Posts by buarque

    Es ist schon richtig, daß an manchen Orten sehr viel los ist, zum Beispiel sind die zahlreichen Parkplätze am Mummelsee häufig komplett belegt.

    Dennoch gibt es kaum eine schönere Zweiradtour als eben den Südabschnitt zwischen Kniebis und Mummelsee, wo die Strecke praktisch direkt auf der Höhenlinie verläuft und man beiderseits faszinierende Ausblicke hat - danach bin ich meist über die Schwarzenbach-Talsperre ins Murgtal weitergefahren.

    Nicht unbedingt - damals dachte man in der Mehrheit anders in der Stadtplanung, und man sah die Möglichkeit, schon lange vor dem Krieg entstandene Pläne zur "Flächensanierung" durch Abriß umzusetzen.

    Damals assoziierte man mit Altstädten unzumutbare Wohnverhältnisse, die Zeilenbauweise galt als vorbildlich. Entsprechend ist es gar nicht selbstverständlich, daß man die Vorkriegsstadt auch nur strukturell wieder neu errichten wollte (und außerhalb unseres Forums ist das wohl auch eine Minderheitsmeinung).

    Siehe auch den Plan auf Seite 26 der verlinkten Broschüre zu Schmeißner und Entwurfszeichnungen, Bildunterschrift:

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    Entwurf Prof. Gustav Hassenpfl ug, Weimar (später TH München);
    außer der historischen Achse Königsstraße – Burg und einigen Einzeldenkmälern wird für die zerstörten Stadtteile eine schematische Zeilenbebauung im Sinne der modernen Siedlungsplanung vorgeschlagen. Der Entwurf wurde angekauft, da er „in seiner methodischen Form der Darstellung bemerkenswert“ ist.

    Damit wäre in Nürnberg strukturell fast so eine Art "DDR-Dresden" entstanden (lange Häuserzeilen, viel Grün, großzügige Straßen, was übrigens dem Hannoveraner Stadtplaner Hillebrecht als "autogerechte Stadt" zusagte - "die machen dasselbe wie wir").

    Münster ist sicherlich keine flächendeckende Katastrophe, aber abseits des genannten Bereichs auch nicht überdurchschnittlich. Außerdem sind ja auch in Münster die Bauten am Prinzipalmarkt nur freie Nachempfindungen, und durchaus auch so gestaltet, daß man sie als Nachkriegsbauten erkennen kann.

    Mit Braunschweig kann ich auch nicht viel anfangen - ausnehmend gut hat mir hingegen Osnabrück gefallen.

    Beginnen wir die Erkundung über die Sonnenstraße, also die Verbindungsstraße zwischen U-Bahn-Station und Planetenring.

    Auf der rechten Seite die U-Bahn-Station, dahinter übrigens gleich Silberbuck und Silbersee:

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    Nein, die ältere Siedlung betreten wir jetzt noch nicht ... hier die Bauten aus den späten 20er Jahren:

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    Daß es sich dabei um eine besondere Siedlung handelt, ist mir schon zu Vor-Internetzeiten aufgefallen, schließlich ist die U-Bahn-Station auch ein Park&Ride-Platz, den ich schon vor APH-Zeiten genutzt habe ... und da fiel der Blick automatisch auf die umgebende Bebauung.

    Jetzt aber zur neuen Siedlung, dazu gleich eine Einführung aus der verlinkten Broschüre:

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    Kaum ein anderes Bauvorhaben seiner Zeit hat so beispielgebend und anregend auf den deutschen Wohnungsbau und die städtebauliche Planung gewirkt, wie die Parkwohnanlage Zollhaus - Planetenring. Dies umso mehr, da diese Anlage ein Resultat eines bereits Jahrzehnte zurückreichenden Prozesses stadtplanerischer Entwicklung ist.

    Die Parkwohnanlage Zollhaus-Planetenring - eine als geschlossene Einheit geplante Wohnsiedlung für Bedienstete der Deutschen Bundesbahn - ist eines der ersten und gleichzeitig qualitätsvollsten Beispiele für ein Demonstrativbauvorhaben des Bundesministeriums für Wohnungswesen und Städtebau der fünfziger und sechziger Jahre.

    Hier nun die Realität - eine fast schon DDR-artige "Wohnscheibe" mit blauen Balkonen:

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    Blick zurück über die Sonnenstraße, links die älteren Siedlungsbauten, dazwischen wohl ein aktuelles Gebäude:

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    Dahinter kommen diese Wohnbauten:

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    Ich habe mir mal die Mühe gemacht, das Luftbild der Siedlung anzusehen, und habe festgestellt, daß sich bestimmte Bauformen immer wiederholen. Die "blaue Scheibe" wiederholt sich dreimal, immer mit derselben Ausrichtung.

    Die Gebäude gegenüber wurden später errichtet (auf dem Luftbild von 1967 noch nicht abgebildet) und stehen nur dort, einmal noch leicht abgewandelt dahinter um 90° gedreht:

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    Und auch diesen Gebäudetyp gibt es dreimal, jeweils um 90° zu den blauen Gebäuden gedreht:

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    Und ist dies Wahnsinn, so hat es doch Methode, möchte man Shakespeare zitieren :smile:

    Das restliche Areal ist mit zwei weiteren Bautypen zugebaut, alles auf der grünen Wiese, einmal ziemlich generische Wohnblöcke (knapp ein Dutzend) und leicht abgewandelte würfelartige "Siedlungshäuser", die wir später noch sehen werden.

    Ist das schon alles? Nein, natürlich nicht, an einigen Stellen blitzt mal der fortschrittsgläubige Geist der damaligen Zeit auf, des "Weltraumzeitalters".

    Wirklich gelungen finde ich diese Straßenschilder, benannt nach Planeten und sicherlich zum Raumschiff Orion kompatibel:

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    Der Erhaltungszustand ist ja noch OK, aber das Umfeld mit dem Containern gleich daneben ...

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    Leider kein Respekt vor diesen Designerobjekten. Ach so, mit dem Planetenring haben wir schon die "Zentralschaffe" (das Hauptwerk) des Projekts erreicht, um mal einen Trendbegriff der damaligen Zeit zu zitieren.

    Dabei handelt es sich um einen leicht unregelmäßig geformtes "Ei" in Straßenform, mit einem "parabelförmigen" Gebäude als Blickfang im Norden.

    Aufgrund von Bauarbeiten und Gegenlicht muß ich leider für die Ansicht der Hauptfassade von Norden auf den Nürnberger Blogspot verweisen (insofern das Gebäude überhaupt eine Hauptfassade hat).

    Von der Seite konnte ich es aber fotografieren, bei dem kombinierten Wohn-/Geschäftsgebäude, das den Norden des Planetenrings abdeckt, handelt es sich um ein einstöckiges Gebäude, das dem Straßenverlauf folgt:

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    Es wird derzeit saniert, was auch nötig ist:

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    Es umschließt einen schlichten Innenhof, im wesentlichen grüne Wiese:

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    Das Gebäude ist asymmetrisch und endet jeweils etwas unmotiviert im Nichts:

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    Auf der alten Planung ist zu sehen, daß es auf der linken Seite im rechten Winkel fortgeführt und dann mit einer Art von Keilgebäude abgeschlossen werden sollte. Das heißt, die offene U-Form war gar nicht geplant, die Einsehbarkeit von Süden auch nicht.

    Die Ladenstraße aus der Nähe:

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    Momentan ist das komplette Erdgeschoß aufgrund von Bauarbeiten leer, ob sich hier kleine Läden rentieren, ist die andere Frage, schließlich gibt es einen Rewe gleich danaben.

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    Das ganze erinnert mich ein wenig an ein Motel, in dem ich mal im Piemont übernachtet habe ... wirkt aber komplett unfertig. Immerhin neben den Straßenschildern eines von zwei Gebäuden, die zumindest versuchen, den hohen Anspruch zu erfüllen.

    In den 1980er-Jahren, als Regensburg noch strukturschwach war und der Ostblock noch existierte, war die A93 zwischen Holledau und Regensburg häufig auch extrem leer. Teilweise fuhr man 10 Minuten ohne Sichtung anderer Autos.

    Dafür sehen dann aber weite Teile wieder eher bescheiden aus, z. B. auch in St. Johannis die Ecke rund um die Friedenskirche, die aber laut Wikipedia schon 1944 zerstört wurde. Das sieht man hier auf dieser Luftaufnahme auf der Wikipedia oder in der Luftbildsuche.

    Auch leider recht durchwachsen der Kirchenweg gleich nördlich davon (in der Wikipedia-Aufnahme ganz oben links leider nur noch schwach zu erkennen), mir eher aufgrund der dortigen Restaurants einen Besuch wert, aber mit dem häßlichen Rewe-Plattenbau und dem riesigen Neubau mit dem Finanzamt Nürnberg-Nord absolut verunstaltet. Dazu kann ich gern noch Fotos nachreichen bzw. eine komplette Galerie bieten.

    Eigentlich ganz ähnliche: Karl Meitinger

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    Meitinger hatte bereits am 9. August und 22. November 1945 „Vorschläge zum Wiederaufbau“ vorgestellt, die als Meitinger-Plan in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, und verfasste mit seiner Schrift „Das neue München“ im Jahr 1946 den Leitfaden für den Wiederaufbau der zerstörten Großstadt. Sein Plan, der ebenfalls nahe an den Vorstellungen des damaligen Oberbürgermeisters Karl Scharnagl lagen, zielte auf das „Wiederauferstehen“ des alten Münchens. Insbesondere um die Touristen, bereits damals eine zentrale Einnahmequelle der Stadt, wieder anzulocken, sollte die Stadt möglichst wiederaufgebaut werden: „München wird eines Tages wieder Brennpunkt für den neuen Fremdenverkehr sein, und sein alter Ruf als deutsche Kunststadt wird neu erblühen.“ Rekonstruktionen sollten jedoch nur dort durchgeführt werden, wo noch genügend historische Bausubstanz vorhanden geblieben war, ansonsten wollte er die Gebäude „im Sinne der Altstadt“ frei gestalten. Aber obwohl das „Bild der Altstadt“ wieder neu entstehen sollte, wurde auf die neuen Bedürfnisse des Automobilverkehrs Rücksicht genommen, so dass zum Beispiel der Marienplatz in Meitingers Plänen von einer Hauptverkehrsader durchzogen werden sollte. Auch einen 50 bis 70 Meter breiten Altstadtring sah Meitinger zur Entlastung des Stadtverkehrs vor. Außerdem sprach er sich für die Errichtung von Fußgängerzonen ein, die in München erst zur Olympischen Sommerspielen 1972 Wirklichkeit werden sollten. Der Meitinger-Plan wurde insbesondere von den Vertretern der modernen Architektur im Sinne der Moderne der 1920er Jahre scharf kritisiert, die das „Wiederauferstehen“ des alten Münchens ablehnten.[4]

    Ich finde den Wiederaufbau nachvollziehbar und gelungen, er ist aber irgendwann in den 1970'ern entgleist.

    Das gilt für München genauso (wobei die großen 50er-Jahre-Viertel damals vielleicht das bestmögliche waren, heute aber auch nicht mehr so recht gefallen wollen), was ist da abgesehen von einem kleinen Lückenschluß an der Maximilianstraße (eher eine dünne Gebäudeattrappe) noch nennenswertes entstanden?

    Man denke nur mal an den Stiglmaierplatz mit Justizzentrum und all den neuen Glaskästen...

    Das oben verlinkte Zitat des BDA ist doch reichlich irreführend:

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    Das neue Pellerhaus ist in den Zeiten der Nachkriegsnot eine Meisterleistung.

    Das Gebäude wurde 1957 zu Wirtschaftswunderzeiten fertig, und schon vier Jahre vorher, 1953, waren offensichtlich genug Mittel für das Hochhaus am Plärrer vorhanden, das inklusive eigens entworfener Innenausstattung rund 10 Mio. D-Mark gekostet haben dürfte.

    Das Vater- und Sohngespann Meyer errichtete ja gleichzeitig mit dem "neuen Pellerhaus" auch ein Wohn- und Geschäftshaus an der Frommannstraße (klick), das im Original wesentlich größer und wuchtiger wirkt als auf der Abbildung, da spielte Geld wohl auch keine große Rolle. Bei Pellerhaus dann offensichtlich aber schon ...

    Ich habe nur ein Foto der Innenräume des Neubaus aufgenommen:

    Fenster:

    Umfeld (gleich dahinter, Johannes-Scharrer-Gymnasium):

    Bei dem jetzigen Pellerhaus handelt es sich immer noch um ein Baudenkmal. Ein Vorschlag dessen Fassade zu versetzen würde bei Denkmalschützern und vielen Architekten sicherlich Kopfschütteln auslösen, den Eindruck von fachlicher Unwissenheit hervorrufen und dadurch zu einer noch größeren Geringschätzung gegenüber Altstadtfreunden führen.
    Allerdings kann ich das Bauwerk kaum beurteilen.

    Ich bin zwar ziemlich spät dran mit meiner Antwort, aber ich finde sowohl die Fassade mit diesem komischen Gestänge als auch die Innenräume, soweit sie von der Rückseite her einsehbar sind, ziemlich primitiv.

    2017 konnte ich den Innenhof besichtigen und durch die Fenster in die Räume des Neuen Pellerhauses hineinschauen, die nun wirklich nichts besonderes sind, eher wirkte das ganze ziemlich renovierungsbedürftig.

    Tatsächlich sind die Einnahmen heute höher als jemals zuvor (klick), die Ausgaben aber auch, zumal man ja tatsächlich wieder für Schulden Zinsen zahlen muß.

    Ich habe aber gar nicht den Eindruck, daß ein ansprechendes Stadtbild in erster Linie etwas mit den Finanzen zu tun hat, schließlich haben einige der einkommensschwächsten Regionen der Bundesrepublik auch abseits von Touristenorten sehr gepflegte Orte (Mecklenburg-Vorpommern, Oberlausitz), während manche reiche Städte wirklich armselig aussehen (man denke nur an Böblingen und Sindelfingen). Interessant auch die Kontraste in geographisch und kulturell sehr ähnlichen Regionen, z. B. Oberschwaben vs. Württemberg vs. (bayerisches) Schwaben.

    Generell finde ich auch nicht, daß sich alles zum Schlechten verändert, Mannheim sieht heute viel besser aus als bei meinem ersten Besuch 1990, Ludwigshafen abseits des unmittelbaren Zentrums auch, Pforzheim stagniert vor sich hin.

    Welche grammatikalische Funktion das "n" am Ende hat, weiß ich zwar nicht (wahrscheinlich einfach eine Analogbildung zu "Jacke -> Jackn", wie schon von Leonhard genannt), mir kommt "Küchn" oder "Kuchn" aber völlig normal vor, "Kuchl" wie in der Regensburger "Wurstkuchl" finde ich hingegen ziemlich seltsam.

    Da ich aus dem äußersten Nordwesten des bayerischen Sprachgebiets komme (Oberbayern Nord, vor 1972 Schwaben bzw. Mittelfranken), könnte "Kuchn/Küchn" auch schwäbisch oder eben fränkisch sein, schließlich sagt man hier ja auch "bißla" und "a weng". Umgekehrt gibt es im Nürnberger Dialekt auch gewisse bayerische Einflüsse, die Grenze zur Oberpfalz ist ja nur gut 10 km entfernt. Laut Wikipedia war der Nürnberger Stadtdialekt früher sogar stärker als heute bayerisch geprägt, und viele Oberpfälzer zogen im 19. Jahrhundert zu. Vielleicht gibt es ja Germanisten/Dialektforscher unter uns, die hier weiterhelfen können.