Posts by Altbaufreund

    Quote from "Heimdall"


    Komisch, vom "Größenwahn" einer "Berliner Republik" habe ich noch gar nichts mitbekommen. Nicht mal `ne markige Feier zum Nationalfeiertag bekommen sie hin vor lauter Hüpfburgen, Popcorn und Bratfett. Oder ist mit dem Begriff Merkels Brustumfang gemeint?


    Mit dem Größenwahn waren ja die architektonischen Auswüchse gemeint (womit wir zurück beim Thema wären) - Gebäude wie das Bundeskanzleramt, für das gelegentlich der Spitzname "Angelas Waschmaschine" zu hören ist. Architektonisch gesehen halt eher darauf ausglegt, durch seine äußere Größe zu beeindrucken.

    Was ich insgesamt vermißt habe ist die Frage nach dem Sinn und Nutzen des Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin.


    Denn eine ausgeprägte Hauptstadttradition wie mit Paris in Frankreich oder London in Großbritannien, gibt es in Deutschland nicht.


    Berlin war gerade mal von 1871 bis 1945 deutsche Hauptstadt. Davor war es lediglich die Hauptstadt Preußens.


    74 Jahre sind keine wirkliche Tradition bei einem Land mit jahrhundertelang zurückreichender Geschichte. Und in diese 74 Jahre fallen dann ausgerechnet auch noch die 12 dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte (Bonn war hingegen der Ort der ersten wirklich dauerhaft erfolgreichen deutschen Demokratie).


    Ebenso hätte man die Frage stellen können, warum nicht Aachen, Nürnberg oder Frankfurt am Main als Bundeshauptstadt.


    Um den alten und neuen Ländern gerecht zu werden, wäre ein Kompromiß mit dem Regierungssitz in Bonn und Berlin als Bundeshauptstadt (mit Sitz des Bundespräsidenten) durchaus tragbar gewesen.


    Und die Bonner Bescheidenheit der alten BRD wäre Deutschland besser zu Gesicht gestanden als der Größenwahn der Berliner Republik.


    Und selbst wenn man die Frage der Tradition außer acht läßt, stellt sich immer noch die Frage nach dem praktischen Nutzen eines Regierungsumzugs, wenn am alten Regierungssitz alle nötigen Einrichtungen vorhanden sind. Und besser regiert wird Deutschland von Berlin aus auch nicht.

    Interessanter Artikel.


    Nur müßte eine "Abwrackprämie" dann auch auf architektonisch und qualitativ schlecht ausgeführte Gebäude der Nachkriegszeit ausgerichtet werden. Wenn deswegen bspw. Gründerzeithäuser der Spitzhacke zum Opfer fallen würden, wäre der Schuß nach hinten losgegangen.


    Bei Konjunkturprogrammen im Ausland gibt es ja leider solche "Ausreißer" :x


    So ein Programm müßte als Stadtreparaturprogramm ausgelegt sein, das darauf ausgelegt ist verlorengegangene Baudenkmäler wiederzuerrichten und Neubauten im angepaßten Stil zu errichten.


    Wenn ich z.B. an das Projekt zum Wiederaufbau eines Teils der Frankfurter Altstadt denke - oder auch an das vielfach diskutierte Potsdam - in beiden Städten gibt es noch ein breites Betätigungsfeld für die Bulldozer.


    Auch München, Nürnberg und Würzburg wären geeignete Städte - wo ja ein an sich schon guter Ansatz vorhanden ist, aber leider immer noch viel zu viele Bausünden herumstehen oder wie im speziellen Fall von München noch in großer Zahl neu errichtet werden :weinen:

    Bei Crawley handelt es sich ja um eine sog. "New Town", eine in der Nachkriegszeit ab Mitte / Ende der 40er Jahre neu entwickelte Stadt. Zuvor war das eine kleine Marktgemeinde.


    Ähnliches gab es auch in Frankreich als "Ville Nouvelle".


    Da stellt sich natürlich die Frage, ob und wenn ja in welchem Umfang hierfür historische Bausubstanz plattgemacht wurde.


    Aber trotzdem scheint mir Crawley diesbezüglich ja besser dazustehen als bspw. das hessische Baunatal wo ein gewachsenes Dorf für den Bau der neuen Stadt planiert wurde :x

    Insgesamt betrachtet bieten die Bauprojekte in München ja derzeit ein sehr gemischtes Bild: auf der einen Seite dieser ganze Schrott im Corbusier-Stil, der im Bereich des Hauptbahnhofs entsteht - v.a. dieser unsägliche ZOB an der Hackerbrücke - http://www.ganz-muenchen.de/sh…of_zob_muenchen/info.html


    Auf der anderen Seite dann hocherfreuliche Beispiele wie dieses schöne Projekt, wo sich der Architekt tatsächlich Gedanken gemacht hat, was den städtebaulichen Charackter Münchens eigentlich ausmacht. Hier entsteht tatsächlich Architektur für den Menschen.


    Da die zweitgrößte bayerische Stadt sich ja gerne an der größten bayerischen Stadt orientiert (gibt genug Beispiele aus der Vergangenheit dafür), kann man nur hoffen, daß solche traditionellen Projekte auch in Nürnberg Nachamer finden - aber auch in anderen Städten im Freistaat.

    Um das - wenn auch etwas angestaubte - Thema "schöne und häßliche Krankenhäuser" noch mal anzusprechen - es gab Zeiten wo man dachte, eine schöne Architektur und ein schönes Umfeld würden zur besseren Genesung der Patienten beitragen - vermutlich hauptsächlich während des 19. Jahrhunderts.


    Ich hatte mal eine Seite über die sog. "Kirkbride"-Gebäude in den USA gefunden und das Thema unter "außereupäische Welt" eingestellt - http://www.kirkbridebuildings.com/\r
    http://www.kirkbridebuildings.com/


    Die meisten dieser psychiatrischen Kliniken sind längst geschlossen und viele auch abgerissen, andere dem Verfall preisgegeben.


    Zumindest aus architektonischer Sicht sicher alles andere als häßliche Gebäude. Ob man dort aber trotz ansprechender Architektur und Parkanlagen gerne Patient gewesen wäre, wohl kaum.

    Auch wenn der geografische Sprung sehr groß ist - ein weiteres Beispiel für einen Ort dieser Art ist Poundbury in Großbritannien. Bauherr ist ein Mann, der die Meinung vertritt, der Bombenkrieg habe in London weniger Schaden angerichtet als die modernistischen Architekten nach dem Krieg – Prinz Charles.


    Man kann über diesen Mann denken, was man möchte – aber was Architektur betrifft, so hat er einen guten Geschmack! Denn für den Bau seiner Stadt hat er einen namhaften traditionellen Architekten beauftragt, der von den Teilnehmern dieses Forums nicht ohne Grund hoch geschätzt wird: Léon Krier.


    Wie in Celebration gelten strenge Gestaltungsrichtlinien und darf man auch in Poundbury sein Haus nicht einfach ohne weiteres verändern.


    Bei Wikipedia: Poundbury – Wikipedia


    Bei flickr.com: Poundbury - Flickr: Search

    Quote from "Booni"

    das halte ich für Quatsch. Wer Casinos, Nachtleben usw. sehen will, fährt nach Las Vegas, auch von Europa aus. Wer europäische Kultur kennenlernen will, fährt nach Europa. Ich glaube kaum, das kulturinteressierte Menschen die Hotels aus Las Vegas als Ersatz für die echten europäischen Städte. Und wer mir jetzt kommen will mit in Amerika gäbe es nicht viele kulturinteressierte Menschen, den bitte ich zu reflektieren, ob er ernsthaft glaubt, hier sei es so viel besser.


    Sehe ich auch so. Las Vegas ist mit seinen Nachbauten nie ein gleichwertiger Ersatz für das "echte Venedig" oder "echte New York". Es ist halt mehr eine Art Disneyland, das auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet ist.

    Eine der Lieblingsvokabeln von Reko-Gegnern und modernistischen Architekten ist "Disney", wenn es darum geht Rekonstruktionen und traditonelle geprägte Neubauten zu diskreditieren.


    Vergessen wird dabei, daß kein anderer als Disney selbst bereits eine Stadt verwirklicht, bewohnt von echten Menschen, in unmittelbarer Nähe zu einem "echten" DIsneyland:


    Celebration (Florida) – Wikipedia


    Ein zuverlässiger Bilderlieferant ist auch dieses Mal wieder flickr.com: celebration florida - Flickr: Search


    Die Beurteilung, ob architektonisch gelungen, oder tatsächlich "Kitsch" und somit tatsächlich ein weiteres "Disneyland", überlasse ich jedem Forumsteilnehmer selbst.

    Stimmt, das war mir auch aufgefallen - und da trifft "Disneyland" wirklich zu. Interessant wäre auch die Frage, ob in Kurzras historische Bebauung für das Skiresort plattgemacht wurde und wenn ja in welchem Umfang, denn wirklich viel ist dort an alter Bausbstanz nicht (mehr) vorhanden, jedoch soll der Ort bis weit in die 60er und noch frühen 70er Jahre noch ein kleines Dorf mit regionaltypischen Bauernhäusern gewesen sein.

    Es gibt einen weiteren Artikel zum Thema: http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1116074&kat=30&man=2\r
    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art ... t=30&man=2


    Auch hier komm Rudolf Scherzer zu Wort, wobei ich zumindest die Forderung nach ökologischen und nachhaltigem Bauen unterstüzte. Aber gerade da bietet sich ja das traditionelle Bauen an, wo dann eben (als Beispiel) Holzfenster statt Plastikfenstern verbaut werden - denn Holz ist ein nachwachsender und damit nachhaltiger Rohstoff, Plastik hingegen nicht.


    Auch die Schweiz, Österreich und Südtirol werden wieder als Besipiele aufgeführt, aber leider hat eben auch dort die Moderne schwere Bausünden verursacht.


    Ein zugegebenermaßen sehr extremes Negativbeispiel ist das kleine Dörfchen Kurzras in Südtirol. Das "Sporthotel Kurzras" http://www.geo-reisecommunity.de/bild/48906/Sporthotel-Kurzras\r
    http://www.geo-reisecommunity.de/bild/4 ... el-Kurzras - das ist architektonisch ja durchaus akzeptabel, wenn auch nicht optimal.


    Der Bau im Hintergrund des obigen Bildes jedoch - die "Top Residence Kurz" - http://www.topresidencekurz.it\r
    http://www.topresidencekurz.it - das ist eine Bausünde der Extraklasse, man könnte meinen, Le Corbusier hätte sich da in den Alpen austoben dürfen - in diesem Fall würde mich bereits die Architektur abhalten, ein Zimmer in diesem Hotel zu buchen.


    Dabei ist natürlich klar, daß die Hauptzielgruppe - Skifahrer aus Deutschland und Italien, wie auch der Tourismus insgesamt - für diese Alpenregionen einen enorm wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen.

    So stellt es jedenfalls ein Artikel in den Nürnberger Nachrichten dar:


    http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1115624&kat=27&man=2\r
    http://www.nn-online.de/artikel.asp?art ... t=27&man=2


    Wie man sieht ist dieser Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer nicht gerade begeistert davon, wenn in historischer Umgebung angepaßte Neubauten errichtet werden.


    Wenn moderne Bauten so anziehend auf Touristen wirken sollen, frage ich mich warum dann Langwasser, Neuperlach oder Schuhkartonstadt - pardon: die Parkstadt Riem keine großen Touristenmagnete sind, ganz im Gegensatz bswp. zu Rothenburg oder Neuschwanstein. Oder warum besichtigen Touristen lieber die Münchner Frauenkirche oder die Nürnberger Kaiserburg und Stadtmauer, anstatt die Firmensitze von BMW oder der Nürnberger Versicherung?


    Denn diese Architekten möchten keine Hundertwasser-Bauten errichten, sondern Beton- und Glasarchitektur. Ein Hundertwasser-Turm ist ein eher außergewöhnliches Objekt, etwas mit Wiedererkennungswert, während ein langweiliges Schuhschachtelhaus ja auch irgendwo in Shanghai, Rio oder Los Angeles stehen könnte.


    Und die erwähnte Kellerei Kaltern in Südtirol.... http://www.kellereikaltern.com/kellereiKalternShop/katalog/kontakt_105/unsere-verkaufsstellen\r
    http://www.kellereikaltern.com/kellerei ... ufsstellen naja im Vergleich zu dem, womit Bozen verunstaltet wurde, relativ harmlos.

    Interessant ist an der Sache ja v.a. auch, daß da wenige Jahre vor Auflösung des Landkreises noch mal ein Neubau für das Landratsamt hingestellt hat. Hier stellt sich natürlich die Frage, inwieweit bzw. wie lange vorher die Zusammenlegungen vorher absehbar waren und ob man vielleicht in Ebermannstadt hoffte, der Kelch würde an einem vorüber gehen und der Landkreis könnte fortbestehen.


    Womöglich hat man die spätere Umnutzung ja bereits bei der Planung berücksichtigt.


    Standort des Gebäudes ist am „Oberen Tor“, nordöstlich des historischen Zentrums. Daher wird der alte Ortskern auch nicht wirklich beeinträchtigt. Die Proportionen tun ein übriges dazu, daß es auch das übrige Ortsbild nicht weiter beeinträchtigt. Ein Gebäude wie das der Bezirksregierung in Detmold würde wohl nicht nur den Ort baulich entstellen, sondern auch die Landschaft verunstalten, da Ebermannstadt in einer sehr reizvollen Umgebung liegt.


    Ein weiteres Bauwerk des 20. Jahrhunderts von Interesse in der Nähe von Ebermannstadt ist die vermutlich jüngste Burg Frankens – die Burg Feuerstein –


    - bei Wikipedia - Burg Feuerstein – Wikipedia
    - bei flickr.com - burg feuerstein - Flickr: Search

    Es geht um das ehemalige Landratsamt-Gebäude in Ebermannstadt.


    Es wurde 1967 fertiggestellt und bereits fünf Jahre später als Landratsamt überflüssig, als im Zuge der Gebietsreform in Bayern auch die letzte Stunde für den Kreis Ebermannstadt schlug und der Großteil des Gebietes an den Kreis Forchheim angegliedert wurde. Ebermannstadt verlor seinen Status als "Kreisstadt" und wurde zu einer normalen Landkreisgemeinde.


    Eigentlich schwer vorzustellen, daß so ein kleiner Ort einmal Sitz eines eigenen Landkreises war!


    http://www.nn-forchheim.de/art…?art=1109222&kat=13&man=3


    Ein Schmuckstück für den Ort ist das modernistische Gebäude aber auch nach der Sanierung nicht. Es steht in unmittelbarer Nähe zum historischen alten Ortskern, welcher baulich sehr gut erhalten ist.


    Sieht irgendwie aus wie ein "Wohnkürbis" :schreckgrau: . Das ideale Wohnhaus für Leute, die meinen sie müßten Halloween nach Europa importieren.

    Le Havre ist halt einer von vielen möglichen Wegen, die bei Wieder- bzw. in diesem Fall Neuaufbau kriegszerstörter Städte beschritten wurde.


    Neuaufbau deshalb, weil der Begriff „Wiederaufbau“ ja eigentlich die Wiederherstellung – oder weitgehende Wiederherstellung – des Zustandes vor der Zerstörung suggeriert, wie man dies ja u.a. in Warschau getan hat.


    In Le Havre ist genau dies nicht geschehen – man hat sich gegen eine – auch nur ansatzweise – Wiederherstellung des ursprünglichen Stadtbildes entschieden, wenn man von der Färbung des Betons einmal absieht.


    Das war der Hauptgrund für meinen Beitrag, da ja oft der häufig kompromißbehaftete Wiederaufbau deutscher Städte kritisiert. Ich bin z.B. auch nicht über die wenigen modernistischen Gebäude am Dresdner Neumarkt glücklich, finde aber auf der anderen Seite diese Kompromisse wieder verschmerzbar, weil das alte Stadtbild im Wesentlichen trotzdem wiederentsteht. Wäre Dresden damals von der Zerstörung verschont geblieben, die Spitzhacke hätte man in der Nachkriegszeit an einigen Stellen der Stadt vermutlich trotzdem ausgepackt…