Posts by Hakemann

    Deutschland nimmt in dieser Hinsicht eine unrühmliche Sonderrolle ein. Weltweit wird seit Jahrzehnten kaum noch gesprayt, nur bei uns geht es unvermindert weiter.

    Leider ist das nicht ganz richtig. Ich war im Frühjahr das erste mal in Athen, und es hat mich regelrecht schockiert: alles, aber auch wirklich alles ist mit Gekritzel und Gekrakel überzogen. (Vielleicht von der Akropolis abgesehen, aber für den Bezirk muss man ja auch Eintritt zahlen).

    Es war ernüchternd. Athen ist trotzdem eine tolle Stadt, aber um wie viel intensiver könnte das Flair dort sein, wenn einem nicht überall diese Verwahrlosung entgegenkommen würde.

    Ein Blick ins Internet verriet mir dann: Athen ist traditionell für seine "lebendige" linke Szene bekannt. Ein Schelm wer es wagt, hier einen Zusammenhang zu sehen....

    artagastas hatte eine Umfrage zur Akzeptanz von Rekos unter den Hildesheimern ins Spiel gebracht, und das habe ich zum Ausgangspunkt meines Beitrages genommen. Bei solchen Diskussionen stehen immer Fragen im Raum wie " was kostet das, was haben wir davon, hat Hildesheim keine anderen Probleme?" Wenn man in diesem Rahmen etwas "Sinnhaftes" anbieten will, erscheint mir der Kirchturm am ehesten geeignet, ganz unabhängig von der Finanzierung.

    Klar, wenn der Bürger nicht dafür bezahlen soll/muss, wird er Rekos gegenüber viel aufgeschlossener sein ( dann muss man aber eigentlich auch nicht nach seiner Zustimmung fragen). Ich bin der erste der Beifall klatscht, wenn ein finanzkräftiger Investor klotzen und etwas Repräsentatives errichten möchte. Nur muss dann eben auch der Standort stimmen. Und das sehe ich weder auf der Ecke der Lilie noch unten an der Kreuzstrasse gegeben.

    Er würde aber keinen nutzbaren neuen (Wohn)raum schaffen, außerdem hat die Idee bereits die Altstadtgilde viele Jahre erfolglos verfolgt und das Thema ist verbrannt. Daher ist das eine schlechte Idee, die Indiz dafür ist, dass du die Verhältnisse vor Ort nicht kennst. Was wäre dadurch gewonnen? Das wird der Stadt kein Kleinod zurückgeben, dass der Besucher nicht an jeder beliebigen Dorfkirche bewundern könnte. Ein weiterer Kirchturm, na und? Nichts Besonderes, noch dazu, wo St. Jakobi profaniert ist und als Veranstaltungsraum genutzt wird.

    Jede neue Gebäudereko abseits des Marktplatzbereichs wäre in Hildesheim ein Unikum, die mit der bestehenden Bebauung in Kontrast stünde. Das Borchersche Haus würde nicht verloren wirken, da seine Schauseite zur Osterstraße diese sinnvoll ergänzen würde. Die neue Seite zur Lilie hin kann dann kreativ, etwa mit Arkaden im EG, ausgeführt werden. Der Baugrund ist derzeit ein Schotterblumenbeet mit einem "Hunde kacken verboten"-Schild.

    Der Goldene Engel würde vor dem Dom den zahlreichen Dombesuchern zeigen, dass Hildesheim nicht nur seinen Marktplatz hatte (und wieder hat). Da keine Baupläne und nur ein Innenraumfoto bekannt, könnte ein Architekt sich innen völlig frei austoben und spannende, neue Innenräume schaffen. Auch Wohnraum wäre gut möglich. Das geht im St. Jakobikirchturm nicht.

    Doch, ich kenne die Verhältnisse und weiß auch, dass sich die Altstadtgilde vor Jahren vergeblich um den Aufbau des Kirchturmes bemüht hat. Das heißt doch aber nicht, dass man die Idee nicht wieder aufgreifen und weiterverfolgen könnte.

    Es ging in der Ausgangsfrage auch darum, ob und wie man die Hildesheimer für neue Rekos begeistern könnte. Wofür wäre der Bürger, auf der Strasse darauf angesprochen, eher bereit, Zustimmung zu signalisieren oder gar Geld zu spenden? Für einen Kirchturm, bei dem man auch noch auf das gelungene Beispiel St. Lambert verweisen könnte? Oder für ein Borchardsches Haus, das heute keiner mehr kennt, und das auch keine Zugkraft als einstiges Wahrzeichen Hildesheims entwickeln kann? Schon für den Umgestülpten Zuckerhut konnte man doch die Öffentlichkeit nur begeistern, weil es eben ein pittoreskes Wahrzeichen war, und sich der Aufwand für das kleine Häuschen auch eher im Rahmen hielt.

    Am Beispiel Zuckerhut sieht man übrigens auch gut, dass isolierte Rekos inmitten eines modernen Umfeldes immer Gefahr laufen, nicht gut zu funktionieren: Vom Andreasplatz her betrachtet, wirkt er wie ein angeklatschter Fremdkörper (nur vom Hohen Weg her kommend kann er überzeugen) und ich behaupte hier mal, dass niemand darauf erpicht ist, mittels bewusst herbeigeführter "Brüche" ständig an die Armseligkeit moderner Architektur erinnert zu werden. Und es wird auch kaum ein Tourist zusätzlich in die Stadt kommen, nur weil zwei oder drei Fachwerkhäuser, mit denen heute niemand mehr etwas verbindet, wieder aufgebaut wären. Den Marktplatz, der in jeder Hinsicht eine Besonderheit bzw. Ausnahme darstellt, kann man hier nicht als Referenz heranziehen.

    Auch das Argument des neu zu schaffenden Wohnraumes kann nicht wirklich überzeugen. Wenn es vor allem darum geht, wird ein Bauherr vermutlich immer die einfachere Variante eines modernen Neubaus wählen. Das traurigste Beispiel dafür ist das Grundstück Gelber Stern Ecke Godehardiplatz. Seit dem Krieg unbebaut, bestand dort die Möglichkeit einer wirklich sinnvollen und praktikablen Rekonstruktion des ansehnlichen historischen Hauses als Wohnhaus. Und was wurde dort schließlich hingesetzt? Eben!

    Aber verstehe mich bitte nicht falsch: Wenn es nach mir ginge, könnte man in Hildesheim ganze Straßenzüge abreißen und rekonstrieren, und ein neu entstandenes "Altstadtviertel" könnte dann tatsächlich ein zusätzlicher Touristenmagnet sein. Aber das ist Wunschdenken. Mir ging es nur darum, ein realistisches Projekt vorzuschlagen, das zumindest eine gewisse Chance auf tatsächliche Umsetzung hat.

    Zwei mögliche Projekte würde es geben, deren Standort frei ist: Borchersches Haus, ehemals Marktstraße 24, und meine Wenigkeit, der "Goldene Engel" :biggrin: , ehemals Kreuzstraße 11.

    Das Borchersche Haus stände isoliert an einer Ecke des jetzigen Lilien-Platzes herum, würde dessen Nutzung einschränken und insgesamt verloren und deplatziert wirken. Der "Goldene Engel" könnte sich zwar in eine Häuserzeile einfügen, aber die jetzige Nachkriegs-Bebauung der Kreuzstrasse ist so unterirdisch niveaulos, dass eine Reko dort einen grotesken Fremdkörper bilden würde.

    Nein, der nächste Reko-Kandidat, dessen Sinnhaftigkeit auch der Einwohnerschaft leicht zu vermitteln wäre, kann nur der Wiederaufbau des Kirchturmhelmes von St. Jakobi in der Almsstrasse (Fußgängerzone) sein. Er würde einen bereits bzw. noch bestehenden Baukörper ergänzen und die historische Stadtsilhouette wieder herstellen .

    Mal eine Frage an die Leute aus München. Im Jahre 2020 kam die Nachricht auf, daß die Feldherrnhalle endlich saniert werden soll. Ein Zeitraum von 2022 bis 2025 wurde genannt.

    Allerdings kann ich bei meiner Suche keinen Bericht dazu finden, ob diese Sanierung bereits begonnen wurde. Mittlerweile ist man schon im zweiten Jahr nach dem angekündigten Start.

    Hat jemand aktuelle Infos dazu?

    Die Nordwest-Ecke ist teilweise eingerüstet, und der Zugang zur Halle ist versperrt .

    Eigentlich ist dieser Strang den Ecklösungen des Historismus gewidmet. Diese habe alle gemeinsam, dass sie keiner Schauseite den Verzug geben. Sie leiten gleichberechtigt zwei Straßenfronten ineinander. Das ist in Hildesheim gerade nicht der Fall. Bauten dieser Zeit pflegen in der Regel eine nicht selten durch die Ecklösungen betonte Schauseite auszubilden, wie wir es auch am Altdeutschen Haus beobachten können. Ungewöhnlich ist dabei allerdings, dass der Erker tatsächlich zur Seite einen kleinen reduzierten Giebel trägt.

    Ich hatte lediglich auf unify geantwortet, der nach Beispielen aus früheren Epochen gefragt hatte. Die feinen Unterschiede in der Definition "Eckhaus" waren mir nicht bewusst.

    Da fällt mir spontan das Altdeutsche Haus in Hildesheim ein. 1604 in der Osterstrasse errichtet, machte es mit einem dreifachen Eckgiebel auf sich aufmerksam. Das war offenbar sehr ungewöhnlich, weshalb das Haus als (malerische) Kuriosität galt.

    Im Feuersturm 1945 ist es untergegangen.

    Bei der Frage nach möglichen Reko-Kandidaten taucht der Name immer mal wieder auf, aber das Grundstück ist bebaut und eine Realisierung dieser Idee ist, realistisch betrachtet, weiter entfernt als der Mond huh:)

    Ich finde das Neue Palais auch hervorragend. Nur die Kuppel sagt mir nicht wirklich zu. Sie wirkt zu massiv und irgendwie unproportioniert. Ganz im Gegensatz zur Kuppel des Berliner Stadtschlosses, die den Bau perfekt ergänzt und schon für sich eine wahre Augenweide ist.

    Als ich letztmals in Berlin war, befand sich zwischen Dom und Staatsratsgebäude nichts. Nun durfte ich endlich selbst vor dem wiederaufgebauten Berliner Schloss stehen und ich war einfach nur überwältigt. Es wirkt real noch viel gewaltiger als auf Fotografien.

    Wenn man nur das Elend von ca. 2010 kennt, die ganzen Bauphasen zwischendurch nicht vor Ort gesehen hat und dann vor dem (fast) fertigen Schloss steht, muss der Eindruck tatsächlich unvergleichlich sein. Ich bin fast ein bisschen neidisch :wink:

    Wie herrlich, ich liebe solche Freiluftmuseen. :love:

    Besser, die dislozierten Fachwerkhäuser sind an so einem künstlich geschaffenen Ort zusammengefasst, als dass sie irgendwo in einem Nest hinterm Mond unbeachtet verfallen (im schlimmsten Fall).

    Ich als Niedersachse muss aber gerade mit Erschrecken feststellen, dass ich es immer noch nicht nach Cloppenburg geschafft habe. :kopfschuetteln:

    Altes und neues Gebäude sollen gleichermaßen "recht ansprechend" sein? Das alte traufenständige war von den Proportionen, dem Dach sowie dem Obergeschoss im Fachwerkstil und dem Unterbau in Natursteinoptik her an die links anschließenden historischen Gebäude angepasst, es hat sich harmonisch eingefügt. Das neue mag zwar hochwertig sein, stellt aber einen modernistischen Bruch dar.

    Eine klare Verschlechterung - wieder mal. Und das im einzigen Altstadtviertel, das noch eine halbwegs geschlossene historische Bebauung aufweist. :wuetenspringen:

    Mir ging es speziell um das Kaufhof-Grundstück, dabei weniger um die Frage, ob man rekonstruieren könne, eher darum, in welchem Stil es neu bebaut werden sollte. Kennt jemand Beispiele aus anderen Fachwerkstädten, wie man -ohne tatsächlich in Fachwerk zu bauen - trotzdem eine dem nahekommende Anmutung hinbekommen hat, zb?

    Solche Beispiele fallen mir spontan nicht ein. Auf dem Hohen Weg würde so eine "Anmutung" aber auch deplatziert wirken, weil ringsherum ja alles mit gesichtslosen Nachkriegsbauten vollsteht (zum Historischen Marktplatz gibt es keine direkte optische Anbindung).

    Wahrscheinlicher ist, dass der Kaufhof (alte Hildesheimer sagen natürlich "Horten") vorerst stehen bleibt und umgebaut wird. Im Gespräch ist beispielsweise eine Nutzung als Berufsschule.