Posts by Bauaesthet

    Vom Straßenniveau aus, also sozusagen auf Augenhöhe ist das anders. Dabei "klebt" der Blick unweigerlich an den Barockfassaden, deren Schmuck und Säulen. Die modernistischen Beeteinfassungen bzw. Sitzbänke treten in den Hintergrund. Ich gehe davon aus, dass dies durchaus auch mit einer aus unserer Sicht ansprechenderen Umfeldgestaltung passieren würde . Das macht einfach die außerordentlichen Wucht der Fassadengestaltung.

    Sie haben völlig recht. Das ist ein häufiger Fehler auch von Architekten, dass sie bei der Stadtplanung das zu gestaltende Objekt aus der Vogelperspektive sehen und nicht aus der praktischen Sicht eines eiligen Fußgängers. Das hatte ich auch nicht ausreichend bedacht. Danke.

    thomas89:

    Für mich ist ganz klar. Dieser Vorschlag - des Fördervereins Berliner Schloss e.V. - für die Gestaltung des Schlossplatzes ist der schönste.

    Ich meine, dass die jetzige "zeitgemäß" minimalistische Realisierung, verantwortet durch Frau Lüscher und Herrn Lederer, zumindest später repariert werden kann, weil die Argumente des Senats (technische Bedingungen und Finanzierung) nicht mehr gelten und weil das "Argument der Frau Lüscher gegen ein "Freilandmuseum" einfach nicht überzeugt. Nachbesserungen im Sinne des Bildes sind allerdings erst möglich, wenn im Nachdenken über "die vielschichtige Geschichte dieses Ortes und die Ästhetik des Ensembles" eine Richtungsänderung (durch andere Verantwortliche) eintritt. Bei diesem Konzept bleibt vielleicht die Frage der Verkehrsführung offen? Aber: Wo ein Wille, da ein Weg!

    Ich sehe durchaus die Chance für einen allseitigen Interessenausgleich für den Humboldt-Schloss-Umfeld-Schlossplatz, wenn alle für die Planung und Realisierung Verantwortlichen und die kritisch Beobachtenden aus ihren festgelegten Positionen hervorkriechen würden:

    • Nordseite: Die Bauminsel anstelle des früheren Apothekerflügels wirkt gut. Die offenen Baumkronen wirken leichter und erlauben bessere Durchblicke auf die Schlossfassade, als früher der Apothekerflügel. Der Kiesboden na-ja – ist eine zu schluckende Kröte. Die Pflanzbeete (ohne Balustrade) vor der Nordfassade können durchaus ansprechend werden, wenn sie in vollem Umfang mit jetzt schon erkennbarer Strauch- und Heckenbepflanzung fertig sind, zumal auch Fundamente für die Rossebändiger bereits geschaffen wurden. Auch die Adlersäule wäre zumindest möglich.
    • Südseite: Die große, leere Steinpflasterfläche erscheint mir ökologisch wegen der Aufheizung im Sommer falsch. Im Jahre 1701, bei Eröffnung des Schlüter-Schlosses, war der Schlossplatz jedenfalls ein ebenso großer, leerer Sandplatz ohne Schmuck und Bepflanzung. Wenn der Wasser speiende Neptunbrunnen hinzukommt, was jetzt technisch ermöglicht wurde und wenn das zugesagte Finanzierungsangebot der Umsetzung durch den Bund weiter gilt, und wenn wenigstens nachträglich durch tiefere Einsicht noch ein paar Pflanzstreifen oder wenigstens Pflanzkübel hinzukämen, wäre ein großer Schritt getan.
    • Ostseite: Ich kann inzwischen der Ostseite mit Baukörper, Fassade, Brüstungen, Rampen eine durchgängig passende, großzügige, ruhige und klassisch schlichte Ausstrahlung abgewinnen. Da die Vorkriegsbebauung der Ostseite durch ihre kleinräumige und verwinkelte Raumstruktur für ein funktionales, modernes Museumsprogramm ungeeignet gewesen wäre, erscheint mir diese nach Osten gerichtete Gesamtansicht jedenfalls konsequent und wirkungsvoller und als historisierende Versuche, vor eine "barockangepasste" Ostfassade auch noch eine schmale, garten-ähnliche Bepflanzung zu stellen. Warten wir ab, bis weitere Details, die Beleuchtungskörper (große Kandelaber?) und das Leben des Terrassenrestaurants, eine Anlegestelle (?) und weiteres Leben hinzukommen.

    Nie wird jeder und jede von uns restlos zufrieden sein, aber der gesamte Komplex mitsamt dem Umfeld und den noch dem Senat gegenüber zu erstreitenden Kunstwerk-Installationen macht jetzt schon einen großartigen Eindruck.

    Offener Brief an den Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer


    Sehr geehrter Herr Lederer,

    Ihr Ressort stellt sich auf der Homepage u. a. dar als zuständig für Kultur im Stadt­raum und Kunst am Bau. Im Kulturerbejahr 2018 betonten Sie „das gemeinsame europäische Erbe, die historischen Innenstädte, die Kultur-landschaften und Wahrzeichen als eine Identität stiftende und verbindende Wurzel Europas“. Nach den Leitlinien Ihres Ressorts befindet sich der Berliner Schlossplatz unzweifelhaft "an einem exponierten und städte-baulich wichtigen Standort. Er nimmt gesamtstädtisch wichtige Funktionen oder Nutzungen wahr, ist Gegenstand besonderer öffentlicher Wahrnehmung und weist besondere kultur- oder kunsthistorische Bezüge auf." Diese Leitlinien für die Bewahrung des Kulturerbes schließen selbstverständlich Kunst am Bau, Standbilder, Brunnenanlagen und andere Kunstwerke mit ein.


    Dennoch ist der Schlossplatz darauf angelegt, von historischen Kunstwerken geleert, steinern und schmucklos das Humboldt-Forum in Erscheinungsbild und Ästhetik von seiner historischen Umgebung zu isolieren, während der neobarocke Neptunbrunnen seinerseits städtebaulich isoliert auf dem noch zu planenden Rathausforum verbleibt und die Rossebändiger bei nur geringer öffentlicher Wahrnehmung im abgelegenen Kleistpark stehen. Die Senatsbaudirektorin Frau Lüscher, als überzeugte Vertreterin „zeitgemäßer“, schmuckloser Stadtplanung, lehnt ohnehin das Humboldtforum in der rekonstruierten Form ab, betont aber, dass „die Berlinerinnen und Berliner und unzählige Besucher das Recht und das Bedürfnis haben, an diesem sehr prominenten Ort die vielschichtige Geschichte dieses Ortes zu verstehen und dass der Freiraum dazu einen Beitrag leisten soll“.


    Weder Ihr Ressort noch das der Frau Lüscher lassen für diesen „sehr prominenten Ort“ eine besondere Aufmerksamkeit des Senats und eine Berücksichtigung besonderer kultur- oder kunsthistorischer Bezüge erkennen. Auch sind weder Sie noch Frau Lüscher offensichtlich bereit, die hochwertigen, historisch und kunstgeschichtlich herausragenden Kunstwerke an ihre ursprünglichen Standorte zurückzuführen, was dem vielschichtigen Verständnis dieses Ortes und dem Schutz des Kulturerbes angemessen wäre.

    Hier ist meine Quelle, veröffentlicht vom Förderverein Berliner Schloss e. V.:


    70 % aller Berliner in Ost und West stimmen grundsätzlich für den Bau des Humboldtforums in den historischen Schlossfassaden!

    Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage von infratest dimap vom 14. – 17. Juni 2010

    Die „Berliner Zeitung“ wollte es wissen. Sie steht schon seit Jahren dem Bau des Humboldtforums in den Fassaden des Schlosses zumeist sehr kritisch gegenüber. Und sie macht damit Politik. Über das Meinungsforschungsinstitut Forsa ließ sie die Berliner Ende Mai 2010 repräsentativ befragen.

    Die Berliner Zeitung gab als „Sensation“ bekannt, dass 80 % der Berliner den Wiederaufbau des Schlosses ablehnten. Leider hat sie die Fragen nicht in ihrem Bericht veröffentlicht. Man konnte aber deutlich aus dem Ergebnis herauslesen, dass die Zeitung gar nicht nach Humboldtforum und Schloss gefragt hatte.

    Angesichts der bevorstehenden Sparbeschlüsse („Sparen bis es quietscht!“) befragte man wohl Ende Mai die Berliner, wo man denn mit dem Sparen beginnen könne, bevor es zu Kürzungen im Sozialbereich komme. Die Antworten: Bei der Verwaltung, beim Weiterbau des inneren Autobahnrings A100 durch Berlin-Treptow und beim Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Also vor allem bei den kurz vor dem Baubeginn stehenden Großprojekten in der Stadt. Was hätte sonst die A100 mit dem Humboldtforum zu tun?

    Wir hätten dem Projekt gegenüber mehr Fairness bei der Auswertung erwartet!

    Agenturen, Zeitungen, ja fast alle Medien übernahmen unkritisch diese Meldung – und der bundesdeutsche Blätterwald rauschte. Möglicherweise hat dies sogar die Bundesregierung bei ihren Sparbeschlüssen beeindruckt. Kam die Meldung doch punktgenau nur wenige Tage vor der Sparklausur am 6. Juni 2010.

    Wir konnten das Ergebnis nicht glauben, waren die Berliner doch vor Jahresfrist noch mit 59 % für das große Kulturprojekt im Zentrum der Stadt. Ebenfalls repräsentativ und ebenfalls seriös gefragt, aber von Infratest dimap. So gaben wir dem Meinungsforschungsinstitut einen neuen Auftrag für eine repräsentative Umfrage in Berlin.

    Infratest dimap fragte:

    In Berlin soll an historischer Stelle gegenüber dem Dom das Humboldtforum in Gestalt des früheren Berliner Schlosses gebaut werden. Finden Sie, dass ein solches Gebäude mit wieder aufgebauten historischen Schlossfassaden in der Stadtmitte gut ist für Berlin oder nicht? 50 % der Berliner bejahten uneingeschränkt diese Frage. 45 % verneinten sie

    Infratest dimap fragte nach:

    Wenn: „Ist nicht gut für Berlin“: „Würden Sie sagen, Sie sind grundsätzlich gegen das geplante Gebäude mit der Schlossfassade oder sind Sie nur momentan dagegen, weil wegen der Krise gespart werden muss?“

    Von den 45 % meinten dann weiter 20, dass sie nur wegen der Finanzkrise dagegen seien, ganze 25 % der Berliner waren prinzipiell dagegen. 5 % hatten gar keine Meinung dazu.

    Fazit:

    Damit stehen 70 % aller Berliner hinter dem z.Zt. größten nationalen Kulturprojekt Deutschlands in ihrer Stadt!

    Offener Brief an Frau Senatsbaudirektorin Frau Lüscher


    Sehr geehrte Frau Lüscher, Sie schreiben über die Rekonstruktion des Schlosses: „Sie und das Land Berlin wollten nicht, dass an diesem sehr prominenten Ort durch die Schlossrekonstruktion eine Art Freiluft­museum für eine bestimmte Bauepoche entsteht“. Mit diesem Vergleich lehnen Sie ausdrück­lich die Schlossrekonstruktion ab. Sie sagen damit auch, dass durch den inzwischen fertigen Bau ein Freiluft­museum jetzt schon entstanden ist. Somit lehnen Sie auch Rückführungen der Kunstwerke (Rossebändiger, Neptunbrunnen) an ihre ursprünglichen, historischen Standorte, nämlich „an den sehr prominenten Ort“ Schlossplatz ab.

    Zur Klarstellung: „Freiluftmuseen sind weitaus überwiegend wissenschaftlich geführte Einrichtungen zum Erhalt, zur Erforschung und Präsentation von Zeug­nissen des vor- oder frühindustriellen ländlichen Wohnens, Arbeitens und Lebens. Auf ihrem Gelände werden in der Regel die historischen Gebäude von ihren Originalstandorten umge­setzt und zu neuen, thematischen Ensembles (Mühlenmuseum) zusammengefügt“. (Wikepedia).


    Ihr Vergleich des historisch gewachsenen, reparierbaren Schlossumfeldes mit frei zusammen gefügten „Freiluftmuseen“ wirkt auf mich völlig unzutreffend, herablassend und zynisch. Diese Artefakte wurden zweifellos nur für die Originalstandorte vor Portal II auf dem südlichen Schlossplatz geschaffen (Neptunbrunnen) bzw. vor dem Portal IV an der Schlossfassade aufgestellt (Rossebändiger).


    Weiter sagen Sie, dass „die Berlinerinnen und Berliner und unzählige Besucher das Recht und das Bedürfnis haben, die vielschichtige Geschichte dieses Ortes zu verstehen und dass der Freiraum dazu einen Beitrag leisten soll“. Wie aber soll jemand „die vielschichtige Geschichte dieses Ortes“ auf dem südlichen Schlossplatz verstehen, der von historischen Kunstwerken völlig geleert, steinern, schmucklos und erinnerungslos das Erscheinungsbild und die Ästhetik des Schlosses von seiner Umgebung absichtsvoll isoliert, während der neobarocke Neptunbrunnen seinerseits städtebaulich isoliert und beziehungslos als „Abenteuerspielplatz“ für Kleinkinder (Zitat Born) auf dem derzeit gesichtslosen und „zeitgemäß“ völlig neu zu planenden Rathausforum verbleibt. Und wie soll die Lustgartenseite„ dieser sehr prominente Ort“, an die vielschichtige Geschichte erinnern, ohne die an die Berliner Peripherie verbannten Rossebändiger und deren Beziehungen zu Castor, Pollux, Amazone und Löwenkämpfer, oder auch in Bezug zu Friedrich Wilhelm IV und Nikolaus I?


    Ich bin sicher, dass die Berlinerinnen und Berliner und die unzähligen Besucher die vielschichtige Geschichte dieses Ortes und die Ästhetik des Ensembles tiefer und genussvoller verstehen können, wenn der Freiraum mit den zurückgeholten Artefakten einen Beitrag leisten kann. Dafür spricht auch, dass über 70% der Bürgerinnen und Bürger seit langem die Rekonstruktion des Schlosses* und ganz gewiss großer Teile des Umfeldes gewünscht haben – und das mit zunehmender Tendenz.
    (* Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage von infratest dimap vom 14. – 17. Juni 2010)


    Seit jeher schmücken die Menschen in Europa ihre Städte, besonders Stadtzentren und „sehr prominenten Orte“ mit Denkmälern, Statuen, Artefakten und Grünanlagen. Wie soll das Humboldt-Forum im eindrucksvoll gelungenen Erscheinungsbild des Berliner Schlosses, das Sie durch ein „zeitgemäß“ karges und ohne Kunstwerke schmuckloses Umfeld isolieren, „eine Brücke zwischen gestern und heute“ schlagen?

    WENN aber 'Kunst' heute so vordergründig für solch krasse Minderheiten gemacht wird, deren Argumentation dann auch noch schwer oder überhaupt nicht nachzuvollziehen ist, frage ich mich, was eigentlich mit unserer Debattenkultur geschehen ist. Wenn dieselben dann sogar jene angreifen, die für die Mehrheit argumentieren, weil diese 'das eben nicht verstehen würden' (also auf gut deutsch: zu dumm sind), dann frage ich mich, wo wir eigentlich gelandet sind. Das nennt man dann nämlich eigentlich Meinungsdiktatur.

    Hallo Stauffer, ich habe nur meine ganz persönliche Meinung dargelegt. Dabei nehme ich keine Rücksicht darauf, inwieweit ich eine krasse Minderheit oder sonst wen vertrete und ob Sie meine Meinung schwer oder überhaupt nicht nachvollziehen können. Ich jedenfalls greife niemanden, auch Sie, nicht an. Es interessiert mich wenig, ob und mit welchen Argumenten Sie eine Mehrheit vertreten, ob Sie irgendetwas verstehen oder meinen, von irgend jemand für zu dumm gehalten zu werden. Wenn ich Ihren Beitrag lese, wundere mich auch darüber, wo wir gelandet sind und bei wem und worin Sie plötzlich eine Meinungsdiktatur erkennen. Ich habe gar nicht vor, Ihre Meinung, infrage zu stellen. Schönheit, "Ästhetik" hat immer auch einen hohen subjektiven, emotionalen Gehalt und diesen sollten wir uns doch gegenseitig gönnen!?

    In diesem Forum wird wohl mehrheitlich z. T. beißende Kritik an der Ostfassade geübt. Trotzdem möchte ich eine Lanze für Stellas Ostseite brechen, auch wenn ich mich dabei sicher unbeliebt mache:

    Als die Ostfassade gerade fertig wurde - in einem chaotischen Baustellenumfeld, hatte ich auch Gewöhnungsprobleme, obwohl die Kommentare mancher Ostfassadenskeptiker: "Banale Ödnis", „Sparkasse“ „Kaufhaus“, "Parkhaus" für mich ganz unangemessen waren. Auch den Wunsch, alles hinter Efeu verschwinden zu lassen, teile ich nicht. Inzwischen sehe ich in der Fassade eine ruhige, klare Ausstrahlung und etwas Edles, Großzügiges, sogar eine Verbindung zu Chipperfields Eingangsgebäude zu den Museen. Das wird für mich zunehmend deutlich, seit die Wege und Rampen fertig werden und diesen weiträumig ruhigen Stil zusätzlich großzügig betonen. Stella hat der Fassade Original-Sandstein in den Beton beigemischt, so dass auch die Farbe zu den Sandsteinelementen der Barockfassade passt. Mir gefällt auch die noble Bescheidenheit, mit der Franco Stella sich selbst zurücknimmt und als „späten Mitarbeiter Schlüters“ bezeichnet. Ich bin begeistert von den Barockfassaden und dem Schlüterhof, aber Stella zeigte Konsequenz und Stilsicherheit, indem er sich nach der Ostseite, hin zu einem neuen modernen Stadtteil nicht zu historisierenden, neobarocken Anpassungsversuchen und Spielerein hinreißen ließ. Es sieht übrigens so aus, als ob noch (moderne) Kandelaber auf der oberen Brüstung aufgestellt werden. Allerdings hätte ich mir ein schlichtes, akzentuierendes, modernes, zur Fassade passendes Portal vorstellen können, nachdem es ein West-, zwei Nord- und zwei Südportale gibt.

    Heimdall:

    Für den Moritz haben Niederländer schon gespendet.


    Zitat aus einem früherem Bericht des Fördervereins: proxy-image?piurl=https%3A%2F%2Fencrypted-tbn0.gstatic.com%2Fimages%3Fq%3Dtbn%3AANd9GcQ3GKGF91p1ZPebyjHSGxHYjd55vECWjKSwsJF8nu1822nKljgF%26s&sp=1600774540Teb7219bc008674c8594ac9092910582091a732f3fabf859ea04e67c4e2a951a9

    Der vom Sockel gestürzte Moritz vor der Lustgartenterrasse, kurz nach dem Kriege. Schon damals hatten Buntmetalldiebe ihm die rechte Hand mit seinem Marschallstab und den Degen gestohlen.

    David Hakkenberg, ein Niederländer aus Apeldoorn, zeigte seine ganze Passion für die Denkmäler der Oranierfürsten am Schloss. Ohne diese Fürsten wären die Niederlande nicht entstanden. Er sammelte die nötigen Spenden, um den einzigen noch im Original vorhandenen der früher fünf Oranierfürsten der Lustgartenterrasse zu restaurieren. Dieser hatte bös gelitten: In den Nachkriegsjahren wurde er von seinem Sockel auf der Terrasse heruntergerissen, seine Plinte verbog dabei und so konnte er nicht mehr stehen. Sein Gesicht wurde von Unbekannt mit gelber Farbe beschmiert. Seinen Degen und den Marschallstab verlor er auch in dieser Zeit. Seine fürstlichen Verwandten wurden in der Nachkriegszeit alle eingeschmolzen, allerdings existieren am niederländischen Königshof noch die Kleinmodelle und, bis auf einen, Zweitgüsse in originaler Größe an verschiedenen Standorten in Wiesbaden, den Niederlanden und England. Darüber haben wir berichtet.

    Was für ein wunderbares grenzüberwindendes europäisches Engagement der niederländischen Freunde, gerade vor dem Hintergrund eines besonders dunklen Kapitels der deutsch­-niederländischen Beziehungen durch die militärische Besetzung der Niederlande im 2. Weltkrieg. Wir danken allen beteiligten Niederländern herzlich für diese große, versöhnende Geste!

    Was meinen Berliner zu diesem Beitrag von G-S, den ich kürzlich gelesen habe (Name aus Datenschutzgründen von mir geändert):


    Zunächst: Das mit demokratischem Parlamentsbeschluss aller Deutschen bewilligte und von vielen, vielen Menschen bei uns und in aller Welt privat geschaffene Projekt lässt jede Kritik einfach abtropfen! Nur mein liebes Berlin will oder kann nicht "zu Potte" kommen. Selten, sehr selten betont oder würdigt man das großartige Geschenk, das Berlin von den oben Genannten gemacht wurde! Nein, obwohl die Großplastiken und der Schlossbrunnen vorhanden sind, sollen diese anachronistisch dastehen, oder versteckt dahinschlummern. Dann der Oranierfürst, der vor dem Schloss stand; der für die Niederlande der Vater (Begründer) ihrer Nation ist. Was für eine Geste an die Niederlande, der Deutschland ja auch schreckliches angetan hat! All das ist und muss das Umfeld des Forums leisten, und auch von Berlin finanziert werden!

    Es wurde und wird immer noch darüber diskutiert und gestritten warum der Palast der Republik abgeräumt und die Entscheidung zur Rekonstruktion des Berliner Schlosses gefallen ist.


    Das Entscheidende bei dieser Entscheidung war m. E. nicht eine besondere Abneigung gegen den Palastbau und schon gar keine „Siegermentalität arroganter Wessis“. Es gab ja viele Versuche, den Palast einschließlich des übergroßen Aufmarsch-Trabbi-Parkplatzes durch Ergänzungs- und Anbauten in ein städtebaulich geschlossenes und an den Straßenverlauf besser angepasstes Umfeld einzubinden. Das größte ungelöste Problem blieb der Aufmarsch-Trabbi-Parkplatz. Danach gab es wiederum viele Entwürfe mit alternativer, moderner Bebauung, die raumfüllender waren und die Kubatur des Schlosses aufnahmen. Aber alle ergänzenden und alternativen Architekturkonzepte waren vor unabhängigen Gremien gescheitert. Hinzu kam die Problematik mit einem zum Innenleben des Palastes passenden Raumprogramm und die Kostenproblematik, dass ein Wiederausbau des Palastes in den Kosten einem Neubau gleichkam. Schließlich setzten sich dann erst spät, 2002, die ersten drei Gewinner-Entwürfe mit starkem Rekonstruktionsanteil durch. Es war also sicher keine arrogante Hau-Ruck-Methode von Siegern, sondern ein längerer Lernprozess, der zu der endgültigen Lösung Franco Stellas führte.


    Ähnlich sehe ich jetzt die Umfeld-Gestaltung, die langsam und sehr zögerlich Kunst- und Schmuckelemente der Vorkriegszeit wieder in die Gestaltung aufnehmen könnte oder sollte. Wie wäre es z. B. mit wenigstens einem dieser niederländischen Oranierfürsten auf der Nordseite zum Lustgarten, die an die Befreiungskriege der Niederlande gegen Spanien und an die freundschaftliche Beziehungen zu Preußen erinnern, in denen Preußen den Niederländern geholfen hatte? Einer (Moritz) ist ja schon restauriert.


    Sicherlich nicht, dass die französische Nation die deutsche Nation seit dem 15. Jahrhundert unterwerfen wollte...

    Da haben Sie natürlich recht. Ich weiß auch, dass es Frankreich nicht darum ging, "Deutschland" als "Nation" zu unterwerfen. Es ging im Zuge der französischen Hegemonialpolitik darum, das eigene zentralistisch geführte Staatsgebiet auszudehnen, die Macht zu erweitern und benachbarte Gebiete zu unterwerfen bzw. sich einzuverleiben. Daraus entstand eben ein über Jahrhunderte andauernder aggressiver Druck Richtung Osten, der dann in den "Befreiungskriegen" im 19. Jhd. zu der nationalen Reaktion in den deutschen Staaten führte.

    Es ist doch fast egal, mit welcher Motivation Frankreich ständig seine Nachbarn belästigte: Mailand, Neapel, Flandern. Niederlande, Schweiz, Belgien, Spanien, Katalonien, Luxemburg, die schon genannten deutschen Gebiete. Frankreich war das Land, das in Europa zwischen 1700 und 1918 unter allen Staaten an den meisten Kriegen beteiligt war. (Frankreich 28%, England 24%, Preußen 8%) Das bräuchte uns heute wirklich nicht mehr interessieren, wenn nicht ständig und ausschließlich masochistisch und pauschal an den wilhelminischen militaristischen Missetaten herumgemäkelt würde.

    Und ich bestreite weiterhin, dass diese Aggressionen gegen das Reich geschahen, weil es Deutschland traf.

    Sie haben recht. Von "Deutschland" habe ich auch nicht geschrieben. Der Begriff wurde erst nach den Befreiungskriegen (Hambacher Fest, Wartburgfest 48er Revolution ein "nationales" Thema.

    Nicht vergessen sollte man zudem, dass er bei seinem Vorgehen gegen das Reich tatkräftig unterstützt wurde von zahlreichen Gliedstaaten dieses Reiches, die sich im Rheinbund zusammengeschlossen hatten.

    Es juckt mich, noch zu ergänzen: Richtig, man sollte nicht vergessen, dass er im Zuge seiner Eroberungen die deutschen Gebiete zu neuen Staaten zusammengezimmert hat. Manche deutschen Gebiete traten aus opportunistischen Gründen oder gezwungener Maßen ein und unterwarfen sich der Hegemonialmacht Frankreich. Zitat Wikepedia: "Die Mitglieder des Rheinbundes waren in hohem Maße abhängig vom Willen Napoleons. Insgesamt war der Rheinbund ein an Frankreich gekettetes Militärbündnis. Die Stellung des Bundesprotektors war in der Rheinbundakte nur vage formuliert. Gleichwohl bestimmte Napoleon weitgehend die Geschicke des Bundes. So räumte ihm die Rheinbundakte die Entscheidung über den militärischen Bündnisfall ein."

    Ja, Frankreich hat seit Ludwig XIV. auf Kosten der deutschen Staaten expandiert - aber das geschah nicht aufgrund eines besonders ausgeprägten Hasses auf alles Deutsche, sondern weil die schwachen Territorien im Westen des Reiches nun einmal einfache Ziele und leichte Opfer darstellten. Eine "permanente Aggression und Unterdrückungswut gegen Deutschland" hat das nationalselige 19. Jahrhundert darin sehen wollen. Wie gesagt - wir waren schon einmal weiter.

    Natürlich war es Aggression. Aber Unterdrückungswut und Hass sind Ihre Worte, nicht meine.

    Es war die permanent berechnende Eroberungspolitik einer Hegemonialmacht. Vorausgegangen waren die rücksichtslose Macht- und Eroberungspolitik von Philippe IV (14. Jhd.), von Henri II , dessen Truppen im Reich marodierten,(16. Jhd.), von Louis XIII, mit Kriegserklärung und vielen Plünderungen im 30j. Krieg,(17. Jhd.), von Louis XIV, seinen Raubkriegen und Annexionen im Elsass, schlimmer noch die fatalen Reunionskriege, in deren Verlauf Heidelberg und fast alle Burgen am Rhein zerstört wurden. (17. Jhd.)


    Ich will beileibe nicht jetzt die D-F-Partnerschaft torpedieren. Es geht nur darum, wenigstens das Phantom des Nationaldenkmals in die damalige historische Erinnerung des 19. Jhds. und in die Wahrnehmung der damaligen Zeitgenossen einzuordnen.

    UrPotsdamer


    Sie haben auch recht. Den desolaten Zustand des Reiches und die Politik von Kaiser Franz II habe ich nicht gerühmt.

    Gibt das aber Napoleon das Recht, genau das zu tun, was ich geschrieben habe? Beide Wahrheiten, Ihre Beschreibung und meine, stehen eben in ihrer Widersprüchlichkeit nebeneinander. Meine Beschreibung Napoleons ist keine "ollen Kamellen" und entspricht genau moderner seriöser Geschichtsschreibung. So ist eben Geschichte und so können wir über das verschwundene Denkmal doch in seiner Deutungsvielfalt nachdenken. Natürlich hat er auch positive Wirkungen gehabt, aber ich will an dieser Stelle ja kein Geschichtsbuch schreiben.

    Für den Akteur hält Bauaesthet hier Milla und Partner. Die Darstellung ist aber verkehrt herum. Zuerst waren die Politiker da . . . Das alte Nationaldenkmal war unverkennbar ein Herrscherdenkmal. Wilhelm I. war zur Zeit der Befreiungskriege minderjährig. Das Denkmal kann also nicht an die Befreiungskriege erinnern. Es ist ein Denkmal für Wilhelm I. und die Reichseinigung. . . . Es stimmt nicht, dass die beiden französischen Kaiser eine besonders aggressive Politik speziell gegen deutsche Länder betrieben hätten. Napoleon I. führte gegen ganz Europa Krieg. Auch Napoleon III. war mit vielen anderen Themen beschäftigt . . .


    Hallo Rastrelli, ich stimme Ihnen in vielem zu, aber nicht ganz.

    Natürlich waren es Politiker, die als Akteure diesen Standort auswählten. Das ändert nichts an der von Milla vorgeschlagenen Strategie der kreativen "Neukontextualisierung", für die er alte Denkmäler ausdrücklich zu zerstören bereit war. Das zeigt nun auch sein unerwartet robuster Umgang mit dem Nationaldenkmal in Berlin.


    Napoleon I ging besonders aggressiv gegen das gesamte Deutsche Reich vor, das er 1806 angriff, zerschlug, unterwarf, ausbeutete und dessen Soldaten er in Russland verheizte.


    Napoleon III hat beim preußisch-österreichischen Krieg 1866 sich als Schlichter vorgeschlagen und als Kompensation die Annexion der westrheinischen Gebiete angesprochen. Als ihm Bismarck zuvorkam, der nach schnellem Sieg bei Königgrätz von Österreich weder Gebietsabtretungen noch Reparationen forderte, war N III höchst empört. Sein Verhalten war sehr aggressiv.


    Die Forderung von N III, dass Preußen 1870 auf die spanische Thronfolge nicht nur für einmal, sondern trotz Verzicht des Thronfolgers sogar für alle Zeiten verzichten solle, war durch die Hegemonialmacht Frankreich eine bewusste Demütigung mit kalkuliertem Kriegsrisiko. Das war sehr aggressiv.


    Das Denkmal war - auch - ein von W II inszeniertes Herrscherdenkmal persönlich für Wilhelm I, aber nicht nur für die Person, sondern es sollte an seine Verdienste um die durch den deutsch-französischen Krieg erreichte "Wieder"-vereinigung und indirekt an die Zerschlagung des alten Kaiserreiches durch N I erinnern. Das Denkmal war auch Ausdruck einer Zeit.


    Geschichte ist natürlich nicht durch ein Denkmal darstellbar, aber Denkmäler verweisen auf viele zusammenhängende Hintergrundgeschichten zum Nachdenken. Das ist nun alles Geschichte. Die Wunden sind geschlossen.

    Wie sagte Alexander von Humboldt: "Ein Volk, das keine Vergangenheit haben will, verdient auch keine Zukunft".

    Ich wollte eigentlich nicht so weit in die Details gehen und Teilnehmer des Forums langweilen. Können wir es dabei belassen?

    newly


    hallo, ich stimme Ihnen völlig zu!

    Aus meiner Sicht wäre es schön, wenn der Brunnen wieder auf den Schlossplatz käme...unter bestimmten Voraussetzungen. Dann müsste z.B. auch das Umfeld stimmen.

    Der Neptunbrunnen ist einfach zu schade, zu wertvoll, um ihn einfach nur dahinzusetzen, um davon vor der Kulisse des Schlosses Fotos schießen zu können.

    I.Ü. braucht es natürlich zuvor bzw. gleichzeitig eine gute Alternative für die entstehende Lücke vor dem Roten Rathaus.

    Also der Brunnen wieder vor das Schloss und dazu Voraussetzungen des Umfeldes: sehr gut.

    Fotos vom Brunnen mit der Schlosskulisse sind doch in jedem Fall ein Zeichen, dass er dort gefällt und richtig steht.

    Das Umfeld, insbesondere die Breite Straße, soll nach den Planungen des Bausenats erheblich aufgehübscht und als lebendiges Stadtquartier entwickelt werden.

    Vor dem Roten Rathaus wird ein Wettbewerb ausgeschrieben. Vom Gewinner wird es abhängen, wie eng, wie modern oder wie parkartig weit die städtebauliche Lösung sein wird. Erst dann wird es möglich sein, einen entsprechend schönen, modernen, ausdrucksstarken Brunnen oder Fontaine, oder Ergänzung der Wasser-Kaskaden zu entwerfen. Deshalb könnte die Lücke doch länger dauern. Sollte man so lange mit einem Beschluss und mit der Realisierung der Brunnenumsetzung warten?

    Es ist schon ein erheblicher Unterschied, ob etwas zerstört wird, oder ob etwas nach Jahrzehnten nicht wieder konstruiert wird.

    Also, es gibt schon lange keine Reitersstatue von W I mehr, die vom Sockel genommen werden könnte.

    Wer den Siegen gegen Napoleon huldigen will, kann aber nach wie vor zur Siegessäule pilgern.

    Die Zerstörung des Nationaldenkmals (Abbau und Einschmelzung) verantwortet in erster Linie die damalige DDR-Regierung.

    Mit der Abnahme von W I samt Pferd meint Milla das Denkmal in Stuttgart. Das steht noch auf dem Karlsplatz.

    Die beiden Napoleon I und III hatten ihre permanent aggressive Politik gegen deutsche Länder betrieben.

    N III forderte die westrheinischen Gebiete. Deshalb war das Nationaldenkmal durchaus ein historisches Beispiel für die nach 1806 wieder gewonnene deutsche Einheit im 19. Jhd. Es geht heute wirklich nicht darum, "Siegen gegen N huldigen zu wollen", sondern es geht darum, aus Denkmalen, auch aus pompösen, von Geschichte und von Sichtweisen der Vorfahren selbstkritisch zu lernen und sie nicht einfach zu zerstören nach dem Motto, es gibt ja genügend, Denkmäler dann pilgern wir eben zu einem anderen.

    Moderationshinweis: Aus dem Thema Berliner Stadtschloss - Umfeld (Schlossplatz, Schlossfreiheit, Lustgarten & Spreeufer) hierher verschoben.


    19.01.2021 Franka: Strang wurde nochmal verschoben. ursprünglicher Strangtitel "Geschichtliche Einordnung des Kaiser-Wilhelm-Natiionaldenkmals"


    Nachdem ich die künstlerische Philosophie und denkmalpolitische Überzeugung des Wippen-Entwerfers und Bauleiters Milla in der Zeitung gelesen habe, wundert mich nichts mehr. Seine Überzeugung: Man könnte doch alte Denkmäler, z. B. das Kaiser-Wilhelm Denkmal in Stuttgart „umkontextualisieren“ . Er schlägt vor, z. B. die Reiterstatue von W. I vom Sockel zu nehmen, irgendwo (?) hinzustellen und statt dessen ein anderes vorhandenes Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf das geleerte Fundament/Podest zu stellen.

    Er geht also locker, kreativ, ideenreich mit alten Denkmälern um und hat keine Bedenken, dadurch die Geschichte zu manipulieren, zu ironisieren und bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden. Er löscht damit bedenkenlos die Erinnerungskultur und Erklärbarkeit im historischen Kontext auch bei Denkmälern, die eine kritische historische Erklärung bedürfen. Die Wippe ist also ein bewusster, von Thierse und anderen Entscheidern tolerierter Akt der Zerstörung des Ensembles zwischen Berliner Schloss, Eosanderportal, Schinkelplatz und Bauakademie, und ebenso des Nationaldenkmals, das 1871 an den Sieg-Frieden gegen Napoleon III, und auch an die Befreiungskriege gegen Napoleon I erinnert hat.