Posts by Teigkringel

    Falls ich richtig informiert bin, ist der aufgeständerte Hafenkran eine Bremer Erfindung. Dadurch, dass der Kran hinten auf einer Schiene auf dem Schuppen fährt, ist der Bereich zwischen Kai und Schuppentoren frei für Eisenbahn, Gabelstapler und LKWs. Zu der Zeit war die Eisenbahn das wichtigere Umschlags- und Transportmittel als der LKW. Stückgut wurde noch lose in Güterwagen umgeschlagen, die Zeit des Containers war noch nicht angebrochen.

    Ich habe vor langer Zeit - ich meine, in der Elsässer Straße - ein Dreierensemble gesehen, das zwar aus drei Häusern derselben Epoche bestand, das mittlere war jedoch um ein Stockwerk höher und wirkte wie nachträglich reingeklotzt. Ich meine, es war blau und die beiden Flankenhäuser weiß. Ich versuche ein Bild nachzureichen. Das war das erste Mal, wo mir auffiel, dass es durchaus schon immer Abweichungen und Befindlichkeiten geben musste, auch damals schon.. Es kann natürlich sein, dass Kriegsschäden und Aufstockungen dieses Bild erzeugen, aber das kann ich nicht nachprüfen.

    Ich weiß nicht, ob man den Bahnhofsvorplatz schon oder noch zur Innenstadt zählt - aber dieses sieht man, wenn man aus dem Bahnhof kommt. Im Rücken hat man eines der schönsten Bahnhofsgebäude Deutschlands - und dieses Monster steht vor einem.

    Ich frage mich, wie man Bremen als „Touristenstadt“ bekannt machen möchte. Wahrscheinlich hat man nur an Busreisende gedacht, aber auch die Busse parken an den hässlichsten Plätzen in ganz Bremen, so dass der folgende Fußmarsch zu den Sehenswürdigkeiten eher einer Besichtigung von unterirdischen Weltkriegsbunkern ähnelt.

    Meine Devise ist: Architektur ist dann gelungen, wenn man sich davor stellt und ein Smartphonephoto für die Erinnerung macht. Dazu muss das Gebäude nicht mal alt sein, aber wenigstens Richtlinien von Schön- und Ausgewogenheit beachten. Ich finde es erstaunlich, dass so viele Menschen, die gefragt werden, lieber in einem Bremer Haus wohnen oder arbeiten würden, als in einem 20-stöckigen Betonklotz. Das lässt vermuten, dass der „normale“ Mensch durchaus ahnt und im Grunde weiß, was ihm gefällt und welche Architektur er möchte. Das war nicht immer so, denn ich erinnere mich, dass in den 1970er Jahren der Wunsch nach einer Einbauküche und modernen Kippfenstern größer war als die Sehnsucht nach einem gewachsenen Zuhause, weshalb viele in das vermeintlich neue Zeitalter Osterholz, Huchting oder Vahr gezogen sind.

    Muss man sich Rechte einholen, um solche Bilder einstellen zu dürfen? Oder gilt die Faustregel: „was öffentlich ist, darf auch öffentlich gezeigt werden“? Ich habe einige Treppenhäuser, aber meist von Schulen, Behörden und Rathäusern... da ist das mit den Bildrechten oftmals schwierig...

    Könntest Du das mal anschaulich machen. Abgesehen von geschlossenen Läden, würde mich interessieren, wie sich dieser Zusammenbruch genau äußert.

    Ich wurde zwar nicht gefragt, aber ich empfinde es genauso. Das Problem ist, dass die Innenstadt auch als vielgescholtenes EINKAUFSzentrum nichts mehr viel hergibt., wo sie doch als Wohncity bereits versagt hat.

    Seit die großen Kaufhausketten reihenweise wegbrechen, stellt man sich die Frage, zu was man eigentlich noch in die Innenstadt kommen soll, wenn es dort nur Boutiquen und Handygeschäfte gibt? Corona hat das noch verschlimmert, in dem man sich einen Plan anlegen muss, in welches Geschäft man wann gehen kann, um dies oder das zu besorgen. Es ist einfacher, in ein „Shopping-Center“ außerhalb zu gehen, in dem man ALLES kriegt - nicht jeder kann sich drei Tage frei nehmen, um nach Geschäften zu suchen, die vielleicht mal das anbieten, was man gerade braucht.

    Die Idee mit dem Möbelcenter anstatt Kaufhof mag ja ganz witzig sein - aber welche Kunden sollen damit gelockt werden? Das erfordert gute Infrastruktur - und gleichzeitig Autos aus der Innenstadt verbannen, hält Selbstabholer auch davon ab, mal eben eine Kommode zu kaufen.

    Die Innenstädte haben - jedenfalls in meiner Erinnerung - davon gelebt, dass man „mal eben“ vier Paar Socken, eine CD für Tante Luise, eine Batterie für seine Uhr und den letzten Harry Potter besorgt, und nebenbei noch ein Tässchen Kaffee oder eine Packung Pommes verdrückt.

    Das bricht zunehmend weg. Ich finde weder Spielzeug, noch Musikträger, noch Werkzeug noch Alltagsgegenstände noch Elektroartikel in entsprechender Auswahl. Nicht mal eine piefige Schreibtischlampe für 20 Euro bekommt man noch. Bei einer Einkaufsliste von 10 Artikeln muss ich 6 irgendwo außerhalb (oder ONLINE!!!) kaufen...

    Jetzt will man sogar die Straßenbahnen aus der Innenstadt verbannen und eventuell Pendel-Elektrokleinbusse statt dessen einplanen. Hallo? Wenn die Anbindung nur noch über Umsteigen möglich sein soll, kann man eigentlich alles abreißen und einen Park anlegen...

    Das Space Shuttle sollte auch mehrfach verwendet werden. Dennoch brauchte es Einmal-Booster mit Einmal-Booster-Tank und musste nach jeder Landung radikal renoviert werden. Und am Ende hatte es eine ziemlich schlechte Bilanz, was Nutzlast, Nutzungsdauer und Überlebenssicherheit anging.

    Ich finde die Idee sehr gut, Dinge mehrfach zu verwenden, allerdings endete die letzte Landung von SpaceX schon wieder in einer Explosion. Und ich befürchte, dass die Aufbereitung einer zurückgekommenen Rakete teurer ist als der Neubau. Weswegen Roskosmos am Ende billiger ist als die NASA, die Russen bauen einfache Dinge, die funktionieren, zum Wegwerfen....

    Es ist ja auch der Grund, weshalb es so viele Plastikflaschen und Plastikverpackungen gibt...

    Wir werden es nicht mehr erleben, aber marsianische Architektur dürfte sich in den ersten Jahrhunderten wohl vorrangig im Untergrund abspielen. Da ist der Schwarzenegger-Film nicht mal weit entfernt...

    Im Zitate-Brockhaus gjbt es einige Beispiele.

    "Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Architekten besteht heute darin, dass dieser jeder Versuchung erliegt, während der rechte ihr standhält."

    Ludwig Wittgensten

    "In der modernen Architektur stört der Mensch, die Natur sowieso."

    Friedensreich Hundertwasser

    Um mal bei Notre Dame zu bleiben: das ehrwürdige, originale Holzdach soll ja durch eine Stahlmonstruktion ersetzt werden. Offenbar, um den nächsten Brand zu verhindern. Dabei brennt Stahl ebensogut wie Holz (bzw. wird weich), wenn er nur heiß genug wird.

    Ist das also nicht bereits ein Rekonstruktios-Faux-Pas?

    Übrigens muss man bei allen Rekonstruktionen auch an das "Schiff des Theseus" denken, was meiner Meinung nach selten zur Sprache kommt...

    Doch, ich empfinde es auch als "Wellen". Es gab Jahrzehnte, in denen "das Alte" ausgemerzt wurde, und es gab Jahrzehnte, in denen man sich auf "Kultur" und "Tradition" besann. Es hat durchaus mit dem gefühlten Wohlstand und dem Volkseinkommen, den Generationsempfinden und den gesellschaftlichen Werten zu tun. Wenn junge Menschen sich z.B. mehr und mehr auf "alte" Werte besinnen, statt immer revoluzzermäßig aufzubegehren und alles einzureißen, ändert sich auch das Bild von "wie will ich leben?"

    Es geht nicht darum, ob Rekonstruktionen in einer Dekade bezahlbar sind oder nicht (Corona hat für einige Jahre den gesamten Etat gefressen), sondern darum, ob Rekonstruktionen gewollt sind oder nicht. Da würde ich nicht von einer "Ebbe" sprechen, aber die Zeiten einer umfassenden Restaurationswut sehe ich auch nicht. Wir hängen gerade so durch...