Posts by Teigkringel

    Könntest Du das mal anschaulich machen. Abgesehen von geschlossenen Läden, würde mich interessieren, wie sich dieser Zusammenbruch genau äußert.

    Ich wurde zwar nicht gefragt, aber ich empfinde es genauso. Das Problem ist, dass die Innenstadt auch als vielgescholtenes EINKAUFSzentrum nichts mehr viel hergibt., wo sie doch als Wohncity bereits versagt hat.


    Seit die großen Kaufhausketten reihenweise wegbrechen, stellt man sich die Frage, zu was man eigentlich noch in die Innenstadt kommen soll, wenn es dort nur Boutiquen und Handygeschäfte gibt? Corona hat das noch verschlimmert, in dem man sich einen Plan anlegen muss, in welches Geschäft man wann gehen kann, um dies oder das zu besorgen. Es ist einfacher, in ein „Shopping-Center“ außerhalb zu gehen, in dem man ALLES kriegt - nicht jeder kann sich drei Tage frei nehmen, um nach Geschäften zu suchen, die vielleicht mal das anbieten, was man gerade braucht.


    Die Idee mit dem Möbelcenter anstatt Kaufhof mag ja ganz witzig sein - aber welche Kunden sollen damit gelockt werden? Das erfordert gute Infrastruktur - und gleichzeitig Autos aus der Innenstadt verbannen, hält Selbstabholer auch davon ab, mal eben eine Kommode zu kaufen.

    Die Innenstädte haben - jedenfalls in meiner Erinnerung - davon gelebt, dass man „mal eben“ vier Paar Socken, eine CD für Tante Luise, eine Batterie für seine Uhr und den letzten Harry Potter besorgt, und nebenbei noch ein Tässchen Kaffee oder eine Packung Pommes verdrückt.


    Das bricht zunehmend weg. Ich finde weder Spielzeug, noch Musikträger, noch Werkzeug noch Alltagsgegenstände noch Elektroartikel in entsprechender Auswahl. Nicht mal eine piefige Schreibtischlampe für 20 Euro bekommt man noch. Bei einer Einkaufsliste von 10 Artikeln muss ich 6 irgendwo außerhalb (oder ONLINE!!!) kaufen...


    Jetzt will man sogar die Straßenbahnen aus der Innenstadt verbannen und eventuell Pendel-Elektrokleinbusse statt dessen einplanen. Hallo? Wenn die Anbindung nur noch über Umsteigen möglich sein soll, kann man eigentlich alles abreißen und einen Park anlegen...

    Das Space Shuttle sollte auch mehrfach verwendet werden. Dennoch brauchte es Einmal-Booster mit Einmal-Booster-Tank und musste nach jeder Landung radikal renoviert werden. Und am Ende hatte es eine ziemlich schlechte Bilanz, was Nutzlast, Nutzungsdauer und Überlebenssicherheit anging.


    Ich finde die Idee sehr gut, Dinge mehrfach zu verwenden, allerdings endete die letzte Landung von SpaceX schon wieder in einer Explosion. Und ich befürchte, dass die Aufbereitung einer zurückgekommenen Rakete teurer ist als der Neubau. Weswegen Roskosmos am Ende billiger ist als die NASA, die Russen bauen einfache Dinge, die funktionieren, zum Wegwerfen....


    Es ist ja auch der Grund, weshalb es so viele Plastikflaschen und Plastikverpackungen gibt...


    Wir werden es nicht mehr erleben, aber marsianische Architektur dürfte sich in den ersten Jahrhunderten wohl vorrangig im Untergrund abspielen. Da ist der Schwarzenegger-Film nicht mal weit entfernt...

    Schöner Film - anscheinend gab es noch keine wirksamen Vorfahrts-Verkehrsregeln... ;)


    Die Kolorierung mag ich aber nicht. Da sie flackert, fügt sie dem alten Filmmaterial noch zusätzlich einen Unruhefaktor hinzu (genauso wie der misslungene Versuch, den „90. Geburtstag“ unbedingt kolorieren zu müssen).

    Im Zitate-Brockhaus gjbt es einige Beispiele.


    "Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Architekten besteht heute darin, dass dieser jeder Versuchung erliegt, während der rechte ihr standhält."

    Ludwig Wittgensten


    "In der modernen Architektur stört der Mensch, die Natur sowieso."

    Friedensreich Hundertwasser

    Um mal bei Notre Dame zu bleiben: das ehrwürdige, originale Holzdach soll ja durch eine Stahlmonstruktion ersetzt werden. Offenbar, um den nächsten Brand zu verhindern. Dabei brennt Stahl ebensogut wie Holz (bzw. wird weich), wenn er nur heiß genug wird.

    Ist das also nicht bereits ein Rekonstruktios-Faux-Pas?


    Übrigens muss man bei allen Rekonstruktionen auch an das "Schiff des Theseus" denken, was meiner Meinung nach selten zur Sprache kommt...

    Doch, ich empfinde es auch als "Wellen". Es gab Jahrzehnte, in denen "das Alte" ausgemerzt wurde, und es gab Jahrzehnte, in denen man sich auf "Kultur" und "Tradition" besann. Es hat durchaus mit dem gefühlten Wohlstand und dem Volkseinkommen, den Generationsempfinden und den gesellschaftlichen Werten zu tun. Wenn junge Menschen sich z.B. mehr und mehr auf "alte" Werte besinnen, statt immer revoluzzermäßig aufzubegehren und alles einzureißen, ändert sich auch das Bild von "wie will ich leben?"


    Es geht nicht darum, ob Rekonstruktionen in einer Dekade bezahlbar sind oder nicht (Corona hat für einige Jahre den gesamten Etat gefressen), sondern darum, ob Rekonstruktionen gewollt sind oder nicht. Da würde ich nicht von einer "Ebbe" sprechen, aber die Zeiten einer umfassenden Restaurationswut sehe ich auch nicht. Wir hängen gerade so durch...

    Ich habe mal eine Frage an die Experten: wie kommt es, dass die Häuser links und rechts der Straßen komplett zusammengestürzt und zerbombt sind- die Straßen selber aber wie neugeteert aussehen und so gut wie keine Schäden aufweisen? Ähnliche Aufnahmen kenne ich aus Japan oder anderen Schauplätzen.

    Ich würde einen Schritt weitergehen: man kann nur verstehen, was man zeichnet, wenn man versteht, wie es gebaut wird und wie es funktioniert. In einem diesbezüglichen Kurs mussten wir ein Fahrrad aus dem Kopf zeichnen - also ohne zu spicken (es gab noch kein Internet...). Plötzlich wird einem bewusst, dass man nichts zeichnen kann, das man nicht versteht. Die Präraffaeliten haben gut beobachtet, aber Leonardo wollte den Menschen auch in seiner Funktion verstehen. Nur die Oberfläche abkopieren reichte ihm nicht. Bei Anatomie ist also der Weg des Durchdringens von Form, Raum und Funktion ebensk wichtig (Gottfried Bammes) - und ebenso sind bei der Architektur denn auch die Dinge, die man NICHT sieht, entscheidend. Zusammenhänge, die man nicht versteht, werden gerne "geschummelt" (ach, der Balken liegt "irgendwie" da drüber... ich lass das jetzt mal weg). Man braucht sich nur mal hinzustellen und einen Baum oder eine Dampflok abzuzeichnen. Ganz automatisch ist man gezwungen, tiefer in die Materie einzutauchen. Aber das Zeichnen ist gewiss der Anfang des "Wahrnehmens" und schult unmittelbar, welche Fragen man zu stellen hat. Da bin ich ganz bei Oststaatler.


    PS Frohes Weihnachtsfest!

    (...)


    Auffallend ist, dass keiner nach dem Sinn von solchen Marsabenteuern fragt... Welchen Wert hätte, wenn überhaupt möglich, ein Leben unter den dortigen äußerst widrigen Rahmenbedingungen?


    (...)

    Diese Frage stellt sich niemand, wenn es um Orchideen auf der Fensterbank, Steuererklärungen, Weihnachtsritualen, Quizduelle in Vorabendsendungen, übermenschliche Strapazen auf dem K2 oder um sinnloses Herumkurven auf dem Nürburgring geht. Auch auf dem Mond haben wir nichts verloren. Aber wir haben auch auf Südseeinseln, in der Wüste oder auf der Zugspitze nichts verloren. Und dennoch wollen wir da hin. Diese Frage ist die grundlegende Frage nach dem menschlichen Streben. Und eine Kosten-Nutzen-Rechnung negiert auch sämtliche Bemühungen, irgendein Gebäude zu erhalten oder überhaupt schöne Gebäude zu erschaffen, denn wie ich in meinem vorherigen Beitrag geschrieben habe: das Sinnfreie ist Teil der menschlichen Natur. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung würde für die Architektur schlecht ausgehen - und das Ergebnis einer solchen Überlegung wird jetzt Tag für Tag gebaut. Natürlich ist ein Marsurlaub völlig sinnlos. Auch Gesteinsproben oder andere wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich besser von Robotern gewinnen. Aber diese würden wir ja bauen, eben WEIL wir es wissen wollen. Wir hätten kein Interesse an Marsrobotern, wenn wir nicht selbst hinfliegen möchten - denn sie verschlingen Unmengen an Geld, das man besser anlegen könnte. Es ist also müßig, den „Nutzen“ von etwas zu hinterfragen - haben Kriege oder die Mona Lisa irgendeinen Nutzen..?

    Hier stellt sich eher die Frage, ob Menschen in komplett funktionaler Architektur leben möchten. Oder, anders, ob rein funktionale Architektur etwas mit den Menschen macht. Ob nicht der „überflüssige“ Schmuck, der zum Wohnen ja nicht zwingend notwendig ist, sogar ein menschliches Bedürfnis ist, das schon mit dem Körperschmuck in der Steinzeit beginnt? Denn um nichts anderes geht es ja: alle die „schönen“ Gebäude sind im Grunde nicht notwendig. Eine Fassade muss nicht mit Säulen und Friesen verziert sein, um eine Fassade zu sein.


    Dieser Gedanke des reinen Zwecks und die Reduktion auf nur den Zweck schwirrt immer schon in der Architektur herum: warum sollte ein Gebrauchsgegenstand „schön“ sein? Reicht es nicht, wenn er zweckmäßig ist? Die Frage nach Stuck auf dem Mars ist deshalb nicht abwegig, weil sie darüber entscheidet, WANN der Moment kommen wird, ab dem die neuen Marsbewohner ihre Häuser verzieren werden. Und das wird passieren, vielleicht nicht in den ersten Jahrzehnten, aber spätestens dann, wenn die Sachzwänge so weit zurückgedrängt worden sind, dass Zeit für „Unnützes“ entsteht. Die Faszination des zweckmäßigen Bauens, das die Funktion offenbart, verdeutlicht in Stahlkonstruktionen wie dem Eiffelturm oder einer Brücke über die Bucht von San Francisco , verselbständigt sich sofort in einer Art von „Steampunk“-Schönheit, die unmittelbar über den Zweck hinausgeht. Selbst im Schaffen des zutiefst Nützlichen gelingt es nicht, eine reine Zweckarchitektur zu erfinden.


    Jeder Schmuck ist immer auch Ausdruck, und ich befürchte, dass die sogenannten neuen Architekten nicht begreifen, dass ein komplett funktionales, reduziertes Leben nicht existiert. Ich vermute, dass dem Menschen als einziges Lebewesen ein imaginäres Weltmodell mitgegeben worden ist (Tiere fabrizieren zwar auch schöne Dinge, sind sich deren aber nicht bewusst. Sie tun es, weil die Evolution ihnen damit bessere Möglichkeiten zur Fortpflanzung gegeben hat). Ohne Imagination können wir nicht leben, denn unser komplettes Leben ist Einbildung. Wir vertrauen auf Steuern, Geld, Philosophie, Religion... imaginäre Konstrukte, die wahrscheinlich unser „kollektives Unbewusstes“ sind. Der Mensch ist ein künstlerisches Wesen, weil die Kunst imaginär ist. Wir stellen das Imaginäre sogar über die Realität, denn wir richten unser Leben nach Vorstellungen aus, die wir uns selbst erdacht haben (übrigens habe ich Schopenhauer nicht gelesen... das kommt jetzt von mir).


    Die neuen Anforderungen, wie Energieeinsparung, Luftumwälzung, Klimaneutralität, Wiederverwendbarkeit werden sicherlich in die Architektur Einzug halten. Erst wenn Form und Funktion wieder eine Symbiose eingehen, kann moderne Architektur auch ästhetisch sein - sowohl auf der Erde als auch auf dem Mars. Und die Architektur wird immer eine Komponente des Unnützen haben müssen, um zu gefallen. Schmucklose Fensterklötze, wie sie jetzt allerorten entstehen, ist eine Fehlinterpretation von dem, was „Zweck“ bedeutet. Sie verleugnen das menschliche Wesen.


    Meine völlig persönliche Theorie ist die Theorie der „Zeit“, die in Werke einfließt. Der Mensch als „Nutzer“ von Häusern und Gegenständen spürt die Zeit, die in diese Dinge eingeflossen sind. Schmuck bedeutet Lebenszeit, die den Dingen innewohnt. Bei Kathedralen sogar Jahrhunderte, weshalb wir diese Ehrfurcht vor ihnen haben. Nicht so sehr, weil sie im eigentlichen Sinne „schön“ sind, sondern weil sie die Imagination tausender Menschen sind, die ihr Leben dafür verwendet haben. Irgendjemand hat „sich“ eingebracht. Die Ästhetik entsteht durch das Konglomerat von Vorstellung und Funktion, weil Funktion in gewissem Sinne göttlich ist. Erschaffen ist gewissermaßen ein göttlicher Akt. Da Kathedralen sowieso nur für die imaginäre Welt gebaut werden (sie sind komplett überflüssig), entsteht hier die Verkörperung des menschlichen Willens und der Phantasie, um etwas komplett Nutzloses zu schaffen. Diesen Anspruch wenden Menschen früher oder später auf alle Dinge an, die sie umgeben - oder warum sollte ein Löffel für die Suppe verziert werden oder warum möchte man ein Hintergrundbild für den Bildschirm? Wofür gibt es Blümchentapeten? Warum braucht mein Handy ein Klavierlackoutfit? Diese sogenannte Nutzlosigkeit ist der Kern der menschlichen Existenz. Die meisten Menschen hängen zuallererst einen persönlichen, „überflüssigen“ Gegenstand im Büro auf (gleich nach den Topfpflanzen), um ihr Territorium zu markieren und um sich mit imaginären Welten zu umgeben...

    Ich glaube, die ersten menschlichen Behausungen in den sumpfigen Anfangs-Niederungen unserer Städte waren auch zweckmäßig und überschaubar. Wenn erstmal die vielbeschriebene SF-Riesenkuppel aus Glas mit Häusern auf dem Mars steht, werden wir auch über Stuckornamente reden können. So lange findet der Schmuck hauptsächlich innen statt und dürfte eher der ISS ähneln als dem Schloss Versailles.

    Bereits mal in einem anderen Forum hochgeladen: die Häfen im Jahr 1978 (ca.). Da lebte noch was...


    Getreideanlage (s.o.):


    Und noch mit zwei AG-Weser-Kränen:



    Roll-on-Roll-off-Anlage:



    Und Kräne und Schiffe, soweit das Auge reicht:


    Ja, das stimmt. Leider habe ich früher nie zugegriffen, als der Nikon-Coolscan neu noch 2000 DM kostete - meiner Meinung nach der beste auf dem Markt. Man bekommt ihn fast nur noch gebraucht - und was eine vorher gebrauchte Scannerlampe bedeutet, brauche ich ja nicht zu erzählen. Ich habe ein Markenprodukt, das es auch nicht mehr gibt... Ja, mit einem Trommelscanner wäre das alles kein Problem... (aber der kostet soviel wie ein Kleinwagen und die Software dazu auch...)


    Man kann schon noch viel rauskitzeln, aber das ist mit sehr viel Zeit, mit viel Fummelei und Anpassungen verbunden.