Bei aller berechtigten Kritik muss ich den Lübecker Denkmalschutz hier noch einmal explizit loben. Der Umstand, dass der Bürgermeister der oberste Denkmalpfleger ist, ist zweifelsohne suboptimal. Trotzdem halte ich die Lübecker Denkmalschutzbehörde, vielleicht zusammen mit der von Leipzig, für die beste in ganz Deutschland. Klar, es gehen auch hier regelmäßig historische Bauwerke verloren, doch wenigstens hat der Denkmalschutz zuvor versucht, diese mit einer Unterschutzstellung zu erhalten.
Alleine in der letzten Woche hat der Lübecker Denkmalschutz drei sehr lobenswerte Aktionen durchgeführt.
Als erstes wäre die bereits erwähnte Unterschutzstellung des Hauses Seeblick von 1919 am Brodtener Steilufer zu nennen. Klar, das Haus wird mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit trotzdem abgerissen, dennoch wird das Gebäude beim Abriss dokumentiert, und die Unterschutzstellung ist ein Zeichen dafür, dass man sich des Verlustes bewusst ist.
Quelle: https://www.hl-live.de/text.php?id=174551
Als Zweites möchte ich auf die Werkssiedlung Herrenwyk zu sprechen kommen. Mal eben wurden mehrere Straßenzüge und wohl an die 100 Häuser (Inklusive Vorder- und Rückseiten) als Flächendenkmal unter Schutz gestellt (!). Als ich davon hörte, konnte ich es kaum glauben, da die Gebäude mitunter in einem maximal verunstalteten Zustand sind. Ehrlich gesagt würde es mich wundern, wenn sich in den meisten Bauwerken überhaupt noch mehr als 50 Prozent Originalsubstanz befindet. Die Lübecker Behörde scheint glücklicherweise keinen Substanzfetischismus zu betreiben, weshalb wir nun über die nächsten Jahre erleben dürften, wie die Siedlung nach und nach zu ihrem alten kaiserzeitlichen Gesicht zurückfindet.



So sieht das Straßenbild aus:
Quelle: https://www.luebeck.de/de/presse/pressemeldungen/view/142080
Als Drittes möchte ich erwähnen, dass die Behörde gerade gestern (siehe Denkmalliste vom 22.8.) mal eben einen großen Teil Travemündes unter Denkmalschutz gestellt hat. Ein Großteil der Gebäude im Steenkamp sowie in den angrenzenden Straßen (größtenteils aus den 20er- und 30er-Jahren) wurde flächendeckend unter Denkmalschutz gestellt. Dies betrifft mal eben über 50 (!) Häuser, die mitunter die Größe von Wohnblocks haben. Meine Vermutung ist, dass dies gerade jetzt geschah, da die Baugesellschaft, welche einen Großteil der Wohnungen besitzt, gerade dabei war, die Gebäude teilweise umfangreich und hässlich zu sanieren.



So sieht das Straßenbild aus
Quelle: https://www.luebeck.de/de/stadtleben/…kmallisten.html