Posts by Tobias_HH

    Hallo Leute,

    als hier betroffener muss ich mal sagen, dass ich es ziemlich merkwürdig finde, dass Ihr immer auf Entwürfen von anderen Leuten rum malt. Natürlich kann man immer über Fragen des Geschmackes diskutieren, aber es handelt sich ja um ein Entwurfswerk eines Architekten. Nur mal kurz für Eure Vorstellung: wenn das hier ein Forum für bildende Kunst wäre - würdet Ihr dann auch auf den Bildern rum malen, um die Wirkung zu verbessern?

    Es gibt ja grundsätzlich zwei Entwurfsprinzipien: entweder von innen an außen oder von außen nach innen. Natürlich versucht man beides bestmöglich zu verbinden, aber es ist eine Waage, die selten vollständig im Gleichgewicht ist.

    Es ist ja auch nicht so, dass wir unsere Hausaufgaben nicht machen. Und es gibt eben Voraussetzungen, die man gar nicht wissen kann, wenn man nur auf die Fassade blickt. Ein mittiges Fenster im 1. Dachgeschoss verbietet sich leider, weil direkt dort eine Wohnungstrennwand ist (die beiden Fenster gehören zu 2 Wohnungen). Insofern scheidet das leider aus. Ob man die Faltung der Fassade in eine Teilung der Fenster übernehmen will ist sicherlich Geschmacksfrage. Ich denke, da kann man sicherlich nochmal drüber nachdenken. Für mich spricht bisher dagegen, dass die Fenster durch die Faltung in einer ganz anderen Linie liegen, so dass die Fenstertrennung die jetzt auf der 2D-Ansicht logisch aussieht in gebauter Realität ganz anders aussieht.

    Die feiner aufgelöste Treppung des Giebels gegenüber historischen Vorbildern ist ja gerade das Gestaltungsprinzip des Haues, da würde ich nicht dran wollen. Es geht ja darum ein heutiges Haus im historischen Kontext zu bauen - und heutige Häuser sind halt anders als historische.

    Tobias_HH

    So, jetzt ist das Forum aus dem Winterschlaf erwacht... Wo doch gar kein Frost gewesen ist.


    Ich wollte nochmal Neuigkeiten bezüglich der Alfstraße 25 vermelden (dort bin ich ja bekanntlich Mit-Bauherr). Nach der ersten Vorstellung im Gestaltungsbeirat im September, haben wir ja ein paar Hausaufgaben mitbekommen. Wir sollten insbesondere die Faltung überprüfen, da die sich sonst ergebenden Fensterpositionen insbesondere in den Dachgeschossen zu einem leeren Fleck in der Mitte führen.


    Wir haben das Faltungsraster halbiert. Das war erst ungewohnt, aber inzwischen mag ich es ganz gerne. Da die Fassade jetzt nicht mehr zu expressiv nach vorn faltet, war leider die Idee mit den vorgeschobenen Glasfenstern nicht mehr zu realisieren. Diese hätten die nur noch halb so tiefe Fassade zu sehr dominiert, so dass wir sie weggelassen haben. Insgesamt ergibt sich jetzt eine stimmigere Aufteilung der Fenster auf der Fassade. Besonders gerne mag ich die neu entworfenen Brüstungen mit ihren Geländern. Im Erdgeschoss gibt es eine Putzfassade, die ebenfalls die Faltung aufnimmt.


    Am schwierigsten war es eigentlich wieder bis zum Gestaltungsbeirat zu kommen, dessen Termine sind ja sehr knapp. Aber im Dezember hat es geklappt, die Zustimmung wurde erteilt und der Bauantrag ist eingereicht.


    Aber ich will gar nicht so viel schreiben - Ihr habt ja vermutlich eine eigene Meinung. Ich bin gespannt.



    Und hier nochmal die Ansicht von vorne zusammen mit den Nachbarn. (Darfst Du gerne in Deine Sammlung übernehmen, Frank...:smile:)




    Beste Grüße,

    Tobias_HH

    Daher frage ich mal ganz direkt: Willst du den bisherigen Entwurf übernehmen oder planst du eine andere Fassade??

    Vielen Dank für die direkte Frage...


    Wir haben uns nach der Anhandgabe natürlich mit dem vorliegenden Entwurf beschäftigt und uns auch mit Architekt Steffen getroffen. Allerdings haben wir uns gegen eine Realisation dieses Entwurfes entschieden. Dies hatte weniger mit der Fassade als mit dem Rest des Entwurfes im Inneren des Hauses zu tun. Da wollen wir einfach etwas anderes bauen und dies wäre mit der Fassade nicht in Deckung zu bringen gewesen.


    Es wird also eine andere Fassade werden. Aber mit Sicherheit kein Satteldach ohne Schmuckgiebel - da braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen!


    Ich bin (das gebe ich gerne zu) kein großer Freund von Voll-Rekonstruktionen. Und damit meine ich jetzt den Wiederaufbau von "0". Ich bin aber ein sehr großer Freund des Merkmals der Einfügung und der Ortsangemessenheit. Und hier ergibt sich m.E. für das Gründungsviertel der "Zwang" zu einer gewissen Detailverliebtheit und (Fassaden-) Prächtigkeit.


    Auch die Renovierung und Sanierung eines alten Gebäudes sollte (bei dessen Vorhandensein) immer bevorzugt geprüft werden (schon aus Gründen der Nachhaltigkeit). Das betrifft in meinen Augen übrigens nicht nur die schönen Gründerzeitbauten, sondern eben auch Bauten der 50/60/70-er Jahre (so sie denn eine Qualität haben). Nur wenn eben nichts da ist, dann interessiert mich eher einen neuen Entwurf zu machen, der aber deutlich machen muss, was er an Qualitäten mitbringt.


    An diesem konkreten Ort forsche ich (für mich) an der beliebten Frage (die hier ja immer mitschwingt): Warum sind eigentlich die alten Gebäude immer schöner als die Neuen? OK, etwas verallgemeinert. Im Wesentlichen habe ich da für mich das Thema der Ornamentik im Blick. Wie könnte eine heutige Ornamentik aussehen, die eine ähnliche Genauigkeit im Detail produziert, wie wir es an alten Fassaden so lieben. Das ist m.E. das Thema, dass so ausgesprochen schwer zu beantworten ist und das mich umtreibt.


    Wir wollen unseren Entwurf in der Mai-Sitzung des Gestaltungsbeirates vorstellen. Insofern kann die Neugier dann gestillt werden.


    Tobias.

    Guten Tag,


    zunächst einmal möchte ich mich vorstellen: Ich bin (zusammen mit meiner Frau) der zukünftige Bauherr des Grundstücks Alfstraße 25. Einen Anhandgabevertrag haben wir unterschrieben.


    Ich freue mich über dieses Forum und die anregende Diskussion, der ich gerne folge. Eine sehr bewundernswerte Arbeit - insbesondere von Frank.


    Trotzdem muss ich hier mal dazwischen grätschen - auch wenn es mein erster Beitrag ist:


    Abb.2.: Gesamtsituation an der Geraden (ehemals Krummen) Querstraße. Gut zu sehen ist, dass diese neue Querstraße leider doch ein ganzes Stück breiter gehalten wird als die im Hintergrund zu sehende historische.


    Ich verstehe die viele der Ansätze von Euch zu Fragen der Rekonstruktion. Trotzdem müssen wir uns klar machen, wo Grenzen sind, wenn wir heute an ein solches Projekt herangehen. Denn eines ist ja klar, egal wieviel Mühe man sich gibt, man legt ja keine Originalsituation wieder frei, sondern baut neu. Insofern finde ich es rechtmäßig und legitim, dass die wesentlichen Aspekte von heutigem Wohnen, wie zum Bespiel Brandschutz, Wärmeschutz, Belichtung beachtet werden. Insofern halte ich es auch für richtig Straßen zu bauen, die den heutigen (Mindest-)breiten entsprechen. Denn das heute deutlich weniger Menschen bei Bränden sterben und sich Brände nicht ausbreiten ist nun mal den aktuellen Bauweisen zu verdanken. Insofern kommt für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5 (oberstes Geschoss mit Aufenthaltsräumen höher als 7m) eine historische Straßenbreite schlicht nicht in Frage, weil die Feuerwehr dort nicht retten kann. Auch sollten die Gebäude im Sinne der Erderwärmung energetisch effizient sein, was leider ebenfalls manche Baudetails ausschließt.


    Ich habe eine ganze Menge in diesem Forum gelesen und ich hatte den Eindruck, dass hier inzwischen nur noch vermeintliche (!) Rekonstruktionen abgefeiert werden. Daher hier meine Frage: Ist eine möglichst strenge Rekonstruktion erstrebenswert, wenn Detaillösungen (Bautenschutz, Wärmeschutz) immer zu schlechteren Detaillösungen führen als im Original? Oder sollte man sich dann nicht lieber für einen neuen Entwurf entscheiden?


    Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde es total super, wie einige Entwürfe hier "auf die Nuss" bekommen. Völlig zurecht. Ich würde aber mal die These aufstellen, dass Frank zum Rekonstruktionsbefürworter geworden ist, weil einige Architekten hier keine erstklassigen Arbeiten abliefern (oder von ihren Bauherren zu einfacheren Entwürfen überredet werden).


    Viele Grüße,
    Tobias.