dabei war doch die DDR der lebende Beweis für die Verbindung zwischen Diktatur und Architektur der Moderne....

    Quote from "Exilwiener"

    Noch besser fände ich ja, wenn man doch die Konten der SED-Nachfolgepartei für den Wiederaufbau der Kirche (diverse Stadtschlösser et cetera) heranzieht, damit solche hirnverbrannten Vollidioten in Zukunft wenigsten wissen, dass irgendwann einmal der Tag der „Abrechnung“ kommen wird.
    :zwinkern:


    Nicht nur für die Garnisonkirche sollte man diese Leute blechen lassen, auch für die Wiederherstellung der plattgemachten Altbauten in ihrem Umfeld. Nebenbei ein guter Weg diese undemokratische, verfassungsfeindliche Partei finanziell auszutrocknen.

    Einerseits wird behauptet, eine Replik könne nie original wirken. Und natürlich das übliche Disneyland-Gesülze.


    Andererseits gibt dieser „Experte“ sogar zu, daß auch Fachmänner Rekonstruktionen der ersten Nachkriegsjahrzehnte nicht sofort als solche erkennen.


    Hier widerspricht sich ein Reko-Gegner innerhalb eines einzigen Beitrags selber…

    Was gewisse linksradikale Personenkreise sich da leisten, sind gelinde ausgedrückt menschenverachtende Äußerungen. Offenbar haben diese Personen kein schlechtes Gewissen, jetzt wo ihr abgedroschenes Disneyland-Argument immer häufiger heftiges Gähnen hervorruft...


    Hitlers Verbrechen an den Juden werden instrumentalisiert, um Hetze gegen ein Rekonstruktionsprojekt zu betreiben.


    Als ob das nicht schon genug wäre, werden dann auch noch alliierte Luftangriffe gegen die deutsche Zivilbevölkerung als gerechtfertigt hingestellt.


    Historische Fakten spielen bei dieser "Argumentation" offensichtlich kaum eine Rolle. Nämlich daß es um Bausubstanz geht, die lange, lange vor dem Dritten Reich entstand. Nicht zuletzt waren es ja die Nationalsozialisten, die in vielen Städten bereits vor dem Krieg historische Bauten beseitigten, um Platz für ihre Schrott-"Architektur" zu machen. Und daß der Bombenkrieg gegen Innenstädte und Wohngebiete praktisch keinen Einfluß auf den Kriegsverlauf hatte - diese verheerenden Angriffe erfolgten ja zu einem Zeitpunkt, als der Kriegsverlauf längst zugunsten der Alliierten entschieden war.


    Hitler und seinen Anhängern dürfte die Zerstörung Frankfurts, Nürnbergs, Dresdens und anderer historisch bedeutender Städte ziemlich egal gewesen sein. Im Falle von Berlin soll er es ja sogar ausdrücklich gutgeheißen haben. Eine widerwärtige, menschenverachtende Auffassung, die eigentlich keiner freiwillig teilen möchte. Aber diese Personen tun es ohne jegliche Scham, und ohne offenbar zu wissen, mit wem sie sich da auf eine Stufe stellen. Zumal sich diese linke Gruppierung ja selbst mit einem ideologisch hochgradig vorbelasteten Begriff schmückt: die DDR-Führung bezeichnete die Berliner Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“. Alleine schon aus Rücksicht auf die Opfer des SED-Regimes sollte man deshalb den Begriff „Antifaschismus“ heute nicht mehr gebrauchen, und wenn dann nur noch im historischen Kontext.


    Und was es mit der „Verdrängung von Schuld am Krieg“ durch Rekonstruktionen auf sich haben soll, gute Frage. Wie soll eine Person, die nach Kriegsende geboren wurde, Schuld an diesem haben? Schuld hat ein Mensch dann, wenn er eine Tat oder Sache selbst begeht oder beginnt, oder sich daran beteiligt. Aber Schuld ist weder übertragbar noch vererbbar.


    Fazit: „ANTIFAchwerk“ ist vor allem eines - ein Fall für den Staatsanwalt.


    Interessant ist aber auch das „Die Ausländer wollen keine Fachwerkhäuser“-Argument – die Reko-Gegner glaubten tatsächlich, eine bestimmte Personengruppe – nämlich Frankfurter mit Migrationshintergrund - für ihre Zwecke einspannen zu können, doch diese entpuppten sich dann als Befürworter der Rekonstruktion.


    Der Schuß ging also nach hinten los. Aber so ist das halt in einem demokratischen Gemeinwesen: die Menschen entscheiden selber, was sie wollen und lassen sich das nicht von selbsternannten Volkspädagogen vorschreiben.

    Um noch einen Vergleich zu bringen: ich sehe in dieser Art von Architektur das gleiche wie in der allseits bekannten Pseudo-"Volks"musik von Interpreten wie den Kastelruther Spatzen, Wildecker Herzbuben, Heino, Stefanie Hertel, etc.


    Mit richtiger, tradtioneller Volksmusik hat das aber genausowenig zu tun wie der Landhausstil mit traditioneller regionaler Architektur.


    Stattdessen ist das eher Schlagermusik die mit Elementen "ausgeschmückt" wurde, die landläufig halt für "volkstümlich" gehalten werden.


    Oder auch in vorgespielter Folklore an Fremdenverkehrsorten für Touristen, während das echte Brauchtum schon seit Jahrzehnten nicht mehr lebendig ist.


    Besonders fatal wirkt sich dieser Stil aber aus, wenn er in gewachsene Dorfkerne gesetzt wird. Besonders dann auch noch in Regionen wie dem Altmühljura, wo dann ein ohnehin regional stark eingegrenzter und damit seltener Baustil verdrängt wird (Landhausstil als Ersatz für Jurahäuser...) und der Bauherr dann auch noch meint, ein besonders schönes, regionaltypisches Gebäude errichtet zu haben... :kopfwand::kopfwand::kopfwand:

    Einige Jahre lang war ja der sog. „Landhausstil“ sehr aktuell.


    Da der Begriff nicht eindeutig definiert ist, zeige ich erst mal einige Beispiel-Häuser, damit sich jeder selber ein Bild machen kann, was gemeint ist.


    Hier einige Häuser der Fa. Rensch-Haus:
    „CLOU 150 Alpin“ - http://www.rensch-haus.com/Fertighaus/CLOU_150_Alpin/42 - so sieht das durchschnittliche Landhausstil-Gebäude aus
    „Dahlem S“ - http://www.rensch-haus.com/Fertighaus/Dahlem_S/131


    Kundenhaus „Riviera“ - http://www.rensch-haus.com/Fertighaus/Musterhaus_Riviera/332\r
    http://www.rensch-haus.com/Fertighaus/M ... iviera/332 -


    Kundenhaus „Venezia“ – http://www.rensch-haus.com/Fertighaus/Kundenhaus_Venezia/312


    Aber ich hab noch was – den „Tower 135“ von Meisterstück-Haus: http://www.bauen.com/musterhae…stueck,324,3,1,ab,a1.html


    Diese Häuser zeichnen sich also durch Erker, Türmchen, verwinkelte Außenwände und meistens auch Schein-Sprossenfenster aus. Oder wie ein anderes Forumsmitglied schrieb: „Alles, was der Baumarkt so hergibt“. Dabei haben sie aber auch zahlreiche moderne Elemente: eingeblechte Schlöte und Dacherker, naturfarben eingelassene Fenster, Hochglanzziegel etc. Äußerst beliebt sind / waren auch Schopfwalmdächer.

    Dieser Stil könnte durchaus ein Indiz dafür sein, daß in Bevölkerung ein Bedürfnis nach traditionellen Bauen besteht.


    Wer den ganzen Arbeitstag in einem Betonmonster verbringen muß, sehnt sich dann nach einem „schöneren“ Umfeld am Feierabend.


    Da sich jedoch die wenigsten Menschen jemals wirklich eingehender mit Architektur befaßt haben, wird dieser Stil von vielen für traditionelles Bauen gehalten - was er natürlich nicht ist, sondern eher ein überregionaler, kommerzieller Phantasie-Baustil aus der Feder von Architekten.


    Dabei kombiniert er so viele Stilelemente, daß er keiner Region eindeutig zugeordnet werden kann und solche Häuser dann zwischen regionaltypischen Gebäuden trotzdem als störender Fremdkörper wirken.


    Die Häuser sind Katalogmodelle, meistens sind Abwandlungen nach Vorstellung des Bauherrn in einem gewissen Rahmen möglich.


    Interessant ist, daß die „Hersteller“ dieser Häuser meistens alle möglichen Stilrichtungen im Katalog haben, also auch die Moderne. Teilweise sind das dann sogar die gleichen Grundmodelle, eben nur mit unterschiedlichen Stilelementen ausgestattet. Die gleichen Häuser könnten in der Ausführung ohne „Schnörkel“, Einscheibenfenstern und geraden Außenwänden und normalem Satteldach statt Schopfwalmdach durchaus auch als Baujahr 1965 oder 1975 durchgehen.